Archiv des Militärhistorischen Instituts in Belgrad (Arhiv Vojnoistorijskog instituta)

  • Hallo,


    bei meinen Recherchen im Bundesarchiv in Berlin und in Ludwigsburg bin ich immer wieder auf Dokumente über die Ordnungspolizei in Kroatien 1943 bis 1945 gestoßen, welche von Jugoslawien im Rahmen von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen an Deutschland übergeben wurden.


    In diesem Zusammenhang habe ich oft den Hinweis gelesen, dass es dort noch viel mehr Dokumente zum Einsatz der deutschen Polizei geben soll, diese aber nicht oder nur schwer zugänglich sind.


    Ich recherchiere insbsondere zum Einsatz der Polizei-Freiwilligen-Bataillone in Kroatien. Hier im Forum und im Netz bin ich immer wieder mal auf einzelne Dokumente des Polizei-Freiwilligen-Regiments 1 "Kroatien" von April/Mai 45 gestoßen. Entgegen Mutmaßungen kam auch im Februar/März 45 noch Feldpost aus Kroatien nach Deutschland durch. Auch wurden von den Bataillonen noch Verlustmeldungen an die Regimenter übermittelt.


    Möglicherweise bestehen in den Beständen in Belgrad noch Unterlagen hierzu. Hat jemand schon mal dort gearbeitet, hat Kontakte, Tipps? Ich wäre für jeden Unterstützung dankbar.


    Gruß
    Kai

    Edited once, last by Freiburger: Rechtschreibung ().

  • Hallo Kai,


    damit zu tun hatte ich noch nicht, aber wenigstens kann ich Dir die Adresse geben:


    Vojnoistorijski institut Vojske Srbije
    Birčaninova 5
    11000 Beograd (Savski Venac)
    T: 011/300-6297
    F: 011/300-6297


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Danke Thilo!


    Ich hoffe mal auf weitere Rückmeldung. Vielleicht kann man mit denen ja auf Englisch und per Email kommunizieren. Wenn nicht müsste ich mal meine beruflichen Kollegen in Serbien aktivieren.


    Kai

  • Hallo Thilo,


    jetzt habe ich den Haken gefunden, Zitat von der Webseite des Instituts:


    "Foreign citizens


    The military Archive is not authorized to have a direct communication
    with foreign legal and physical entities. Foreign citizens, who would
    like to use the archival materials of the Military Archive, submit an
    application to the Diplomatic and Consular Office of the Republic of
    Serbia in their country or their Diplomatic and Consular Office in the
    Republic of Serbia. The received application is submitted to the Office
    of the Minister of Defense for approval.


    When a foreign researcher visits a scientific institution of the
    Republic of Serbia and submits an application to that institution or
    directly to the Military Archives, his application with the opinion will
    be submitted to the Cabinet of the Minister of Defense.


    If a foreign researcher does not speak Serbian language, he/she should provide a translator."


    Damit endet die Suche dann hier für mich. Der Weg über Botschaft und Dolmetscher ist mir dann als Privatperson doch zu aufwendig.


    Gruß
    Kai

  • Hallo Kai,


    hier die Benutzungsordnung für ausländische Besucher (auf Englisch):


    http://www.vojniarhiv.mod.gov.…sadrzaja=103&active=tekst



    Ich verbrachte dort etwa zwei Arbeitswochen im Jahr 2013, und machte dabei interessante Erfahrungen. Zum Beispiel, es scheint so aus, dass man die alten, ziemlich restriktiven Regeln aus der Zeit der Sozialismus einfach übernommen hat; so kann der Benutzer nur mit denjenigen Fonds arbeiten, welche er in seinem ursprünglichen Vorstellungsbrief an das Archiv angeführt hat. Darüber hinaus kann man pro Tag nur eine beschränkte Anzahl einzelner Dokumente bestellen, wodurch das gelegentliche -und öfters lohnende- Durchstöbern ausgeschlossen ist. Wenn man Kopien ausfertigen lassen möchte, dann muss er einen gesonderten Antrag an das Ministerium richten (wieder über diplomatische Kanäle), was ziemlich lange dauern kann. Mittlerweile habe ich gehört, dass (gebührenpflichtiges) Fotografieren erlaubt ist.


    Ich habe mich damals für die originalen Polizei-Unterlagen nicht besonders interessiert, kann aber sagen, dass die Sammlung der kriegsgeschichtlichen Beiträge, der von deutschen Kriegsgefangenen verfasst wurden, recht beachtlich ist. Was die Polizei angeht, habe ich momentan nur ein Paar relevanter Signaturen:


    - Arhiva VII, k. 76—a, rg. br. 21/3—a (Aleks Sumaher [sic], Regiment "Nagel") [Schachtel 76-a, Faszikel 3-a, Dokument 21];
    - Arhiva VII, k. 76—a, rg. br. 22/3—a (Filip Safner, Regiment "Nagel");
    - Arhiva VII, k. 25—a, rg. br. 23-3 (Kristijan Stip, April 1945).


    Mit besten Grüßen,


    Gaius


    P.S.


    Seit 2006 heißt die Einrichtung einfach "Militärarchiv" (AVII ist demnach eine veraltete Bezeichnung).

    Edited 4 times, last by rommel_gaj ().

  • Hallo Gaius,


    vielen Dank für diese Informationen.


    Jetzt verstehe ich auch was damit gemeint ist, wenn es heißt, die Informationen seien schwer zugänglich. Serbisch spreche ich schon mal nicht, also bräuchte ich wohl jemand der dolmetscht vor Ort. Und ohne Findbuch und bei diesen strikten Regelungen, wie will man denn da was finden? Oder hatten die dort soetwas?


    Im Moment sehe ich da Kosten in Höhe von 1.000 bis 2.000 € für einen Recherche die total offen ist und ein zeitlicher Rahmen der nicht abschätzbar ist. Nicht wirklich überzeugend.


    Gruß
    Kai


  • Hallo Kai,


    Findbücher und Inhaltsverzeichnis (Karteikasten) sind schon vorhanden, das letztere zumindest auch für das Gros der deutschen Dokumente. Kriegsgefangenen-Berichte sind vorwiegend auf Deutsch verfasst, aber ich habe auch solche Aufsätze gesehen, die von Volksdeutschen auf Serbisch geschrieben wurden.


    MfG,


    Gaius

    Edited once, last by rommel_gaj ().

  • Hallo Kai,


    habe mal in der Tito-Zeit für zwei Jahre in Belgrad gelebt und war damals immer wieder erstaunt über den bürokratischen Dschungel der in den unterschiedlichsten staatlichen Institutionen herrschte und noch mehr über die Sturheit der Dschungelbewohner in Bezug auf Vorschriften, insbesondere bei eindeutig unsinnigen. Scheint ja immer noch so zu sein.
    Es gab aber damals etwas, womit man (fast) überall durchkam: Beziehungen, dauerte ein wenig bis ich verstand, aber dann war es recht einfach.
    Mein Rat: werfe Deine Netze aus und suche Kontakt zu Menschen in Belgrad/Serbien die sich in der dortigen Archivarbeit auskennen. Sprachhindernisse dürfte es kaum geben, diese Leute sprechen alle eine gängige Fremdsprache und Dein Budget dürfte auch weniger beansprucht werden.


    Beste Grüße


    Paul


    PS, hier im Forum gibt es einige Teilnehmer, die in den Nachfolgestaaten Jugoslaviens wohnen, vielleicht geben sie Tipps; Gaius hat ja schon wertvolle Hinweise gegeben.


    G-W-G'

    Edited 3 times, last by Paul Spohn ().

  • Hallu Paul,


    Ich hab dienstlich ein paar Kontakte nach Serbien, die ich jetzt mal versuche zu aktivieren.


    So wie Du es schreibst, habe ich es gestern auch mit meinem Vater vereinbart. Es macht einfach keinen Sinn diese Recherchen als Ausländer dort zu machen. Die Kosten und die Umstände sind erheblich. Ich werde mal versuchen einen Studenten zu finden, der Deutsch spricht und sich etwas nebenbei dazu verdienen möchte.Das ist das unterm Strich viel flexibler, schneller und deutlich günstiger als die ganze hin- und herfliegerei und der Papierkrieg mit den Konsulaten.


    Ich halte euch auf dem Laufenden.


    Gruß
    Kai

  • Hallo Freiburger,
    Ich habe Ihnen betreffs Belgrad eine mail geschickt.


    Grüsse
    Byron