Deutsche Handgranaten im II. Weltkrieg: Arten, Verwendungszweck und ihre Verwendung im Einsatz

  • Hallo,,



    mir sind die Blendkörper 1H und 2H bekannt, Beide waren Glaskörper, die mit Titantetrachlorid gefüllt waren, das beim Zerbrechen des Glaskörpers mit der Luft reagiert und eine Wolke aus Chlorwasserstoff erzeugt, die sowohl die Sicht nimmt als auch die Schleimhäute reizt.


    Der Belndkörper 1H war nur mit Titantetrachlorid gefüllt, 2H zusätzlich in einem separaten Glaskolben mit Kalziumchlorid, damit der gewünschte Effekt auch bei geringer Luftfeuchtigkeit eintritt.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Thilo, Danke.

    Von der Art her waren sie aber schon Mitte 1943 im Einsatz, nicht, wie im Bericht, erst ab Ende 44 bis zum Schluß.

    Gruß Paule

  • Hallo Paule,


    mir sind Beton-Handgranaten (ohne Stiel) auch erst aus späterer Zeit bekannt (1944/45).


    Was mich etwas stutzig macht, ist die Anmerkung "aus der Fertigung des Pi.Btl.384" im letzten Satz! Könnte es sich im konkreten Fall um eine Art feldmäßige Befehlshandgranate gehandelt haben?


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Sefan,

    glaube nicht, daß es in der Goßdeutschen Wehrmacht Alleingänge gibt.

    Es wird ja auch die HDV 130/2a zitiert. Dort müsste sie evtl. beschrieben sein.

    Gruß Paule

  • Hallo,


    Laut " Hahn Waffen und Geheimwaffen...Behelfshandgranate, 1943 bei der Truppe eingeführt, 0, 55 kg schwer, Durchmesser 70 mm, höhe 90 mm, aus Beton, Im Holzstiel meistens eine Bohrpatrone 28.

    Die Zementmischung wurde mit der Zeit rissig.


    Daraus entstand dann die Volkshandgranate 45,

    Laut "Waffen - Arsenal" Nr. 174 wurde die nachfolgende "Beton -Eihandgranate" als "Volkshandgranate 45" bezeichnet.

    In Beton eingegossene Eisensplitter mit Pappummantelung, Splitterwirkung 100 m, deshalb Auftdruck " Spl". Herst.: Zementfabrik Rüdersdorf, Brennzünder 40 ( S. o. 39) Sprengkapsel No. 8.



    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    besten Dank für die Informationen.


    Die Behelfshandgranate (Beton) kenne ich nur als Stielhandgranate - als stiellose Betonhandgranate ist mir nur die (zylindrische, nicht eiförmige) Volkshandgranate 45 bekannt.


    Schnittzeichnungen mit technischen Angaben kann ich bei Bedarf gerne via PN nachreichen - hier einstellen geht leider aus urheberrechtlichen Gründen nicht.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo,


    offenbar hatte man bei der 384. Infanterie-Division nicht viel zu tun - sie lag im August 1943, als dieses Merkblatt heraus kam, in Frankreich.


    Normale Stiel- und Eihandgranaten der WH wirkten als Spreng- und nicht als Splitterhandgranaten. Dadurch war die Wirkung deutlich berechenbarer, was die Gefährdung der eigenen Truppe gering hielt. Außerdem war ein Einsatz als geballte oder gestreckte Ladung möglich, was bei Splitterhandgranaten nicht funktioniert.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo zusammen,


    An dem oben gezeigten Dokument gibt es nichts zu deuteln: die Beton-Ei-Handgranate wurde offensichtlich zu diesem Zeitpunkt bei der Truppe gefertigt (nicht allzu ungewöhnlich) und in der H.Dv. 130/2a ist natürlich nur der Gebrauch der regulär eingeführten Handgranaten beschrieben; der Verweis im Dokument bezieht sich auf den Unterschied in der Handhabung.


    Laut Fleischer/Jülch: Deutsche Nahkampfmittel bis 1945, S. 71 ff. lieferte PreussAG erst ab Ende 1944 ei- und zylinderförmige Beton-Hgr. aus, zuvor werden sie gemäß o.g. Dokument aus der Truppenfertigung gekommen sein.


    Außerdem gab es unter den Behelfs-Hgr. noch die Glas- und die Nipolit-Hgr.; erstere mit Glaskörper, letztere ohne bzw. mit Textil- oder Pappumhüllung (im genannten Buch wird die Nipolit-Hgr. inkonsequent mal als Nipolit-, mal als Volks-Hgr. bezeichnet. Fritz Hahn: Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933-1945, Band 1, S. 62 f. unterscheidet die Behelfs-Hgr. (ab März 1943, Beton) von der Ei-Hgr. aus Beton (ab Ende 1944), der Volks-Hgr. 45 (Stahlsplitter, Beton und Sprengstoff in Papphülle) und der Nipolit-Hgr. Seine Einteilung scheint mir die schlüssigere zu sein.


    Zur Verwendung ist zu sagen, dass sich der Grundsatz 'Angriff ist die beste Verteidigung' bei den deutschen Hgr. widerspiegelt: alle zunächst mit dünner Blechhülle ausgestattet, waren sie vor allem als 'Angriffs-Hgr.' geeignet - man konnte der soeben geworfenen Hgr. hinterherspringen, ohne selbst zu sehr von den eigenen Splittern gefährdet zu sein. In der späteren defensiven Kriegsphase musste dann der aufschiebbare Splittermantel her, um dem Angreifer aus der Deckung heraus einen Hagel aus Stahlsplittern entgegenschleudern zu können.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo!


    Bezüglich der Handgranaten-Frage möchte ich noch zwei Auszüge aus englischsprachiger Literatur zeigen, vielleicht noch nicht bekannt, vielleicht allgemein hilfreich oder anschaulich ...


    Grüße

    Sven

  • Hallo Thomas und. alle anderen Leser,

    In der späteren defensiven Kriegsphase musste dann der aufschiebbare Splittermantel her, um dem Angreifer aus der Deckung heraus einen Hagel aus Stahlsplittern entgegenschleudern zu können.

    Die Einführung der Splitterringe ( offizielle Bezeichnung) ist auf Himmler zurückzuführen, der durch die SS von den guten Erfolgen der sowj. RGD 33 gehört hatte.

    Daraufhin kam es zu zwei konkurrierenden Entwicklungen durch das SS -Führungshauptamt ( glatter Splitterrring) und des Heereswaffenamtes (geriffelter Splitterrring). Letzlich wurde, weil zuerst fertig, der glatte Splitterring und danach der geriffelte Splitterring eingeführt.

    Sh. PawlasS. 4620,-1801- 100- 3 dort auch Abdruck einiger Originaldokumente. Vorgesehen war 1/3 der Jdgr. mit Splitterringen zu versehen.


    Gruß Karl

  • Auch zu diesem Thema kann ich nur sagen :"Jeder hat probiert, verbessert und sich den jeweiligen Situationen angepasst!"

    Mangel und Not schaffen Kreativität.

    Rohstoffe gibt es überall, umschauen ist wichtig!


    Anrede und Gruß ist auch wichtig...Huba

  • Hallo,

    Mangel und Not schaffen Kreativität.

    dachten sie auch in Nagold in den sechziger Jahren und bauten Ersatz DM 12 mit Holz. Sache ging gut, bis so ein Ding neben einem Kopf explodierte. Gab etwas Ärger.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer,


    ich nehme an, dass es sich z. B. um einen "Simulator Bodensprengpunkt" handelte, könnte aber auch eine Panzer Abwehr Richtmine DM 12 ( genau DM 12 A1B1) oder DM12 (A2B2) sein, deshalb bitte ich Dich um Präzisierung, da es die" Deutsche Modellbezeichnung" (DM 12) bei der BW mehrfach gibt, je nach Waffentyp bzw. Waffenklasse.;)


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,

    DM 12 war der Simulator Bodensprengpunkt in Form einer Styroporstielhandgranate, die bei Explosion in der Hand diese zerriss.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer,


    nun ist alles geklärt. Das Ding:

    Simulator Bodensprengpunkt in Form einer Styroporstielhandgranate,

    hat ordentlich gekracht. Hätte man so mit Styropor nicht gedacht.


    Grüße von Karl und achte auf Deine Gesundheit!

  • Hallo Karl,

    hat ordentlich gekracht. Hätte man so mit Styropor nicht gedacht.

    ist so ein Ding einen halben Meter neben deinem Kopf expoldiert, dann war für eine halbe Stunde oder länger bei dem betroffenen Ohr Funkstille. Und mit einer geballten Ladung, schön mit Klebeband umwickelt, konnte man richtig sprengen.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique