Der Rassismus im NS-Staat

  • Tag allerseits,


    danke an Chris für die Ergänzung i.S. Arier.


    Das Problem der in Deutschland damals lebenden Deutschen jüdischen Glaubens war vielfach, dass sie sich in erster Linie als Deutsche und sich dem deutschen Bürgertum zugehörig fühlten. Viele sog. "Mischlinge" (Viertel- und Halbjuden) wollten auch diesem damaligen Staat in der Wehrmacht dienen. Im Bürgertum der Deutschen jüdischen Glaubens in den Städten
    Deutschland gab es kaum Strenggläubige; vielfach waren es auch "Glaubensferne".


    Heute geht man davon aus, dass in der Wehrmacht - trotz der Vorschriften des Wehrgesetzes - bis zu 150.000 Juden und "jüdische Mischlinge" dienten.


    Ich zitiere aus der FAZ


    ...Das nationalsozialistische Regime tat sich - dies wird sehr deutlich - mit den "Mischlingen" außerordentlich schwer. Nicht nur bei den verschiedenen Machtinstanzen des Regimes waren unterschiedliche Auffassungen anzutreffen, sondern auch Hitler selbst schwankte in der Mischlingsfrage und legte ein widersprüchliches Verhalten an den Tag. Selbst noch in der letzten Kriegsphase verwandte er viel Zeit darauf, Anträge von "Mischlingen" auf Befreiung von den Rassegesetzen persönlich zu überprüfen und zu entscheiden. Tausende hat er für "deutschblütig" erklärt.


    Doch die generelle Tendenz einer Verschärfung bei der Behandlung von Soldaten jüdischer Herkunft ist eindeutig. Aufgrund einer Vereinbarung zwischen Hitler und dem Reichskriegsminister im Jahr 1936 hatten Halb- und Vierteljuden Wehrdienst zu leisten, durften aber ohne Zustimmung Hitlers nicht zu Vorgesetzten ernannt werden. 1940 wurde angeordnet, "Halbjuden" und Ehemänner von Jüdinnen oder "Halbjüdinnen" aus der Wehrmacht zu entlassen; Ausnahmen waren möglich. Und weil viele Einheiten diesen Erlaß nicht durchführten und weil zahlreiche Ausnahmegenehmigungen erteilt wurden, blieben Tausende von Halbjuden in der Wehrmacht. Viele wollten unbedingt Soldat bleiben und kämpften verzweifelt um ihre Anerkennung als "Arier" - auch mit dem Motiv, auf diese Weise ihre Angehörigen zu schützen....




    Dazu:


    http://www.deutschlandfunk.de/…ml?dram:article_id=102249


    Grüße
    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo zusammen,


    die "Judengesetze" innerhalb der Wehrmacht wurden im Verlaufe der Jahre immer wieder geandert,erweitert oder z.T. sogar aufgehoben.


    Laut den Verordnungen fuer die Musterung und Aushebung fuer das Jahr 1935 und 1936 ,waren jüdische Mischlinge der Ersatzreserve II zu ueberweisen.
    Mit den neuen Bestimmungen der D 2/1 "Verordnung über die Musterung und Aushebung" vom 17.4.1937 hatten jüdische Mischlinge jedoch die aktive Dienstpflicht und auch die Arbeitsdienstpflicht zu erfuellen.



    Im April 1940 hatte Adolf Hitler allerdings eine neue Entscheidung ueber die Behandlung jüdischer Mischlinge in der Wehrmacht getroffen.(siehe Anhang)





    Gruss Chris

  • Hallo,


    unten zwei Dokumente zur Entlassung von "Zigeunern und Zigeunermischlingen" aus dem Wehrdienst und deren Versetzung zur Ersatzreserve II bzw. Landwehr II (nicht zur Verwendung).
    Entlassungsgrund: §24 (2)b Wehrgesetz:

    b) wegen mangelnder Eignung, wenn sie nach dem Urteil ihrer Vorgesetzten die für ihre Dienststelle nötige Eignung nicht mehr besitzen,


    Die Vorgesetzten der Soldaten wurden gar nicht gefragt, ob diese Eignung vorhanden ist. es wurde pauschal unterstellt.


    Grüße
    Thilo

  • Tag allerseits,


    die Entscheidungskette der damaligen Zeit ist in der Tat abenteuerlich.
    In Erbsenzählermanier behielt sich der "Führer" beispielsweise Entscheidungen in Einzelfällen vor, ob ein "jüdischer Mischling" bei der Wehrmacht bleiben durfte. Hitler musste aus seiner Sicht so handeln,
    weil er nicht sicher sein konnte, ob sonst solche Dinge "ordentlich" im Sinne des NS-Staates abgewickelt wurden. Das Misstrauen saß derart tief, dass Hitler mitunter nicht einmal seinen
    engsten Mitarbeitern vertraute. Dieses Beispiel zeigt auch, dass der "Führer" die Grundprinzipien des Regierens nicht beherrschte.


    Gruß
    Bert

  • Tag allerseits,


    als Ergänzung:


    Hitler selbst empfand die Mischlinge als Bedrohung und meinte, dass die völlige Assimilation 'fremden Blutes' unmöglich sei. Da Anträge auf 'Gleichstellung mit Deutschblütigen' vom Innenministerium bearbeitet wurden, ließ sich Hitler über jeden einzelnen Fall informieren. Weil Hitler dies als so wichtig ansah, überließ er ab 20. Februar 1944 seinem persönlichen Sekretär Martin Bormann die letzte Entscheidung. Hitler selbst verhielt sich sehr widersprüchlich. Mal verurteilte er den Dienst der Mischlinge in der Wehrmacht, dann wieder befreite er 260 Offiziere vom Status des 'Mischlings 1. Grades'.


    Bis 1942 wurden darüber hinaus von ihm persönlich 340 Volljuden den 'Mischlingen 1. Grades' gleichgestellt. Nach frei erfundenen Regeln gab er etwa 3.000 Volljuden den Status von 'Halbjuden'. Dann wieder entfernte er 'Mischlinge 1. Grades' oder Beamte, die mit Mischlingen oder Juden in der Ehe zusammenlebten, aus dem Staatsdienst

    Quelle:


    http://www.ghetto-theresiensta…pages/k/kategorien-ng.htm


    Grüße
    Bert

  • Hallo zusammen,


    im Anhang habe ich noch ein interessantes Dokument aus dem russichen Archiv mit Bezug auf den Nachweis der deutschblütigen Abstammung.



    Hallo Thilo,


    Die Vorgesetzten der Soldaten wurden gar nicht gefragt, ob diese Eignung vorhanden ist. es wurde pauschal unterstellt.


    in diesem Zusammenhang wird wohl eher nur die rassische Eignung der Zigeuner und Zigeunermischlinge gemeint sein.




    Gruss Chris

  • Tag allerseits,


    im kulturellen Bereich setzten "rassistische Maßnahmen" ziemlich schnell ein.


    Nach den Berufsverboten von 1933 wurden die Karrieren von jüdischen
    Musikern, Theater- und Filmschauspielern abrupt beendet. Diejenigen,
    die nicht ins Ausland gehen konnten oder wollten – für
    deutschsprachige Schauspieler ohnehin ein fast aussichtsloses
    Unterfangen – gründeten in Berlin den "Kulturbund Deutscher
    Juden", um sich eine weitere berufliche Existenz zu ermöglichen.
    Sie boten Theater, Oper, Konzerte, Vorträge und Kabarett für ein –
    zwangsweise – ausschließlich jüdisches Publikum an.


    Solche Kulturbünde etablierten sich bis 1935 in über hundert deutschen
    Städten. Von Anfang an waren sie der Kontrolle und Zensur des
    Propagandaministeriums unterstellt. Bald musste die Bezeichnung
    "Kulturbund Deutscher Juden" in "Jüdischer Kulturbund
    in Deutschland" geändert werden, denn 'deutsche Juden' durfte
    es nicht geben! Erst kurz vor Beginn der Deportationen in die
    Vernichtungslager 1941 wurde der Kulturbund in Deutschland
    aufgelöst.


    Bei den später einsetzend Bücherverbrennungen war mancher
    deutscher Schriftsteller jüdischen Glaubens davon betroffen und natürlich auch
    bei der "entarteten Kunst" waren es auch Juden, deren künstlerisches
    Wirken als besonders "jüdisch entartet" klassifiziert wurde.


    Heute weiß man auch, dass Goebbels Bilder besaß, die unter
    die "entartete Kunst" fielen. Als guter Nationalsozialist musste er
    sich aber dem "Bildersturm" anschließen.


    Gruß
    Bert

  • Hallo zusammen,


    mit Verfuegung vom 29.2.1936 (AHM 1936 Nr.236) war die Rassenkunde und Erbgesundheitslehre auch in der Wehrmacht im Rahmen des Dienstunterrichts zu behandeln und gehoerte somit zur Weltanschaulichen Erziehung.


    Am 8.Januar 1944 befahl Adolf Hitler zudem ,dass das in dem Buch "Wofür kämpfen wir?" enthaltene weltanschauliche Gedankengut im planmaessigen Unterricht dem Soldaten ueberzeugend und mit allem Nachrdruck nahegebracht wird.



    Nachstehend dazu einmal ein Auszug aus dem besagten Buch:


    ,,Wir glauben als Nationalsozialisten an eine göttliche Weltordnung als eine sinnvolle Ordnung, in die es sich einzufügen
    gilt, die kämpfend und schaffend aufrechtzuerhalten ist. Aus diesem Glauben erwuchs auch das, was wir als
    kennzeichnenden Wesenszug nordischen Menschentums empfinden, was im Midgardgedanken der Germanen ebenso
    Ausdruck fand wie etwa im Kosmosgedanken der Griechen.


    Wir glauben, daß auch die Rassen und Völker Glieder dieser göttlichen Schöpfungsordnung sind und daß sie innerhalb
    dieser Ordnung ihre bestimmte Aufgabe haben. Je klarer ein Volk seine Aufgabe zu erkennen vermag, je reiner und
    reicher es seine ihm innewohnenden Fähigkeiten entfaltet, desto größer wird sein Beitrag sein, die sinnvolle Ordnung
    des Ganzen sicherzustellen.


    ..................................................
    Wir glauben also an die Aufgabe der Steigerung des Menschen, Ihr dient letzten Endes unser Kampf -und
    unerbittlich muß er sein gegen alles, was dieser Aufgabe entgegensteht, denn die sinnvolle Erfüllung gerade dieser
    Aufgabe ist davon abhängig, daß die höchstentwickelte, schöpferischste und befähigste Rasse den entscheidenden
    Einfluß auf die Lebensordnungen der Völker der Erde behält. Vergessen wir dabei nicht, daß mit der Bedrohung unseres
    Volkes und des Germanentums überhaupt die Urheimat der Rasse bedroht ist, die sich bisher als die berufenste erwiesen
    hat: die Urheimat und der noch am stärksten fließende Quell der nordischen Rasse.


    Der Glaube an die göttliche Weltordnung und die Steigerung des Menschen ist Ausdruck unserer Weltanschauung, aber
    noch nicht diese Weltanschauung selbst. Unser Glaube ist der mächtigste Antrieb für all unser Tun und Lassen.
    Aberzueinerwirklich klaren weltanschaulichen Haltung und damit letzten Endes auch wieder zu einer Stärkung des
    Glaubens kommt man nur, wenn der Glaube nicht in Widerspruch gerät mit dem Erkennen, mit der wissenschaftlichen
    Überzeugung. Wir müssen als germanische Menschen die Gewißheit haben, daß sich unser Glaube bei dem Versuch, ihn
    in die Tat umzusetzen, als lebenstüchtig erweist und mit den organischen Gesetzen des Daseins in Einklang steht.


    ...............................................
    Der Führer brachte uns die Erkenntnis der biologischen Lebensgesetze, das Wissen um den Wert und die
    Bedeutung des Blutes.


    Seine Lehre besagt:


    1. Daß die Menschheit verschiedenen Rassen angehört.


    2. Daß jedes Volk nur seinen blutbedingten Gesetzen leben kann.


    3. Daß unser Volk eine Blutsgemeinschaft vorwiegend nordischen Blutes darstellt.


    4. Daß deshalb unser Volk nach Gesetzen leben muß, die nordischem Blut entsprechen.


    5. Daß die Weltgeschichte neben dem Kampf um Lebensrauni den Spannungsaustrag der rassenseelischen
    Weltanschauungen darstellt.


    Der Führer:


    "Ich spreche es hier prophetisch aus, so wie die Erkenntnis des Umlaufes der Erde um die Sonne zu einer
    umwälzenden Neugestaltung des allgemeinen Weltbildes führte, so wird sich aus der Bluts- und Rassenlehre der
    nationalsozialistischen Bewegung eine Umwälzung der Erkenntnisse und damit des Bildes der Geschichte der
    menschlichen Vergangenheit und Zukunft ergeben." (Im Reichstag am 30. Januar 1937)


    Im Mittelpunkt unserer Weltanschauung steht der Blutsgedanke oder Rassegedanke. Danach ist das Blut die
    bewegende Kraft im Leben des einzelnen wie des Volkes. "





    Gruss Chris

  • Tag allerseits,


    man brauchte in der Anfangszeit des NS-Staates geeignete Presseorgane, die mit der Judenhetze begannen.


    Julius Streicher wurde mit seinem widerlichen Hetzblatt "DER STÜRMER" zum Millionär. Als im NS-Staat bekannt wurde, dass sich Streicher auch an jüdischem Vermögen bereicherte, verlor er seine Ämter, das war im Jahr 1940, da ging man dann ohnehin zur Endlösung der Judenfrage über.


    https://www.google.de/search?client=opera&hs=5TJ&biw=1740&bih=841&tbm=isch&sa=1&q=der+stürmer+von+julius+streicher&oq=der+stürmer+von+julius+streicher&gs_l=psy-ab.12...0.0.0.39147.0.0.0.0.0.0.0.0..0.0....0...1..64.psy-ab..0.0.0.PE0S_H0zPHY


    Selbst Goebbels verachtete Streicher wegen seines ordinären Judenhasses. Goebbels brachte "seine Einstellung zur Judenfrage" in der Zeitung "Das Reich" unters Volk - in einer fast akademischen Form!


    1933 vertraute Joseph Goebbels, selbst kein Kostverächter, wenn es um Verleumdung und Hetze gegen Juden ging, dem Prinzen Schaumburg-Lippe an: „Viele unserer Leute gehen ja heute in der Judenfrage viel zu weit. Daran sind diese Streicher und Konsorten schuld und auch Hitler selbst bis zu einem gewissen Grade, weil er diesen grauenhaften Kerl nicht kaltstellte, wie ich es schon oft verlangt habe.“


    Grüße
    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Tag allerseits,


    1935 notierte Joseph Goebbels in sein Tagebuch zu Streicher:


    "Die ganze Welt weiß, dass er die schmutzigste und widerwärtigste Erscheinung des Nationalsozialismus ist; ein Erpresser, ein Pervertierter, ein sadistischer Pornograph, dessen Politik nichts als die Summe seiner verbrecherischen Neigungen ist."

    Zunächst hielt Hitler trotz diverser Korruptionsvorwürfe noch seine schützende Hand über den alten Kampfgefährten, bis die eigenmächtige Enteignung jüdischen Besitzes nach den Novemberpogromen 1938 den "Frankenführer" endgültig zu Fall brachte.


    Ein NSDAP-Parteigericht enthob Streicher 1940 aller Ämter, er blieb jedoch bis zum Kriegsende Herausgeber und Eigentümer des "Stürmer".


    Siehe hierzu


    http://www.deutschlandfunk.de/…ml?dram:article_id=291175


    Grüße
    Bert

  • Tag allerseits,


    es gab viele Menschen der damaligen Zeit, die den Rassismus nicht billigten. Aber in einer Diktatur hat man vorsichtig zu sein und am besten "das Maul zu halten."
    Wenn KZler 1944/45 von ihren Außenlagern aus durch unsere Gemeinde zu ihren Arbeitsstätten marschierten, dann hatten manche damalige Zeitgenossen Mitleid. Man kam nicht auf Idee,
    über solche Dinge im Bekanntenkreis Gespräche zu führen. Und den "mageren KZlern" ein Brot oder Trinkbares zuzustecken, das traute sich damals kaum jemand.


    Auch in dieser Zeit gingen 2 spindeldürre Kinder (wohl Bruder und Schwester) mit Judenstern durch unsere Ortschaft. Sie standen unschlüssig herum und verließen dann unseren Ort.
    Man bemerkte es auch in der Nachbarschaft. Regungen? Keine!


    Meine Mutter packte Brote ein und nahm Milch in einer Flasche mit und lief den Kindern nach. Sie waren so ausgehungert, dass sie die Brote sofort aßen und die Milch tranken.
    Danach hatte meine Mutter gewisse Ängste, dass man sie u.U. beobachtet hatte und das Folgen haben könnte. Ihr "Einsatz" blieb folgenlos!


    Der Bruder von Göring half ganz bewusst Juden und der Unternehmer Schindler tat es letztendlich auch. Doch die Masse des Volkes nahm alles gottgewollt hin. Im NS-Staat herrschte
    eben Kadavergehorsam.


    Grüße
    Bert

  • Hallo,


    nebenbei bemerkt: Hebammen erhielten für die Meldung eines geistig oder körperlich behinderten Neugeborenen lt. Runderlass vom 18.08.1939 eine Prämie vom zuständigen Gesundhaitsamt: 2,00 RM.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Tag allerseits,


    es leben immer weniger Menschen, die den Rassismus des NS-Staates hautnah miterlebten.


    Kürzlich erzählte mir ein älterer Herr (Jahrgang 1931) Folgendes:


    Wir wohnten 1943 in einer kleinen Stadt in Pommern (heute polnisch). Unsere Wohnung in einem Mehrfamilienhaus lag neben der Wohnung eines verwitweten jüdischen Schneiders. In seiner Wohnung lebten auch seine 2 Töchter, die um die 20 Jahre alt waren. Dieser Schneider war ein total freundlicher Herr. Er grüßte Junge und Alte sofort, auch kleine Kinder. Die ganze Gegend
    ließ bei ihm schneidern und nähen. Im Laufe des Jahres 1943 fuhr an einem Morgen ein LKW mit Planenverdeck vor. Später sah man, dass die beiden Töchter den LKW von hinten besteigen mussten. Ich dachte mir damals als 12-Jähriger: Warum werden die Mädchen abgeholt, die haben doch nichts verbrochen? Von meiner Mutter erfuhr ich praktisch nichts zu diesem
    Vorfall. Letztendlich sagten mir dann ANDERE, dass die Juden jetzt "abgeholt werden."


    Kurze Zeit danach holte man dann auch den alten Schneider aus seiner Wohnung.


    Danach wurde die Wohnung vom Blockwart geöffnet. Interessierte konnte in Anwesenheit des Blockwarts die Wohnung besichtigen. Der jüdische Schneider hatte allerhand Vorräte. Und
    diesen Umstand sprach der Blockwart stets an. Viele dachten dann, dass man den jüdischen Schneider wegen seiner Vorräte abgeholt hätte....


    Gruß
    Bert.


  • Tag allerseits,


    typisch für die Radikalität des NS-Staates war das Schulwesen:


    Der NS-Staat verschärfte die Politik der Ausgrenzung jüdischer Schüler und Lehrer nach 1935 weiter. Besonders rigide wurde das Ziel einer möglichst vollständigen "Rassentrennung" durch separate jüdische Schulen in München verfolgt. Hier verbot die Schulbehörde - ohne gesetzliche Grundlage - jüdischen Kindern bereits 1936 den Besuch öffentlicher Schulen; zwei Jahre später, nach der Reichspogromnacht, durften jüdische Kinder dann auch auf Reichsebene nur noch jüdische Schulen besuchen. Ab 1939 sanken die Schülerzahlen aufgrund von Emigrationen. Schließlich wurde 1942 die Schulpflicht für jüdische Kinder reichsweit aufgehoben; alle jüdischen Schulen wurden geschlossen.


    Einen "ausgeprägten Antisemitismus" gab es bereits in der Weimarer Republik.


    Dazu aus dem Historischen Lexikon Bayerns:


    Der moderne, völkisch-rassistische Antisemitismus, der im 19. Jahrhundert entstanden war, radikalisierte sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zusehends. Neben der gesellschaftlichen Ausgrenzung nahmen gewalttätige Aktionen rechtsextremer Gruppen gegen die jüdische Bevölkerung, wie Misshandlungen bis hin zum Totschlag, Boykottkampagnen sowie Friedhofs- und Synagogenschändungen, zu. Es gelang nicht, Antisemitismus generell gerichtlich ahnden zu lassen, was etwa der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens forderte. Als bewusste Alternative zu diesem "Radauantisemitismus" kristallisierte sich Ende der 1920er Jahre ein neuer volkstumspolitischer Antisemitismus heraus, der parteiübergreifend von der DNVP bis zur NSDAP auf Zustimmung stieß und die "Entfernung" der Juden aus dem deutschen Volk forderte.



    Grüße
    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().

  • Tag allerseits,


    nach Kriegsende zogen viele Juden aus anderen europäischen Ländern in die 3 westlichen Besatzungszonen.


    Vor allem nach erneuten Pogromen in Polen und anderen mittel- und osteuropäischen Staaten setzte im Sommer 1946 ein Massenstrom von jüdischen Flüchtlingen in die westlichen Besatzungszonen ein. Die Zahl der jüdischen DPs (Displaced Persons) stieg um das Dreifache auf etwa 150.000 bis 200.000 Personen. Hilfsorganisationen und Militärregierung standen vor einem schier unlösbaren Problem. Aufgrund der restriktiven Politik in der britischen Zone konzentrierten sich die meisten Flüchtlinge in der US-Zone. Neue DP-Lager wurden eingerichtet, andere bereits bestehende erweitert. Die größten jüdischen DP-Lager mit zwischen 3.000 und 6.000 Bewohnern entstanden in Bayern, u. a. in Bad Reichenhall (Lkr. Berchtesgadener Land), Feldafing (Lkr. Starnberg), Föhrenwald/Wolfratshausen (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen), Landsberg am Lech, Leipheim (Lkr. Günzburg) und Pocking (Lkr. Passau).


    Viele dieser Juden warteten in Deutschland auf ihre Ausreise nach den USA bzw. in das von Engländern besetzte Palästina.



    Grüße
    Bert

  • Hallo zusammen,


    die in diesem Thread bereits schon kurz angesprochene Vorgeschichtsforschung war im Hinblick auf den Rassismus des NS-Staates von durchaus hoher ideologischer Bedeutung.
    So sah man beispielsweise in den Blutschuzgesetzen von 1935 eine Weiterführung einer alten germanischen Tradition.


    Die Germanen galten nach der damaligen Auffassung als die am rassisch reinsten erhaltenden Nachfahren der Indogermanen,welche widerum bereits über ein entsprechendes Rassebewustsein verfügten und desweiteren
    auch eine Rassenpflege betrieben.


    Der bereits erwähnte Hans F.K.Günther schrieb besipielsweise dazu zur Rassengeschichte des deutschen Volkes:
    ,,Auf Verbindungen der freien Schicht mit der unfreien stand in vielen Germanenstämmen die Todesstrafe.Das westgotische Gesetz spricht deutlich aus,ein Freier beschmutze
    durch eine Verbindung mit einer Unfreien die Reinheit seines Blutes."


    So wurde beispielsweise auch vom Gotenkönig Theoderich des Grossen ein Heiratsverbot zwischen Goten und Römern erlassen.


    Das 1936 erschienene Buch "Blut und Rasse in der Gesetzgebung - Ein Gang durch die Völkergeschichte" von Johann von Leers beschäftigt sich zudem mit den seit jahrtausenden vorkommenen Rassegesetzen verschiedener antiker Völker
    sowie auch der Rassegesetzgebung der Neuzeit.
    Interessant dazu ist allerdings auch die Tatsache,dass man die Rassengesetzgebung der Vereinigten Staaten als das Produkt einer sehr langen Entwicklung und der verschiedensten wirtschaftlichen,politischen und geistigen Stroemungen ohne wirklichen inneren leitenden Grundgedanken ansah.


    Dies kann daher als Beleg dafür genommen werden,dass die Rassengesetze der USA entgegen der These des Historikers James Q. Whitman den Nazis nicht als Vorbild dienten!




    Gruss Chris

  • Tag allerseits,


    die Rassenideologie der Nationalsozialisten geht in der Tat viel weiter zurück als der gelebte Rassismus in den USA hinsichtlich der bewussten Trennung von Weißen und Schwarzen.
    Dennoch, nach dem eingangs zitierten Artikel des Focus war bei den grundsätzlichen Besprechungen vor Erlass der Nürnberger Gesetze auch das Geschehen in den USA Teil der Betrachtungen.
    Die USA hatten damals auch für Hitlerdeutschland eine gewisse "Vorbildfunktion" bei der Technik, der Landwirtschaft und wahrscheinlich auch beim Rassismus.
    Eine totale Angleichung an die Rassengesetze der USA war für den NS-Staat aber weder notwendig noch realistisch. Man nahm das Ganze Geschehen in den USA zur Kenntnis und war u.U. sogar
    überrascht, wie weit eine reinrassige Demokratie rassistisches Gedankengut problemlos übernehmen konnte. Die USA dachten nie daran, ihre schwarzen Mitbürger auf eine irgendwie geartete Weise
    los zu werden. Bei den Nazis war dies das Grundproblem - was die Juden betraf.


    Grüße
    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().