Christen gegen Nazis in der Wehrmacht: was berichten Helmut Schmidt, Dr. Manfred Schick, Theodor Groppe und andere Soldaten dazu?

  • Grüß Gott zusammen,


    in gut zwei Monaten wird es wieder Gedenkveranstaltungen zum 20. Juli 1944 geben. An diesem Tag trat mit dem Attentat auf Adolf Hitler der jahrelang im Verborgenen wirkende deutsche militärische Widerstand
    gegen das NS-Regime an das Licht der Weltöffentlichkeit. Auch sollten die anderen Nazi-Größen Himmler, Göring, Goebbels etc. von bewaffneten Wehrmachtseinheiten entmachtet und verhaftet werden.
    Im Allgemeinen spricht man ja deshalb von einem gescheiterten Militärputsch.
    Auch wenn zahlreiche prominente Zivilisten wie der aus Protest gegen die Nazis zurückgetretene Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler
    oder Helmuth James Graf von Moltke (Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis) mit eingebunden werden sollten.


    Hier zum Beispiel das Gedenken 2016 an den wichtigsten Planer des Attentats, Generalmajor Henning von Tresckow (Generalstab der Heeresgruppe Mitte)
    und die 5000 weiteren vom NS-Regime verfolgten Verschwörer, aus der Magdeburger Volksstimme:



    Ich würde gerne wissen, wie prominente und weniger prominente deutsche Soldaten die Nachricht vom Putschversuch 1944 erlebt und für sich eingeordnet haben.
    Und welche Konflikte es vorher und danach mit überzeugten Nazis in Wehrmachtsuniform gab.


    Mein Vater z.B. hat sich bis zu seinem Tod vor zwei Jahren jedes Mal am 20. Juli genau daran erinnert, wie er und seine Kameraden auf das Attentat reagiert haben.
    Er war damals nach dem Rückzug und Untergang der Heeresgruppe Mitte in Weißrußland immer noch Obergefreiter bei der Luftwaffe.


    Der Flakmeßzug seines Regiments befand sich Ende Juli 1944 nach dem Rückzug aus Bobruisk in Lyck/Ostpreußen.
    Als versprengter Rest wurde sein Meßzug dann nach der Vernichtung des zugehörigen Flakregiments 101 im August aufgelöst.
    Danach musste er wieder in den Fronteinsatz bei der Flaksturmabteilung I./3 im Osten (Titelverleihung "Sturm" ehrenhalber im Januar 1945).


    Nachdem der gescheiterte Umsturzversuch gegen das NS-Regime bekannt wurde, konnte mein Vater bei einer Diskussion ganz offen im Kameradenkreis
    (Gefreite und Unteroffiziere) sagen:
    "Vielleicht wird man die Attentäter später einmal groß feiern."
    Keiner der Kameraden hat ihm widersprochen oder gar etwas gegen diese Aussage unternommen (ihn z.B. gemeldet bzw. denunziert).


    Er hatte auch niemandem der Kameraden im Verdacht, womöglich überzeugter Nationalsozialist zu sein, obwohl viele der Flaksoldaten als Ersatz
    aus der "Reichshauptstadt Berlin" gekommen waren.


    Als Flakmeßsoldat bei der Luftverteidigung russischer Städte galt mein Vater als unabkömmlich. Er durfte daher nicht zu Uffz.- oder Offz.-Lehrgängen abkommandiert werden.
    Seine Perspektive war also von ganz unten. Befehle konnte er kaum jemandem erteilen, höchstens im Verlauf des Krieges als Geschützführer seinen Kanonieren.
    Mit Stabsoffizieren hatte er überhaupt keinen Kontakt, anders als z.B. Helmut Schmidt als Oberleutnant im Luftwaffenstab.


    Was mich persönlich erstaunt hat:
    Genauso wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat mein Vater immer wieder betont, daß unter Kameraden und Vorgesetzten selten echte Nazis erkennbar waren.
    Helmut Schmidt hat sich mehrfach zu dem Thema geäußert, u.a. in einem langen Interviewgespräch mit der TV-Journalistin Sandra Maischberger:
    (“Helmut Schmidt außer Dienst“, NDR-Fernsehen 24. 12. 2008, Zitat Maischberger: “Sie haben sogar gesagt, daß Sie nur einem einzigen Nazi in der Wehrmacht begegnet seien.”)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Schmidt


    Das hatte Helmut Schmidt schon vor Jahrzehnten in seinem Buch “Menschen und Mächte” über ein Gespräch mit dem damaligen Sowjetführer Leonid Breschnew geschrieben.
    Schmidt begegnete ihm im Frühjahr 1973 als Bundesfinanzminister bei einem gemeinsamen Abendessen mit dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt:



    [IMG:https://www.fotosverkleinern.de/images/093877663.gif][IMG:http://img.welt.de/img/deutschland/crop123177740/8539591924-ci3x2l-w540-aoriginal-h360-l0/Helmut-Schmidt-als-Wehrmachts-Offizier.jpg]


    Dieses bekannte Foto (zuletzt häufiger in der Tagespresse zu sehen) zeigt Altbundeskanzler Helmut Schmidt als Leutnant der Luftwaffe (Flakartillerie) 1940.



    Interessant ist außerdem, dass sich auch der NS-Propagandaminister Joseph Goebbels im Tagebucheintrag ähnlich wie die genannten Zeitzeugen geäußert hat (natürlich negativ):


    Goebbels beklagte (im Sinne Hitlers) die "fehlende nationalsozialistische Gesinnung" in der Wehrmacht allgemein
    und in der deutschen Luftwaffe im besonderen:




    Und unter dem 15. März ein erneuter Tagebucheintrag von Goebbels zum Thema "Wie kann man endlich mehr Nazi-Gedankengut in die Wehrmacht hinein bekommen":


    Quote

    "15. März 1944

    [...] Mittags bin ich beim Führer zu Gast. [...]
    Die Durchdringung der Wehrmacht mit nationalsozialistischem Gedankengut stellt [Reichsminister] Bormann sich etwas einfacher vor, als sie ist.
    Ich glaube, wir werden noch sehr viel Arbeit tun müssen, bis wir hier zu einem greifbaren Ergebnis kommen. [...]."


    (Ralf Georg Reuth (Hrsg.), Joseph Goebbels. Tagebücher Band 5: 1943-1945, München 2003, S. 2002.)


    Also, der NS-"Oberpropagandist" Dr. Goebbels beklagt das fehlende Nazi-Gedankengut in der Großdeutschen Wehrmacht!


    Quote

    Als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und Präsident der Reichskulturkammer hatte Goebbels von 1933 bis 1945 in Deutschland zwei entscheidende Positionen für die Lenkung von Presse, Rundfunk und Film sowie des sonstigen Kulturschaffens inne.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Goebbels


    Gleichzeitg hat Goebbels mehrfach (mit Bezug auf Hitlers Äußerungen) der Wehrmacht drastische Säuberungsmaßnahmen angedroht, z.B. Zitat vom 22. Juni (!) 1944. einen Monat vor dem Attentat auf Hitler:


    "Es sei nicht an dem, daß alles seinen gewohnten Gang gehe, sondern der Führer greife, wo er überhaupt Fehler entdecke, rigoros ein. Eine Unmenge von Todesurteilen - auch gegen hohe Offiziere - seien schon ausgesprochen und vollstreckt. Er handele ohne Säumen und lasse sich auf nichts mehr ein."
    (Ralf Georg Reuth (Hrsg.), Joseph Goebbels. Tagebücher Band 5: 1943-1945, München 2003, S. 2063-2064.)


    Schon im März hatte Goebbels im Tagebuch den Offizieren der Wehrmacht mit Massenerschießungen und Säuberungen wie durch Stalin in der Roten Armee gedroht:




    Besonders interessant finde ich, dass das Thema (indirekt) schon einmal vor Jahren hier im Forum aufgetaucht ist.
    Das war auch einer der Gründe, warum ich mich damals angemeldet hatte. Ich hatte auf weitere Infos gehofft,
    weil mein Vater beim Vormarsch 1941 öfters bei der 18. Panzer-Division eingesetzt war.


    Kordulas (KKN) Vater hatte offenbar 1967 bei einem Verhör u.a. folgendes ausgesagt:
    "Die Abteilung hatte 31 Offiziere, von denen nicht einer ein Nazi war. Im ganzen Regiment (mit über 100 Offizieren) gab es nur einen, auf den wie ein Rhinozeros gezeigt wurde. ..."


    Das Thema war damals von Kordula über die Panzerabteilung 18 gestartet worden:



    Das sind meiner Meinung nach sehr interessante Aussagen von Kordulas Vater.
    Welche Zeugnisse gibt es sonst noch zum Verhältnis zwischen Christen bzw. Christlichen Humanisten und den Nazis innerhalb der Wehrmacht?


    (Das Stichwort "Christlicher Humanismus" wird hier ganz gut erklärt:)
    "Der Begriff bezeichnet eine geistige Strömung hauptsächlich des 20. Jahrhunderts, die in spannungsvoller Synthese sowohl humanistische als auch christliche Werte zu verbinden sucht.
    Die geistige Bewegung, welche seit dem frühen 19. Jahrhundert in Deutschland als Humanismus bezeichnet wird, entstand im Bürgertum der spätmittelalterlichen mittel- und norditalienischen Stadtstaaten
    und breitete sich rasch über ganz Europa aus."
    Link: http://www.kas.de/wf/de/71.9152/



    In weiteren Beiträgen würde ich gerne noch die Stellungnahmen und Einsichten von anderen Soldaten sammeln, die ausgewiesene Nazi-Gegner und christliche Humanisten waren,
    wie z.B. Dr. Manfred Schick (Hochschullehrer und Gefreiter a.D.) und Generalleutnant Theodor Groppe ("Der Schwarze General"), daher die Thread-Überschrift.
    Link: [url]https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Groppe


    Beste Grüße
    Bodo[/url]

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo,


    passend zu dem Thema wäre der Fall des weitgehend unbekannt gebliebenen Leutnants Michael Kitzelmann,
    der sich im Winter 41 nach Beobachtung von Gräueltaten der Einsatzgruppen nicht mehr zu beherrschen wusste.
    Dieser 24jährige katholische Kompaniechef vergab dann sogar kurz vor der Exekution ("Wehrkraftzersetzung") dem Feldwebel, der ihn denunziert hatte.


    Quote


    „Wenn diese Lumpen siegen, dann kann und will ich nicht mehr leben.“
    – Kitzelmann gegenüber (einem?) Wehrmachtkameraden


    „Daheim reißen sie die Kreuze aus den Schulen – hier macht man uns vor, gegen den gottlosen Bolschewismus zu kämpfen ….“
    – Kitzelmann: Brief an seine Eltern


    quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Kitzelmann


    mfg petr

  • Hallo petr,


    Danke für deinen Hinweis auf den nach einer Denunziation zum Tode verurteilten Offizier Michael Kitzelmann.
    Ich habe zwei Bücher über ihn gelesen, aber an die bei Wikipedia zitierten Worte kann ich mich nicht mehr genau erinnern.
    Meines Wissens nach soll er bei den mörderischen Rückzugsgefechten während der "Winterschlacht im Osten"
    seinen untergebenen Soldaten zugerufen haben "Diese Scheiße haben wir Adolf [Hitler] zu verdanken".


    Zu dieser Zeit eigentlich keine ungewöhnliche Äußerung im deutschen Ostheer. Aber das war wohl der Auslöser des Ganzen.
    Sein Stellvertreter, der von dir erwähnte Feldwebel, soll eifersüchtig gewesen sein und wollte selbst Kompanieführer werden.
    Er hat den Leutnant gemeldet und dann hat die Gestapo seine Feldpost untersucht. Soweit meine Erinnerung an die Bücher über
    das tragische Schicksal Michael Kitzelmanns.


    Der katholische Kriegspfarrer Dr. J. A. Hamm hat im Tagebuch auch von seiner Seelsorgetätigkeit in Orel berichtet und erwähnt,
    wie sehr ihm das Schicksal Kitzelmanns nahegegangen ist (Als Priester in Russland, Ein Tagebuch von Dr. J. A. Hamm, Trier o.J.).
    Bei Gelegenheit werde ich das noch einmal nachlesen.


    Zunächst möchte ich noch einen kurzen Nachtrag zu Altbundeskanzler Helmut Schmidt einbringen.


    Es gibt ein interessantes Zeitungsinterview der FAZ aus dem Jahr 2005, wo er seine Äußerungen über Nazis in der Wehrmacht
    konkreter gefasst hat.
    Befragt hatten ihn die bekannten Journalisten Stefan Aust und Frank Schirrmacher.


    Nach allgemeinen Statements zu seinem Umgang mit Vorgesetzten in der Luftwaffe berichtete Schmidt u.a. von einer heftigen Auseinandersetzung
    mit einem entfernt verwandten (evtl. angeheirateten?) Onkel, einem Reserveoffizier, den er als "Mitläufer-Nazi" bezeichnete.




    Interessant finde ich, dass sich Schmidts Vorgesetzter, der Kommandierende General der Flak-Schulen, Heino von Rantzau,
    sprachlich sehr direkt von den "Braunen" Parteigrößen abgrenzte („Na, Schmidtchen, was haben die Braunen jetzt wieder angestellt?“)
    Link zur Person des Generals:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heino_von_Rantzau


    Diese Äußerung entspricht genau den Ermittlungen gegen die Verschwörer des 20. Juli 1944 durch den österreichischen Nationalsozialisten Ernst Kaltenbrunner,
    Chef der Sicherheitspolizei und des SD sowie Leiter des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).
    Ihm zufolge habe die Wehrmacht eine eigene "Wehrmachtideologie" vertreten, gerichtet gegen die ideologie des NS-Regimes:



    Als zweiten Nachtrag möchte ich noch einmal auf die Reaktionen auf das gescheiterte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 eingehen.


    Es geht um einen Wehrmachtsveteranen, der nach dem Krieg ebenfalls ein hohes Mitglied einer demokratischen Bundesregierung wurde.
    Der Heeresoffizier Erich Mende (der später Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland war) hatte sich nach dem Attentat
    ähnlich freimütig wie mein Vater geäußert.
    Nach seiner Einschätzung war das deutsche Heer gespalten. Ein Teil der Soldaten war über das Scheitern des Attentats enttäuscht,
    während andere zumindest den Zeitpunkt (mitten im totalen Krieg) für falsch hielten.


    Er schreibt in seinen Kriegserinnerungen über die Eindrücke beim Ersatzbataillon der 272. Infanteriedivision in Cosel:



    Die Äußerung hätte durchaus (wie bei Michael Kitzelmann) schlimme Folgen haben können, wenn ein gläubiger Nazi zugehört hätte.
    Der Bericht von Erich Mende erinnert mich an ein Radiointerview (Deutschlandfunk) mit einem ehemaligen Leutnant des Heeres von 2004
    (60 Jahre 20. Juli 1944).


    Der Leutnant stammte aus Ostpreußen und war Ausbilder an einer Kriegsschule für Offiziersanwärter.
    Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli gab es Abends am Lagerfeuer beim "Kameradschaftsabend" seiner Gruppe heftige Diskussionen.
    Auf die Frage eines Untergebenen, wie man denn "den Führer" künftig besser schützen könne, antwortete der Leutnant genervt:
    "Hitler hin oder her, der Russe bedroht meine Heimat Ostpreußen!"


    Aus der Gruppe der ihm unterstellten Offiziersanwärter hat ihn dann einer gemeldet (bzw. denunziert).
    Der Leutnant wurde daraufhin zum einfachen Schützen degradiert und an die Front strafversetzt. Und das für eine relativ harmlose Aussage.
    Immerhin hat er ja nicht Hitlers Kopf gefordert wie Erich Mende.


    Anders als etwa hier ein unter zivilen "Volksgenossen" verbreiteter Witz:
    Zitat: "Hitler und sein Chauffeur überfahren ein Schwein. Der Chauffeur geht zum Bauern, kommt nach drei Stunden zurück. Mit Geschenken überladen.
    ,Was hast du gesagt', fragt der Führer. Fahrer: ,Heil Hitler, das Schwein ist tot!'"


    Das ist der Lieblingswitz von Filmemacher Rudolph Herzog. Zwei Jahre lang hat er Pointen aus dem Dritten Reich gesammelt, eine Dokumentation daraus gemacht
    (heute, ARD, 23.15 Uhr). "Mit Witzen lässt sich am besten in Köpfe und Herzen von Menschen in einer Diktatur hineinleuchten", so der 33-Jährige. – "
    http://www.berliner-kurier.de/…schwein-ist-tot--21954124


    Mein Vater hat dazu bemerkt, daß man schon ganz genau aufpassen mußte, wem gegenüber man so etwas Heikles sagen konnte.
    Nachlesen kann man z. B. hier, welche Konsequenzen (bis zur Todesstrafe) drohen konnten:
    https://rundschau-hd.de/2006/1…h-nicht-nach-dachau-kumm/


    In meinem nächsten Beitrag möchte ich dann etwas auf die Berichte von besonders christlich eingestellten Soldaten in der Wehrmacht eingehen
    (einfache Soldaten wie Manfred Schick, aber auch Priestersoldaten und Wehrmachtspfarrer hatten zum Teil lebensbedrohliche
    Auseinandersetzungen mit überzeugten Nazi-Offizieren und Vorgesetzten).


    Beste Grüße
    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo zusammen,


    gestern hatte ich noch vergessen zu erwähnen, dass der ehemalige FDP-Vorsitzende und bundesdeutsche Vizekanzler
    Erich Mende am 28. Februar 1945 noch das "Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes" verliehen bekommen hat.
    1945 war Mende Major und Regimentskommandeur des GR 216 in der 102. Infanterie-Division.


    Das heißt, die NS-Führung kann von seiner spontanen Zustimmung zum Hitler-Attentat 1944 in Cosel nichts erfahren haben,
    obwohl mehrere ihm unbekannte Heeresoffiziere Ohrenzeugen waren:
    ("Schade, das hätte den Krieg jetzt beenden, zumindest um einige Monate verkürzen können!")


    Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass Erich Mende einer der ersten Prominenten der Nachkriegszeit war, der auf Anweisung des damaligen
    Bundespräsidenten Theodor Heuss öffentlich das Ritterkreuz anlegen sollte (beim Empfang des türkischen Staatspräsidenten).


    Siehe dazu den Eintrag bei Wikipedia:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Mende


    Das Erich Mende nicht denunziert wurde, zeigt eine bis zum 20. Juli 1944 offenbar weit verbreitete Haltung im deutschen Heer.
    Der von mir erwähnte Kriegsveteran und Hochschullehrer a.D. Manfred Schick hat entsprechende Erfahrungen in einem
    seiner Berichte beschrieben. Das Buch mit den Berichten aus seiner Wehrmachtszeit ist unter dem Titel "Als Christ im Kriege" erschienen.


    Die Beschreibung auf dem Umschlag lautet:


    [IMG:https://images.booklooker.de/s/00IHNn/Manfred-Schick+Als-Christ-im-Kriege-Aufzeichnungen-eines-Gefreiten-aus-den-Jahren-1942-bis-1945.jpg]


    Manfred Schick lehnte das NS-Regime von Anfang an aus christlicher Überzeugung ab. Sein Vater war ein Veteran des Ersten Weltkrieges
    und geriet immer wieder in Konflikte mit den örtlichen NS-Parteileitern und -Behörden in Sachsen.
    Schick senior kritisierte mehrfach öffentlich die NS-Politik und wurde danach jeweils kurzzeitig verhaftet und sogar mit dem Tode bedroht.
    Deshalb interessierte sich sein Sohn als Wehrmachtsrekrut besonders dafür, wie stark bzw. schwach sich der Nazi-Einfluss in der Truppe zeigte.


    Ein Bericht über die Ausbildung im Infanterieregiment 475 vom Dezember 1942 bietet dazu überraschende Einblicke in die "Wehrmacht von Innen":



    Schick wird schließlich im April 1943 in Belgien bei der Nachrichten-Abteilung 64 zum Funker ausgebildet. Diese ist der 44. Infanterie-Division zugeordnet, einer Wiener Division, die wenige Monate zuvor in Stalingrad fast vollständig aufgerieben worden war. Schick erinnert in seinem Bericht vom 8. April 1943 daran:
    „Diese Wiener Einheit ist in Stalingrad aufgerieben worden und soll hier an historischer Stätte – im Bereich der einstigen österreichischen Niederlande – neu aufgestellt werden. Wir übernehmen das Vermächtnis der Gebliebenen, zusammen mit anderen jungen Funkern und Kraftfahrern aus Wien sowie mit den alten 64ern, die als die Einschnürung erfolgte auf Urlaub oder auf Lehrgang oder in einem Lazarett weilten oder die aus dem Kessel ausgeflogen wurden. Es haben mehr überlebt, als man bei einer solchen Katastrophe annehmen könnte.“ (S. 68)


    Erneut hat der Autor Glück mit Vorgesetzten und Mannschaftskameraden, wie etwa die Beschreibung des aus Österreich stammenden Spieß’ deutlich macht:
    „Der Spieß –Stabswachtmeister Franz Sch. – versuchte auf uns Preußen durch forsches Auftreten Eindruck zu machen, doch sieht man es ihm auf den ersten Blick an, daß er sehr fürsorglich ist.“


    Einer der Leutnante, „der einzige, der aus der Reihe tanzt“, entpuppt sich jedoch als unsympathischer Nazi und brüllt den netten Spieß vor versammelter Mannschaft zusammen.
    Schick erfährt, daß der Leutnant wie er selbst aus Mitteldeutschland und sogar von einer benachbarten Schule stammt: der Nationalsozialistischen Erziehungsanstalt Schulpforta, mit der das christliche Gymnasium des Autors ständig im Clinch lag, wie er schreibt.
    Schick beschließt spontan: „Ich werde also das Kriegsbeil ausgraben müssen, Herr Leutnant!“ (S. 70).
    Als Gefreiter bleiben seine Möglichkeiten dazu aber naturgemäß eingeschränkt. Der Leutnant opfert sich später als Nachhutführer bei den Rückzugskämpfen am Plattensee in Ungarn.


    Zum Abschluss möchte ich noch einen Bericht vom Dezember 1944, nach dem gescheiterten Hitler-Attentat, zitieren.
    Nach der Feststellung Manfred Schicks hatte der ideologische Druck der Nazi-Führung stark zugenommen (nicht nur durch
    die sogen. NS-Führungsoffiziere). Die Wehrmachtssoldaten seiner Einheit reagierten auf eigene Weise darauf
    und betonten zur Weihnachtszeit offenbar noch stärker die traditionellen christlichen Werte und Symbole:



    Manfred Schick ist übrigens auch als Buchautor mit militärhistorischen Werken bekannt geworden. Er hat eine Buchreihe über die 44. Infanterie-Division
    (Reichs-Grenadier-Division Hoch-und Deutschmeister) verfasst. Die Bücher behandeln den Einsatz in Stalingrad, Monte Cassino und das Ende der Division am Plattensee in Ungarn.


    Beste Grüße
    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo,

    Dieses Dokument schildert nicht nur das unmittelbare Erleben, es gibt noch mehr Zeugnis vom oft unterschiedlichen Denken
    einfacher Frontsoldaten und von lebhafter geistiger Auseinandersetzung im Angesicht des Todes.
    Aus der einzigartigen Perspektive dieser grundehrlichen Berichte wird auch erkenn- und verstehbar,
    warum selbst entschiedene Gegner des Nationalsozialismus und des Krieges bis zur letzten Minute ihrem Fahneneid treu blieben."


    vielen Dank für den Lesetipp 'Als Christ im Kriege', ist Dir das ähnlich lautende Werk des Wiener Psychologen Wilfried Daim bekannt ?


    Als Christ im mörderischen Krieg 1939–1945


    Keine Erinnerung an Kampfhandlungen, sondern Erlebnisse aus seinem Leben an der Front, mit seiner speziellen Form des Widerstandes als gläubiger Katholik.
    Sehr lesenswerte Reflexionen, die weit über bloße Erinnerungen eines Soldaten hinausgehen.



    Gedruckt oder als Online Blätterbuch:
    https://austria-forum.org/web-…stimmord002011iicm/ev0001


    mfg petr



    Edit: Nachtrag, war die Taufe auf der beigefügten Abbildung aus dem Osten illegal ?

  • Hallo,


    Quote

    Edit: Nachtrag, war die Taufe auf der beigefügten Abbildung aus dem Osten illegal ?


    sieht nach Beerdigung aus.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo zusammen,
    hallo Petr,
    Danke für den Buchtipp zu den Erinnerungen Wilfried Daims. Ich kannte ihn bisher nur über sein Buch "Der Mann, der Hitler die Ideen gab" (Liebenfels),
    was heute (laut Wikipedia) als widerlegt gilt. Ich werde auf jeden Fall in Deinen Link zu seinen Erinnerungen (Blätterbuch) hineinlesen.


    Edit: Nachtrag, war die Taufe auf der beigefügten Abbildung aus dem Osten illegal ?


    Die Wehrmachtspfarrer haben alles mögliche zur geistlichen Betreuung der sowjetischen Bevölkerung getan, was den Nazi-Oberen ein Dorn im Auge war.
    Taufen, Beerdigungen, sogar zahlreiche Eheschließungen (wahrscheinlich auch zwischen deutschen Soldaten und einheimischen Frauen).
    Es war glaube ich 1942, dass Hitler ausdrücklich jede Form der Tätigkeit von deutschen Militärgeistlichen für die Bevölkerung Osteuropas verboten hat.
    Viele machten aber trotzdem (heimlich) weiter. Ich habe entsprechende Quellenhinweise gefunden. Dazu vielleicht ein andernmal mehr Infos.


    Heute wollte ich aus dem Kriegstagebuch eines katholischen Priestersoldaten den Konflikt mit einem Nazi-Vorgesetzten zitieren


    Die Unterschiede zur Tätigkeit eines Wehrmachtspfarrers hatte das Mitglied "elsen" ganz gut im Rahmen des Themas
    Medizinische Versorgung durch die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion 1941-1944 erklärt.
    Link: Medizinische Versorgung durch die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion 1941-1944


    Zur Einleitung (und passend zum oben genannten Thema) vielleicht noch ein Zitat des katholischen Priesters und ehemaligen Professors für Kirchenmusik an der Universität Mainz Hans Niklaus (Jahrgang 1915), der ebenfalls als Priestersoldat Wehrdienst leisten musste.


    Im Krieg gegen die Sowjetunion hatte er mit seinen Kameraden im Sanitätsdienst ganz selbstverständlich auch sowjetische Soldaten und Zivilisten medizinisch versorgt:
    "Sie wurden von uns genauso versorgt. Ich habe nie erlebt, daß Unterschiede gemacht wurden."


    Niklaus schildert aus dem gewöhnlichen Alltag an der Front und aus der Etappe ganz ähnliche Erfahrungen wie der bereits zitierte Altbundeskanzler Helmut Schmidt:


    Quote

    "Zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, in einer reinen Nazi-Umgebung zu leben.
    Es waren immer nur einzelne, die von den anderen dann ziemlich geschnitten und nicht für voll genommen wurden. Gerade unter den Vorgesetzten erlebte ich immer wieder Offiziere, die keine Nazis waren."


    Hans Niklaus, "Ich hätte diese Jahre lieber nicht erlebt", in: Katholisches Militärbischofsamt (Hrsg.), Hans Jürgen Brandt (Hrsg.), Priester in Uniform. Seelsorger, Ordensleute und Theologen als Soldaten im Zweiten Weltkrieg, Augsburg 1994, S. 171-177, hier S. 177.


    So kann man vielleicht ganz gut den Hintergrund verstehen, dass ein Priestersoldat davon ausging, seinen katholischen Glauben in der Wehrmacht
    problemlos praktizieren zu können. Ein NS-gläubiger Vorgesetzter brachte ihn jedoch in große Bedrängnis. Heute würde man wohl "Mobbing" dazu sagen.


    Es handelte sich bei dem anonymen Priestersoldaten um einen Freund des katholischen Pfarrers Hans Steffens.
    Pfarrer Steffens wollte den Namen seines Glaubensbruders nicht veröffentlichen, weil dieser noch kurz vor Kriegsende bei einem Partisanenüberfall in Italien gefallen war.
    Er gab das Kriegstagebuch des gefallenen Freundes 1956 unter dem Titel "Priester, Soldaten, Uniformen. Kriegstagebuch 1939/45" heraus.



    Der Priestersoldat berichtete 1942 in seinem Tagebuch über eine lebensbedrohliche Auseinandersetzung mit seinem Kompaniechef. Der Chef war als überzeugter Nationalsozialist (Parteimitglied) bekannt.
    Der von Pfarrer Steffens namentlich nicht genannte Priestersoldat diente zu dieser Zeit als Fahrer in einer Transporteinheit des Heeres an der Ostfront (Heeresgruppe Mitte).


    Die gefährliche Konfrontation mit dem unerbittlichen Nazi-Vorgesetzten hatte noch eine Vorgeschichte. Bereits im März 1941 in Frankreich hatte dieser den katholischen Soldaten als "politisch unzuverlässig" nach oben gemeldet und damit seine Ernennung zum Kriegspfarrer verhindert:



    In Rußland Anfang August 1942 sollte der Priestersoldat einen LKW seiner Transportkolonne bewachen, der auf dem Marschweg steckengeblieben war.
    Ein unbekannter Leutnant einer fremden Einheit befahl ihm, den Weg freizumachen und zog den LKW dann gewaltsam zur Seite, so daß dieser schwer beschädigt wurde.


    Der Schaden wurde von seinem Nazi-Chef als angeblich vorsätzliche Tat angezeigt. Gleichzeitig drohte er dem Priester und dessen katholischen Glaubensbrüdern mit einer Ermordung nach Kriegsende. Genau wie durch NS-Propagandaminister Goebbels Anfang März 1944 im Tagebuch angekündigt (siehe den ersten Beitrag oben):


    "Wir haben auf diesem Gebiet noch einiges nachzuholen. Aber der Krieg ist dazu die ungeeignetste Zeit.
    Nach dem Kriege werden wir uns sowohl der Frage der Offiziere als auch der Frage der Pfaffen annehmen."

    (Ralf Georg Reuth (Hrsg.), Joseph Goebbels. Tagebücher Band 5: 1943-1945, München 2003, S. 2011.)


    Dieser geplante Massenmord nach Kriegsende scheint eine Konstante bei fanatischen Anhängern des NS-Regimes gewesen zu sein:



    Der Soldat wird dann zwangsversetzt zu einer anderen Transporteinheit. Seine Kameraden zeigten aber große Solidarität. Der Nazi-Chef schien bei vielen Untergebenen unbeliebt zu sein.
    Einerseits drohte er dem gläubigen Christen mit sofortiger Erschießung ("Ich könnte Sie an die Wand stellen lassen"), andererseits argumentierte er wie Goebbels im Tagebuch ("Vorerst brauchen wir noch Menschenmaterial").
    Diesem ersten Kompaniechef begegnete der Priestersoldat dann erneut etwa ein Jahr später, immer noch in Rußland, bei einem Verwundetentransport als vom Tode gezeichneten Menschen.


    Ich muss noch hinzufügen, dass der Kompaniechef der neuen Einheit den Priestersoldaten respektvoll behandelt und ihn die vom Vorgänger verhängte Arreststrafe nur pro forma absitzen lässt (er genießt die Tage in Ruhe und Besinnlichkeit ohne Dienstverpflichtungen). Offenbar gehörte der zweite Kompaniechef zur großen Gruppe der Nicht-Nazi-Gläubigen.


    Das Kriegstagebuch ist in jedem Fall eine Fundgrube für alle Kriegsschauplätze (West- und Ostfront).


    Beste Grüße
    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo zusammen,


    ohne tiefer in die Diskussion einsteigen zu wollen, möchte ich auf zwei Veröffentlichungen
    hinweisen, die ich gerade gelesen habe und die inhaltlich sicherlich - und wenn nur ergänzend -
    zum Thema passen:


    1. Sabine Pamperrien: Helmut Schmidt und der Scheißkrieg; Die Biografie 1918 - 1945
    Es wurde hier mehrfach Helmut Schmidt zitiert, obwohl er mit Aussagen über die Kriegszeit
    sehr "sparsam" umgegangen ist. Die Autorin beleuchtet erstmalig diese Zeit und geht ganz
    konkret auf seine bisher vorliegenden Äußerungen ein. Dabei zeigt sich, dass er seine
    Aussagen mehrfach offensichtlich situationsbezogen modifiziert hat, und vor dem Hintergrund
    von Aussagen damaliger Zeitzeugen ergibt sich wiederum ein tw. völlig anderes Bild. Eine
    sehr interessante Lektüre, die eindeutig das Dilemma der Pflichterfüllung jenseits jeglicher
    politischer Stellungnahme/Festlegung darstellt.


    2. Felix Römer: Kameraden - Die Wehrmacht von innen
    Zwischen 1942 und 1945 hörte der US-Nachrichtendienst im Geheimlager Fort Hunt bei
    Washington mehrere Tausend deutsche Kriegsgefangene heimlich ab. Zehntausende
    Abhörprotokolle blieben erhalten, die erst jetzt, nach über sechzig Jahren, entdeckt wurden.
    Der Historiker Felix Römer hat diesen Aktenbestand als Erster ausgewertet und eröffnet mit
    seiner Analyse eine völlig neue Sicht auf den Krieg . . .
    ". . . wie die Abhörprotokolle zeigen, spielte Ideologie im Bewusstsein der meisten
    Wehrmachtsangehörigen höchstens eine untergeordnete Rolle. Dies bedeutet jedoch nicht,
    dass politische Ideen und nationalsozialistische Glaubenssätze keinerlei Einfluss auf die
    Soldaten besessen hätten. Nationalismus, Militarismus und die Loyalität zu Hitler gehörten
    zur mentalen Grundausstattung der Mehrheit der Landser, und die Tugenden und Deutungsmuster,
    an denen sie sich orientierten, waren zum Teil nationalsozialistisch imprägniert. Über solche
    Basisüberzeugungen hinaus dachten die meisten von ihnen in politischer Hinsicht jedoch eher
    in wenig komplexen Kategorien ohne tiefe theoretische Fundierung. Für die Masse zählten bei
    der Beurteilung von Politik und Staatshandeln letztlich vor allem Erfolg und Misserfolg . . .


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo zusammen,
    es ist nun schon eine ganze Weile her, dass Rudolf die beiden Bücher als Ergänzung zum Thema "Christen gegen Nazis in der Wehrmacht" vorgeschlagen hat.
    Ich hatte die Bücher zuletzt vor Jahren gelesen und möchte nach erneuter Lektüre kurz erläutern, warum beide Autoren (wenn man genauer hinschaut)
    ziemlich weit am Kern der Sache vorbeischreiben.


    Zunächst ist Pamperriens Buch als Verleumdung von Altbundeskanzler Helmut Schmidt (und natürlich auch anderen Wehrmachtssoldaten) gedacht gewesen.
    Altkanzler Schmidt hat der Autorin dann ja auch ziemlich schnell seine Erlaubnis zur Akteneinsicht entzogen, wie damals zu hören war.
    Als er merkte, dass sie ihn unbedingt als verkappten Nazi entlarven wollte.
    Vgl. z.B. die Rezension von Sven Felix Kellerhoff (leitender Redakteur für Zeitgeschichte bei der WELT):



    Was noch auffällt: Sie lässt Helmut Schmidt als unverbesserlichen Militaristen, Nationalisten und treuen Hitler-Fan erscheinen.
    Der Titel "Helmut Schmidt und der Scheißkrieg" soll wohl das genaue Gegenteil ausdrücken: Schmidt habe den Krieg erst hinterher "scheiße" gefunden.
    Und alles aufgrund von "Akteneinsicht" und häufig naiven, teils sogar hanebüchenen Schlussfolgerungen.


    Kellerhoff beurteilt mit dem folgenden Zitat auch die mehrheitlich "positiv" gestimmten Rezensenten anderer Medien,
    die entweder den historischen Kontext ignorieren oder ihren "heutigen, moralisierenden Mainstream-Standpunkt" verinnerlicht haben:


    Quote

    "Wieder einmal gilt, wie fast in Pamperriens gesamtem Buch: Das Ausblenden des historischen Kontextes und das Urteilen
    von einem heutigen, moralisierenden Mainstreamstandpunkt aus führt in die Irre."

    (Sven Felix Kellerhoff, So eine Biografie verdient Helmut Schmidt nicht)
    Link:
    https://www.welt.de/geschichte…Helmut-Schmidt-nicht.html


    Zu einer ganz ähnlichen Bewertung kommt übrigens auch Hendrik Thoß bei der wissenschaftlichen Rezensionsseite "Sehepunkte".
    Die "Entlarvung" Helmut Schmidts als verkappter Nazi-Anhänger ist hier das Stichwort zu Pamperriens Erkenntnisleitendem Interesse:



    Nun noch zwei Beispiele für grobe historische Verzerrungen:
    Pamperrien verwechselt offensichtlich die Abtretung des Sudetenlandes (nach dem Münchner Abkommen 1938) mit Hitlers vertragswidriger Besetzung
    der "Rest-Tschechei" 1939:


    - "Schmidt verschweigt, dass sein Flakregiment an der Besetzung des Sudetenlandes teilnahm.
    Er berichtet nur, dass er als "junger Spund" befördert worden sei."

    (Pamperrien, S. 146.)
    - "Für seinen Einsatz wurde er mit der "Erinnerungsmedaille an den 1.10.1938" ausgezeichnet."
    (Ebenda.)
    - "Einen Eindruck von der Aufmerksamkeit, die das Flakregiment bei seiner Rückkehr aus dem ersten kriegerischen Einsatz erfuhr,
    geben zeitgenössische Zeitungsberichte. Die NSDAP organisierte am 19. Oktober 1938 einen Riesenempfang für die erfolgreichen Eroberer."

    (Pamperrien, S. 147.)


    Eigentlich gehört es doch zum historischen Grundwissen, dass der Einmarsch in das Sudetenland "Hitlers letzte völkerrechtlich legalisierte Gebietserweiterung" war.
    Nur Stalin vertrat damals eine andere Ansicht und wollte bereits für die Tschechoslowakei in den Krieg ziehen:



    Aber es kam bekanntlich anders. Bis zum endgültigen Kriegsausbruch in Europa dauerte es noch fast ein Jahr, weil (Zitat Wikipedia):
    "Am 21. September 1938 hatte die Tschechoslowakei sodann in einer Erklärung der Abtretung der sudetendeutschen Gebiete zugestimmt.[13]"
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sudetenland


    Auch völkerrechtlich kann Pamperriens Vorwurf an Altkanzler Schmidt, als "Eroberer" an einem "kriegerischen Einsatz"
    gegen die Tschechoslowakei teilgenommen zu haben, nicht überzeugen, wie eine neuere Forschungsarbeit darlegt:


    "Das erste, und in weitesten Kreisen der deutschen Öffentlichkeit überaus populäre Ziel territorialer Expansion
    war mit der am 14. März 1938 wirksam gewordenen "Wiedervereinigung" Österreichs mit dem Deutschen Reich erreicht.
    Völkisch-nationale Begründung und - notgedrungen auf die Einheit des Heiligen Römischen Reiches zurückgreifender -
    nationalstaatlicher Revisionismus bildeten hier ebenso wie bei der acht Monate später, am 21. November 1938,
    vollendeten und ebenfalls als "Wiedervereinigung" deklarierten Eingliederung des Sudetenlandes die argumentative Absicherung
    einer Expansionspolitik, die nicht zuletzt auch von der ganz überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung der "angeschlossenen" Gebiete mitgetragen,
    ja teilweise emphatisch begrüßt wurde."

    (Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Mohr Siebeck, Tübingen 2004
    (= Jus Publicum, Band 114, zugl. Habil.-Schr., Universität München, 2003), S. 89-90.)


    Auch beim Thema "Anschluss Österreichs" kommentiert Pamperrien geradezu polemisch Helmut Schmidts Erinnerungen:
    "Woher wusste er, der so abgetrennt von allem normalem Leben zu sein vermeinte, von den vielen von der Annexion begeisterten "Nicht-Nazis"?
    Aus dem Batterie-Sachunterricht, den der verehrte Hauptmann Ullrich jeden Samstagmorgen erteilte? Durch eigene Anschauung?"

    (Pamperrien S. 146)


    Hat Pamperrien schon mal was von Zeitungen oder Rundfunksendungen gehört?
    Viele Soldaten waren Zeitungs-Abonnenten und Radiogeräte in den Kasernen und auch privat verfügbar.
    Gerade bei der Luftwaffe hatten die Soldaten regelmäßig Ausgang und konnten sich auch "unmilitärisch" ohne den Dienstweg
    über aktuelle Ereignisse informieren. Weiß die Autorin das nicht oder tut sie nur so, möchte man immer wieder fragen.
    Wer hat also in Österreich 1938 Hitler zugejubelt?


    Zur Klarstellung von Pamperriens falschen Mutmaßungen möchte ich auf eine recht aktuelle Sendung im Deutschlandfunk verweisen:



    Später fällt Pamperrien ihr historisches Urteil mit der Höchststrafe "Nazi":


    "[Helmut Schmidt] glaubte an den "Führer". Nichts unterschied ihn darin von der weit überwiegenden Mehrheit seiner Altersgenossen.
    Wie deren Denken war auch seines kontaminiert von Naziideologie."

    (Pamperrien, S. 164.)


    Auch dieses vernichtende Urteil der Journalistin über Schmidt und die gesamte Kriegsgeneration wird von neueren Forschungen
    zum Lebensalltag im "Dritten Reich" unter dem Diktator Hitler in Frage gestellt. Vergleiche u.a. die Zusammenfassung im Deutschlandfunk:



    Zum Schluss möchte ich noch einen jungen Geschichtswissenschaftler zitieren, der auf der Homepage des Piper-Buchverlags sein
    enttäuschtes Fazit über Pamperriens voreingenommenes Werk hinterlassen hat:



    So viel fürs erste zum insgesamt enttäuschenden Buch der Helmut Schmidt-Biographin.


    Beste Grüße
    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo zusammen,
    das zweite Buch, das Rudolf als mögliche Ergänzung zum Thema genannt hatte, weist einige Merkwürdigkeiten auf.
    Man findet dort zwar viele Thesen des Autors, aber leider wenig anschauliches Quellenmaterial.



    Zunächst einmal fehlt im obigen Zitat ein wichtiger Hinweis: Felix Römer beruft sich vor diesen weitreichenden Schlussfolgerungen
    auf einen angeblich typischen Wehrmachtssoldaten namens Elke, der von einem Spitzel namens „Möllinger“ (ein Alias-Name)
    weisungsgemäß geheimdienstlich befragt wurde (Römer, S. 64).


    Das ist allein schon deswegen merkwürdig, weil der ausführlich vorgestellte und uneinsichtige "Kamerad Elke" U-Boot-Matrose war.
    Ein U-Boot-Fahrer, der ins Boot jederzeit „wieder einsteigen“ würde, als pars pro toto bzw. typischer Repräsentant aller übrigen Millionen Wehrmachtsoldaten?:



    Die Spezialisten der Marine wie U-Bootmatrose Elke hatten doch, wie auch Römer bekannt sein könnte, ein ganz eigenes Korps- und Elitebewusstsein.
    Sogar die NS-Führung hielt die Soldaten der Kriegsmarine für besonders linientreu. Ganz im Gegensatz zu Heer und Luftwaffe.
    Letztere sollten nach Kriegsende nach Planungen der Nazis durch Massenerschießungen "gesäubert" werden.


    Als Beleg noch einmal das Zitat aus den Goebbels-Tagebüchern vom 4. März 1944, wo er Hitlers Meinung direkt wiedergibt
    (also noch vor dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944). Ich hatte es weiter oben im Thread schon kurz zitiert.
    Demnach sahen die Nazi-Führer das Heer und die Luftwaffe von Gegnern des NS-Regimes durchsetzt,
    während sie mit der politischen Einstellung der Marine vollauf zufrieden waren:



    Weiter heißt es bei Römer, direkt nach Rudolfs Eingangszitat:


    "Materialismus und nationalistische Euphorie verbanden sich zu eher gefühlsmäßigen Bindungen an das "Dritte Reich".
    Weil das NS-Regime solche Grundbedürfnisse lange befriedigen konnte und von Hitler als charismatischer Integrationsfigur
    bis zuletzt enorme Bindekräfte ausgingen, stand die überwältigende Mehrheit der "Volksgemeinschaft" hinter dem "Führer",
    bis der Konsens zunehmend bröckelte, als ab 1943 immer stärkere Rückschläge einsetzten.
    Für die Wehrmachtssoldaten stellte sich die Loyalität zu Hitler und dem NS-Staat als unhinterfragbarer Normalzustand dar,
    und viele von ihnen kamen erst in der Gefangenschaft zur Besinnung.
    Auch der Konformismus war jedoch voller Abstufungen: Selbst die regimetreuen Soldaten identifizierten sich nicht alle in gleichem Maße mit ihrem "Führer"".
    (Felix Römer, Kameraden. Die Wehrmacht von innen, S. 64-65.)


    Das widerspricht zum einen der aktuellen NS-Forschung, die ich bereits im Abschnitt zu Helmut Schmidt kurz angerissen hatte:



    Zum anderen wird Römers eigentlicher Forschungsgegenstand deutlich: Es geht hier also um die erst in "Gefangenschaft zur Besinnung" kommenden Soldaten,
    die mit abgedunkelten Bussen in ein völkerrechtswidriges "Schweigelager" gebracht und dort geheimdienstlich verhört und dann abgehört wurden.


    Wie kann Römer da überhaupt glaubhaft machen, dass mit Drogen, Psychoterror und Falschinformationen drangsalierte Soldaten den Lebensalltag
    der im Kriegseinsatz befindlichen und bewaffneten "Wehrmacht von innen" verkörpern sollten?



    Zusätzlich stellen sich methodische Fragen. Das Problem "U-Boot-Matrose contra "Frontschwein" von der Infanterie hatte ich bereits erwähnt.
    Wieso sollte man beide ideologisch einfach so gleichsetzen können? Wie weit reicht die Aussagekraft solcher Geheimdienstquellen?


    Was in der wissenschaftlichen Rezension eines vergleichbaren Werks über alliierte Abhörprotokolle von Alexander W. Hoerkens kritisiert wird,
    trifft natürlich in vergleichbarer Weise auf das "Kameradenbuch" von Felix Römer zu:



    Wenn man die Quellenlage, die Römers Werk zugrunde liegt, ansieht, fallen Parallelen zur obigen Studie britischer Quellen auf.
    Die US-Geheimdienste haben vor allem deutsche Waffentechnik-Spezialisten und einfache Soldaten aus bestimmten industrienahen Wohngebieten
    (Stichwort Bombenkrieg) in das geheime Verhörzentrum Fort Hunt gebracht:

    "Gewiss wurden auch viele ausgesuchte Spezialisten nach Fort Hunt gebracht:
    Gemessen an ihrem Gesamtanteil an der Wehrmacht waren die rund fünfhundert U-Boot-Fahrer und die knapp einhundert Flieger
    hier deutlich überrepräsentiert - dies spiegelte die starke technologische Ausrichtung von P.O. Box 1142 wider.


    Etwa die Hälfte der Gefangenen von Fort Hunt gab als letzte Verwendung jedoch eine Kampftruppe an, die meisten von ihnen hatten
    Infanterieeinheiten angehört.


    Auch als einfacher Infanterist konnte man also beim Screening der ausgesandten Vernehmungsteams für den Transport nach Fort Hunt ausgewählt werden.
    Den Ausschlag gaben vielfach schon die zivile Vorgeschichten der Soldaten - so wie auch bei Andersch und seinen Mitgefangenen.


    Es genügte oft, wenn man in der Nähe eines Rüstungswerks gewohnt hatte, um etwa für die "Geographic Section" von Fort Hunt interessant zu sein."
    (Römer, S. 42.)


    Dazu noch eine Anmerkung:
    Eine Gruppe willkürlich zusammengewürfelter Kriegsgefangener stellt doch keinesfalls "Die Wehrmacht von innen" dar.
    Sachlich korrekt hätte der Buchtitel "Geheime Aussagen von deutschen Kriegsgefangenen in US-Gewahrsam" heißen müssen.
    Dann hätte man auch gleich den Waffen-SS Täter Fritz Swoboda integriert, der hier bei Römer als kaltblütiger Massenmörder einfach
    unter dem Oberbegriff „Hitlers Wehrmacht von innen“ mitgeführt wird:



    Warum wird Swoboda überhaupt in einem Buch über Wehrmachtsgefangene so ausführlich vorgestellt?
    Übrigens viel ausführlicher als alle Wehrmachtssoldaten.
    Hat Römer in den von ihm über 102 000 erfassten Protokollseiten keinen annähernd vergleichbar mörderischen Heeressoldaten
    ausfindig machen können? Leider viele Fragen und wenige Antworten.
    Interessant finde ich, dass beinahe sämtliche Informationen über Swoboda im Wikipedia-Artikel von den Fort Hunt-Protokollen stammen:


    Quote

    Fritz Swoboda (* 29. März 1922 in Brünn, Tschechoslowakei; † 31. Mai 2007 in Baden bei Wien, Österreich)
    war ein österreichischer Angehöriger der Waffen-SS, der sich für seine während des Zweiten Weltkriegs begangenen Kriegsverbrechen
    nie vor Gericht verantworten musste.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Swoboda


    Um zum Schluss noch einmal den Altbundeskanzler Helmut Schmidt über den sprachlichen Umgang mit überzeugten Nazis
    zu zitieren, entnommen seinem letzten Buch "Was ich noch sagen wollte" von 2015:


    "Vier Wochen vorher war ich als Zuhörer zu einem der Prozesse vor dem Volksgerichtshof abkommandiert worden.
    An diesem Tag wurde gegen fünf Angeklagte verhandelt. Die ekelhafte, obszöne Art, wie der Gerichtspräsident Freisler mit ihnen umging,
    vergesse ich nie. [...]
    Man sah ihnen an, dass sie Schweres durchgemacht hatten. Es war entsetzlich und würdelos.
    An diesem Nachmittag habe ich begriffen, dass die Nazis Verbrecher waren.


    Als ich anschließend zurück in die Kaserne in Bernau kam, empfing mich mein Kommandeur mit den Worten:
    "Na Schmidtchen, was haben die Braunen nun wieder angestellt?" So redete ein älterer Generalleutnant mit einem jungen Oberleutnant -
    auf einer Dienststelle des Generalstabs! Wenn es um die Nazis ging, herrschte auf unserer Dienststelle ein freier, salopper Ton.


    Die Generäle und höheren Offiziere waren wohl mehrheitlich deutschnational. Mit einer Ausnahme habe ich in diesen Kreisen in acht Soldatenjahren
    keinen einzigen überzeugten Nazi getroffen. Ähnliches gilt für die Mannschaftsdienstgrade.


    Nachdem sich die Stubenkameraden in Bremen-Vegesack näher kennengelernt hatten, stellten wir übereinstimmend fest,
    wie viel Glück wir hätten, bei einem so "anständigen" Verein wie der Luftwaffe gelandet zu sein.
    Luftwaffe, das bedeutete im Übrigen auch: frei von jeglichem Preußentum!"


    (Helmut Schmidt, Was ich noch sagen wollte, München 2015, S. 53-54.)


    Also waren viele Vorgesetzte "deutschnational", aber keinesfalls nationalsozialistisch eingestellt.
    Ein Umstand, der sie für Goebbels zu von ihm verabscheuten "Spießern" und "Bürgerlichen" machte.
    Nach Kriegsende wären viele dieser Offiziere dann wohl den "Säuberungen" durch die Nazis zum Opfer gefallen,
    wie Goebbels Tagebucheinträge deutlich machen. Schade, dass Römer das in seinem Buch nicht berücksichtigt hat.


    Beste Grüße
    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

    Edited once, last by Bodo Franks ().

  • . . . ohne tiefer in die Diskussion einsteigen zu wollen, möchte ich auf zwei Veröffentlichungen
    hinweisen, die ich gerade gelesen habe und die inhaltlich sicherlich - und wenn nur ergänzend -
    zum Thema passen: . . .


    Hallo Bodo,


    vielen Dank für Deine akribischen Ausarbeitungen !
    Wie oben geschrieben, lag es mir fern anhand der beiden Literaturangaben eine tiefergehende
    Diskussion "anzuzetteln". Genauso war es nicht meine Absicht, dem Ansehen Helmut SCHMIDTs
    Abbruch zu tun (, der übrigens mein erster Verteidigungsminister war ). Interessanterweise konnte
    ich in Sabine PAMPERRIENs Werk durchaus auch Verhaltensweisen sowie Argumentationen aus
    meinem familiären Umfeld (jeweils Jahrgang 1919) zur weltanschaulichen Position des Offiziers
    der damaligen Wehrmacht feststellen. Also so "weit hergeholt" scheinen die Erkenntnisse der Autorin
    nicht zu sein.
    (Und auch ein Oberst i.G. Graf Schenk von Stauffenberg war ja mal ein glühender Anhänger des
    NS-Regimes !)


    Trotzdem berührt es mich seltsam, wenn Du in Deinem drittletzten Post die Erinnerungen eines
    (einzelnen) Priestersoldaten und Erfahrungen mit seinen Vorgesetzten als exemplarisch für die
    Wehrmacht hinstellst, aber andererseits die Auswahl der Probandengruppe von Felix RÖMER
    (für die er ja nun nicht verantwortlich ist) als wissenschaftlich unzureichend kritisierst.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Darüber hinaus halte ich es nicht für zielführend, in einer Kritik an PAMPERRIEN, Werke Helmut
    SCHMIDTs zur Argumentation heranzuziehen, da sie ja gerade dessen (Nachkriegs-)Imagepflege
    kritisiert und seine Brüche in der Selbstdarstellung anprangert.

  • Hallo Rudolf,


    P.S. Darüber hinaus halte ich es nicht für zielführend, in einer Kritik an PAMPERRIEN, Werke Helmut
    SCHMIDTs zur Argumentation heranzuziehen, da sie ja gerade dessen (Nachkriegs-)Imagepflege
    kritisiert und seine Brüche in der Selbstdarstellung anprangert.


    wenn sich eine promovierte Journalistin bzw. Rechtswissenschaftlerin dermaßen aus dem Fenster lehnt und jemanden unbedingt "richten" will, mit unzähligen Mutmaßungen und subversiven Unterstellungen arbeitet, nicht einmal das militärische Verständnis eines Oberschülers besitzt, dann verlangst du, man möge doch bitte so diplomatisch wie bei einer UN-Versammlung formulieren?
    Bis auf die linken Medien TAZ und FAZ ist diese Publikation durchweg übel aufgestoßen, angefangen beim kleinen Mann bis hinein in die seriösen Historikerzunft.
    Nur ein törichter Zeitgeist würde die Vielzahl der Fehler, Unterstellungen und Fehldeutungen (z.B. Heirat in Uniform=besessener Nazi) ignorieren
    und den bösen Vorsatz leugnen.
    Selbst die Kommentare in der ZEIT Online sprechen für sich, die sonst jederzeit kritischen Forenten nehmen das Werk schonungslos auseinander.
    http://www.zeit.de/2014/51/hel…amperrien?page=4#comments


    Ich denke mal, Bodo plant hier keine historische Rebellion sondern taucht einfach nur tiefer in die Gefühlslage der 1944er Soldaten ein.
    Dazu taugen keine Abhörprotokolle von frontfernen Seeleuten und fragwürdigem Entstehungshintergrund, eher sind es die die Goebbelschen Tagebucheinträge, die hier Bände sprechen.


    Gruß
    Rüdiger

  • Hallo Bodo,


    bitte kläre mich auf, worum es Dir geht. Du bringst sehr lane Zitate, fast schon Buchauszüge, überwiegend von der Hoffnung geleitet sie sind selbsterklärend. Selber bringst Du kaum diskursstrukturierende Beiträge und dort wo, wimmelt es auch noch von Zitaten. Ich habe alle Beiträge gelesen und das Fragezeichen wächst an. Kannst Du nicht vorgehen wie bei einem Seminarreferat, stelle Deine Thesen vor und versuche sie zu beweisen und eröffne dann darüber
    eine Diskussion. So wie bisher wird nichts vernünftiges zustande kommen.
    Und, welche Grundgedanken leiten Dich?


    Beste Grüße


    Paul

  • Hallo Bodo,

    Welche Zeugnisse gibt es sonst noch zum Verhältnis zwischen Christen bzw. Christlichen Humanisten und den Nazis innerhalb der Wehrmacht?

    erwähnenswert wären in diesem Zusammenhang zwei Personen, über die mehr oder weniger umfangreiche biografische Veröffentlichungen vorliegen.

    Einmal Hauptmann Fritz Hartnagel, dem mit letztem Verwundetenausflug aus Stalingrad entkommenen Freund von Sophie Scholl sowie dem Bruder des Widerstandkämpfers Major Roland von Hößlin,

    RK-Träger Hartmut von Hößlin.

    Beide wurden von Regimentskommandeuren gedeckt, die sich durch ihrer Aufrichtigkeit und christlichen Sichtweise in erhebliche Gefahr brachten. Sei es Fritz Hartnagel,

    der auch nach den Enthauptungen der Weißen Rose-Mitglieder zu der geschassten Familie Kontakt hielt oder Hartmut von Hößlin, der durch unbedarfte Äußerung in kleinem Kreise denunziert wurde.


    Kein gutes Haar an Christen in der Wehrmacht lässt leider der junge Nachwuchshistoriker Dr. David Schmiedel in seiner jüngst veröffentlichten Dissertation "Du sollst nicht morden".

    Da sah sich sogar der renommierte Militärhistoriker Dr. Christian Hartmann genötigt, mit einer kritischen Rezension öffentlich zurechtzuweisen. Wenn selbst einfache Begriffe wie Kameradschaft vom ungedienten Jungdoktoranden vollkommen fehlinterpretiert werden, sind Tür und Tor für eine verfälschende anachronistische Sichtweise geöffnet.

    Gläubige Christen in der Wehrmacht. Ein wichtiges Thema mit mäßigem Ergebnis.

    http://www.faz.net/aktuell/pol…ssensfragen-15622601.html



    Kannst Du nicht vorgehen wie bei einem Seminarreferat, stelle Deine Thesen vor und versuche sie zu beweisen und eröffne dann darüber
    eine Diskussion. So wie bisher wird nichts vernünftiges zustande kommen.
    Und, welche Grundgedanken leiten Dich?

    Das riecht mir ein wenig nach Intervention mit der Reitgerte, vor jeder Theorie oder Hypothese steht doch wohl

    ein bißchen unverfängliche Empirie mit scharfsichtigen Blick?



    mfg

    Tac

    Edited once, last by tac76 ().

  • Hallo Tac, hallo zusammen,

    besten Dank für den Hinweis auf Hartmanns Rezension. Ich kannte Schmiedels fragwürdige Schlussfolgerungen bereits ansatzweise.

    Insgesamt sehr enttäuschend, aber was kann man von einem vorwiegend theologisch ausgerichteten "Religionswissenschaftler"

    (u.a. seine Selbstbeschreibung im Buch) auch anderes erwarten?


    Ganz am Anfang (Post #1) habe ich meine Fragestellung doch genannt. Vielleicht noch einmal dieses Eingangszitat zur Erinnerung:



    Es schmerzt immer etwas, wenn man falsch verstanden wird, gerade auch von so einem erfahrenen Experten wie Dr. Rudolf.


    Darum ging es mir doch gar nicht. Bei diesem Priestersoldaten ging es vor allem um die erwartete "Abrechnung" nach Kriegsende, d.h. blutige Christenverfolgung durch das NS-Regime, was der erste (böse NS-)Kompaniechef dem Priestersoldaten androhte, genau wie NS-Propagandaminister Goebbels.

    Ich hatte doch außerdem bereits weitere Beispiele für "christlich-humanistische Gesinnung" gegen "Nazi-Gesinnung" genannt.


    In Post #1 hatte ich nicht nur Helmut Schmidts Einschätzungen, sondern auch die von Kordula von ihrem Vater berichteten Eindrücke genannt:

    "Die Abteilung hatte 31 Offiziere, von denen nicht einer ein Nazi war. Im ganzen Regiment (mit über 100 Offizieren) gab es nur einen, auf den wie ein Rhinozeros gezeigt wurde. ..."


    In

    Post #4

    hatte ich Manfred Schick mit ganz ähnlichen Erlebnissen zitiert:

    "Einer der Leutnante, „der einzige, der aus der Reihe tanzt“, entpuppt sich jedoch als unsympathischer Nazi und brüllt den netten Spieß vor versammelter Mannschaft zusammen."

    In

    Post #8

    hatte ich dann nicht nur den (namentlich nicht genannten) katholischen Priester, der ein Kollege des bekannten Geistlichen Hans Steffens war,

    sondern auch den Priester und Kirchenmusiker Hans Niklaus zitiert:

    Quote

    "Zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, in einer reinen Nazi-Umgebung zu leben.

    Es waren immer nur einzelne, die von den anderen dann ziemlich geschnitten und nicht für voll genommen wurden. Gerade unter den Vorgesetzten erlebte ich immer wieder Offiziere, die keine Nazis waren."


    Hans Niklaus, "Ich hätte diese Jahre lieber nicht erlebt", in: Katholisches Militärbischofsamt (Hrsg.), Hans Jürgen Brandt (Hrsg.), Priester in Uniform. Seelsorger, Ordensleute und Theologen als Soldaten im Zweiten Weltkrieg, Augsburg 1994, S. 171-177, hier S. 177.


    Desweiteren finde ich es bedauerlich, wenn Pamperrien Einstellungen wie "vaterlandsliebend", "patriotisch", "Wehrdienst ist Ehrendienst" usw. mit einer rassistischen Nazi-Gesinnung auf eine Stufe stellt.


    P.S. Darüber hinaus halte ich es nicht für zielführend, in einer Kritik an PAMPERRIEN, Werke Helmut
    SCHMIDTs zur Argumentation heranzuziehen, da sie ja gerade dessen (Nachkriegs-)Imagepflege
    kritisiert und seine Brüche in der Selbstdarstellung anprangert.

    Wenn nach den Einschätzungen der bisher genannten Zeitzeugen die Nationalsozialisten in der Wehrmacht eine Minderheit darstellten,

    bleibt doch die Frage, was denn dann für eine Gesinnung vorherrschend war. Zu vermuten ist eine "deutschnationale" Einstellung.

    Deshalb mein Zitat aus Helmut Schmidts letztem Buch "Was ich noch sagen wollte":



    Wenn man liest, was NS-Propagandaminister Goebbels nach einem Treffen mit Hitler verächtlich über die deutsche Luftwaffe (und das Heer) geschrieben hat, werden sowohl Helmut Schmidt (Jahrgang 1918) als auch mein Vater (Jahrgang 1919), beide Flak-Soldaten, in ihren Einschätzungen bestätigt:


    "4. März 1944

    [...]

    Die Luftwaffe ist auch [wie das Heer] in keiner Weise als nationalsozialistisch anzusprechen,
    was in der Hauptsache darauf zurückgeführt werden muß, daß sie einen großen Teil ihrer Offiziere, vor allem ihrer älteren, aus dem Heer übernommen hat.

    Der Führer will [Generaloberst] Schörner zum NS-Führungsoffizier für das Heer machen. Das tut mir eigentlich etwas leid.

    Ich hätte mir Schörner als Nachfolger für Fromm für das Ersatzheer gedacht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. [...]"


    (Ralf Georg Reuth (Hrsg.), Joseph Goebbels. Tagebücher Band 5: 1943-1945, München 2003, S. 2009-2011.)


    Auch wenn das vielen heutigen Historikern kaum noch vermittelbar ist, so bestand doch ein gewaltiger Unterschied zwischen "deutschnationaler Einstellung"

    und "nationalsozialistischer Gesinnung". Die Nazi-Herrscher wussten das.

    Deshalb auch der populäre Irrtum zum Hitler-Attentäter Stauffenberg. Die verbreitete anfängliche "Begeisterung für Hitler" als Reichskanzler speiste sich aus völlig falschen Erwartungen, die schon bald enttäuscht wurden. Nicht zuletzt, weil die Kriegsgefahr unter Hitlers Herrschaft immer bedrohlicher wurde. Aber das ist ein anderes Thema.


    Zum Abschluss möchte ich diesmal noch den Kriegsveteranen Albert Schoeb zu Wort kommen lassen, einen zwangsweise zur Wehrmacht eingezogenen Lothringer, der sich selbst weiterhin als französischer Staatsbürger sah.Im Sammelband "Deutsche im Zweiten Weltkrieg. Zeitzeugen sprechen"

    hat er sehr ausgewogene Worte für seine ehemaligen Wehrmachtskameraden gefunden, u.a. schrieb er:

    "Unter den 'Landsern', meinen Kameraden, waren Nazis selten. Wenn ich sage, es waren wenige Nazis, meine ich damit, daß ich im Gespräch selten Nazis herausgehört habe. Ich hatte überhaupt den Eindruck, daß in der ganzen Wehrmacht ein anderer Geist war, nicht der Nazigeist. Es war der Geist vom Vaterland. Der Patriotismus, das ist eigentlich das Unglück der Deutschen.“



    Beste Grüße

    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo Bodo,


    einige kritische Anmerkungen:

    die zur Beweisführung herangezogenen Zitate stammen alle aus ex-post Veröffentlichungen der Kriegsteilnehmer. Diese Tatsache solltest Du kritisch würdigen. So sind die Publikationen von H. Schmidt zum Thema Drittes Reich und Wehrmacht durchaus mit Bedacht auf sein Image geschrieben worden. Zudem gab es sicherlich unter allen Autoren keine einheitliche Definition von Nazis. Die Einschätzung (ex-post) wer Nazi war und wer nicht, muss daher als ziemlich subjektiv angenommen werden. Stereotypisch ist die Gleichsetzung von jungen Offizieren, vorzugsweise Leutnante, mit forschem Auftreten als Naziadepten.

    Sicherlich war für viele die Grenzziehung zwischen der Naziideologie und der Deutsch-National-Konservativen Ideologie schwierig, waren doch die Übergänge, zumindest anfänglich, ziemlich fließend und ineinander verwoben.

    So bot sich vor dem Krieg die National-Konservative-Haltung als bequemes Arrangement mit den Nazis an und nach dem Krieg als bequemes Feigenblatt einer ablehnenden Haltung gegenüber den Nazis.


    Gruß


    Paul

  • Hallo

    Danke an Bodo für die nachvollziehbare und eindringlich dargelegte Kritik an diesen beiden "Mach"-Werken.


    Leider ist man in unserer Gesellschaft durchgängig Propaganda ausgesetzt und diese kommt allzuhäufig in Form von angeblicher "Wissenschaft" und wird von sogenannten "Wissenschaftlern" dargelegt. Diesen Sachverhalt muß man, wenn man nur ein bißchen Richtung Objektivität / Neutralität, nicht nur bei geschichtlichen Themen feststellen.

    Gerade die Sozialwissenschaften sind derart "auf den Hund" gekommen das sie in nur noch selten unter "Wissenschaft" (was normalerweise darunter verstanden wird) laufen können.


    Auch eine Pamperrien, wie viele andere, sollte sich fragen wo sie in einem Regime wie dem 3.Reich gestanden hätte.

    Ich denke sie würde meinen auf Seiten des "Widerstands", mein Eindruck ist sehr deutlich ein ganz anderer. Ein Großteil der heutigen Journalisten und Gutteil der Historiker dienen heute dem Zeitgeist und verdrehen dazu hemmungslos Geschichte, Fakten, pers. Geschichten etc..

    Hätten sie in 30er/40er Jahren anders agiert - wohl kaum.

    Grüße
    Ricardo

  • Hallo Bodo,


    einige kritische Anmerkungen:

    die zur Beweisführung herangezogenen Zitate stammen alle aus ex-post Veröffentlichungen der Kriegsteilnehmer. Diese Tatsache solltest Du kritisch würdigen. So sind die Publikationen von H. Schmidt zum Thema Drittes Reich und Wehrmacht durchaus mit Bedacht auf sein Image geschrieben worden.

    Hallo Paul,


    wenn Du meine bisherige Quellenübersicht genau gelesen hast, wirst Du gesehen haben, dass wir es sowohl mit einigen Nachkriegstexten zu tun haben

    (z.B. die Kriegserinnerungen von Helmut Schmidt und Erich Mende), aber dass auch damals zeitgenössische Kriegsaufzeichnungen darunter sind

    (z.B. Manfred Schicks Feldbriefe an seine Eltern, die von den örtlichen NS-Funktionären bedroht wurden; sein Vater saß bereits zeitweise in "Schutzhaft").


    Desweiteren waren ja auch Tagebuchauszüge des Priesterkollegen von Hans Steffens dabei, der als Priestersoldat zur Wehrmacht eingezogen wurde.

    Noch vor Kriegsende ist der Tagebuchschreiber in Italien gefallen, als er in einem Dorf verwundete Menschen verbinden wollte. Bis dahin hatte er das Tagebuch akribisch geführt.

    Wenn Du Tagebuchveröffentlichungen ex ante verlangst, also vor Kriegsende in NS-Deutschland erschienen, wird man in der Regel auf propagandistische, regierungskonforme Texte stoßen. Ich kenne auch dafür einige Beispiele. Für dieses Thema absolut unergiebig.


    Die Kriegserinnerungen von Zeitzeugen hatte ich bislang mit der Maßgabe zitiert, dass die Personen bekanntermaßen NS-kritisch eingestellt waren.

    Helmut Schmidt hatte beispielsweise wegen seiner jüdischen Familienangehörigen wenig gutes bei einem Endsieg der Nazis zu erwarten.


    Und zu dem wie Erich Mende im nationalkonservativen Milieu verorteten Hitler-Attentäter Stauffenberg hat etwa der bekannte Historiker Joachim Fest

    in der Studie "Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli" folgendes geschrieben:


    "[....] Wie viele junge Offiziere hatte er [Stauffenberg] 1933 Hitlers Kanzlerschaft begrüßt

    und wohl auch einige Programmpunkte der Partei, zumindest der Idee nach, bejaht,

    gewiß jedoch die Wendung gegen Versailles und die Vereinigung mit Österreich.


    Aber schon im Verlauf der Affären um Blomberg und Fritsch waren grundsätzliche Zweifel

    in ihm wach geworden, die sich durch Hitlers riskante Politik während der Sudetenkrise noch verstärkten;

    "der Narr macht Krieg", hatte er damals gesagt. Und als es schließlich dazu kam, war er wie viele leidenschaftliche Soldaten

    ganz in den Anforderungen seines Metiers aufgegangen und den immer neuen Anlässen zur Empörung

    mit dem verbreiteten Vorsatz begegnet, nach dem Krieg die "braune Pest" zu beseitigen."


    (Joachim Fest, Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli, Berlin 1994, S. 219f.)


    Außerdem möchte ich noch betonen, dass in den meisten militärhistorischen Abhandlungen anderer Länder und Armeen

    die Kriegserinnerungen von beteiligen Soldaten wie selbstverständlich herangezogen wurden und werden.


    Grüße

    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo Bodo,


    langsam stelle ich mir die Frage, warum Du diesen Thread eröffnet hast,

    wenn er offensichtlich doch nur dazu dienen soll, Deine (bereits gefestigte)

    Meinung zu bestätigen und Du abweichende Meinungsäußerungen nicht

    gelten lässt bzw. tw. sogar "abbügelst" ?!?


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)