A4/V2 im allgemeinen und Fragen nach V2-Varianten mit hoher Reichweite

  • Hallo nochmal an alle ;)


    Ich habe auf der Website der "Truman Library" etwas gefunden, was mich verstört / irritiert:


    https://www.trumanlibrary.org/…/printRecord.php?id=58349


    Unter der Karte (auf die man zum Vergrößern klicken kann) steht auch etwas davon, daß es sich vielleicht um etwas im Kontext von "V2" und "U-Boote" handeln könnte.


    Allerdings wären die angegeben (Zerstörungs-) Radien ungewöhnlich.


    Seid mir bitte nicht böse, wenn ich das zeige. Ich mache das nur deswegen, weil ich die "Truman Library" eigentlich als Quelle für seriös halte.


    Aber nochmal: Ich finde das verstörend. Das kann doch nicht original sein, oder ?


    Danke und beste Grüße aus Bonn,
    Manfred

  • Hallo,Manfred
    " Judging from the circles of effect drawn on the map, such rockets should have been armed by atomic warheads."Zerstörungsradien wenn die V2 einen Atomsprengkopf gehabt hätte.
    mfg karat

  • Hallo Karat,


    danke für deine Nachricht.


    Ja, das hatte ich auch gelesen. Ich fand es halt auch verstörend.


    Die "Truman Library" wird ja anscheinend vom US-Nationalarchiv verwaltet ( https://www.trumanlibrary.org/aboutus.htm ) (Da ganz unten zu lesen).


    Also eigentlich doch eine seriöse Quelle. Nur kann das Blatt wirklich echt / original sein ?


    Mit besten Grüßen aus Bonn,
    Manfred

  • Hallo,
    wenn ich es mit meinen geringen Englisch-Kenntnissen richtig deute, sollten die A 4-Raketen von deutschen U-Booten abgeschossen, Manhattan erreichen. Der Plan bestand wohl darin, dass diese Raketen in Containern von den U-Booten mitgeschleppt werden sollten. Sobald die richtige Schussentfernung erreicht war, d.h. die Raketen bis auf amerikanisches Festland bzw. in amerikan. Großstädte fliegen konnten, wäre ein Abschuß aus diesen Containern erfolgt. Warum dieses Projekt nicht mehr realisiert wurde, erkläre ich mir, ohne die Fakten genau zu kennen, damit, dass die Container nicht zur Verfügung standen, die U-Boot-Abwehr vor der amerikan. Küste zu stark war und es sicherlich technische Probleme beim Schleppen auf diese Entfernung gegeben hätte. Das sind aber Vermutungen von mir. Die neuen dt. U-Boot-Typen waren 1944 gerade mal noch im Endstadium der Erprobung. Erst Anfang 1945 gab es nicht nur einzelene Frontboote neueren Typs(XXI), die eine Chance hatten, Nordamerika noch zu erreichen.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo wirbelwind,


    ich glaube kaum das dies funktioniert hätte.


    Die Amerikaner haben nur einmal probiert eine A4 von einem Flugzeugträger zu starten das Ergebnis war so la la vom aufwand ganz zu schweigen. :)


    Ich glaube, dass die Fieseler F 103 durch die Kompaktheit und gleicher Nutzlast wie die A4 dafür eher geeignet war von U-Booten verschossen zu werden.


    Mit der Republic-Ford JB-2 (eine 1:1 Kopie der Fi 103) waren die Amerikaner seit 1944 am Testen.


    Das Verpuffungsstrahltriebwerk oder Pulsstrahltriebwerk der Fi-103 wurde in einigen der Jet Bombs verbaut wie z.B in der Northrop JB-10


    Gruß,
    pvt.snafu

  • Hallo,
    die Operation ,,Sandy" fand nach meinem Kenntnisstand 1947 statt. Es stimmt, dass weder eine V1 noch eine V2 jemals von einem dt. U-Boot aus auf Feindgebiet gestartet wurde. Trotzdem gab es ernsthafte Überlegungen, dt. U-Boote technisch so auszustatten, um dies möglich zu machen. Selbst die Amerikaner gingen in einem Bericht vom 01.02. 1945 unter anderem davon aus, dass die Deutschen kurzfristig in der Lage wären, 300 U-Boote mit V1 bestückt auslaufen zu lassen. Für den Transport kamen 2 Varianten in Frage. Einmal Lagerung der Einzelteile im druckfesten Bootskörper. Es können relativ viele V1 mitgenommen werden. Nachteil: Boot muß lange aufgetaucht bleiben, um die Einzelteile wieder zusammen zu setzen und dass in unmittelbarer Nähe der amerikan. Ostküste. Andere Variante. Unterbringung der startfähigen V1-Geräte in einer offenen Halle an Deck, die vom Wasser überflutet werden kann. Würde bedeuten, 2-4 V1 an Bord, die sich relativ schnell abschießen lassen.
    V2 sollten in sogenannten Schleppkörpern durch Schnorchelboote oder den neuen Typ XXI bis 180 sm an Amerikas Ostküste heran gebracht und dann abgefeuert werden. Diese Vorstellung entwickelte die Projektgruppe ,,Prüfstand XII" im Dez. 1944 in Peenemünde. Zu Tarnungszwecken wurde diese Projektgruppe im Volkswagenwerk Wolfsburg angesiedelt. Die Schleppkörper waren über das Versuchsstadium hinaus. Die Vulkan Werft Stettin erhielt den Auftrag, Schleppkörper bis zum 25.03.1945 herzustellen- Einige sollen noch fertig produziert worden sein. Das die Amerikaner daran glaubten, die Deutschen könnten V2 mit U-Booten bis 300 km vor die Ostküste bringen und dann abschießen, zeigt sich in dem mit großen Aufwand betriebene Vernichtung der U-Boot-Gruppe ,,Seewolf". Sie schienen eine reale Gefahr für sich zu vermuten. Mehr läßt sich dazu im Marine-Forum nachlesen. Übrigens hat bspw. U 511 wohl raketenähnliche Geschosse unter Wasser gezündet und abgeschossen. Doch das ist schon wieder ein anderes Thema.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo,Wirbelwind
    "Andere Variante. Unterbringung der startfähigen V1-Geräte in einer offenen Halle an Deck, die vom Wasser überflutet werden kann. Würde bedeuten, 2-4 V1 an Bord, die sich relativ schnell abschießen lassen."
    Da ist aber jemandem gehörig die Fantasie durchgegangen!Wie soll das funktionieren die V1 rd.2 Wochen offen auf dem Deck,bei der Anfahrt über und unter Wasser?Selbst bei der günstigsten Annahme daß die ganze Fahrt in Schnorcheltiefe abgelaufen ist?
    Ohne einen druckfesten Transportbehälter ist man auch später bei Loon und Regulus nicht ausgekommen.
    mfg karat
    https://upload.wikimedia.org/w…px-USS_Cusk%3B0834807.jpg

  • Hallo Karat,
    wie das im Einzelnen mit den V1-Geschossen an Deck funktionieren sollte, kann ich Dir nicht mitteilen, weil dazu im besagten Bericht nichts steht. Auch nicht, wie die V1 auf die notwendige Anfangsgeschwindigkeit gebracht werden konnte, damit der Pulsator seine Tätigkeit aufnimmt. Es mußte ja auch eine Abschußvorrichtung existieren. Zumindest haben es die Amerikaner im Februar 1945 für möglich gehalten. Deine Einwände kann ich daher nicht weiter entkräften.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo,Wirbelwind
    Wie es mit einer Walter-Schleuder auf dem U-Boot funktioniert hätte weiß ich auch nicht,man hätte das Wasserstoffperoxid in einem Tank mitführen können.Die Amerikaner haben bei der Loon mit 4 Starthilfsraketen die anschließend abgeworfen wurden beschleunigt.
    mfg karat
    https://www.youtube.com/watch?v=XvHbrsJMQ8U

  • Hallo Karat,
    im Marine-Forum existiert eine Rißzeichnung zu dieser Problematik, die eine Abschußvorrichtung für die V1 auf einem U-Boot vom Typ XXI zeigt. Die Fachleute waren sich damals nicht einig, ob es sich dabei um eine Fake-Zeichnung handelte oder nicht. Fakt ist und bleibt, dass weder eine V1 noche eine V2 von einem dt. U-Boot jemals auf Amerika abgefeuert wurden. Es soll wohl eine Aufnahme existieren, auf der zu sehen ist, wie zu Versuchszwecken V2 von einem U-Boot aufsteigen.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo,Wirbelwind
    Danke für den Hinweis auf deine Anfrage im Marine-Forum,ich habe mir mal alles durchgelesen,icl.des vollständigen Textes des amerikanischen Berichts vom 1.2.1945 auf der letzten Seite.Gestern schrieb ich da ist jemand die Fantasie durchgegangen,jetzt frei nach Asterix:Die spinnen die Amerikaner.
    "Es liegt auf der Hand, daß der Mantel einer an Deck untergebrachten
    Robot-Bombe verstärkt werden muss, damit sie den Druck der größten
    Tauchtiefe des U-Boots auszuhalten vermag. In Anbetracht des
    verhältnismäßig kleinen Durchmessers der Bombe dürfte die Durchführung
    dieser Maßnahme allerdings nicht schwierig sein."
    Die kleinste Plattenstärke bei U-Boot Typ XXI war 12 mm,größte 50mm.Bei der V1 war das 1,5 und 2,5mm was zu einem Startgewicht von 2160kg führte.Wie man ein V1 mit einer Plattenstärke von 12mm starten soll hat da niemanden interessiert.Die Angst hatte wohl sehr große Augen.
    mfg karat

  • Hallo Karat,
    was Du zu der Umsetzbarkeit und zur Angst der Amerikaner geschrieben hast, kann ich mittlerweile nur beipflichten. Es ist müßig darüber zu sinnieren, was wäre gewesen, wenn... Fakt ist und bleibt, erst den Amerikanern ist es gelungen, eine faktisch weiter entwickelte V1 von U-Booten zu starten.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo Ihr am V-Waffenwerk Dora bei 99743 Nordhausen und den dortigen Wohnungen Wernher von Brauns Interessierten:
    1. SS-Obergruppenführer Kammler wohnte zeitweise in Ilfeld:
    Hier noch Nachträge von der Enkelin Frau Inge Fritsch, Gästehaus Schreiber, Ilfeld, Walther-Rathenau-Strasse am 2. Mai 2018:
    1." Ich erinnere mich, dass SS-General Kammler eine Woche bei uns wohnte.
    Mich beeindruckte das Telefon in seinem Zimmer mit einer Kurbel an der Seite und vielen Knöpfen ."
    An das Datum kann sich Frau Fritsch nicht mehr erinnern.
    Damit ist bewiesen, dass SS-Obergruppenführer Kammler sich zeitweise im Bereich des V-Waffenwerkes Dora aufhielt.


    Es ist bekannt, dass Kammler die Mitarbeiter des Mittelwerkes Dora " zur Verteidigung des Mittelraumes" zwingen wollte.
    Vermutlich kam auch der unsinnige Befehl der SS zur
    "Verteidigung Nordhausens "entlang der HKL Schröterstrasse / Contagstrasse" in Richtung Harzpforte
    an den Nordhäuser Stadtkommandanten Hauptmann d. R. Sigurd Rudloff am 6. April 1945
    aus seinem Stab.
    Der damals siebenjährige Joachim Kuhlmann erinnert sich noch heute,
    dass seine Familie mit Mutter und Sohn Rudloff
    wegen dieses Befehls über Nacht in die "Lazarettstadt" Wernigerode/Harz flüchteten.
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    Am 23. 4.2018 schrieb jostdieter :


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    2 .Frau Inge Fritsch erzählte am 2. Mai 2018 noch:
    "Nach dem Einzug der Russen wurde der Alt-Kommunist Bauersfeldt
    , bis dahin Kellner im Hotel Netzkater, Ortsvorsteher von Ilfeld.
    Er verhinderte, dass Familie Schreiber enteignet wurde, "weil sie hohe Nazis bewirtetet hätten"
    mit der Begründung, dass "die Nazis zwangsweise in die Gäste -Häuser eingewiesen wurden."


    Ich hoffe, dass diese an sich belanglosen Informationen dem Einen oder Anderen bei der Aufhellung historischer Ereignisse helfen können.
    Euer alter Nordhäuser Jost-Dieter
    PS. Genoss im Mai 18 vorzügliche Nordhäuser Bewirtung in einem idyllischen Biergarten inmitten der Altstadt und im Festplatz Gehege.

  • Hallo Jostdieter,
    schön, daß Du Anfang des Wonnemonats in Nordhausen Dich vorzüglich bewirten lassen konntest. Und auch noch Zeit gefunden hast, für uns wieder einmal aufschlußreiche "Puzzlesteinchen der Geschichte" mitzubringen.


    Herzlichen Dank von
    MunaLisa und MunaLena,


    ( die gestern auch wieder in Sachen Aggregat 4 unterwegs waren.. :-) )

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Jostdieter,


    gerade solche ,,Puzzleteilchen", wie Du sie ins Forum gestellt hast, machen doch die manchmal doch etwas nüchtern daher kommenden Fakten erst,, rund". In der Regel sind dererlei Ausführungen nur schwer in der Literatur zu finden. Da Zeitzeugen ,,aufzustöbern" und sie zu Aussagen zu bewegen immer schwieriger wird, ist es schon eine Leistung Deinerseits, diese Dinge den Forumsteilnehmern zur Verfügung zu stellen. :thumbup:


    MfG Wirbelwind

  • Hallo werte Mitforisten,


    hier noch ein Puzzleteil von der Flucht der V2-Wissenschaftler:


    https://www.independent.co.uk/…g-space-power-844178.html


    In dem Text wird u.a. beschrieben, daß 1945 eine Teilgruppe von insgesamt 21 Wissenschaftlern von der Hauptgruppe mit Wernher von Braun getrennt war und sich in der Nähe von Weimar verbarg. Sie wurden erst mehrere Wochen später darüber informiert, daß sich von Braun´s Gruppe den Amerikanern ergeben hatte.


    Vielleicht interessiert dieses Detail ja jemanden.


    Beste Grüße,

    Manfred

  • Hallo Manfred, ich danke dem "StierNRW" für das link zum Artikel im "indepedent" über Ernst Stuhlinger.

    Stuhlinger gehörte seit 1943 zu Wernher von Brauns Mitarbeitern, nicht nur im Mittelwerk Dora bei Nordhausen,

    sondern auch in den USA.

    Als einer der wenigen überlebenden Soldaten von Stalingrad war er nicht

    - wie Wernher von Braun - durch die Zugehörigkeit zur SS belastet.


    Umso glaubhafter ist seine im "independent" wiedergegebene Äusserung:

    "During his later years, Stuhlinger attempted to address the historic legacy of the V-2 era.

    In a 1995 article for The Huntsville Times, he called the Nazi era "extremely deplorable",

    but he continued to maintain that the team of German rocket engineers had been driven by the dream of space travel,

    rather than the development of weapons."

    Warum schreibe ich das?

    Für mein Gefühl werden die grossartigen Leistungen der deutschen Raketen-Ingenieure für die Weltraumfahrt

    in der Öffentlichen Meinung allzusehr durch die Arbeit für Vernichtungswaffen überschattet.

    Aber das ist subjektiv.

    Es grüsst jostdieter aus dem raketenfernen, aber weinnahen Grenzach am Hochrhein.

    Es soll dieses Jahr einen Jahrhundert- Wein geben...

  • Hallo jostdieter,


    es freut mich, daß dich der Artikel im "Independent" interessiert hat. Ich dachte schon, das interessiert im Zweifelsfalle keinen Menschen :-)


    Ich wünsche einen guten Wein-Jahrgang am Hochrhein !


    Beste Grüße aus Bonn,

    Manfred