A4/V2 im allgemeinen und Fragen nach V2-Varianten mit hoher Reichweite

  • @ pvt.snafu


    Hallo,


    daß es grundsätzlich zu Kontaktaufnahmen in den besetzten Gebieten mit Alliierten kommen konnte (irgendwie) will ich gar nicht ausschließen.
    Nur fand doch die Forschung (auch unter grausamsten Bedingungen für KZ-Häftlinge) in Deutschland selber statt (Oder sehe ich das falsch ?).
    Wir sprachen ja von den Wissenschaftlern.


    Die Anlagen, in denen geforscht wurde, wurden doch streng bewacht. Dort wird eine Kontaktaufnahme mit Alliierten nicht möglich gewesen sein.
    Und sonst in Deutschland ?
    Der OSS hatte Agenten in Deutschland, aber wie kamen die dann bitte an diese Wissenschaftler ran ?
    Zumal Deutschland ja damals auch ein furchtbarer Überwachungsstaat mit vielen Spitzeln und Denunzianten war.


    Hättest Du ein Beispiel an der Hand für eine Kontaktaufnahme eines Wissenschaftlers mit dem OSS in Deutschland selber ?


    Danke und viele Grüße aus Bonn,
    Manfred

  • Hallo,


    die Kontaktaufnahmen fand immer von deutscher Seite statt.
    Einen strammen Nazi zu kooperation zu übereden war wohl nicht pratikabel, da gab es bessere Wege um an Informationen zu kommen.
    Es gab einige Versuchsanstallten in Polen sowie in der Tschechoslowakei, ganz zu schweigen von den Anlagen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden wobei diese eher für die Lagerung, montage (Projekt Regenwurm) sowie dem Abschuss dienten.
    Beispiele kann ich leider keine anführen da die Briten sämtliche Unterlagen zu diesem Thema bis heute unter verschluss halten aus gründen der Nationalen Sicherheit.
    Im Amerkanischen National Archiv bekommt man auch nichts zu diesen Thema da beide Länder in dieser Frage eng zusammenarbeiten.


    Gruße,
    pvt.snafu

    Edited once, last by pvt.snafu ().

  • Hallo pvt.snafu,


    es wäre schön, wenn ich Dich irgendwie persönlich anreden könnte.

    die Kontaktaufnahmen fand immer von deutscher Seite statt.


    Das III. Reich war ein perfekter Überwachungsstaat, insbesondere wichtige Personen wurden ständig überwacht und das gründlich.
    Du musst auch bedenken, dass die Überwacher Erfolge vorzeigen wollten um nicht an die Front zu müssen.
    Die Beweislage von Gerichtsurteilen im III. Reich zeigt auf, dass sehr oft Spitzel die Zeugen waren. Es war also äußert gefährlich, ja fast unmöglich Kontakte mit den verfeindeten Mächten aufzunehmen, ebenso wie Akten und Dokumente beiseite zu schaffen; ausgenommen sicher die letzten Kriegsmonate. Wer sich eine teuere Leica geleistet hatte war sicher bekannt, wenn nicht gar aktenmäßig erfasst.
    Funküberwachung und Peilaung war normal.
    Selbst im Arbeitsbereich muste man mit Spitzeln rechnen, ggf. den eigenen Kollegen.
    Wissenschaftler sind keine Geheimagenten, d. h. sie sind nicht dafür geschult und ihr Verhalten in dieser Richtung nicht gerade professionell, weil andere Schwerpunkte vorherrschen.
    Nun bedenke noch die Sippenhaft, die drohte, die Folter usw., letztlich die Todesstrafe. Das wusste man, was man auf Spionage/ Verrat von Geheimissen, insbes. der militärischen zu erwarten hatte.
    Grenzübergang war nahezu unmöglich. Kontakte im Protektorat oder andern besetzten Ländern ist denkbar, aber die Risiken lagen auf der Hand.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl Grohmann,


    ich stimme dir in allen Punkten die du aufgeführt hast zu.


    Es scheint aber doch so zu sein das die Westlichen Alliierten ab 1942-43 eine zynische Kosten-Nutzen Strategie verfolgt haben.
    Welchen Aufwand muß der Feind (Deutschland) betreiben um bestimmte Waffensysteme zu entwickeln und wo muß man ansätzen um den Nutzen dieser Waffen so gering wie möglich zu halten.


    Im Jahr 2004 wurden von der Britischen Regierung eine Auswahl von 5,5 Millionen Luftbilder freigegeben.
    http://ncap.org.uk/
    Unter diesen Aufnahmen wurden auch solche gefunden die wohl eher nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren,.da sie zeigen welche Objekte für den Aerial Reconnaissance der Royal Air Force von Intresse waren.
    Wohl aus gutem Grund wurden die dazugehörigen unterlagen der Luftbildauswärtungen nicht veröffentlicht, da diese Rückschlüße auf den damaligen Wissenstand offenlegen würden und im Dritten Reich die Entwicklug sowie der bau der Anlagen und Montage dieser Waffensysteme eng mit der vernichtung "unwerten Lebens" verbunden waren.
    Diese Unterlagen werden wohl erst (wenn alle zukünftigen Britischen Regierungen/Generationen sie herabstufen) in 50 bis 200 Jahren der Wissenschaft zu verfügung stehen, oder auch nie.


    Die V1 (Fieseler Fi-103 oder Flagzielgerät 76) geringe Bau und Entwicklungszeit/Kosten da die Idee aus den 20er 30er Jahren stammte und wie der Name "Flagzielgerät 76" schon vermuten läßt eigentlich für die Ausbieldung von Flak Abteilungen angedacht war.


    Erster Lehrfilm über des neuen Waffensystem, mit interesanten Aufnahmen des ersten Prototypen A1 der so nie in Produktion ging.


    Lehrfilm aus dem Jahr 1943

    Bis zuletzt ein großes Problem der V1, die Aufschlagszünder (Udetfeld / Oberschlesien 1944)


    Nachdem die Brtitische Home Defence Force ihr Radar-Chain auf die größe der V1 justiert hatte wurde sie wieder zu dem wofür sie eigentlich gedacht war, ein Zielobjekt aber diesmal für die Ausbilding Englische Flak Abteilungen.


    Die V2 (Agregat 4): immenser Aufwand in Entwicklung sowie der aufbau der nötigen Infrastruktur (bei dem mehr Menchen ums Leben kamen als von der wirkung der Waffe)
    Nur das "Projekt Regenwurm", der mobile Einsatz der A4, machte den Engländern zu beginn einige sorgen da sie von großflächigen Anlagen zum start der Rakete ausgingen die man leicht hätte Bombadieren können.
    Nachdem sie aber feststellten das "Mobil" relativ war und nur bestimmte Plätze dafür in frage kamen, die darüber hinaus auch noch recht deutlich präpariert werden mußten war dies auch kein wirkliches Problem mehr.
    Die für das Projekt Regenwurm notwendingen "Wurmnester" in denen die Raketen zur Endmontage und Lagerung gebracht werden musten waren auch lohnende und einfache Ziele für das Bomber Command.


    Wie z.B. das Reservelager West RLW "Bauvorhaben 51 - Sottevast Bunker" bei Cherbourg-Octeville


    Englischer Film von 1945, gedreht wärend der Operation "Backfire", der den Ablauf eines solchen "Regenwurms" recht gut zeigt.


    Lange Rede kurzer Sinn, so lange wir nicht einsicht in die Unterlagen haben ist das meiste reine Spekulation.


    Gruß,
    pvt.snafu

    Edited 2 times, last by pvt.snafu ().

  • Hallo private snafu,
    ich lese Deine Beiträge gerne, da sie so wunderbar einen weiten Bogen über allerlei mehr oder weniger zusammenhängende Themenbereiche schwenken, angereichert durch so manche Idee zu neuen Interpretationen und dann wieder in der Erkenntnis münden, das ja alles nur "reine Spekulation sei.." .
    Daher freue ich mich schon auf weitere Folgen dieser Saga. :-)


    Versteh´mich bitte nicht falsch, das ist nicht "böse" gemeint. Doch für diejenigen, die sich mit der Geschichte und der Technik der Aggregat 4 eingehender befaßt haben, erscheinen manche der Deinen Fragestellungen zugrundeliegenden Konstellationen schon etwas weit gedehnt. Damit schwindet aber die Möglichkeit, die Fragestellungen fundiert zu beantworten.
    Meines Erachtens erscheint es zielführender, kurze und knapp formulierte Fragestellungen zu definieren, die man auch faktisch beantworten kann.
    ( und vermeiden Antworten wie: "ich stimme Dir in allen Punkten zu, aber.. " )


    Ebenso erscheinen mir Einbeziehungen wie der Hinweis, einerseits seien " eine Auswahl" ( ! ) von " 5,5 Mio. Bildern" durch die Britische Regierung freigegeben worden, andererseits wäre da quasi aus Versehen auch etwas über die in der Entwicklung etc. befindlichen Waffensysteme etwas dabei, dann wird die Geschichte noch mit Hinweis auf "unwertes Leben" gewürzt und und und.
    Da ist viel zu viel zwischen den jeweiligen Themenbereichen hin und her gesprungen.. ( "Vermixt" ) , so daß man gar nicht mit dem Richtigstellen der einzelnen Vorgänge und dem in den richtigen Zusammenhang stellen der einzelnen Vorgänge u.s.w. hinterherkommt.


    Zum "Kirschkern" möchte ich mich hier zurückhalten, da ich hierzu nur "Beifänge" bei meinen Recherchen zur A 4 archiviert habe.
    Zur Aggregat 4 habe ich mich intensiv in die Technik und die Geschichte eingearbeitet und hierbei z. Bsp. auch die Familien der aus der Region stammenden Konstrukteure aus Wernher von Braun´s Team befragt und andere "Erst-Quellen" gesichtet. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bereich der Treibstoffe, der Logistik bis zum Verschuß und dem Eisenbahntransport samt Versuchen zum Verschuß vom Eisenbahnwaggon aus.
    Mit Hilfe von Nachfolge-Firmen damals beteiligter Unternehmen entsteht dazu auch ein Buch ( vstl. Anfang 2019 ).


    Um Dir auch konkret bei der Beantwortung Deiner Fragen behilflich sein zu können, möchte ich Dir anbieten, zu diesem Themenbereich mir zwei, drei konkret und knapp formulierte Fragen zu mailen. Gerne versuche ich Sie dann auch konkret zu beantworten. Bitte berücksichtige dabei auch, daß ich durch andere Tätigkeiten das nicht am gleichen Tag machen kann.
    In Absprache mit Dir würde ich dann auch Deine Fragestellung und meine Antwort dazu hier einstellen.


    Mit freundlichen Grüßen
    aus der Schreibstube des "Heimat" - Lagers der A4


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • @ MunaLisa


    Hallo MunaLisa,


    das Thema "V2" ist schon sehr interessant.


    Wenn ich fragen darf:
    Sind Dir jemals Hinweise untergekommen, wie weit die Entwicklung eines reichweitengesteigerten V2-Nachfolgers gekommen ist ? Ich nehme an, nur "Reissbrett".
    Und kennst Du den Begriff "V3" in Bezug auf Raketen ?


    Danke und beste Grüße aus Bonn,
    Manfred

  • Hallo @'MunaLisa,


    meine Antwort bezog sich auf die Frage von Karl Grohmann, wie es sein kann das trotz des Überwachungsapparates im Dritten Reich einige Informationen durchaus direkt aus dem Bereich der Deutschen Forschung und Entwicklung stammen könnten.


    Mein Hinweis auf die 5.5 Millionen Luftbilder, die 2004 freigegeben wurden, ist dahingehend zu verstehen dass bestimmte Rüstungsobjekte, Vernichtungs und Arbeitslager zwar Luftbild technisch ausgewertet wurden deren "Betrieb" aber so gut wie nie gestört wurden.


    Ein prominentes Beispiel wäre da das Lager in Oświęcim (Auschwitz).
    Bis 2004 war man davon ausgegangen, das es zwar Information über dieses Lager bei den Allierten gegeben hatte, aber diese aufgrund ihrer Ungeheuerlichkeit nicht wirklich geglaubt wurde.
    Nun sind einige Luftbilder von diesem Lager (wohl versehentlich) 2004 veröffentlicht worden, die darüber hinaus den Rückschuss zulassen das dieser Lagerkomplex mehrere dutzend male 1943/45 angeflogen und fotografiert wurde.
    Welche Erkenntnisse aus diesen Aufnahmen damals gewonnen wurde ist aufgrund der fehlenden Unterlagen der Luftbildauswertung bis heute schleierhaft, aber dennoch sehr peinlich für die Englische Regierung.


    Da der Bau der Anlangen sowie die Montage der so genanten "Wunderwaffen" fast ausschließlich durch KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter geleistet wurde stellt sich auch hier die selbe Frage.
    Warum wurden Forschung sowie der Bau kaum behelligt obwohl sie bekannt waren?
    (Aufwand und Wirkung)


    Zugegeben da ist "Würze" drin, hat aber mit dem eigentlichen Thema des Threads nur beiläufig zu tun, wofür ich mich entschuldigen möchte.


    Mit freundlichen Grüßen
    pvt.snafu

  • Hallo StierNRW, ich besitze das Buch "Grösster Geheimwaffenproduzent des Dritten Reiches.
    Die Mittelwerk GmbH im Kohnstein bei Nordhausen".
    Verfasser Fred Dittmann, Jürgen Michels. Herausgeber Graphischer Kunstverlag Kyffhäuser Kelbra 1992.
    Autoren: Fred Dittmann, Bergstrasse 1 a ; O-4712; Umfang 224 Seiten.
    Das Werk mit vielen Tabellen, technischen Daten und Bildern habe ich antiquarisch erworben.


    Zitat .Seite 137: "Das Entdecken des Mittelwerkes durch die Amerikaner (April 1945).
    Am Dienstag, den 10. April 1945 rückten von Ellrich kommend die amerikanischen Truppen zum Mittelwerk vor
    - am Nachmittag 14:45 standen sie vor den Stollenzugängen am Kohnstein..."
    Seite 137: .Auch waren Aussagen von deutschen Kriegsgefangenen wie
    "es gibt irgendwo in Mitteldeutschland ein M -W, das Hauptmontagepunkt ist" oder,
    "daß es eine unterirdische Fabrik namens Dora in Deutschland gibt, die sich mit der Herstellung einer Geheimwaffe beschäftigt ",
    nicht zur Identifizierung der Örtlichkeit der Raketenproduktion zu verwenden.
    .S.139: "Das Erstaunen der Amerikaner ist nicht zu schildern, als ihnen Häftlinge des Lagers "Dora" das Mittelwerk zeigten...."
    Die Nordhäuser Zeitzeugen sind sich einig, dass die Alliierten zwar wussten, dass im Kohnstein ein Rüstungswerk war.
    Sie wussten jedoch nicht, was dort produziert wurde.
    Das Britische Bomber-Kommando liess am 3. und 4. April 1945 die Altstadt und die Boelcke-Kaserne - insgesamt 8800 Tote- in Schutt und Asche legen,
    verschonte aber das Areal des Kohnsteines.
    Angeblich wollten sie eine Woche später mit einer Spezial-Bombe den Eingangsbereich des Kohnsteines zerstören.
    Aber da waren ihnen die US-Truppen zuvorgekommen.
    Diese begannen am 11. April sofort mit dem Abtranport der Rüstungsgüter über die kaum versehrten Gleisanlagen des Eisenbahn-Knotenpunktes Nordhausen.
    Reserve - Hauptmann Sigurd Rudloff ( geb. 1891) war bis zum Einmarsch der Amerikaner stellv. Kommandeur des Volkssturmes und wegen Verwundung des Kommandeurs
    der Kampfkommandant Nordhausens.
    Der Oberbürgermeister Dr Meyer, der Kreisleiter Nentwig und der Chef der Polizei wurden dort nicht gesehen.
    So blieb alles an Hauptmann Rudloff, meinem Vater, hängen.
    Ich sass als zehnjähriger Pimpf im Vorzimmer.
    Etwa am 5. April 1945 kam eine Mitteilung der SS, vermutlich über Fernschreiber,
    dass die zerstörte und lichterloh brennende Stadt "entlang der HKL Schröterstrasse,Contagstrasse" verteidigt werden sollte.
    Soweit bekannt, hat der SS-Stab Kammlers noch aus Wehrmachtsverbänden, SS und Mitarbeitern des Mittelwerkes eine Verteidigung aufbauen wollen,
    was aber fehlschlug.
    Mein Vater als Kampfkommandant übergab am 11. April mutterseelenallein die Stadt an die Panzerspitze.
    Es gab seines Wissens keine deutschen Soldaten mehr in der Stadt.
    Lt. F.Dittmann Seite 141 entdeckten Spezialeinheiten der US-Army am 27. April 1945 das Lager
    der Entwicklungsunterlagen von Peenemünde im Stollen der Erzgrube "Georg Friedrich" bei Goslar.
    "Vermittels ein paar gelungener Agententricks und widersprüchlicher Auskünfte fanden sie das Versteck und transportierten die Kiste nach Aberdeen, Maryland (USA)".
    Im Juli 1945 übernahmen die Sowjets. nach ihrem Auszug im Januar 1947 versuchten die Sowjets das Mittelwerk zu sprengen, was aber fehlschlug.
    Das Buch von Dittmann mit vielen technische Details über die Wunderwaffen könnte ich Dir schweren Herzens leihen
    muss es aber bald zurückhaben, weil in Nordhausen einige Zeitzeugen versuchen wollen, die Ursachen für die militärisch sinnlose Zerstörung zu finden.
    Ich danke Dir, dass Du dieses Thema aus dem Dunkel der Vergangenheit gehoben hast.
    Gruss aus dem erstmals leicht verschneiten Grenzach am Hochrhein von jostdieter

  • @ jostdieter


    Hallo jostdieter,


    habe vielen Dank für Deine Nachricht.


    Und danke für das freundliche Angebot, mir das Buch zu leihen. Ich brauche es aber nicht. Dennoch danke, wie gesagt :-)
    Mir geht es weniger um technische Details, sondern um Zusammenhänge und vor allem Informationen, die bisher noch nicht bekannt waren.
    Ein paar interessante Details konntest du ja beisteuern :-)
    Steht in dem Buch etwas über Fla-Raketen ?


    Danke und viele Grüße aus Bonn,
    Manfred

  • @jostdieter
    Hallo Jostdieter,


    über Deine Hinweise und Zitate aus dem Dittmann-Buch habe ich mich sehr gefreut. Vielen Dank dafür.
    Interessant wird es, wenn man zu den jeweiligen Begebenheiten auch die Aufschriebe anderer Zeitzeugen hinzuzieht und diese miteinander vergleicht. und hier und da auch ergänzen kann.


    Zum Themenbereich der versteckten Unterlagen im Sprengmittel-Lagerraum der Georg-Friedrich habe ich die Aussagen etc. einmal zusammengefaßt und auch vor Ort recherchiert.
    Dabei fand ich es auch bemerkenswert, daß auf der einen Seite die Beteiligten sich viel Mühe gegeben haben, möglichst unauffällig zu sein - dann aber die Sache wegen kleiner "Zufälligkeiten" trotzdem kurzfristig aufflog.
    Beispiel: es wurde nur jeweils mit einem Opel Blitz zum Stollen gefahren, um nicht den Eindruck einer Verlagerung zu erwecken... ...doch es fiel Zwangsarbeitern auf, die oberhalb in einem Lager einquartiert waren, daß mehrmals ein Lastwagen dort hin fuhr und Sachen nächstens in den Stollen getragen wurden... Als die Amerikaner bald darauf einmarschiert waren, berichteten die Zwangsarbeiter über diese nächtliche Aktion...)


    Oder auch interessant, daß die Alliierten nach Mitarbeitern der Zuliefererwerke Ausschau hielten, um an weitere Informationen zu kommen.
    Beispiel: Fahrzeugbau Ammendorf : dort mußten die Mitarbeiter des Konstruktionsbüros die Konstruktionszeichnungen zu den Meillerwagen etc. neu zeichnen und es war eine Nachserie zu fertigen. ( für die Briten (operation backfire) und dann nochmal für die Russen, da die Amerikaner ja schon alles abtransportiert hatten.. ) .


    Bezogen auf die Frage, warum die Alliierten nicht während des Krieges die Anlagen im Kohnstein massiv bombardiert o.ä, haben, kann aus heutiger Sicht weiterhin nur vermutet werden - am ehesten liegt die Annahme nahe, daß trotz Spionage und Verrat einerseits die Alliierten sich nicht über die Ausmaße der Anlage und die Art der Fertigung dort im klaren waren, andererseits ( besonders gegen Ende des Krieges ) auch ein gesteigertes Interesse bei den Alliierten vorhanden war, möglichst viel von dort zu erbeuten.


    Es bleibt auch weiterhin ein spannendes Thema..


    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa.

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

    Edited once, last by MunaLisa ().

  • @StierNRW


    Hallo Manfred,


    zu einem reichweitengesteigerter Modell:
    nach Auskunft von Kollegen aus der Triebwerkssparte soll es mehr als nur Reisbrett-Stadium gewesen sein. Es wurde an einem 1 : 1 Modell gearbeitet. Weit ist das Vorhaben aber nicht mehr gediehen.
    Wenn Du willst, kann ich mal gerne einen Kontakt zu den drei Herren herstellen. ( Sende mir bitte Deine Tel.-Nr. ).


    Raketenprojekt, das von der Propaganda als Vergeltungswaffe 3 tituliert wurde? :
    Hier haben die gleichen Herren, die sich näher mit der Historie der Wasserfall beschäftigen, darüber gesprochen, daß die Wasserfall in mehreren Schreiben auch als " V 3 " bezeichnet wurde.
    Da aber damals gerne mit dem Attribut "Vergeltungswaffe" oder "Wunderwaffe" geschmückt wurde, heißt das aber nicht gleich, das die Wasserfall "offiziell" damit bezeichnet wurde.


    Aber weiteres könnt ihr dann gerne direkt miteinander besprechen.. :-)


    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • @ MunaLisa


    Hallo MunaLisa,


    vielen Dank für Deine Antwort :-)


    Dass mit dem 1:1 Modell klingt sehr interessant. Ich wusste gar nicht, daß es das gegeben hat.
    Und daß die Wasserfall-Rakete intern auch mal als "V 3" bezeichnet worden ist, war mir auch vollkommen neu.
    Im Grunde ist das ja schon die Lösung der angeschnittenen Fragen :-)


    Danke für das Angebot, den Kontakt herzustellen. Das ist aber nicht nötig, da Du ja bereits hier die Antwort gegeben hast, die ich suchte.
    Details sind für Spezialisten sicher sehr interessant, aber ich bin ja nur interessierter Laie, der die groben Zusammenhänge begreifen will.


    Danke für Deine Mühe und freundliche Grüße aus Bonn,
    Manfred

  • Hallo Muna Lisa, hallo Manfred (StierNRW):
    1. zur Boden - Luft -Rakete C 2 Wasserfall" berichtet Fred Dittmann in seinem Buch: "Grösster Geheimwaffenproduzent des Dritten Reiches"
    . auf Seite 205 von einer zweistufigen C-3 , getrieben von R-Stoff und SV-Stoff, Länge 7,84 m,
    V max bei Brennschluss 800 m/sec x 3,6 = 2880 km/h, V am Ziel 350 bis 400 m/sec..
    2. Auf Seite 100 sind drei "Großraketen von Peenemünde A4, A4b und
    (doppelt so lang und dreifach breiter, Messung Jost-D.)) die zweistufige A9/A10. (DM)" abgebildet.
    Leider gibt es dazu keine Erläuterung.
    Könnte die A9/A10 die gesuchte Fernrakete sein?
    Wie bereits Manfred per E-Mail mitgeteilt, könnte ich Euch Fotos von meinem Handy senden.
    Gruss aus Grenzach am Hochrhein
    Jost-Dieter



    Gruss Jost-Dieter

  • Hallo Jost-Dieter,


    hab vielen Dank für Deine Infos !
    Der Punkt ist, ich kann es nicht oft genug wiederholen: Ich bin Laie und kann mir zwar denken, daß an einem "V 2"-Nachfolger gearbeitet wurde, aber ich könnte selbst ein Modell so einer Rakete nicht identifizieren. Das ist wirklich eine Sache für Experten.
    Mir fallen nur hin und wieder in "offenen Quellen" wie etwa Zeitungen (deren Websiten) + Wikipedia (nicht zitierfähig) einzelne Indizien / Hinweise auf, die mich stutzen lassen. Nicht mehr und nicht weniger ;)


    Auf "Welt Online" ( https://www.welt.de/geschichte…teuflische-Gasrakete.html ) ist u.a. zu lesen: "...die geplante zweistufige „Amerikarakete“ mit dem Kürzel A10 blieb ein Projekt, obwohl KZ-Häftlinge in Ebensee im Salzkammergut bereits eine Fabrik für diese Waffe in den Fels trieben." Das ist der einzige weitere Hinweis, den ich in dem Zusammenhang gefunden habe.


    Dass die Geheimhaltung übrigens so gut funktionierte, ist wirklich bemerkenswert. Das Manhattan-Projekt etwa (einfach um mal ein alliiertes Projekt von höchster Wichtigkeit als Vergleichsbeispiel heranzuziehen) hatte schwere Sicherheitslücken: http://www.nytimes.com/2014/09…ied-report-says.html?_r=0
    Man kann natürlich viel spekulieren, aber ich denke, es müssten mehr Quellen freigegeben werden.


    Beste Grüße aus Bonn,
    Manfred

  • Hallo werte Mitforsten,


    ich bin bzgl. des Themas im Internet noch auf eine weitere Quelle gestoßen:


    https://books.google.de/books?id=xc5YAAAAQBAJ&pg=PP67&lpg=PP67&dq=v3+rocket+germany+braun&source=bl&ots=PyuOx06jeg&sig=SfaP_uTQeG5KStg6h0roOQrZlVg&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj8tLX9k7nYAhVR-6QKHVstDcAQ6AEITDAI#v=onepage&q=v3 rocket germany braun&f=false


    Darin spricht ein ehemaliger US-Soldat (allerdings nur nebenbei) davon, daß Wernher von Braun für die V1-, V2- und V3-Programme verantwortlich gewesen wäre. Die V3 habe New York erreichen können, wäre aber nicht in Produktion gegangen. Auch behauptet er, daß ihr neues Raketenprogramm auf den V1-, V2- und V3-Programmen basiert habe.


    Ich gehe hier beim Thema "V3" allerdings von Entwürfen und ggf. einem Modell für den Windkanal aus, keinem Vorserienmodell bzw. Prototypen. Ich habe das hier auch nur angeführt, weil hier der Begriff "V3" in Bezug auf eine Rakete fällt.


    Viele Grüße aus Bonn,
    Manfred


    P.S.: In Bezug auf den Einfluß der V2 für die Raumfahrt noch ein weiterer Link: http://www.bbc.com/future/stor…he-nazis-space-age-rocket
    P.S.2: Man darf wirklich niemals die schrecklichen Opfer unter den KZ-Häftlingen vergessen. Technisch war die V2 zweifellos ein Meilenstein, aber eben leider auch eine Terrorwaffe, die für den Tod zahlloser Menschen verantwortlich war, im Zielgebiet und bei der Produktion !!

  • Hallo,
    habe bisher den Thread mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Vielleicht noch ein kleiner Hinweis zur besagten V-Waffen Division. Sie stand unter dem Kommando von Oberst von Gaudecker, der eigenmächtig gegenüber den Amerikanern, 29.US- Inf.Div., am 02.05.1945 kapitulierte. Übergangsort war Lenzen an der Elbe. Dort ging besagte Division in Kriegsgefangenschaft. Was mich ein wenig wunderte, dass ein Teil dieser Spezialisten an die Briten abgeben wurde, die sie dann zur Operation ,,Backfire" in der Nähe von Cuxhaven heranzogen. Warum machten das die Amerikaner nicht selber? Schließlich mußten sich die Briten die einzelnen Raketen/Raketenteile selbst zusammen suchen. Die Amerikaner, so nehme ich an, hatten im Kohnstein und auch sonst(z. Bsp.erbeuteter Zug mit unbetankten V 2-Raketen bei Stendal) mehr Raketen zur Verfügung als die Briten.
    MfG Wirbelwind

  • Hallo !


    Der in dem Buchauszug erwähnte Wetzling war Divisionsrichter der Division ZV und wurde um 1957/58
    wegen seiner Mittäterschaft an dem Massacker von Warstein verurteilt.
    Einige andere aus dem Divisionsstab ebenfalls.
    Wetzling war einer der Unterhändler bei der Kapitulation in Gorleben.
    Von Wetzling habe ich mal per Zufall ein Foto im Netz gefunden, weiß aber aus urheberrechtlichen Gründen nicht, ob ich das hier einstellen darf.
    Gorleben liegt gegenüber von Wootz / Brandenburg, dicht bei Lenzen/ Elbe.
    Die Amerikaner haben dann in Gorleben/ Landkreis Dannenberg , heute Lüchow- Dannenberg, extra ein Kriegsgefangenenlager
    in den dort vorhandenen RAD - Barracken aufgemacht.
    Natürlich haben diese Barracken nicht gereicht, waren halt nur die erste Basis.
    Vielleicht weiß ja auch jemand wie die RAD Einheit in Gorleben hieß...
    Ich forsche seit längerem zum Bereich Division ZV , weil die dort eingegliederte SS Werfer Batterie / Abteilung 500 für ca. eine Woche
    hier im Raum Neu Darchau / Wietzetze einen kurzen Zwischenstopp eingelegt hat.
    Einer der Männer dieser Einheit liegt auf dem Friedhof in Neu Darchau begraben.
    Aber das Interessanteste ist wohl, das diese Einheit entgegen allen Befehlen eine V 2 bis hierhermit geschleppt hat,
    um sie dann doch zu sprengen...
    Laut KTB sind auch einige Soldaten während des Aufenthaltes hier an der Elbe als vermisst gemeldet.
    Aber auch da konnte ich nicht konkretes herausfinden.
    LG bfg

  • Hallo Wirbelwind,


    die Amerikaner hatten nie vor die vorhandenen Anlagen in Europa weiter zu nutzen.
    Man baute einfach alles ab und schickte es in die U.S.A.
    Die Briten (pleite seit ende 1943) hingegen nutzten diese Anlagen ausgiebig
    Durch die Fabrik, in der Nähe von Leese waren sie darüber hinaus auch in der Lage enorme mengen an Treibstoff für die V2 zu produzieren.
    Die Amerikaner waren eigentlich nur noch an speziellen Technikern interresiert, die ihnen noch fehlten.
    Da die V2 ende 1945 schon als veraltet galt und die aus deutscher Produktion stammenden Raketen von minderer Qualität waren wurden sie an die Briten und Franzosen weiter gegeben.


    Raum Steinhuder Meer April 1945

  • Hallo,
    noch eine Ergänzung zu den Vorgängen um die Division Gaudecker. Lt. Bericht des Ib besagter Division, Major i. G. G. Matheis, vom 09.03.2002 u. seinen Aufzeichnungen für die Verhandlungen mit den Amerikanern am 29.04.1945 faßte Gaudecker den Entschluss, seine Div. den Amerikanern zu übergeben, erst nach hartnäckigem Drängen des Ia, Major i. G. Karl Schütze, des Ib Major Matheis, und des Gerichtsoffiziers der Div., SS-Obersturmbannführer Wetzling. Diese 3 Offiziere hatten ihren Kommandeur deutlich gemacht, daß er die V-2-Experten nicht in sowjet. Hände fallen lassen, dürfte, sondern sie den Amerikanern übergeben müßte. Erst daraufhin entschloss sich Gaudecker am 29.04., Major Matheis, SS-obersturmbannführer Wetzling und Leutnant Lucke als Funkoffizier mit einer entsprechenden Verhandlungsvollmacht versehen zu den amerikanern zu schicken, um diese die kapitulation seiner Division anzubieten.....Nach Abschlusss der Gespräche fuhren Matheis und Wetzling zurück. sie fanden die Div. führerlos vor. weder Oberst v. Gaudecker noch der Ia Major Schütze waren auffindbar.Daher mußte Major Matheis den Abmarsch der Div. zur Elbe befehlen und organisieren, der in der Nacht vom 1. zum 2. Mai begann und gegen Mittag des 3. Mai abgeschlossen war. Insgesamt hatten sich 10367 Soldaten der Div. in Gefangenschaft begeben. von den Amerikanern waren auch 25 LKW des Verbandes auf das Westufer der Elbe gebracht worden, mit denen die deutschen Soldaten in die Gefangenenlager gebracht wurden. (entnommen dem Buch,,Die Armee Wenck-Hitlers Letzte Hoffnung" von G. W. Gellermann, 4. Auflage 2007).
    Mit der nicht abgestimmten Kapitulation wurden die Kämpfe der 12. Armee stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Russe drohte durchzubrechen und das Unterfangen, die Kapitulation der Armee Wenck vor den Amis auf dem anderen Elbufer bei Tangermünde zu nichte zu machen. Das ist aber ein anderes Kapitel.
    MfG Wirbelwind