MG42 Tragbar??

  • Guten Abend zusammen,


    falls erlaubt, wiedermal etwas von meiner Zeit 85 /86.


    Wir haben mit dem MG nie auf dem Ex-Platz geübt, die Waffe bekamen wir nur zum Schiessen oder auf Übungen in die Hand.
    Trageweise also unbekanntes Land, einzig beim Betreten des Batteriegebäudes musste die Waffe so getragen werden wie das G3,
    senkrecht vorm Körper, nicht geschultert und nicht umgehangen.


    Jede Gruppe, Lichtmesszug 3./113, hatte ein MG, in der Regel auf dem M113 lafettiert...und dort blieb es auch, meiner Erinnerung nach, wenn wir in Stellung gegangen sind.
    Sicher besserer Wirkungskreis, zudem blieben wir selten für längere Zeit in einer Stellung.


    Ausnahmen waren die Übungen abseits der Lichtmessung, wie Winterkampfausbildung in Clausthal-Zellerfeld,
    dort reichlich Kilometer in den Hügeln abgeschruppt, aber die Trageweise des MG bestimmte der Träger, immer so, wie es gerade am "bequemsten" war.
    Ich möchte versichern, dass das Teil doch recht "schwer" werden kann...schon nach wenigen Kilometern.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Thomas,



    Ich möchte versichern, dass das Teil doch recht "schwer" werden kann...schon nach wenigen Kilometern.


    .. das läßt doch schon auf eine gewisse Körpergröße schliessen :) . Der "längste", erster Mann der Gruppe, war der MG-Schütze, zusätzlich mit Pistole bewaffnet.


    Ich wußte gar nicht, dass beim Heer die Batterien so groß wie Gebäude waren. Maßlose Übertreibung,. :sleeping: .
    Bei uns (Lw :) ) hies das Gebäude Unterkunft!


    Gruß
    Herr Schlichi

  • Hallo,

    Hast Du Dich schon mal mit dem Thema " Griffe klopfen" ( Landserausdruck) oder "Drill" befasst und was das bedeutete?


    Thema war hier doch nicht das Exzerzieren oder die Griffepräsentation vor irgendeinem Reichsmarschall.
    Mir ist auch nicht bekannt, das dann mit unansehnlicher 12 Kilo Waffe und Munitionskästen rumgewirbelt wurde. Eher eine Karabinergeschichte



    vielleicht solltest Du mal von den Kriegsbildern auf Ausbildungs - und wie Du schreibst Paradebilder umstellen.
    In der Wehrmacht herrschte eine eiserne Diziplin vor.


    Mir ist kein Vorfall bekannt (inkl. eigener BW-Erfahrung), dass ab Kilometer 10-15 die variierende Trageweise eines MG beanstandet wurde.
    Dem jungen Threadersteller ging es um die Tragfähigkeit der Waffe, damit meint er garantiert nicht den Kasernenhof sondern volle 50 Kilometer Tagesmarsch durch staubige Steppe.
    Was liegt da näher, als den fotografischen Beweis anzutreten, dass auch der kräftigste schlesische Bauer irgendwann trickreich zur bequemsten Variante wechseln musste.
    Sieht man ja an dem Foto, jene die nach Vorschrift tragen, leiden am meisten und riskieren den Waffensturz in die Matsche!
    mfg petr

  • Guten Abend zusammen,


    mein lieber Herr schlichi,


    ich war Ari, Beobachtungsbataillon, wir waren halt eine Batterie, das Gebäude, unsere Unterkunft, durchaus als Batteriegebäude bezeichnet.
    Der "Größte" mag bei den Spatenstechern, diesen Hobbygärtnern, gegolten haben, eine Lichtmessgruppe war in sich geschlossen, recht autonom unterwegs,
    alleine die Gruppen lagen kilometerweit auseinander.


    Ich glaube der M113-Fahrer hatte eine Maschinen*Pistole und die leichte Panzerfaust, irgendwer das MG.
    Wenn deine kleine Einheit nur aus wenigen Leuten besteht, dann wechselt man sich schon eher mit dem Tragen ab als wenn du nur einen von vielen bist.


    LW hatte Berührung mit Waffen? :thumbup:


    Beste Grüße Thomas


    * Edit

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Petr,


    Sieht man ja an dem Foto, jene die nach Vorschrift tragen, leiden am meisten und riskieren den Waffensturz in die Matsche!


    der andere Soldat hingegen riskiert das Verbiegungen des Mantels und somit die Gaengigkeit der Waffe!


    Wie bereits gesagt war die Trageweise mit dem Kolben nach rueckwaerts verboten! - Daran aendert auch nicht das Einstellen von weiteren "Beweis"-Bildern etwas!


    Woran kannst du ausserdem erkennen,dass der Soldat welcher die Waffe vorschriftsmaessig traegt am meisten leidet?
    Der von dir markierte Soldat ganz rechts traegt uebrigens auch kein MG auf der Schulter,sondern einen Munitionskasten!



    Vorher hattest du auch mit einem Bild bereits behauptet,dass die Soldaten nach der Vorschriftenaenderung bezueglich der Anschlagsart 1944 weiterhin stur nach links versetzt liegen blieben,obwohl dein Bild nichteinmal eine Anschlagsart zeigt!
    Vielleicht koenntest du dazu ja einmal Stellung nehmen?



    Gruss Chris

  • Hallo.
    Das ist alles sehr interessant was hier zum Umgang mit dem MG 42 und MG1 geschrieben wurde.
    Vieles kommt mir sehr bekannt vor und manches ist mir fremd.
    Ich war von 1985 bis 1986 bei den Fallschirmjägern 3./273 (Jägerkompanie) in Iserlohn und dort als MG1 eingesetzt.


    Auf 800 m habe ich nie geschossen. Die Standardentfernungen auf der Schießbahn und auf dem Truppenübungsplatz waren 100 m, 200 m und 400 m.
    Bei der Rekrutenprüfung, die jeder Soldat nach 3 Monaten absolvierte, mussten alle eingesetzten Waffen, P1, Uzzi, G3 und MG3 mit Stiefelsack über dem Kopf in einer bestimmten Zeit zerlegt und wieder zusammengebaut werden.
    Ausgebildet wurde das Schiessen mit Zweibein und Dreibeilafette.
    Aus meiner Erinnerung.
    Wir waren pro Woche 2 Tage auf der Schießbahn.
    Das Schießen mit Zweibein, Vorderunterstützung, war nicht schwierig, wenn man sich richtig mit dem Körper gegen das MG legte. Also das MG beim Schießen kein Spielraum zum Ausbrechen hatte. Auf 200 m wurde immer gut getroffen. Auf 400 m waren die Mannscheiben schon sehr klein und die Treffer entsprechend geringer.
    Schießen mit Mittelunterstützung war nicht üblich und wurde nur einmal gemacht. Die Streuung war viel größer als bei Vorderunterstützung und das Trefferbild entsprechend schlecht.
    Viel Wert wurde auf die kurzen Feuerstöße, 3 Schuß, gelegt und den Laufwechsel nach max. 150 ? Schuß.
    Die Übungsgurte waren feste 50 Schußgurte. Die Gefechtsmunition war auf Zerlegergurte. Also kein Gurtbaumeln auf zwei Seiten.
    Das Scheißen mit Dreibeinlafette war klasse. Battaillonsgefechtsschießen im Sennelager 1985. War die Lafette richtig justiert, konnte man kaum daneben schießen. Auch längere Feuerstöße, ca. 25 Schuss, führten zu guten Trefferbildern auf 400 m.
    Jeder in der Kompanie beherrschte den Umgang mit dem MG3.
    Nun zum Tragen.
    Der MG 1 trug seinen Rucksack, das MG, die P1, einen Reservelauf, eine Kiste mit Munition (250 Schuß),
    Der MG 2 trug seine Rucksack auf der Brust und die Dreibeinlafette auf dem Rücken. Dazu sein G3 mit 120 Schuß. Jeder weitere Soldat der Gruppe bis auf den Panzerfaustschützen und den Scharfschützen trug zwei Kästen mit Munition.
    Da das MG sehr kantig ist, war das Tragen auch über kurze Strecken, 1,5 km zum Übungsplatz, oder 7 km bis zum Schießplatz kein Spaß. Die bei uns vorgeschriebene Tragweise war Trageriemen über der rechten Schulter, Lauf nach vorne, Schultersück nach hinten und Griffstück nach unten. Der Spanngriff steht ja somit rechts raus. Dabei stößt und reibt der Verschlußteil immer an der Hüfte, was sehr schnell schmerzhaft wurde. Der Wechsel auf die Schulter war auch immer nur eine kurzfristige Erleichterung. Da dann die ca. 13 Kg immer auf dem Schultermuskel aufliegen. Auch das Unterlegen mit einem Handtuch war nicht wirklich hilfreich, da es schnell verrutschte und man immer nur am hantieren war. Die beste Tragevariante war den Verschluß mit einem Handtuch zu umwickeln um die Hüfte zu schonen. Das wurde aber nicht geduldet.
    Ich kann mir gut vorstellen, welche Schinderei es war, als MG1 und MG2 lange Märsche, ob friedensmäßig oder gefechtsmäßig durchzustehen.
    Meine Erfahrung mit den Amerikanern war ähnlich wie in dem Video, wo der amerikanische Soldat mal aus Spass mit dem MG3 schießt. Das der Ami von hinten gestüzt wurde, war reiner Selbstschutz. Die Amis hören nicht zu, wenn man ihnen sagt, dass sie die Waffe richtig festhalten müssen. Das liegt an dem kleinen Kaliber, fast ohne Rückschlag, dass sie gewohnt sind. Die meisten Amis holen sich auch eine dicke Backe, wenn sie das erste Mal mit dem G3 schießen. Das M16 braucht man nicht fest in die Schulter zu ziehen. Also ist das Video bestimmt eine Aufnahme mit einem amerikanischen Soldaten, der nicht aus der Kampftruppe kommt und wenig Waffenerfahrung hat.
    Für mich war das Schießen mit dem M16 wie Luftgewehrschießen. Kein Rückschlag. :D


    Glück ab.
    Frank

  • Auf 800 m habe ich nie geschossen. Die Standardentfernungen auf der Schießbahn und auf dem Truppenübungsplatz waren 100 m, 200 m und 400 m.


    Hallo zusammen,


    vielleicht eine Anmerkung am Rande (wobei ich nicht weiß, ob das auch Praxis bei der Wehrmacht war):
    Die meisten Schul-Schießübungen mit MG 42, MG 1, MG 3 wurden auf Schießstand D (Pistolenstand)
    und eine Entfernung von 25 (!) m geschossen.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Frank,


    Deine ausführliche Schilderung ist sehr interessant.
    Ich will jetzt nicht näher darauf eingehen, weil das Thema hier schon ausführlich behandelt wurde, nur, da Du den Rückschlag beim Schuss erwähnst: Ich wurde noch mit dem K98k ausgebildet und schieße den heute noch ab und zu. Da weiß man dann was Rückschlag ist. Die Amis nahmen das Ding nicht in die Hand. Damals war für mich der US Carbine Cal. 30 ein angenehmer und rückschlagarmer und auch leichter Karabiner .


    Nachtrag auf den Einschub von Rudolf,
    ich habe damals sowohl auf 25 m, als auch auf 400 m MG 42 geschossen.
    Da die Wehrmacht auch das Gefechtsschießen durchgeführt hat und dabei sogar die eigene Truppe überschossen wurde, je nach Lage, dürfte die Entfernung 400 m auch zur Ausbildung gehört haben. ( Momentan habe ich keine Schießausbildungsvorschrift der Wehrmacht vorliegen).


    Gruß Karl

  • ich habe damals sowohl auf 25 m, als auch auf 400 m MG 42 geschossen.
    Da die Wehrmacht auch das Gefechtsschießen durchgeführt hat und dabei sogar die eigene Truppe überschossen wurde, je nach Lage, dürfte die Entfernung 400 m auch zur Ausbildung gehört haben. ( Momentan habe ich keine Schießausbildungsvorschrift der Wehrmacht vorliegen).


    Hallo Karl,


    bei der Bw wurde neben 25m natürlich auch auf 400m geschossen, beides als Schulschießübungen !
    (Auf dem D-Stand (25m) war v.a. der organisatorische Ablauf schneller und einfacher.)
    Beim Gefechtsschießen gab es auch Übungen (auf Lafette), bei der die vorgehende Gruppe
    überschossen wurde (war aber nur auf bestimmten ausgewiesenen Schießbahnen möglich).


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    http://stevespages.com/pdf/ger…iessen_mit_handwaffen.pdf

  • Hallo,
    überall war es anders, ebenso die Zielentfernungen. Ich habe einmal mit Zweibein auf 800 Meter in Baumholder geschossen, Mannscheiben. Lafette erst als Reservist.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • überall war es anders, ebenso die Zielentfernungen. Ich habe einmal mit Zweibein auf 800 Meter in Baumholder geschossen, Mannscheiben.


    Hallo Rainer,


    BAUMHOLDER war Gefechtsschießen, da ist - im Rahmen der Sicherheitsbestimmungen - alles möglich.
    Ein Gefechtsschießen wird quasi als "Übung" angelegt (und von der Truppenübungsplatz-Kommandantur
    genehmigt.. Beim Schulschießen ist dagegen nicht "überall alles anders", denn die Schulschießübungen
    sind nach ZDv 3/12 bis ins Kleinste vorgeschrieben.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf,


    vielleicht eine Anmerkung am Rande (wobei ich nicht weiß, ob das auch Praxis bei der Wehrmacht war):
    Die meisten Schul-Schießübungen mit MG 42, MG 1, MG 3 wurden auf Schießstand D (Pistolenstand)
    und eine Entfernung von 25 (!) m geschossen.


    urspruenglich wurden die Schulschießübungen mit dem MG bei der Wehrmacht auch allesamt auf eine Entfernung von 25 m geschossen.
    Allerdings erfuhr die Schiessausbildung mit der Einfuehrung der H.Dv.240/2 "Kriegsnahe Schiessausbildung des Einzelschuetzen " einige Veraenderungen.
    Demnach wurden mit dem MG auch Schießübungen auf 400 und 500m Entfernung geschossen.



    Gruss Chris


    (Quelle:H.Dv.240 "Schiessvorschrift")

  • Hallo Chris,


    H.Dv.240/2 "Kriegsnahe Schiessausbildung des Einzelschuetzen


    Daneben gab es aber auch und schon immer das jährlich stattfindende Gefechtsschießen auf den Truppenübungsplätzen also im Gelände,, wie es Rudolf beschrieb und ich es vorstehend erwähnt habe.
    Das fand zusätzlich zu den vorgeschriebenen Schießübungen im größeren Verband statt.


    Gruß Karl