Reservelazarett Mauer-Öhling

  • Hallo!


    Mein Vater war im Jahre 1944 in das Reservelazarett Mauer-Öhling (bei Linz), Pavillon 5 eingeliefert worden. Aus dieser Zeit liegen mir Feldpostbriefe meines Vaters vor, in denen er über eher "banale" Dinge berichtet, die er dort erlebt hatte.


    Über dieses Lazarett habe ich jedoch im Internet Informationen gefunden, aus denen hervorgeht, dass sich dort wohl auch eine Anstalt befunden hat, in der sich schreckliche Dinge ereignet haben müssen. >Zitat Anfang:


    "Der Hauptverantwortliche für die Morde in den niederösterreichischen Anstalten Mauer-Öhling und Gugging bei Wien, Dr. Emil Gelny, tötete mit Unterstützung des Pflegepersonals mehrere Hundert Menschen. Im April 1945 kehrte Gelny nach Mauer-Öhling zurück, um mit Hilfe eines von ihm selbst zu einem Tötungsinstrument umgebauten Elektroschockgeräts bis 25. April noch über 100 PatientInnen zu ermorden. Er konnte zu Kriegsende untertauchen und wurde niemals vor Gericht gestellt." Zitat Ende.<


    Mich interessiert sehr:


    - handelte es sich hier wirklich um eine Kombination von "Tötungsanstalt" und Lazarett, was ich (wenn es denn stimmt) als äußerst pervers empfinde?
    - gibt es noch irgendwelche Fotos oder sonstige Informationen über dieses Reservelazarett?


    Gruß,
    Klaus

  • Hi Klaus,


    willkommen im Forum.


    Zu Deinen Fragen:
    Beschäftige mich mit der Frage "Euthanasie" schon länger.
    Hatte bisher nirgends einen Hinweis auf eine "direkte Kombination" von Tötungsanstalt und Lazarett gefunden, was leider kein Beweis dafür ist, daß es das nicht gegeben hat.


    Die Ermordung des größten Teils der Patienten aus Mauer-Öhling hat jedoch nicht dort, sondern in Hartheim stattgefunden (siehe z.B. hier).


    Tatsächlich wurden nach den großen Mordaktionen 1940/41 viele Anstalten "umgewidmet", u.a. auch zu Lazaretten.



    Deine Frage zu Material über dieses Res.-Laz.:
    Habe dazu nichts finden können, auch nicht hier im Lexikon der Wehrmacht.


    Folglich läßt sich zu der Frage, wie weit die direkt in Mauer-Öhling von Gelny durchgeführten Tötungen bekannt wurden, z.B. etwa einem Verwundeten im Lazarett, überhaupt nichts sagen.


    Du könntest z.B. an der Universität Linz oder im Linzer Stadtarchiv nachfragen; der Ort Mauer hat keine Webseite, der Ort Öhling hat zwar eine Seite, doch dort wird es kaum eine entspr. Auskunft geben.


    Und dann gibt es auch noch die Österr. Archive, z.B. in Wien ...


    Gruß, Kordula

  • Hallo Kordula,
    "Tatsächlich wurden nach den großen Mordaktionen 1940/41 viele Anstalten "umgewidmet", u.a. auch zu Lazaretten",
    hast Du auch was zu Stettin-Kückenmühle 1940/1941?


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Kordula,


    vielen Dank für Deine Antwort! Ich werde versuchen, über die Universität Linz nähere Informationen zu bekommen.


    Gruß,
    Klaus

  • Hi Roland,


    hatte bisher nichts zu Kückenmühle, doch dank Mr. Google ließ sich u.a. dies hier finden:


    "Mai 1940
    Die pommersche Provinzialverwaltung beschlagnahmt die Anstalt der Inneren Mission in Kückenmühle und übergibt sie im Dezember 1940 der SS.
    Aus der bei Stettin gelegenen Anstalt waren zuvor insgesamt etwa 1.500 geisteskranke Patienten mit Omnibussen zu verschiedenen Zielpunkten abtransportiert worden, wo sie ermordet wurden."
    Quelle


    "Kückenmühle bei Stettin (Szczecin) war eine konfessionelle Anstalt für Schwachsinnige und Epileptiker mit rund 1200 Betten sowie weiteren 150 Betten in der Außenstelle Wasow. Die Einrichtung wurde bis Oktober 1940 geräumt und danach der Waffen-SS als Kaserne übergeben."
    Quelle Link tot; wenn ich's finde, wird ergänzt; kkn


    "Am 13.12.1941 berichtete Schwede-Coburg der Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten zusammenfassend, dass die Anstalten in Lauenburg (990 Betten), in Stralsund (1.150 Betten) und Stettin-Kückenmühle (1.500 Betten) an die Waffen-SS abgegeben seien und die Anstalt Treptow/Rega (980 Betten) als Reserve-Lazarett diene."
    Quelle



    Hi Klaus,


    verzeih' das Abweichen von Deinem Thema.
    Habe heute das Oberösterreichische Archiv in Linz um Auskunft bzw. Nennung weiterer Archive zum Res.-Laz. Mauer-Öhring gebeten.
    (Ging fixer als das Einstellen der Adresse hier für Dich.)


    Gruß, Kordula

  • Hallo Kordula,


    herzlichen Dank für Deine Aktivität!! Seit ich die Feldpostbriefe meines Vaters erstmalig gelesen habe (das war vor einigen Wochen), beschäftigt mich das Thema sehr.


    Gruß,
    Klaus

  • Danke, Kordula, für die schnelle Antwort hinsichtlich Stettin !!! :D


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hi Ihr Beiden,


    freut mich, helfen zu können.
    Suche selbst systematisch + regelmäßig nach Res.-Lazaretten (mein Vater hatte 1943-1945 in einem gearbeitet), und Deine Frage, Klaus, einer denkbaren "Kombination" von Tötungsanstalt und Lazarett hat mich ebenfalls ziemlich erschreckt.


    Gruß, Kordula

  • Hi Klaus,


    nichts bisher aus Linz, nicht einmal eine Eingangsbestätigung;
    wahrscheinlich alle beim Skifahren :D .


    Habe deshalb jetzt das Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8 der Stadt Wien [MA 8]) angeschrieben.
    Die dürften Unterlagen zu Anstalt und Lazarett haben; in Wien waren die übergeordneten Behörden zu allen Anstalten.


    Und nach deren Grundsätzen zu Auskunftsersuchen gibt's sicher eine Anwort.


    Gruß, Kordula

  • Hallo Kordula,


    vielleicht gibt es ja doch noch eine Antwort aus Linz: bald wird ja wohl (frühlingsbedingt) auch in Österreich der letzte Schnee geschmolzen sein ;)


    Auf jeden Fall hoffe ich auf Informationen aus Wien.


    Ich finde es übrigens sehr gut, dass Du Dich so engagiert um diese Angelegenheit kümmerst. Nochmals vielen Dank dafür!


    Gruß,
    Klaus

  • Hi Klaus,


    hier ist der Link, den ich durch Deine Frage gefunden habe: Mord durch Hunger.


    Aus diesem Diss.-Projekt ergibt sich neben dem, was wir schon wissen - der groß angelegten, systematischen, gezielten Ermordung "unwerten Lebens" -, ein weiterer Aspekt, der mir bis dahin nicht bekannt/bewußt war: daß unter den Kriegsbedingungen der Bedarf an Lazaretten immer größer wurde und dieser Bedarf eine weitere "Legitimation" zum Töten bot.


    Es treibt mich um, je mehr ich davon weiß.


    Gruß, Kordula

  • Hi Klaus,


    heute kam Antwort aus Linz.
    Linz ist Oberösterreich, Mauer-Öhling bei Amstetten jedoch Niederösterreich,
    also gab's die Email-Adresse für das zuständige Archiv in Niederöst. - wieder was gelernt :D .


    Die "Nachfolgeeinrichtung" in Mauer-Öhling ist das Landesklinikum Mostviertel Amstetten-Mauer;
    ggfs. gäbe es auch von dort Informationen.


    Ich bleibe dran.


    Gruß, Kordula

  • Hi,


    o Wunder, nun hat auch das Niederösterrische Archiv in St. Pölten geantwortet.
    Sie haben keine Unterlagen, verweisen auf evtl. vorhandenes Material in ihrem Außendepot in Bad Pirawarth.


    Von der Klinik gibt's bisher keine Rückmeldung.
    Hier die Webseite mit 2 Photos; zu denen habe ich auch nachgefragt; Gebäude und Kapelle dürften älter sein,
    haben sicher 1944 schon bestanden; viell. war ja auch Dein Vater einmal in der Kapelle.


    St. Pölten hat noch einen Verweis auf das Österreichische Staatsarchiv in Wien,
    Bestand Deutsche Wehrmacht
    , gegeben.
    Wiens Archive finden sich hier, das Österr. Staatsarchiv hier.


    Wenn es Material gibt, dann wohl dort.
    In Österreich sind Unterlagen offensichtlich zentral archiviert - gut zu wissen für künftige Recherchen in Ö.


    Gruß, Kordula

  • Hi Klaus,


    habe eben mit Wien, Herrn Eccher, Bestand Deutsche Wehrmacht, telefoniert.


    * Das Reservelazarett konnte er bestätigen.
    * Die Krankenakten verwundeter Soldaten liegen dort vor.
    * Lt. Herrn E. gäbe es jedoch keine Hinweise, wo genau sich das Res.-Laz. befunden habe -
    z.B. direkt in den Gebäuden der Anstalt, in Nebengebäuden oder an anderer, entfernterer Stelle.



    Du kannst direkt nach den Krankenakten Deines Vaters fragen.
    Zum Nachweis wird allein die Kopie der Sterbeurkunde Deines Vaters benötigt.


    Denke, Du kannst das ganze per Email auf den Weg bringen; ggf. würde ich neben der Sterbeurkunde
    auch den Feldpostbrief (Umschlag) wg. Datum und Absenderangaben scannen und mitschicken.


    Gibt es Unklarheiten, kannst Du dann noch telefonieren:


    Roman Eccher
    Österreichisches Staatsarchiv
    Archiv der Republik
    Nottendorfergasse 2, A-1030 Wien
    Tel.: +43 (1) 79540 277
    E-Mail: roman.eccher [at] oesta.gv.at


    ----------------------
    Zwei weitere Anfragen laufen noch.
    Melde mich wieder.


    Gruß, Kordula


    Edit: Email-Adresse für Bots u.a. unkenntlich gemacht :D .