Weihnachten im II. Weltkrieg

  • Hallo zusammen,


    gab es im II.WK - egal an welcher Front - so etwas wie eine Waffenruhe an Weihnachten bzw.am 24. 12. abends, etwa wie im I. WK an der Westfront?
    Dass es Angriffsunternehmen, speziell an diesem Tage gab, weiß ich, aber Ruhe?)


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,
    interessanter Aspekt.
    Bei der Roten Armee bzw. in der Sowjetunion stand Weihnachten - wie überhaupt alle christlichen Traditionen und Feste - nicht besonders hoch im Kurs, so dass ab 1941 eine solche Waffenruhe sicher nicht stattgefunden hat.
    In den ersten beiden Kriegsweihnachten wurde an den Landfronten, soweit es die Wehrmacht betraf, ja nicht gekämpft (1939 gab es ja ohnehin den "Sitzkrieg" im Westen, und da wird sicherlich am Heiligen Abend kein Schuß gefallen sein).
    Was die Marine angeht, so wurden auf den in See stehenden Einheiten kleine Weihnachtsfeiern abgehalten (sehr schön geschildert in Brennecke/Krancke, Schwerer Kreuzer Admiral Scheer, Kap. 13 "Weihnachten mit HK Thor", auch mit Bild vom "Weihnachtsbaum"), aber eine Waffenruhe gab es nicht. Kam ein Schiff in Sicht, so wurde angegriffen bzw. wenn notwendig gekämpft.
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

  • Hallo Karl,
    vor Jahren las ich in einem Magazin die Geschichte einer gemeinsamen Weihnachtsfeier einer kleinen dt. und us- Teileinheit in einem Bauernhaus während der Ardennenoffensive 1944.
    Kann jetzt nicht mehr einschätzen, obs Fabel oder Fiktion ist?
    Beste Grüße
    Ingo

  • Hallo,
    Karl, an der Ostfront gab es ja überhaupt kein gemeinsames Weihnachten, Der 24.12. war für die RA ein ganz gewöhnlicher Tag.
    Der katholische Westen hatte seit 1582 den "Gregorianischen Kalender"eingeführt.
    Russland mir der orthodoxen Kirche blieb bis 1918 beim "Julianischen Kalender".
    In der heutigen Zeit hat man zwar einen gemeinsamen Kalender, feiert aber dort traditionsgemäß das russische, orthodoxe Weihnachten weiterhin nach dem Julianischen Kalender und damit erst am 7.Januar - bis heute so.
    Nach der erbarmungslosen Logik des (2.WK) Krieges vielleicht sogar ein Grund mehr für verstärkte Aktivitäten des Gegners gerade an diesen Tagen.
    An der Westfront könnte es anders gewesen sein!
    MfG Ludwig


    edit: Rechtschreibung

    Never let go!

    Edited once, last by Ludwig11 ().

  • Halo,


    für mich stellt sich jetzt der "Umkehrschluss" zu den russisch orthodoxen Feiertagen, wie verhielt sich hier die Rote Armee ?


    War das russische orthodoxe Weihnachten am 07. Januar 1945 ein Thema warum danach erst die russische Offensive am Baranow-Brückenkopf begann ?

    Grüße und bleib(t) Gesund - Matthias

  • Tag allerseits,


    was es an der Ostfront mitunter gab, waren jeweils am 24.12. und 31.12. zynische Lautsprecherdurchsagen der Roten Armee, sofern die deutschen und russischen Stellungen nah beisammen
    liegen. Da wurden beispielsweise die Soldaten der 57. Inf. Div. - wegen ihrer weißblauen Raute als Divisionszeichen - als "Weiß-Blaue Verbrecher" tituliert.


    Gruß
    Bert

  • Bei der Roten Armee bzw. in der Sowjetunion stand Weihnachten - wie überhaupt alle christlichen Traditionen und Feste - nicht besonders hoch im Kurs


    Hallo Eberhard,


    das nenne ich mal eine mutige Behauptung! Oder ist es doch eher ein Klischee? Die orthodoxen Weihnachten und Neujahr wurden und werden bis heute ohne Unterbrechung gefeiert, auch wenn Religion insgesamt verpönnt und verdammt wurde. Diese waren und sind die beliebtesten Feiertage in Rußland!


    was es an der Ostfront mitunter gab, waren jeweils am 24.12. und 31.12. zynische Lautsprecherdurchsagen der Roten Armee


    Hallo Bert,
    meinst du im Ernst, sie hätten sich benehmen und Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Gegnseite nehmen sollen?

    Gruß Viktor

  • Werter Viktor,


    ich beschrieb in dem Beitrag nur "ganz objektiv" was sich an der Front ereignete. Wertungen magst Du vielleicht abgeben, ich jedoch nicht. Deine Sticheleien sind eigentlich entbehrlich!


    Quelle für die damaligen Vorfälle:


    Erzählungen meines Vaters, der damals beim Gren.Rgt. 199 "List" an der Front war.


    Gruß
    Bert

  • was es an der Ostfront mitunter gab, waren jeweils am 24.12. und 31.12. zynische Lautsprecherdurchsagen der Roten Armee


    Wertungen magst Du vielleicht abgeben, ich jedoch nicht


    Hi Bert,


    mit deinem Begriff " zynische Lautsprecherdurchsagen der Roten Armee" nimmst du ganz klar eine Wertung vor, daher meine Bemerkung, die überspitzt formuliert, auch "hääte die Rote Armee" den Freunden von nebenan eine Runde Glühwein mit Weihnachtsgebäck schicken sollen?! in übrigen hatte ich auch keine Wertung vorgenommen, sondern eine sachliche Frage gestellt!

    Gruß Viktor

  • Werter Viktor,


    machen wir keine "sprachliche Übung" über die objektive oder subjektive Wertung von Begriffen, das überlassen wir den Schulmeistern. Natürlich beschenkten sich die Gegner an der Ostfront nicht und Verbrüderungsszenen - wie im 1. Weltkrieg - gab es an der Ostfront m.W. auch nicht. Die deutsche Propaganda in Frontnähe war ähnlich "zynisch." Die deutsche Propaganda war
    damals vielleicht ein klein wenig raffinierter. Man vermied Beschimpfungen des einzelnen Rotarmisten, es ging immer nur um das bolschewistische System und deren Führer, Generale und Frontkommissare.


    Gruß
    Bert

  • Guten Abend zusammen,


    immer hübsch locker vom Hocker, könnt ihr, oft genug bewiesen.


    Wir drehen hier alle am gleichen Rad, oder?


    Beste Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Viktor,
    da hast mich vielleicht ein wenig überinterpretiert - ich meinte natürlich nicht, dass generell kein Weihnachten gefeiert wurde - bzw. nicht das orthodoxe Fest, von dem hier ja gesprochen wurde.
    Sondern nur, dass es politisch nicht hoch im Kurs stand - was Du ja dann selbst, mit anderen Worten, sinngemäß wiederholt hast.
    Die Waffenruhe schließt sich wohl schon durch die unterschiedlichen Festtagstraditionen aus - zudem durch die politische Führung, die Rote Armee wurde ja durch sogenannte Polit-Kommissare stark überwacht (z. B. Leonid Breshnew war ein solcher gewesen), die so etwas wohl als sentimental abgelehnt hätte.
    Interessant wäre aber zu wissen, wie bei der Roten Armee selbst Weihnachtsfeiern gab, und ob und wie die auch im (zumindest rückwärtigen) Gebiet durchgeführt wurden.
    Vielleicht weiß jemand was darüber?
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

    Edited once, last by rebelau ().

  • Hallo Leute!


    Viktor, wie kommts Du auf die Idee orthodoxe Weinachten in stalinistische Zeiten zu feiern? einfach falsche Gedankengang. Neues Jahr wurde gefeiert, also von 31 Dec. bis 2 Januar dann Schluss. Einfach lächerlich..


    Ansonsten es wurde sehr schon gefeiert :) auf eine Ebene des Divisionstabes und höhe. Z.B. der Armeeführer Wlasow mit seine Geliebte und andere Generäle der 20 Armee:
    http://grossgrisly.livejournal.com/80470.html
    Sehr interessante Kino-Chronik des russ. Geheimdienst :)


    gruss Vladimir

    Edited once, last by Vlad ().

  • Hallo - nun vielleicht einigt Ihr Euch einfach das zwar nicht Weihnachten aber das russische Jolka-Fest mit Väterchen Frost gefeiert wurde.


    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Die Waffenruhe schließt sich wohl schon durch die unterschiedlichen Festtagstraditionen aus - zudem durch die politische Führung, die Rote Armee wurde ja durch sogenannte Polit-Kommissare stark überwacht (z. B. Leonid Breshnew war ein solcher gewesen), die so etwas wohl als sentimental abgelehnt hätte.


    Hallo Eberhard,
    die Aufgabe der Kommissare, oder der Politruks bestand nicht in der Überwachung von wem auch immer, sondern in der Motivation der kämpfenden Truppe. Das verwechselst Du mit dessen Aufgaben in dem Bürgerkrieg, als die Masse der Offiziere noch aus der Zarenarmee stammten. Mit dem traditionellen Weihnachten am 07.01. und dem Alten Neujahr am 14.01. nahm man auch an der Front ziemlich genau, den die Mehrheit der Soldaten kam aus dem ländlichen Bereich und war tief in der Orthodoxie verwurzelt. Übrigens war Brezhnew durchaus sentimental und hatte eine starke Neigung zu ausufernden Feiern! Er ließ sich selbst im hohen Alter lieb gewordenen Spirituosen nicht verbieten!


    Interessant wäre aber zu wissen, wie bei der Roten Armee selbst Weihnachtsfeiern gab, und ob und wie die auch im (zumindest rückwärtigen) Gebiet durchgeführt wurden


    Genauso wie vorher und nachher - es gab zu essen, was die Lager her gaben und ausreichend Alkohol.

    Gruß Viktor

  • Hallo Vlad,
    gute Bilder, auch wenn ich die Sprache nicht verstehe.
    Viktor, Motivation ist klar, aber gehörte wohl auch Überwachung dazu. Der böse Feind lauert ja immer auch in den eigenen Reihen...
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

  • Motivation ist klar, aber gehörte wohl auch Überwachung dazu. Der böse Feind lauert ja immer auch in den eigenen Reihen...


    Hallo Eberhard,


    es ist lediglich die Frage der Zuständigkeit! Die Überwachung der Gesinnung oblag den anderen Organen...

    Gruß Viktor

  • Tag allerseits,


    in den Anfängen des "Großen Vaterländischen Krieges" suchte Stalin die Unterstützung der Orthodoxen Kirche. Und die bekam er auch. Stalin revanchierte sich dann dergestalt, dass er die Zügel gegenüber der dortigen Kirche lockerte. Es wurden - um 1941/42 - einige Kirchen wieder geöffnet, weil Stalin das ausdrücklich erlaubte. Interessant wäre es schon, ob es bei den Rotarmisten an der Front szt. "Ansätze von leicht kirchlich geprägten Weihnachtsfeiern" gab.


    Gruß
    Bert

  • Hallo Bert,
    genau das würde mich auch interessieren. Du hast es auf den Punkt gebracht.
    Hi Viktor,
    ja dann hießen die betreffenden Leute halt anders, aber sachlich betrachtet...
    Gehts doch darum, ob überwacht wurde oder nicht, und wurde es?
    Wäre erstaunlich, wenn Stalin, der in den Dreißigerjahren ja wohl in etwa das halbe Offizierskorps "liquidieren" ließ, - Stichwort: Tuchatschewski - jetzt auf einmal, im Kriege, allen blind vertraut hätte... Das wäre nicht wirklich logisch, oder?
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

  • Hallo - natürlich ging die ganze gegen die Kirche weiter aber in einer " stilleren " Form. Denkt mal daran das auch die orthodoxe Kirche Russlands Spenden für Panzer und Flugzeuge sammelte und völlig ausrotten konnte man den Glauben auch in der Sowjetunion nie. Zeigt sich auch in Filmen wo ebend die alten Mütterchen Soldaten bekreuzigten und wo Soldaten - wenn auch verdeckt - das Kreuz trugen. Selbst in Friedenszeiten waren die orthodoxen Kirchen z.B. in Kiew zumindest gut besucht und ihre Heiligen wurden verehrt ( selber so gesehen )
    Insgesamt sollte man aber immer bedenken - Krieg kennt keine Feiertage und selbst das Beispiel aus dem 1.WK - Engländer- Deutsche am Weihnachtsabend - passierte nur an einem kleinen Abschnitt der Westfront.
    Ja Eberhard und blind vertraut hat Stalin zu keiner Zeit . Gulag existierte weiter, Erschiessungen gab es weiter - schon der geringste Verdacht oder eine Denuzation reichten aus . Eine gewisse " Lockerung " erfolgte erst nach dem Zod von Stalin


    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944