Weihnachten im II. Weltkrieg

  • Hallo Joseph,
    ich denke Dein letzter Satz hat es sehr genau auf den Punkt gebracht.
    So etwas gab es sicherlich in anderen geschichtlichen Epochen, bis hin noch zumindest zum Beginn des Ersten Weltkrieges; danach aber, im ideologischen Massen-Vernichtungs-Materialkrieg, haben Besinnung und Besinnlichkeit keinen Platz mehr gefunden.
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

  • Hallo Joseph,


    Es kämpfte schließlich ein pseudo-christliches (latent atheistisches) gegen ein offen atheistisches System...


    Deine Aussage ist wohl oberflächlich richtig,
    Aber gab es vor 1939, in einer Zeit als ganz Europa noch im tiefsten Christentum verwurzelt war, keine mörderischen Kriege.
    Ohne Deine religiösen Gefühle verletzen zu wollen, aber, der Verweis auf den Atheismus führt wohl in eine Sackgasse.


    Bsp. WK 1: Nahezu alle Soldaten, gleich welcher Nation waren getauft, streng christlich erzogen konfimiert hatten die hgl. Kommunion .......
    .......mehr als 20 Mio Tote!!!

    Sarkasmus an:
    Vor jeder Schlacht kam das Kommando. " Helm ab zum Gebet " auf beiden Seiten des Grabens.
    Die Parteien beteten dann so inbrünstig zu Gott dass dieser ganz verwirrt keiner Partei den Sieg schenken konnte, wenn er die Anderen nicht enttäuschen wollte. Es waren ja alles gläubige Christen.
    Er erfand den Stellungskrieg.
    Sarkasmus aus!


    Bisher hat wohl keine Religion einen Krieg verhindert!


    Ich möchte dieses Thema hier im Forum nicht weiter diskutieren.
    ( Post kann gelöscht werden.)


    MfG Ludwig

    Never let go!

  • Hallo Ludwig, hallo zusammen,


    ich gebe Dir, Ludwig, hier grundsätzlich Recht: Religionszugehörigkeit war selten Anlass zu Friedfertigkeit...


    Hier ging es jedoch um die spez. Frage des Weihnachtsfriedens bzw. von "Weihnachten". In der Zeit des "Gottesgnadentums" etlicher Herrscher im WW1 war auf dem westlichen Kriegsschauplatz, gerade auch wegen des Stellungskriegs (damals waren die Grabensysteme des Gegners wohl näher als im WW2), der Termingleichheit und der Enttäuschung bez. eines schnellen Kriegsendes, eine solche Verbrüderung wahrscheinlich eher mögllich als im Osten...


    Komplizierte Verhandlungen nach dem Muster: "Am 24.12. schießt Ihr nicht, dann schießen wir am 07.01. nicht..." sind eher unwahrscheinlich. Außerdem ist Weihnachten in der orthodoxen Kirche "nur" der zweitwichtigste Feiertag.



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo,


    ich denke mal grundsätzlich war ein Weihnachtsfrieden ohnehin nur- und wenn überhaupt - an ganz kleinen Frontabschnitten, abseits der HKL bzw. an besonders ruhigen und schwach besetzten Stellen denkbar. Also reine Einzelaktionen.


    Gruß Karl

  • Tag allerseits,


    die eigentlichen Weihnachtsfeiern in Frontnähe waren kaum "christlich geprägt." Der Veteran Barnreiter beschreibt eine Weihnachtsfeier in seinem Buch am 25.12.42 an der Woroneschfront im damaligen Stützpunkt der Kompanie. Es gab Knackwurst mit Kartoffelsalat, aber nicht den versprochenen Schweinebraten. An Marketenderwaren gab es nur Rauchwaren und eine Flasche Sekt. Und der Kompaniechef faselte vom kommenden Sieg der Wehrmacht, obwohl man schon wusste, was damals in Stalingrad los war. Schließlich wurden noch die üblichen Orden verteilt.


    Gruß
    Bert

  • Hallo zusammen,
    ich möchte gern ein Bild zu diesem Thema einstellen.
    Es ist mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen.
    Das Foto wurde Weihnachten 1943 vor Leningrad aufgenommen.
    Es zeigt einige Soldaten der 4./ Div.Füs.Btl 170, der 170. Infanteriedivision.


    Gruß
    Christian

    Files

    Suche Informationen über die 170. Infanteriedivision

  • Hallo Ludwig,
    ohne Frage gab es immer grausame Kriege, in jeder Epoche, und viele wurden auch gerade im Namen Gottes als Religionskriege geführt, oder dieser Aspekt spielte wenigstens eine zentrale Rolle. Man denke nur an die Jahrzehnte nach der Reformation, bis hin zum Dreißigjährigen Krieg.
    Trotz aller Grausamkeiten wurde allerdings in früheren Epochen anders gekämpft. Es standen sich Menschen gegenüber, das Material war noch "Ausrüstung" und nicht Selbstzweck.
    Und es gab durchaus Aspekte, die dem reinen Kampf übergeordnet waren, bzw. man pausierte eben dann aus bestimmten Gründen.
    Noch im achtzehnten Jahrhundert war es beispielsweise üblich, nur bei passendem Wetter, bzw. in den günstigeren Jahreszeiten zu kämpfen, und die Truppen haben Winterquartiere bezogen, also Ruhe gehabt, bis dann im Frühjahr die Kämpfte wieder aufgenommen wurden. Da erübrigt sich die Frage einer "Weihnachtsruhe", es wäre interessant, hierzu einmal Berichte aus dem 1870er Krieg heranzuziehen, der ja über Weihnachten ging, und schon den Übergang zur modernen Massenkriegführung markiert.
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

    Edited once, last by rebelau ().

  • Hallo,
    das Thema lautet: "Weihnachten im II. Weltkrieg".


    Ich hatte das Thema zunächst auf die Kriegsschauplätze eingegrenzt, glaube aber, je näher wir Weihnachten rücken, dass eine Themenerweiterung möglich sei müsste.


    Wenden wir uns also nun vielleicht der "HEIMATFRONT" zu und bringen Beiträge aus den Familien etc. , gerne auch aus dem damals "GEGNERISCHEN LAGER". ( Fotos, Speisezettel, Briefe, besinnliche, aber meist traurige Weihnachten, Geschichten usw.).
    (Liebe Moderatorens, geht das i. O.?)


    Gruß Karl

  • Hallo, Karl,


    was sollte dagegen sprechen? Schließt das Thema nicht automatisch auch die Heimat mit ein?


    Könnte sogar einiges zuliefern, Briefe usw. Mal schauen, was sich da finden läßt.


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Tag allerseits,


    als 5-Jähriger erlebte ich Weihnachten 1944 - wie folgt


    Nach damaligen Presseberichten war der Heilige Abend im sechsten Kriegsjahr in weiten Gebieten des Deutschen Reiches vom Heulen der Sirenen und in den Grenzgebieten vom Schlachtenlärm begleitet. Die noch nicht zerstörten Kirchen waren überfüllt.


    Mein Vater war Ende 1944 als Leutnant bei einer norddeutschen Division (Die 57. ID gab es ja nicht mehr) im Großraum Gumbinnen (Ostpreußen) eingesetzt.


    Um die Weihnachts- und Neujahrszeit 1944/45 herrschte an der Ostfront, in Polen und im östlichen Ostpreußen relative Ruhe, von wenigen Scharmützeln abgesehen. Die Frontlinie verlief relativ stabil von der Ostseeküste bis in die Karpaten, dazwischen der »Große Weichselbogen«. Dies war ganz offensichtlich die trügerische Ruhe vor dem Sturm.


    Auf russischer Seite wurde bereits für die Großoffensive im Januar 1945 aufgerüstet. Dies geschah an 3 großen Brückenköpfen: Magnussew, Pulawy und Baranow auf dem Ostufer der Weichsel.


    An dieses Weihnachten 1944 kann ich mich noch gut erinnern. Geschenke gab es praktisch keine. Die Versorgung mit Lebensmitteln war schon ziemlich schlecht und eine weihnachtliche Stimmung kam wegen der ständigen Bombenangriffe und Stromsperren nicht auf. Man ahnte schon, dass dieser Krieg nicht mehr allzu lange dauern wird.


    Etwas überraschend wurden dann die "Soldatenfrauen mit ihren Kindern" von der Orts-Frauenschafts-Leiterin der NS-Frauenschaft (es war wohl am 26.12.1944) zu einer Weihnachtsfeier im Saal eines HJ-Heimes eingeladen. Der Andrang war damals gewaltig. Für die Mütter gab es sogar Bohnenkaffee und für uns Kinder Kakao sowie Plätzchen und Stollen. Man sang gemeinsam Weihnachtslieder; alle Kinder bekamen dann eine recht große Tüte mit Äpfeln, Plätzchen, Trockenobst und Haselnüssen. Nur Schokolade war nicht dabei!


    Gruß
    Bert

  • Hallo Bert,
    nehme an das ist in einer (in Hinblick auf die Luftbedrohung) eher ruhigeren Gegend gewesen (keine Großstadt)?
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

  • Lieber Eberhard,


    weit gefehlt! Das war eine Stadtrandgemeinde von Augsburg. Damals (Ende 1944) waren ständig Bombenalarme. Am Tage kam die US-Airforce und nachts die RAF.
    Dennoch ging das Leben weiter - so auch am 26.12.1944. Die Bombenangriffe gehörten zum damaligen Tagesgeschehen. Die Menschen ließen sich auch nicht davon abhalten, in ein Kino
    zu gehen oder eine Weihnachtsfeier zu besuchen. Und wenn Luftalarm gegeben wurde, dann musste man eben in den nächsten Luftschutzkeller.


    Herzliche Grüße
    Bert

  • Hallo Bert,
    ja, klar, Augsburg wurde ja erst ziemlich spät, aber dann doch sehr übel zugerichtet durch die Luftangriffe.
    Dass die Leute sich damit arrangieren konnten und trotzdem der Alltagsbetrieb normal weiterging, gehörte wohl zu den Überraschungen gerade in dieser Zeit.
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

  • Hallo Uli,
    guter Hinweis, war also schon mal da, mit vielen interessanten Bildern.
    Gefeiert wurde sicher dort, wo es möglich war, und öfters schon auch recht ausgelassen, feucht-fröhlich sozusagen.
    War wohl bei allen Truppengattungen so.
    So schreibt z.B. Michael Gannon in seinem Buch über die "Operation Paukenschlag" zum Auslaufen von U 123 (Hardegen) kurz vor Weihnachten (S. 128):
    "Hardegen hätte den Heiligabend auch im Hafen verbringen können. Drei der Paukenschlag-Boote ... waren noch nicht ausgelaufen. Aber Hardegen war der Meinung gewesen, dass seine Männer nach dem Fest unter der Nachwirkung von Burgunder und Cognac nicht auf der Höhe ihrer Kräfte gewesen wären, und die brauchten sie für den kritischen ersten Tag in der Biskaya (wegen der Bedrohung durch die RAF, rebelau). So mußte das Fest auf See begangen werden..."
    (Was sicher die meisten Besatzungsmitglieder nicht sehr gut fanden...)
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

    Edited 2 times, last by rebelau ().

  • Hallo zusammen,
    hallo Holzauge,


    ich habe nun die Fotos von Weihnachten, siehe Beitragshinweis von Uli und nochmals danke für den Hinweis, nochmals durchgeschaut. Es sind bedrückende Dokumente, wenn man bedenkt, dass sich jeder im Kameradenkreis sicher zusammen genommen hat, aber dann alleine auf Wache, auf dem Strohsack, im Graben...als die Besinnlichkeit kam, das Heimweh, die Gedanken an die Familie, die Lieben, die Kinder, da hat es sicher andere Gesichter und Stimmungen gegeben.(Soldaten sind auch nur Menschen).
    ______________________________________________________________________________________________________________
    hallo Holzauge ( Falls noch im Forum aktiv):
    Dein Beitrag vom 24.12.10. zur Fragestellung russische Zeitung unter der Decke: Nachdem der Raum verdunkelt ist, nehme ich an, dass an dieser Stelle ein Loch in der Wand war und man mittels der Zeitung verdunkelt hat, oder aber durch das Loch kalte Luft in den Raum gelangte; glaube aber eher an das Erste.


    ______________________________________________________________________________________________________________
    Weihnachten war aber bestimmt bei allen kämpfenden Soldaten aller Nationen so, die Weihnachten feierten: Die einen hatten reichliche und ruhige Weihnachten in Ruhestellung, die anderen eben weniger bis nichts...und lagen im Feuer...
    Bei anderen Sitten und Gebräuchen, die ebenso ihren Stellenwert hatten, traf die Soldaten das gleiche Los, eben anders und zu anderen Zeiten.


    UND NUN schlage ich vor Texte, Fotos, Bilder, Zeichnungen, Lebensumstände, etc. von der "HEIMATFRONT" einzustellen.


    Gruß Karl


    l

  • Guten Morgen Karl,


    ich habe bisher interessiert mitgelesen und resümiere ebenfalls, dass Weihnachten im Rahmen der jeweils bestehenden Möglichkeiten begangen wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte dies an dem erhöhten Aufkommen an Feldpost/-päckchen deutlich werden. Vielleicht hat hierzu jemand Zahlen.


    Der Anlass, mich in die Diskussion einzumischen, ist der Begriff "Heimatfront", den ich bewusst in Anführungszeichen setze.
    Meintest Du damit Weihnachten zu Hause bei den Soldatenfamilien?


    Lg, Justus

  • Tag allerseits,


    Der Begriff "Heimatfront" ist eigentlich keine Erfindung des NS-Staates. Die Briten kreierten die "Homefront" bereits zur Zeit des 1. Weltkrieges. Und mit der "Heimatfront" beschrieb man damals
    während des Krieges das Alltagsleben in Deutschland, natürlich auch im Bezug auf die Front, mit Parolen wie: "Waffen schaffen für die Front" - "Räder müssen rollen für den Sieg."


    Dass letztendlich die Heimat auch zur "Front" werden konnte, das war natürlich im NS-Staat nicht "eingeplant". Als dann die massiven Luftangriffe einsetzten, schuf der NS-Staat den Begriff "Terrorangriffe" und diese Wortschöpfung wurde von der Bevölkerung tatsächlich auch übernommen.


    Gruß
    Bert

    Files

    • nsbahn1.jpg

      (59.53 kB, downloaded 38 times, last: )

    Edited 3 times, last by Jahrgang39 ().