Bespannte Truppen

  • Hallo,
    in dem Buch von Mabre: Feldzug für Europa sind mehr Bilder von Hü und Hott als Lkw. Ausser einem Bild, wo Pferde per Lkw zur Front gebracht werden.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo


    Ich kann nur immer wiederholen,
    das (offizielle) Bild- und Filmmaterial zur deutschen Wehrmacht ist absolut Kfz-lastig und vermittelt ein falsches Bild der Motorisierung.
    Die Infanterie Divisionen waren bespannt, da gab es mehr Pferde als Kfz.
    Wer sich dafür interessiert, wird das an den strukturmässig starken Veterinärkräften in einer ID deutlich erkennen.


    Gruss Wolfgang

  • Die Infanterie Divisionen waren bespannt, da gab es mehr Pferde als Kfz.


    Hallo zusammen,


    das kann jeder im LdW nachlesen; hier als Beispiel die Zahlen für
    eine Infanterie-Division der ersten Welle:


    Pferde 4842
    bespannte Fahrzeuge 919
    Personenwagen 394
    Lastkraftwagen 615 (mit Zugmaschinen)
    gepanzerte Fahrzeuge 3 (leichte Spähwagen )
    Krafträder 527


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo zusammen,


    auch hier ein Beispiel für berittene/bespannte Truppenteile:
    Der Einzug des Infanterie-Regiments 110 am 01.10.1940 (nach
    der Rückkehr aus Frankreich) in den Heimatstandort HEIDELBERG.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Tag allerseits,


    die ursprünglichen Sollzahlen für Pferde und KFZ einer Division veränderten sich ab Kriegsbeginn gravierend. Man versuchte zusehends ausgefallene KFZ durch Pferde zu ersetzen. Und in den letzen Kriegsjahren wurde der Bedarf an Pferden sogar gekürzt.


    Bei Kriegsbeginn lag die Pferdesollstärke einer Infanteriedivison zwischen 4077 und 6033 Pferden, beim Ostfeldzug hatten die Divisionen zeitweise rund 2.000 Panjepferde im Dienst. Die Pferdesollzahlen der genormten Infanteriedivision 44 wurde auf 3.979 Pferde und die der Infanteriedivision 45 auf 3.608 Pferde herabgesetzt, um den Nachschubbedarf zu verringern.


    Quelle:


    http://www.kerstinullrich.de/F…angenschaft/Vetkomp3.html


    Gruß
    Bert

  • Hallo leute :) ; vielen dank für die info Bert . Mehr.......................................


    Eindrücke vom Vormarsch, Ukraine 1941.


    Quelle: http://www.ebay.es/itm/Windmuh…f1d1e8:g:YTsAAOSwRgJXhlcp
    http://www.ebay.es/itm/Sinti-u…dc9966:g:S5oAAOSw7XZXhlcM


    Gruße. Raúl M  8) .


    Bild 1 - Auf dem Weg nach Uman.......................................


    Bild 2 - Zigeunerfamilie betteln am Wehrmacht Tross - Koselez...................................

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  • Hallo zusammen!


    Mal was prinzipielles.
    Bei den Zahlen - bezüglich Pferde in der Truppe - die in der Literatur genannt werden frage mich ernsthaft:
    Gab es eine Art "Lehrgang" oder spezielle Ausbildung im Umgang mit Pferden, Gespanne fahren oder reiten?
    Es kam ja nicht gezwungener Maßen jeder aus der Landwirtschaft o.ä. Ich denke den damaligen Städtern ging es nicht anders als heute. Wenn ich denke ICH müsste ein Gespann bewegen.....
    Mein vermisster Großvater schrieb in einem seiner letzten Feldpostbriefe "....jeden Tag Arbeit mit den Pferden...." OK, er kam aus der Landwirtschaft, aber der Rest?


    Gruß Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Hallo Stephan,


    zu jener Zeit war im Deutschen Reich der in der Landwirtschaft arbeitende Anteil
    der Bevölkerung um ein Mehrfaches höher als er es heute ist.
    Bei der personellen Besetzung der bespannten Teile, Fahrkolonnen, Pferdeparks usw.
    nahm man schon auf diese "Vorbildung" Rücksicht.
    Darüber hinaus gab es für Reiten und Fahren auch entsprechende Ausbildungseinrichtungen.
    Aber auch in der Truppe wurde dies ausgebildet, zumal nicht nur Fahrer und Reiter,
    sondern auch der Pferdeersatz immer wieder erneut an die spezifischen Aufgaben des
    Truppenteils herangeführt werden musste.
    In bestimmten Bereichen (z.B. Reiterzug im Inf.Rgt.) hatte der jeweilige Kommandeur auch
    ein vehementes Interesse daran, nur die besten (und am besten ausgebildeten) Reiter zu
    bekommen, denn das war ja seine Aufklärungskomponente, auf die es im Gefecht besonders
    ankam.
    In der Ausbildung der Offiziere war das Reiten u.a. zwingender Bestandteil.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf!


    Mein Großvater war eine gewisse Zeit in Colmar bei der Fahr-Ers-Abt 8.
    Glaubst Du, das dort derartige Kenntnisse vermittelt wurden? Aber wie gesagt, er war vor seiner Zeit in der Wehrmacht Landwirt, eigentlich hätte er einer derartigen Ausbildung nicht bedurft.


    Gruß Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Hallo Stephan,


    ja, die Ersatz-Abteilungen hatten u.a. den Auftrag, den Soldat kriegsverwendungsfähig
    zu machen und der kämpfenden Truppe zuzuführen. Damit gehörte hier auch Reiten
    (Fahren aus dem Sattel) und Fahren dazu.
    Die Kenntnisse aus der Landwirtschaft und dem Umgang mit den Tieren waren sicher
    von Vorteil, aber das militärische Fahren unterschied sich schon in einigem von dem
    in der Landwirtschaft praktizierten (oder hast Du schon einmal einen Landwirt gesehen,
    der eine bespannte Haubitze in Stellung gefahren hat ?). Da war also trotz Vorbildung
    noch einiges Mensch und Tier beizubringen.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo zus.
    mein Großvater war vor dem II. Weltkrieg Arbeiter in einer Ziegelei, bzw. Baufirma
    einer Kleinstadt und hatte keine eigene Landwirtschaft, nur einen Garten.


    Dennoch ist er als älterer Jahrgang bei der Wehrmacht von Anfang an bei einer
    Fahrkolonne (mit Pferden) der 88.ID eingesetzt worden, später bei der 454.Sich.Div.


    Ich habe mich auch öfters gefragt, warum mein Großvater so an den Pferden hing,
    ohne dass er im Zivilberuf mit Pferden Erfahrung gesammelt haben könnte.
    Vielleicht hat er in der Ziegelei oder beim Bau ein Pferdefuhrwerk gefahren,
    und das war der Grund ihn bei der Wehrmacht für den bespannten Nachschub einzusetzten.


    Später im Russlandwinter ab 41-42 hat er alles getan damit seine Pferdl irgendwas
    zu fressen bekamen, trotz des wahnsinnigen Winters, dem vielen Schnee und Eis.
    Es war schwer, für Mensch und Tier.


    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

  • . . . mein Großvater war vor dem II. Weltkrieg Arbeiter in einer Ziegelei, bzw. Baufirma
    einer Kleinstadt und hatte keine eigene Landwirtschaft, nur einen Garten.
    Dennoch ist er als älterer Jahrgang bei der Wehrmacht von Anfang an bei einer
    Fahrkolonne (mit Pferden) der 88.ID eingesetzt worden, später bei der 454.Sich.Div.


    Hallo ZAG,


    sicherlich kam man überhaupt nicht umhin, auch Soldaten ohne irgendwelche Vorkenntnisse
    oder Erfahrungen mit Pferden in bespannten Einheiten einzusetzen, zumal die Personalauswahl
    ja noch "von Hand" vorgenommen wurde (und nicht per EDV wie heute).
    Ein Kriterium war auch - wie von Dir angesprochen - dass ältere Jahrgänge im Laufe des Krieges
    vermehrt im Bereich der bespannten Teile eingesetzt wurden, um Jüngere freizubekommen und
    mit der Waffe in der Hand in die vordersten Linien schicken zu können.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für diesen Thread, der für mich sehr interessant und lehrreich ist.
    Wie ich erst kürzlich erfahren habe, war mein Opa als älterer Jahrgang zunächst beim Infanterie-Ersatz-Bat. 120 (mot.) und später in Fahrkolonnen der 333. Er kannte sich mit Pferden sehr gut aus, war Landwirt von Beruf und die Familie hatte nebenbei noch eine kleine Trakehnerzucht.
    Aus Erzählungen meines Vaters weiß ich nun, dass er mit den jüngeren Soldaten betraut war. Lässt ja die Vermutung zu, dass er sein Wissen über die Pflege und den Umgang mit Pferden an die Jüngeren weitergeben sollte.


    Viele Grüße
    Beate

  • Hallo leute :) ; mehr.......................................


    Eindrücke vom Vormarsch, Polen 1939.


    Quelle: Foto Konvolut 55x Polen 1939 Artillerie Reg. Geschütze Bielitz Zlokiew Lemberg


    Gruße. Raúl M  8) .


    Bild 1 - Artillerie Reg auf dem Weg nach Bielitz.......................................

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  • Hallo zusammen,


    auch ich bin interessierte Mitleserin, aber vor allem Mitbetrachterin der vielen Fotos, die Pferde in ihrem Einsatz bei der Truppe zeigen. Und immer wieder bin ich erstaunt, daß die meisten Fotos eher ruhige und gelassene Reit- oder Fahrpferde zeigen, die gemütlich an Panzern oder brennenden Häusern vorbeiziehen, auf Schiff oder Bahn verbracht werden usw. Das Foto von Raúl vom 4. Dez. mit dem steigenden Pferd scheint fast eher eine Ausnahme. Bei der optischen und akustischen Kulisse "Krieg" schon sehr verblüffend für das Fluchttier Pferd.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • . . . daß die meisten Fotos eher ruhige und gelassene Reit- oder Fahrpferde zeigen, die gemütlich an Panzern oder brennenden Häusern vorbeiziehen, auf Schiff oder Bahn verbracht werden usw. Das Foto von Raúl vom 4. Dez. mit dem steigenden Pferd scheint fast eher eine Ausnahme.


    Hallo Diana,


    das was Du beobachtest, kann meherere Ursachen haben:
    - In relativ "bleifreier" Umgebung wurde sicherlich eher fotografiert als unter
    feindlicher Waffenwirkung.
    - Zumindest vor und zu Beginn des Krieges konnte die Wehrmacht ihr Pferdematerial
    noch auswählen und (gewissenhaft) ausbilden. Und dazu gehörte auch die Gelassenheit,
    d.h. die Gewöhnung an außergewöhnliche Situationen und das Vertrauen zum Reiter/Fahrer.
    - Später im Krieg wurde das dann anders, da musste alles genommen werden, was da
    war. Und wenn Du da mal Berichte von Veteranen gehört hast, sind schon manche Gespanne
    unter Artilleriefeuer samt Geschütz durchgegangen.


    (In begrenztem Umfang wird diese Gewöhnung der Pferde heute noch in der Ausbildung
    der Remonten der Polizeireiterstaffeln durchgeführt; aber da geht es "nur" um Fahnenflattern,
    Feuer, (kleinkalibrige) Schusswaffen. Und wenn eine Remonte das nicht durchsteht, wird
    sie an Privatreiter verkauft und ist für den Streifendienst untauglich.)


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo, Rudolf,


    sicher, soweit teile ich Deine Argumente, zumal wir beide um den Umgang mit Pferden wissen (natürlich unter den heutigen Bedingungen). Einen weiteren Aspekt sehe ich auch in der damaligen Zucht (klar, leistungsbereit, gesund, freundlich), aber auch im selbstverständlicheren Handling mit den Vierbeinern. Dem überwiegenden Teil der Bevölkerung war das Pferd ein täglicher Begleiter, das schaffte über die Jahre hinweg Erfahrungen.


    Nun ja, ich wollte hier auch nicht lange stören und beobachte gerne weiterhin still ;)


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Tag allerseits,


    die Wehrmacht kaufte nach 1933 gezielt auch ausgesonderte Armeepferde im Ausland ein, so z.B. in GB, als dort bei fortschreitender Motorisierung Armeepferde ausgesondert wurden.
    Und dieses Pferdematerial war in der Tat "schussgleichgültig." Englische Soldaten, die 1940 in Frankreich in Gefangenschaft gerieten, erkannten an den Brandzeichen, dass die "deutschen
    Armeepferde" einst bei der British Army in Diensten standen.


    Gruß
    Bert