Flecktarnung bei Fahrzeugen des Heeres - ab wann?

  • Liebe Heeres-Spezialisten,


    auf meinem Vorkriegsauto-Blog möchte ich das folgende Foto eines Hanomag "Rekord" Cabriolets vorstellen:


    Hanomag_Rekord_WH_Tarnung_Galerie_2.jpg


    Der ursprünglich zivile Wagen (gebaut bis 1938) sieht schon ziemlich mitgenommen aus. So ist das verchromte Blech an der Vorderstoßstange halb abgerissen.
    Das Auto ist an sich nicht ungewöhnlich, man findet die robusten Hanomag-PKWs oft auf Kriegsfotos.


    Mich interessiert: Ab wann kam das Tarnmuster mit den über die Fläche verteilten großen Flecken auf? Lässt sich das Muster einer bestimmten Region zuordnen (z.B. Frankreich ab 1944?).
    Und was meinen die Experten zu der Uniform des Soldaten? Ist das nicht ein Mannschaftsdienstgrad, der hier Reithosen und Offiziersschaftstiefel trägt?


    Danke für alle Hinweise, auch auf Dinge, die ich vielleicht übersehen habe.


    Gruß
    Michael Schlenger


    Internet: www.klassiker-runde-wetterau-com

  • Hallo Michael - wirklich ein sehr interessantes Bild weil der Gefreite oder Obergefreite - so genau kann ich den Winkel am Arm nicht erkennen - an den Stiefeln Sporn trägt. Ja und die Reithosen - also irgendwie passt das alles nicht so richtig zusammen. Mit dem Tarnmuster - also es gibt auch schon Bilder mit Fahrzeugen der Reichswehr mit Tarnmuster - da eine Zeitbestimmung vor zunehmen ist wohl nicht möglich . Zitat aus dem Hanomag-Museum " vom Hanomag kam zunächst der serienmässige 4/20 ab 1931 zum Einsatz, gekennzeichnet durch einen damals üblichen, drastisch- bunten Tarnanstrich .... "
    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

    Edited once, last by Alte61 ().

  • Danke für Deine Einschätzung, Achim.


    Dass schon im 1. Weltkrieg und in den 1920er Jahren Flecktarnmuster verbreitet waren, ist klar. Doch bei frühen Aufnahmen von Wehrmachtsautos - also etwa 1936-41 habe ich bisher noch nie so etwas gesehen.
    In meiner Kübelwagengalerie (https://klassiker-runde-wetterau.com/kuebelwagen/) findet sich erst bei einem VW von 1943/44 ein solches Tarnmuster.


    Vielleicht wurde das auch lokal unterschiedlich und nach Gusto der Truppe gehandhabt - ähnlich wie bei der Uniformierung, wo man im weiteren Kriegsverlauf immer "flexibler" wurde...


    Gruß
    Michael

  • Doch bei frühen Aufnahmen von Wehrmachtsautos - also etwa 1936-41 habe ich bisher noch nie so etwas gesehen. In meiner Kübelwagengalerie (https://klassiker-runde-wetterau.com/kuebelwagen/) findet sich erst bei einem VW von 1943/44 ein solches Tarnmuster.


    Hallo Michael,


    da der abgebildete Soldat im Knopfloch das Band zur Ostmedaille trägt (Stiftung Mai 1942) kann die Aufnahme erst ab oder (wahrscheinlicher) später als Juni 1942 gemacht worden sein. Bei den erkennbaren Riemen an den Stiefeln könnte es sich vielleicht auch um Marschriemen handeln?


    Edit: Da nicht erkennbar ist, ob es sich um einen Angehörigen der Gebirgsjäger handelt, der Soldat aber eine Feldmütze trägt, würde ich eher auf das Jahr 1943 (Einführung der Feldmütze für das Heer) tippen.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo Michael - schöne Seite - Kübelwagengalerie - aber bitte lies - falls noch nicht bekannt - mal diese Seite durch http://www.panzerbaer.de/colours/a_relaunch/wh_tarn-b.htm
    Tarnanstriche der Wehrmacht Teil 1: 1935-1943
    Gruß - Achim - Alte61



    Link berichtigt UH


    Die Darstellung vom Panzerbär kenne ich zufällig. Allerdings bezieht sie sich m.E. in erster Linie auf Militärfahrzeuge, nicht auf eingezogene Zivil-PKW. Die fuhren ja eher hinter der Front herum und bisher habe ich außer beim Hanomag bei keinem der PKW in meiner Fotosammlung ein Tarnschema entdeckt. Die Wagen scheinen die ersten Jahre alle mattgrau gestrichen worden zu sein, wenn überhaupt. Bei erbeuteten Wagen sieht man oft sogar noch die Originallackierung.


    Siehe auch meine Bildergalerien zu Beutefahrzeugen (https://klassiker-runde-wetterau.com/beutefahrzeuge/) und Eingezogene Privatwagen (https://klassiker-runde-wetter…/eingezogene-privatwagen/).
    Ich meine nach der vorläufigen Evidenz der Fotos, dass bei PKW mehrfarbige Tarnanstriche erst aufkamen, als die Deutschen die Lufthoheit verloren und der Gegner auch im Hinterland Jagd auf Autos machen konnte.


    Dazu passt auch der Datierungshinweis von Johann Heinrich (1943).

  • Guten Abend,


    bei aller Freude wollen wir aber doch nicht die Anrede und den abschliessenden Gruß vergessen,
    in jedem Post, oder?  8)


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo zusammen,


    Klare Sache: schöner dreifarbiger Tarnanstrich wie ab Februar 1943 vorgeschrieben, Gefreiter einer berittenen oder eher bespannten Einheit mit Reithose und schönen Reitstiefeln. Eher kein Gebirgsjäger, aber nicht völlig auszuschließen.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"