Desertion - Unerlaubtes Entfernen von der Truppe

  • Hallo zusammen,
    ich habe noch eine Frage bezueglich der Bestrafung in der Wehrmacht bei Desertation / unerlaubtes Entfernen von der Truppe.
    Welches Strafmass hatten die Beschuldigten zu befuerchten?
    Wurde immer gleich die Todesstrafe ausgesprochen?


    Und in diesem Zusammenhang waere es interessant fuer mich zu wissen, ob jemand weiss, ob allein der Ausspruch:" Der Krieg ist verloren" 1944 schon automatisch einem Todesurteil gleichkam. In meinem Fall geht es um meinen Grossvater - der Vorgang ist hier auch eingestellt im Forum - der laut den Familienaussagen - wohl im angeheiterten Zustand eben diesen Satz ausgesprochen haben soll, und er Suizid begehen musste, man hat ihm damals die Pistole auf den Arbeitstisch gelegt.......
    Vielen Dank schon einmal.
    Bernd


    In der Überschrift der Desertation das "ta" entnommen, da die Fahnenflucht eine Desertion ist, Diana

  • Hallo Bernd,


    wenn man Deine Anmerkungen liest stellt sich gleich die Rückfrage, ob der Großvater in einer "besonderen" Stellung war. Oder warum bzw. "wer" hat ihm die Pistole ....
    Wenn es jetzt ein -"§sagen wir mal- kleiner Knecht auf einem Landbauernhof war, wäre es wohl anders gelaufen. Oder?


    Doch ein konkretes Beispiel habe ich als "Beifang" mit ausrecherchiert:
    Im Dorf, in dem es allgemein "leger" in diesen Zeiten herging, sagte ein Bauer 1943 nach einer offiziellen Meldung, das sich im Osten die Front "begradigt hat": "so wie die das sagen glaube ich nicht, das wir den Krieg noch gewinnen können."
    Der eifrige Ortsgruppenleiter ( Lehrer ) meldete dies an die vorgesetzte Stelle, und vier Wochen später durfte der Betroffene zu einer Pioniertruppe einrücken, er kam gleich an die Ostfront und die Meldung über den "heldenhaften Tod für F, V und Vaterland" keine vier Wochen später nach Haus.....


    ( Der hier wegen Nichtigkeiten ohne militärische Erfahrung "verheizte" Bürger hieß : Karl Messerschmidt, Gailenkirchen )


    Vielleicht hilft Dir dies für Deine Einschätzung.


    No a guat`s Nächt`le


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

    Edited once, last by MunaLisa ().

  • Hallo Bernd,


    Quote

    Welches Strafmass hatten die Beschuldigten zu befuerchten?
    Wurde immer gleich die Todesstrafe ausgesprochen?


    Es kam immer auf die Umständen an aber das Strafmaß im Kriege war die Todesstrafe die dann ggf. auf dem Gnadenwege in Haft mit Frontbewährung gewandelt wurde.


    Quote

    Und in diesem Zusammenhang wäre es interessant fuer mich zu wissen, ob jemand weiss, ob allein der Ausspruch:" Der Krieg ist verloren" 1944 schon automatisch einem Todesurteil gleichkam.


    Auch hier war das Strafmaß im ungünstigsten Fall die Todesstrafe das Delikt das hier erfüllt war nannte sich Kriegsverrat


    Quote

    der laut den Familienaussagen - wohl im angeheiterten Zustand eben diesen Satz ausgesprochen haben soll, und er Suizid begehen musste, man hat ihm damals die Pistole auf den Arbeitstisch gelegt.......


    Das ist sehr nahe an einschlägigen Filmen und sollte den sinnlosen Tot begreiflich machen. Gerne als Hörensagen überliefert aber eigentlich Quatsch . Je nach Zeit und welches Gericht war das sehr formal geregelt
    und wenig "heroisches"

    Gruss Dieter

  • Hallo Dieter, sicherlich ist es schwierig, das vom Hoerensagen her bekannte zu bewerten. Ich habe nur diese Informationen, auf der anderen Seite sprechen aber auch einige Umstaende dafuer, z.B. Familie, 2 kleine Kinder etc.
    Ich wuerde nur allzu gern diesen Umstand geklaert wissen, denke aber, das dieser Teil seiner Vergangenheit fuer mich wohl immer im Dunkeln verborgen bleiben wird. Da ist die Zeit schon zu weit vorangeschritten! :-((
    VG
    Bernd


  • Welches Strafmass hatten die Beschuldigten zu befuerchten?
    Wurde immer gleich die Todesstrafe ausgesprochen?


    Hallo,


    die Urteile im Falle von Desertion fällten letzten Endes immer die Richter, den Grundsatz zur Urteilsfindung und -Sprechung hatte Hitler aber schon lange vorher in seinem Buch "Mein Kampf" festgelegt, dort heißt es: "Der Soldat kann sterben, der Deserteur muß sterben!"

    Gruß, J.H.


    Edit: Gesetzestext aus dem Militärstrafgesetz/RGBl/Neufassung von 1940 (mit den zusätzlichen, vom OB d. W. erlassenen Richtlinien zur Bestrafung) eingefügt
    Quelle: Österr. Nationalbibliothek/Sammlung Reichsgesetzblätter

  • Hallo - also ich habe ja nun hier fleissig mitgelesen und dank der Einstellung des Dokuments von Johann Heinrich bin ich der Meinung das man " Unerlaubtes entfernen von der Truppe " und " Desertation " doch nicht in einen Topf werfen sollte zumal hier ja auch aufgezeigt wird das ein unerlaubtes Entfernen von der Truppe bis zu 3 Tagen ganz anders gewertet wurde.
    Ja und dann komme ich noch mal auf das " Pistole auf den Tisch gelegt hat " zurück. Da muss die betreffende Person schon eine höhere Funktion gehabt haben. Soweit mir bekannt ist hat man ja nicht einmal einigen Generälen diese Möglichkeit eingeräumt.


    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Hallo Achim,


    erst einmal vielen Dank fuer Deine Nachricht. Die Sache mit meinem Grossvater ist sehr niebuloes,
    zum einen war er wohl Parteiredner und ueberzeugter Nazi gewesen, dafuer spricht, das er einen
    30 Kilometer Fussmarsch auf sich nahm, um in Bueckeburg Hitler als Redner zu sehen und hoeren.
    Dagegen wiederum spricht eher sein verspaetets Eintreten in die Partei!!(1937)
    Gesichert ist die Maennerfreundschaft zu Rudolf Hess, er wohnte auch eine zeitlang in dessen Villa
    in Muenchen, war ja auch laut Wast in oder um Muenchen herum stationert gewesen.
    Gesichert ist auch seine Kenntnis ueber Einsatzbefehle von Einheiten. So rettete er einem Bruder
    seiner Frau wahrscheinlich das Leben, denn er informierte diesen darueber, das seine Einheit nach
    Stalingrad verlegt werden wuerde, und er sich bei Rommel melden sollte, es kam genau so, und der
    Bruder kam dann auch zu Rommels Einheit!
    Wiederum wiederspruechlich zu all diesen Dingen ist sein niedriger Dienstgrad, naemlich Unteroffizier!
    Und je mehr ich forsche, desto mehr Fragen ergeben sich! :-))
    Das mir Bekannte bezueglich seines Suizides ist, das er wohl waehrend einer Feier geaeussert haben soll,
    dass der Krieg zu diesem Zeitpunkt ein verlorener sei. Daraufhin, ob er nun denunziert wurde bzw wie hier
    der ganzes Sachverhalt sich einzeln darstellt, entzieht sich meiner Kenntnis, wurde er gezwungen, sich
    zu erschiessen. Ob ein Druckmittel hier die Familie gewesen sein koennt, ich weiss es nicht! Amtlich
    bestaetigt ist " nur " der Tod durch Suizid. Aufgrund dessen erhielt meine Grossmutter keine
    Kriegerwitwenrente, war also nicht gut auf ihren Exmann zu sprechen, und hat dann im Laufe der
    Zeit diverse Unterlagen, die fuer mich natuerlich heute sehr wertvoll gewesen waeren, vernichtet!
    Und ich versuche nun, soweit es irgend moeglich ist, noch ein wenig Licht in dieses Kapitel zu bringen!

  • Hallo b.meyer - nun ich denke - mit aller Vorsicht - das Dein Grossvater zum Kreis der " Alten Kämpfer " gezählt hat. Das muss nicht unbedingt der zeitige Eintritt in die Partei gewesen sein. Zu Hess kann es doch vielle Verbindungen gegeben haben - 1.WK, Freikorps z.B.
    Ja und niedriger Dienstgrad - da wäre meine erste Frage wie alt Dein Opa gewesen ist und wo er gearbeitet hat. Ferner ob er vielleicht irgend welche Verletzungen oder Beschädigungen hatte und, und , und.
    Ich würde mal mehr versuchen in der zivilen Vergangenheit Deines Opas fündig zu werden.
    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Hallo


    Quote

    en Grundsatz zur Urteilsfindung und -Sprechung hatte Hitler aber schon
    lange vorher in seinem Buch "Mein Kampf" festgelegt, dort heißt es: "Der Soldat kann sterben, der Deserteur muß sterben!"


    und Widgard Benz läßt grüßen.


    die Realität:
    Die Führerrichtlinie verlangte die Todesstrafe für Fluchtversuche ins Ausland und erheblich vorbestrafte Täter, nannte aber auch mildernde Umstände, bei denen eine Zuchthausstrafe ausreiche: „jugendliche Unüberlegtheit, falsche dienstliche Behandlung, schwierige häusliche Verhältnisse oder andere nicht unehrenhafte Beweggründe“.


    und
    Unerlaubte Entfernung von der Truppe der Kriegssonderstrafrechtsverordnung“ wurde mit maximal 10 Jahren Freiheitsentzug geahndet.

  • Hallo Achim, haber erst einmal vielen Dank fuer Deine Antwort! Ich weiss nicht, ob mein Grossvater zum Kreis der alten Kaempfer schon gehoeren konnte, er wurde 1908 geboren.
    Er war gelernter Zimmermann und lebte und arbeitete in Eisbergen/Porta Westfalika!
    Neben den o.beschriebenen Sachverhalten muss ich noch erwaehnen, das er wahrscheinlich Mitglied der SA auch war, da er laut Aussagen der Familie eine solche Uniform besessen hatte. In diesem Zusammenhang waere es natuerlich fuer mich interessant zu wissen, wo die Bestaende der SA gefuehrt werden, also an welche Behoerde ich mich diesbezueglich wenden kann. Die Unterlagen ueber seine NSDAP MItgliedschaft liegen mir als Kopie vom Amt vor.
    Er wurde 2 mal verletzt und via Transportzug in die Heimat gefahren, beim 2. Mal nach Muenchen !
    Dies kannst Du unter der Rubrik: "Wer kennt Wilhelm Böhne" hier im Forum nachlesen, ich habe dort alle Unterlagen eingestellt.
    Vielleicht koenntest Du mir bezueglich der SA Mitgliedschaft weiterhelfen, wenn Du weisst, welche Dienststelle ich anschreiben muss.
    Vielen Dank schon einmal,
    Bernd

    Edited 2 times, last by b.meyer ().

  • Hallo Bernd - ich würde es mal beim Bundesarchiv versuchen. https://www.bundesarchiv.de/service/kontakt/index.html.de hier findest Du das Kontaktformular und dann einfach mit Deiner Frage zur Person dort Dein Glück versuchen. Zumindest haben die dort Unterlagen oder können Dir schreiben wo Du Dich vielleicht hinwenden musst.
    Ein zweiter Hinweis wäre vielleicht das Archiv der Stadt Minden . Die SA war damals besonders in Minden sehr aktiv und vielleicht gehörte Dein Opa zu diesem SA- Sturm


    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

    Edited once, last by Alte61 ().

  • Hallo Achim, vielen dank fuer die schnelle Antwort, ich werde mich gleich mal an dieses Bundesamt wenden, mal sehen, was dabei herauskommt.
    VG
    Bernd

  • Hallo!


    Anbei eine Meldung des LXXXVIII.A.K. vom 28.09.1944 bzgl. einer Desertion. Vielleicht von Interesse ...


    Besonders von den Rückzugskämpfen im Juni/Juli/August 1944 in Frankreich nach der alliierten Invasion, kenne ich u.a. einen Befehl des A.O.K.7 in dem ein Versprengter beim ersten "Verstoß" (beim nicht versuchtem, selbstständigen Zurückkehren zu seiner Truppe) zurück zur Truppe gebracht wurde inkl. einer Verwarnung. Bei Wiederholung sollte dann das Todesurteil vollstreckt werden. Kann diesen Befehl aber gerne noch einmal suchen. Weiß ehrlich auch nicht, wo diese Verwarnung bzw. dieses erstmalige Aufgreifen dokumentiert wurde. Muss ja dann das Soldbuch gewesen sein.


    Grüße
    Sven


  • die Realität:
    Die Führerrichtlinie verlangte die Todesstrafe für Fluchtversuche ins Ausland und erheblich vorbestrafte Täter, nannte aber auch mildernde Umstände, bei denen eine Zuchthausstrafe ausreiche: „jugendliche Unüberlegtheit, falsche dienstliche Behandlung, schwierige häusliche Verhältnisse oder andere nicht unehrenhafte Beweggründe“.
    und
    Unerlaubte Entfernung von der Truppe der Kriegssonderstrafrechtsverordnung“ wurde mit maximal 10 Jahren Freiheitsentzug geahndet.


    Hallo,


    die Realität war wohl eher, daß im Falle einer "im Felde" begangenen Fahnenflucht das Urteil in den meisten Fällen auf Todestrafe lautete, vor allem in den letzten Kriegsmonaten - siehe dazu auch §70 Abs. 2 im eingestellten Gesetzestext.
    Hier noch mal das Beispiel des Matrosen Kurt Albrecht, die Gerichtsverhandlung, Urteilsverkündung und -Vollstreckung erfolgten am gleichen Tag: Dem 28.April 1945.
    http://geschichtsatlas.de/~gd6/kurt_albrecht.htm
    Von "mildernden Umständen" in Form von jugendlicher Unüberlegtheit kann da wohl keine Rede mehr sein, Kurt Albrecht war zum Zeitpunkt seines Todes 17 Jahre alt. Schwerpunkt des Gerichts der 2.Marine-Division dürfte in der Verhandlung wohl eindeutig gewesen sein, die "Manneszucht" in der Truppe auch kurz vor der offensichtlichen, endgültigen Niederlage der Wehrmacht aufrecht zu erhalten und gleichgesinnte, potentielle Deserteure durch dieses Exempel umgehend abzuschrecken...
    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo Sven, vielen Dank fuer Deine interessant Nachricht, wuerde mich freuen, wenn Du das andere Schreiben noch mal irgendwo ausgraben koenntest!
    Bis dahin,
    viele Gruesse
    Bernd

  • Hallo Johann Heinrich


    Du verwendest eine Aussage aus einer politischen Kampfschrift und wertest sie als Realität, Hitlers Richtlinie als Kanzler sieht dagegen anders aus. Aber deine Realität besteht als Abschluß aus "Mein Kampf" und wie deutsche Richter die Führerrichtlinie interpretierten.


    Wie gesagt W.Benz läßt grüßen, inzwischen sehr sehr deutlich.

  • Hallo zusammen,


    und Widgard Benz läßt grüßen.


    ... zur Klärung: Ich habe keine Person Widgard Benz gefunden - nur einen Historiker namens Wigbert Benz.


    Wie gesagt W.Benz läßt grüßen


    ... Was ist denn nun mit jenem W. Benz? Warum ist er nicht zitierfähig?


    Du verwendest eine Aussage aus einer politischen Kampfschrift und wertest sie als Realität


    ... Es handelt sich um ein Projekt des Niedersächsischen Kultusministeriums.



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)


  • ... zur Klärung: Ich habe keine Person Widgard Benz gefunden - nur einen Historiker namens Wigbert Benz.


    Hallo Joseph,


    ich hatte die Bemerkung von Stefan auch eher als Kompliment aufgefasst und den genannten W.Benz als Wolfgang Benz genommen, den ich für mich auch als "sehr zitierfähig" einstufe :D : http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Benz
    Ansonsten möchte ich den Thread nicht durch unnötige OT-Beiträge verderben und mich an die von Huba/Thomas oft bemühte "Threaddisziplin" halten.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!