Degradierung meines Großvaters 1944

  • Moin,
    mal eine Frage: Mein Großvater wurde Ende 1944 vor den Ardennen vom OGefr zum Gefreiten degradiert, weil er seinem Zahlmeister eins auf die Kauleiste gehauen hat. Ich habe das erst bemerkt, als ich seine WASt-Akten bekan und ihn darauf ansprach, weil er auf den Protraitbildern OGefr war. In seiner WASt-Akte stand nichts darüber drin, nicht mal die Beförderung zum Obergefreietn, So, als ob er immer Gefreiter war.


    Darauf angesprochern sagte er, er wurde nur degradiert, weil er schon etliches an Auszeichnungen hatte und sein Chef (7./PzGrenRegt 115) gut mit ihm auskam und sich für ihn einsetzte.


    Ich arbeite gerade seine Erzählungen auf (habe viele Schirftstücke und etwa 20 Seiten an seinen Erzählungen). War es evtl üblich, sowas nicht in die Personalakten einzutragen, sondern die letzte Beförderung zu löschen? Kann ich mir nicht vorstellen. Aber warum sollte dann dieser Punkt fehlen, wenn sonst jeder Kelinscheiß verzechnet ist?


    Grüße
    Frank


    P.S: Er sagte mir damals, dass das Urteil war: Degradierung und 7 Tage Haft, abzusitzen nach dem Endsieg. Aber ich denke, das war nicht das Urteil, sondern nur ein Spruch damals.

    Suche alles zur 2. Marineinfanteriedivision und zur 5. FallschJgDiv

  • Moien,
    Urteile, die nach dem Endsieg zu vollstrecken waren, gab es desöfteren. Ein besonders betraff einen Oberfeldwebel und erfolgreichen Jagdflieger, er erschoss den OvD mit der Pistole durch die geschlossene Zimmertür seiner Unterkunft. Grund: Verbotener Damenbesuch. Die Urteilsfindung lautete auf die Todesstrafe, ausgesetzt zur Vollstreckung nach dem Endsieg, da der Betreffende ein sehr erfolgreicher Jagdflieger und Schwarmführer sei. Wahrscheinlich dachte man, das er den "Endsieg" eh nicht erleben werde.
    h.

  • Hallo zusammen,


    Urteilsfindung lautete auf die Todesstrafe, ausgesetzt zur Vollstreckung nach dem Endsieg,


    Da sieht man die Doppelmoral des Regimes, haarstäubend! Aber das Urteil trifft genau Hitlers Aussage, dass die Zuchthäusler den Krieg überleben, während die Soldaten sterben müssen. So ein Urteil müsste doch eigentlich unter den dortigen Kameraden und dem dortigen Offizierkorps mindestens Befremdung ( Unter Berücksichtigung der damaligen Zeitumstände) hervorgerufen haben?


    Gruß Karl

  • Moien Karl,
    der Betreffende blieb im Geschwader und hat den Krieg überlebt! Sein Kommodore hielt die Hand weiterhin schützend über ihn! Die Gründe, da kam man nur spekulieren! Ich vermute mal, das der Kriegsgerichtsrat als Vorsitzender aus reinem Kalkül dieses Urteil ausprach und auch Hitlers Aussage im Hinterkopf hatte.
    Was ich nicht herausfinden konnte, war die Argumentation des Verteidigers zu dem nächtlichen Vorfall, das Verbot des Damenbesuches bezog sich auf einen entsprechenden Befehl des Luftgaukommandos!! Der Ofw. war auch als "Schürzenjäger" bekannt!!
    Aber es ist schon sehr befremdlich, andere wurden wegen des Diebstahls einer Tafel Schokolade an die Wand gestellt und hier wurde eher eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt!
    h.