Tieffliegerangriff 10. September 1944 Ingolstadt

  • Hallo Zusammen,


    gestern habe ich durch Zufall ein Exemplar der „Wir! in Ingolstadt & Bayern“ in die Hand bekommen.


    Der Artikel,


    "Ein verhängnisvoller Sonntag im September 1944“


    aufgemacht mit einem Porträt des Polizeimeisters der Schutzpolizei Ingolstadt Süd, Martin Frank, hat mein Interesse geweckt.
    Er handelt von einem Kriegsverbrechen, mutmaßlich begangen durch zwei NSDAP-Parteifunktionäre an einem US-Kriegsgefangenen.


    Zitat: "Am Sonntag den 10.September 1944 fand ein verhältnismäßig unbedeutender Tieffliegerangriff auf den Gaskessel der städtischen Werke
    an der Hindenburgstraße statt. Doch die hieraus entstandenen Folgen endeten mit einem verhängnisvollen Verbrechen. Dieser Vorfall war
    damals in Ingolstadt, wenn überhaupt, nur hinter vorgehaltener Hand zu erfahren. Da sich in dieser Zeit auch nie eine örtliche Zeitung zu
    diesem Hergang äußerte, ist jene Begebenheit noch heute, ein nahezu unbekanntes Ingolstädter Kriegskapitel."


    Auch als Fliesstext vorhanden.


    Weitere Informationen sind hier zu finden:


    „Major Reynolds’ Überleben und Sterben“


    Die detaillierten Berichte handeln von einem Verbrechen an dem gefangenen US-Pilot Major John N.Reynold, mutmaßlich begangen durch den
    NS-Kreisleiter in Ingolstadt, Georg Sponsel und den Rosenheimer Parteikollegen, Kreisleiter Josef Ziehnert.


    Dieser Vorfall ist in diesem Forum m.W. noch nicht erwähnt.


    Gruß
    schlichi


  • Die detaillierten Berichte handeln von einem Verbrechen an dem gefangenen US-Pilot Major John N.Reynold, mutmaßlich begangen durch den
    NS-Kreisleiter in Ingolstadt, Georg Sponsel und den Rosenheimer Parteikollegen, Kreisleiter Josef Ziehnert.


    Hallo,


    dabei handelte es sich um den Jagdflieger Major John R. Reynolds von der 505th Fighter Squadron. Seine heutige Grabstätte befindet sich auf der US-Kriegsgräberstätte in Lorraine/Frankreich:
    http://www.abmc.gov/node/537962#.V_du9Iea271


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,


    was mich immer wieder wundert:
    Wie verbohrt, an den Endsieg glaubend oder voller Haß muss ein Mensch sein, der solch einen Mord begeht, besonders im September 1944 musste es doch wohl einleuchten, dass der Krieg verloren ist und zu Ende geht; man also zumindest mit einer Verfolgung der Straftat durch die Sieger rechnen muss. Außerdem war den Tätern klar, dass es nach geltendem Recht eindeutig Mord war, egal ob 1939 oder 1944, denn auch diesen musste klar sein, dass Himmler geltendes internationales Recht nicht außer Kraft setzen konnte.
    Seitens des/der Täter bestand nicht einmal ein direkter Bezug zu ihrem Opfer, denn sie sind weder mit dem angegriffenen Zug gefahren, noch einem direkten Angriff ausgesetzt gewesen. Hinzu kommt, dass die Vorbehalte der Polizeibeamten/ Luftwaffensoldaten gegenüber der Übergabe des Gefangenen an die späteren Täter von dem Täter/Mittäter erkannt worden sein müssen, ( Unterschrift) was sich erschwerend auswirken muss.
    Dies stellt nur eine moralische Bewertung der Gewissensentscheidung des Sachverhaltes und der Täter aus meiner Sicht dar, denn die Verurteilung der Täter ist bereits erfolgt..


    Gruß Karl

  • Hallo J. H.,


    kurze Richtigstellung:


    Der amerikanische Militär-Friedhof befindet sich im ostfranzösischen St. Avold (Dép. Moselle) und trägt die Bezeichnung --> Lorraine American Cemetery


    Er ist mit fast 10.500 Gräbern der größte US-Militärfriedhof des Zweiten Weltkrieges außerhalb der USA.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Moien,


    10.09.1944 11.00h


    Angriff von drei P-51 339thFG, 505th FS auf einen Gasometer in Ingolstadt Deutsche Lw-Meldung J-2040


    Absturz von Major Reynolds mit der P-51 WNr. 44-14069 Kennung 6N*B auf dem Ochsenschlacht
    FSA, Bein-oder Fußverletztung Gefangennahme durch den PM der Schutzpolizei Martin Frank (+ April 1945 Sassnitz/Rügen)


    Behandlung der Verletztung durch den LS-Arzt Dr. Goetz auf Anordnung von OB Dr. Listl in der Antonschule
    Verständigung der Luftwaffe in Manching (?) Ein OTL Dopker und ein unbekannter Hptm. der Lw übernahmen den Gefangenen. Dem Kreisleiter gelang es den Gefangenen in Gewahrssam zu bekommen und ermordete diesen anschließend (Angeblich Fluchtversuch)


    Der Chef der Schutzpolizei Hptm. d.Sch. Johann Schlichter wurde vom OB angewiesen, einen Bericht über den Vorfall zu verfassen, den Tatort im Stadtplan zu vermerken und diverse höhere Polizeidienststellen zu unterrichten. Die Akte dazu ist allerdings im April 45 bei einem Bombenangriff auf Ingolstadt verbrand.


    Über den Vorgang erstellte Schilcher am 12. März 1948 eine Eidesstattliche Erklärung. Dieser Vorgang ist im Archiv der PD Ingolstadt vorhanden.
    Der Kreisleiter wurde zusammen mit Ziehnert im Jahre 1947 in Landsberg hingerichtet.


    h.

    Edited once, last by AviaB.33 ().