Begräbniszeremonie im Felde

  • Hallo zusammen,


    ich versuche mit seit Tagen ein Bild darüber zu machen, wie genau ein Begräbnis in den Frontgebieten ablief.


    Es gibt im Netz und auch hier ein paar Bruchstücke, die aber viele Lücken lassen.


    Die Riten, die immer wieder auftauchen:


    -Grabrede
    -Gebet
    -Salutschüsse
    -Trommelwirbel
    -Das Lied vom guten Kamerad
    -Kranzniederlegung
    -das Herunterlassen des Sarges



    kennt jemand den genauen Ablauf einer solchen Zeremonie? Kann man die oben genannten Vorgänge in einen zeitlichen Ablauf bringen?


    eine weitere Frage: wer genau war dabei anwesend, der Vorgesetzte? Soldaten der eigenen Kompanie?



    beste Grüße


    Verena

    Auf der Suche nach wichtigen Informationen für einen Roman...

  • . . . wie genau ein Begräbnis in den Frontgebieten ablief.


    Hallo Verena,


    wie überall beim Militär gab es dafür sicherlich eine Dienstvorschrift (so wie bei
    der Bundeswehr die ZDv 10/8 „Militärische Formen und Feiern der Bundeswehr“).


    Darüberhinaus solltest Du Dir klarmachen, dass die Beisetzung Gefallener auf
    dem Gefechtsfeld bzw. in Frontnähe extrem lageabhängig war, d.h. es war davon
    abhängig, wie die Gefechtstätigkeit war, welches Personal verfügbar war, wie
    die Witterungsverhältnisse waren usw.:


    - In der Endphase des Kessels von STALINGRAD z.B. wurden die Gefallenen/Sterbenden
    oft einfach in den Schnee gelegt (und blieben da liegen) bis sie später von den
    Russen in Sammelgräber gelegt wurden.
    - Oft war es aufgrund der Witterung auch überhaupt nicht möglich (selbst durch Sprengung)
    ein Grab herzurichten. Dann musste die Beisetzung durch Abdeckung mit Steinen erfolgen.
    - Generell war der Disziplinarvorgesetzte (und in seinem Auftrag der Hauptfeldwebel bzw.
    der Gräberoffizier) für die Beisetzung der Gefallenen verantwortlich. Dies konnte dann
    vom schnellen "Eingraben" unter Sprechen eines Gebets und Ehrensalut (z.B. auf dem
    Rückzug) bis zur formellen Bestattung mit allen militärischen Ehren auf einem der meist
    von den Divisionen eingerichteten "Heldenfriedhöfe" reichen.
    - Oft kam es (solange alles noch geordnet ablief) zu gemeinsamen Beisetzungen mehrerer
    Gefallener eines Bataillons/Regiments in einer längeren Gefechtspause.


    Diese Beispiele könnte man noch endlos fortführen; sie sollen Dir jedoch nur die Breite
    der Möglichkeiten aufzeigen, die mit zunehmender Dauer des Krieges immer mehr vom
    Gefechtsgeschehen diktiert wurden.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Vielleicht hat ja einer die einschlägige Wehrmachtsvorschrift parat !?!

  • Hallo Rudolf, hallo Karl!


    Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten.


    Den Link von dir, Karl, kenne ich schon. Die Pdf hat mir auch schon sehr weitergeholfen.


    Vielleicht hole ich nochmal etwas weiter aus, damit ihr genauer wisst, wonach ich suche.


    Ich schreibe einen Roman. Die nächste Szene, die ich gerade recherchiere handelt von einem Begräbnis. Dabei geht es um einen durch Bauchschuss tödlich verwundeten Sanitäter einer Krankenkraftwagenkompanie, der in der Nähe des Feldlazarett 269 in Tossno/Leningrad auf dem Friedhof der Division bestattet werden soll. Also nicht direkt in der Nähe der HKL sondern ca. 15-20 km dahinter.
    Ich versuche diese Szene so detailliert wie möglich zusammenzubekommen, schrecke aber vor den genauen Reihenfolgen der Handlungen zurück.


    Wann z.B. wurde der Sarg heruntergelassen, während des Liedes "Ich hatt einen Kameraden?


    Wann erfolgten die Salutschüsse, davor, danach währenddessen?


    Ich müsste da ehrlich gesagt raten oder beim schreiben tricksen, um die fehlende Info wegzumogeln. Habe im Netz wie gesagt Bruchstücke gefunden und versuche das Puzzle zusammenzusetzen. Die von euch genannte Vorschrift zu den Begräbnissen ist online leider nicht einsehbar.


    Daher schreibe ich euch mal, wie ich mir die Reihenfolge in etwa vorstelle und bin über eure Meinungen gespannt:


    -Marsch mit durch Reichskriegsflagge beflaggten Sarg (4 Träger) zur Grabstätte, Träger mit Birkenkreuz vorweg.


    -Kameraden ungefähr in Zugstärke folgen dahinter.


    -Sarg wird auf Bretter über Erdaushub gesetzt.


    -Pfarrer beginnt mit Zeremonie, am Grab stehend:
    Choral, Gebet, Lesung, Ansprache, Fürbitte, Vater Unser
    (Helme/Kopfbedeckungen werden dabei abgenommen und vor der Brust getragen)


    -Regimentsmusiker spielen Der gute Kamerad, dabei Niederlassen des Sarges. Währenddessen: militärischer Gruß ---> Hand an Kopfbedeckung bzw. Deutscher Gruß der Anwesenden ohne Kopfbedeckung


    -Salutschüsse 3x


    -Pfarrer gibt symbolisch eine Schaufel mit Erde ins Grab, danach Kranzniederlegung durch Kameraden und Vorgesetzten.


    Wäre das eine plausible Zeremonie oder gibt es da offensichtliche Fehler, die mir durch die "Lappen" gegangen sind?


    So, jetzt bin ich sehr gespannt auf euer Input!

    Auf der Suche nach wichtigen Informationen für einen Roman...

  • Hallo Karl,


    Dienstrechtliche Einzelheiten siehe H.Dv. 343


    du meintest doch sicherlich die H.Dv. 373 "Bestimmungen für besondere Dienstverhältnisse der Kriegspfarrer beim Feldheer" anstatt der H.Dv.343 "Feldseilbahn-Bau und –Betrieb mit einem Band Anlagen"?


    Gruss Chris

  • Hallo Chris,
    Hallo Verena,


    Chris, danke für Korrektur; natürlich gilt H.Dv. 373.


    Zusätzlich gab es das "Merkblatt für Kriegergräber" i. d. F. vom 15.04.1942 RGBL. 1934 Teil II - Einrichtung eines Gräberdienstes vom OKW WVW und vom ihm eingesetzte und ihm unterstelle Gräberoffiziere (WGO).
    Dazu noch: " Bestimmungen über Richtlinien für den Wehrmacht .Gräberdienst bei der Truppe" vom OKW, 18.10.1944 und
    "Nachrufe,Trauerparaden und Kranzspenden für die Dauer des bes. Einsatzes", OKW Az 29 kvom 23.11. 1939 ( Jahreszahl schlecht leserlich).
    Hierzu wiederum zusätzliche Anweisungen der Heeresgruppen,Armeegruppen usw.zu Verfrahrensweisen je nach den örtl. Gegebenheiten.


    Folglich: Alles genau geregelt, vor allem immer wieder der Hinweis: " Keine Überführung in die Heimat, auch keine Urnen!"


    Rudolf hat das Wesentliche niedergeschrieben.


    Verne, ich war bei keiner Beerdigung im Krieg dabei und bin daher kein zeitzeuge.
    Ein Veteran kann da sicher genaue Angaben dazu machen, wie das letztlich gehandhabt wurde.
    Soweit mir - unter Vorbehalt bekannt - erfolgte im Felde meist kein Trauerzug dem Sarg, sondern es wurde am Grab angetreten, wo der Sarg bereits stand, falls es einen Sarg gab und falls es eine Einzelbeerdigung gab und falls ein Zug Soldaten dazu abgestellt werden konnte.
    Also Veteranen bitte melden....empfehle ich.

    Gruß Karl


  • Hallo Verena,


    die Beisetzung von gefallenen/gestorbenen Soldaten muß damals nicht zwangsläufig von einem Militärgeistlichen begleitet worden sein. Zum einen gab es davon für jede Konfession und Glaubensrichtung vor allem "vorne an der Front" gar nicht ausreichend genug, zum anderen gab es sicherlich auch Führer von Militäreinheiten, die nicht viel Wert auf religiöse Zeremonien legten oder diese aus NS-Ideologischen Gründen heraus ablehnten. Bei einem im Lazarett hinter der Front verstorbenen Soldaten könnte man aber wohl annehmen, dass seine Beisetzung auf einem Lazarettfriedhof durch einen Lazarettpfarrer oder z.B. auch nur durch einen Theologiestudenten durchgeführt wurde, der im Sanitätsdienst in einem Lazarett eingesetzt wurde. Schließlich würde wohl auch die Menge der Todesfälle im Lazarett eine wesentliche Rolle bei der Ausgestaltung der Beisetzungen spielen. In den vergangenen Tagen habe ich einen PK-Bericht eines Lazarettarztes gelesen, der von mehr als 100 Todesfällen in der Woche alleine in seinem Lazarett berichtete. Es scheint doch sehr unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen für die anschließend notwendigen Begräbnisse der Toten dann auch einhundert Mal den gewaltigen Aufwand mit Ehrenformation, Salutschüssen, Kranzniederlegung usw. durchgeführt hätten -> da käme ein Militärpfarrer auch gar nicht mehr zur Ruhe. In den meisten Fällen mußte wohl oft ein einfaches, am offenen Grab gesprochenes "Vaterunser" ausreichen.


    Mein Großvater ist im Dezember 1941 in seiner Unterkunft in Frankreich gestorben, er wurde zunächst zur Feststellung der Todesursache zum Truppenarzt gebracht, dann im Krankenrevier unter einer Hakenkreuzfahne und mit Totenwache aufgebahrt und später dann mit einem Luftwaffen-Lkw zu einem Friedhof transportiert. An der Beisetzung nahm seine gesamte Kompanie teil, sie stellte auch einen Ehrenzug am offenen Grab. Die Beisetzung wurde vom Einheitsführer, seinem Kompaniechef, geleitet - auf den Bildern von der Beisetzung ist kein Militärgeistlicher zu sehen. Die Ehrenbezeugungen durch die Soldaten am offenen Grab waren alle mit militärischem (durch Handanlegen an die Kopfbedeckung) und nicht mit "deutschem Gruß".


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 2 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo Verena,


    streich bitte unbedingt folgende Punkte:





    Ich kenne nur die Variante mit 6 Trägern



    Gruß
    Udo

  • Hallo Verena,


    Du suchst nach Angaben über das Feldlazarett 269 in Tossno.
    Bei uns in den Grablagen findest Du einige Angaben und Fotos dazu, meine ersten Daten sind von Ende 1941.


    Im Gedenken an


    Im Gedenken an
    mit für Dich vielleicht interessantem Foto


    Erstgrablagen
    im Zeitablauf mit dem vorherigen Foto besonders interessant

    Im Gedenken an


    Im Gedenken an...
    Hieraus könnte man ableiten, dass sich der Hauptverbandsplatz des FL 269 am 14.02.43 in Ssablino befand


    Im Gedenken an


    Im Gedenken an


    Im Gedenken an


    Im Gedenken an


    Dank der ArGe Erstgrablagen wurden auch die Zugehörigkeiten weitgehend ergänzt, sodass Du im Lexikon unter den Divisionen und Regimentern weitersuchen kannst.
    Der Kontakt zu Jürgen Fritsche wurde Dir ja schon im Juli von Eumex vorgeschlagen.


    Auf gutes Gelingen
    Christa
    Edith gebläut

    Edited once, last by cmzander ().

  • In der Endphase des Kessels von STALINGRAD z.B. wurden die Gefallenen/Sterbenden
    oft einfach in den Schnee gelegt (und blieben da liegen) bis sie später von den
    Russen in Sammelgräber gelegt wurden.

    Hallo Rudolf,


    als Bestätigung stieß ich heute auf eine Mitteilung in der Presse über den Fund des Sammelgrabes in Stalingrad. Es sollen nach Angaben des Volksbundes die Überreste von 1837 deutschen Soldaten aufgefunden worden sein. Bei den Leichen sollen auch EKM gewesen sein. Es wächst die Hoffnung, dass einige Vermisstenschicksale geklärt werden.


    https://fishki.net/2802887-v-v…ps%3A%2F%2Fzen.yandex.com

    Gruß Viktor