Wo bekomme ich Information vom 1. Weltkrieg her?

  • Hallo zusammen,

    vor ein paar Jahren konnte ich über die deutsche Dienststelle (WASt) in Berlin sehr viel Informationen von meinen Angehörigen im 2. Weltkrieg in Erfahrung bringen.


    Aber gibt es auch eine Anlaufstelle für den 1. Weltkrieg?


    Für eure Hilfe bedanke ich mich im Voraus und bis bald,


    Tobias

  • Hallo Tobias,
    Eine Anlaufstelle für den Ersten Weltkrieg gibt es nicht. Die Unterlagen liegen alle in den Militärarchiven soweit sie noch erhalten sind. Auf preussischer Seite wirst Du nicht mehr viel finden, das Reichsarchiv in Potsdam wurde im 2ten Weltkrieg bombardiert und brannte mitsamt Akten größtenteils aus. Der wenige gerettete Rest liegt im Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg. Gute bis sehr gute Chancen hast du für die Bayern in München, die Badenser in Karlsruhe und auch noch in Stuttgart.Unterlagen für die Marine findest Du ebenfalls bei der WASt.
    Zum Anfang kannst Du, wenn Name und Geburtsort bekannt sind in den Verlustlisten stöbern:
    http://des.genealogy.net/eingabe-verlustlisten/search/index
    Man muss meistens von ganz vorne anfangen und kann aufbauen.
    Du kannst dich auch an das Forum von milex.de wenden, ist nicht so hochfrequentiert aber nützlich.
    Wichtig sind auch erhaltene Bilder und Schriftstücke oder Feldpost.
    Gruß Oliver

    Tradition zu wahren, zu pflegen ist nicht die Anbetung der Asche. Es ist die Weitergabe des Feuers.
    *Erst wenn der letzte Soldat bestattet ist, dann ist der Krieg zu Ende* http://www.verdun14-18.de

    Edited 2 times, last by Oliver ().

  • Hallo Oliver,


    vielen Dank für deine prompte Antwort.


    So weit ich weiß, war er nicht als vermisst gemeldet.


    Ich habe von der Stadt Grafenau (Niederbayern) nur die Info, dass Herr Josef Kappl am 10.05.1891 in Ochsenberg geboren wurde.


    Von meinem Vater her, welcher 1985 schon verstorben ist, weiß ich nur, dass mein Urgrossvater bei der "Schwolische" gewesen ist und dort durch einen Säbel, welcher ihm von einer Seite auf die andere durch die Nase gestossen worden ist und er dabei ein Auge verloren hat, verwundet wurde! Ja, das waren immer die Kindheitserzählungen! :-)


    Das wars aber dann auch schon mit den Infos.


    Mich würde interessieren, in welcher genaueren Einheit er gewesen ist und welche Einsatzorte diese hatte.


    Deinem Rat folgend bin ich gleich mal auf die Verlustenliste gegangen und hätte auch einen gefunden, welcher in Ochsenberg geboren wurde. Aber Josef wird in der Liste mit "ph" geschrieben und er wäre bei der Fußartillerie Batterie Nr. 376 gewesen. Es steht auch noch dort, dass dieser "durch Unfall schwer verletzt" worden wäre.


    Also nichts mit "Schwolische". Aber ich kann mich noch weit entfernt erinnern, dass meine Grossmutter mir mal ein Foto gegeben hat, auf dem eine Gruppe mit einem Artilleriegeschütz drauf war.


    Dann könnte er ja doch bei der Artillerie gewesen sein.


    Goolge liefert mit "Fußartillerie Batterie 376" ja gleich gar nichts! :-(


    Viele Grüße,


    Tobias

  • Moin Tobias,
    bei der Schreibweise in den Verlustlisten, bei dem auch die Verwundeten aufgeführt worden sind, muss man Abstriche machen. Es gab oft Übertragungsfehler. Ich denke mal Kappl war nicht so oft vertreten in Ochsenberg. Die Schwolischen waren ja Chevaulegers und haben im Laufe des Krieges oft umgesattelt da die Reiterei immer weniger gebraucht wurde.Ist das Ochsenberg bei Königsbrunn gemeint? Dann könntest Du bei den Württembergern fündig werden. Zur FußABatt. 367 frag mal bei milex.de nach. Ich denke mal das Andreas oder ein anderer dir mit der Batterie weiterhelfen kann.
    Grüße!

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  • Guten Abend,


    bei Ancestry http://home.ancestry.de/ kann ein großer Teil der bayerischen Kriegsstammrollen des Ersten Weltkriegs digitalisiert eingesehen werden, es gibt dort auch eine recht brauchbare Suchfunktion. Allerdings ist das Angebot kostenpflichtig. Da ich momentan über einen Zugang verfüge, habe ich dort nachgesehen.


    Für Josef Kappl, geb. am 10.05.1891 in Ochsenberg gibt es mehrere Kriegsstammrollen, dort habe ich gefunden:
    Geboren in Ochsenberg, Gemeinde Kirchberg, Bezirksamt Grafenau (Bezirksamt = Landkreis).
    Gütler in Winden, Gemeinde Kirchberg.
    Verheiratet mit Karolina, geb. Breit. 1 Kind
    Eltern: Josef und Amalie, geb. Walz. Gütler in Winden


    Eingerückt am 6.8.1914 als Kanonier / Ersatzreservist beim Ersatzbataillon des 3. bayerischen Fußartillerieregiments in Grafenwöhr und am 10.8.1914 als überzählig entlassen.
    Am 18.2.1915 wieder eingezogen zum Ersatzbataillon 3. bay. Fußartillerieregiment III. Rekrutendepot.
    Zur Erläuterung: Ersatzreservisten waren Wehrpflichtige, die zwar als tauglich gemustert worden waren, aber wegen fehlender Ausbildungskapazität im Frieden nicht eingezogen worden waren. Als Jahrgang 1891 hätte er normalerweise etwa ab 1910/1911 seinen Wehrdienst leisten müssen.


    7.8.1915 versetzt zum Fußartilleriebataillon 217, Fußartillerie-Batterie 376. Die Batterien innerhalb der selbständigen Fußartilleriebataillone hatten im ersten Weltkrieg teilweise eigene Nummern.


    Mitgemachte Gefechte:
    Stellungskämpfe in Lothringen 8.10.1915
    Erstürmung der Höhe südlich Leintrey am 8.10.1915
    Kämpfe um die Höhe südlich Leintrey vom 15. - 17.10.1915
    Stellungskämpfe in Lothringen 18.10.1915 bis 21.6.1916


    Weitere Vermerke:
    21.6.1916 der Landwehr-Sanitätskompanie 3 in Rixingen überwiesen - durch einen Frühzerspringer Verletzungen im Gesicht mit Zertrümmerung des Oberkieferknochens und Nasenbeins.


    21.6.16 - 7.10.16 in Lazarettbehandlung


    29.11.1916 versetzt zur 1. Genesendenbatterie Ersatzbataillon des 3. bayer. Fußartillerieregiments, Grafenwöhr


    20.2.1917: Garnisonsverwendungsfähig in der Heimat
    13.5.1918 bis 30.6.1918 Arbeitsleistung im eigenen Betrieb


    Eisernes Kreuz II. Klasse 23.8.1916
    -------------- Ende der Eintragungen ------------------------


    Also weder ein Chevauleger noch ein Säbelhieb, sondern Dienst als Kanonier bei der schweren Artillerie und wahrscheinlich durch einen Rohrkrepierer oder ähnliches schwere Verletzungen im Gesicht. Vom Verlust eines Auges steht nichts in den Kriegsstammrollen.


    Die Kopien der Original-Kriegsstammrolleneinträge kann ich leider wegen der Größenbegrenzung hier nicht einstellen, da bei einer Verkleinerung auf das zulässige Maß die handschriftlichen Einträge nicht mehr lesbar wären.


    Grüße
    Jörg

    Edited once, last by Nemere ().

  • Hallo Jörg,
    prima, Rätsel gelöst!
    Gruß Oliver

    Tradition zu wahren, zu pflegen ist nicht die Anbetung der Asche. Es ist die Weitergabe des Feuers.
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  • Hallo,


    bitte nicht täuschen lassen. Er war nur beim ERSATZBATAILLON des 3. bayerischen Fußartillerieregiments, nicht beim Regiment selber. Dieses Ersatzbataillon stellte den Personalersatz für eine Vielzahl von Fußartillerieeinheiten, u.a. eben auch für das Fußartilleriebataillon 217 mit der unterstellten Fußartillerie-Batterie 376.
    Insofern hat seine Vita mit dem Einsatz des 3. bayer. FußArtBtl nichts zu tun. In Lothringen, wo er kämpfte, waren ab Ende 1914 mit der Masse Landwehr- und Landsturmeinheiten im Einsatz, aber kaum noch bei Kriegsbeginn bereits aktive Truppenteile.


    Grüße
    Jörg

  • Hallo zusammen,


    wow, ich bin beeindruckt, was ihr auf die Husche alles an Informationen für mich zusammen getragen habt.


    Ja genau, es handelt sich um meinen Urgroßvater, welcher in Ochsenburg, Gemeinde Grafenau, was ca. 35 km nördlich von Passau liegt.


    Ok, die "Säbelaktion" hat sich nun hiermit doch als "Kindheitsgeschichte" entpuppt! :-) Aber dass er ein Auge verloren hat, bestätigt ein paar Fotos, welche ich von ihm habe.


    Und dass er dann nun bei der Artillerie diente könnte ein weiteres Foto von ihm bestätigen, auf welchem eine Kanone ist. Leider finde ich diese Foto auf Anhieb nicht mehr. Aber irgendwo muss es sein. Vielleicht steht hinten was drauf.


    Mich beeindruckt ja schon, was Jörg so an Einsätzen mir mitteilen konnte. Da konnte ja die WASt nicht mal im entferntesten mir was über meinen Großvater mitteilen, welcher im 2. Weltkrieg diente um seit März 1945 auf der Halbinsel Hella vermisst ist.


    Nochmals vielen vielen Dank für eure Hilfe und eure tatkräftige Unterstützung und viele Grüsse aus der Passauer Ecke,


    Tobias

  • Hallo Elias,


    du bist ja mittlwerweile fündig gewordne. Aber vielleicht für alle andere die vielleicht ebenfalls in der Richtung suchen möchte ich meine Erfahrungen mitteilen.


    Wie schon gesagt wurde, lagern die Kriegsstammrollen aus dem 1. WK in unterschiedlichen Archiven. In der Regel in den Landesarchiven der jeweiligen (Nachfolge) Bundesländer.


    Also in meinem Fall lagerten die der württembergischen Armee eben im Landesarchiv Baden-Württemberg (zusammen mit denen der badischen Armee).


    Wie es sich nun im Detail bei den anderen Teilarmeen des Kaiserreiches verhält, weiß ich im Detail nicht, gehe aber mal davon aus, dass es da ähnlich ist.


    Wie schon erwähnt sind kaum noch Kriegsstammrollen der preußischen Armee erhalten, hier hat wohl ein Brand den Großteil der Bestände vernichtet.


    Zumindest im Falle der württembergische Armee sind die Kriegsstammrollen nicht nach Namen sortiert sondern nach militärischer Einheit.


    Daher muss man zuvor die Einheit kennen, in denen der Betreffende gedient hat. Wenn dies nicht bekannt ist und nicht in der Familie überliefert, dann ist mir ein Umweg bekant, der Erfolg bringen könnte (ohne Garantie):


    Man sollte im Einwohnermeldeamt oder dem Stadtarchiv des Heimatortes nachfragen ob dort nach dem 1. Weltkrieg eine Art Ehrenchronik für die Teilnehmer des Krieges angefertigt wurde. Manchmal wurde dies in den 30ern gemacht.


    Dort besteht die Chance, die Einheit und sogar die Schlachten aufgeführt sind, in denen der Betreffende gedient hat.


    Manchmal lohnt sich auch ein Blick in die Meldekarte des Betreffenden, vielleicht wurde seine letzte Einheit nach der Rückkehr eingetragen.


    Manche Datensätze sind sogar schon digitalisiert, in meinem Fall waren es die Unterlagen zum Kriegsdienst meiner Vorfahren im 19. Jahrhundert.


    Hoffe ich konnte dem ein oder anderem damit weiterhelfen.


    Grüße


    Franek

  • Hallo Franek,


    vielen Dank für deine Info.


    Den genannten Weg werde ich auf alle Fälle mal probieren.


    Bis bald,


    Tobias

  • Hallo!


    Auch mich würde es bitte interessieren wo man Informationen für ehemalige "österreichische" Soldaten finden kann.


    Vielen Dank.
    Lg
    Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    oder auch in den Landesarchiv wo der gesuchte gelebt hat,


    schöne Grüße aus Südtirol


    Reinhard

    Suche alles über das SS-Polizei Regiment Brixen und die 31.SS-Freiwilligen-Grenadier-Division

  • ... Josef Kappl, geb. am 10.05.1891 in Ochsenberg …

    ...7.8.1915 versetzt zum Fußartilleriebataillon 217, Fußartillerie-Batterie 376 ...

    ... Also weder ein Chevauleger noch ein Säbelhieb, sondern Dienst als Kanonier bei der schweren Artillerie und wahrscheinlich durch einen Rohrkrepierer oder ähnliches schwere Verletzungen im Gesicht …

    Hallo,


    nach längerer Zeit noch eine kleine Ergänzung zu dieser Suche bzw. Bestätigung des klasse Rechercheergebnisses von Jörg oben:

    Josef Kappl ist mit den genannten Daten auch in den Verlustlisten vom 15.Juli 1916 zu finden. Er wurde als Angehöriger der Fußartillerie-Batterie 376 durch Unfall schwer verletzt; Schreibweise des Vornamen dort abweichend mit "ph", also Joseph: http://des.genealogy.net/eingabe-verlustlisten/search


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!