Brot in Stalingrad

  • Hallo ans Forum
    Ich habe da eine Frage, die mich schon lange interessiert.
    Nach Durchsicht des LDW & FDW Forums zum Thema Stalingrad ist mir aufgefallen, dass die Bäckerkompanien ab 1/1943 als verschollen gelten !
    Brot für die Soldaten musste mit Beginn der Luftbrücke offensichtlich eingeflogen werden, warum? Wäre Mehl nicht sinnvoller gewesen, zu einer Zeit als der Kessel noch groß genug und die Feldbäckereien noch intakt waren? Oder war die Kampfkraft jener Kompanien wichtiger als der Hunger der Armee ??
    Auf Antworten freut sich
    Josef
    Ps: Mein Vater war gelernter Bäcker und Feldkoch in einer Balka(Schlucht) westlich Stalingrad, kam mit dem letzten Lkw Konvoi raus!

  • Hallo Josef,


    interessane Fragestellung.

    Wäre Mehl nicht sinnvoller gewesen


    Ich weiß nicht, ob meine Erklärungen zielführend sind, möchte diese aber hier einmal vorstellen, ggf. um die Diskussion anzufachen:


    - Waren funktionstüchtige Bäckereikompanieen noch vorhanden? ( Eher nicht)
    - Brote backen benötigt Energie, z. B. Holz, hier ggf. Bauholz aus zerstörten Häusern
    - Wasser gab es genügend? Ggf. Schnee/Eis, großer Schmelzaufwand mit hohem Energiebedarf
    - Rauch verrät die Position im Stadtgebiet u. U.
    - Brot wurde in Säcken abgeworfen, bei Mehl unmöglich bzw. komplizierte Behältnisse
    - Sofortige Verteilerstelle bei dem Flugplatz, ansonsten Aus - und Anlieferung Feldbäckerei, backen, Auslieferung; zudem abgelagertes/ älteres Brot hält länger vor
    - eingeflogenes Brot war sicher gefroren, aber feuchtes Mehl, evtl gefrorenes Mehl, weil feucht , nicht problemlos verwendbar, schon garnicht auf Vorrat.
    - Brotherstellung bedarf warmer Unterkünfte/ backstubenähnlich/
    - Hygieneprobleme usw.


    Außerdem:
    Die Luftversorgung nach Stalingrad war mit vielerlei Problemen behaftet: Organisationsmängel, fehlende Transportkapazitäten, mangelnder und vor allem oftmals kein zweckenstsprechender Nachschub usw. erschwert. So wurden z. B. nicht benötigte Artikel zugeführt.
    Luftversorgung erfolgte üblicherweise mit Fertiglebensmitteln.


    Gruß Karl

  • Guten Abend Josef, Karl,


    ich möchte dann mal abkürzen:
    Januar 1943 wird es in Stalingrad keine Bäckereikompanie mehr gegeben haben, wofür brauchte man Bäcker wenn es nichts mehr zu backen gab?
    Wie viele andere von den Nachschiebern auch, Knarre in die Hand, eine imaginäre Front halten, ab auf die freie Steppe und sich seine Glieder erfrieren, verrecken.


    Laut dem Dicken ein heldenhafter Kampf, wie wir alle wissen, gab es da nichts "Heldenhaftes".


    Ehrlich gesagt, Josef, irritiert mich deine Frage, schonmal näher mit Stalingrad beschäftigt?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Ehrlich gesagt, Josef, irritiert mich deine Frage, schonmal näher mit Stalingrad beschäftigt?


    Hallo,
    schon beim Vormarsch Richtung Stalingrad gab es erhebliche Versorgungsmängel. Dazu auch der Beitrag von Karl Grohmann zu Stalingrad mit dem Link zum Bundesarchiv.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Morgen an alle
    Natürlich ist klar, das die Bäckerkompanien aus o.g. Gründen, schon weit vor 43 aufgehört haben mit dem Backen!
    Da es solche jedoch unzweifelhaft gab , müssten doch zumindest in der Anfangsphase bis 19/11/42
    Bäckereien bestanden haben?
    Gab es vielleicht fahrbare Bäckereien, in Eisenbahnzügen zB ?
    Gruss Josef

    Edited 4 times, last by josian ().

  • Hallo,


    zu den sog. "Verwaltungsdiensten" der Divisionen gehörte im Regelfall eine Bäckereikompanie, Diese Bäckereikompanie dürfte sich bei den meisten der in Stalingrad eingeschlossenen Divisionen auch bei der Division befunden haben und wurde folglich mit eingeschlossen.
    ich denke, man kann davon ausgehen, das diese Bäckereikompanien zumindest anfangs noch ihren Aufgaben nachgekommen sind, solange es eben die örtlichen Verhältnisse und die Versorgungslage zuließ.
    Nach Kapitulation des Kessels Stalingrad Ende Januar 1943 wurden alle eingeschlossenen Einheiten in den einschlägigen Übersichten mit dem Vermerk "Stalingrad" gestrichen - so auch die Bäckereikompanien.
    Als Beispiel die Bäckereikompanie 40 der 24. Panzerdivision
    http://www.lexikon-der-wehrmac…anzer/PDEinheiten24-R.htm


    Inwieweit sich außer Bäckereikompanien der Divisionen noch weitere Bäckereieinheiten aus den Armeetruppen in Stalingrad befanden, kann ich nicht sagen.
    Evtl. findet sich in folgendem Buch dazu etwas:


    Hermann Müller: Die Feldbäckereien: Geschichte und Geschichten über das Kommissbrot, Wörthsee 2003.


    Grüße
    Jörg

    Edited once, last by Nemere ().

  • Hallo,


    in Stalingrad-Nord (Stadtbezirk I, neben Traktorenwerk) gab es eine Brotfabrik, die a, 24.10.42 vom Panzergrenadier-Regiment 103 eingenommen wurde. Inwieweit diese aber noch nutzbar war, kann ich nicht sagen.


    Grüße
    Thilo

    Files

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo


    Brotfabriken dürften zu dieser Zeit in den russischen Städten schon Standard gewesen sein.
    Bei der Zerstörung der eigenen Infrastruktur durch die russ.Armee beim Rückzug, werden jene Fabriken sicher nicht verschont worden sein, ganz im Gegenteil.
    Wie schnell solche Anlagen wieder hergerichtet werden konnten, sei dahingestellt. In Stalingrad wird es dazu gewiss nicht gekommen sein.
    Bereits 1890 hat das deutsche Militär einen von Pferden zu ziehenden Backofen aus Stahlblech entwickelt, incl. einer Teigmischmaschine.
    Von einer Weiterentwicklung ist im Netz soweit nichts bekannt. Ein Ofen ist ja vom Aufbau her was ganz simples und es wird keine Notwendigkeit einer technischen Neuerung gegeben haben.
    Wurden also diese alten Kisten aus den Depots wieder hervorgeholt als es gegen Russland ging, oder evtl. neue angefertigt.
    Zugpferde gabs ja wohl noch genug !



    Grüsse
    Josef

    Edited once, last by josian ().

  • Hallo,


    Leider ist Dein letzter Beitrag kaum zu lesen, da er ständig von der Buchstabengruppe "&nbsp" unterbrochen wird.
    Leserlich ist aber der Satz "Bereits 1890 hat das deutsche Militär einen von Pferden zu ziehenden Backofen aus Stahlblech entwickelt, incl. einer Teigmischmaschine. Von einer Weiterentwicklung ist im Netz soweit nichts bekannt."


    Diese fahrbaren Backöfen wurden sehr wohl weiterentwickelt.
    Die Reichswehr führte zunächst Backöfen aus dem Ersten Weltkrieg, die in die Wehrmacht als "Vw.f.1" (Verwaltungsfahrzeug 1) übernommen wurden. Zahlreiche Infanteriedivisionen zogen 1939 noch mit diesen bespannt gefahrenen Öfen in den Krieg, die letzten dürften erst 1942 ausgesondert worden sein.
    Durch Umrüsten auf Luftbereifung wurde daraus ab 1927 der Sd.Ah 105 für den mot. Zug, der aber im Notfall auch noch vierspännig gefahren werden konnte.
    Neuentwicklung war ab 1935 der Sd. Ah. 106, der dann der Standard-Backofen wurde (mot.Zug).
    Aus der tschechischen Armee und dem österreichischen Heer wurde in ziemlicher Anzahl der ehemals k.u.k. österreichische Feldbackofen M 01 System Manfred Weiss übernommen, der später unter Bezeichnung "T-Feldbackofen" vor allem in den mit tschechischem Gerät ausgestatteten Divisionen lief.


    Weiter gab es an speziellen Bäckereifahrzeugen
    - Sd. Anh 35 Teigknetmaschine mit Benzinmotor
    - Vw.f.2 Teigknetmaschine mit Protze für Pferdezug (nur bis Kriegsbeginn im Einsatz)


    Quelle: Hermann Müller: Die Feldbäckereien: Geschichte und Geschichten über das Kommissbrot, Wörthsee 2003, S. 163 - 169.


    Die KStN 1278 vom 1.10.1937 der bespannten Bäckereikompanie e findet man unter:


    http://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn12781okt37.htm


    Müller schreibt zu Stalingrad von 21 dort eingeschlossenen Bäckereikompanien mit über 2.000 Bäckern und mehr als 100 Backöfen (S. 214 - 216). (siehe beigefügte Liste)
    Er beschreibt weiter den Einsatz der Feldbäckereikompanie 171 (71. Inf.Div) bei Pitomnik und gibt u.a. an, das diese Kompanie eine Großmühle wieder in Betrieb setzte.
    Die Feldbäckereikompanie 29 (29. Inf.Div.) soll angeblich in einem großen Getreidesilo an der Wolga gearbeitet haben.
    (Müller, S. 212 - 235).


    Grüße
    Jörg

  • Hallo zusammen


    habe den Beitrag von Josef überarbeitet und lesbar gemacht.


    @josef


    bitte mal die Einstellung des Endgerätes überprüfen.
    Diese HTML-Syntax macht den Beitrag nahezu unlesbar.

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • UHolthausen
    Danke für die Arbeit, weiß nicht wie das passiert ist und konnte den Beitrag auch nicht löschen.
    Gruß Josef

  • Hallo zusammen,


    ich möchte die Ausgangsfrage noch einmal aufgreifen. Dazu ziehe ich zwei
    Zitate heran aus:
    Heinz SCHRÖTER
    STALINGRAD, ". . . bis zur letzten Patrone"
    Waiblingen 1961


    Der Verfasser bezeichnet sich als "Heinz Schröter, Kriegsberichterstaffel der 6.Armee".
    Für seine Einstellung kann ich keine Hand ins Feuer legen, seine Darstellungen
    erschienen mir sehr wertfrei und eher konform mit dem Untertitel "Hier soll dem Kriege
    kein Denkmal gesetzt werden, sondern seinen Toten".


    Zur Bestätigung, dass tatsächlich Brot als Versorgungsgut eingeflogen wurde:
    ". . . Auf Befehl Hitlers sollte die tägliche Einflugmenge rund 280 cbm Treibstoff,
    40 Tonnen Brot
    und 40 Tonnen Waffen und Munition, sowie 100 Tonnen Versorgungs-
    und Verplegungsgut betragen . . ."

    Zur Problematik "Brot - Mehl":
    ". . . Das wichtigste Nahrungsmittel war und blieb das Brot. Um eine tägliche Ausgabe
    an alle Truppen durchhalten zu können, mußte schon zu Beginn eine Rationierung auf
    200 Gramm pro Tag festgesetzt werden, aber es lag auf der Hand, daß eine weitere
    Kürzung auf hundert Gramm in absehbarer Zeit erfolgen würde. Um diese einschneidende
    Maßnahme zu verhindern, wurde beabsichtigt, in Zukunft, um Platz zu sparen, keine
    fertigen Brote mehr einzufliegen und statt dessen die Maschinen mit Mehl zu beladen.

    Der Versuch zur Umstellung aber scheiterte, weil das bisher eingeflogene Brot sofort zur
    Ausgabe gelangen mußte und bei einem Einflug von Mehl die Überbrückung von drei bis
    vier Tagen, die der Backprozeß erforderlich gemacht hätte, fehlte . . ."


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo zusammen,


    eine Anmerkung zur Brotversorgung: Mein Vater, der in der 2.Kp./Piobtl.100/100.Jägerdivison an den Kämpfen, u.a. im Metallwerk "Roter Oktober", teilnahm, und dort am 29.10.42 bei einem Panzerangriff (5 Panzer-1 vernichtet, 2 ausgeschaltet, 2 zogen sich zurück) der Roten Armee, schwerverwundet wurde - er erlitt einen Schußbruch am rechten Oberschenkel durch Splitter eines Panzerartilleriegeschoßes. Am 9.01.43 wurde er mit einer Ju-52 von Gumrak nach Ssalsk ausgeflogen. Er erzählte, beim Vorrücken sei er durch eine Brotfabrik gekommen. Dort seien Haufen von Brot herumgelegen. Es durfte aber nicht mitgenommen oder gegessen werden. Wochen später, als er und die ganze Armee hungerten, wäre er sehr froh an diesem Brot gewesen.


    Gruß sealion

  • Hallo zusammen,



    Anmerkung zu Nemere, nicht alle Stalingrad Divisionen hatten eine Bäckerei im Kessel. Die Bäckereikompanien der 29. ID, 79. ID, 44.ID, 376.ID waren nicht im Kessel. Ferner gab es aber noch Heeresfeldbäckeren wie die 541, 542. und 667. Dies ist zu entnehmen aus den Verlustlisten des AOK 6 von 1943



    Mit freundlichen Gruß


    Hubert

  • Hallo Sealion,


    Dort seien Haufen von Brot herumgelegen. Es durfte aber nicht mitgenommen oder gegessen werden. Wochen später, als er und die ganze Armee hungerten, wäre er sehr froh an diesem Brot gewesen.


    das ist nicht immer sture Absicht, weil z. B. alles schriftlich angeordnet sein muss. Stell Dir vor, die Bäckereikompanie X bäckt für die Eineit X.

    Nun kommen Soldaten anderer Einheiten vorbei und wollen Brot mitnehmen.

    Das fehlt dann der eigenen Einheit und die vorbeikommenden Soldaten haben normalerweise eigene Versorgungseinheiten, die für deren Wohl ( und Wehe) zuständig sind.

    Also, es sind nicht immer die "bösen Versorgungsdienste", die alles behalten, was dann evtl. vernichtet werden muss.

    Es ist auch so, dass beim Rückzug die Versorgungsdienste z. B. Brot an den Rückzugswegen ausgelegt haben, weil sie es nicht mehr ausliefern konnten.

    Anderes Beispiel: Ein Versorgungslager wird von dem verantwortlichen Versorgungssoldaten-beamten selbstherrlich zur " Räumung" für die zurückgehenden Soldaten freigegeben, aber dann erfolgt ein Gegenangriff und das nun leere Lager ist wieder in deutscher Hand. Wer möchte dafür gerade stehen?


    Nur Dir z. K., denn Dein Vater hat ja nur einen verständlichen Rückschluss gezogen und nichts weiter.


    Gruß Karl

  • Hallo zusammen,

    ..ich bin neu hier und benötige eine Hilfestellung zur Standortermittlung.

    ...Feldpostnr.18250...Bäckerei Kompanie 542,,selbständige Einheit..direkt dem A.O.K.6 unterstellt. Stalingrad.

    ...Meine Frage: Weiß jemand den Standort der Bäckerei 542 in Stalingrad ?

    ...Ich versuche das schon seit einigen Jahren herrauszufinden.

    mit dank für Mühe und Antwort im vorraus..

  • Hallo zarizyn,


    herzlich willkommen im Forum. Hast Du auch einen Vornamen, so dass wir Dich damit ansprechen können? Und bitte vergiß auch nicht den abschließenden Gruß.


    Beste Grüße


    Horst