Zeitungsbericht Okt 1946

  • Hallo zusammen!


    Na ja, nicht ganz aktuell. Lässt sich aber die Größenordnungen der damaligen Waffen und Munitionsmengen vorstellen die bei Kriegsende noch vorhanden waren.


    Waffenfund (2).jpg



    Quelle: "Telegraf" Nr. 149/1 vom 01.10.1946


    Gruß Stephan

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  • Tag allerseits,


    wer damals, kurz nach Kriegsende, Waffen versteckte, musste mit hohen Strafen rechnen.


    Ein 18-Jähriger aus dem Bekanntenkreis meiner Eltern versteckte nach Kriegsende eine gefundene Armee-Pistole. Er wurde verraten und nach einem kurzen Verfahren zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die er sofort nach Urteilsverkündung antreten musste. Dem "besagten Bürgermeister" drohte damals wohl eine mehrjährige Gefängnisstrafe.


    Gruß
    Bert

  • wer damals, kurz nach Kriegsende, Waffen versteckte, musste mit hohen Strafen rechnen.


    Hallo,
    es gab aber auch Ausnahmen. Mir war ein Gutsbesitzer bekannt, der seine Jagdwaffen behalten durfte. Warum er? Gründe sind mir unbekannt.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Tag ans Forum,


    die Zeitungsmeldung von 1946 erinnert mich an aktuelle Medienberichte über sichergestellte Waffen-Mengen.
    Damals waren die Waffen ja offenkundig schon durch "Sicherstellung" aus dem Verkehr gezogen worden.
    Sicherlich auch nicht vom verantwortungsbewussten Bürgermeister alleine.
    Vor allem fehlt auch in dieser Meldung ein Hinweis darauf, was von den Waffen noch "verwendungsfähig" gewesen wäre und
    was ggf. nur noch Waffenschrott war, wie es den Lesern auch heutzutage gerne verschwiegen wird.


    Mich würde interessieren, ob es weiteres Quellenmaterial zu dem Waffenfund von 1946 gibt.
    Wurde ggf. vor Ort zu Schrott verarbeitet und als solcher dann abtransportiert? Oder gab es sofort einen großangelegten amerikanischen
    Weg-Transport?


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo,


    es liegt ein Verstoß gegen die " Verordnung Nr. 1 der Militärregierung - Deutschland Kontroll-Gebiet der Obersten Befehlshaber",


    " Verbrechen und andere strafbare Handlungen
    Artikel I


    Verbrechen die mit dem Tode bestraft werden.
    Die folgenden strafbaren Handlungen werden mit dem Tode oder einer anderen Strafe,
    nach Ermessen eines Gerichts der Militärregierung bestraft:


    Nr. 9 "...ungesetzlicher Besitz .......von Feuerwaffen..."



    Artikel III


    3.(a) Ein oberes Militärgericht kann jede gesetzliche Strafe, einschließlich der Todesstrafe verhängen.(Ende Textauszug)


    D.U. In Anbetracht der Anzahl der Waffen denke ich wird der Waffenbesitzer wohl mit der Todesstrafe bedroht sein.
    (Vermute ich mal)

    Gruß Karl

  • Hallo zusammen!+


    Über das weitere Vorgehen lässt sich der Bericht leider nicht aus. Was mich verwunderte war erstens die Menge und zweitens das es ein Mix zwischen deutschen und in diesem Fall amerik. Waffen war.
    Die nächste Frage ist: war es Dummheit oder Unverfrorenheit und welchem Zweck sollte es dienen? Die Waffen in Geld oder Naturalien umzusetzen dürfte wohl nicht möglich gewesen sein.


    Gruß Stephan

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  • Hi allseits,


    1945 -1946 war Ernst Wilhelm Oberheim der Bürgermeister von Gedern;
    1946 - wann genau und warum wohl? - wurde Phillip Merkel Bügermeister;
    (das blieb er bis 1958). Wiki hat's mir verraten.


    Gedern hat keine Geschichte <X - jedenfalls nicht auf der Internetseite :D .


    Es ließe sich vll. noch ein wenig nachforschen
    - was dort 1945 "los war",
    - wie der Bürgermeister Bürgermeister wurde
    - wer hat ihn angezeigt - es dürften viele von den Waffen gewußt haben
    - was hatte sich vom Kriegsende bis Ende 1946 so verändert, daß es zur Anzeige kam
    - wer war der alte, wer der neue Bürgermeister
    usw. usf.


    Naja, wie immer - Fragen über Fragen, wenn man's denn genauer wissen will.


    Danke, Stephan, für den Fund; wie bist Du zu diesem Artikel gekommen?
    Gibt's da noch mehr interessantes?


    Grüße, Kordula

  • Hallo Kordula!


    Meine Mutter hatte diese Zeitung, lebte damals - bei Kriegsende - in Berlin. Warum diese Ausgabe die Zeit überdauert hat? - keine Ahnung,
    Kam mir letztens einfach in die Finger. Sind aber nur ein paar Seiten, tatsächlich bereits Werbung, eine "bunte" Seite und einiges über die Nürnberger Prozesse. Urteilbegründungen, Verhalten der Verurteilten, Meinung der Zeitung. Diese Dinge setze ich allerdings als genügend bekannt voraus als sie erneut publik zu machen - außer jemand hat speziell Interesse daran, dann gerne.
    Bei der Suche nach Gedern ging´s mir übrigens genauso, Du hast immerhin den Bürgermeister herausgefunden :)


    Gruß Stephan

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  • es liegt ein Verstoß gegen die " Verordnung Nr. 1 der Militärregierung - Deutschland Kontroll-Gebiet der Obersten Befehlshaber"


    Hallo,


    in Ergänzung zum Beitrag von Karl noch dieses Plakat, wie es damals wohl überall im Reichsgebiet in ähnlicher Form öffentlich zu sehen war. Dieses Exemplar wurde im Namen des deutschen Landrats in Donaueschingen ausgehängt.
    Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, genaue Quellenangabe im Bild


    Gruß, J.H.

  • Hi allseits,
    hi Stephan,


    habe weiteres herausgefunden:
    Gedern hat einen Geschichtskreis und der Ortsteil Seemental einen Geschichtsverein.
    Der Archivar der Stadt Gedern war bis vor kurzem Vorsitzender des letzteren.
    Seinen Namen habe ich, ebenso Adresse + Email. Werde ihn anschreiben und, wenn
    o.k., den Artikel mitschicken.


    Er ist übrigens 1945 als Flüchtling aus Ostpreußen nach Gedern gekommen.


    Habe noch eine kleine "Geschichte" aus Gedern gefunden:
    21. März bis 8. Mai 1945; hier nachzulesen.



    Und die Suche z.B. "1945 Gedern Muna" bringt weiteres zutage: einen Flyer und
    einen kurzen Bericht zu einer Führung auf dem Gelände der Muna-Grebenhain.


    Alles ein wenig abseits der Zeitungsmeldung; doch - wie so oft - spannend.


    Als letztes noch:
    Ja, Stephan, ich fände es interessant, auch andere Teile aus der Zeitung zu lesen.
    Ob hier oder anderer Stelle - schauen wir mal, was andere sagen.


    Grüße, Kordula

  • Hallo, Johann Heinrich!


    Danke, für dieses Bild, das ich durch die Quellenangaben fix in hoher Auflösung finden konnte.
    Dass sogar alles rollende Material abzugeben war, ist dann wohl ein weiterer Grund dafür, dass sogar das hunderttausendfach produzierte Truppenfahrrad heute enorm selten ist. Dabei ist die zivile Verwendung hierbei nun wirklich keine ernstzunehmende Bedrohung, weshalb die Abgabe wohl wie die Reifenabgabe ausschließlich der Besatzungstruppe diente.


    Grüße
    David

    Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen. E.-M. Remarque

  • Und die Suche z.B. "1945 Gedern Muna" bringt weiteres zutage: einen Flyer und
    einen kurzen Bericht zu einer Führung auf dem Gelände der Muna-Grebenhain.


    Hallo,
    es gibt auch ein kleines Museum zu dieser Muna. Hat mir damals gut gefallen.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo David,


    weshalb die Abgabe wohl wie die Reifenabgabe ausschließlich der Besatzungstruppe diente.


    Das Material ging vor allem an Staaten, die nicht so "reich" waren wie die Amerikaner, z. B. weil vorher Besatzungsland. Frankreich erhielt viel Wehrmachtsmaterial zum Neuaufbau einer Armee. Man ist erstaunt, wer nach dem Krieg alles deutsches Wehrmachtsmaterial, besonders Panzer, Flugzeuge und Karabiner, ja sogar Kochgeschirre wieder verwendet hat.
    Nur nebenbei: Auch die US-Army ließ Militärmaterial zurück, das diese Staaten dann bekamen, nicht nur in West -, sondern auch in Osteuropa.
    Dazu kamen die im eigenen (ehem. Besatzungsland) zurückgebliebenen Materialien.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    Danke für diese ergänzende Erläuterung.
    Bei Waffen konnte ich es mir vorstellen, bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen nicht unbedingt - obwohl es nicht mehr als logisch ist, wenn man bedenkt wie bedeutend auch während des Krieges schon Beutematerial war.
    Kennst du spezielle Literatur über den Verlauf/ die Durchführung der Demilitarisierung und Weiterverwendung als materielle Reparation? Bisher konnte ich einzig zum im Potsdamer Abkommen definierten Vorhaben etwas finden.


    Viele Grüße
    David

    Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen. E.-M. Remarque

  • Man ist erstaunt, wer nach dem Krieg alles deutsches Wehrmachtsmaterial, besonders Panzer , Flugzeuge und Karabiner, ja sogar Kochgeschirre wieder verwendet hat


    Hallo zusammen,


    zum "Recycling" von Wehrmachtsgut gibt es auch einen interessanten Film bei Youtube zu sehen, der auch schon verschiedentlich in TV-Dokus zum Thema Kriegsende 1945 zu sehen war:



    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Tag allerseits,


    sehr begehrt waren nach dem Krieg die Dreieckszeltplanen der Wehrmacht. Aus 3, oder besser 4 solcher Zeltplanen konnte man für damalige Verhältnisse tolle Zelte bauen. Noch um 1950 fuhren "Hartgesottene" per Motorrad und mit solchen Zeltplanen in den Urlaub. Feldgeschirre der Wehrmacht waren nach 1945 überall in Gebrauch. Die Schulkinder löffelten in den Hungerjahren 1946/47 aus diesen Feldgeschirren die Schulspeisung und die Schwerarbeiter der damaligen Zeit nahmen ihr kärgliches Essen in diesen Feldgeschirren mit an ihren Arbeitsplatz.


    Grüße
    Bert

  • Hallo,


    Quote

    und die Schwerarbeiter der damaligen Zeit nahmen ihr kärgliches Essenin diesen Feldgeschirren mit an ihren Arbeitsplatz.


    bekannt als "Henkelmann", meine Oma erzählt gerne von den regelrechten Völkerwanderungen, die immer zur Mittagszeit Richtung der benachbarten Fabrik einsetzten, wenn Hausfrauen ihren Männern darin das frisch gekochte Mittagessen brachten. Sollte ich meiner Frau mal vorschlagen, sie würde mir das Ding hinterher schmeißen.


    Früher war scheinbar doch manches besser, vor allem wenn man Mann war. :thumbsup:


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo zusammen!


    Toll, was momentan zusammenkommt.
    Aber sagt mal: in den meisten Dokumentationen, Tagebüchern, Zeitzeugenberichten usw. heißt es einstimmig "Versorgungsengpässe, kein Nachschub, kein Material, kaum Munition ".
    Wo kommt denn das ganze Zeug denn auf einmal her? Gut, einige Depots wurden nicht vernichtet oder geplündert, aber wenn sich die Siegerstaaten und auch andere gütlich getan haben an Ausrüstung und Fahrzeugen war es ja wohl nicht so wenig.


    Gruß Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Tag Stephan,


    die generellen Versorgungsengpässe, die gab es natürlich in den letzten Kriegsjahren: an der Front und in der Heimat.
    Tatsache ist aber auch, dass die Deutschen damals eine Hamstermentalität entwickelten. So agierten die "Küchenbullen" der Wehrmacht und die "Lageristen" von Wehrmachtslagern. Erst wenn für ganze Frontabschnitte der Rückzug übereilt durchführt wurde, bekam auch der letzte kleine Landser mit, was in den Lagern der Wehrmacht "alles noch vorhanden war!"


    Verwundete, die im Grandhotel von Zoppot lagen, das damals Lazarett der Wehrmacht war, staunten welche Lagermengen hier gehortet waren. Die Kellerräume waren voll mit Lebensmitteln und "Trinkbaren", trotzdem herrschte bis zum Schluss "Schmalhans Küchenmeister." Als man schon den Geschützdonner der russischen Artillerie in Zoppot hören konnte, wurden das Lazarett aufgelöst. Am Vortag der Auflösung bekamen dann jeweils 4 Verwundete eine Flasche Wein. Die gehorteten Lebensmittel im Keller des Hotels und die "Getränke": Darüber freuten sich dann die Soldaten der Roten Armee.


    Quelle:
    Die Aussage meines Vaters, er lag damals als Schwerverwundeter in Zoppot


    Grüße
    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo Bert,


    das Problem lag darin, dass niemand die Verantwortung zur Räumung eines Depots geben wollte, denn man "musste ja an den Endsieg glauben". Dem zufolge mussten die Lager noch lange ausreichen, eben bis zu "Endsieg", also keine Räumung.
    Eine frühzeitige Räumung konnte ein Kriegsgerichtsverfahren hervorrufen.
    Dieses Problem gab es in ähnlicher Form aber auch bei anderen kriegsführenden Nationen. So hatten z. B. die Amerikaner ein riesiges Treibstofflager angelegt, da man glaubte nichts mehr befürchten zu müssen. Während der Ardennenoffensive wurde dann das Lager, auf das die Deutschen gehofft, es aber verfehlt hatten, angezündet. Angeblich dann wieder gelöscht.
    Deutscherseits bestand dazu das Problem, dass Transportkapazitäten zuerst zum Anlegen der Lager, dann zum Abtransport fehlten.
    Da man um die Transportschwierigkeiten wusste, legte man frontnah große Lager an, die man dann nicht mehr räumen konnte.


    Beim DAK wurden bei dem schnellen Rückzug tausende Brote an die Via Balbia gelegt, damit sich jeder Soldat bedienen konnte, weil ein Abtransport nicht möglich war. Es galt immer zuerst die Waffen usw., dann die Lebensmittel zu sichern.


    Gruß Karl