Hintergrundinfos zu Einsatz & Verwundung bei 336. ID im Juni 1942 gesucht

  • Hallo allerseits,


    Ich habe von einer Kollegin ein interessantes Dokumentenkonvolut zwecks Eruierung des militärischen Werdegangs ihres Vaters zur Verfügung gestellt bekommen:
    - Wehrpass
    - Besitzzeugnis zum Verwundetenabzeichen in Gold
    - Urkunde zum Eisernen Kreuz 2. Klasse
    Aus diesen Dokumenten lese ich heraus, dass der Mann am 16.10.1939 im Alter von 27 Jahren in Naumburg/Saale kriegsverwendungsfähig gemustert und der Ersatzreserve I zugeteilt wurde. Seine Erkennungsmarke erhielt er vom Stab des Inf.Ers.Btl. 11.


    Am 29.1.1940 wurde er in die 16. Feldrekrutenkompanie des IR 394 eingestellt. Die Kp. wurde am 10.3.1940 in 6./394 umbenannt. Während der Zugehörigkeit zu diesem Rgt. war der Mann als Schütze zunächst bei der Besatzungstruppe in Polen, sodann zur Kriegsgefangenenbewachung eingesetzt (letzterer Punkt ist wegen der schlechten Lesbarkeit nicht ganz klar, aber irgendwas mit Kriegsgefangenen jedenfalls).


    Am 1.1.1941 wurde das II./394 (dessen zwote Kp. ja die 6./394 war) zum Landesschützenbataillon 379, bei dem unser Schütze am 1.4.1941 Oberschütze wurde. Bis zu seiner Versetzung zum Inf.Ers.Btl. 414 am 28.4.1941 lief der Kgf.-Einsatz; beim Inf.Ers.Btl. 414 kam am 1.6.1941 die Beförderung zum Gefreiten.
    Ist es wahrscheinlich, dass der Mann zur weiteren Ausbildung dorthin versetzt wurde? Der Wehrpass gibt allerdings nur Auskunft über Ausbildung am K 98 k, dem l.MG 08/15 und der Handgranate, außerdem Befähigung zum MG-Schützen 1.


    Ab dem 30.7.1941 wurde der Gefreite dann zum Küstenschutz beim AOK 15 und ab dem 1.4.1942 beim AOK 7 als Besatzer eingesetzt; er gehörte hier zur 6., dann zur 5./IR 687 der 336. ID.


    Danach ging es in zehntägigem (!) Bahntransport in den Osten, wo der Mann unter dem AOK 6 zum anscheinend ersten Fronteinsatz kam.
    Nach 16 Tagen Einsatz riss ihm dort ein Granatsplitter beide Füße ab.
    Am 25.6.1942 erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse (mit Signatur von General der Panzertruppen Paulus - wohl aber Unterschriften-Stempel), am 3.8.1942 das Verwundetenabzeichen in Gold und am 1.9.1942 die Beförderung zum Unteroffizier gemäß Bataillons-Tagesbefehl, also wohl als Auszeichnung außer der Reihe (?).
    Nach dem Ausscheiden aus der Fronttruppe am 12.7.1942 war das Gren.Ers.Btl. 514 für ihn zuständig; ab dem 9.11.1943 die Heeresentlassungsstelle 4, die ihn am 11.1.1944 als "völlig untauglich zum Dienst in der Wehrmacht" entließ.
    Der schwer Kriegsversehrte überlebte den Krieg, erzählte aber verständlicherweise nichts vom Krieg. Meine Kollegin (und ich!) würde gerne mehr über die Umstände erfahren, daher möchte ich fragen, ob es zu den genannten Einheiten detailliertere Informationen gibt, als das Lexikon der Wehrmacht bereithält.


    Vielen Dank im voraus, gute Nacht und schöne Grüße,
    Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

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  • Hallo Thomas,


    und am 1.9.1942 die Beförderung zum Unteroffizier gemäß Bataillons-Tagesbefehl, also wohl als Auszeichnung außer der Reihe (?)


    Gemaess der H.Dv.29a " Bestimmungen über die Beförderung und Ernennung der Unteroffiziere und Mannschaften während des Krieges" vom 1.12.1940 konnte ein Gefreiter nach einer Gesamtdienstzeit von 2 Jahren und Vorhandensein einer freien Planstelle bei entsprechender Eignung zum Unteroffizier befoerdert werden.



    Gruss Chris

  • Hallo Chris,


    Und danke für den Hinweis. Die Dienstzeit kommt hin, der Mann war seit zweieinhalb Jahren dabei. Über Eignung und Planstelle weiß ich nichts, allerdings war bei ihm beides schon nicht mehr gegeben. Er hatte zu diesem Zeitpunkt keine Beine mehr. Trotzdem kann es natürlich seine nach der genannten Vorschrift planmäßige Beförderung gewesen sein. Der Btl.-Tagesbefehl datiert vom 29.9.1942, die Beförderung war am 1.9. Er war zu dem Zeitpunkt beim Gren.Ers.Btl. 514.


    Gruß, Thomas


    P.S.: Im Westwall-/Schutzwall-Ehrenzeichen-Thema geht's bald weiter :-)

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  • Hallo Thomas,


    könntest du bitte mal mitteilen, wann das genaue Datum der Verwundung war (von wann hast du deine 16 Tage gerechnet). Nach meiner Einschätzung dürfte der Gesuchte im Juni 42 bei der 336. ID zum VIII. oder zum XVII. Armeekorps gehört haben.



    Gruß
    Denys

    Suche Infos zum 744.PiBat. (41/42) der 25. PzDiv. (87. PzPiBat) (43/44) und 21. PzDiv (45), 62. ID bzw. 57.ID 41/42 (164 IR) sowie zur 168. (43) und 376. ID (44)

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  • Hallo Denys,


    Die Verwundung war am 11.6.1942, der Bahntransport von Frankreich an die Ostfront dauerte vom 15.-25.5.1942.
    Die 336. ID war zu der Zeit dem XVII. AK unterstellt, soviel habe ich herausgefunden.


    Gruß, Thomas


    P.S.: Meine Kollegin stellt mir demnächst noch ein Fotoalbum ('Ehrenchronik') zur Verfügung; damit kann ich die Geschichte bestimmt mit Leben füllen.

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  • Hallo Matthias,


    Und danke für Deine Mühe! Ich finde die Dokumente sehr interessant, sie stellen den (geplanten) Einsatz der genannten Einheiten schön detailliert dar; leider stammen sie alle von vor dem 11. 6. 42, dem Tag der Verwundung des bewussten Gefreiten. Wäre toll für meine Kollegin, wenn noch etwas aus der Zeit vor diesem Datum aufzutreiben wäre. Es scheint allerdings eine Phase nur untergeordneter Gefechte und Bewegungen gewesen zu sein, wie die mangelnden Informationen zu Ereignissen zeigen - besonders angesichts der Fülle an Infos für die Zeit danach.
    Um noch etwas Anschauungsmaterial zu liefern, hier noch ein paar (hoffentlich) aufschlussreiche Bilder:

  • Hallo allerseits,


    Nun habe ich einige interessante Bilder aus der 'Ehrenchronik' des Mannes, die ich Euch nicht vorenthalten will - leider sind sie ohne Begleittext.
    Bild 1 und 2 zeigen ihn bei der RAD-Abteilung 5/142; er muss dort recht früh gewesen sein, denn auf Bild 1 erkennt man ein FAD-Koppelschloss.
    Bild 3 zeigt ihn als Schützen, Bild 4 zeigt einen Schießstand (das Bild dürfte er selber gemacht haben). Zuletzt der mutmaßliche Kompaniechef zu Pferd.


    Gruß, Thomas


    P.S.: Mehr folgt beizeiten.

  • Hallo nochmal,


    Hier noch ein paar Bilder (mehr folgt):
    Bild 1 ohne Kommentar,
    Bild 2 zeigt eine Art Fabrik, die als Unterkunft diente,
    Bilder 3 und 4 zeigen einen Bahnhof auf dem Weg der Einheit in das polnische Einsatzgebiet und
    Bild 5 das Rathaus (offenbar Sitz einer Kommandantur o.ä.) in vermutlich dem Ankunftsstädtchen.


    Gruß, Thomas

    Files

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  • Hallo allerseits,


    Mit gehöriger Verspätung geht es nun auch hier weiter:


    Brückenwache (1).jpg

    Brückenwache vor ihrem Schutzobjekt


    Kirche.jpg

    Eine Kirche, mutmaßlich im Unterbringungsort.


    Brückenwache mit Stützpunkt.jpg

    Befestigte Unterkunft der Wache


    Brückenwache (2).jpg

    Brückenwache


    Fuhrpark.jpg

    Sammlung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen


    Das waren die letzten Bildern aus (vermutlich) Polen, danach war der Mann in Frankreich bei der Besatzungstruppe und im Küstenschutz beim AOK 15.


    Gruß, Thomas

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  • Hallo Thomas,


    eine etwas verspätete Ergänzung,

    (letzterer Punkt ist wegen der schlechten Lesbarkeit nicht ganz klar, aber irgendwas mit Kriegsgefangenen jedenfalls).


    "Einsatz zur Kriegsgefangenen-

    Bewachung im Sudetengau."


    MfG Ludwig

    Never let go!

  • Hallo Ludwig,


    Vielen Dank! Ein Mosaiksteinchen mehr...

    Weiter mit den Bildern; es sind doch noch ein paar aus der ersten Zeit im Osten dabei:


    Torwache.jpg

    Torwache, vermutlich auch in einer Truppenunterkunft


    Ausbildung.jpg

    Geländeausbildung, vermutlich in der Umgebung der Unterkunft oder der Brücke


    Truppenluftschutz.jpg

    Truppenluftschutz, vielleicht auf dem Verlegungsmarsch in den Westen?


    Bunker Lili Marlen.jpg

    Kamerad vor feldmäßigem Bunker mit geradezu klischeehaftem Namen... wohl schon im Westen.


    Biwak.jpg

    Biwak, Zelte aus Zeltbahnen 31 im Westen


    Gruß, Thomas

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  • Hallo allerseits,


    Noch ein paar Bilder aus der Besatzungszeit in Frankreich:


    Schießausbildung.jpg

    Schießausbildung am Atlantikwall; im Hintergrund ein behelfsmäßiges Drillings-Fla-MG.


    Griffe kloppen.jpg

    Griffe werden geübt


    Kulturausflug.jpg

    Ausflug mit kulturellem Anspruch - aber wohin? Erkennt jemand das Château?


    Luftwaffen-Flak am Atlantikwall.jpg

    2 cm Flak 38 in Dünenlandschaft, Luftwaffensoldat im Arbeitsdrillich ('Salz & Pfeffer')


    Marineartillerist mit frischem EK II.jpg

    Wohl auch eine Bekanntschaft vom Atlantikwall: Marineartillerist (Nr. 6 auf der Schulterklappe!?) mit soeben verliehenem Eisernen Kreuz II. Klasse.


    Gruß, Thomas

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  • Hallo nochmal,


    Nun folgt der letzte Bildbeitrag, diesmal mit Eindrücken aus dem Lazarett. Anscheinend kam der Mann nach der Verlegung an die Ostfront nicht zum Knipsen, daher wird es jetzt für die Sanitäts-Spezialisten interessanter wegen der schon sehr modern anmutenden Hilfsmittel. Ich finde die Bilder bedrückend, zeigen sie doch einen jungen Menschen, der durch einen zufälligen Granatsplitter bei einer unbedeutenden Kampfhandlung zum Vollinvaliden wurde. Andererseits zeigen sie auch, dass die Wehrmacht für ihn nach allen Regeln der Kunst sorgte und ihn sogar im höchsten erreichbaren Dienstgrad entließ, damit er bestmöglich versorgt war. Immerhin steht die Entlassung als Unteroffizier am Ende einer fast 1 1/2-jährigen Behandlungszeit auf Kosten der Wehrmacht.


    Lazarett (1).jpg


    Lazarett (2).jpg


    Lazarett (3).jpg


    Reserve-Lazarett.jpg


    Lazarett (4).jpg


    Gruß, Thomas

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  • Grüß Dich Thomas,


    vielen Dank für das Einstellen der sehr interessanten und bewegenden Bilder!


    - Das Bild "Kulturausflug" wurde in Versailles vor dem Reiterstandbild Ludwigs XIV. aufgenommen:

    https://www.naturmotive.com/ausland/paris-2005.html


    - Das Bild "Bahnhof (2)" zeigt einen größeren Bahnhof (4 Abfahrtsgleise), vermutlich an der Strecke Aussig-Komotau an einer Abzweigung nach Saaz. Teplitz Hbf ist es nicht, der ist größer.

    Anbei eine Streckenübersicht mit den 3 genannten Orten.


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    Vielen Dank für die Hilfe. Versailles dachte ich mir auch schon. Die Verortung des Bahnhofes passt perfekt zu Ludwigs Entzifferung, dass der Mann zeitweise im Sudetenland eingesetzt war.


    Gruß, Thomas

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