Kleinst-U-Boote

  • Hallo zusammen,


    im Rahmen eines Übersetzungsprojekts erhielt ich gerade eine Anfrage bez. der folgenden Textstelle aus einem Buch von Cajus Bekker zum Thema Kleinst-U-Boote:


    "...Es war nicht möglich, das Boot mit Sicherheit für die Dauer eines Angriffs auf Sehrohrtiefe zu halten – es sei denn, dass das Sehrohr und damit das ganze Boot in eine „Auftriebskrone“ gehängt wurde, die sichtbar oben auf dem Wasser schwamm. Die Möglichkeit, den Feind damit zu täuschen, war nur auf Flüssen, nicht aber auf See gegeben..."


    Der Übersetzer kann - ebenso wie ich - keinen physikalischen Sinn in dieser "Technik" der Täuschung erkennen. Man kann doch das ganze U-Boot nicht mittels des Sehrohrs an einen großen Auftriebskörper hängen - etwa, um das Sehrohr permanent aus dem Wasser schauen zu lassen. Die Trägheit des Boots würde bedingen, dass bei zu kleinen Auftriebskörpern das Periskop schon bei mittlerem Seegang immer wieder unterschneidet ... Es müsste doch dann die Ausfahrlänge immer dem Wellengang angepasst werden ...?


    Worin soll denn dann überhaupt die "Täuschung" bestehen, wenn dieser "Schwimmreifen" dauerhaft oberhalb des Boots sichtbar ist?


    Und völlig merkwürdig wird das Ganze, wenn dieses angeblich auf Flüssen Sinn machen soll. Die Wassertiefe im Mündungsbereich von Flüssen ist doch max. 20 m. Für U-Boote ganz bestimmt kein günstiges Operationsgebiet - vielleicht gerade noch für Kleinst-U-Boote ...


    Vielleicht hat jemand eine Idee?



    Gruß,


    Joseph


    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

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  • Hallo Joseph,


    "...Es war nicht möglich, das Boot mit Sicherheit für die Dauer eines Angriffs auf Sehrohrtiefe zu halten – es sei denn, dass das Sehrohr und damit das ganze Boot in eine „Auftriebskrone“ gehängt wurde, die sichtbar oben auf dem Wasser schwamm. Die Möglichkeit, den Feind damit zu täuschen, war nur auf Flüssen, nicht aber auf See gegeben..."


    ich gehe davon aus, dass diese Stelle in dem von Dir erwähnten Buch von Cajus Bekker in" ...und liebten doch das Leben" steht bzw. stehen könnte. Trotz suchen habe ich diesen Textabschnitt noch nicht gefunden.
    M.E. könnte es sich um das "Klein - U - Boot Biber" oder deren Abarten handeln.
    Sh. Fock " Kleinkampfmittel".


    ...und dann muss man daran denken, dass dieses von Dir erwähnte Kleinkampfmittel, Art: U - Boot, dann vielleicht nur für Nachteinsätze ( kein Vollmond) gedacht war.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl, hallo zusammen,


    die eigentliche Frage ist hier doch eigentlich: Gab es ein solches "kronenförmiges" Bauteil, welches dann wohl am Ende des Sehrohrs seinen Platz hatte bzw. dort nachrüstbar war? Bleibt noch die Frage, weshalb ein solcher Auftriebskörper bei Einsatz in Flüssen zur "Täuschung" eingesetzt werden konnte. Die Täuschung bestand dann doch wohl darin, die Anwesenheit eines U-Boots zu verbergen...


    Gruß,


    Joseph

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  • Hallo alle,


    ja, es ist das von Karl erwähnte Buch. Seite189, der erste Absatz. Es geht um die Biber.


    Grüsse,
    Gintas

  • Hallo
    Ob es diese "Auftriebskrone"wirklich gegeben hat kann ich auch nicht sagen.
    In "Geschichte des U-Bootbaus"von Eberhard Rössler steht in Band 2 Seite 465 daß der Biber weder Regel noch Trimmzellen hatte und deshalb vor dem Einsatz mit festem Ballast Ausballastet wurde.Er war nicht auf Sehrohrtiefe zu halten "Der Angriff war sowieso nur bei Überwasserfahrt möglich"
    mfg karat

  • Hallo Joseph!


    Mich (als Laie) erinnert die Bezeichnung "Auftriebskrone" an "Baumkrone". Möglicherweise ist ein zusätzlicher Auftrieb durch ein Anbringen von Geäst am Sehrohr gemeint.
    Auf Flüssen könnte das als "Treibgut" zur Tarnung funktionieren, um den Feind zu täuschen. Der Nachsatz " war nur auf Flüssen, nicht aber auf See gegeben..." spräche dafür.
    Kampfschwimmer z.B., wanden den Trick mit dem "Treibgut" öfter mit Erfolg an.


    Gruß!
    Noricus

  • Hallo Noricus,


    das klingt plausibel.


    Allerdings stört mich die Formulierung, dass man das Seerohr und damit das gesamte Boot an diese "Krone" gehängt habe. Das suggeriert einen größeren Körper, eine Schwimmhilfe, die im Normalfall nicht dort angebracht ist... Außerdem: Wo bekommt man so schnell diese Äste her - man wird doch nicht mit diesem Boot "zum Blumenpflücken" anlegen...? Also hat man vielleicht so einen schnell aufsetzbaren Täuschkörper (kronenähnlich?) an Bord gehabt, wobei fraglich ist, wo man so etwas angesichts der engen Sitzposition noch unterbringen könnte.


    Vielleicht hat der Autor im Eifer des "Schreibgefechtes" auch seine Worte nur etwas dramatischer einsetzen wollen...?


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo,


    der Auftriebskörper kann auch so angebracht werden, daß er weitgehend oder ganz unter der Wasserlinie bleibt, wenn das Boot richtig austariert ist.


    Ich denke, die Verwendung auf Flüssen hat genau hiermit zu tun, denn im Gegensatz zum offenen Meer gibt es auf Flüssen kaum Wellen, die den von Joseph beschriebenen "Hüpfeffekt" zu vermeiden.
    Eine Tarnung als Treibgut funktioniert nur, wenn das Boot ständig und gerade in Stromgeschwindigkeit stromabwärts fährt, würde es Bugwellen verursachen, gegen den Strom oder eine Kurve fahren, wäre es völlig auffällig daher glaube ich nicht an eine solche Tarnung.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo zusammen!


    Bilder von Bibern mit den beschriebenen Tarnungen von Auftriebskörpern am jeweiligen Sehrohr sind z.B. in P. Kemp: "Bemannte Torpedos und Klein-U-Boote im Einsatz 1939 - 1945", 1999 (Fotostrecke zwischen den Seiten 160 und 161) oder in H. Fock: "Marinekleinkampfmittel", 1996 auf Seite 129 zu finden. H. Fock gibt als Quelle seines Bildes noch C. Bekker: "Kampf und Untergang der Kriegsmarine" von 1953 an.


    Zum Einsatz kamen derartig getarnte Biber z.B. am 12./13.01.1945 als 20 solcher Fahrzeuge die Netzsperren beseitigen sollten, die eine Straßenbrücke über den Waal bei Nijmegen schützten, indem sie darauf mit Haken versehene Torpedos abschossen. Durch die dabei freigesprengten Lücken sollten dann weitere vier mit Schleppladungen versehene Biber durchbrechen, die dann ihre Sprengladungen hätten lösen und unter die Brücke treiben lassen sollen. Das Unternehmen misslang wegen der starken Besetzung der beiden Ufer des Waals durch Truppen der Alliierten, die den Fluss unter starken Artilleriebeschuss nahmen, nachdem die Biberflottille während ihres Angriffes entdeckt worden war. (Siehe P. Kemp, S. 200!)


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

    Edited once, last by Schorsch ().

  • Hallo alle,


    vielen Dank, Joseph, vielen Dank Thilo, Schorsch und alle, die mitgemacht haben. Die Ergebnisse eures Einsatzes kann ich gut gebrauchen.


    Schöne Grüsse,
    Gintas

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