Heimkehrerfriedhof in Frankfurt/Oder

  • Hallo Forumsfreunde,


    ich suche die Lage des Heimkehrerfriedhofes in Frankfurt/Oder. Es soll zum Entlassungslager 69 in Frankfurt/Oder gehören. Dort liegt ein Wehrmachtsangehöriger aus mein Heimatort, der 1946 dort verstarb in dort beerdigt wurde. Existiert dieser Friedhof heute noch? Wo lag dieser Friedhof? Gibt es ein Plan dazu?


    Wer kann mir Auskunft geben?


    Gruß
    Lothar

  • Hallo Lothar,


    der Friedhof, den Du suchst befand sich neben der Horn-Kaserne, damals Entlassungslager 69, dem heutigen Polizeipräsidium Frankfurt/ Oder.


    1973/74 wurde der Friedhof aufgehoben, ein Teil der Toten (1888) wurde auf den Hauptfriedhof umgebettet. Insgesamt sollen dort 3265 Menschen begraben worden sein.


    http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/135260/


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo euch beiden,


    vielen Dank für die Info. Zumindest habe ich jetzt eine Vorstellung wo der Friedhof einst lag. Nur schade, das nicht mehr festgestellt werden kann, wer umgebettet wurde. Vielleicht hat er seine letzte Ruhe im Massengrab des Hauptfriedhofes gefunden.


    Gruß
    Lothar

  • Servus,
    hier findet man einen Zeitungsbericht zum Entlassungslager Frankfurt/Oder mit einem betreffenden Foto (siehe Anhang) : klick
    Quelle Foto: pa/dpa/A0009_dpa
    Ist dies das Lager Nr. 69 ?


    Ergänzung : Foto vermutlich von dem oben erwähnten Friedhof, Quelle: BArchB

  • Hallo alle miteinander
    für die Deutschen Kriegsgefangenen die nach dem II.WK aus der Sowjetunion entlassen wurden war Frankfurt/Oder die erste Station auf Deutschen Boden. Durch das Lager Cronenfelde wurden bis 1950 etwas mehr als 1,2 Millionen ehemalige Wehrmachtsangehöhrige und Zivilisten zurückgeführt. Ab Juni 1946 (?) wurden die ersten arbeitsunfähigen und kranken, die der Sowjetunion nur noch Kosten verursachten, wieder nach hause geschickt. Die Sterberate betrug in den ersten Jahren auf den transporten etwa ein Drittel. Gleichzeitig wurden aber andere Deutsche der SBZ verhaftet (z.B zu 25. Jahre Zwangsarbeit, Wehrwolf usw. unter Fadenscheinigen Begründungen) um den Arbeitskräftebestand wieder auszugleichen. In der Hornkaserne wurden die Heimkehrer dann förmlich entlassen, desinfiziert und entlaust und kamen dann für wenige Tage nach Cronenfelde, bevor sie dann in ihre Heimatorte entlassen wurden. Davor wurden die Gesunden von den Kranken getrennt und diese auf Lazarette und Seuchenstationen verteilt (auch sollte hier die Sterberate bedacht werden). Wie sicher bekannt war diese Thematik in der DDR ein Tabu - Thema.
    Mit Unterstützung der in der einstigen Hornkaserne befindlichen Polizeidirektion Ost und des Museums Viadrina endstand vor etwa 15 Jahren eine Ausstellung die an das Lager erinnert. Diese Ausstellung kann aber nur in Absprache mit der Presseabteilung der Polizei besichtigt werden. Das Lager das vor etwa 5 Jahren einen Gedenkstein erhielt
    Heimkehrerlager
    Cronenfelde
    1946 - 1950
    ist heute von Bäumen überwuchert und befindet sich unweit einer Mülldeponie.
    MfG
    Dietrich

  • Hallo Dietrich - ganz richtig ist es aber nicht wie Du es schreibst. Die ersten arbeitsunfähigen und kranken oder schwerverletze Kriegsgefangenen wurden schon " tröpfchen Weise " nach 1945 entlassen. In kleinen Gruppen ging es dann weiter. War natürlich auch eine Entscheidung der sowjetischen Ärzte wer noch auf Transport gehen musste oder wer nicht


    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Hallo Dietrich,


    mir ist das Lager bei Frankfurt/Oder bisher nur als Gronenfelde bekannt.
    Gibt es da auch die Schreibweise Cronenfelde, oder liegt nur ein kleiner Tippfehler vor.


    Grüße
    Rainer

  • N'Abend Dietrich,


    da muss ich Achim zustimmen und kann den Zeitpunkt sogar noch weiter nach vorne verschieben: mein ehemaliger Schwiegervater wurde bereits im Sommer 1945 wegen Arbeitsunfähigkeit (Leistenbruch) aus einem Lager bei Stalino aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen und kam im August 1945 in Frankfurt/Oder an, wo er seine Entlassungspapiere und den Befehl erhielt, sich unverzüglich in Berlin bei der für seinen Wohnort zuständigen Besatzungsmacht zu melden - das waren die Amerikaner, die ihn dann via Korbach (nahe seinem Heimatort) und Bretzenheim an die Franzosen weiter reichten.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo alle miteinander
    die Entlassungszeiten wurden auf einen Beschluß Stalins und Berijas vom Juni 1946 zurück geführt. Ob das so 100% stimmt kann ich nicht mehr nachvollziehen, mein Zeitzeuge lebt leider nicht mehr. Ich weiß auch noch, das die alten Baracken die während des Krieges ein Durchgangslager für Ostarbeiter waren, dafür dann bestimmt wurden (1946). Ob der Historische Verein noch existiert, man müßte mal nachhaken, aber viele Zeitzeugen leben ja nicht mehr. Stefan dann hat dein Schwiegervater aber sehr viel Glück gehabt, das er beizeiten nach Hause kam.
    Cronenfelde wird als Ort so geschrieben und liegt am Westrand von Frankfurt/Oder.
    Über Eure Quellen würde ich mich sehr freuen.
    MfG
    Dietrich

  • Hallo Dietrich,


    nun ja, nach Hause kam er ja dann doch nicht, mein ehemaliger Schwiegervater, da die Amerikaner ihn direkt als Gefangenen an die Franzosen weiter gereicht hatten. Er war dann noch ein paar Jahre im Elsass als Kriegsgefangener auf einem Bauernhof tätig, wo er schließlich einen Arbeitsvertrag bekam und noch ein paar weitere Jahre freiwillig blieb; außerdem lernte er dort seine erste Frau kennen.


    Unterm Strich war das sicher angenehmer, als einige Jahre seines Lebens in sowjetischem Gewahrsam verbringen zu dürfen ...


    Im Übrigen hegte mein Schwiegervater auch nie einen Groll gegen die Sowjets - er meinte immer, dass er soweit anständig behandelt worden war und dass es den Bewachern in Sachen Verpflegung genauso dreckig gegangen war wie den Gefangenen.


    Gruß, Stefan


    <edit> hatte ich überlesen, sorry: als Quelle für den Entlassungstermin August 1945 kann ich Dir momentan nur mit seiner mündlichen Aussage dienen, die mir noch im Kopf ist. Seine WASt-Auskunft liegt mir zwar vor, die muss ich aber erst raussuchen. Ob das Datum dort aber vermerkt ist, kann ich aus dem Gedächtnis nicht mehr sagen <edit>

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

    Edited once, last by stefan_reuter ().

  • Hallo Stefan - so unterschiedlich war es. Mein Vater wurde nach ca. 3 Wochen von den Amis nach Hause entlassen - Leipzig. Dann zogen dort die Russen ein und 1947 im März wurde mein Vater dort verhaftet und durfte bis 1954 die" Gastfreundschaft dort in mehreren Lagern der UdSSR "kennen lernen.
    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Halo allerseits,


    in der Tat wurden die Entlassungen der Kriegsheimkehrer unterschiedlich gehandelt. Ein Beispiel aus der Amerikanischen Zone, genauer Heilbronn. Von mehreren Betroffenen habe ich unabhängig gleichlautende Aussagen ( das ging wohl über Monate so ) . Für die Jahre 1945 / 1946 :


    Junge, gesunde Kriegsheimkehrer, teils aus Gefangenschaft entlassen ( britische, russische ) , teils zu Fuß heimmarschierende aus dem Ostfeld (rück-) zug , die in Heilbronn am hauptbahnhof übernachteten, wurden von den dort Dienst tuenden, älteren Eisenbahnern aufgefordert, noch in der Nacht vor dem ersten Zug weiterzulaufen.
    Die auf den erst am Morgen fahrenden ersten Zug gewartet hatten, wurden dann von amerikanischen Militärstreifen "kassiert" und "durften" dann noch zwei bis drei Jahre in Frankreich in Bergwerken oder als Waldarbeiter arbeiten....


    Das nur mal als allgemein gehaltenen, kleinen Einblick...


    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • N'Abend Dietrich,


    ich hab' gerade noch mal die WASt-Auskunft zu meinem ehem. Schwiegervater rausgesucht.


    Zu seiner Zeit in sowjetischem Gewahrsam liegen der DD/WASt keine Unterlagen vor, aber es existiert eine Meldung darüber, dass er im Camp Korbach in US-Gewahrsam ist - diese datiert vom 13.10.1945. Nachdem er also Mitte Oktober bereits in Camp Korbach ist, muss er ja zuvor erst mal aus sowjetischem Gewahrsam entlassen worden sein.


    Insofern passt dieser dokumentarisch gesicherte zeitliche Ablauf ganz gut mit dem zusammen, was er mir lange vor der WASt-Auskunft mal erzählt hatte.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Dietrich,


    ich würde gern wissen, woher Du diese Ortsbezeichnung hast, denn sowohl in der WAST-Auskunft als auch in Publikationen und in alten Karten heißt es Gronenfelde.


    Grüße, Rainer


    Edit: Zitieren war nicht erfolgreich

    Edited 2 times, last by Nachkomme ().

  • Hallo Rainer
    aber Du hast recht, der Gedenkstein ist mit Gronenfelde beschriftet. Aber ich kenne es nur unter Cronenfelde.


    Hallo Stefan, Hallo MunaLisa
    das mit der Weiterreichung von Kriegsgefangenen ist auch aus der Horn Kaserne bekannt. Aber dann nicht an die Westmächte, sondern es blieb wie gehabt in der SBZ.
    MfG
    Dietrich