Hochdekorierte Unteroffiziere der Wehrmacht

  • Es gab einige Unteroffiziere in der Wehrmacht, die ausgesprochen hoch dekoriert waren. Die Vorgesetzten solcher Soldaten (Kompaniechef, Btl. Kdr.) waren in Einzelfällen mit weit weniger Orden "bedacht" worden. Da entwickelte sich mitunter wohl ein Neidkomplex der Vorgesetzten und wer als Vorgesetzter das RK noch nicht hatte, bekam das damals übliche Leiden "Halsweh".


    Es gab zwar meines Wissens kurz nach Kriegsbeginn Tapferkeitsoffiziere, als Unteroffiziere ohne entsprechende Lehrgänge Leutnant wurden. Im späteren Verlauf des Krieges wurde vielfach von solchen Möglichkeiten abgesehen. Man könnte annehmen, dass die Vorgesetzten des betroffenen Soldaten nicht "willig waren".


    Ein typisches Beispiel:


    http://www.57id.de/index.php?title=G%C3%B6%C3%9Fmann,_Franz


    Dem Oberfeldwebel Gößmann blieb letzendlich auch die Beförderung zum Stabsfeldwebel versagt!


    Gruß
    Bert

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  • Moien,
    meines Wissens wurden nur Berufssoldaten in den Dienstgrad Stabsfeldwebel befördert und mußten mindestens 8 Jahre als Oberfeldwebel gedient haben.
    Ein Ritterkreuzträger, egal welchen Dienstgrad er innehatte, mußte von immer von anderen Dienstgraden, auch höheren, zuerst gegrüßt werden! Der Gruß galt nämlich dem Orden! Warum jetzt Gößmann nicht für die Laufbahn der Kr.O. heran gezogen wurde, kann ich allerdings nicht erklären.
    h.

  • Tag Avia,


    ich weiß aus den Erzählungen meines verstorbenen Vaters, dass solche hochdekorierten Unteroffiziere beim Offizierskorps nicht immer Begeisterung auslösten. Vielfach war es gefährlich, in einer solchen Kompanie zu sein, in der ein Unteroffzier beispielsweise Ritterkreuz, DKiG, Nahkampfspange i.G. hatte. Die Gier nach Orden war auch im Kriege ausgeprägt. Und weil sich der Kompaniechef das RK auch "erdienen" wollte, bekam er Halsweh und trieb seine Infanteristen in dubiose Unternehmungen an vorderster Linie.
    Was die Beförderungszeiten betraf: Es gab Ausnahmen, wie sie auch im Beamtenrecht üblich sind. Aber im Falle Gößmann wollte eben sein Kompaniechef untätig bleiben. Und weiter oben auf der Bataillons- und Regimentsebene reagierte man genauso - leider!


    Gruß
    Bert

  • Guten Tag,
    Florian Berger berichtet noch in dem Buch
    "Ritterkreuzträger mit Nahkampfspange in Gold" von:
    SS Oberscharführer Friedrich Buck, Sturmabzeichen des Heeres, Panzervernichtungsabzeichen, Verwundetenabzeichen in Gold. EK` s immer sowieso´
    Oberfeldwebel Lorenz Hartmann, Sturmabzeichen des Heeres, DK Gold, Verwundetenabzeichen in Gold.
    Oberfeldwebel Kurt Klein, Infanteriesturmabzeichen in Silber, Verwundetenabzeichen in Silber.
    SS Hauptscharführer Josef Lainer, Infantriesturmabzeichen Silber, Verwundetenabzeichen Gold.
    Fahnenjunker-Oberfeld Alfred Lorenz, ISA Silber, Ehrrenblatt, DK Gold, Verwundetenabzeichen Gold
    Oberfeldwebel Otto Sawatzki, Sturmabzeichen Heer, DK Gold, Verwundetenabzeichen Silber.
    SS HauptscharführerGustav Schreiber, ISA Bronze, DK Gold, Verwundetenabzeichen Schwarz
    Unteroffizier Walter Schwanbeck, RK posthum, Sturmabzeichen Heer, Verwundetenabzeichen Schwarz.
    Oberfeldwebel Friedrich Wimmer, ISA Silber, DK Gold, Verwundetenabzeichen Silber


    Gruß Paule

  • Hallo Bert,


    Es gab zwar meines Wissens kurz nach Kriegsbeginn Tapferkeitsoffiziere, als Unteroffiziere ohne entsprechende Lehrgänge Leutnant wurden. Im späteren Verlauf des Krieges wurde vielfach von solchen Möglichkeiten abgesehen.


    diesbezueglich waren im Heer waehrend des Krieges die "Bestimmungen ueber die Befoerderung und Ernennung der Unteroffiziere und Mannschaften waehrend des Krieges" vom 1.12.1940 massgebend,
    wonach Befoerderungen von Unteroffizieren zu Offiziersdienstgraden (wenn diese keine Offizieranwaerter waren) nicht moeglich waren.(Ausnahme von Schwerstbeschaedigten)




    Hallo AviaB.33,


    Ein Ritterkreuzträger, egal welchen Dienstgrad er innehatte, mußte von immer von anderen Dienstgraden, auch höheren, zuerst gegrüßt werden!


    koenntest du dazu einmal bitte die Quelle nennen?




    Gruss Chris

  • Hallo Chris,


    mit Datum vom 11.5.1943 war eine Beförderung vom Ober - oder Stabsfeldwebel zum Offizier möglich.


    HVBL. 1943 B. S. 1gg; BMB 1943, S. 41;LVBl. 1943 S. 556.
    ZUVOR galten die Bestimmungen des OKW vom 04.05.1941 HVBL. C. 545, BMB S. 68; BLB S. 402; HM S. 393.


    Es waren also Beförderungen von o. a. Dienstgraden zum Offizier auf Grund besonderer Leistungen möglich ( Tapferkeitsoffiziere z. B. - D. U.)


    Gruß Karl


    Nachtrag:
    Es war sogar eine Doppelbeförderung möglich; zum Leutnant (Kr.O) und gleichzeitig zu Oberleutnant ( Kr. O) bei gleichem RDA.

  • Tag Karl,


    danke für Deinen Hinweis.


    Tatsächlich bestanden also reale Beförderungsmöglichkeiten für den Oberfeldwebel Gößmann. Es gab wahrscheinlich nicht viele Unteroffiziere bei der Wehrmacht mit derart hohen Auszeichnungen. Und ich komme zu der Überzeugung, dass es wohl so war, dass man Gößmann seitens seiner Vorgesetzten "bewusst klein" hielt und ihm weitere Beförderungen ganz bewusst versagte. Das war die Realität, wie bornierte Offiziere mit ihren Untergebenen umgingen!


    Gruß
    Bert

  • Hallo Chris,
    ohne Bert jetzt vorgreifen zu wollen - das kann ich bestätigen, ich weiß es aus der Literatur, in der Verordnung selbst steht es wohl nicht, dort steht nur, daß das Ritterkreuz stets sichrbar zu tragen ist, was aber schon darauf hindeutet. Z.B. wird es in dem Buch "Abschuß" von Walter Schuck explizit erwähnt.
    Ansonsten siehe hier: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Orden/ekrk.html
    Gruß
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

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  • Guten Tag Eberhard,


    du verlinkst auf eine Seite des Lexikons,
    wo steht denn da etwas zur Grußpflicht gegenüber Ritterkreuzträgern?


    Bin ich blind? :whistling:


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Thomas,
    nur wegen der Verordnung die dort angegeben ist.
    Ich schrieb ja oben gerade dass von der Grußpflicht nichts drinsteht..."In der Verordnung steht es wohl nicht..."
    Und siehst, da hast auch gleich gesehen, daß die Beschriftungen dort verschoben sind...
     8)
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

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  • Hallo - Ich muss mal hier vielleicht auch etwas " gerade rücken " . Es gab auch in der Wehrmacht sehr oft den Fall das Unteroffiziere nicht zum Offizier befördert werden wollten. ( Vielleicht als Beispiel der Film " Steiner- das Eiserne Kreuz ). Begründungen dafür gibt es viele. Das begann schon damit das dieser Unteroffizier dann vielleicht zu einer anderen Einheit versetzt wurde was er nicht wollte - beim Haufen bleiben. Wenn man mit seinen Leuten durch " Dick und Dünn " gegangen ist auch verständlich.
    Orden und Ehrenzeichen - auch hier gab es eine Art " Zuteilung " welche völlig unabhänig vom Willen z.B. eines Bat.Kommandeur oder Kompaniechefs waren. Dieser konnte zwar einen Vorschlag machen aber ....... Anders verhält es sich mit dem Verwundetenabzeichen oder dem Inf.- Sturmabzeichen bzw. dem Panzerkampf-Abzeichen.Wenn da die "Anforderung " erfüllt war gab es das Abzeichen
    Gruß - Alte61- Achim

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Hallo,


    jemanden für eine besondere Leistung auszeichnen ist eine Sache, ihn deshalb zum Offizier zu machen eine andere. Neben der Frage der persönlichen Eignung (Begabung eher auf "praktischer" Ebene?) stellt sich auch die der Verwendung und wie ich das sehe, hatte die WH nicht unbedingt einen Mangel an Offizieren oder Offiziersbewerbern.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Tag Thilo,


    sicher gab es Falle, dass hochdekorierte Unteroffiziere nicht Offizier werden wollten. Im Falle des OFW Gößmann lag wohl diese Eignung irgendwie vor, "man machte" ihn ja zum Zugführer seiner Kompanie. Man beförderte ihn aber nicht zum Stabsfeldwebel und schlug ihn auch nicht für die Offizierslaufbahn vor. Da ist für mich einiges schlüssig, was das Verhalten seiner Vorgesetzten betrifft. Gößmann war einer der TAPFEREN mit der goldenen Nahkampfspange und davon gab es wohl nur 68 Träger dieser Auszeichnung. 1943/44 setzte in der Tat ein Mangel an Offizieren ein, was bei den großen Verlusten an der Front nicht verwunderlich war. Sehr viele Teilnehmer an den Kriegslehrgängen für Offizieren waren damals altgediente Unteroffiziere! Ich verweise nur auf die Situation an der Off.Schule Posen ab 1944!


    Aber es lief auch damals anders, wie das nachfolgende Beispiel beweist:


    http://www.57id.de/index.php?title=Abel,_Josef


    Dieser Oberfeldwebel und Ritterkreuzträger hatten eben Vorgesetzte, die ihn förderten. Josef Abel war dann bei Kriegsende
    immerhin Oberleutnant. Die Wehrmacht und die Bundeswehr: Beide Institutionen sind ein Abklatsch des öffentlichen Dienstes und da gibt es eben auch solche Vorgesetzte, die das Verhalten ihrer Untergegebenen nicht nach objektiven Gesichtspunken bewerten.


    Gruß
    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo zusammen,


    in der Wehrmacht bestand von Anfang an, also schon bei der Vergrößerung vor dem Krieg ein erheblicher Mangel an Offizieren und später auch Feldwebeldienstgraden.
    Das setzte sich durch den Kriegsverlauf mit enormen Verlusten fort.
    So mussten - lt. Veteran - an der russischen Front - Offiziere wegen der Scharfschützen und dem Personalmangel die Schulterstücke zeitweise abdecken. ( Ausgenommen am Kampfanzug).
    Oftmals führten Oberfeldwebel sogar Kompanieen.
    Das ist in der Literatur sehr oft nachzulesen, dass eine Mangel an Offizieren bestand. So wurde es zeitweise verboten, dass Offiziere bei Sturmangriffen in vorderster Linie standen, wie sie es zuvor aber gelernt hatten.


    Deswegen wurde ja die Sonderlaufbahn des in der Landsersprache so genannten "Tapferkeitsoffiziers" eingeführt. ( Sh. mein Beitrag vorstehend).


    https://books.google.de/books?…=onepage&q=offiziermangel in der wehrmacht&f=false


    https://books.google.de/books?…=onepage&q=offiziermangel in der wehrmacht&f=false


    archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0100/pdf/ddr.pdf


    (Auswahl und Ausbildung junger Offiziere 1930–1945 Zur sozialen Genese des deutschen Offizierkorps Inaugural–Dissertation
    zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaften der Philipps–Universität Marburg Vorgelegt von Dirk Richhardt M.A. Marburg)


    Gruß Karl

  • Tag Karl,


    herzlichen Dank für Deine Ergänzung.


    Vielleicht noch ein Fall eines recht jungen RK-Trägers:


    http://www.57id.de/index.php?title=Tanczos,_Hermann


    Und diesen Soldaten Tanczos beförderte man "in recht jungen Jahren" noch zum Feldwebel. Es ging also auch anders, wenn man unter Offizieren diente, die solches soldatisches Verhalten zu würdigen wussten.


    Man sollte bei den höheren Orden der Wehrmacht nicht nur mit dem Argument "Tapferkeit" argumentieren, sofern Unteroffiziere Träger solcher Auszeichnungen waren. Rambos im heutigen Sinne wären auch nicht die klassischen Träger des Ritterkreuzes und des DKiG gewesen. Ohne ein Gespür für Taktik und Strategie bekam man auch bei der Wehrmacht kaum solche Auszeichnungen wie RK u. DKiG. Mancher frisch von Kriegsschule kommende Leutnant war froh von solchen Unteroffzieren den letzten Schliff zu bekommen, was das Verhalten an der Front betraf!


    Gruß
    Bert

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  • Hallo Bert,


    trotz allem Dünkel der Offiziere war es ein gewaltiger Weg in der historischen Entwicklung vom ehemals adeligen Offizier zum "Volksheer", Sh.: Französische Revolution !
    Eine Entwicklung, die in Deutschland besonders durch die preußischen Reformen und den I. WK geprägt wurde.
    Hierüber gibt es diverse Literatur, auf die ich jetzt nicht näher eingehen will, da man in der Geschichte etwas weiter zurückgreifen kann/ muß.


    Als besondere Geste hatten manche Offiziere das Monokel beibehalten, ein völlig antiquiertes Accessoir an Stelle der Brille.
    Die Verwendung des Monokels ließ gewisse Gesten zu, die Untergebene einschüchtern sollten. Allein das verzerrte Augenlid rief einen "strengen" Blick hervor oder sollte diesen hervorrufen.
    Da geht es doch weiter: Ausschenken eines Kognaks, reichen einer Zigarre usw. Das waren doch Gesten, die Tradition hatten.
    Ich will - wie geschrieben - den Rahmen nicht sprengen.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl, Bert,
    sieht man sich mal die Liste der Pour le merite Träger an und vergleicht sie mit denen der Ritterkreuzträger, zeigt sichein gewaltiger Unterschied. Im Ersten Weltkrieg waren es noch überwiegend hohe Offiziere, die ausgezeichnet wurden - schon "Subalternoffiziere" waren, außer ein paar U-boot-Kommandanten und Fliegern kaum darunter. Ein Neunzehnjähriger als Ordensträger - nicht denkbar. Schon ein fünfundzwanzigjähriger Offizier wie etwa der spätere Schriftsteller Ernst Jünger, der den Orden im Herbst 1918 verliehen bekam als einer der Letzten überhaupt, war die große Ausnahme.
    Das war dann im Zweiten Weltkrieg ganz anders. Zwar immer noch wenige Mannschaftsdienstgrade, aber der Schwerpunkt lag bei den Hauptleuten und damit deutlich drunter im Vergleich zu früher. Bei den Geburtsjahrgängen waren wohl 1913-1917 am stärksten vertreten.
    Das setzte sich durchaus auch bei den Eichenlaubträgern noch fort (z.B. Johann Schwerdfeger als Feldwebel, Otto Carius als Leutnant mit 22 Jahren).
    Herzliche Grüße
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

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  • Tag Karl + Eberhard,


    Diese Entwicklung mit dem Monokel und dem adeligen Offizier, ganz abgeschlossen war sie nach 1935 auch nicht. Auch wenn Hitler sich beim Umgang mit adeligen Generälen und Admiralen nicht wohl fühlte, er brauchte sie zu seinen Kriegen. Dennoch, in der Wehrmacht war schon manches anders. Und das Typische war wohl, dass es im "Volksheer des Dritten Reiches" keine speziellen Orden mehr gab, die nur Offizieren verliehen wurden. Mit einer buchstäblichen "Lust sonders gleichen" war Hitler bis zum Schluss derjenige, der Mannschaftsdienstgraden das Ritterkreuz persönlich verlieh. Solche Dinge wurden in der damaligen Presse groß dargestellt, immer mit Bild. Und neben dem Gefreiten oder Obergefreiten, der das Ritterkreuz verliehen bekam, stand dann sein Kompaniechef, meist ohne nennenswerte Auszeichnungen. Hitler soll ja auch einmal gesagt haben, in der Wehrmacht hat jeder die Chance, Offizier zu werden. Und wenn auch manches in dieser Wehrmacht des Dritten Reiches zu beanstanden wäre, eines steht fest: Frontoffiziere, die zuvor Unteroffiziere waren, das waren erfahrene Offiziere ohne Dünkel und mit einem besonderen Beliebtheitsgrad bei ihren Soldaten.


    Gruß
    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo Bert,
    ich glaube das trifft den Nagel auf den Kopf.
    Gruß
    Eberhard

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.