Flieger-Technische Vorschulen der Luftwaffe (Fl.T.V.Lw.)

  • Hallo zusammen,


    die Flieger-Technischen Vorschulen der Luftwaffe wurden hier schon des öfteren
    am Rande erwähnt. Aufgrund einer Verbindung zu einem Zeitzeugen (Militärschüler
    1944 der Flieger-Technischen Vorschule BERLIN-MARIENDORF) habe ich zufällig
    Zugang zu weiterführenden Unterlagen, die etwas Licht in diese Thematik bringen.


    Wie viele Aktivitäten des NS-Regimes im Jugendbereich diente auch die Schaffung
    dieser Schulen letztendlich dazu, die Faszination von Fliegen und Technik zu nutzen,
    um dem Regime linientreue Gefolgsleute zu schaffen und das Potential der Jugendlichen
    bestmöglich für die Kriegsführung zu nutzen.


    Aus der beiliegenden Aufstellung ergibt sich die Verteilung der Schulen, sowie ihre
    geschichtliche Entwicklung:
    - 1938 gegründet als Flieger-Technische Vorschulen im Bereich des Reichsluftfahrtministeriums,
    - 1942 umbenannt in Techische Vorschulen der Luftwaffe,
    - Oktober 1944 Umbenennung in Ausbildungsheime der Flieger-HJ unter gleichzeitiger Unterstellung
    unter die Reichsjugendführung.
    Damit hatte der dauernde "Grabenkampf" um die Zuständigkeit des Reichsjugendführers auch hier
    ein Ende gefunden. (Vorher war ja schon die Zuständigkeit für Luftwaffen- und Marinehelfer in seinem
    Sinne fesgelegt worden.)


    Das zweite Schriftstück ist ein (Bewerbungs-)Merkblatt für Militärschüler; daraus ergibt sich eine
    Menge Informationen über die Zielsetzung der Fl.Techn.Vorschulen.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


  • Wie viele Aktivitäten des NS-Regimes im Jugendbereich diente auch die Schaffung
    dieser Schulen letztendlich dazu, die Faszination von Fliegen und Technik zu nutzen,
    um dem Regime linientreue Gefolgsleute zu schaffen und das Potential der Jugendlichen
    bestmöglich für die Kriegsführung zu nutzen


    Hallo Rudolf,


    neben der technischen Ausbildung war einer der Hauptgründe, die Schüler möglichst langfristig an die Luftwaffe zu binden. Die Schüler mußten bereits bei Eintritt in die Schulen für die Zeit nach dem Abschluß der Ausbildung eine anschließende, mehrjährige Verpflichtungserklärung zur Luftwaffe unterschreiben - bei Minderjährigen war die Zustimmung der Eltern erforderlich. Es gibt ein sehr ausführliches Buch von Herbert Wenz dazu, es wurde im Forum auch schon genannt:
    Flieger-Technische Vorschule der Luftwaffe in Bremen-Oslebshausen, 1937-1945: Technische Ausbildung bei der "Weser" Flugzeugbau GmbH, Bremen, ISBN: 978-3927697164
    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • . . . Die Schüler mußten bereits bei Eintritt in die Schulen für die Zeit nach dem Abschluß der Ausbildung eine anschließende, mehrjährige Verpflichtungserklärung zur Luftwaffe unterschreiben . . .


    Hallo Johann Heinrich,


    genau deshalb habe ich das "Merkblatt" eingestellt:


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf,


    zu dem Thema kann ich auch etwas beitragen.


    Aus:
    „Flugsport-Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte Flugwesen“ Nr.7 vom 2. 4. 1941




    Grüße
    Thilo

    Files

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    vielen Dank für den Artikel !
    Bei der Gelegenheit fiel mir noch ein Exkurs in die Gegenwart ein:
    Auch die Bundeswehr hat dieses Prinzip seit den 60er-Jahren aufgegriffen. die Berufspalette
    beschränkt sich aber nicht auf Luftfahrtgerät, sondern schließt auch Berufe wie
    Kfz-Mechatroniker und Systemelektroniker beim Heer ein. Diese Ausbildungswerkstätten
    findet man z.B. beim JaBo-Geschwader in NÖRVENICH, System-Instandsetzungs-Zentrum
    in JÜLICH oder an der Fachschule des Heeres für Technik in AACHEN.
    https://ziv.bundeswehr-karrier…KkmJTdN_y9XRHZ68TB8X_tBx/

    Die gravierenden Unterschiede zu den Flieger-Technischen Vorschulen sind jedoch:
    - Es wird keine Verpflichtung zum freiwilligen Dienst in der Bundeswehr verlangt.
    - Die Auszubildenden sind nicht "kaserniert" untergebracht.
    - Es erfolgt keine ideologisch-weltanschauliche Schulung.
    - Es erfolgt keine vormilitärische Ausbildung; die Ausbildung hält sich - bis auf Sport -
    strikt an die inhaltlichen Vorgaben der Kammern.
    - Die Auszubildenden erhalten das tarifliche Ausbildungsgeld.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    im Anhang noch mal ein Auszug aus dem pädagogischen Handbuch von Wilhelm Hehlmann, III. Überarbeitete und erweiterte Auflage von 1942, zur Definition der Fliegertechnischen Vorschule.


    Gruß, J.H.

  • Hallo,


    nach längerer Zeit hier noch mal zwei PK-Berichte zur Nachwuchswerbung für die Luftwaffe durch die Flieger-HJ und die Fliegertechnischen Vorschulen.

    Quelle: Salzburger Volksblatt, Folge 99 vom 17.April 1941, Seite 2 u. Folge 100 vom 18.April 1941, Seite 5


    Gruß, J.H.