SS / Religion ?

  • Guten Abend Forum !


    Nur eine kurze Frage, durften die hochrangigen Chargen der Allgemeinen SS einer Religionsgemeinschaft angehören, oder mußten Sie evtl. aus der katholischen oder evangelischen Kirche austreten?


    Wer hat darüber Informationen?


    Gruß


    Michel

  • also die Wallonische SS-Legion hatte sogar (nach Intervention des Kommandeurs) eigene katholische Feldgeistliche

  • Ja, aber die Wallonische Legion gehörte doch zur Waffen-SS.


    Meine Frage ging um die hochrangigen Offiziere der Allgemeinen SS.


    Dennoch vielen Dank für deine Antwort.


    Gruß


    Michel

  • Ich denke mal was für die "Waffen-SS" Leitgedanke war, galt auch für die "SS". Ich zitiere mal .... "Heinrich Himmler stilisiert seine SS zur aristokratischen Ordensgemeinschaft hoch.Auf der Wewelsburg bei Paderborn spielt er selbst den Zeremonienmeister dieses antichristlichen und antisemitischen Ordens...."


    Aus dem Buch "Die Waffen-SS" von Rohwohlt


    Die "SS" war ein Ordensbund und als Religion galt die "Germanische Mythologie" mit ihren Brauchtümern.



    Zitat Wikipedia zu den SS-Junkerschulen


    "Selbstverständlich waren SS-Führerschulen auch ein Ort der politischen Indoktrination. Lehrgangsteilnehmer wurden z.B. auch massiv zu Kirchenaustritten gedrängt, da christliche Religion und Mitgliedschaft in einer ideologisch an Neuheidentum orientierten Gemeinschaft nach Meinung der SS-Führung nicht zusammen passen würden. Bis 1937 hatten rund 90% der Teilnehmer die Kirchen verlassen und waren »gottgläubig« geworden. Dieses hatten sie mit den Angehörigen der SS-Verfügungstruppe gemeinsam, wo Anfang 1938 rund 80% keiner Religionsgemeinschaft angehörten. Aber bis 1943 war das Gros von ihnen den Kirchen wieder beigetreten, was auch Felix Steiner immer wieder gefordert hatte."



    Ich denke mal zum Ende des Krieges hin war es egal welcher "Glaubensgemeinschaft" jemand angehörte...






    Gruß Solling

    Suche alles zum 82.I.R.
    und zur 31. I.D.

    Edited 3 times, last by solling ().

  • Hallo Michel,



    Nach Verordnung durch Himmler hatten alle SS-Männer als Religionszugehörigkeit "gottgläubig" anzugeben und damit u.a. dem Christentum abzuschwören. Dieser Verordnung hatten auch die höchsten SS-Führer Folge zu leisten. Den meisten bereitete diese Maßnahme aber ohnehin keinerlei Missmut. Als Quelle für diese Einschätzung beziehe ich mich auf: "Die SS-Elite unter dem Totenkopf", Hrsg. Smelser/Syring. In diesem Buch finden sich 30 biografische Skizzen hoher und höchster SS-Führer. Dort sind mir in dieser Hinsicht keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen, was jedoch Einzelfälle nicht kategorisch ausschließt.




    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

  • Eine entsprechende Verordnung über Kirchenaustritte wäre mir neu, aber einen "sanften Druck" hat es auf jeden Fall gegeben.


    Ohne es näher begründen zu können, gehe ich davon aus, dass ein überzeugter Christ nie der SS beigetreten wäre und umgekehrt.


    "Die SS - Elite unter dem Totenkopf" habe ich auch gelesen; meiner Erinnerung nach sind alle dort erwähnten SS-Führer bereits vor ihrem Eintritt in die SS aus der Kirche ausgetreten bzw. nie wirklich in der Kirche gewesen.



    Wikipedia über "gottgläubig".

  • Quote

    Original von Gregor Koppen
    Eine entsprechende Verordnung über Kirchenaustritte wäre mir neu, aber einen "sanften Druck" hat es auf jeden Fall gegeben.


    Ohne es näher begründen zu können, gehe ich davon aus, dass ein überzeugter Christ nie der SS beigetreten wäre und umgekehrt.


    Es wird def. druck gegeben haben. Aber es ist ein Unterschied WANN man in die SS eingetreten ist! I
    n der SS wurde natürlich großen Wert darauf gelegt, so genannte "Germanische" Riten zu durchleben. Da sich aber die SS für die Eliten Ds (die verbliebenen...) öffnen wollte, hat man auch Menschen aufgenommen, die der Kirche sicherlich nicht abgeneigt waren.


    Ich kenne auch einige SS Angehörige die Christen waren. Dies ist kein Widerspruch! Die SS-Ideologie und private Karierre in der SS konnten zwar Richtungen vorschlagen, aber nicht alle Menschen restlos überzeugen!



    In der NSDAP selbst, ist auch hier wiedereinmal, ein polykratisches Verhältnis zur religion und Kirche zu sehen. Viele Nationalsozialisten waren sehr grläubige Menschen und gingen auch nicht von ihren Glauben ab.


    Zitat:
    In der älteren Forschung herrschte die Theorie vom einheitlichen und zielstrebigen Willen des Regimes zur Vernichtung von Christentum und Kirche vor. Im Licht der Vernichtungstheorie müßten die religionspolitischen Widersprüche als manipuliertes Spiel mit verteilten Rollen erscheinen. Davon kann keine Rede sein. Ämterdarwinismus und die Dualität von Staatsbehörden und Parteistellen prägten eine Entwicklung, die in unterschiedlich freundliche, neutrale und feindliche Haltungen der Machtinstanzen dem Christentum gegenüber eingebettet war.


    Allg. Literatur


    Hürten, Heinz: Deutsche Katholiken 1918-1945. Paderborn/München/Wien/Zürich 1992.
    Kretschmar, Georg / Klaus Scholder (Hg.): Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe A: Quellen; Reihe B: Darstellungen. Göttingen 1975 ff.
    Mehlhausen, Joachim: Nationalsozialismus und Kirchen, in: Theologische Realenzyklopädie 24 (1994), S. 43-78.
    Meier, Kurt: Kreuz und Hakenkreuz. Die evangelische Kirche im Dritten Reich. München 1992.
    Repgen, Konrad u. a. (Hg.): Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte. Reihe A: Quellen; Reihe B: Forschungen. Mainz 1965 ff.
    Schmidt, Kurt Dietrich u. a. (Hg.): Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes, Band 1-30. Gütersloh 1958-1984.
    Scholder, Klaus: Die Kirchen und das Dritte Reich. Band 1. Vorgeschichte und Zeit der Illusionen. Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1977; Band 2: Das Jahr der Ernüchterung 1934. Berlin 1985.



    Spezielle Lit.:
    Höhne, der Orden unter dem Totenkopf
    Buchheim: Anatomie des SS Staates

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

  • Hallo Gregor,


    Ich kann nichts genaueres darüber sagen, im erwähnten Buch steht es jedenfalls so geschrieben.




    MfG

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    Talmud Jeruschalmi