Bruchlandung eine BF 109 am 20.05.1944 in Rheine; Grund der Sekundär Detonation

  • Guten Tag,


    ich habe eine Frage an die Spezialisten: Am 20. Mai 1944 machte eine Bf 109 in der Nähe von Rheine eine Notlandung/Bauchlandung. Nach Zeitzeugenberichten kam aus dem Motorbereich stärkere Rauchentwicklung. Der Flugzeugführer, der aus der Maschine stieg, warnte die zahlreichen herbeiströmenden Menschen, vorwiegend Schulkinde, sich dem Bruch zu nähern, und lief zum nächsten Bauennhof, um zu telefonieren.r


    Trotz der Warnung standen jetzt an die 100 Menschen um das Flugzeug. Und dann gab es eine gewaltige Detonation, 16 Menschen, vorwiegend Kinder, waren sofort tot, 8 starben am nächsten Tag, rund 60 waren verletzt.
    Nach Zeitzeugenberichten wurde die linke Tragfläche vom Rumpf gerissen.
    Nachsuchen in den 90er Jahren fanden Alureste bis zu 200 m von der Bruchstelle entfernt.


    Frage nun: Was kann eine solche Detonation ausgelöst haben? Das Flugzeug war kein Jabo. Wie alle Flugzeuge im Heimatkriegsgebiet hatte die Maschine auch keine Selbstzerstörungsanlage.
    Kann Bordmunition für das MG 151/20 oder die MK 108 bei Erhitzung des Magazins durch Brand nicht zu einer Verpuffung der Patronen, sondern als Kettenreaktion auch zu einer Detonation der Sprengmunition geführt haben? Das Magazin für das zentrale MG 151/20 saß ja in der linken Tragflächenwurzel.


    Danke für Eure Ansicht!
    Beste Grüße
    Gebhard Aders

  • Hallo,
    wenn Munition explodiert, hier wohl Spreng- und Sprengbrandmunition in einem Feuer explodiert, dann kann es schon sehr schlim werden. Wieviele Kinder sind nach WK II gestorben, weil sie normale Gewehrmunition in ein Feuer geworfen haben.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer,
    das mit der Gewehrmunition habe ich als 6-jähriger auch gemacht. Das war recht harmlos - es macht "Pfft2- und die Hülse trennte sich von dem Geschoss, und in der Regel war es die Hülse, die aus dem Feuer herausflog, man musste nur etwas in Deckung gehen.
    Die Frage war, ob und wie die Bordmunition hochgehen kann.
    Beste Grüße
    Gebhard Aders

  • Hallo,


    da das Baumuster der Me 109 nicht bekannt ist, kommt praktische jede Bewaffnung in Frage, was für die Explosin/Verpuffung von erheblicher Bedeutung ist..
    Die versch. Ausführungen und Rüstsätze für die Me 109:
    > zusätzliche Bewaffnung unter den Flügeln rechts und links in den Gondeln mit je 1 MG 151/20
    > einen Rüstsatz mit den RZ 65 ( Rauchzylindern) zu je 4 Stück unter den Tragflächen
    > Abwurflast ( Bombe) 1 x ETC 500/IX b oder
    > 4 x ETC 50/VIII oder
    > 300 l Kraftstoff Zusatzbehälter


    Dies ist insofern von Bedeutung, also für die Explosion/ Verpuffung sowohl Munition, Treibstoff einschl. Zusatztank, als auch die RZ 65 bzw. die Bomben allein oder in Kombination in Betracht kommen können, wobei nicht alle Rüstsätze gleichzeitig angebracht werden konnten.
    Anlässlich von diversen Bergungen war ich aktiv an der "Einsammlung von Munition für die Entschärfer" ( Kampfmittelbeseitigung etc.) tätig. Ich konnte nur vereinzelte durch Brand zerstörte Munition, wohl aber beschädigte Patronen feststellen.Allerdings handelte es sich um Bergungen aus dem Erdreich. Zeugen sagten verschiedentlich aus, dass es oft tagelang in der Erde gewabbert habe, was ich auf den Treibstoff und wie ab und zu festgestellt, den dabei geschmolzenen Motor ( Aluminium) zurückführe. Außerdem waren aus Sparssamkeitsgründen viele Teile aus Sperrholz, also verleimt, gefertigt (Z. B. Leitwerk) und daher brennbar.
    Der Treibstofftankim Flieger selbst war aus diversem Kunststoff und Beschusssicher durch Dichtmittel in den Zwischenwänden, war aber meist ausgelaufen oder verbrannt, sofern der Tank nicht nahezu leer war ( Notlandung).


    Die Situation mag bei Oberflächenbränden ein andere sein, jedoch hinsichtlich der Hitzeentwicklung, die zur Detonation der Munition etc. führen könnte she ich außer in der Sauerstoffzufuhr zum Brandherd keinen großen Unterschied.
    Meine meinung: Explosion des im Rumpf befindlichen Tanks und dadurch Zerlegung des Rumpfes mit Splitterwirkung.
    Munition wurde bei Explosionen oft nur weggeschleudert. Ggf. möchte ich die Explosion einer Bombe nicht ausschließen, die allerdings bei einer Bauchlandung auch zuvor evtl. abgerissen worden wäre, was bei einem Zusatztank für eine oberflächige Treibstoffpfütze gesorgt hätte.
    Übrigens, der Tank befand sich unmittelbar hinter der Rückenpanzerplatte und dem gepanzerten Sitz, wodurch nach vorne, also zumindest an einer Seite eine massive "Verdämmung" gegeben war.
    Aber......alles meine Vermutungen!


    Nachtrag: Natürlich hätte der Pilot bei bestehender Möglichkeit die Zusatzlasten in einem Notabwurf (Bomben/Tank) "entsorgt".
    Bezüglich der Munition scheinen mir die "Minengeschosse", insbes. die 30 x 91mm, besonders gefährlich, nämlich. die 108 EL mit Zerleger.


    Gruß Karl

  • Hallo zusammen,


    ich glaube nicht das bei eine schlagartigen Explosion die Munition der Auslöser war, wenn dann ist die Explosion der Munition der zweite Akt.
    Schlagartig explodieren in der Regel fast leere (wg.des Gases) Tanks. und Druckflaschen Sauerstoff oder Lachgas (GM1 / Distickstoffmonoxid)
    und das wiederum führt dann zu der Sekundärentzündung der Munition die dann in die Splitterwelle mündet .

    Gruss Dieter

  • Hallo zusammen,


    Druckflaschen Sauerstoff


    an Bord wurden zwei Sauerstofflaschen mitgeführt.
    Wurden die Waffen nicht elektrisch geladen, so waren hierfür zusätzlich Druckluftflaschen erforderlich.


    Hinweis:
    ich habe ich in meinem obigen Beitrag irrtümlich Explosion statt Detonation gechrieben,


    Gruß Karl

  • Hallo,


    Quote

    Und dann gab es eine gewaltige Detonation, 16 Menschen, vorwiegend Kinder, waren sofort tot, 8 starben am nächsten Tag, rund 60 waren verletzt.Nach Zeitzeugenberichten wurde die linke Tragfläche vom Rumpf gerissen.


    gewaltige Explosion und dann ist nur eine Tragfläche ab? Würde nach einer "gewaltigen Explosion" erwarten, daß dann von einem Flugzeug, an dem eh nicht viel dran ist nicht mehr viel übrig wäre.


    Die Munition der Bordwaffen und andere Kleinmunition wurde (wird?) vom Kampfmittelräumdienst durch Abbrennen in einem Stahlkessel beseitigt (Muni rein, Hitze zuführen) , und dabei zünden auch nicht alle Patronen gleichzeitig und führen zu einer großen Explosion, sondern es kommt zu zig kleinen Explosionen, das Geräusch erinnert an einen kiesabkippenden LKW.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    Deinen letzten Beitrag kann ich voll bestätigen.


    Vielleicht hat er unter der Tragfläche noch einen geladenen und scharfen Rüstsatz, z.B. RZ 65 oder 2 x ETC 50/VIII, also 2 x 50 kg ( Bei voller Beladung 4 x 50 kg) Bomben mitgeführt?


    Gruß Karl

  • Die Maschine war definitiv kein Jagdbomber (was sollte der auch im Mai 44 in Nordwestdeutschland), und ein Raketenrüstsatz wäre bei einer Bauchlandung abgerissen worden.


    Grüße
    Gebhard Aders

  • Hallo Herr Aders


    Meinen Erinnerungen von Gesprächen mit einem hier ansässigen Historiker zufolge sollen einige Leute auf der Maschine herumgeklettert sein. Ich gehe eher davon aus, dass der Tank explodiert ist. Bordmunition entzündet sich erst bei einem Brand. Man müsste die Todesursache der Opfer recherchieren, ob Splitter- oder Brandverlertzung.


    MfG Rene

  • Hallo Gerhard Aders,


    Das Flugzeug war kein Jabo


    Hatte ich überlesen!


    Hallo
    zu diesem Unglück muss/ sollte es eine Mehrfertigung des Berichts in den Archiven der zust. Gemeinde/Stadt für die zust. Fliegerhorstkommandantur geben. Auch ist es möglich in den Zeitungsarchiven nachzuschauen, ebenso in den Sterberegistern; ggf. der Kirchen und - immer Voraussetzung - falls vorhanden einen enstprechenden Eintrag im Flugbuch.
    Anlage: Beispiel eines Berichtes:


    Gruß Karl

  • Im Gemeindearchiv gibt es dazu nichts, im Sterberegister der Gemeinde wie der Kirche heißt es bei Todesursache: Durch Flugzeugexplosion. Unterlagen der Fliegerhorstkommandantur sind nicht erhalten, wohl im Gemeinde ein Rundschreiben der LGKdo VI , in dem dieses Unglück erwähnt wird und das wiederum die Bevölkerung darüber aufzuklären sei, wie gefährliches ist, sich einem Bruchgelandeten Flugzeug zu nähern.


    Es gibt Hinweise darauf, dass es sich bei der Maschine um eine Bf 109 G-6/R 1/U 4 (also die mit MK 108 als Zentralwaffe und MG 151 als Gondelwafffen) gehandelt haben kann.


    Beste Grüße
    G. Aders

  • Ja, Thilo,
    die Seite kenne ich - und ich frage mich, wie kann sich jemand, der sich 30 Jahre mit dem Fall beschäftigt haben will, so einen Unsinn produzieren?
    Im Mai 44 waren weder Rheine-Hopsten noch Rheine-Bentlage durch einen Verband belegt, schon gar nicht durch das JG 11.
    Am 20. Mai gab es keinen Einflug ins Reichsgebiet, sondern nur gegen Bahnhöfe und Flugplätze in Nordfrankreich, gegen die das JG 26 eingesetzt wurde. Einige Jäger der 3. und 7. JDiv wurden in den Raum Köln geführt. einige Fw 190 der II. und III./JG 1 starteten von Lippsprige und Paderborn und kehrten bald zurück.


    Der auf der Seite zitierte "offizielle Bericht" gibt es nicht, wohl ein Rundschreiben des LuftgauKdo VI mit Warnhinweisen für das Verahlten von Zivilisten bei Notlandungen von Flugzeugen.
    Und was da in dieser Internetseite steht von "Benzinkabelbruch" und "schleichendem Kabelbrand" vom brennenden "Schmierstoffbehälter hinter der Luftschraube" zur Munition ist doch alles Unsinn..
    Aber wahrscheinlich geht das Geschreibsel nicht auf den Stabsfeldwebel zurück, sondern der Autor ist ein Knäblein gewesen, dass seine Wehrübung beim Westfalengeschader gemacht hat.


    Beste Grüße
    Gebhard Aders

  • Hallo,


    hier noch ein paar Fotos zur Verdeutlichung, allerdings im Boden - kein Oberflächenbrand - einer Me 109 nach Abschuss und
    dem anschließenden mehrere Meter tiefen Einschlag in das Erdreich.Tragflächen und Leitwerk wurden auf der Erdoberfläche abgerissen, Propeller mehrere Meter weit weggeschleudert. ( Behördlich genehmigte und beaufsichtigte Grabung mit fachgrechter Entsorgung). *


    Gruß Karl


    * Kein Zusammenhang mit meinem vorherigen Beitrag und dem Anlageschreiben.

  • Hallo,
    ich habe jetzt einen Bericht des LGKdo VI gefunden, in dem die Katastrophe nur auf Explosion des Treibstoffs zurückgeführt wird


    Beste Grüße
    G. Aders

  • Hallo zusammen,


    Erlaube mir hiermit einen Auszug aus meinen ersten Beitrag in diesem Thread als Zitat einzustellen.


    Meine Meinung: Explosion des im Rumpf befindlichen Tanks und dadurch Zerlegung des Rumpfes mit Splitterwirkung.


    Gruß Karl

  • Guten Tag,
    aus welchem Material bestanden die faltbaren Behälter für die Bf 109?
    Danke für Eure Aufklärung


    G. Aders

  • Hallo Hr.Aders,


    die Vorschrift ( D.(Luft) T.2109 F1 bis F4 ) sagt nichts über das Material an sich, hier müsste man die Stoffliste zu dem Tank haben
    in der alle für die Produktion nötigen Stoffe aufgelistete sind. Gestoßen bin ich auf einen Bericht von Dr.-Ing. E.W. Pleines in
    "Die Sicherheit im Luftverkehr Nr. 201" 1956 . In dem von "Flexilit"(Markenname) und Nylon-Gummi-Gespinnst gesprochen wird.
    Nylon stand zu den Zeit bekanntermaßen nicht zur Verfügung aber die deutsche Alternative Perlon. Nach meiner Meinung
    geht es in die Richtung.