Ich lese gerade...

  • Guten Abend zusammen,
    ich lese gerade "Trümmerkind" von Mechtild Borrmann. Durch Steineklopfen , Altmetallsuchen und Schwarzhandel sichert sich der 14 jährige Hanno zusammen mit Mutter und Schwester das Überleben im Hamburg der Jahre 1945/46. Zur gleichen Zeit auf Gut Anquist in der Uckermark: die Menschen erleben den Überfall durch russische Soldaten mit all den bekannten Schrecken. Die Tochter des Gutsherren flieht mit Vater und zwei Kindern nach Lübeck.
    Und Hanno entdeckt eines Tages in einem zerbombten Haus eine nackte Tote, etwas abseits ein kleines Kind. Das Kind wächst bei Hanno und seiner Familie auf. Viel später erfährt dieser Junge Einzelheiten seiner Familiengeschichte. Er soll nämlich als Architekt Gut Anquist restaurieren. Dabei kommt er einem Verbrechen auf die Spur. Sehr spannend. Gegen Ende fast ein Krimi.
    Guten Rutsch an alle,
    fritzjakob

  • Hallo zusammen,


    ich habe gerade "Vermisst in Stalingrad" von Dieter Peeters gelesen.
    Sehr intensive Darstellungen der Entbehrungen im Krieg und vor allem in russischer Gefangenschaft. Wer Berichte von Kampfhandlungen sucht, für den ist das Buch
    eher weniger zu empfehlen... wer interessiert ist, wie sich die Soldaten in der Gefangeschaft fühlten und welche Strapazen die Männer überleben mussten, für den ist das Buch eine Empfehlung. Für 12,80 macht man da nichts verkehrt.


    Ps: Hr. Peeters lebt noch und auch mit 96 Jahren signiert er noch gerne ein Buch.


    Gruß


    Stefan

    Suche sämtliches Bildmaterial der 8.Infanterie- / Jägerdivision.

  • Morgen!


    Ich lese gerade Hardy Krüger´s Was das Leben sich erlaubt. Schönes Buch über seine Kindheit unter dem NS-Regime.


    Gruß Oliver

    Tradition zu wahren, zu pflegen ist nicht die Anbetung der Asche. Es ist die Weitergabe des Feuers.
    *Erst wenn der letzte Soldat bestattet ist, dann ist der Krieg zu Ende* http://www.verdun14-18.de

  • Hallo,


    ich lese gerade "Das verstummte HURRA", von Kurt Kaeres.


    Geschichte zweier Einheiten, einer deutschen und einer amerikanischen, die durch die Hölle gingen - gleichzeitig ist es die Geschichte eines Waldes, in dem das kampfermutigende "HURRA" verstummte.



    Gruß Rigo

  • Guten Tag , meine Herren,


    gerade die letzten "ich lese gerade", toll, nur wollen wir das s o überhaupt nicht händeln.
    Super, ihr lest gerade diese Bücher, macht eine Mitteilung und das wars?


    Was ist mit diesem Lesestoff, eure Eindrücke, eure Einschätzung zum Werk,
    so wie das jetzt lief verkümmert dieser Thread zum Einzeilerthread, somit Ende im Gelände.


    Karl,
    warum ist das ein hervorragendes Werk, was kann es gut oder besser als andere vermitteln?


    Oliver,
    schönes Buch, das wars?
    Was steht drin, was findest du daran schön, was kann man aus dem Buch "mitnehmen"? Empfehlung? Falls ja, warum?


    Rigo,
    auch hier, was soll ich mit deinem Post anfangen?
    Was erwartet mich, wenn ich mir das Buch zulege, ist es sein Geld wert, falls ja, warum?
    Deine Meinung zum Buch, warum kaufen...oder eher nicht?


    Das ist sicher kein Thread, in dem es darum geht wer gerade was liest, völlig Latte,
    wer aber hier meint auf Literatur aufmerksam machen zu können, dann bitte das volle Programm.
    Rezension "light", so ungefähr.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Rigo,


    kannst du zu dem Buch noch ein Fazit schreiben wenn du es durch hast? Habe den Titel nämlich auch
    auf meiner Liste.


    Gruß


    Stefan


    Edit: Das hat sich zeitlich mit dem Beitrag von Thomas überschnitten

    Suche sämtliches Bildmaterial der 8.Infanterie- / Jägerdivision.

    Edited once, last by GastON ().

  • Hallo Stefan,


    wunderbar, genau das ist das Problem in diesem Thread.
    Es sollen Bücher vorgestellt, bewertet, eingeschätzt werden.


    Diese bescheuerten Threads "ich lese gerade", wo wirklich nur mitgeteilt wird, was gerade gelesen wird, die gibt es in anderen Foren.
    Nährwert gleich null, uninteressant.


    Hätte Rigo eine Art Rezension abgeliefert, dann wären wir alle gleich ein Stück weiter, oder nicht?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo,


    Froben: " Beobachtende Artillerie" ...hervorragendes Werk. Sh. Anlage:


    Zunächst nochmals der Hinweis zum Klappentext, den ich eingestellt habe.
    Es ist dashalb ein hervorragendes Buch, weil alle Einheiten der "Beobachtenden Artillerie" mit Entstehungsgeschichte, Einsatzorten, meist auch dem Führungspersonal bebildert dargestellt werden.
    Wie man auf dem Klappentext ersehen kann, ist der Autor, Froben, die Person, die wohl geradezu prädestiniert ist die Geschichte der beobachtenden Artillerie darzustellen. Ich kann es nur weiter empfehlen.
    84 Seiten auf Kunstdruck-Papier; 545 Foto-Abbildungen,79 Karten-Skizzen,4 Luftbilder, 96 Truppenzeichen,
    34 Zeichnungen, Faksimiles, Vignetten, 26 Gliederungs-u. Stammtafeln sowie
    andere graphische Darstellungen + 2 doppelseitig bedruckte, mehrfarbige
    großformatige Faltkarten im Anhang (Lagekarte und Netzbild)
    Das Buch gibt es nur noch im Antiquariat.


    Gruß Karl

  • Hallo,
    ich lese gerade "Nieuwpoort 1914 - 1918". Dazu musste ich auch das Buch "La Campagne de l'armée belge, 31 juillet -1er janvier 1915" konsultieren. Das zweite Buch habe ich so vor 15 Jahren gelesen, aber die Überschwemmungsgeschichte wollte ich darin noch ein mal nachsehen, einige Sätze dazu in diesem sehr patriotisch geschriebenen Buch, entspricht ungefähr den damaligen Ereignissen. Zu dem Nieuwpoortbuch kann ich noch nichts sagen, da noch immer am Lesen.
    Was heisst "Ich lese gerade?" Für mich heisst das; ich habe angefangen ein Buch zu lesen, bei mir "Erinnerungen an die Tigerabteilung 503". Ein Weihnachtsgeschenk, bei den paar gelesenen Seiten kann ich keine Meinung dazu äussern.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

    Edited once, last by Rainer ().

  • Moin allerseits,


    ich werde den Verdacht nicht los, daß es hier einige gibt, die sich in etwas mehr Geduld üben sollten. ;)


    Es heißt doch "Ich lese gerade.." und nicht "Ich las...".


    Ich informiere mich im Vorfeld über ein Buch um es dann ggf. zu kaufen und mir dann durchzulesen. Wenn ich es durch habe, kann und werde ich auch meine Meinung zum Buch sagen.


    Aber, um die etwas erhitzen Gemüter wieder auf Normaltemperatur zu bringen, bitte schön.


    Vor dem Kauf des Buches hab ich mich über den Inhalt informiert.


    Ich hoffe, daß es ein gelungenes Werk über die harten Kämpfe Ende 1944 Anfang 1945 im Hürtgenwald ist. Es werden, und daran liegt mir persönlich sehr viel, viele einzelne Personen beider Seiten beleuchtet, ihre Eindrücke, ihre Ängste und ihre Sorge um die Lieben zu Hause, sofern sie noch eins hatten, wiedergegeben. Auch die Aussichtslosigkeit dieses Krieges, und daß viele trotzdem ihre Autorität, denen ganz oben gegenüber, aufrecht erhalten, wird in diesem Werk widergespiegelt.


    So, das weiss ich alles aus dem Vorfeld, denn ich bin mit diesem Buch erst angefangen.



    Ich hoffe, daß wir trotzdem alle Freunde bleiben. ;)



    Gruß
    Rigo

  • Guten Abend Freunde ;) ,


    na ja, etwas mehr Input als der Buchtitel selbst hergibt, so wars gemeint.
    Eine erste Einschätzung, man bekommt ja durchaus selbst nach 50 Seiten ein Gefühl dafür ob es was "bringt" oder eben nicht.


    Beste Grüße Thomas, Freundschaftspfleger....  8)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Guten Abend zusammen,


    ich lese gerade "Bastian Hein; Die SS Geschichte und Verbrechen",
    ein 126 Seiten "starkes" Büchlein.


    Hein versucht die Entwicklungsgeschichte der SS, ihrer Beteiligung am Krieg, zu schildern, selbst auf Nürnberg versucht er einzugehen.
    Er wechselt von grober Schilderung immer wieder zu Details, sowas macht meiner Meinung nach keinen Sinn.


    Für "Neueinsteiger" zum Thema SS eine mögliche Einführung, für alte Hasen nichts Neues.


    Wer sein erstklassiges Werk "Elite für Volk und Führer ? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925 - 1945" sein eigen nennt,
    der kann getrost auf das Büchlein verzichten.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!


  • Hallo Thomas,


    Vorschlag meinerseits.
    Ich würde den Thementitel anpassen.
    Leseanalyse etc.

    bis dann
    gruss Det


    Bitte Alles zur Vorbereitung und Durchführung des Sudeteneinsatzes 1938…...........


  • Morjen!
    Hier eine kleine Zusammenfassung der ersten 90 Seiten über die ich etwas sagen kann.
    Besonders interessant finde ich Krügers Berichte aus dem Alter als er ca.14/15 Jahre alt war. Dort fing er als Schüler der Adolf-Hitler-Schule Sonthofen an, nebenbei einen Film bei der UFA in Babelsberg zu drehen. Er beschreibt dort seine Eindrücke und Ergebnisse als seine UFA Vorbilder Hanne Söhnker und Albert Florath versuchten ihn vom Nationalsozialismus zu "bekehren" und aus ihm einen Menschen zu machen der nie Böses treibt und schuldlos bleibt. Sie zeigten ihm heimlich Filme von jüdischen Regisseuren und klärten ihn über den wahren Nationalsozialismus auf. Diese Passagen kannte ich überhaupt nicht. Nebenbei sind Biographien für mich generell immer lesenswert.
    Viele Grüße Oliver

    Tradition zu wahren, zu pflegen ist nicht die Anbetung der Asche. Es ist die Weitergabe des Feuers.
    *Erst wenn der letzte Soldat bestattet ist, dann ist der Krieg zu Ende* http://www.verdun14-18.de

  • Hallo
    ich lese gerade.....


    Dieter Genthner / Arno Huth:
    Schicksal der „Knochenmänner“- Die Straflager Dachau, Danzig-Matzkau und Mosbach für verurteilte SS- und Polizeiangehörige
    .......
    - Verurteilt wegen Fahnenflucht, Wehrkraftzersetzung, Eigentumsdelikten - SS-Sondergerichtsbarkeit, Strafvollzug und Bewährung
    KZ-Gedenkstätte Neckarelz 2016, 360 Seiten Klebebindung Pappeinband, 8 EURO zzgl. Porto


    Die Verfasser hatten eigentlich "nur" eine Dokumentation über das Mosbacher "Hammerlager" geplant. Dabei wuchs sich die Arbeit zu einem
    Forschungsprojekt über die SS-Strafjustiz aus.


    Die Verfasser, eher "Hobby-Historiker" haben versucht, die Historie der SS-Strafjustiz umfassend dazustellen:
    Bislang gibt es nur wenige Veröffentlichungen über die SS-Strafjustiz. Diese geht auf einen Ministererlass vom 17. Oktober 1939 zurück, der Angehörige der
    SS-und Polizeiverbände einer eigenen Gerichtsbarkeit unterstellte. Für sie wurden das "Hauptamt SS-Gericht" sowie ein direkt beim
    "Reichsführer SS", also Heinrich Himmler, angesiedelter Richter als wichtigste Dienststellen eingerichtet. Vergehen wurden mit dem Tod, mit
    Zuchthaus, Gefängnis, Arrest oder Ehrenstrafen geahndet. Die Strafen wurden entweder in Vollzugslagern direkt vollstreckt oder bis "nach dem
    Endsieg" aufgeschoben und die Verurteilten so lange in Straflagern verwahrt. Im Lauf des Krieges kamen außerdem der Einsatz in der
    Rüstungsindustrie, insbesondere bei Daimler-Benz und BMW, sowie "Frontbewährung" hinzu.
    Das wichtigste SS-Straflager befand sich in einem Sonderbereich des Konzentrationslagers Dachau, ihm waren die "Nebenlager" Allach
    und Hersbruck zugeordnet. Als Strafvollzugslager diente das Lager Danzig-Matzkau, zu dem wiederum die Nebenlager Ludwigsfelde sowie später
    das "Hammerlager" in Mosbach gehörten.


    Auch das Lager Danzig-Matzkau wird ausführlich mit Grundrissplan, Entstehungsgeschichte, Tagesablauf etc. ausführlich dargestellt.
    Immer wieder eingestreut sind Originalberichte über verurteilte SS-u Pol.-Angehörige und ihr Schicksal.
    Störend fällt auf, dass es kein Inhaltsverzeichnis gibt ( bzw. nur die Karikatur eines solchen) und dass die 360 Seiten nicht alphanumerisch bzw. in klare Kapitel getrennt sind. Dadurch ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten und die Lesbarkeit leidet.
    Auch "scheint" manchmal durch, dass beide Verfasser eigentlich über sich selbst erstaunt sind, dass sie sich mit einem solchen "faschistischen" Thema per zufälliger Forschung beschäftigen.
    Bestechend ist die Fülle der Archivalien, wie auch der Lebensberichte, die von den Verfassern ausgewertet wurden.
    Ungeachtet der o.a "Mängel" ist diese Dokumentation (welche von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg gefördert wurde) allen, an der SS-Gerichtsbarkeit Interessierten - auch nicht zuletzt angesichts des "unschlagbaren" Preises von 8(!!) € zu empfehlen.


    Die beiden Verfasser haben auch den US-Autor Stuart B. T. Emmett "beraten", der z.Zt an einem dreibändigen Werk über Strafvollzugslager
    der SS- und Polizei, das HA SS-Gericht und das SS-Richterkorps arbeitet.
    Der 1. Band
    Strafvollzugslager der SS- und Polizei: Himmler's Wartime Institutions for the Detention of Waffen-SS and Polizei Criminals mit 570 Seiten ist gerade in den USA erschienen.


    Beste Grüße
    Ingo

  • Hallo zusammen,
    ich lese gerade "Deutschland in Gefahr" von Rainer Wendt. Der Autor ist Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Er beschreibt in seinem Buch die Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise, Gefahren durch Terrorverdächtige und kriminelle Banden, Gewalt durch Links - und Rechtsradikale, sowie die Probleme durch islamistische Hassprediger.
    Für ihn ist das Leben in Deutschland nicht mehr sicher, da über Jahre z.B. bei der Polizei gespart wurde. Er führt auf, was sich ändern muss, damit wir weiterhin sicher leben können. Für ihn setzt ein schwacher Staat die innere Sicherheit aufs Spiel, da Gesetze zwar aufgestellt, aber deren Einhaltung nicht durchgesetzt wird.
    Für jemanden, der die täglichen Nachrichten in den Medien verfolgt, steht in dem Buch nichts Neues. Wer sich die Problematik der inneren Sicherheit zusammengefasst
    zu Gemüte führen möchte, sollte das Buch schon kaufen.
    Mit freundlichen Grüßen
    fritzjakob

  • Hallo zusammen,


    ich lese gerade den Roman


    "Die Kinder von Wien" des 1934 nach England emigrierten Autors Robert Neumann; er hat das Buch 1946 geschrieben und erst Jahrzehnte später ins Deutsche übersetzt. Es handelt von einer Gruppe Kinder verschiedenster Herkunft, darunter auch ein Kleinkind, die es nach dem Krieg in den zerbombten Keller eines Hauses verschlagen hat. Entwurzelt, verraten und missbraucht versuchen sie, durch Huren, Stehlen, Hehlen zu überleben. Ein schwarzer Reverend, sein Name H. S. Smith, selbst vom "Niggerjungen" zum Officer der U.S. Army aufgestiegen, entdeckt die Kinder, kümmert sich um sie und versucht schließlich, ihnen zur Flucht in die Schweiz zu verhelfen. Diese Mission scheitert, wohl am Verrat zwielichtiger Erwachsener aus dem Umfeld, die sich davon Vorteile erhoffen. Ein anderer Reverend, in Begleitung zweier MPs, kommt in den Keller und will Smith von der Sinnlosigkeit seines Vorhabens überzeugen. Smith erkennt, dass er den Kindern nicht mehr helfen kann und schreit seine Verzweiflung und seinen Schmerz in einer geradezu prophetischen Vision über "auferstehende Armeen" heraus.


    ...Brüllt Smith: "Das wird die große Armee der Gespenster sein am großen Tag der großen Rechnung. Und da wird kein Unterschied sein zwischen denen was der Nazi massakriert und denen was der Sieger-Befreier mit seinen Bomben zerfetzt hat. Kein Unterschied zwischen deutscher Pest und russischer Pest und westalliierter Pest. Keinen Unterschied wird es machen für einen Soldat von dieser Armee, ob er zu Tod erfroren oder Hungers gestorben ist im Winter der Tyrannei oder in the Winter of Liberation."...

    Robert Neumann; Die Kinder von Wien; Extradruck der Anderen Bibliothek; ISBN 978-3-8477-2006-5; AB Die Andere Bibliothek GmbH & Co. KG


    Mich hat das Buch umgehaun.


    Gruß Cristiane

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Hallo zusammen!


    Ich lese gerade "Die deutsche Marine-Funkaufklärung 1914–1945" von Heinz Bonatz.


    Der B(eobachtungs)-Dienst, wie diese Abteilung des Marinenachrichtendienstes noch genannt wurde, befasste sich in erster Linie mit dem Abhören, der Entzifferung und Entschlüsselung des feindlichen (Marine-)Funkverkehrs. Der Autor war im Zweiten Weltkrieg Leiter dieser Dienststelle und gibt Aufschluss über ihre Entstehung, ihre Organisation und ihr Wirken.


    Der Abschnitt 1939-45 leidet dabei unter der schwierigen Quellenlage, der sich Bonatz ausgesetzt sah. Vieles basiert daher auf den kurz nach Kriegsende (verschriftlichten) Erinnerungen des Autors. Seiner großen, berufsbedingten Sachkenntnis ist es schließlich zu verdanken, dass sich dem Leser dennoch ein guter Einblick in die Arbeitswelt dieses Referats erschließt.


    Der wahre Wert der Arbeit liegt allerdings an anderer, völlig unerwarteter Stelle. In Unkenntnis der Realität, erst vier Jahre nach dieser Veröffentlichung wird das Geheimnis um "Ultra" gelüftet werden, referiert Bonatz über die hohe Schlüsselsicherheit der deutschen Verfahren. Insbesondere der Funkschlüssel M, das komplexeste Verschlüsselungsverfahren der Wehrmacht, sei nicht zu knacken gewesen. Noch heute zitiert die Fachliteratur diese Aussagen als Beleg für die deutsche Hybris auf dem Gebiete der Kyrptographie. Nichts verdeutlicht die fatale deutsche Selbsteinschätzung mehr, als die noch Jahrzehnte nach Kriegsende ungebrochene Überzeugung des Leiters des leistungsfähigsten Funkaufklärungsdienstes des Dritten Reiches in die eigene Unbesiegbarkeit.


    Dabei kommt man als Leser aus dem Staunen eigentlich nicht heraus. Im Kapitel über den Ersten Weltkrieg moniert Bonatz den laschen, geradezu sorglosen Umgang der entsprechenden Stellen wenn es um die eigene Schlüsselsicherheit ging. Völlig zurecht kritisiert er die ausbleibenden Schlussfolgerungen auf deutscher Seite, die sich aus dem Aufschlagen britischer Verschlüsselungsverfahren eigentlich hätten ergeben müssen: Wenn man in die Chiffrierung der Gegenseite eindringen kann, dann darf diese Möglichkeit für die eigenen Verfahren nicht ausgeschlossen werden. Im Gegenteil, die weitere Tätigkeit sollte unter dieser Annahme stattfinden.


    Als es recht bald im Zweiten Weltkrieg dann zu ersten Erfolgen des B-Dienstes kam, später sogar der Zugriff auf Hauptverfahren gelang, wurde daraus nicht etwa geschlussfolgert, dass die Gegenseite vice versa dazu ebenfalls in der Lage war, sondern es wurde an der Überzeugung festgehalten, dass die eigenen Methoden sicher seien.


    Man hielt sich offenbar schlicht für klüger als der Gegner.


    Immer wieder fragt man sich, weshalb Warnsignale so ohne weiteres in den Wind geschlagen wurden. Ein Beispiel: Dem B-Dienst gelang die Entschlüsselung eines Verfahrens, das Geleitzüge steuerte. Man konnte also immer wieder deren Kurs vorhersagen. Der daraufhin erfolgte Ansatz von U-Booten brachte selbigen dann allerdings des Öfteren keine Feindberührung. Wie war das möglich, wenn aus den abgefangenen Meldungen die Position und Richtung der Schiffe doch klar erkennbar waren? Natürlich hatte die Gegenseite zwischenzeitlich (funkgestützte) Kenntnis von der Aufstellung der U-Boote bekommen und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. So weit dachte man beim B-Dienst aber offenbar nicht. Dort hatte man nämlich stets andere Antworten parat. Einmal glaubte man, dass die Kursänderung auf eine persönliche - quasi nicht vorhersehbare - Entscheidung des Geleitzugführers zurückging. Ein andermal hielt man es für möglich, dass "versehentlich" ein Einzelfahrer im Seegebiet versenkt wurde und damit die Anwesenheit von U-Booten verraten worden wäre.


    Ein Mitlesen der eigenen Nachrichten kam dagegen nicht in Frage, weil selbiges im Funkbild sichtbar geworden wäre, wie Bonatz (erschreckend orientierungslos) mehrfach zu berichten weiß. Es ist angesichts dessen wenig verwunderlich, wenn auch nicht ohne Peinlichkeit für den Autor, dass er in einer Auflistung, die Aufschluss darüber geben soll weshalb kein dauerhafter Einbruch in die deutschen Schlüsselmittel gelang, an erster Stelle die Tatsache reihte, dass ihm in persönlichen Gesprächen nach Kriegsende von britischer Stelle glaubhaft versichert worden wäre, dass die deutschen Schlüsselsysteme einbruchssicher waren!


    In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass Bonatz ein paar Jahre nach der Enthüllung von "Ultra" noch eine zweite Darstellung veröffentlichte, um angesichts der spektakulären Erfolge der alliierten Funkaufklärung die eigenen Leistungen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Diesmal standen ihm die mittlerweile zurückgegeben Akten des B-Dienstes zur Verfügung. Es ist der Verdienst des Autors, anhand dieser umfangreichen Archivalien (insgesamt 55 Bände), den Seekrieg der Jahre 1939-45 aus Sicht der deutschen Marine-Funkaufklärung umfassend nachzuzeichnen. Nach Kriegsschauplätzen und Themengebieten gegliedert, schildert Bonatz die Erkenntnisse des B-Dienstes in chronologischer Reihenfolge. Dies geschieht ohne Kommentar und ohne einen Abgleich mit alliiertem Material, das Aufschluss über die Richtigkeit der nachrichtendienstlichen Feststellungen hätte liefern können. Damit ist das Buch eine Quellenedition, die den zeitgenössischen Kenntnisstand der deutschen Marinefunkaufklärung abbildet - und als solche durchaus zu empfehlen ist. Vor allem gelingt dem Autor damit der - in der Erstveröffentlichung stets behauptete, mangels Unterlagen jedoch nicht erbrachte - Nachweis der hohen Wirksamkeit des Dienstes in der Aufklärung feindlicher Funkbilder. Gerne hätte ich noch gelesen, was Bonatz zu "Ultra" zu sagen gehabt hätte. Vor allem, da er - nicht ohne Grund - die schweren nachrichtendienstlichen Versäumnisse, wie sie (auch) im Ersten Weltkrieg zu konstatieren waren, besonders kritisch beurteilt hat. Wohl auch deshalb hat er letztlich davon Abstand genommen.


    So bleibt es eine bemerkenswerte historische Tatsache, dass es den Gegnern Deutschlands in beiden (!) Weltkriegen gelang, die Schlüsselmittel nicht nur restlos aufzuschlagen sondern sogar vielfach zeitnah mitzulesen.


    Weiterführende Literatur:


    Bonatz, H.: Seekrieg im Äther - Die Leistungen der Marine-Funkaufklärung 1939 - 1945, Herford 1981


    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

    Edited once, last by Rote-Kapelle ().

  • Hallo


    Wenns ernst wird im Land, mit Wehrmacht und kommenden Krieg, dann geht man zur Polizei um seine Ruhe zu haben.
    Wenn es dann beschissen läuft, nennt sich der verlegte Verband plötzlich über Nacht SS-Polizei-Division" und man marschiert ungefragt zügig durch Russland.
    Eine von vielen guten Erinnerungen derjenigen, die den Kampfeinsatz absolut nicht wollten. Wohl nur antiquarisch oder auf den Trödelmärkten zu finden. Trotzdem empfehlenswert
    Kleiner Mann im großen Krieg - Bericht eines Unfreiwilligen
    von: Werner Kurz
    mfg petr