Verfassen von KTBs

  • Hallo liebes Forum,


    ich habe erneut eine kleine Frage an euch.


    Wer hat eigentlich die KTBs getippt? Mich überascht die schiere Masse der Dokumente die damals verfasst wurden. Das kann doch wohl kaum von den Soldaten gemacht worden sein.


    Grüße


    Mario Hreniak


    PS: Als Beispiel mal ein sogenannter Verteiler. 70 Kopien das ist doch irre!



    Habe die KTBs vom Apostroph befreit =) ; kkn

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    War is waste : Das Projekt das die Welt verändert

  • Hallo Mario,


    dabei musst Du immer nach der Führungsebene unterscheiden:
    - KTBs auf Regimentsebene waren oft nur das Abheften von Befehlen und (meist tabellarisches)
    Festhalten bestimmender Ereignisse.
    - Das andere "Extrem" war das OKW, das einen Geschichtsprofessor als (kompetenten) KTB-Führer
    eingestellt hatte:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Percy_Ernst_Schramm


    (Im übrigen gab es Vorgaben des Wehrmachtsführungsstabes wer, wie und welche Kriegstagebücher zu führen hatte.)


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Mario,


    wie für (fast) alles gab es hierzu genaue Bestimmungen des OKH. Siehe Anlage. Zitat: "Mit der Führung ist möglichst ein geeigneter Offizier zu beauftragen, der mit dem hierfür nötigen taktischen Verständnis Lust und Liebe für seine wichtige Aufgabe verbindet."


    In der Fußnote ist noch die Bezugsquelle für die Muster genannt:
    Peter Kaiser, Wehrmachtformularverlag. Düsseldorf, Sternstraße 63a, Tel. 384.37. Brüssel, rue Montagne-aux-Herbes-Potagéres 12, Tel. 17.21.80. Paris, rue Taitbout 3, Tel. Provence 7830. Den Haag, Bezuidenhout 17, Tel. 77.12.52.


    Gruß, Jörg.

  • Hallo an Alle !


    Ich bin durch Forscherkollegen in Besitz einer Kopie eines KTB gekommen. ( konkret: SS Werferabt. 500) .


    Dieses KTB ist auf Formblätter teilweise mit Schreibmaschine geschrieben.


    Auf den Formblättern steht in der ersten Spalte in alt- deutscher Schrift : Tag, Uhrzeit, Ort und Art der Unterkunft.
    Die Spalte ist ca. 40 bis 45 mm breit.
    Den Hauptteil des Formblattes beinhaltet dann den Titel :


    Darstellung der Ereignisse ( Dabei wichtig : Beurteilung der Lage ( Feind - und eigene). Eingangs und Abgangszeiten von Meldungen und Befehlen. )


    Die Gefechtsstärkenliste und die Verlustliste ( Tote Gefangene , Verwundete und Vermisste) ist dann handschriftlich verfasst.


    Auch für dies Listen wurden Formblätter benutzt.


    Meine Fragen :


    Wer hatte die Aufgabe ein solches KTB zu führen ?
    Machten das Offiziere oder Schreiber ?


    Gab es unterhalb einer Abteilung / Regiment / Battalion auch KTB´s?
    Also auf Kompanieebene ?


    LG bfg

  • PS: Als Beispiel mal ein sogenannter Verteiler. 70 Kopien das ist doch irre!


    Hi Mario u.a. Interessierte,


    70 Kopien - das ist wirklich irre.
    Maschine schreiben hatte ich gelernt, als es bereits die IBM-Kugelkopf gab;
    entschied mich jedoch, an einer mechanischen Maschine "Hacken" zu lernen.
    Damit waren - aus der Erinnerung - höchstens 6, 7 Durchschläge möglich.


    Leicht zu rechnen, wieviel Zeit/Arbeit und v.a. gute Maschinenschreiber
    vonnöten waren.


    Wo die nun alle herkamen - keine Ahnung. Weiß nur, daß in meiner Fam.
    jeder, vom Kind bis zum Urahn, Maschine schreiben konnte.


    Gehört vll. nicht direkt zu Deiner Frage, scheint mir trotzdem interessant.


    Grüße, Kordula

  • . . . Damit waren - aus der Erinnerung - höchstens 6, 7 Durchschläge möglich.
    Leicht zu rechnen, wieviel Zeit/Arbeit und v.a. gute Maschinenschreiber
    vonnöten waren . . .


    Hallo Kordula, hallo zusammen,


    auch hier: Bitte nicht die jeweilige Führungsebene außeracht lassen !
    Auf Bataillons-/Regimentsebene wurden sicherlich nicht annähernd 70 Kopien
    als Durchschläge hergestellt ! Und auf den höheren Führungsebenen gab es
    - gerade auch für Befehle - entsprechende Vervielfältigungsverfahren und tw.
    sogar eigene Druckereitrupps, die Kopien anfertigten.
    Wir haben uns schon einmal mit dem Thema beschäftigt:
    http://www.forum-der-wehrmacht…?postID=462592#post462592


    bfg: In einer Infanterie-Division war beispielweise i.d.R. der Erste Ordonnanzoffizier (O1) für die Führung des KTB verantwortlich:
    http://www.lexikon-der-wehrmac…/Heer/DivisionsstabID.htm


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    Quote

    Gab es unterhalb einer Abteilung / Regiment / Battalion auch KTB´s?
    Also auf Kompanieebene ?


    Nein, Kriegstagebücher wurden nur bis zur Bataillons- respektive Abteilungsebene geführt.


    Quote

    Leicht zu rechnen, wieviel Zeit/Arbeit und v.a. gute Maschinenschreiber
    vonnöten waren


    Man hatte allerdings schon damals die Möglichkeit zu kopieren. Das Dokument musste nicht
    siebzigmal geschrieben werden.


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited 2 times, last by Tobias Giebel ().

  • Grüß Gott,


    und

    Man hatte allerdings schon damals die Möglichkeit zu kopieren. Das Dokument musste nicht
    siebzigmal geschrieben werden.


    genau. Man arbeitete dann nicht mit Durchschlägen, sondern schrieb den Text auf eine Wachsmatritze (und durfte sich dabei nicht vertippen, weil Korrekturen nicht so einfach möglich waren), die dann in den Hektographen gespannt wurde. Den gab's mit Handkurbel, aber auch mit Elektro-Antrieb (und die Dinger haben mit Farbe gespritzt). Als Lehrling musste ich so was Anfang der Siebzigerjahre noch machen. :S


    Gruß


    Wolfgang

  • Hi allseits,


    vielen Dank Tobias + Wolfgang für diese Aufklärung.
    Habe selbst noch so eine Maschine rumstehen - wir
    haben damit Flugblätter + Zeitungen vervielfältigt.


    Vll. war ja Eure Info auch noch für andere neu.


    Grüße, Kordula

  • Hallo Mario,


    du darfst davon ausgehen, dass es zu jeder Zeit Bestimmungen zum Führen von KTB´s gab, d.h. das 1944, wie in deinem Beispiel, wenn ich mich nicht irre, entsprechende Angaben gemacht werden mussten, wie auch 1938.

    bis dann
    gruss Det


    Bitte Alles zur Vorbereitung und Durchführung des Sudeteneinsatzes 1938…...........

  • Grüß Gott,


    Kordula, es hätte mich ja dann doch gewundert, wenn Dir so eine "Nudelmaschine" nie begegnet wäre. Ich werde seit vielen Jahren immer wieder einmal gefragt, wie wir eigentlich früher ohne Kopierer und ohne Computer unsere Massenschreiben gemacht haben, daher mein Post.


    Die mir bekannten Kriegstagebücher - meist auf Divisionsebene - sind, gemessen daran, was ich heutzutage so alles sehe, picobello geführt, die Anlagenbände mit Aktenrenner (ein Inhaltsverzeichnis), die Schriftstücke chronologisch abgelegt ... und das alles letztlich doch unter Feldbedingungen, auch wenn der Divisionsgefechtsstand in einer Schule, einer Apotheke, einem Krankenhaus etc. eingerichtet wurde.


    Gruß


    Wolfgang

  • Hallo Zusammen,


    In der Regel wurden KTB in 3 Ausfertigungen erstellt. Dabei ging eine an das Archiv nach Potsdam, eine ging an den Ersatztruppenteil und eine blieb bei der Truppe.


    Wenn in einem Verteiler (siehe oben) von 70 Ausfertigungen die Rede ist, handelt es sich nicht mehr um ein KTB, sondern um einen Befehl oder um einen Bericht.


    Viele Grüße.
    Michael

  • Hallo Zusammen!
    Zwei Seiten aus der NARA T315 R735 mit der Original Weisung zum Thema wer KTB zu führen hatte. Da die Weisung vorschrieb, dass sie jedem KTB voran zu heften war, ist sie hier im Original des KTB Nr.5 der 20. I.D. erhalten.
    Nach diesem Befehl gab es KTB unterhalb der Ebene Btl. ( siehe 2.c und 2.d ) in aufgeführten Ausnahme Fällen.
    Die Art und Weise der Eintragungen auch von Kleinigkeiten auf unterer Ebene könnten den Anschein erwecken, dass das Führen der KTB auch als Unterlage für spätere Rechtfertigungen dienen sollte.


    In der von mir aufgeführten NARA zeigen die Bilder 881 und 1057 wer dieses KTB Nr. 5 der 20.I.D. tatsächlich geführt hat: Ein Oberleutnant Spiegel, der in der Zeit vom 24.12.1941 bis 15.04.1942 zum Hauptmann befördert worden war.
    Wenn das KTB einer Division von einem Oberleutnant geführt wurde, dann kann man wohl davon ausgehen, dass auf den Ebenen darunter möglicherweise nicht immer Offiziere diese Funktion ausübten.
    Die Quelle ist Teil des Dateinamens.
    Mit besten Grüßen
    Rainer

  • Sehr informativ das ganze.


    Vielen dank für die interessanten Posts.


    Man lernt immer wieder etwas neues.



    Grüße


    Mario

    War is waste : Das Projekt das die Welt verändert