"NS-Medizin" im Krieg

  • Hallo zusammen,



    nachdem ich von der Forumsleitung gebeten wurde, das frühere Thema "Raubzüge" noch einmal in anderem Gewande neu zu eröffnen, möchte ich dieses hiermit tun.



    In einem anderen Thread wird das Thema "Patentklau" behandelt, wobei hier die entgegengesetzte Richtung dieser "Transfers" betrachtet wird.


    Also hier nochmals der Artikel aus dem "Ärzteblatt":


    http://www.aerzteblatt.de/pdf/…s=12.08.2015+10%3A04%3A37



    In der gestrigen Ausgabe des Spiegels wurde zudem auf den Einsatz von Drogen im Krieg auf der deutschen Seite eingegangen - und auch Hitler in seiner Rolle als Patient des Mediziners Morell beleuchtet:


    http://www.spiegel.de/einestag…rystal-meth-a-951122.html


    Hier dazu noch ein älterer Beitrag aus dem Jahre 1969:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45589689.html



    Persönlich interessiert mich im Zusammenhang mit der Wilna-Dokumentation noch die Frage des sog. "Kinder-KZ" zur Gewinnung von Blut bei Paritschi (Bobruisk).


    Dieses Thema wurde schon einmal in der Rubrik "Kriegsverbrechen" diskutiert, wobei es damals zu keinem belastbaren Ergebnis kam.


    Hier:


    http://www.kritisches-zur-zeit…/sites/kinderlager-e.html



    und an einigen wenigen anderen Adressen kann man dazu etwas finden. Gibt es hierzu seriöse Aussagen in gedruckter Form?




    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

    Edited 4 times, last by Joseph O. ().

  • Hallo Joseph,


    zur Eröffnung will ich mit einigen banalen Zahlen zum Gelingen beitragen. Deutschland hatte 1939, also im Jahr des Beginns des 2. WK, etwas über 70 Mio Einwohner und rd. 65.000 Ärzte jeden Alters. Nicht mehr in dieser Zahl enthalten sind rd. 3.500 jüdische Ärzte, denen im selben Jahr die Approbation entzogen wurde. Die Zahl derer die wirklich als Ärzte praktizierten lag bei Kriegsbeginn bei rd. 46.000. Die anderen Ärzte waren in Rente oder in anderen Berufsfeldern tätig.


    Gruss


    Paul

    G-W-G'

  • Guten Abend Joseph.


    freut mich, daß das geklappt hat - trotz Deiner hohen zeitlichen Belastung.
    Erst einmal habe ich ein Problem, kann nämlilch die Links nicht aufrufen;
    geht nur durch Kopieren etc. Geht das nur mir so oder auch anderen?


    Inhaltlich kommt nach - jetzt wollte ich mich erst einmal bedanken.


    Grüße, Kordula

  • Hallo zusammen,



    zu den "Blut-KZ" habe ich gerade die folgenden Hinweise gefunden:


    1. http://www.taz.de/!5177196/


    2. http://www.histoquiz-contempor…iers/seconde/kl/camps.htm


    3. http://www.erzbistumberlin.de/…Maximilian-Kolbe-Werk.pdf



    Wie man diese Informationen zu bewerten hat, kann ich momentan noch nicht sagen. Auf jeden Fall: Gruselig!



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo Joseph,


    wie Kordula schon anfragte - der 1.,2. und 4. Link im ersten Beitrag funzen auch bei mir nicht.
    Achja, viel Gelingen beim Thema hier. :)


    Gruß
    Roy

    Suche alles zur 129.ID, insb. GrenReg.427 ab 1944 an der Ostfront, sowie zur 199.ID, insb. zum Fest.Btl. 650 1943-44 in Norwegen, sowie zur 353.ID, insb. GrenRgt. 943 Juli-Aug. 1944 in Frankreich.

    Edited once, last by Roy ().

  • Guten Abend,


    die Links wurden "repariert",
    jetzt aber bitte etwas zum Thema. :thumbup:


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Roy,


    klappt doch...


    Irgendein guter Geist ( Thomas - kam 1 s schneller) hat´s wohl repariert.


    Danke dafür.


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

    Edited once, last by Joseph O. ().

  • Guten Abend,


    Zitat Joseph O:

    Quote

    In der gestrigen Ausgabe des Spiegels wurde zudem auf den Einsatz von Drogen im Krieg auf der deutschen Seite eingegangen - und auch Hitler in seiner Rolle als Patient des Mediziners Morell beleuchtet:


    Diese Droge heißt "Pervetin" und war von 1938 bis 1988 unter diesem Namen auf dem Markt.
    Wirkstoff ist Metaamphetamin.


    Das Medikament wurde u.a. an Flugzeugbesatzungen ausgegeben.

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Halo Gerd, hallo zusammen,


    in dem Spiegel-Artikel (Print-Ausgabe) geht es vor allem um den Einfluss von Drogen auf die Entscheidungen Hitlers. Norman Ohler hat in seinem Buch "Der totale Rausch" einige kühne Hypothesen aufgestellt.


    Das Buch kann man hier:


    https://books.google.de/books?…iASo#v=onepage&q=pervitin ohler&f=false

    in Auszügen lesen.


    Ohler schreibt etwa, dass Hitler infolge seines Drogen-Missbrauchs bzw. großzügiger Medikation durch seinen "Leibarzt" ab etwa 1941 in seinen Entscheidungen und Reaktionen nicht mehr zurechnungsfähig war.
    Ich halte das für eine leichtfertige "Erklärung" von Hitlers Wahnvorstellungen und -entscheidungen. Die Basis, die Ideologie, war bereits seit langem implantiert - die Pillen haben vielleicht nur bestimmte Begleiterscheinungen verstärkt.
    Außerdem besteht die Gefahr, dass gewisse Zeitgenossen diese Hinweise begierig als "Entschuldigung" für viele dunklen Dinge aufgreifen: Hitler als armes Opfer der Medizin und der "Chefarztbehandlung". Hier kann ich mir einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: Chefärzte haben bekanntlich das Recht zu liquidieren ...  8) .


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo Joseph, hallo Zusammen,


    Hitler war "Perivitin" abhängig.
    So jedenfalls wurde in einer TV-Doku (nt-v oder N24) berichtet.


    Morell diagnostizierte bei Hitler auch "Schüttellähmung" (Parkinson).
    In einer seiner letzten Wochenschau Auftritte, wurde die Szene mit der zitternden Hand herausgeschnitten.
    (in dieser Szene "tätschelt" Hitler einem Jungen der HJ die Wange).


    Und wenn wir schon beim Drogenmissbrauch sind:
    Göring war Morphium abhängig.
    Beim "Sturm auf die Feldherrnhalle" 1923, wurde Göring verwundet; diese Verletzung heilte wohl nie richtig aus,
    so dass er ständig unter Schmerzen litt.

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Gert, hallo zusammen,



    hier:


    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45589689.html Klick


    sind noch ein paar andere Geschichten zur "Patienten-Karriere" Hitlers. Morell erweist sich als rechter Scharlatan - und als sehr geschäftstüchtig. Er war sogar fähig, Hitler mittels Blutegeln zur Ader zu lassen - und ihm ein Gefühl der Besserung einzureden ...



    Apropos "Blutsauger": Hier wäre dann noch eine weitere von mir gerade aufgestöberte Anmerkung zum Thema "Blutgewinnung in Kinder-KZs":



    http://www.zellentrakt.de/downloads/materialien/Blutraub.pdf Klick



    Makaber - teilweise aber auch schon in anderen Dokumenten erwähnt ...



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

    Edited 5 times, last by Joseph O. ().

  • Guten Aben zusammen,


    Joseph,
    in deinen beiden letzten Posts funktionieren die Verlinkungen wieder nicht.
    Ich vermute, du kopierst die URL und fügst das dann einfach in den Thread ein?
    So geht das nicht, wende dich an einen Moderator deines Vertrauens und man erklärt es dir.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo,


    ich habe in diesen Tagen einen Bericht im Fernsehen gesehen. Hier wird auch wieder

    über die Einnahme von Pervetin durch Wehrmachtssoldaten berichtet. Dies soll die

    Leistungsfähigkeit steigern.

    Dabei sind mir die Worte meines Vaters ( verstorben 1998 und die Kiriegszeit bei dem AR 15 eingesetzt )eingefallen :

    wir haben jeden Tag Aspirin bekommen . Kann das evtl identisch sein.

    Kennt jemand ähnliche Aussagen.

    Mein Vater hat später Aspirin bei jeder Krankheit eingenommen.


    Gruß


    Pinwerner

  • Hallo Pinwerner,


    zwischen Aspirin (= Acetylsalicylsäue =Schmerzmittel) und Pervitin (= Metamphetamin = Rauschdroge) besteht ein himmelweiter Unterschied! Schau mal mit Hilfe von Google ...


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Stefan ,


    das ist mir schon klar.

    Ich habe mir überlegt, ob die Soldaten das Pervetin evtl als Aspirin verkauft bekommen haben.

    Gruß


    Pinwerner

  • Hallo Pinwerner -


    es gibt nach meiner Kenntnis keinen wirklichen Grund eines "Verkaufs" oder besser einfach "Ausgabe" von Pervetin an Soldaten unter der Bezeichnung "Aspirin". Die Einnahme von Pervetin war ein normaler Vorgang der "nicht verschleiert" werden musste. Ob Pervetin im Soldatenjargon "Aspirin" genannt worden ist, weiß ich nicht. Wäre mir aber neu.


    Viele Grüße

    Denys

    Suche Infos zum 744.PiBat. (41/42) der 25. PzDiv. (87. PzPiBat) (43/44) und 21. PzDiv (45), 62. ID bzw. 57.ID 41/42 (164 IR) sowie zur 168. (43) und 376. ID (44)

  • Hallo Pinwerner,


    wir haben jeden Tag Aspirin bekommen .

    das wäre auch nicht besonders klug, denn Aspirin verdünnt das Blut, so dass bei Verletzungen/Verwundungen vermehrt Blut austritt. Das ist sicher nicht gewollt. Ständige Aspirineinnahme kann zu Magenblutungen usw. führen. (Beachte Beipackzettel...wer den hat).


    Gruß Karl

  • Moin Karl,


    das ist so nicht ganz korrekt. ASS ist ein sog. Thrombozytenaggregationshemmer.

    Das bedeutet, dass die Thrombozyten, also die Blutplättchen, sich nicht verklumpen (was in der initialen Phase der Blutgerinnung vorgesehen ist). Man hat - je nach Dosis - eine verlängerte Blutungszeit. Nicht mehr und nicht weniger. Das Blut wird also keineswegs „verdünnt“, und man blutet auch nicht stärker. Nur eben länger. Das ist natürlich bei manchen Verletzungen ungünstig. Bei Verletzungen, die man nicht durch Naht, Verödung oder Beigabe gerinnungsfördernder Tamponaden versorgen kann, kann daraus leicht eine lebensbedrohliche Komplikation resultieren.

    Eine ASS 100/d zur Thromboseprophylaxe ist dabei allerdings idR kein Problem. Aspirinpartys ab 5/d sind da eher relevant. Und Vorsicht: die Wirkung hält einige Tage an.


    Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie wie gewohnt Ihren Arzt oder Apotheker;).


    Lg Justus

  • Hallo,


    mir ist aufgefallen daß sich bei Umbettungen usw. oft Dosen für Schmerzmittel wie z.B. Spalt-Tabletten finden, es mag an den Bedingungen des Soldatenlebens liegen, die Gelenkschmerzen usw. sicherlich förderten, allerdings sehe ich bei meinen Großeltern bis heute, daß diese Generation einen recht unkritischen Umgang mit Medikamenten hat.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941