Medizinische Versorgung durch die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion 1941-1944

  • Hallo zusammen,


    Da wird schon mal ganze 10 Jahre in Kellern über eine Handvoll Klinikärzte geforscht, ob nicht einer mit einem belastenden Judenwitz dabei war,


    ... dieses ist nur ein Beispiel, wie bestimmte Zeitgenossen durch provokante und alle NS-Opfer beleidigende Formulierungen versuchen, all dieses NS-basierte Elend herunterzuspielen. Schon die flüchtige Lektüre des hier großzügig eingestellten Buchs hätte dieses eigentlich verhindern müssen. Die deutsche Ärzteschaft wurde sehr tief in den braunen Sumpf gezogen (Euthanasie, etc.). Das deutsche Krankenhauswesen leidet noch heute unter NS-Relikten - z. B. in Form des damals institutionalisierten Chefarztsystems.


    Und damit die liebe Seele nun ihre Ruhe hat: Ja - es ist durchaus vorstelllbar, dass sich die Mehrzahl der Wehrmachtsärzte dem Hippokratischen Eid verpflichtet fühlte und auch die Landbevölkerung in den besetzten Gebieten versorgte - jedenfalls so gut es ging. Und vielleicht nahmen sie sich ggf. sogar einen größeren Spielraum. Manche dieser humanen Aktionen war "nach oben" sicher durch Maßnahmen zur "Seuchenbekämpfung" und Partisanen-Prophylaxe gut begründ- bzw. tarnbar.


    Es gab eben immer noch "Gerechte" unter den Völkern... Aber die Ausnahmen zur Regel zu erklären, geht dann doch zu weit.



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo Paul,


    Aber, um der Perfidie die Krone aufzusetzen, wurde in geheimen Absprachen aller Alliierten dieser Sachverhalt über Jahrzehnte geheim gehalten. Erst engagierten Teilnehmern des Forums der Wehrmacht gelang es erstes Licht ins Dunkel des Verschweigens zu bringen.


    es ist schade, dass du zu keiner objektiven Annäherung und differenzierten Sichtweise fähig bist.
    Profunde Ergebnisse beschwichtigst du, während unbelegte Einschätzungen von Historikern für dich
    als in Stein gemeißelte Gesetze gelten. Ein derartiges Hantieren mit Nazikeule und Ignorieren von
    schwarzen Löchern der Militärgeschichte ist nahezu unheimlich, ja der christlich abendländischen Diskussionskultur unwürdig.


    Oder ist es für dich ideologisch bedingt ein Tabuthema und nahezu Blasphemie, dass im unseligsten aller Kriege
    auch nur eine Handvoll Beteiligte "militärhistorisch" und auch noch menschlich gut wegkommen?
    Dann oute dich bitte entsprechend, damit deine Beiträge von jedermann als Klugscheisserei, Pflastersteinwürfe und Brandsätze erkennbar sind.


    Oder wird Dir der Thread zu heiss, angesichts der Quantität und Qualität der Belegestellen?
    Ist es meine Ankündigung, jetzt ans Eingemachte zu gehen, mit unignorierbaren weiteren zitierfähigen Belegen?
    Dann setze Dich gefälligst in den ICE und begebe Dich in den Keller des Freiburger Archivs,
    um hier im Thread rechtzeitig die größte Fälschungsaktion seit den Kujau-Tagebüchern aufzudecken.
    Die Zeit läuft.


    Gruß
    Udo

    Edited 3 times, last by udorudi ().

  • Hallo Udo,


    während unbelegte Einschätzungen von Historikern für dich
    als in Stein gemeißelte Gesetze gelten.


    mich würde interessieren, welche unbelegten Einschätzungen du genau meinst. Hast du je wissenschaftliche Bücher zu NS Medizin gelesen? Wenn ja würden mich exakte Literaturangaben interessieren.


    Beste Grüße


    Felix

  • Hallo Udo,


    Oder wird Dir der Thread zu heiss, angesichts der Quantität und Qualität der Belegestellen?


    Du hattest in diesen Thread dazu ein paar PK Bilder als Beleg eingestellt.
    An anderer Stelle hattest du aber schon einmal geschrieben :

    Ich sehe den Krieg halt nicht aus den Augen der Schreibtischvorschriften oder gestellten PK-Fotos,
    sondern richte mich nach den Realitäten vor Ort.


    Wie passt denn das bitte zusammen?
    Werden da jetzt nun doch aufeinmal Ausnahmen gemacht?




    Bei der ganzen Diskussion dieses Threads sollte zudem auch stets beruecksichtigt werden,dass die medizinische Versorgung der Zivilbevoelkerung in der Sowjetunion generell im Interesse der Wehrmacht lag.


    Jürgen Kilian schreibt dazu beispielsweise in dem Buch "Wehrmacht und Besatzungsherrschaft im russischen Nordwesten 1941-1944" auf Seite 308/309:


    ,,Nichtsdestotrotz bildete eine allzu starke Ausbreitung ansteckender Krankheiten eine potentielle Gefahr für die deutschen Zielsetzungen. So verfolgte die Militärverwaltung seit dem Beginn der Okkupation auch bei der medizinischen Versorgung der Einheimischen vornehmlich egoistische Ziele. So stand nach dem Zeugnis des beratenden Internisten beim AOK 18 das »Wohl unserer Truppen« im Vordergrund. In dieser Hinsicht unterschieden sich zumindest die höheren Militärs nur unwesentlich von ihrem obersten Befehlshaber, der in einer Einführung deutscher Gesundheitsstandards vorrangig die Grundlage für ein unerwünschtes Bevölkerungswachstum im Osten sah. In erster Linie zielten daher die deutschen Vorsorgemaßnahmen darauf ab, einerseits einer unkontrollierten Ausbreitung von Seuchen entgegenzuwirken, während zum anderen »der Wehrmacht und den Versorgungsbetrieben ihre Arbeitskräfte gesund [...] erhalten bzw. erneut einsatzfähig zur Verfügung« gestellt werden sollten."



    Gruss Chris

  • Udo,


    armselig, sehr armselig Deine Replik auf meine mehr als offen sichtliche Übertreibung. Retrospektiv zeichnete sich Dein Kommunikationsrepertuar immer schon durch eine gewisse argumentative (eigentlich Polemik) Armut und Borniertheit und einem Reichtum an blödsinnigen Unterstellungen aus. Was mich jedoch diesmal an Deiner Antwort erschüttert ist ihre gänzliche Humorlosigkeit, und weil Du ganz einfach nicht verstanden hast, worum es in meinem Beitrag ging. Mich macht es immer traurig, wenn Menschen eine Allegorie nicht verstehen.


    Vielleicht tut es Deinem Ego und Deiner Psychohygiene gut, wenn Du mal eine Zeit lang in den von Dir viel zitierten Archivkellern verschwindest und wissenschaftsmethodisch sauber einen Forschungsgegenstand aufarbeitest.


    Beste Grüße


    Paul


    PS: Thomas (Huba), soviel Antwort musste sein, war das letzte Mal und Versuch mit Udo.

    G-W-G'

  • Hallo zusammen,


    ich bitte alle Mitdiskutanten, sich unbedingt noch einmal die Ausgangsfragestellung des Threaderöffners zu vergegenwärtigen.
    Erkennen kann ich daraus in keinster Weise eine hölzerne Kritik oder Gotteslästerung, sondern durchaus berechtigte Einwände, wie man es vom deutschen Präzisionsmaschinenbau
    und geschichtlichen Debatten hierzulande gewohnt ist. Hier der Auszug mit den bescheidenen Aussagen, die mangels Zeit, Lust, Quellen oder wie auch immer entstanden:




    Zum weiteren Diksussionsverlauf:


    mich würde interessieren, welche unbelegten Einschätzungen du genau meinst.


    Die "unbelegten Einschätzungen" sollten aus oben zitierter Ausgangsfragestellung ersichtlich sein. Es wurde zu keinster Zeit behauptet, das die sogenannte "NS-Medizin" sich im Osten
    in vorbildlichster Weise allen kranken und auch behinderten Menschen angenommen hat.
    Die zuvor verlinkte Publikation diente nur der Veranschaulichung, was ich mir unter "fundierter Forschung" vorstelle. Gegenüber einer bescheidenen Äußerung zur Ostfront, die wohl mangels Zeit und Lust so getätigt wurde.


    Ich darf doch wohl noch erstaunt sein, wie hier im Thread ohne jegliche Beweisführung entgegen der Maxime "Sine ira et studio" argumentiert wird.
    Wer sich beteiligen möchte, möge doch bitte mehr als die übliche Nazikeule oder sein vages Bauchgefühl vortragen.




    Hast du je wissenschaftliche Bücher zu NS Medizin gelesen? Wenn ja würden mich exakte Literaturangaben interessieren.


    Beste Grüße


    Felix


    Kenntnisse und Literatur zur Euthanasie, Eugenik und T4 im Dritten Reich sind vorhanden.
    Ebenfalls weitere Basiswerke:
    Medizin in der NS-Diktatur : Ideologie, Praxis, Folgen, Wolfgang Uwe Eckart
    Der "Volkskörper" im Krieg, Winfried Süß


    Schon der große Chronist Friedrich Kellner hat in seinen Tagebüchern ("Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne" -> Kaufempfehlung bpb) treffend bemerkt,
    wie im totalen Krieg die Säuglings- und Kindersterblichkeit in den Himmel stieg, anhand von Handzählungen aus den Tageszeitungen
    in seinem Heimatkreis. Wie sich die Wartezeiten in den Praxen auf mehrere Stunden summierten, weil die wenigen verbliebenen 60-jährigen Ärzte
    überfordert waren oder gar im Bett blieben, angesichts des Andranges. Und operiert werden musste schon mal im heimischen Wohnzimmer,
    unter weggebombter fehlender Decke. Sei auch mal erwähnt das Thema NS-Medizin, Unterkapitel "Kollateralschäden - natürliche Sterblichkeit".




    Bei der ganzen Diskussion dieses Threads sollte zudem auch stets beruecksichtigt werden,dass die medizinische Versorgung der Zivilbevoelkerung in der Sowjetunion generell im Interesse der Wehrmacht lag.


    Jürgen Kilian schreibt dazu beispielsweise in dem Buch "Wehrmacht und Besatzungsherrschaft im russischen Nordwesten 1941-1944" auf Seite 308/309:


    ,,Nichtsdestotrotz bildete eine allzu starke Ausbreitung ansteckender Krankheiten eine potentielle Gefahr für die deutschen Zielsetzungen. So verfolgte die Militärverwaltung seit dem Beginn der Okkupation auch bei der medizinischen Versorgung der Einheimischen vornehmlich egoistische Ziele. So stand nach dem Zeugnis des beratenden Internisten beim AOK 18 das »Wohl unserer Truppen« im Vordergrund. In dieser Hinsicht unterschieden sich zumindest die höheren Militärs nur unwesentlich von ihrem obersten Befehlshaber, der in einer Einführung deutscher Gesundheitsstandards vorrangig die Grundlage für ein unerwünschtes Bevölkerungswachstum im Osten sah. In erster Linie zielten daher die deutschen Vorsorgemaßnahmen darauf ab, einerseits einer unkontrollierten Ausbreitung von Seuchen entgegenzuwirken, während zum anderen »der Wehrmacht und den Versorgungsbetrieben ihre Arbeitskräfte gesund [...] erhalten bzw. erneut einsatzfähig zur Verfügung« gestellt werden sollten."


    Ein sehr interessantes Kapitel, welches sich sogar über mehrere Seiten zieht.
    Wobei es mir insgesamt doch zu grob erscheint. Ist die Betrachtung m.E. doch zu sehr auf das Agieren
    der Sicherungsdivisionen in Bezug auf Seuchenepidemien und den zukünftigen Siedlungsplänen Hitlers reduziert.
    Mahnend ergänzt Kilian ja, die Anwesenheit und Versorgungszwänge einer ganzen Heeresgruppe auf engstem strukturschwachen Raume,
    da kann es im eigentlichen Sinne sowieso nur "Verlierer" geben.


    Aber welchen Einfluss hatten überhaupt die in seinem Überblick außen vor stehenden Feldärzte und Ortslazarette,
    wie z.B. das große Vorzeigelazarett mit 400 Betten in Tossno ?
    Scheinbar konnte da jeder Weißkittel nach gut Dünken schalten und walten ?
    Halbgötter ohne Kontrolle dann auch mal im positiven Sinne ?



    Briefe des Chirurgen Jochen Hoppe, in:
    "... glücklich zu sein in Deiner Nähe ..." : Feldpostbriefe meines Vaters.
    Erzählen ist erinnern Bd. 29, Roland Hoppe



    Kann man solch beschriebene Grundversorgung bei Kriegseinwirkungen überhaupt noch als allgemeines Grundverständnis annehmen?
    Hat der Krieg nicht auch seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten, die sich uns auf erstem Blick überhaupt nicht erschließen.
    Fernab eines allzuschnell auf "politische Correctness" reduzierten Täterblickwinkels.
    Der bequeme moralische "Kartoffelsack" mit NS-Perfidie, Hunger, Unterversorgung und Völkermord ist mir persönlich nicht ausreichend.



    Warten wir mal ab, was Bodo dazu sagt.


    Gruß
    Udo

    Edited once, last by udorudi ().

  • Hallo udo,


    Kenntnisse und Literatur zur Euthanasie, Eugenik und T4 im Dritten Reich sind vorhanden.
    Ebenfalls weitere Basiswerke:
    Medizin in der NS-Diktatur : Ideologie, Praxis, Folgen, Wolfgang Uwe Eckart
    Der "Volkskörper" im Krieg, Winfried Süß


    klingt für mich erstmal vernünftig.


    Dieter Pohl scheint selbst aber keine Kenntnisse über den Einsatz des deutschen Sanitätsdienstes für die einheimische Zivilbevölkerung zu haben.
    In seinem allgemein anerkannten Standardwerk erwähnt er nur einheimische Ärzte mit völlig unzureichendem Sanitätsmaterial:


    Liegt dies aber nicht vielmehr daran, dass dem Befehlshaber des besetzten, rückwärtigen Gebietes keine Sanitätseinheiten in der Form und Zahl zugeordnet waren wie bei Frontdivisionen? Pohl beschäftigt sich ja ausdrücklich nicht mit den Fronteinheiten. Dies ist mehr als Frage zu verstehen, denn als definitive Aussage.Ich meine dies so in Neumanns Werk, das ich weiter vorne zitiert habe, verstanden zu haben.



    Beste Grüße


    Felix

  • Hallo,


    Nachtrag


    Und damit die liebe Seele nun ihre Ruhe hat: Ja - es ist durchaus vorstelllbar, dass sich die Mehrzahl der Wehrmachtsärzte dem Hippokratischen Eid verpflichtet fühlte und auch die Landbevölkerung in den besetzten Gebieten versorgte - jedenfalls so gut es ging. Und vielleicht nahmen sie sich ggf. sogar einen größeren Spielraum. Manche dieser humanen Aktionen war "nach oben" sicher durch Maßnahmen zur "Seuchenbekämpfung" und Partisanen-Prophylaxe gut begründ- bzw. tarnbar.


    Es gab eben immer noch "Gerechte" unter den Völkern... Aber die Ausnahmen zur Regel zu erklären, geht dann doch zu weit.


    Das sind ja erfreuliche Einsichten. Wenn das in dem Tempo so weiter geht, würdest Du noch einen würdigen Volksbundpräsidenten abgeben.
    Wann sind denn die Neuwahlen, ich werde ein gutes Wort für dich einlegen.




    Was mich jedoch diesmal an Deiner Antwort erschüttert ist ihre gänzliche Humorlosigkeit, und weil Du ganz einfach nicht verstanden hast, worum es in meinem Beitrag ging. Mich macht es immer traurig, wenn Menschen eine Allegorie nicht verstehen.


    Dann ist das ein seltener, schwer erlernbarer Humor. Ist mir neulich ein ähnlicher Fall begegnet, wo eine Politikerin darum bat, einen auf Armlänge Entfernung angreifenden Terroristen nicht in die Stirn zu schießen,
    sondern in aller Ruhe nach der Kniescheibe zu suchen, auch wenn es das eigene Leben kostet. Ich überlege heute noch, welche Art von Humor das war...


    Gruß
    Udo

    Edited 2 times, last by udorudi ().

  • Hallo,


    laut den Erinnerungen eines zwangsrekrutierten Luxemburgers gab es im Kriegsjahr 1944 immer wieder notärztliche Einsätze von Wehrmachtsärzten


    Quote

    In Notfällen versorgte der Stabsarzt auch Zivilisten, die ihn um Hilfe baten. Das geschah im Rahmen der Politik des Reichskommissariats Ukraine, die versucht hatte, eine Kollaboration mit den einheimischen zu erreichen. So hatte ich eines Tages seine Tasche zu tragen, als er zu einer Entbindung gerufen wurde, die dann glücklich verlief. Ich hatte dabei für warmes Wasser zu sorgen. Der Stabsarzt meinte, auch solche Handgriffe könnte man nicht früh genug in seinem Leben lernen.

    Quelle Die ausgeklammerten Jahre : 10. Mai 1940 - 17. Mai 1945, Aus dem Tagebuch eines zwangsrekrutierten Luxemburgers

    Paul Spang (Sanitäter in der 7. Panzer-Division beim Rückzug 1944 durch die Ukraine, Seite 70)



    Ich habe zu Deinem Thema mal den 2. Band vom Fischer angeblättert.
    (Der deutsche Sanitätsdienst 1921 - 1945 Teil C: Der Krieg gegen die Sowjetunion)


    Auf den ersten 20 Seien habe ich bereits 4 Stellen gefunden, in der die ärztliche Versorgung von verwundeten Russen oder eine Versorgung der Zivilbevölkerung geschildert wird.
    Doch die Auswertung ist aufwendig; zuerst Lesearbeit im Fischer, um die Stellen überhaupt zu finden, dann die Quellensuche
    und dann hat man nur Schilderungen aus 2. Hand, da in den KTBs derartige Angaben unwahrscheinlich sind.


    Gruß Christa

    Christa . Bist Du mit den Fundstellen schon weitergekommen oder habe ich eventuell Deinen Folgebeitrag übersehen?



    Frohes neues Jahr

    Robert

  • Hallo Robert,


    die wöchentlich in Auktionshäusern zu findenden Privataufnahmen deuten auf eine flächendeckende Mitversorgung der Zivilbevölkerung hin,

    anbei einmal einige Beispiele. Interessant ist Aufnahme 5, ob die russische Ärztin auch deutsche Soldaten versorgt hat?


    MfG

    Tac

    Files

    • Lazarett0.jpg

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  • Hallo Tac,


    ich zitiere Dich: „.......deuten auf eine flächendeckende Mitversorgung der Zivilbevölkerung hin,...“.


    Endlich eine gute Nachricht über den Besatzungsalltag der Wehrmacht in der SU. Danke dafür.


    Gruß


    Paul

    G-W-G'

  • Lieber Paul,


    Ironie setzt bei Empfängern ein Mindestmaß an Verstehen und irgendwie auch Humor voraus. Bei Revisonisten habe ich jedenfalls damit selten Erfolg gehabt. Sie sind Ideologen...


    Beste Grüße


    Horst

  • Hallo Horst,

    Ironie setzt bei Empfängern ein Mindestmaß an Verstehen und irgendwie auch Humor voraus. Bei Revisonisten habe ich jedenfalls damit selten Erfolg gehabt. Sie sind Ideologen...


    Beste Grüße


    Horst


    üben wir uns etwa in Gesinnungsethik und fordern zum Kampf gegen Rääächts und sturem Relotius-Haltungsjournalismus auf? Muss auch mal gut sein mit der Schallplatte.

    O.g. Anmerkung bezieht sich selbstverständlich partiell auf Teile des ländlichen Raums unter friedlichen Besatzungszeiten ohne unittelbare Kampflage oder Rückzügen.

    Erkennbar an den Bezeichnungen "Ortslazarett / Krankenstube"


    Ich bitte um gegenteilige (Bild-)Beweise und Zeugenaussagen, statt hier nur stur wie die Stiere von Pamplona zu toben.


    MfG

    Tac

    Edited once, last by tac76 ().

  • Hallo Tac,


    niemand bestreitet doch, dass Ortslazarette und Krankenstuben für Zivilisten gab. Darum geht es doch garnicht, sondern um die Behauptung diese seien „flächendeckend“ vorhanden gewesen.

    In Deinem zweiten Beitrag kommst Du dann ja auch zu einer differenzierten Einschätzung, gut so.


    Die Stiere von Pamplona sind arme Kreaturen, die in eine fremde Umgebung ausgesetzt und ständig provoziert bis hin zur Todesangst ihren Instinkten folgend, versuchen sich zu wehren und zu verteidigen. Im Gegensatz zu diesen Stieren bewege ich mich nicht in einer fremden Umgebung, bin nicht verängstigt und folge nicht meinen Instinkten, sondern bin hellwach. Beim nächsten Mal etwas zutreffender polemisieren.


    Gruss


    Paul

    G-W-G'

  • Hallo Paul,


    Du warst auch nicht der Adressat der Ansprache.

    Ich wollte lediglich auf umfangreichere Behandlungen mit scheinbar großem Spielraum der Handelnden hinweisen, die man nicht mehr als gelegentliche Glücksfälle einordnen kann.

    Das dabei noch andere, z.Teil konkurrierende Akteure mit eigenen Interessen in Erscheinung traten (NS-Besatzungsinstitutionen),

    macht die Sache leider ungeheuer komplex bis hin zur Unaufklärbarkeit.



    MfG

    Tac

  • Hallo zusammen,


    ich wünschte ich könnte sagen, die letzten Beiträge von Tac und Paul sind allesamt zutreffend.

    Trotz allem enthalten sie leider auch unrichtige Annahmen (aber Danke an Tac für die anschaulichen Bilder).

    Zunächst muß ich sagen, wir waren doch am Anfang des Themas schon mal weiter.


    Ich hatte doch vor rund zwei Jahren bereits einen Aktenhinweis des Holocaustforschers Dieter Pohl zitiert.

    Der Befehl des Oberkommandos des Heeres (Heeresarzt) zur medizinischen Versorgung hat existiert, nur der Wortlaut ist bislang nicht bekannt:


    Quote

    So erwähnt z.B. Dieter Pohl in seiner Habilitationsschrift "Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944" einen (leider verschollenen) Befehl des Oberkommandos des Heeres vom 29. 7. 1942 über die medizinische Versorgung der sowjetischen Zivilbevölkerung in Russland und der Ukraine:


    "Ein Befehl des OKH, GenQu, Kr.verw. II/9370/42 vom 29.7.1942 zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung konnte bisher nicht aufgefunden werden [...], Monatsbericht Berück Nord, 15.8.1942, [...], Bes.Ano.f.d. Versorgung Nr. 144, Berück Süd, Qu, 31.7.1942 (Bezug auf Ano. Heeresarzt vom 25.7.1942)."


    (Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, München 2009, S. 196, Anm. 61.)


    Und dann noch die (unrichtige) Vermutung des britischen Historikers Alexander Hill, Wehrmachtsärzte selbst hätten

    "nur in Ausnahmefällen" die russische Zivilbevölkerung medizinisch versorgt:


    "In exceptional cases it seems [Vermutung!] that the local population received treatment from German doctors."

    (Alexander Hill, The War behind the Eastern Front. The Soviet Partisan Movement in North-West Russia 1941-1944, London, New York 2005, S. 99.)


    Ich habe inzwischen weitere Literatur gefunden, aus der hervorgeht, daß die medizinische Versorgung der sowjetischen Zivilbevölkerung auf höheren Befehl geordnet und systematisch d.h. flächendeckend organisiert worden ist.


    Als erstes möchte ich auf das neuere Werk von Otmar Jung hinweisen, der die Briefe seines Vaters von der Ostfront ausgewertet hat. Zitat Umschlagtext:


    "Wie die meisten Soldaten schrieb Dr. Walther Jung eifrig Feldpostbriefe an seine alte Familie und seine junge Frau in der Heimat. Diese Briefe sind verloren.

    Überraschend tauchte aber nach mehr als einem halben Jahrhundert ein Bestand von 114 Briefen auf, die er an seinen älteren Schwager, den Gymnasiallehrer und Kunstmaler Josef Reichardt, geschrieben hatte. Diese Briefe sind besonders. Dr. Jung berichtete, was er sah - nicht als "Soldaten-Kämpfer", sondern aus der Perspektive eines jungen Arztes in Uniform, der nach der Schlacht schauen muß, wo man noch helfen kann, und er schilderte dies ohne Schonung, die gegenüber einem Teilnehmer des Ersten Weltkriegs nicht nötig war. Ferner reflektierte Dr. Jung die Situation an der Ostfront - als bemerkenswert unabhängiger Kopf: kritisch, empirisch, und dies gerichtet an einen Empfänger, der vier Monate in Schutzhaft verbracht hatte.

    Eine vorangestellte Teilbiographie (1913-1945) versucht zu erklären, wie Walther Jung nach den Jahren der Diktatur und Gleichschaltung der öffentlichen Meinung sich noch seine geistig-moralische Unabhängigkeit bewahren konnte. Nach der Edition der Briefe werden die wichtigsten Themen erörtert, die Dr. Jung damals ansprach, und die Probleme analysiert, die einzelne Briefe heute aufwerfen."


    Hier der Link zum Buch:

    https://www.amazon.de/Als-Truppenarzt-Ostfront-Feldpostbriefe-Reichardt


    Das entsprechende Kapitel enthält folgende Informationen zu unserem Thema:


    Quote

    "IV. Ärztliche Behandlung russischer Zivilisten

    Besonders interessant erscheint, daß Walther Jung auch russische Zivilisten ärztlich behandelte. Vor Sewastopol wurde er einmal "zu einer Tatarenfrau gerufen, um ein gebrochenes Schlüsselbein wieder einzurichten und zu bandagieren".

    Der alte russische Kollege, den er, wie erwähnt, mit zwei russischen Kolleginnen behandelte, war vermutlich ein ziviler Patient.

    In einem Streitgespräch mit anderen Offizieren - die Causa wurde schon erwähnt - verwies der Truppenarzt auf seine "tatarischen Patientinnen"; konkret berichtet die Oral history von einer Entbindung und einer Lungenpunktion.

    Ende August 1942 resümierte er: "Was ich für die Zivilbevölkerung ärztlich tun konnte, habe ich getan, für die armen Hascherln!"

    (Otmar Jung, Als Truppenarzt an der Ostfront. Feldpostbriefe von Dr. Walther Jung an seinen älteren Schwager Josef Reichardt, 1941-1944, Würzburg 2017, S. 568.)


    Otmar Jung versucht dann, die Informationen seines Vaters in die vorhandene Forschungsliteratur einzuordnen.

    Dabei nennt er auch weitere Anordnungen für die medizinische Versorgung, die er im Bundesarchiv gefunden hat:


    "Unerhört war diese Praxis nicht

    [Anm. 779: "Medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung durch Wehrmachtseinheiten erwähnt auch Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg, S. 728 Fn. 189.].


    Für die 72. I.D. ergingen im November 1942 besondere Anordnungen für die ärztliche Versorgung der Zivilbevölkerung. Demnach waren für diese Versorgung in 17 namentlich aufgeführten Ortschaften sowie für "sämtliche Ortschaften im rückwärtigen Abstellraum der Division" sieben mit Namen und ihren Einheiten genannte Wehrmachtsärzte (von Unter- bis zu Oberärzten) zuständig.

    [Anm. 780: "Besondere Anordnungen für die Versorgung (Rußland) Nr. 89, Anlage 292 v. 21. 11. 1942, BA/MA Freiburg, RH 26-72/167 (o.S.).]


    Kurz darauf wurde noch eine weitere Versorgungsform eingeführt: Im Standortbezirk Polosy wurde ein russischer Zivilarzt "dauernd" eingesetzt und einem Wehrmachtsarzt unterstellt. Der Standortbezirkskommandant hatte wöchentlich über die Tätigkeit dieses russischen Zivilarztes Bericht zu erstatten."

    [Anm. 781: "Besondere Anordnungen für die Versorgung (Rußland) Nr. 89, Anlage 296 v. 22. 11. 1942, BA/MA Freiburg, RH 26-72/167 (o.S.).]


    Otmar Jung, Als Truppenarzt an der Ostfront. Feldpostbriefe von Dr. Walther Jung an seinen älteren Schwager Josef Reichardt, 1941-1944, Würzburg 2017, S. 568-569.


    Der Vollständigkeit halber hier noch einmal die von Otmar Jung erwähnte Feststellung von Christian Hartmann:


    Quote

    "Statt dessen zeigte sich diese of "sehr freundlich" und "zutraulich", begann sofort zu handeln, brachte "Blumensträußchen" oder "Salz und Brot".

    Es kam sogar vor, dass die einmarschierenden Panzersoldaten "von der Bevölkerung auch geküßt" wurden: "Sie halten uns offenbar für Befreier".
    Es spricht für die 4er, wenn sie diese Chancen in der Regel nützten; mitunter wurden sogar Zivilisten medizinisch versorgt. [...]

    [Anmerkung] 79 [...] Hans Luther, fr. San. Ofw. I./Pz.Rgt. 35, Bericht "Privat-Praxis"."


    (Christian Hartmann, Wehrmacht im Ostkrieg: Front und militärisches Hinterland 1941/42, München 2010, S. 712.)


    Hier noch ein weiterer zeitgenössischer Hinweis, aus dem hervorgeht, daß die medizinische Versorgung der sowjetischen Zivilbevölkerung schon frühzeitig und auf höheren Befehl geordnet und systematisch d.h. flächendeckend organisiert worden ist.


    Es handelt sich um einen Eintrag des Unteroffiziers Wolfgang Buff in sein "Kriegstagebuch Ost", das er bis zu seinem Tod in Rußland geführt hat. Das Tagebuch hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge herausgegeben,

    das Buchcover habe ich unten im Anhang, und hier ist noch der Link zum Buch:


    https://www.amazon.de/Vor-Leni…tember-1941/dp/B008NRJOFE


    “7. November 1941


    Die Nacht brachte ein wenig Schießerei, aber ich brauchte nicht heraus. Die Telefonanlage, die ich neuerdings im Bunker habe, tat mir bei der Übermittlung der Feuerkommandos gute Dienste.


    Laut höherem Befehl sollen Truppenärzte auch der hiesigen Bevölkerung behilflich sein. An unserem Truppenverbandsplatz hat unser Stabsarzt, der glücklicherweise mit uns nicht allzu viel zu tun hat, ein Schild anbringen lassen, das auf russisch seine Sprechstunden anzeigt. Als Bezahlung ist Kleinholz mitzubringen, was die Patienten reichlich besitzen.

    Wie man hört, wird von dem Angebot reger Gebrauch gemacht.


    Leider gab es heute wieder keine Post. Wie es heißt, sei die Bahnlinie bombardiert, aber es sollen nun LKWs eingesetzt werden zur Postbeförderung. Hoffentlich ist das möglich.”


    (Vor Leningrad. Kriegstagebuch Ost 29. September 1941-1. September 1942 von Wolfgang Buff (Unteroffizier im Artillerie-Regiment 227), Kassel, (Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge) 2000, S. 26.)


    Das bedeutet also, daß erste Anordnungen bzw. Befehle zur medizinischen Versorgung der sowjetischen Zivilbevölkerung von den zuständigen Stellen des deutschen Ostheeres bereits im Herbst 1941 erlassen wurden.

    Also nicht erst im Sommer 1942 (wie bei Dieter Pohl erwähnt) oder im Herbst 1942 (wie bei Otmar Jung genannt).


    Im nächsten Beitrag kann ich vielleicht noch auf die frontnahe medizinische Hilfe durch deutsche Militärärzte und Sanitäter eingehen. Denn gerade in den umkämpften Gebieten in der Nähe des Gefechtsfelds benötigten viele Menschen medizinischen Beistand, der auch wann immer möglich geleistet wurde. Soviel kann ich vielleicht schon einmal vorwegnehmen.


    Grüße,

    Bodo

  • Hallo Bodo,


    vielen Dank für die aussagekräftigen Fundstücke und schön zu sehen, dass die systematische Mitbehandlung mit Befehlen bis in die kleinste Ebene so langsam erkennbar wird,

    trotz der nicht auffindbaren "Großanordnung".



    Quote


    Ende August 1942 resümierte er: "Was ich für die Zivilbevölkerung ärztlich tun konnte, habe ich getan, für die armen Hascherln!"

    In ähnlicher Art und Weise ist es auch in den Tagebuchaufzeichnungen des Sanitätsoffiziers Dr. Türk* niedergeschrieben, dazu noch mit seinen außergewöhnlichen Farbbildern illustriert. Am Anfang waren es nur neugierige Blicke der Bewohner, wenn irgendwo die Ortskrankenstube eröffnet wurde. Schon nach wenigen Tagen sprach sich die Anwesenheit eines "echten" Doktors bis zu 50 Kilometer weit herum, jede Scheu war verloren und das Bauernvolk brachte ihre Kranken herbei, weil im gesamten ländlichen Raum kaum eine ärztliche Versorgung existierte.



    MfG

    Tac


    *Als Sanitätsoffizier im Rußlandfeldzug: Mit der 3. Panzer-Division bis vor Moskaus Tore

    Axel Urbanke (Autor), Dr. Hermann Türk

  • Hallo Bodo,

    Und dann noch die (unrichtige) Vermutung des britischen Historikers Alexander Hill, Wehrmachtsärzte selbst hätten


    "nur in Ausnahmefällen" die russische Zivilbevölkerung medizinisch versorgt:


    "In exceptional cases it seems [Vermutung!] that the local population received treatment from German doctors."

    (Alexander Hill, The War behind the Eastern Front. The Soviet Partisan Movement in North-West Russia 1941-1944, London, New York 2005, S. 99.)

    Herr Hill fällt eigentlich positiv durch seinen neutralen angelsächsischen Blickwinkel auf den Partisanenkrieg der Ostfront auf,

    bei H/SOZ/KULT* ist der Reszenent Brakel voll des Lobes über die aufgestellten Thesen (u.a. geringe Bedeutung der NS-Ideologie beim Partisanenkampf)

    Man könnte spekulieren, ob ihm wegen der brutalen und nur auf Ausbeutung ausgerichteten britischen Geschichte der Kolonialherrschaft ein Verständnis für die allgemeine deutsche Kriegsführung im osteuropäischen Raum fehlt.

    Ich bin neulich auf die veröffentlichten Tagebücher und Fotografien von Karl Gögele gestoßen, der im ersten Weltkrieg an der Ostfront zum Einsatz kam.

    Ganz erstaunlich, was dieser außergewöhnliche Feldkaplan speziell in Galizien in preußischer Manier "rockte". Die Zivilbevölkerung wurde im Spital mitbehandelt,

    es existieren Fotos von stationär liegenden jüdischen Patientinnen, die in Krankenzimmern neben den Soldaten liegen. Auch war die Beschilderung des Spitals und der Brunnen

    jeweils viersprachig, neben deutsch, russsich und polnisch auch hebräisch(!).

    Eine absolute Leseempfehlung in Punkto Menschlichkeit, aber auch speziell zum weitgehend im Verborgenen gebliebenen Kämpfen, dem Elend und der Verrohung an der Ostfront 1914-18.
    Und selbstverständlich ein tiefgehender Einblick in eine zu zu dieser Zeit bestehende christliche Kriegsführung, was das Sanitätswesen betrifft. Kann dem Thema und weitergehendem Verständnis nur förderlich sein.


    Quote

    Band I:
    Raues Leben, großes Sterben (Feldkaplan Karl Gögele und sein Deutschordensspital / Tagebücher 1915 - 1918)
    Feldkaplan Karl Gögele (1879 1939) trägt seit Beginn des 1. Weltkriegs die Verantwortung für die Schwestern eines Verwundetenspitals und ist dort als Seelsorger tätig. Während in Band 1 seiner Kriegstagebücher ( Hinter den Fronten Galiziens ) der Alltag an der Front und das Leid der Soldaten im Mittelpunkt stehen, geht es in seinen Aufzeichnungen von 1915 bis 1918 um die zunehmende Verrohung, Prostitution, Sauferei und Kriegsmüdigkeit an der Ostfront, später an der italienischen Front. Er beschreibt in seinen Tagebüchern eindringlich, wie der Krieg die Menschen verändert, Geschlechternormen außer Kraft setzt und Gewalt selbstverständlich werden lässt. Mit über 250 bisher unveröffentlichten Fotografien Beiträge von Erwin A. Schmidl (Militärhistoriker, Wien), Benjamin Grilj (Institut für jüdische Geschichte Österreichs, Wien) und Christa Hämmerle (Institut für Geschichte, Universität Wien)

    Quote

    Band II:
    Hinter den Fronten Galiziens, Karl Gögele

    „Der erste August mit dem hellen Jubel der Einrückenden war vorbei.“ So beginnt der aus Lana stammende Feldkaplan Karl Gögele seine Aufzeichnungen. Am 16. August rückt auch er in Galizien ein und wird erst nach dem Kriegsende 1918 wieder in seine Heimat zurückkehren. Gögele trägt Verantwortung für die Schwestern eines Feldspitals und schildet den Alltag eines hinter den Fronten herziehenden Lazaretts: Im Morast sich fortbewegende Pferdewagen, Aufbau von OP-Räumen in besetzten Gebäuden, notdürftigste Pflege der Verwundeten. Als Kurat in Offiziersuniform ist er für geistlichen Beistand im Krieg zuständig, was sich oft genug auf das Spenden der Sterbesakramente reduziert.

    Nüchtern schildert Gögele das Erlebte, geduldig erträgt er die eigenen Strapazen und die Hilflosigkeit gegenüber dem Leid der anderen. Gleichzeitig ist er von der fremden Kultur in Galizien und den jüdischen Schtetl fasziniert. Über 700 Fotografien sind erhalten: Eine Auswahl daraus wird in den beiden geplanten Bänden abgedruckt.



    MfG

    Tac


    * https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-6661

  • Hallo Tac,


    In ähnlicher Art und Weise ist es auch in den Tagebuchaufzeichnungen des Sanitätsoffiziers Dr. Türk* niedergeschrieben, dazu noch mit seinen außergewöhnlichen Farbbildern illustriert. Am Anfang waren es nur neugierige Blicke der Bewohner, wenn irgendwo die Ortskrankenstube eröffnet wurde. Schon nach wenigen Tagen sprach sich die Anwesenheit eines "echten" Doktors bis zu 50 Kilometer weit herum, jede Scheu war verloren und das Bauernvolk brachte ihre Kranken herbei, weil im gesamten ländlichen Raum kaum eine ärztliche Versorgung existierte.


    danke für den Hinweis auf das Buch von Axel Urbanke "Als Sanitätsoffizier im Rußlandfeldzug", das die Aufzeichnungen von Dr. Hermann Türk enthält. Ich hatte es schon vor längerer Zeit gelesen, aber noch nicht im Hinblick auf das Thema

    "medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung durch die Wehrmacht".

    Das Buch ist ja aufgrund von Größe und Gewicht ein "schwerer Brocken", schön daß Du dennoch einen anschaulichen Scan machen konntest. Leider ist Dr. Türk noch Ende 1941 so schwer erkrankt bzw. verwundet worden, daß er die weitere Entwicklung der "Winterschlacht im Osten" aus Sicht der 3. Panzer-Division nicht mehr beschreiben konnte.


    Ich bin neulich auf die veröffentlichten Tagebücher und Fotografien von Karl Gögele gestoßen, der im ersten Weltkrieg an der Ostfront zum Einsatz kam.

    Ganz erstaunlich, was dieser außergewöhnliche Feldkaplan speziell in Galizien in preußischer Manier "rockte". Die Zivilbevölkerung wurde im Spital mitbehandelt,

    es existieren Fotos von stationär liegenden jüdischen Patientinnen, die in Krankenzimmern neben den Soldaten liegen. Auch war die Beschilderung des Spitals und der Brunnen


    jeweils viersprachig, neben deutsch, russsich und polnisch auch hebräisch(!).

    Ich bin schon mehrmals auf Quellen gestoßen, die das Verhältnis zwischen deutschem Ostheer und der Zivilbevölkerung in Rußland im Ersten Weltkrieg zeigen. Offenbar waren nicht wenige deutsche Besatzungstruppen auf Lebensmittellieferungen durch jüdische Kaufleute angewiesen.


    Herr Hill fällt eigentlich positiv durch seinen neutralen angelsächsischen Blickwinkel auf den Partisanenkrieg der Ostfront auf,

    bei H/SOZ/KULT* ist der Reszenent Brakel voll des Lobes über die aufgestellten Thesen (u.a. geringe Bedeutung der NS-Ideologie beim Partisanenkampf)

    Ich stimme Dir zu, allerdings hat Alexander Hill ausführliche sowjetische Partisanenberichte verarbeitet, die

    (wie wir seit Sebastian Stoppers Analysen wissen) oftmals auch falsche Propagandabehauptungen enthalten.

    Manches taucht dann als angebliche Tatsache in historischen Abhandlungen wieder auf.

    (Siehe hierzu auch Sebastian Stopper, "Die Straße ist deutsch". Der sowjetische Partisanenkrieg und seine militärische Effizienz, in: VfZ 59 (2011) Heft 3).

    So zitiert Hill aus einem Partisanenbericht, wonach die Wehrmacht die russischen Zivilisten eines Gebietes aufgefordert hätte, Medikamente bei der deutschen Kommandantur abzuliefern. Er läßt das unkommentiert. Aber was sollten das für Medikamente gewesen sein, aus deutschen oder russischen Beständen? Dabei war der deutsche Sanitätsdienst doch im Allgemeinen ganz froh, wenn die Einheimischen selbst über medizinische Hilfsmittel verfügten!?


    Neulich hatte ich noch vergessen, daß Alexander Hill ja auch eine amtliche Wehrmachtsquelle zur medizinischen Versorgung der russischen Zivilbevölkerung angegeben hatte (hatte ich vor Jahren bereits einmal genannt).

    Es handelt sich dabei um einen Befehl der Heeresgruppe Nord. Dieser Befehl zur Regelung der Versorgung von einheimischen Zivilisten datiert (erstaunlicherweise) noch elf Tage vor dem bei Dieter Pohl genannten Befehl des Oberkommandos des Heeres vom 29. 7. 1942 (nach Anordnungen Heeresarzt vom 25. 7. 1942) :


    Quote

    Hill weist nämlich auf einen Heeresgruppenbefehl hin, wonach bei Bedarf sehr wohl Arzneimittel und Sanitätsgerät aus deutschen Beständen für die russische Zivilbevölkerung ausgegeben werden mussten.


    Es handelt sich um die Anweisung des Generalquartiermeisters der Heeresgruppe Nord vom 18. Juli 1942 für die rückwärtigen Armee- und Heeresgruppengebiete:

    "Verwaltungsanordnungen Nr. 7. Versorgung der russischen Zivilbevölkerung mit Arzneimitteln und Sanitätsgerät".

    (Alexander Hill, The War behind the Eastern Front. The Soviet Partisan Movement in North-West Russia 1941-1944, London, New York 2005, S. 98-99 und S. 109 Anm. 46.)


    Nochmals zum Vergleich die Quellenangabe bei Dieter Pohl:


    "Ein Befehl des OKH, GenQu, Kr.verw. II/9370/42 vom 29.7.1942 zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung konnte bisher nicht aufgefunden werden [...],

    Monatsbericht Berück Nord, 15.8.1942, [...], Bes.Ano.f.d. Versorgung Nr. 144, Berück Süd, Qu, 31.7.1942

    (Bezug auf Ano. Heeresarzt vom 25.7.1942)."


    (Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, München 2009, S. 196, Anm. 61.)



    Für heute möchte ich mit einem Beitrag von Hubert Fischer schließen, dem Autor des Mammutwerkes

    "Der deutsche Sanitätsdienst 1921 - 1945". Fischer war ja selber als Wehrmachtsarzt im Fronteinsatz und hat 1977 in der

    Wehrmedizinischen Monatsschrift den offiziellen Bericht eines deutschen Oberstarztes von 1945 ausgewertet.

    Dort steht als Autor allerdings nur "H. Fischer". Ich hoffe, es ist der Hubert Fischer.

    Dieser Bericht stammt aus der Bibliothek der Sanitätsakademie der Bundeswehr, der Titel lautet:


    Oberstarzt a.D. Prof. Dr. med. Heinrich Hornung, Gesundheitsfürsorge durch die deutsche Wehrmacht für die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten (Manuskript 1945, Bibliothek SanAkBw Nr. 2150)


    Es geht um die von deutschen Truppen besetzten Länder Niederlande, Belgien, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland, Italien (ab September 1943), Albanien und Rußland (gemeint sind hier die besetzten Gebiete der Sowjetunion):


    "Einen Einblick in die Erfordernisse und Möglichkeiten der sanitären und ärztlichen Unterstützung der Zivilbevölkerung besetzter Gebiete gibt ein Bericht von Hornung über die Gesundheitsfürsorge in den im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten."

    (Quelle: H. Fischer, Gesundheitsfürsorge für die Zivilbevölkerung besetzter Gebiete, in: Wehrmedizinische Monatsschrift 21. Jahrgang 1977, München 1977, S. 246-248.)


    Hubert Fischer hat den Bericht des Oberstarztes Hornung zur medizinischen Versorgung in den besetzten Gebieten der Sowjetunion so zusammengefaßt:



    Dieser Bericht von 1945 ist als Überblicksdarstellung vielleicht ganz anschaulich. Für das Thema passend finde ich vor allem die Sätze "Bei besonderen Notständen der Zivilbevölkerung erfolgte eine zusätzliche Hilfe deutscher Sanitätsdienststellen" und

    "Verbandmittel sind in örtlichen Fabriken hergestellt worden und bildeten eine wesentliche Erleichterung für die Versorgung der russischen Krankenhäuser und Apotheken. Reichten die Apothekenvorräte des Landes nicht mehr aus, wurden Bestände der Wehrmacht verabreicht."


    Anscheinend war man "weiter oben" (hier: Oberstarzt) nicht richtig im Bilde, wie schlecht der Gesundheitszustand vieler Zivilisten gerade auch in Frontnähe gewesen ist. Die von Hornung genannten "Besonderen Notstände", die eine medizinische Hilfe durch deutsche Truppenärzte erforderlich machten, gab es dort zuhauf. Soviel konnten wir durch die vielen in den letzten Jahren zitierten Quellenhinweise vielleicht schon deutlich machen.

    Zur medizinischen Versorgung in Frontnähe beim nächsten Mal mehr.


    Beste Grüße,

    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo zusammen,


    in den letzten Jahren hatten wir viel über die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung in Wehrmachtslazaretten, Ortskrankenstuben oder von der Wehrmacht eingerichteten Zivilkrankenhäusern geschrieben.

    Heute möchte ich einmal (als Einschub in das Thema) einen anderen Aspekt aufgreifen. Bisher hatte ich die frontnahe medizinische Hilfe für verletzte oder kranke sowjetische Zivilisten durch den deutschen Sanitätsdienst ein wenig vernachlässigt.


    Schon beim Vormarsch der deutschen Wehrmacht 1941 war es üblich, daß der Sanitätsdienst der Wehrmacht

    russische Zivilisten mitversorgt hat. Auch ohne die neulich zitierten Befehle höherer Kommandobehörden, die

    vermutlich im Herbst 1941 erstmals erlassen wurden, wie das Tagebuch des Unteroffiziers Wolfgang Buff gezeigt hat

    (ein Beispielfoto aus dem Sommer 1941 war ja vor dreieinhalb Jahren in meinem Eingangspost zu sehen:

    "Unser Stabsarzt behandelt kranke Kinder, dahinter Oblt. Wörner, rechts San. Fw. Seiler. Rußland, Sommer 1941").


    Neben den allgemeinen, oft schon länger bestehenden Krankheiten gab es natürlich auch die schlimmen Folgen

    von Kampfhandlungen, bei denen unzählige Zivilisten verletzt oder getötet wurden.

    Die deutschen Soldaten machten immer wieder die Erfahrung, daß die sowjetische Landbevölkerung

    auch bei schwersten, wechselnden Gefechtslagen ihre Häuser und Hütten nicht freiwillig verlassen wollte.

    Gerade im ersten, schlimmen Jahrhundertwinter 1941/42 (bis Minus 50 Grad unter Null) führte das zu vielen Opfern,

    da die selbst gegrabenen Erdbunker die Menschen nicht vor Erfrierungen schützten. Und in den Häusern waren weder die Zivilisten noch die Soldaten vor den wiederkehrenden sowjetischen Luftangriffen sicher.


    Herbert Kästner, an der Ostfront Kradschütze in der 7. Panzer-Division, hat z.B. in sein Kriegstagebuch Anfang Dezember 1941 folgendes eingetragen:


    "[...] Der Himmel ist klar und es herrscht eine grimmige Kälte. Nachmittags kam wieder

    ein russisches Schlachtflugzeug über uns hinweg gebraust und warf eine Bombe in ein Haus.

    Das Haus stand sofort in hellen Flammen.

    Zwei Zivilisten und drei Soldaten mussten wieder ihr Leben lassen. Fenster wurden wieder mit Pappe

    dicht gemacht und rein ging es in die demolierten Buden. [...]


    Freitag, den 05. Dezember [1941].

    Unser Dorf, in dem wir liegen, ist auf einer Höhe, dadurch wird es von den feindlichen Fliegern sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die zahlreichen Bomberangriffe machten unsere Nerven mit der Zeit mürbe.


    Bei der Zivilbevölkerung war es ganz schlimm. Jeder Abschuss und Einschlag der Ari,

    war für sie ein Schreck und sie wurden kreideweiß vor Angst. Wenn es ganz schlimm wurde,

    gingen sie trotz grimmiger Kälte in ihre Erdbunker.

    Bei 37 Grad Celsius Kälte tobte der Kampf, in 3 Wellen griff der Feind an, um einen Durchbruch zu erzwingen.

    Etwa 19.00 kreist wieder ein Doppeldecker über uns. Er flog so tief, dass man ihn erkennen konnte.

    Es rauscht, wir springen in Deckung. Auf einmal steht die ganze Umgebung im Schein der Brandbomben,

    die der Flieger abgeworfen hatte. An einem Haus fing es an zu brennen.

    [...]

    Nach einer Zeit wiederholte der Flieger seinen Angriff. Diesmal musste unser Nachbarhaus daran glauben.

    Der Teich war zugefroren, mit 2 Handgranaten schufen wir eine Öffnung und schöpften

    gemeinsam mit der Bevölkerung Wasser, um die anderen Häuser zu retten.


    Nach Mitternacht belegte es uns noch einmal mit 3 Sprengbomben.

    Wir waren noch beim Löschen, da hörten wir es rauschen.

    In Deckung gehen, schon krachte es in unserer Nähe.

    Die Splitter pfiffen über uns hinweg, dann war es wieder ruhig.

    Zum Glück hatten wir keine Verluste. Nur eine Frau hatte Splitter abbekommen.

    Blut überströmt lief sie über die Straße und suchte einen Sanitäter.

    Es ist 3.00, an schlafen war kein denken mehr.

    In unserer Nähe vom Dorf stand unsere Ari, deshalb der ständige Angriff. [...]"


    (Herbert Kästner, Mein Kriegstagebuch als Kradschütze in der 7. Panzer-Division vom 17. November 1938 bis 15. Mai 1945, Bad Langensalza 2012, S. 249-250.)


    Der Tagebuchauszug zeigt glaube ich ganz gut, wie deutsche Soldaten und russische Zivilisten in Frontnähe

    durch die Kampfhandlungen mit Tod oder Verwundung bedroht waren. Die Truppensanitäter (und Ärzte) versorgten

    beide Gruppen in der Regel in gleicher Weise. Im Vergleich zu Verbandplätzen oder Lazaretten waren die medizinischen Möglichkeiten so dicht an der Front aber natürlich sehr eingeschränkt, Operationen z.B. kaum durchfürbar.


    Welche Anforderungen an die deutschen Truppenärzte in Rußland gestellt wurden, zeigt ganz gut der Bericht

    des Stabsarztes Hans Paul Wacker. Er war beim Vormarsch 1941/42 Truppenarzt bei einem Artillerieregiment

    und mußte auch immer wieder um zum Teil schwer verletzte russische Zivilisten kümmern.

    Dafür wurde er sogar von seinen Kameraden gesucht:


    Quote

    "Ich stieß auf meinen Haufen in einem Dorf, das tags zuvor heftig umkämpft gewesen war und in dem noch zahlreiche verwundete Zivilisten in Ruinen und Bunkern herumlagen und der ärztlichen Hilfe bedurften.

    Man hatte mich gesucht, aber in der Dunkelheit nicht gefunden und angenommen, daß ich mich dem allgemeinen Verfolgungstrend folgend bereits ans andere Ufer abgesetzt habe."


    (Hans Paul Wacker, Die Watte-Pistole. Lebensstufen eines ärztlichen Zeitgenossen 1903-1986, Wien 1986, S. 154.)


    Interessant ist vielleicht noch, daß Hans Paul Wacker der Schwiegervater des bekannten Künstlers Alfred Hrdlicka war. Dieser hat daher die Illustrationen im autobiographischen Buch Wackers angefertigt.


    In einem weiteren Abschnitt seiner Kriegserlebnisse berichtet der Stabsarzt dann von den näheren Umständen,

    wenn eine größere Anzahl von verletzten Zivilisten, hier meist aus den russischen Großstädten Moskau und Leningrad evakuierte Frauen und Kinder, bei einer kurzen Marschpause medizinisch behandelt werden mußten.

    Gestern hatte ich ja den Bericht des Oberstarztes Hornung zitiert, der sich wohl auf solche Notfälle bezog:


    "Bei besonderen Notständen der Zivilbevölkerung erfolgte eine zusätzliche Hilfe deutscher Sanitätsdienststellen."


    Mehrere Wehrmachtsärzte der erschöpften Truppe bemühten sich hier, die Verletzten im Rahmen ihrer Möglichkeiten und mit Hilfe der Familienangehörigen zu behandeln. Bei einem akuten Notfall eines Kindes erfolgte sogar eine schnelle Operation auf dem nächsten Hauptverbandsplatz:


    "Kurzes Zwischenspiel in Tarussa.

    In Tarussa an der Oka, einem Nebenfluß der oberen Wolga, waren wir nach mühseligem, verlustreichem Vorwärtskriechen durch Dreck und Morast für einige Tage zur Erholung und Auffrischung der Truppe einquartiert. Tarussa war ein bekannter, romantisch inmitten ausgedehnter Birkenwälder gelegener Kurort, in den sich viele aus Moskau und Leningrad geflüchtete Angehörige der intellektuellen Oberschicht, vorwiegend Frauen und Kinder von Künstlern und Wissenschaftlern begeben hatten.

    Die verwundeten Zivilisten wurden von ihren Angehörigen unter Beistand der deutschen Truppenärzte notdürftig versorgt, ich sah ein zehnjähriges Mädchen, dem ein fingerdicker Holzsplitter den rechten Brustkorb durchbohrt hatte, vorne und hinten schauten die Enden des Fremdkörpers heraus. Die Kleine konnte auf dem Hauptverbandsplatz operiert und gerettet werden."

    (Hans Paul Wacker, Die Watte-Pistole. Lebensstufen eines ärztlichen Zeitgenossen 1903-1986, Wien 1986, S. 156.)



    Im Gegenzug wurden die Offiziere der für kurze in Tarussa rastenden deutschen Truppen von den russischen Familien der sowjetischen Oberschicht zum Tee eingeladen. Wackers Erkenntnisse aus den zahlreichen deutsch-russischen Gesprächen und Diskussionen über den Krieg und seine Folgen finde ich ebenfalls interessant, deswegen noch ein kurzer Auszug:



    Zum Abschluß noch die Darstellung bei Wikipedia zu dem bis heute wichtigen russischen kulturellen Zentrum Tarussa:


    Tarussa (russisch Таруса, deutsch auch Tarusa) ist eine Kleinstadt in Russland und das Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons in der Oblast Kaluga. Tarussa liegt an der Mündung des Flusses Tarussa in die Oka, etwa 70 km von der Gebietshauptstadt Kaluga entfernt, und hat 9660 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).


    Tarussa ist ein wichtiges russisches Kulturzentrum, das nicht nur wegen seiner landschaftlich schönen Lage am hohen Ufer der Oka immer wieder Künstler, Dichter, Schriftsteller und andere Kulturschaffende angezogen hat, sondern auch, weil es knapp mehr als die 100 Kilometer von Moskau entfernt war; dies war während der Sowjetzeit die Distanz, welche Personen, die aus politischen Gründen verurteilt worden waren, zu den Metropolen einzuhalten hatten.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Tarussa


    Grüße,

    Bodo