Medizinische Versorgung durch die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion 1941-1944

  • Hallo zusammen,


    bei meiner Suche nach Zeitzeugenberichten zum deutschen Sanitätsdienst an der Ostfront bin ich auf einige Ungereimtheiten gestoßen. Vielleicht kennt sich jemand mit dem Forschungsstand aus und kann mir bei meinen Fragen weiterhelfen.


    Wie ich schon bei anderen Beiträgen erwähnt habe, war mein Vater als Flaksoldat von 1941 bis 1945 an der Ostfront eingesetzt, die meiste Zeit davon in Russland. Zwei Jahre im direkten Fronteinsatz, dazwischen zwei Jahre im rückwärtigen Gebiet.
    Als ich meinem Vater kürzlich die ersten Bilder der von UdoRudi eingestellten interessante Fotoserie "Abseits der Rollbahn" bei Orel gezeigt hatte (sein Flak-Regiment 101 war 18 Monate zur Erd- und Luftverteidigung im Raum Orel eingesetzt), ist ihm ein Bild besonders aufgefallen:
    http://www.forum-der-wehrmacht…998-Abseits-der-Rollbahn/


    Auf dem Foto mit der Beschriftung "Truppenverbandsplatz" (UdoRudis Post vom 16. März) sieht man russische Zivilisten, die vor einem Sanitätsstützpunkt der deutschen Wehrmacht warten.
    Wie mein Vater erzählte, hat er oft mit befreundeten Russen darüber gesprochen und das auch selbst beobachtet:
    die russische Zivilbevölkerung ließ sich während der Besatzungszeit offenbar häufig von deutschen Militärärzten behandeln.


    Mein Vater hat sich immer sehr für medizinische Fragen interessiert. Lange bevor er nach dem Krieg Medizin studieren konnte, hat er als ausgebildeter Hilfssanitäter ("Hilfskrankenträger") öfters verletzte Kameraden zum nächsten Verbandsplatz oder Lazarett begleitet. Wenn die Ärzte wegen großer Verwundetenzahlen keine Zeit hatten, entfernte er bei seinen Kameraden schon mal selbst kleinere Splitter. Natürlich nur bei leichten und oberflächlichen Verletzungen.


    Es wäre vielleicht eine anschauliche Ergänzung, wenn UdoRudi sein Foto "Truppenverbandsplatz" hier bei diesem Thema nochmals einstellen könnte.


    Ich habe als Beispiel ein Foto vom Sommer 1941 gefunden, das vor Jahren im Internet zu sehen war.
    Hier untersucht ein deutscher Wehrmachtsarzt russische Kinder im Freien, offenbar in der Nähe eines Dorfes. Wahrscheinlich im Biwak auf dem Vormarsch, denn der Oberleutnant und Kompaniechef ist ebenfalls anwesend. Die improvisierte "Arztpraxis" (der begleitende Arzthelfer ist ein Sanitätsfeldwebel) könnte daher mit dem Kompaniegefechtsstand identisch sein.


    Die Beschriftung lautet:
    "Unser Stabsarzt behandelt kranke Kinder, dahinter Oblt. Wörner, rechts San. Fw. Seiler.
    Rußland, Sommer 1941".
    Wehrmachtsarzt untersucht russisches Kind,Sommer 1941.jpg


    Meine Frage lautet nun, welche Fakten über die medizinische Versorgung durch die Wehrmacht in Russland heutzutage überhaupt bekannt sind? Wie intensiv haben sich Wehrmachtsärzte mit dem Gesundheitszustand der russischen bzw. ukrainischen Bevölkerung und Kriegsgefangenen beschäftigt? Welche Fachbücher und Erinnerungsliteratur gibt es zum Thema?


    Leider hilft das bekannte Standardwerk von Karlheinz Schneider-Janessen nicht viel weiter ("Arzt im Krieg. Wie deutsche und russische Ärzte den zweiten Weltkrieg erlebten", Frankfurt am Main (Lichtenwys) 2001.) Es gibt darin kein eigenes Kapitel zum Thema.


    Zu der möglichen Kontroverse um die Aussagen der sowjetischen und deutschen Geschichtsschreibung hat der österreichische Wehrmachtsarzt und spätere Universitätsprofessor Dr. Fritz Heppner ein interessantes Gespräch mit russischen NKWD-(KGB-)Offizieren wiedergegeben. Es stammt aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, als Dr. Heppner in russischer Gefangenschaft war:



    Zu den Hintergründen des NKWD-Verhörs hier noch ein Zitat aus dem Umschlagtext:
    "Oberarzt Fritz Heppner gerät im Frühsommer 1945 als Angehöriger der Kurland-Armee in russische Gefangenschaft und wird in das Lager Morschansk östlich von Moskau gebracht. Als deutlich wird, daß die Gefangenschaft noch Jahre dauern kann, faßt er den Plan zu einer abenteuerlichen Flucht. Er erfindet den Rotarmisten "Pakuls", fälscht Ausweise und Stempel und übt ein Jahr lang an seiner Verwandlung. Die Flucht gelingt zunächst, das Ziel ist die rumänische Grenze. Mehr als 1.200 km schlägt er sich zu Fuß und als Passagier auf Eisenbahnzügen durch die Sowjetunion. Doch dann, beim Versuch, schwimmend durch den Dnjestr das vermeintlich gesperrte Bessarabien zu erreichen, wird er geschnappt. Die nächste Station ist das Kriegsgefangenenlager Kischinew, wo Heppner bis zu seiner Repatriierung 1947 wieder als Chirurg im Lazarett tätig ist.


    Der Autor verschweigt bei seiner spannungsgeladenen Schilderung nicht, daß seine Erfahrungen mit der russischen Bevölkerung sowie mit den sowjetischen Soldaten und Offizieren weitgehend positiv waren, wenngleich letztere ihm nicht glauben wollten, daß er als deutscher Wehrmachtsarzt nicht nur russische Kriegsgefangene, sondern auch Zivilisten in gleicher Weise behandelt und operiert hatte.”


    Ein Link zum Buch:
    http://www.amazon.de/Nimmer-si…TF8&qid=1436572880&sr=1-1


    Die beiden NKWD-Offiziere bezweifelten also keineswegs, daß Dr. Heppner verwundete Rotarmisten genauso wie verwundete Wehrmachtssoldaten operiert hat, sondern es ging ihnen “nur” um die Frage der medizinischen Versorgung von kranken oder verletzten russischen und ukrainischen Zivilisten.


    Es wäre schön, wenn zu dem Thema noch Literaturhinweise oder Erfahrungsberichte gesammelt werden könnten.


    Grüße,
    Bodo


    Link blau eingefärbt, Diana

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

  • Hallo Bodo,


    Ich habe zu Deinem Thema mal den 2. Band vom Fischer angeblättert.
    (Der deutsche Sanitätsdienst 1921 - 1945 Teil C: Der Krieg gegen die Sowjetunion)


    Auf den ersten 20 Seien habe ich bereits 4 Stellen gefunden, in der die ärztliche Versorgung von verwundeten Russen oder eine Versorgung der Zivilbevölkerung geschildert wird.
    Doch die Auswertung ist aufwendig; zuerst Lesearbeit im Fischer, um die Stellen überhaupt zu finden, dann die Quellensuche
    und dann hat man nur Schilderungen aus 2. Hand, da in den KTBs derartige Angaben unwahrscheinlich sind.


    Gruß Christa


    PS: Falls es Dich interessiert, könnte ich Dir einige Kapitel aus dem Fischer in Kopie mailen.

  • Hallo,


    ich glaube es war verboten Arzneimittel außerhalb der Truppe an außerhalb des DR bzw. der Besatzungsgebiete lebende Zivilisten abzugeben und für letztere nur in Ausnahmefällen.
    Finde aber den Erlass nicht.
    Es gibt da noch ein Buch von Karschkes, Helmut:
    "Menschlichkeit im Krieg", Dort sind auch Fotos enthalten. Ich habe nur einen Auszug.


    Gruß Karl

  • Hallo Leute,


    man muss unterscheiden:


    -Hiwis: hatten idR. die gleiche Med. Versorgung wie Deutsche Soldaten
    -Zivilarbeiter inkl. Angehöriger: Hatten Anrecht auf Med. Versorgung im Rahmen der Möglichkeiten. Schon im Sinne der Arbeitskrafterhaltung waren regelmässige Impfungen üblich. Weiter gab es eigene einheimische Ärzte die von Zivilbetrieben bezahlt wurden und die Einheimischen behandelten. Die Nutzung von Einrichtungen (Röntgengeräte, Labore, OP-Räume usw.) und Medikamenten der Wehrmacht war im Rahmen der Verfügbarkeit üblich.


    In einem der nächsten Beiträge in meinem Thread kommt eine Anordnung zur "Hinterbliebenen-Versorgung der im WH-Einsatz eingesetzen Landeseinwohner".


    Gruß

  • Hallo,


    in der Foto-Sammlung der SS-Kriegsberichterstatter habe ich heute 3 Fotos zu diesem Thema gefunden. Leider keine näheren Angaben dazu gefunden, nur der Name des Fotografen wird angegeben; SS-Kriegberichter Ahrens.


    Gruß
    Roy

    Files

    • 54.jpg

      (238.04 kB, downloaded 199 times, last: )
    • 55(1).jpg

      (278.71 kB, downloaded 165 times, last: )
    • 61.jpg

      (230.97 kB, downloaded 189 times, last: )

    Suche alles zur 129.ID, insb. GrenReg.427 ab 1944 an der Ostfront, sowie zur 199.ID, insb. zum Fest.Btl. 650 1943-44 in Norwegen, sowie zur 353.ID, insb. GrenRgt. 943 Juli-Aug. 1944 in Frankreich.

  • Moin Bodo,


    ich habe vor einiger Zeit im Nachlass meines Vaters ein altes Taschenbuch aus dem Fischer-Verlag entdeckt:

    Peter Bamm: "Die unsichtbare Flagge" Ein Arzt erlebt den Krieg


    Peter Bamm ist dem Klappentext zufolge ein Pseudonym für Curt Emmrich, Jahrgang 1897. Dort heißt es u.a. "Mit dem Erlebnisbericht aus dem letzten Krieg `Die unsichtbare Flagge`(1952), der zu einem Bestseller wurde, reihte sich Peter Bamm in die erste Reihe der deutschen Schriftsteller ein.


    Ich fand das Buch sehr lesenswert. Darin finden sich viele Einblicke in die Arbeit eines Stabsarztes an der Front. Spannend allemal. Ich habe mir erlaubt, einige Passagen als Leseprobe einzustellen, die Deinen Thread ergänzen mögen.


    LG Justus

  • Hallo Zusammen,


    Hallo Justus,


    Danke für Deinen Hinweis und das Einstellen einer Leseprobe. :thumbsup:


    Ein hoch interessantes und spannendes Buch - insbesondere kommt es ohne Pathos aus. Sehr zu empfehlen!!


    Ich habe es in den letzten Jahren schon mehrmals gelesen. Immer wieder fesselnd.


    Übrigens bei der Einheit, die im Buch aber nicht genannt wird handelt es sich um die 50. Infanterie-Division u.a. im Einsatz auf der Krim und dann im Kuban-Brückenkopf.


    Gruss
    Gerhard

  • Hallo Justus,


    auch von meiner Seite vielen Dank für diesen Buchtipp.


    Das Buch scheint wirklich lesenswert zu sein - und zeigt wieder einmal, dass im Krieg durch Zivilcourage und Empathie (von mir aus auch "christliches Handeln") schlimmste Exzesse gemildert werden können.


    Leider war diese Einstellung nicht die Regel - auf beiden Seiten ...



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo,


    Hier noch ein Hinweis auf folgendes Buch was ich gerade gefunden habe.


    Helmut Karschkes (Herausgeber): "Menschlichkeit im Krieg: Soldaten der Deutschen Wehrmacht und ihre Gegner berichten" von 2000


    Kennt jemand dieses Buch? Passt der Inhalt zu diesem Thread?


    Danke & Gruss
    Gerhard

  • Guten Morgen Karl,


    Habe ich sicherlich übersehen  :(


    Aber meine beiden Fragen sind trotzdem von Relevanz.


    Möglicherweise meldet sich jemand der das Buch sein eigen nennt bzw. gelesen hat.


    Gruss & nichts für ungut
    Gerhard

    Edited once, last by mika1606 ().

  • Moin,
    ich habe das Buch (zur Zeit leider verliehen). Darin befindet sich z.B. Ein Foto, wie einem russischen Verwundeten von einem deutschen Sanitäter geholfen wird. Auch glaube ich dort von Hilfsleistungen deutscher Ärzte für russische Zivilisten gelesen zu haben.
    Insofern ist es hoffentlich für Dich von Relevanz.


    lg Justus

  • Hallo zusammen,
    hallo Bodo,


    eigentlich wollte ich jetzt ein bequemes Dasein als passiver FdW-Couch-Potato ausleben,
    aufgrund des involvierten Veteranen und Anerkennung Deines kritischen Mitforisten-Daseins,
    stets mit vorbildlich quellengesättigten Fragen/Antworten, sei noch mal eine Ausnahme gemacht.


    Meine Frage lautet nun, welche Fakten über die medizinische Versorgung durch die Wehrmacht in Russland heutzutage überhaupt bekannt sind? Wie intensiv haben sich Wehrmachtsärzte mit dem Gesundheitszustand der russischen bzw. ukrainischen Bevölkerung und Kriegsgefangenen beschäftigt? Welche Fachbücher und Erinnerungsliteratur gibt es zum Thema?


    Es hat sich noch niemand an das Unternehmen einer Gesamtbetrachtung gewagt, somit stehen momentan auch nur spezielle Fachaufsätze,
    in der Anzahl überschaubare Veröffentlichungen von persönlichen Erinnerungen sowie diverse Literatur aus dem Randbereich Besatzungsherrschaft zur Verfügung.
    Ich wüsste nicht mal, in welchen Archiven all die relevante Akten (Sanitätswesen / Beratertagungen / Gesundheitswesen Zivilverwaltung / RMfbO / Truppenberichte ) lagern.
    Zu besonders brisanten Akten (u.a. Menschenversuche) liegen stellenweise nur noch schriftliche Unterlagen über deren ordnungsgemäße Vernichtung vor, kurz vor
    Kriegsende1. Oder es liegen noch viele interessante Nachlässe von involvierten Personen unerschlossen in Archiven.
    Hauptschwerpunkt der Forschung galt eher den Themenbereichen "Selbstverstümmelung, "Prostitution", "Psychatrie", "Seuchenbehandlung",
    die ja auch für Folgestreitkräfte von hohem eigenen Interesse sind (Und damit überhaupt finanziert werden konnten)

    Was Dir vorschwebt, wäre das eher ein "Liebhaberwerk", bezogen auf die Sanitäter der Front und auf die in der ländlichen Etappe getroffenen Maßnahmen/Eigeninitiativen von WH-Ärzten?
    Schätzungsweise wird so eine Studie erst in späteren Jahrzehnten einmal zur Verfügung stehen, woher sollte überhaupt deren edler Finanzier kommen?
    Kritiker würden immer auf den Gesamtkontext hinweisen, der eine Einzelbetrachung mit "Rosinenpickerei" aus Anstandsgründen verbietet.
    Hier müssen aus Gründen der politischen Korrektheit immer die Worte des Philosophen Adorno - "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" herhalten,
    auch wenn sich die überwältigende Mehrheit des Sanitätspersonals den Sinn für das Richtige nicht nehmen ließen.



    Einen eher "törichten" bzw. nicht überzeugenden Versuch hat m.E. der mit seinem Buch "Menschlichkeit im Krieg" erwähnte Helmut Karschkes unternommen.
    Mit reichlich Bildmaterial (ca. 70) zur Bevölkerung, Verwundungen und Behandlung von Zivilisten/russ. Gefangene zeigt das Werk ähnlich wie der Rollbahnthread
    beeindruckende Fotos. Es werden aber undifferenziert gestellte Propagandaaufnahmen mit Privatbildern vermischt. Die unzähligen Textepisoden aus ganz Europa 39-45
    habe ich weitestgehend bis auf eine interessante Fundstelle ignoriert,
    Belastend kommt hinzu, Herr Karschkes hat als bekannter Landserautor und Romanschreiber2 dann doch zu offensichtlich lektoriert und textlich sehr auf Tränendrüse zielend "ausgeschmückt",
    bis hin zur Unglaubhaftigkeit. Ich will ihm aber hier keinesfalls etwas unterstellen, was er aus zahlreichen Erinnerungen anderer Soldaten zusammengetragen hat.
    Grund seiner Veröffentlichung war wohl nur eine Empörung über die WH-Ausstellung und das schnelle Zusammentragen entsprechender Positivbeispiele.
    Dazu oftmals noch übers Thema hinausschießend (Befreiung von Generälen und Priestern aus "bolchewistischen" Händen !). Also gute Absichten, aber katastrophal umgesetzt
    und nicht zitierbar.
    Die für mich interessante Fundstelle - "Erinnerungen an das russische Zivilkrankenhaus in Pawlowsk (Sluzk)" ist die wahre Geschichte eines Arztes, der im Winter 41/42
    vor Leningrad aus Eigeninitiative ein Hilfskrankenhaus hochgezogen hat und mit einheimischen Hilfskräften verwundete und kranke Zivilisten/russ. Gefangene behandelt hat.
    Es scheint vor Ort erhebliche Probleme mit Minen (u.a. russ. Holzminen) gegeben haben, deren Opfer oftmals auch Zivilisten wurden. Viele notwendige Amputationen werden angesprochen,
    auch drei Behandlungsfotos von Zivilisten liegen dem Bericht bei. Dieser humane Einsatz führte wohl Jahre später zu einer Würdigung, u.a. im estnischen Rundfunk, man stellte Nachforschungen zu diesem unbekannten Arzt an.
    (Dr. med. Ewald Kleist, zuletzt Chefarzt Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, gestorben 1992)
    Für mich stellt sich dadurch die Frage, Umfang von Minenverletzungen generell in hochbelasteten Gebieten, Gleichbehandlung bzw. sofortige Hilfe für Zivilisten bei Verletzungen ?
    (bei Minen und bei Verletzungen aus nächtlichen Bombardierung von Dörfern oder Artillerietreffer in dörflicher Etappe)


    Du sprichst insgesamt einen zu gewaltigen Themenkomplex an, der niemals fundiert in ein oder zwei Standardwerken und mit nur einem Forscherleben erschließbar wäre.
    Sieht man vom "ritterlichen" Frontsanitäter ab, und will man gar noch das Gefangenenwesen und die städtische Zivilbevölkerung mit einbezogen haben, wäre hier fast schon
    eine Arbeitsgemeinschaft für das Zusammentragen aller Fragmente und Sichtweisen aus nicht mehr zählbaren Werken von Nöten.


    Ich würde hier folgende Gliederung mit erheblichen Abweichungen zur zeitlichen und örtlichen Betrachtung sehen:

    • Verhalten der Wehrmacht zur Zivilbevölkerung
      Wo - nur der dörfliche Bereich mit intensivem Kontakt (Ortskrankenstube, Behandlung und Besuch direkt im Nachbarhaus) oder mit Berücksichtigung Städte
      Wann - in ruhigen Stellungszeiten, im Stalingradschen Häuserkampf oder während den winterlichen Rückzügen (Handhabe Epidemien),
      in den guten zuversichtlichen Jahren oder den apokalyptischen Endjahren (Stichwort Osaritschi 1944, Kontroverse "Seuchen-KZ")?
      Quellentyp: Memoiren, Feldpost, Tagebücher, BA-Akten bis hin zum Heeressanitätswesen mit Beratertagungen oder Führerweisungen,
      Von wem: Arzt, Sanitäter, Hilfspfleger, Feldgeistlicher, RK-Schwester, Ziviler Verwaltungsbeamter, Beratende der Armee (Chirurg / Hygieniker / Forensiker, etc) -
      zu jedem Personenkreis liegen einige Niederschriften vor.
      Mit der Opfer-Perspektive - Quellen dann zusätzliche russische Archive, Zeitzeugenerinnerungen, Kriegsgefangene - alles sehr rar in deutscher Übersetzung,
      aber durchaus vorhanden.
    • Verhalten gegenüber Kriegsgefangenen
      Wo: Unmittelbare Erstversorgung an der Front oder auch mit DULAG, STALAG oder Heimat?
      Wann: Der mehr oder weniger "ritterliche" Graben im Sommer 41 oder brutale Winter- und Endjahre?
      Umfang: Wer soll Unterlagen von 200 Frontdivisionen gezielt auf entsprechende Einträge durchforsten,
      Mit exotischen Betrachtungen (Menschenversuche russ. Gefangene, z.B. Fleckfiebermedikamentetest, etc.)?
      Empfehlung: Veröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen von Lagerkommandeuren Ostfront,
      gibt es einige hervorragende Werke auf dem Markt und geben auch Aufschluß über Erkrankungen bzw. Massenepidemien.
      Entsprechende Werke von Hartmann und Arnold sind Dir sicherlich bekannt, die auch Einblicke in das Thema Mordpläne
      kontra logistische Katastrophen geben.
      Sonst wären gezielte Einzelinformationen zur unmittelbarer Frontversorgung nur gestreut in unzählbaren Veröffentlichungen zur Gefangenschaft,
      wobei die stets vorherrschende Vernachlässigung fernab der Erstversorgung überall nachweisbar ist.
      Löblich z.B. wäre dann das WH-Gefangenwesen mit seinen Sanitätsabteilungen nach den Hungerkatastrophen und der sträflichen bzw. ignoranten Unterversorgung 41/42.
      In Berditschew standen beispielsweise im September 1942 78 Kriegsgefangene zur Entlassung an. Hochgradig versehrte russ. Gefangene, u.a. beidseitig bein- und
      armamputiert, sprechen auch für eine gute medizinische Behandlung, die auch Schwerverletzten das Überleben gesichert haben. Tragisch jedoch endet der Humanismus,
      indem die Wehrmacht diese Personen dem SD übergibt, mit der Bitte um Unterbringung. Heraus gekommen ist die Art der "Unterbringung" nur, weil an der Waldlichtung ein Unglück geschah,
      welches 2 SD-Leuten tötete und darüber ein Meldebericht23 erfasst wurde. Letztendlich wurden dann alle beseitigt und verscharrt. Da ist dann wieder der verheerende Gesamtkontext, der jeden
      positiven Blickwinkel wieder zunichte macht und die undifferenzierter Dämonisierung beflügelt.
      Beispielhaft sei hier auch das Kapitel "Die medizinische Versorgung der Insassen des Dulag 142" aus der Dissertation25 von Sebastian Stopper genannt,
      ab Seite 53 wird sehr ausführlich das medizinische Innenleben mit der Krankenversorgung geschildert.
      Sonst fällt mir noch die sehr gute Magisterarbeit28 über das Stalag 305 in der Ukraine ein, mit einer richtigen Detailbetrachtung über mehrere Jahre, was die Behandlung angeht.
      Sehr ergiebig dazu sind allein schon die Dokumenteneditionen30,31,32,33 aus DDR-Zeiten oder russischen Veröffentlichungen von Beuteakten, sowohl im positiven als auch belastenden Sinne.
      Ich will hier nur etwas positives erwähnen, die Stadt Brjansk wurde nach Räumung ordnungsgemäß verlassen, im Zivilkrankenhaus mit verletzten russ. Kriegsgefangenen und Zivilisten
      wurden Lebensmittel für 48 Stunden belassen. Soviel auch mal zur bekannten spießig-deutschen Ordnung.


    • Medizinische Versorgung der Bevölkerung - Allgemein?
      Wo - in den zivilverwalteten Regionen des Landes (Reichskommissare, Generalkommissare, rückwärtiges Heeresgebiet, etc.)?
      Das dürfte mehr oder weniger ein "wehrmachtsfreier" Bereich sein, um diese Belange stritten sich dann Reichsministerium für besetzte Ostgebiete
      und andere Institutionen, bis hin zu der von Peiper2 angesprochenen Problematik mit Bevorzugungen Zivilarbeiter und Hinterbliebenen-Versorgung.
      Wäre dann alles sehr trockenes Behördenmaterial und wenig erschlossen.
      Für Charkow z.B. fühlte sich die Wehrmacht nicht zuständig, die Zivilverwaltung hatte alle Belange eigenständig zu bewältigen.
      Wenn überhaupt, war die oberste Prämisse die Handhabe der Epidemien (Cholera, Typhus, Fleckfieber, etc.), die ja durch die
      katastrophalen Bedingungen der Menschenmassen auf engstem Raum in Kombination mit Unterversorgung allen Ortes auftrat.
      Zu den aus Sachzwängen (winterliche Evakuierungen/Vertreibung) resultierenden Seuchen finden sich dann auch am Ehesten gute Beiträge in wissenschaftlichen Veröffentlichungen29.
      Von Sicherungsdivisionen im rückw. Heeresgebiet sind mir auch keine Befugnisse bekannt, die Befehlslage für Orte benennt hier
      nur das Melden von Seuchen an einen nächsthöheren erreichbaren Sanitätsoffizier.
      Mit exotischen Betrachtungen, z.b. Ärzte als Gutachter zur arischen Beurteilung von slawischen Frauen, wegen Heiratswünschen deutscher Soldaten?
      Wer weiß, welche Reichsdezernate mit boshafter Ideologie sonst noch im Lande unterwegs waren?
    • Vergleichende Studien / verbündete Armeen
      Mit Einbeziehung des Verhaltens ungar./rum./ital. Truppen sowie des von Rumänien verwalteten Gebietes der Ukraine?


    Eine ansatzweise literarische Annäherung dazu wäre zumindest:

    • Städte:
      Gut angesprochen wird das Thema zumindest in der druckfrischen Publikation3 der amerikanischen Historikerin
      Laurie R. Cohen, jedoch nur für eine einzige besetzte Stadt Smolensk. Als Fazit zu dieser Sichtweise, die in ihrer Art natürlich
      nicht ohne weiteres landesweit übertragbar sein kann (Abweichungen z.B. wegen bessergestellter Länder Lettland, Litauen, weniger Zerstörungen, Industriestädte mit Bedarf an gesunden Arbeitern,
      dadurch bedingte forcierte Medizinversorgung, etc),
      Es sei zusammengefasst:
      - oftmals zerstörte medizinische Einrichtungen (Smolensk insgesamt 90% zerstört)
      - verheerender Mangel an Ärzten
      - Zutrittsverbot deutscher San.-Einrichtungen
      - Vorbehalte gegenüber bestimmten Seuchenerkrankungen (z.B. Typhus -> Angst ->Isolieren)
      - Durchaus Hilfe deutscherseits, dann aber mehr oder weniger nur durch Privatinitiative von Schwestern und med. Personal,
      Ausreichender Medikamentenbestand dazu scheint immer vorhanden gewesen zu sein.
      - Summarum: Ein mehr oder weniger von "höherer Stelle" verordnetes "Sich selbst Überlassen" der kranken Bevölkerung,
      was durchaus Unverständnis und Wut beim humanistisch geprägten Med.-Personal auslöste, siehe Erinnerungen Schweizer RK-Schwester Elsi Eichenberger.

      Überhaupt scheint die anglo-amerikanische Forschung mit Publikationen zu medizinischen Belangen erheblich weiter zu sein,
      inklusive Verarbeitung russ. Archivmaterialien / Auswertung russischer Literatur. Die Gründe dafür werden vielfältig sein,
      müsste ich jetzt wild spekulieren.
      - Viele russische Immigranten in den USA, die sich nach Professur speziell diesem Thema widmen?
      - Welcher Feind betreibt freiwillig Forschung fernab von Völkermord, zum Leid und ggfls Vernachlässigung zur
      Versorgung der fremden Bevölkerung? Forschen denn britische Historiker in deutschen Krankenhausarchiven zum Thema
      "Brandopfer durch Bomben"?
      Wäre evtl. ein formaljuristisches Schuldeingeständnis mit Regressfolgen, wenn unliebsame Ergebnisse
      zum Vorschein kämen (politisch hochgradig kompromittierend, ähnlich wie unter dem Deckel gehaltene Themen wie Kollaboration
      und gezeugte Besatzungskinder)?


      Weitere Veröffentlichungen, die auf die große medizinische Not in den Städten hinweisen, siehe beispielhaft Literatur 4,5
      Sonst sind entsprechende Fragmente auch in den allgemein gehaltenen Werk von Pohl24. enthalten. Wobei hier eher immer das negative
      des Sanitätswesen angesprochen wird, z.B. die öftere Tötung von bis zu 50 geschlechtskranken Frauen (SD) in einigen Großstädten.



    • Erinnerungen

      Frauen
      Zumindest solltest Du die wichtigsten Erinnerungen von Rotkreuzschwestern6,7,8,9 der Ostfront kennen,
      Elsi Eichenberger & die restliche Literatur zur Schweizer Mission kennst Du ja bereits

      Ärzte
      Beispielhaft einige Erinnerungen10,11,12,13,14,15,16,17,18 von Ärzten. Vor 10 Jahren mal gelesen, frage jetzt bitte nicht,
      wer wo und wie viele zivile Behandlungsbeispiele aufführt. Bei Bedarf gibt es die volle Liste vom einfachen Sanitäter bis zum Beratenden,
      aber Du willst bestimmt nicht alle 50 Werke Lesen, vom Sanitäter, jedem Chirurgen der Front bis hin zum Professor der Chirurgie?
      Je höher der Rang, desto seltener natürlich die Erwähnung von Zivilisten.
      Und je höher der Rang, desto größer die Gefahr, als "schwer belastete Person" angesehen zu werden.
      Peter Bamm mit seinem Werk "Die unsichtbare Flagge" wird letztendlich auch nur mit einer Passage "angeeckt" in Erinnerung
      bleiben - wo es um die Untersuchung der Selbstverstümmelung geht. Hat er den Soldaten ans Messer geliefert oder ist
      er in der Schilderung zur eigenen Verteidigung schwammig geblieben ? Die wissenschaftlichen Werke zum Therma "Beratende" sind oftmals hochgradig
      belastend. Z.B. war Schwerpunkt von Beratertagungen, wie entlarve ich "Querulanten" oder vermeintliche Selbstverstümmler mit all ihren "Tricks"?
      Siehe u.a. Literaturhinweise 1,19,20,21,22


      Ärzte (Gefangenschaft)
      Berücksichtigt man die Literatur von WH-Ärzten, zumeist mit Erinnerungen aus russischer Gefangenschaft, kämen noch einmal
      mindestens 20 Veröffentlichungen dazu. Dort gilt es ebenfalls, mit der Lupe nach Episoden zu suchen.
      Diese besitzen dann eher einen Nachkriegscharakter. (Z.B. Lagerkommandeur bringt WH-Arzt in seine Privatwohnung,
      um die Verwandschaft zu behandeln, weil er mehr Vertrauen in dessen Kunst hat)


      Soldaten
      In den gefühlten 500 gedruckten Soldatenerinnerungen sind sporadisch immer wieder mal medizinische Episoden
      mit der Bevölkerung erwähnt. Wegen der stellenweise unscharfen und abenteuerlichen Erzählweise
      (...Nadja holte mich.. - ... ist das evtl. ein blutender Partisan im Bett?...) aber meistens kaum weiter verwendbar,
      und man müsste sie aufwendig suchen, wie die Nadeln im Heuhaufen.
      Das Schema scheint mir immer das Gleiche zu sein. Nach Kennenlernen und Vertrauen, wird dem Soldaten
      Leiden X von Kind Y oder Oma/Opa Z gebeichtet. Dieser besorgt dann Medikamente oder Personal für eine Hilfe
      im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel. Mehr oder weniger kann das dörflich öffentlich mit Bekanntheit
      in der ganzen Kompanie erfolgen. In größeren Orten dann eher heimlich, weil im größeren Rahmen doch erhebliche Gefahr besteht,
      als verdächtiger "Slawenfreund" aufzufallen?


    Ich hoffe, ich stifte keine Verwirrung mit diesem erweiterten Blickwinkel zur Komplexität des Themas.
    Lesestoff für den Herbst und Weihnachten solltest Du jetzt haben. Du wirst aber erkennen, dass Du mit Deinen Wünschen
    einem Zeitgeist und der Leistungsfähigkeit von historischen Forschung viel zu weit voraus bist.
    Selbst eine wissenschaftliche annotierte Veröffentlichung zu Feldpostbriefen einer Rotkreuzschwester6 nimmt bereits viele Monate in Anspruch.




    Wenn Du einfach nur weitere fotografische Beweise brauchst, siehe Anhang unbekannte "Ortskrankenstube" Ort Tichanowa und Behandlung,
    aus Zeitgründen nur die WWW-Kauffotos, nicht die eigenen Scans. Bei dem möglichen Mangel an Bildmaterial gilt auch zu berücksichtigen,
    dass man früher ärztliche Behandlungen, ggfls. sogar mit nackter Haut, nicht unbedingt als erstrebenswerte Motive angesehen hat.
    Die sind ja auch zu eigenen Kameraden sehr selten anzutreffen.
    Vielleicht ist das ganze Thema, selbst begrenzt auf kleinere Dorfebene reduziert, ein unergründbarer unbekannter Mikrokosmos,
    mit unendlichen Begrifflichkeiten wie "Ortskrankenstube", "Hilfskrankenstube", "Hilfslazarett" oder "Zivilverbandplatz".
    Es hat wohl noch niemand dahingehend Armeeberichte oder Anweisungen durchleuchtet.




    Grüße, auch an den alten Herrn Doktor
    Besitze selber ein Fotoalbum der 10. Flak-Division, sehr "noble" Ausstattung und mit umfassenden "Rundreisen" durch Russland,
    dieser Verband.


    Udo


    PS:
    Arzt im Krieg / Schneider-Janessen. Ein Meisterwerk, auch noch mit der Sicht auf beide Kriegsparteien - eines der 10 Bücher,
    die man zum Krieg im Osten gelesen haben muss. So eine Glanzleistung kann man als Author wohl nur mit 3 akademischen Titeln
    aus unterschiedlichen Fachrichtungen hinbekommen (Dr.phil. Dr.med. Dipl.-Psychologe)


    Schön zu sehen, dass einige wenige Foristen dem ganzen feldgrauen "Ausrüstungs- und Ordensgedönst" sowie den versenkten Schiffstonnagen
    ebenfalls nichts abgewinnen können, und eher ein Interesse für tiefergehende menschliche Dimensionen des Krieges zeigen.


    Quote

    ...Wenn man Quellen kennt, die ein erweitertes Bild der schrecklichen Vorgänge im deutsch-sowjetischen Krieg zeigen,
    fühlt man sich an den Universitäten heute beinahe schon als Dissident


    Quote

    ...Auch der von mir zitierte Privatgelehrte Jörg Friedrich scheint davon auszugehen, dass die tragische Geschichte des Zweiten Weltkriegs
    in allen ihren Facetten gezeigt werden muss. Auch gegen mögliche Zensurversuche


    Deine wohlformulierte Erwähnung der zynischen Musial-Rezension von Jörg Friedrich oder die durchaus berechtigte Kritik an der Böhlerschen "Polnischen WH-Ausstellung"
    spricht für Deine ausgewogene Betrachtung des traurigen Gesamtgeschehens:
    Es wäre schön, Du könntest dich öfters kritisch an Beiträgen beteiligen. Deine sachliche Art scheint den Kontroversen dienlich zu sein,
    mein Ruf ist in dieser Hinsicht jetzt leider durch allzu hitzige Debatten verbrannt.



    Auswahlliteratur
    1. Wehrmachtsmedizin & Militärjustiz: Sachverständige im Zweiten Weltkrieg: Beratende Ärzte und Gutachter für Kriegsgerichte der Wehrmacht : Gine Elsner
    2.
    Bekannte "Romane" H. Karschkes
    - Landser Zwischen Wolchow und Leningrad - Der Landser Helmuth Karschkes
    - Eiswind aus Kasakstan. Roman um Stalingrad Helmut Karschkes
    - Kreuze im Ingermanland : Autobiographischer Roman Helmut Karschkes
    3. Smolensk Under the Nazis: Everyday Life in Occupied Russia
    4. Stadt Minsk während der deutschen Besetzung 1941-44, U. Gartenschläger http://zeitzeugenarchiv.gwmins…gartenschlaeger_minsk.pdf
    5. Kollaboration in der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Die Rolle der einheimischen Stadtverwaltung während der deutschen Besetzung Charkows 1941 bis 1943 : Gunter Friedrich
    6. Eine Soldatenheimschwester an der Ostfront: Briefwechsel von Annette Schücking mit ihrer Familie (1941-1943) : Julia Paulus
    Leseprobe:
    https://www.schoeningh.de/uplo…83506781512_leseprobe.pdf
    7. Schäfers Tochter: Die Geschichte der Frontschwester Erika Summ. 1921-1945 : Erika Summ
    8. Als ob der Schnee alles zudeckte«: Eine Krankenschwester erinnert sich an ihren Kriegseinsatz an der Ostfront : Ingeborg Ochsenknecht
    9. Briefe einer Rotkreuzschwester von der Ostfront : Brigitte Penkert
    10. Die Watte-Pistole. : Hans Paul Wacker
    11. Zwischen Seine und Don : Richard Meyer-Jungcurt
    12. Unter dem Zeichen des Aeskulap: Tagebuch 1940-1945 eines Soldatenarztes bei der 6. Panzer-Division : Eugen Fritze
    13. Ein Leben zwischen Ende und Anfang : Max Med. Rat Mag. DDr. Aufmesser
    14. Die Maus im Kornfeld Erlebnisse eines Arztes in Sowjetrußland : Friedrich Marsch
    15. Servus, Leonidas!: Wie ich als junger Arzt den zweiten Weltkrieg erlebte : Horst Falliner
    16. Soldat an der Ostfront 1941-1945 Ernst Kern
    17. Als Sanitätsoffizier im II. Weltkrieg - Das Kriegstagebuch des Dr. Wilhelm Mauss: Band I: Berlin - Frankreich - Sowjetunion 1939-1943 /Band II:
    Italien - Zusammenbruch - Kriegsgefangenschaft 1943-1947 Hans J Mauss
    18. Kriegstagebuch Franz Allmer 1941 - 1945 Werner Ablasser
    19. Krieg und Psychiatrie 1914-1950 Babette Quinkert
    20. Maschinengewehre hinter der Front - Zur Geschichte der deutschen Militärpsychiatrie Peter Riedesser
    21.
    Militärpsychiatrie im Nationalsozialismus. Kriegsneurotiker im Zweiten Weltkrieg. : Klaus Blaßneck
    22.
    Die Beratenden Psychiater des Deutschen Heeres 1939 bis 1945 : Georg Berger
    23. Wehrmachts-Verbrechen. Dokumente aus sowjetischen Archiven. Sastawenko
    Nr. 78 - aus den Angaben des Sturmschaführers SS Fritz Knop über die Flucht verwundeter sowjetischer Kriegsgefangener von der Exekutionsstelle
    24. Die Herrschaft der Wehrmacht: Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944 Dieter Pohl
    25. Das Brjansker Gebiet unter der Besatzungsherrschaft der Wehrmacht 1941 bis 1943 - Dissertation - Sebastian Stopper
    http://edoc.hu-berlin.de/disse…012-07-09/PDF/stopper.pdf
    28. Massensterben und Massenvernichtung sowjetischer Kriegsgefangener. Das Stalag 305 in der Ukraine 1941-1944 : Christian Möller
    29.
    Sanitätswesen im Zweiten Weltkrieg : Vorträge zur Militärgeschichte Band 11 MGFA
    30. Dokumentenedition Europa unterm Hakenkreuz in 8 Bänden, Band 8 Die faschistische Okkupationspolitik in den zeitweilig besetzten Gebieten der Sowjetunion 1941-1944 Norbert Müller
    31. Europa unterm Hakenkreuz, in 8 Bdn., Erg.-Bd.1, Okkupation und Kollaboration (1938-1945). Beiträge zu Konzepten und Praxis der Kollaboration in der deutschen Okkupationspolitik
    32. Verbrecherische Ziele - verbrecherische Mittel! : Dokumente d. Okkupationspolitik d. faschist. Deutschlands auf d. Territorium d. UdSSR (1941-1944). G. F. Satatwenko
    33. Eine Schuld, die nicht erlischt. Dokumente über deutsche Kriegsverbrechen in der Sowjetunionby Ales Adamowitsch

  • Hallo zusammen,


    nach einer Zwangspause (mein Vater ist leider inzwischen verstorben), möchte ich mich noch einmal herzlich bei allen Mitgliedern für die interessanten Beiträge und Fotos zum Thema bedanken. Ich möchte trotzdem versuchen, das Thema weiterzuverfolgen.
    Was bereits existierende Forschungsliteratur und persönliche Überlegungen angeht hat besonders UdoRudi meine Erwartungen weit übertroffen.
    Dafür noch einmal besonderen Dank! Du hast natürlich Recht, dass das Thema sehr umfangreich und nur mit einiger Mühe zu bewältigen ist.


    Mir geht es eigentlich um die Forschungslücken in den Gesamtdarstellungen zur Wehrmachtsgeschichte. Viele dieser Bücher gelten als neuere "Standardwerke", z.B. die Publikationen des Münchner Instituts für Zeitgeschichte im Projekt "Wehrmacht in der NS-Diktatur" 1999-2009.
    So erwähnt z.B. Dieter Pohl in seiner Habilitationsschrift "Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944" einen (verschollenen) Befehl des Oberkommandos des Heeres vom 29. 7. 1942 über die medizinische Versorgung der sowjetischen Zivilbevölkerung in Russland und der Ukraine:


    Quote

    "Ein Befehl des OKH, GenQu, Kr.verw. II/9370/42 vom 29.7.1942 zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung konnte bisher nicht aufgefunden werden [...],
    Monatsbericht Berück Nord, 15.8.1942, [...], Bes.Ano.f.d. Versorgung Nr. 144, Berück Süd, Qu, 31.7.1942 (Bezug auf Ano. Heeresarzt vom 25.7.1942)."


    (Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, München 2009, S. 196, Anm. 61.)


    Hierbei handelt es sich um eine Anordnung des Heeresarztes vom 29.7.1942. Das Oberkommando des Heeres reagierte damit wohl auf den seit Sommer 1941 unkoordiniert laufenden Einsatz der deutschen Sanitätskompanien für die sowjetische Bevölkerung.
    Die von mir vermuteten Forschungslücken führten dann wohl auch zu einer fehlerhaften Darstellung im Standardwerk des britischen Historikers Alexander Hill
    ("The War behind the Eastern Front. The Soviet Partisan Movement in North-West Russia 1941-1944").


    Hill zufolge haben die deutschen Militärärzte angeblich nur im Ausnahmefall die Behandlung der russischen Bevölkerung übernommen:
    "In exceptional cases it seems that the local population received treatment from German doctors."
    (Alexander Hill, The War behind the Eastern Front. The Soviet Partisan Movement in North-West Russia 1941-1944, London, New York 2005, S. 99.)


    Dieter Pohl scheint selbst aber keine Kenntnisse über den Einsatz des deutschen Sanitätsdienstes für die einheimische Zivilbevölkerung zu haben.
    In seinem allgemein anerkannten Standardwerk erwähnt er nur einheimische Ärzte mit völlig unzureichendem Sanitätsmaterial:


    Quote

    "Ebensowenig verbesserte sich, trotz vollmundiger Ankündigungen, der miserable Zustand des Gesundheitssystems, das unter deutscher Besatzung auf ein Minimum heruntergefahren wurde. Sanitätsmaterial der Wehrmacht durfte nur in äußersten Notfällen ausgegeben werden. Die einheimischen Ärzte waren kaum noch in der Lage, die Kranken zu versorgen, weil sie immer mehr für die Überprüfung von potentiellen "Ostarbeitern" auf deren Gesundheitszustand herangezogen wurden."
    (Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, München 2009, S. 195-196.)


    Dieter Pohl wiederum scheint das Buch von Hill gar nicht genau gelesen zu haben. Er zitiert es jedenfalls mit falschem Titel ("Soviet Partisans" statt "Soviet Partisan Movement" und ohne Jahreszahlen 1941-1944).
    Hill weist nämlich auf einen Heeresgruppenbefehl hin, wonach bei Bedarf sehr wohl Arzneimittel und Sanitätsgerät aus deutschen Beständen für die russische Zivilbevölkerung ausgegeben werden mussten.
    Es handelt sich um die Anweisung des Generalquartiermeisters der Heeresgruppe Nord vom 18. Juli 1942 für die rückwärtigen Armee- und Heeresgruppengebiete:
    "Verwaltungsanordnungen Nr. 7. Versorgung der russischen Zivilbevölkerung mit Arzneimitteln und Sanitätsgerät".
    (Alexander Hill, The War behind the Eastern Front, S. 98-99 und S. 109 Anm. 46.)


    Die Versorgung in den örtlichen russischen Krankenhäusern unter der medizinischen Aufsicht der Wehrmacht ist dagegen von Hill etwas ausführlicher dargestellt worden.
    Das von UdoRudi genannte russische Zivilkrankenhaus in Pawlowsk (Sluzk) unter der Aufsicht des Wehrmachtsarztes Dr. Ewald Kleist gehörte auch zu Hills Forschungsfeld.


    Beste Grüße
    Bodo

    "Die Historiker verfälschen die Vergangenheit, die Ideologen die Zukunft." (Zarko Petan, slowenischer Schriftsteller und Aphoristiker)

    Edited 2 times, last by Bodo Franks ().

  • Hallo Bodo, hallo zusammen,

    zum Tode Deines Vaters möchte ich Dir mein Beileid aussprechen.


    Dein Beitrag lässt für mich einige Fragen aufkommen:


    Hill zufolge haben die deutschen Militärärzte angeblich nur im Ausnahmefall die Behandlung der russischen Bevölkerung übernommen:


    Dieter Pohl scheint selbst aber keine Kenntnisse über den Einsatz des deutschen Sanitätsdienstes für die einheimische Zivilbevölkerung zu haben.


    Das von UdoRudi genannte russische Zivilkrankenhaus in Pawlowsk (Sluzk) unter der Aufsicht des Wehrmachtsarztes Dr. Ewald Kleist gehörte auch zu Hills Forschungsfeld.



    Hier wird der Historiker Hill angeführt, der angeblich die Tätigkeit des deutschen Sanitätsdienstes für die russische Zivilbevölkerung nur in Ausnahmefällen gesehen hat.

    Die Habilitationsschrift des Herrn Pohl wird hier kritisiert, weil sie bestimmte Aspekte dieser Hilfe angeblich überhaupt nicht erwähnt hat.


    Ich kenne diese Schriften nicht und werde sie auch nicht näher untersuchen.

    Nun meine Fragen:

    Konnte der WH-Sanitätsdienst die Aufgaben überhaupt übernehmen? Er war nicht einmal in der Lage, das Heer der Millionen sowjetischer Kriegsgefangener zu betreuen – und dann noch die gesamte Zivilbevölkerung? Befehl hin oder her – schönes Wetter lässt sich nicht anordnen.


    Durfte er diese Hilfe leisten? Dieser Befehl passt nicht in die "Landschaft".


    Die Verluste der Zivilbevölkerung in der Sowjetunion liegen je nach Quelle zwischen 7 und 30 Million. Diese sind nur zum geringsten Teil durch unmittelbare Kriegseinwirkung entstanden…

    Der deutsche Sanitätsdienst hat mit Sicherheit in vielen Fällen Hilfe geleistet. Dieses jedoch meist aus privater Initiative einiger "Gerechter", die ihren hippokratischen Eid über verbrecherische Befehle des NS-Systems stellten. Die Regel war das gewiss nicht …


    Aus der Vielzahl der hier eingestellten hoch interessanten Bilder von Udo darf man nicht auf verbreitete oder gar reguläre Hilfe der WH für sowjetische Zivilisten schließen – leider …


    Gruß,

    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • bezüglich der Behandlung von Kriegsgefangenen weise ich auf das nachfolgende Abkommen hin:


    Hallo Karl,


    Dein Zitat ist sicherlich juristisch korrekt. Mit der hier diskutierten Realität hat es jedoch
    kaum etwas zu tun:


    1. Im Hinblick auf die Kriegsgefangenen wurde das Abkommen von Sowjetrußland nicht
    ratifiziert. Das diente im Gegenzug dazu, dass das NS-Regime sowjetische Kriegsgefangene
    nicht diesem speziellen Schutz unterstellt sah.


    2. Ideologisch war der "Sowjetmensch" als "Untermensch" gebrandmarkt. Spätestens in den
    deutschen Kriegsgefangenlagern zielte die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen
    auf Liquidation ab (Verpflegung, Krankheiten, Seuchen usw.). Dazu wurde strikt zwischen der
    (korrekten) Behandlung westalliierter und der (schlechten) Beahndlung sowjetischer Kriegs-
    gefangener unterschieden.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Hilfreich ist hier sicherlich der Besuch ehemaliger Lager (wie SANDBOSTEL). Anhand der
    Todesrate stellt sich unwillkürlich die Frage, warum die sowjetischen Kriegsgefangenen in
    Frontnähe (unmittelbar nach der Gefangennahme) vom deutschen Sanitätsdienst befohlenermaßen
    behandelt werden sollten, wenn sie dann spätestens im STALAG mehr oder weniger gezielt
    zu Tode kamen !?!

  • Hallo Leute,


    Aus der Vielzahl der hier eingestellten hoch interessanten Bilder von Udo darf man nicht auf verbreitete oder gar reguläre Hilfe der WH für sowjetische Zivilisten schließen – leider …



    das wird wieder erbärmlich, muss denn schon wieder mit pastoralem Gewand der Thread auf die Backbordseite gedrückt werden?
    Wer spricht denn hier von Kritisieren eines Historikers, es wurde lediglich eine Ungenauigkeit angemerkt.
    Fehler, ein "Übersehen" sowie Thesen, die sich im Nachhinein dann als nicht haltbar bzw. abwegig herausstellen, entstehen jederzeit im wissenschaftlichen "Großbordell",
    auch nahmhafte promovierten Historiker sind davor nicht gefeit
    Oder muss ich hier sogar die vielen Fälle mit bösem Vorsatz aufführen, von nicht genannten Personen aus dem linken Lager?
    Das wäre dann ein Gegensteuern im Thread, auf die gute Steuerbordseite?


    Niemand will hier Geschichte umschreiben oder einen neuen gewaltigen Samariter-Mythos aufbauen, nicht mit einer Handvoll Bilder
    und einzelnen Detailbetrachtungen!




    Konnte der WH-Sanitätsdienst die Aufgaben überhaupt übernehmen? Er war nicht einmal in der Lage, das Heer der Millionen sowjetischer Kriegsgefangener zu betreuen – und dann noch die gesamte Zivilbevölkerung? Befehl hin oder her – schönes Wetter lässt sich nicht anordnen.


    Durfte er diese Hilfe leisten? Dieser Befehl passt nicht in die "Landschaft".


    Lieber Joseph, manchmal ist es hilfreich, doch die 200 - 300 Fachaufsätze zum Thema Besatzungsherrschaft/Kriegsgefangenwesen/Zwangsarbeit zu lesen.
    Nicht bei alten Pamphleten verharren, die irgendwann mal vor 30 Jahren veröffentlicht wurden und immer noch gebetsmühlenartig bei wiki oder der bildzeitung auftauchen.
    Zahlenwerte wurden im Laufe der Jahre auch nachjustiert, hier und da eine Null am Ende ausradiert.
    Du solltest nicht immer beschränkt vom großen schändlichen Befehlen der Wehrmachtsführung auf die gehorsame stringente Umsetzung von Millionen Hanseln setzen.
    Das ist eine erbärmliche Reduzierung, gut passend zum Zeitgeist und politisch korrekt, aber eben nicht der Wahrheit entsprechend.

    Längst ist durch neueste Forschungen belegt, dass sich Wehrmachtangehörige / O.Todt / etc. äußerst menschlich verhielten und ihre Abscheu und Widerspruch
    gegenüber erlebten Verbrechen und Befehlen ausdrückten. Das ist allsamt durch tausende Akten belegt, nur die machen sich nicht gut in Zeitungsartikeln,
    sind fade und unerwünscht gegenüber der 24Stunden-Schuldberieselung mit Ordnungspolizei, Völkermord, etc..


    Also etwas mehr Contenance, nicht bei wenigen Medizinern sofort das Geschütz mit 30 Millionen Krankenopfern auffahren.
    Sonst fang ich an rauszurechnen, wie viele der Millionen auf das eigene Nationenkonto gehen, dann wird das Geschrei noch größer



    Gruß
    Udo


    Edit: @Bodo Mein aufrichtiges Beileid zum Tod Deines Vaters.

    Edited once, last by udorudi ().

  • Hallo Udo, hallo zusammen,


    die irgendwann mal vor 30 Jahren veröffentlicht wurden und immer noch
    gebetsmühlenartig bei wiki oder der bildzeitung auftauchen.


    .. in der Bilderzeitung trifft man kaum auf (schein)wissenschaftliche Untersuchungen zu solchen Themen - glaube ich ... . ;)


    Das ist eine erbärmliche Reduzierung,


    Warum denn gleich so eine "Bewertung" - eine Gegenmeinung muss nicht gleich "erbärmlich" sein!


    Längst
    ist durch neueste Forschungen belegt, dass sich Wehrmachtangehörige / O.Todt / etc. äußerst menschlich verhielten


    Ich kenne zugegebenermaßen nicht die "neueste Forschung" - Du anscheinend schon! Der "humanitäre Einsatz der WH" war dann - glaubt man diesen "Forschungen" - nicht sehr erfolgreich.


    ...X000.000 "ärztliche Behandlungsfehler"?


    "Spaß" beiseite: Wer behauptet denn hier, dass es unter den zahlreichen Feldärzten und -Pflegern nicht auch einen gewissen Anteil an Humanisten
    gegeben hat, der Hilfe auch sowjet. (ich höre das pauschale Wort "Russen" nicht gerne, weil die WH kaum russisches Gebiet besetzt hat. Besetzt war das
    Baltikum, Weißrussland und die Ukraine - und kleine Teile von "Russland) Zivilisten hat angedeihen lassen. Überall gibt es "Menschen" und
    "Ideologen" ... und brave Mitläufer sowie Befehlsausführende.


    Und die meisten waren halt brav ...


    Sonst fang ich an rauszurechnen, wie viele der Millionen auf das eigene Nationenkonto gehen, dann wird das Geschrei noch größer


    Ich bin dann mal so frei: De facto: Kein einziger! Schließlich wurde die SU von NS-Deutschland überfallen - und so in diese Situation gebracht.


    Bezogen auf den ausgebrochenen Krieg jedoch und die Behandlung der Notsituation durch die stalinistischen Organe: Ein großer Anteil hätte durch Setzen anderer Prioritäten mit großer Sicherheit gerettet werden können. Ob diese Schwerpunktverlagerung dann jedoch eine negative Auswirkung (aus Sicht Stalins) auf das Kriegsgeschehen gehabt hätte, kann man evtl. annehmen - aber nicht durch x (x>200) Literaturstellen belegen. Die Rücksichtslosigkeit der stalinistischen Führung gegenüber der eigenen Armee aber vor allem auch dem eigenen Volk ist ja nicht neu ...


    Lieber Joseph, manchmal ist es hilfreich, doch die 200 - 300 Fachaufsätze zum Thema Besatzungsherrschaft/Kriegsgefangenwesen/Zwangsarbeit zu lesen.


    ... ich kann nur gratulieren und Deinen Eifer bewundern. Ich kann und will da nicht mithalten - manchmal reicht auch der gesunde Menschenverstand aus, um eine Sache zu beurteilen. Demnach hat sich also aus Deiner in jeder Hinsicht erschöpfenden Lektüre ergeben, dass die WH für die sowjet. Zivilbevölkerung ein effizientes und caritatives Programm entwickelt hat - auf allerhöchsten Befehl?


    aber eben nicht der Wahrheit entsprechend.


    ... Du bist im Besitze dieser "Wahrheit"? Formuliere sie doch bitte einmal aus, diese "Wahrheit". Es ist vielleicht die "Wahrheit" eines nachgeordneten "Befehls" - aber auch die "Wahrheit" der Umsetzung?


    dass sich Wehrmachtangehörige / O.Todt / etc. äußerst menschlich verhielten


    ... Es wäre schön, wenn dieses allgemein zugetroffen hätte. Wenn Du damit meinst: "Einige" Angehörige von X, Y oder Z waren menschlich - niemand könnte Dir widersprechen. Aber wo liegt denn da ein Informationsgewinn? Es gab und gibt immer solche und solche!


    das wird wieder erbärmlich, muss denn schon wieder mit pastoralem Gewand der Thread auf die Backbordseite gedrückt werden?


    ... jetzt geht schon wieder diese Bewertung von Meinungen los! Was ist an einer anderen Meinung "erbärmlich"? Wo liegt das Problem bei "pastoralen Gewändern"? Hätte man früher mehr auf die richtigen "Pastoren" (=Hirten") gehört, wäre man nicht auf "Führer" hereingefallen, welche die Herde zu einer Hammelhorde gemacht haben. Und die Hammel sind nach Steuerbord gelaufen - so weit man das beurteilen kann?! Aber: Wenn alle nach Back- oder Steuerbord rennen, kentert das Schiff in jedem Fall! Einseitigkeit ist immer von Nachteil!


    Oder muss ich hier sogar die vielen Fälle mit bösem Vorsatz aufführen, von nicht genannten Personen aus dem linken Lager?


    "Bösen Vorsatz" gibt´s überall, Udo! "Links", "rechts", "oben" und "unten"!


    Die Sammlung Deiner wunderbaren und eindringlichen Bilder, für deren Veröffentlichung hier man Dir dankbar ist (ich natürlich auch!), sollte man zur Kenntnis nehmen und wirken lassen. Man kann vielleicht erkennen, dass manche Kriegsteilnehmer trotz (oder von mir aus auch "wegen") eines Befehls Menschlichkeit bewahren konnten.



    Wie viele es waren, darüber kann man dann nur spekulieren - ich beteilige mich nicht an solcher "Kaffeesatzleserei".



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

    Edited 3 times, last by Joseph O. ().

  • Hallo zusammen,


    oh mann ! Kann denn nicht mal ein Thema ohne dieses gegenseitige "Niedermachen" auskommen ?!


    Allen einen schönen Tag noch.
    Gruß
    Roy

    Suche alles zur 129.ID, insb. GrenReg.427 ab 1944 an der Ostfront, sowie zur 199.ID, insb. zum Fest.Btl. 650 1943-44 in Norwegen, sowie zur 353.ID, insb. GrenRgt. 943 Juli-Aug. 1944 in Frankreich.