Trauerakt Comeno

  • Hallo,


    habe nicht gewust, dass diese Foto aus Seite 4 gibt es eigentlich in Original als...Farbfoto


    S/W:


    http://shrani.si/f/3D/H8/R4kV9dV/1/scan-170916-0003a-1.jpg




    Farbfoto:


    http://shrani.si/f/20/Tf/3IqHMVcJ/2/scan-180620-0001a.jpg


    Beide Fotos aus MNZS (Musem of Contemporary History Ljubljana)



    Grüsse

    Darko

    The trouble with facts is that there are so many of them. Samuel McChord Crothers

    Edited once, last by filigranofil ().

  • Hallo fritzjakob,


    ich warte noch immer auf deine Antwort über neretva und meines post.


    Nachdem werde ich entschieden ob letzte partisanen Dokument über "Comeno/Komen Sache" hier zu kundgeben.


    Grüsse

    Darko

    The trouble with facts is that there are so many of them. Samuel McChord Crothers

  • Guten Tag zusammen, hallo Darko,

    um die Vorgänge in Comeno besser verstehen zu können habe ich mich mit der Geschichte Sloweniens während des zweiten Weltkrieges befasst. Einen für mich sehr verständlichen Aufsatz habe ich bei der Bundeszentrale für politische Schriften gefunden. Ich fand ihn sachlich geschrieben und fundiert recherchiert. Der Beitrag beleuchtet den Widerstand, Kollaboration, Abrechnung und Verdrängung, sowie den Kampf um die Geschichtsinterpretation. Bis heute setzt sich die slowenische Bevölkerung mit den Ereignissen der Jahre 1941 - 1946 auseinander, die Diskussion zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppen, bis hinein in die Familien.

    Hitler wollte den jugoslawischen Staat zerschlagen, Jugoslawien sollte als Aufmarschgebiet und Nachschubzone für den Kampf gegen die SU dienen, außerdem billig Rohstoffe und Agrarprodukte liefern. Der Einmarsch nach Jugoslawien erfolgte u.a. von Italien, Kärnten und der Steiermark aus. Das heutige Slowenien wurde besetzt. Italien besetzte den Westen des Banat mit Ljubljana sowie Teile Dalmatiens. Ziel war die Auslöschung alles Slowenischen. Etwa 30.000 Menschenwurden bis September 1943 in Konzentrationslagern deportiert, etwa 6000 ermordet. Personen und Ortsnamen wurden eingedeutscht, die slowenische Sprache verboten. Schulen, Vereine und Gewerkschaften wurden geschlossen. Bis zu 80.000 Menschen wurden deportiert, teils nach Deutschland zu Zwangsarbeit, teils nach Serbien und Kroatien. Diese Umsiedlung betraf auch die "Gottschee-Deutschen". Ihr Gebiet wurde Mussolini überlassen, viele siedelten in das deutsche Reich. Das fast menschenleere Gottscheegebiet wurde zum wichtigsten Rückzuggebiet der Partisanen.

    Die Wehrmacht sollte rücksichtslos jeden Widerstand brechen, für verletzte oder getötete Soldaten sollten Geiseln erschossen werden, Juden und Partisanen seien gleich zu behandeln und auszurotten. Militärisch sollte dies die Karstwehr übernehmen. Die 2000 Mann starke Truppe kam im Küstengebiet (OZAK) und im Karst zum Einsatz. Der Historiker Tone Ferenc hat festgestellt, dass keine andere Einheit so viele Verbrechen an der Zivilbevölkerung beging wie die Karstwehr. Der Widerstand gegen die Besatzer konnte jedoch die Kräfte nicht bündeln, die Zusammenarbeit mit der kommunistischen Partei wurde abgelehnt. Für die etwa 40.000 Partisanen (Anfang 1944) war der Wald Rückzugsgebiet und Versammlungsort. Im Wald wurde die Infrastruktur errichtet: Kommandozentralen, Schulen, Krankenhäuser. Die Partisanen schlossen sich in der OF, der Befreiungsfront zusammen. Die OF bekämpfte nicht nur die Besatzer, sondern auch die innenpolitischen Gegner der KPS. Slowenische Führungseliten wurden ermordet, die OF hatte einen alleinigen Vertretungsanspruch. Die bürgerlichen Kräfte bauten im September 1943 die slowenische Landeswehr auf, die Domobranci. Die SS setzte die Landeswehr als Hilfstruppe gegen die Partisanen ein.

    Die Abrechnung der slowenischen und jugoslawischen Partisanen nach Ende des Krieges ist im Text ausführlich dargestellt. Bis in die 1950er Jahre fanden Prozesse gegen Zivilisten und Domobranci statt. Man geht davon aus, dass etwa 90.000 Slowenen von 1941 bis Februar 1946 ums Leben kamen, davon 50.000 infolge der innerslowenischen Abrechnung. Bis Anfang 1960 emigrierten weitere 30.000 Menschen.

    In der heutigen Bevölkerung werden bei der Beurteilung der Geschichte zwei Versionen diskutiert: Die "Partisanenversion" besagt, dass die Befreiungsfront-OF- legalen Widerstand gegen die Besatzer und deren Helfer leisteten. Sie vertrat alleine slowenische Interessen. Die "Domobranciversion", knapp ein Viertel der Bevölkerung, sieht in der OF ein Instrument der Kommunisten zur Vorbereitung der Revolution. Sie provozierte die Besatzer zu Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Es ist eine Auseinandersetzung der zwei Lager um die genaue Deutung der Geschichte. Ab 1987 wurde die nationale Versöhnung angestrebt, 1991 die Sperrgebiete im Kocevski rog freigegeben. Zum 60. Jahrestag des Sieges über die Besatzer wurde erstmals der Opfer der Rachemorde gemeinsam gedacht. Historiker versuchen eine ganzheitlich umfassende Aufarbeitung der Geschichte, die sich mit allen Einzelheiten der beiden Meinungen auseinandersetzen soll.

    Ich habe eine knappe Zusammenfassung dieser Abhandlung versucht.

    Einen Link zum gesamten Aufsatz füge ich bei:Sloweniens historische Bürde:

    http://www.bpb.de/apuz/29421/s…-historische-buerde?p=all

    Mit freundlichen Grüßen

    fritzjakob

    Edited once, last by fritzjakob ().

  • Guten Tag zusammen,

    auch 2018 fand am Ort des Überfalls eine Gedenkveranstaltung statt. Auf YouTube ist ein Film zu sehen. Im Vorspann zwei Bilder:

    das erste zeigt den Kommandeur der Partisaneneinheit, das zweite den politischen Kommissar und andere Kommandeure der Einheit.

    Dieses Foto hat Darko schon veröffentlicht. Link:

    https://www.youtube.com/watch?v=hWW706lKKjg

    Schade, dass man die gehaltenen Reden nicht verstehen kann, mich würde interessieren, wie man das Ereignis im heutigen Slowenien beurteilt.

    Mit freundlichen Grüssen

    fritzjakob