Drucktechniken in den Felddruckereien ?

  • Hallo,


    welche Drucktechniken wurden in den Felddruckereien der Wehrmacht verwendet ?


    Hier geht es mir eigentlich nur um den Kartendruck.


    Oft wurden ja erbeutete Karten nachgedruckt. War dies auch färbig möglich oder nur in SW ?


    Waren die verschiedenen Druckereien je nach Ebene unterschiedlich ausgestattet ?
    (z.B. Druckereitrupp in der Beobachtungsabteilung)


    Gruß
    Franz

    Sammle alles über Artillerie!

  • Hi Franz,
    deine Frage ist etwas unklar formuliert. Farbig Drucken ist (im Prinzip) mit allen (gängigen) Druckteckniken möglich. Die Frage muß eher lauten, ob man bereit ist den erhöhten Aufwand zu treiben, bzw. ob einem die technischen Möglichkeiten überhaupt zur Verfügung stehen. Auch muß gefragt werden will man einen vollflächigen Drei- oder Vierfarbendruck erzeugen oder nur Schwarzweiß mit nur einer zusätzichen Farbe.


    Bei Karten hat man außerdem noch die Möglichkeit der (s/w) fotografischen Reproduktion und nachtraglicher Kolorierung.

    Gruß
    Christian M. Aguilar

  • Hallo !

    ...Oft wurden ja erbeutete Karten nachgedruckt. War dies auch färbig möglich...


    Aus dem Kopf heraus: Es gibt jedenfalls farbige, detaillierte Karten von Kalinin aus dem November 1941 von der "Korpsdruckerei" (untechnisch ausgedrückt), also überraschend zeitnah erstellt. Andererseits waren Karten ja auch sehr wichtig, von daher erklärt sich der Aufwand wieder.
    Aber ich habe mich auch schon gefragt, wie das ablief.
    Fazit: Farbe prinzipiell ja, zu Technik und "Manpower" dahinter wüßte ich selbst gerne mehr.


    Mit freundlichen Grüßen

  • Hallo Christian,


    die verschiedenen Möglichkeiten des Farbdruckes (z.B. verschiedene Druckplatten für jede Farbe) sind mir im Prinzip klar.
    Wenn ich aber eine vorhandene Karte nachdrucke, muß ich erst die Farbe separieren (optischer Filter ?) und dann Druckplatten (oder etwas ähnliches) erzeugen.
    Und meine Frage geht dahin, welche Techniken damals verwendet wurden.
    Glaube nicht, dass die Druckplatten wie im 19.Jahrhundert von Hand gemacht wurden.
    Hier hat es sicher ein bestimmtes (fotografisches ??) Verfahren gegeben, ev. ätzen, belichten etc.
    Nur leider weiß ich darüber nichts, was damals im Feld bzw. bei der Truppe vorhanden und möglich war.
    Prinzipiell war ja die Farbfotografie schon möglich und z.B. auch die Signal-Zeitschrift wurde in Farbe gedruckt (aber irgendwo zentral, nicht in einer Felddruckerei auf einem LKW).


    Gruß
    Franz

    Sammle alles über Artillerie!

  • Hallo zusammen,


    es hilft zwar in der Ausgangsfrage kaum weiter, aber ich möchte noch folgendes anmerken:
    Wir sind heute etwas "verwöhnt", sowohl was Qualität, Aktualität, aber auch Anzahl der Ausstattung
    mit Kartenmaterial anging.
    Ich weiß noch, dass mein Vater in seiner Kartentasche ein Schächtelchen mit Farbkreiden
    hatte, und für ihn war es noch in den Anfangszeiten der Bundeswehr etwas durchaus
    Normales, die empfangenen s/w-Karte erst einmal zu kolorieren.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    jetzt noch die Gliederung einer Div.Kartenstelle, die ich in den russischen Akten gefunden habe.
    Interessant ist der Hinweis auf "Lichtpauser und Drucker für Opalograph"


    Zu letzterem habe ich folgenden Text gefunden (in einem Auktionstext):

    Quote

    "Opalograph" Gerät zur Vervielfältigung von Dokumenten, im originalen Holzkasten, wohl komplett, mit Opalplatte, Wachs- und Tintenblättern, Farbe sowie Geräten und Gebrauchsanweisung, insg. gute Erhaltung mit Alters- und Gebrauchsspuren, Kasten ca. 15 x 41 x 28 cm, um 1930


    Damit haben wir zumindestens eine Bezeichnung zu einem damals gebräuchlichen Druckverfahren.
    Dazu noch eine einschlägige Werbung mit eine Kurzbeschreibung.
    Mehr habe ich dazu leider nicht gefunden, auch Wikipedia schweigt sich dazu aus.


    Die Druckverfahren habe ich auch durchgesehen, aber hier gibt es so viele, die über lange Zeit im Einsatz waren,
    dass ich nicht herauslesen konnte, welches für den Kartendruck im Felde verwendbar war.


    Gruß
    Franz

  • Hallo,


    habe folgende Teile aus dem von Eumex verlinkten Beitrag herausdestilliert, vielleicht bringt das weitere Ergebnisse:



    Gruß
    Franz

  • Guten Morgen,


    der "Opalograph" scheint eine verbesserte Variante des bekannten Hektographierverfahrens zu sein, siehe beigefügten Auszug aus Gablers Wirtschaftslexikon.


    Grüße

    Files

    • opalograph.pdf

      (234.49 kB, downloaded 45 times, last: )
  • Hallo zusammen,


    um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen.


    Quote

    (z.B. Druckereitrupp in der Beobachtungsabteilung)


    Dazu habe ich die KStN 540a 01.12.1943 herausgesucht. Der Trupp verfügte wohl über Druckgerät
    das im Umdruck-verfahren funktionierte .( Wobei mir nicht klar ist wie das aussah und wie es funktionierte ?)

  • Hallo Dieter,


    die Druckmaschinen wurden als Hm-Geräte bezeichnet, es dürften mit Umdrucker die gleichen Geräte gemeint sein, die später in Büro und Schule eingesetzt wurden, zu erkennen an der meist violetten Farbe des Drucks, dem rauen Papier.und -bei frischen Drucken- am Spiritusgeruch.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Matrizendrucker


    http://www.typografie.info/3/t…riegszeiten-felddruckeri/



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

    Edited 2 times, last by Thilo ().

  • . . . es dürften mit Umdrucker die gleichen Geräte gemeint sein, die später in Büro und Schule eingesetzt wurden . . .


    Hallo zusammen,


    da der (spätere) Begriff "Trommel-Umdrucker" war, vermute ich auch, dass der beschriebene
    Vervielfältiger (Hektographierer) gemeint war.
    Er arbeitete mit Wachsmatrizen, die mit Maschine oder Hand beschrieben werden konnten
    und Spiritus als Lösungsmittel. Bis in die achtziger Jahre hatte in der Bundeswehr jedes
    Bataillon/selbstständige Einheit so ein Gerät. das war primitiv, aber sehr praktisch, denn
    es arbeitete ohne Strom, war also "feldverwendungsfähig" und man konnte einfach und
    schnell Befehle oder Umdrucke in größerer Zahl vervielfältigen.
    Aber mit "Drucken" im o.a. Sinne hatte das wenig zu tun.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    der Druckerei ist Froben leider nur eine kurze Erwähnung wert, die ich hier nachstehend
    wiedergeben will.


    "Ein kleiner "Druckereitrupp" der Stabsbatterie vervielfältigte im Lichtpausverfahren für den
    dringendsten eigenen Bedarf und den im Bereich der Beob.Abt. befindlichen Verbände Karten
    und außerdem Punktpläne, Übersichten und Koordinatenverzeichnisse. Besonders die von
    gerade erbeuteten guten Karten hergestellten Reproduktionen waren der Führung von Divisionen
    und Korps stets hoch willkommen."


    Aus: H.J. Froben, "Aufklärende Artillerie"


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited once, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo Rudolf,


    mit diesem Verfahren habe ich noch Mitte der 60er Jahre Behördenkopien in einer Blechröhre erstellt. Der gesamt Raum und Flur roch dann nach Amoniak


    Gruß Karl

  • Hallo,


    habe jetzt in den CAMO-Akten etwas zum Kartendruck gefunden.
    Quelle: Akte 50. Erfahrungsberichte des Heeresgruppen-Nachrichtenführers, des Generals
    der Pioniere und des Pionierbataillons 51, des Artilleriekommandeurs
    sowie des Kommandeurs der Luftwaffe bei der Heeresgruppe B über die
    Kämpfe im Westen.


    Von diesem Lumoprintgerät habe ich aber noch nichts gehört.


    Laut Internet war (oder ist?) "Lumoprint" eine Hamburger Firma, die verschiedenste Kopiergeräte etc. herstellte.
    Welche Geräte aber um 1940 unter dieser Marke hergestellt wurden, konnte ich nicht herausfinden.


    Gruß
    Franz

  • Hallo Franz,


    so wie es sich anhört, war das Gerät "LUMOPRINT" ein Gerät, das sicherlich originär
    nicht für die Ausstattung der Felddruckerieien vorgesehen war. In Anbetracht der
    besonderen Situation (großer Kartenbedarf, FRANKREICH usw.) wurde es lediglich
    gefordert, um dem großen Bedarf an Karten besser gerecht zu werden.


    Im Anhang ein Gerät, das bei eBay-Kleinanzeigen angeboten wurde; war mit LUMOPRINT
    beschriftet und schon etwas älter.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    hier ein Forum, in dem man nachlesen kann, welche Farbstifte die Wehrmacht zur Colorierung verwendet hat als Nachtrag zum Hinweis von Rudolf:


    Ich weiß noch, dass mein Vater in seiner Kartentasche ein Schächtelchen mit Farbkreiden
    hatte, und für ihn war es noch in den Anfangszeiten der Bundeswehr etwas durchaus
    Normales, die empfangenen s/w-Karte erst einmal zu kolorieren.


    http://www.lexikaliker.de/2008/06/landkartenstift-2/


    Gruß Karl

  • Hallo,


    danke einmal für Eure Antworten.


    So wie es aussieht, hat Lumoprint eine große Anzahl an verschiedenen Geräten erzeugt,
    nach der einen Anzeige mit RM-Preisen auch in den 30er- und 40er-Jahren.
    Ob es auch dezidirte militärische Geräte gab oder ob zivile verwendet wurden, kann man so nicht feststellen.


    Hier wären eventuelle Gerätelisten etc. interessant.


    z.B.
    D 296 Das Lichtpausgerät, 1940
    Merkblatt 34/28, Vermessungs- und Kartenabteilung, 1942
    D 298/12 Beladeplan für einen Meßstellen- und Gerätkraftwagen (Kfz. 63) (Einheitsfahrgestell) und Vermessungsgerätkraftwagen (Verm.Ger.Kfz. ), 1940
    H.Dv. 398/a58 Beobachtungs- und Vermessungsgerät
    H.Dv. 464/10 Beobachtungs-, Vermessungs- und Wetterdienstgerät


    (diese sind mir aber alle nur namentlich bekannt, nicht inhaltlich)


    Auch der Hinweis auf die Landkartenstifte ist sehr interessant, das war mir so nicht bekannt.
    (obwohl ich auch schon Landkarten selbst nachkoloriert habe, das waren aber Ausdrucke von einem Scan von polnischen Karten aus den 1840er-Jahren)


    Gruß
    Franz

    Sammle alles über Artillerie!