eingefrorene Panzermotoren

  • Hallo Peter,


    Ich habe mir vor ein paar Jahren mal eine Flasche JaBiKo (janz billijer Korn - 2,99 EUR/0,7ltr.?) gekauft, als mir die Scheibenwaschanlage am Auto zugefroren war und auf die Schnelle (und vor allem preiswert) kein Frostschutz zu bekommen war.


    Ich habe früher das Scheibenwaschanlagenwasser mit Spiritus verdünnt. Aber beide Methoden, Deine und meine früherer Spiritusmethode locken wegen Verdacht auf eine Alkoholfahne sehr leicht die Polizei an, wie ich festgestellt habe.


    Gruß Karl

  • Grüß Gott,


    ich gebe hier einmal wieder, was der damals so auch genannte "Panzer-General" Heinz Guderian nach dem Krieg in seinem Buch "Erinnerungen eines Soldaten" zur eingangs gestellten Frage geschrieben hat:


    "Eberbach hatte etwa noch 50 Panzer in seiner stolzen Brigade. Die Zahl der Panzer von drei Divisionen hätte 600 betragen müssen. Die Glätte machte große Schwierigkeiten, da die Kettenstollen noch nicht eingetroffen waren. Infolge der Kälte beschlugen die Optiken; die Salbe, die das verhinderte, war gleichfalls nicht eingetroffen. Das Anlaufen der Panzermotoren mußte durch Anzünden von Feuern unter den Wannen erleichtert werden. [Unterstreichung von mir] Der Betriebsstoff fror teilweise, das Öl wurde dick. Auch bei dieser Truppe fehlte die Winterbekleidung und das Glysantin."


    Diese Schilderung bezieht sich auf den 14.11.1941 bei der 2. Panzer-Armee während der Schlacht um Tula.


    Gruß


    Wolfgang

    QUOD SEVERIS METES * Für jede Information zur 296., 327. und 357. I.D. bin ich dankbar.

  • Hallo,


    hier ein Auszug in Stichworten aus:" Friedli:" Die Panzerinstandsetzung der Wehrmacht, 8. Spezielles im Winter":


    > starke Kälte; Kettenglieder brachen
    > langsames Fahren in kleinen Gängen; Motorschäden
    > Achsen und Federn konnten brechen; Unebenheiten im gefrorenen Boden;unsichtbar durch Schnee
    > Anwerfen der Motoren konnte Stunden dauern; Nur durch offenenes Feuer unter dem Panzer möglich
    > Panzer im Schnee festgefroren; Abschleppseile nicht an Abschlepphaken, sondern mit S - Haken i. d. Mitte der oberen Kettenhälfte eingehängt ( mehr Zugkraft)


    Um den Erfindergeist der Landser gleich einzuschränken stand in der Dienstvorschrift, dass es verboten ist, Panzer mit Handgranaten und geballten Ladungen freizusprengen :!:


    Man bedenke: Die I - Dienst mussten sehr oft im Freien arbeiten!


    Gruß Karl

  • Hallo!
    Ein ganzes Kapitel zum Thema findet man in; Tiger im Kampf III; Wolfgnag Schneider.
    Das Kapitel nennt sich, Der Betrieb im Winter, (nach D632/17, D632/21, D635/5, D635/16a, D656/21+, D656/43, D659/51. Div. Beträge im HtVBl 1943 und 1944), ab Seite 233. Viele Sachen wurden hier bereits erwähnt.
    u.a.

    • Frostschutzmittel "Glysantin", Kühlwasserübertragung und -heizgeräte
    • Kraftstoffe für den Winter, Öle und Fette; Mischverhältnis, etc.
    • Optisches Gerät, Verwendung von "Glasil", Kennzeichnung mit einem blauen Ring bis -40C° ohne Erwärmung beweglich
    • Batterien, warmhalten(Heizplatte) und isolieren
    • Klappen und Deckel
    • Heizlampen, Heißluftbläser, Anheizgerät
    • Fremdanlasser und Kurbelwellenbezinanlasser, Hier sind auch Zeichnungen/Bilder Anwerfergetriebe Typ 198 an VW und Panther

    Gruß
    Gerd

    Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.

  • Hallo,


    habe doch noch ein Foto gefunden, wo ein Motor mit Feuer angewärmt wird, zwar kein Panzer, aber immerhin ein LKW. (Quelle: "Die Deutschen vor Moskau" von Werner Haupt).


    Gruß


    Bertram

  • Hallo Leute,


    Ich möchte anmerken das zwar Kältemittel für die Kühlflüssigkeit vorlagen. Diese aber in keiner form für das Motoröl bereit standen, dies war weiterhin ein Problem. Das Kühlmittel konnte zwar den Temperaturen angepasst werden. Aber das Motoröl keinesfalls, dafür gab es meines Erachtens nach kein wirklichen Zusatz der dies bereit stellen konnte. Herbert Brunnigger beschreibt in seinem Buch, das auch das Aufwärmen unter der Ölwanne eingesetzt wurde, und dies nach Anfang 1942...
    Um hier nicht das Kühlmittel flüssig zu machen, sondern das Motoröl.


    mit freundlichen grüßen Björn

  • Hallo,


    habe noch ein weiteres Foto gefunden, wo der Motor eines Opel "Blitz" mit Feuer angewärmt wird (Quelle: ebay).


    Gruß


    Bertram

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    • Opel Blitz.png

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  • Hallo,


    eine ausführliche und interessante Beschreibung aller im Winter auftretenden Probleme und deren Bewältigung gibt es bei:


    https://de.wikiversity.org/wik….C3.9Fd.C3.A4mpfer.C3.B6l



    Man hatte aus dem Katastrophenwinter 1941/42 gelernt. Ähnliche Probleme gab es bereits bei früheren Manövern in Deutschland. Man hat ihnen aber offensichtlich keine größere Bedeutung zugemessen und sie fanden deshalb nicht den notwendigen Niederschlag in den Vorschriften und Planungen.


    Das Motorenöl (Winter) der Wehrmacht reichte nur bis -20°. Bei niederen Temperaturen mußte es entsprechend mit Kraftstoff verdünnt werden.


    Grüße


    Wolfgang


    Kursiv- in Normalschrift geändert; kkn

  • Hallo Wolfgang,


    ganz herzlichen Dank für diesen Link zu den auftretenden Problemen im Winter. Hier noch ein anderes Foto mit offenem Feuer zur Motorenanwärmung, das wirklich nur als "ultima ratio" genutzt werden sollte (Quelle: ebay).


    Grüße


    Bertram

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  • Hallo,


    die deutschen Motorenbauer haben aus diesen Probleme gelernt, so bestellte die Sowjetunion in den 1970er Jahren rund 10.000 LKW und Zugmaschinen von Magirus und Faun mit luftgekühlten Dieselmotoren von Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), vorrangig für den Bau der Baikal-Amur-Magistrale. Magirus garantierte ein Einsatzfähigkeit bis -57 Grad.und war damit jeder Konkurrenz überlegen. Die Entwicklung dieser Motoren ab 1942 legte den Grundstein dafür.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    anbei ein zeitgenössischer Pressebericht zu Umgang und Einsatzbereitschaft von Kraftfahrzeugen im Winterkampf.
    Quelle: Znaimer Tagblatt, Folge 46 vom 24.Februar 1942, Seite 5


    Gruß, J.H.

  • Hallo,


    habe noch ein weiteres Bild mit etwas Feuer unter dem Motor eines Lastkraftwagens gefunden. Aber das dürfte nicht in Russland sein und es hat auch nicht besonders hohe Minusgrade gehabt. Die Stimmung war wohl nicht schlecht bei dieser Aktion (Quelle des Bildes: ebay).


    Grüße


    Bertram

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    • Feuer.png

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  • ich muss gestehen, sowas, Feuer unter den Motoren, schon mehrmals gelesen zu haben.... auch in Romanen, Asche auf mein Haupt.


    Hallo,


    zwar kein Panzermotor, aber im Buch "Holt Hartmann vom Himmel" wird geschildert, dass die deutsche Luftwaffe ebenfalls häufig mit eingefrorenen Flugzeugmotoren ihre liebe Not hatte und die Einsatzbereitschaft infolge dessen nur schwerlich aufrecht erhalten konnte. Erich Hartmann soll sich daraufhin auf einem Frontflugplatz von einem russischen Kriegsgefangenen gezeigt haben lassen, wie dieses Problem in der sowjetischen Luftwaffe gelöst wurde: Der Russe stellte unter den Flugzeugmotor von Hartmanns Me 109 eine offene Ölwanne, kippte Benzin rein, zündete es an und ließ den Kraftstoff verbrennen. Hartmann und sein Mechaniker "Bimmel" Mertens nahmen an, dass der Motor mitsamt der Elektrik und Verkabelung nunmehr ein Opfer der offenen Flammen geworden sei - aber nachdem er durchgekurbelt war sprang der Motor der Me 109 tatsächlich an.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo J. H.,


    das ist M. E. falsch interpretiert.
    Zitat aus dieser Quelle S. 91.:
    "Zwei Warte - etwas besorgt - begannen den Motor mit der Hand ( gemeint ist die Handkurbel zum Motor anlassen D.U.) durchzudrehen, wähend sich der deutsche Fugzeugführer in


    S. 92: der Kabine duckte. Nachdem sich das Benzin gut mit dem dickgewordenen Öl vermischt hatte schaltete er die Zündung ein. Es gab keine Explosione. Der Motor sprang an, kam auf volle Touren und lief einwandfrei."
    Also wurde das benzin in die Ölwanne des Getriebes eingefüllt und nicht verbrannt.
    Übrigens brauchte ma dazu keinen russischen Kgf. Piloten, denn das war bereits Allgemeingut der Bordwarte.
    Ebenso auf derselben Seite:
    "Der Russe nahm ein deutsches MG und tunkte es in ein Fass kochendes Wasser, dabei spülter eralles Fett aus der Waffe.Ohne die vorgeschriebenen Schmiermittel funktionierte das MG einwandfrei bei Temperaturen von 40 Grad unter Null. Dank diesem russischen Tip, waren die Deutschen in der Lage nicht nur zu fliegen, sondern auch zu schießen "
    Meine Meinung: Da ist wohl den Autoren noch kein deutsches Flugzeuwartungsbuch und kein Flugzeugwart unter die Augen gekommen!


    Gruß Karl

  • Hallo,


    interessantes Dokument, danke.


    Interessant die Verwendung von Katalytöfen, damalige Kraftfahrzeuge hatten meist keine motorabwärme-gespeiste Heizung.


    (In einer Waschküche einer meiner ehem. Wohnungen gab es auch so einen Ofen, einmal benutzt, kriege jetzt noch Koppweh wenn ich dran denke)


    Was ist Glasil?


    Finde dazu nur folgendes:


    https://www.archivportal-d.de/…tNumber=1&_=1508329056905


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    sehr aufschlussreich.
    Besonders nachteilig finde ich, das die Kr. Kw. mit O Heinzungen ausgestattet waren.


    Gruß Karl

  • Grüße an alle,


    ergänzend zu diesem Thema paßt der Fragebogen des Wa A vom 1.2.1942 über die „Erfahrungen der Truppen mit Waffen, Gerät und Munition bei Tiefsttemperaturen“. Der Fragebogen besteht aus 15 Seiten, davon werden hier aber nur die Seiten über die Kraftfahrgeräte eingestellt. Falls Interesse besteht, kann ich die anderen Seiten auch noch einstellen. Da nur fünf Anhänge in einem Beitrag möglich sind könnte ich die restlichen Dokumente aber nicht en bloc einstellen. Die Möglichkeit einer Zersplitterung durch die 20 Minuten Regel ist daher denkbar. Das sollte aber kein Problem für die gewiefte Mannschaft hier sein.


    Servus


    Wolfgang


    Quelle:


    Russisch-deutsches Projekt zur Digitalisierung deutscher Dokumente in den Archiven der Russischen Föderation: Bestand 500 Findbuch 12454 - Heeresgruppe B/Mitte Akte 347. Anlagen zum KTB der Heeresgruppe Mitte – Führungsabteilung – Akte Erfahrungsberichte, ...