Abseits der Rollbahn

  • Hallo Kordula,



    ich hatte Deinen Einwand nicht vergessen, und im Angesicht Deines heutigen Geburtstages ist das auch
    wunderbar passender Augenblick, um darauf zu antworten.


    Selbstverständlich teile ich Deine Meinung, dass Fotos der Bevölkerung absolut ebenbürtig, ja eher als höherwertiger
    gegenüber den üblichen Trophäen-Fotos von zerstörten Panzern oder Soldaten-Selbstportraits anzusehen sind.


    Du sollst also hier Hunderte unbekannte Fotos unter dem passend gewählten Titel "Abseits der Rollbahn" präsentiert bekommen,
    ein durchaus "bunter" Einblick begrenzt auf die Ostfront, sowohl mit verstörenden Aufnahmen des Leids als auch Fotos
    von größter Menschlichkeit abseits der Front.

    Umstände, Verlauf und Folgen des Krieges im Osten sollten ja jedem durch Funk und Fernsehen bekannt sein, wurde auch schon 1963
    vom Historiker Ernst Nolte passend uncharmant als "ungeheuerlichster Versklavungs- und Vernichtungskrieg, den die moderne Geschichte kennt"
    tituliert.
    Diesem Fazit soll in keinster Weise widersprochen werden, somit muss sich hier auch kein Gutmensch vorschnell entrüsten,
    wenn durch platzierte Motive eine weniger grausame Wirklichkeit dargestellt wird, fernab der Kämpfe.


    Vielleicht sind wir auch die einzigen Personen, die an Aufnahmen ohne Waffen, Fahrzeugen und ordenbeschmückten Feldjacken
    interessiert sind. Dem widerspricht eigentlich der Preis einiger der Motive, die seltene Waffenfotos locker übertreffen.


    Wie es nicht enden sollte mit der eigenen Interpretation, führt übrigens ein "Eines Tages"-Bericht des Spiegels vor.
    Ein wohl sehr linker Journalist, der sich einiger Besatzungsbilder aus dem Staatsarchiv bediente, um dann in Sarrazin-Manier
    mit Schaum vor dem Munde sehr gehässige Thesen in den Raum wirft. Sollte man zur Abschreckung unbedingt einmal gelesen haben:


    -> Zweiter Weltkrieg - Die Mär von den keuschen Deutschen




    Bei Zeiten ergänze ich dann auch entsprechende Fotos mit zum Teil kuriosen Passagen der jüngsten Fachliteratur. Wer hätte z.B. gedacht,
    dass Heiraten im tiefsten Russland für WH-Soldaten fast nicht mit weniger Aufwand als heute durchaus möglich war, wenn auch nicht erwünscht.
    Wo ein fester Wille war, gelang auch die Trauung. Das nur als Anmerkung über die vielen Geheimnisse und unbekannten Dinge,
    über die man eigentlich niemals stolpert.


    Beginnen will ich mit einem sehenswerten Konvolut eines Photographen des Artillerie-Regiments 29,
    der mit Tausenden von hochwertigen Photos den Weg seiner Einheit durch den ganzen Krieg dokumentierte.
    In Rücksprache mit dem Veräußerer darf ich zur Anschauung auch die Verkaufsbilder der von mir nicht erworbenen Negative (nur Ostfront)
    hier einstellen. Der Copyright-Hinweis sollte nicht stören) Es handelt sich m. E. um einen einmaligen Einblick zu mehrwöchigen Aufenthalten
    am gleichen Ort.


    Die Serie beginne ich mit den Bildern einer Sitzung, eine wöchentliche Anhörungsstunde
    oder wie nennt sich eigentlich diese gemütliche Runde in der Heeresvorschrift?


    Gruß
    Udo

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  • Hallo,


    jetzt folgen Arbeitseinsätze, wobei in diesem Fall die Frauen wesentlich am Bunkerbau beteiligt zu sein scheinen...

  • Hallo,


    weiter mit unbekannten landwirtschaftlichen Feldarbeitseinsätzen, evtl. auch Entwässerungsgräben?

  • Hallo,


    weitere Arbeitseinsätze und der örtliche Truppenverbandsplatz

  • Hallo,


    weiter mit unbekannten landwirtschaftlichen Feldarbeitseinsätzen, evtl. auch Entwässerungsgräben?


    Hallo,


    Entwässerungsgräben sind es mit Sicherheit, ich denke aber eher für die "Straße".



    Gruß


    Ulf

  • Hallo Ulf,


    und Bild 27 mit dem Doppelgraben nebeneinander - ein Kartoffelbunker ?



    Gruß
    Udo

    Files

    • 36_Offiziere_Tisch.jpg

      (228.69 kB, downloaded 174 times, last: )
    • 37_Dorf.jpg

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    • 38_Dorf.jpg

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    • 39_Dorf.jpg

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    • 40_Dorf.jpg

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    Edited once, last by udorudi ().

  • Hallo Rudi,


    nein, kein Kartoffelbunker. Die ausgehobene Erde des Entwässerungsgrabens dient wohl eher als Damm gegen Wasser vom Feld. Das Gelände scheint ja auch auf der rechten Bildseite leicht anzusteigen.



    Gruß


    Ulf

    Edited once, last by Ulf71 ().

  • Hallo Ulf,


    ich meine das Rechteck mitten auf dem Feld, auf Bild 27. Der Entwässerungsgraben ist ja am Rande des Feldes.
    Dann warten wir auf einen Bauern, der uns aufklären kann. Jetzt geht die Reise erstmal in die Großstadt, wohl nach Orel.



    Gruß
    Udo

  • Hallo,


    vielen Dank Udo für die Bilder und damit ihr (Du und Kordula) nicht so einsam seid, will ich mal einige Gedanken zu den Bildern zum Besten geben.


    Machen wir uns nichts vor, auch wenn auf den Bildern keine offen sichtliche Gewalt gezeigt wird, so sind es doch Kriegsbilder. Die vermeintlich friedliche Situation kann jederzeit kippen und geht dann der Regel zu Ungunsten der Zivilisten aus. Und alle Arbeit die den Zivilisten abverlangt und geleistet wird, dient mit Sicherheit nicht dazu, ihren Wohlstand zu mehren, sondern einzig und allein den Kriegszielen des fremden Heeres. Um zu überleben, sind die Menschen gezwungen an der Zerstörung ihres Landes oder Dorfes mitzuwirken, indem sie helfen die Kriegsmaschinerie in Gang zu halten.

    Schlecht gekleidet, schlecht behaust, leidlich genährt und vermutlich mit niedrigem Bildungsstand, so werden diese Menschen heimgesucht von einer fremden Kriegsmacht. Sie stellt durch ihren Krieg sicher, dass die geringe, bescheidene Hoffnung auf ein besseres Leben, die diese Menschen im Rahmen des eigenen Regimes vielleicht entwickelt hatten, zerstört wird, ins Bodenlose absinkt. Über Jahre werden sie keine Besserung zu erwarten haben, nur Zerstörung. Auch nach dem Krieg wird es Jahre dauern, bis wieder Wohlstand eintritt.


    Ich nehme mal an, diese Bilder sind zu Beginn des Kriegs entstanden. Ich frage mich immer, wenn solche Bilder sehe, welches dieser abgebildeten Kinder und Jugendlichen den Krieg überlebte, einfach nur überlebte, welches Haus, sei es auch noch so baufällig und ärmlich, stand noch am Ende des Krieges?


    Zum Schluss noch dies: Ein Bild zeigt den Bau eines Bunkers, wir assoziieren damit Schutz für die Soldaten, aber das ist falsch, die richtige Assoziation muss lauten, der Bunker ruft nach Zerstörung, nach Granaten, die irgendwann kommen und ganz nebenher auch dieses Dorf zerstören werden.

    Ich kann in diesen Bildern nichts wirklich Friedliches entdecken, sondern nur latente, untergründige, sich vielfältig ankündigende Gewalt.


    Gruß


    Paul


    PS: Ich schaue mir „gerne“ solche Bilder an, und freue mich über ihre Veröffentlichung, aber bei den Begleittexten sollte man vorsichtig sein. Nicht die linken Journalisten machten später den Krieg durch ihre Berichterstattung zu einem schlechten Ereignis, es waren vielmehr die Taten der Wehrmacht selber, die objektiv keine günstigeren Berichte zuließen.

    G-W-G'

    Edited once, last by Paul Spohn ().

  • Hallo Udo,


    kannst Du bitte das Rechteck auf dem Feld bitte kennzeichnen, dass ich erkennen kann, was Du meinst?



    Gruß


    Ulf

  • Hallo Paul,


    wie immer ein knappes gnadenloses Management Summary von Dir, dabei fängt der Thread doch erst an.
    Ich sprach nicht nur von friedlichen Motiven, es umfasst eher viele Begegnungen, sei es friedlicher, mißtrauischer,
    kurioser oder auch leidvoller Art. Die uns aufgrund fehlender Informationen auch keine weitere Auskunft geben können.


    Ich nehme mal an, diese Bilder sind zu Beginn des Kriegs entstanden. Ich frage mich immer, wenn solche Bilder sehe, welches dieser abgebildeten Kinder und Jugendlichen den Krieg überlebte, einfach nur überlebte, welches Haus, sei es auch noch so baufällig und ärmlich, stand noch am Ende des Krieges?


    Das sind viele Fragen, die einen separaten Thread benötigen. Kann sein, dass Jugendliche nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden.
    Kann sein, dass sie die Endphase des Krieges überlebten, ohne Verbannung nach Sibirien repatriiert wurden und in ihr Heimatdorf zurückkehren konnten.
    Kann sein, dass Dorf ist heilgeblieben und die jetzt betagten Kinder des Krieges erzählen deutschen Jugendlichen beim Workcamp vom Kriege,
    während diese die maroden Häuser renovieren, siehe Foto #1. Quelle Wikipedia



    Zum Schluss noch dies: Ein Bild zeigt den Bau eines Bunkers, wir assoziieren damit Schutz für die Soldaten, aber das ist falsch, die richtige Assoziation muss lauten, der Bunker ruft nach Zerstörung, nach Granaten, die irgendwann kommen und ganz nebenher auch dieses Dorf zerstören werden.


    Gründe für diesen Bunkerbau hier zu erörtern, wäre schwierig. Evtl. Munitionsbunker einer Artillerie-Einheit. Zivilisten wurden m.E. weitestgehend von der HKL
    evakuiert. Die Ortschaft scheint rückwärtig nicht in unmittelbarer Frontnähe zu liegen, wohl März/April 1942 irgendwo in der Nähe von Orel. Ein Jahr später
    fällt aus, da war das Regiment an der Wolga eingeschlossen. Müsste man den Weg des Regiments genauer verfolgen. Nur wenige Fotos dürften aus der Vormarschzeit Juni-November 41 entstammen. Z.B. die jetzt noch folgenden letzten Aufnahmen mit Kriegsgefangenen, bevor es in die Steppe nach Stalingrad ging.



    Ulf : Bild (50) mit Markierung noch einmal hochgeladen.



    Gruß
    Udo

  • Hallo Ulf,


    da gehen wir nicht d'accord. Die Dorfstrasse zwischen den Häusern existiert doch bereits schon, ganz links.
    Das wäre ja eine zweite parallele Strasse in der Schräge ?


    Gruß
    Udo

  • Hallo Ulf,


    Strasse macht keinen Sinn, von der gesamten sichtbaren Anlage her passt nichts zum Strassenbau, kannst mir glauben, habe schon Straßen gebaut.
    Hätte fast auf Spargelbeet getippt, ist aber genauso Unsinn.


    Gruss


    Paul

    G-W-G'

  • Hallo Paul,


    ja da war ja noch nie eine Straße, höchstens ein Weg. Man versucht m. E. diesen durch die Drainagegräben und die Wälle für die zu erwartende Schlammperiode halbwegs trocken und befahrbar zu halten.



    Gruß


    Ulf

  • Hallo zusammen,


    irgendetwas soll dort trocken gehalten werden, deshalb der kleine begrenzte umlaufende Graben. Schaue ich mir bei google Bilder
    zu Kartoffelmieten an, kommen diese dem Bild ziemlich nahe. Aber warten wir auf einen echten Landwirt.


    Weiter mit den letzten Bildern aus der Serie A.R. 29 - 1941/42



    Gruß
    Udo