Ethnische Zusammensetzung der Gebirgstruppen

  • Hallo,


    mich würde die ethnische Zusammensetzung der Gebirgstruppen interessieren sprich aus welchen (österreichischen) Bundesländern die Gebirgsjäger rekrutiert wurden.


    Z.B. vermute ich, dass die 2.Gebirgsjägerdivision vor allem aus Tirolern bestand usw.


    Würde mich auf Eure Hilfe freuen!


    Grüße
    Erich

  • Hallo Erich,


    auch viele Südtiroler haben bei den unterschiedlichsten Gebirgs Divisionen gedient.


    schöne Grüße aus Südtirol


    Reinhard

    Suche alles über das SS-Polizei Regiment Brixen und die 31.SS-Freiwilligen-Grenadier-Division

  • Hallo,


    ich halte es für sehr problematisch bei den hier angesprochenen Gebirgstruppen von "ethnischer Zusammensetzung" zu sprechen bzw. zu fragen. Bereits im letzten Beitrag von Gradivus taucht die richtige Frage auf:
    "Verstehen sich z. B. die Südtiroler tatsächlich als eigene Ethnie?" Diese Frage lässt sich mit Sicherheit auf viele Herkunftsgebiete ausweiten. Außerdem lässt die Angabe zu einem Geburtsort und/oder Wohnort niemals die sichere Zuordnung zu einer Ethnie zu, so man denn mit der Begrifflichkeit arbeiten will. Die geografische Herkunft sagt nichts über die ethnische Zugehörigkeit aus.


    Ich glaube wirklich gesicherte Erkenntnisse bekommst Du nur, wenn Dich auf die geografischen Bezüge beschränkst. Du nach den Geburtsorten oder letzten Wohnorten und die Zuordnung dieser zu gewissen Regionen vornimmst. Dabei kannst Du Dich an damalige oder auch heutige administrative Einheiten (Kreise, Bezirke, Länder) orientieren oder auch an historischen Landschaften etc..


    Beste Grüße


    Paul

  • Hallo Gradivus,


    Verstehen sich z. B. die Südtiroler tatsächlich als eigene Ethnie?


    wenn man von Italien ausgeht auf jeden Fall, da wir ja deutschsprachig sind und unsere Kulturzugehörigkeit im Norden zu finden ist und unsere Sprache bzw. Kultur gesetzlich geschützt ist.
    Deshalb findet man ja auch so viele Südtiroler bei den Gebirgsjägern, da wir im Prinzip mit den Tirolern gleich zu setzen sind.
    Vielleicht ist die Überschrift in diesen Thread falsch gestellt, da Erich ja selbst die Frage gestellt hat aus welchen Bundesländern die Angehörigen der Gebirgstruppen stammen, meiner Ansicht nach sollte es heißen:
    Waren alle Gebirgsjäger Leute aus Alpinen Gegenden.


    schöne Grüße aus Südtirol


    Reinhard

    Suche alles über das SS-Polizei Regiment Brixen und die 31.SS-Freiwilligen-Grenadier-Division

  • . . . Waren alle Gebirgsjäger Leute aus Alpinen Gegenden?


    Hallo zusammen,


    mit Sicherheit nicht !
    Die Gebirgstruppe hatte den Nimbus einer "Elitetruppe" (wie z.B. U-Bootwaffe u.a.),
    daher war bei den Freiwlligenmeldungen durchaus ein gewisser "Drang" zu dieser
    Truppengattung - auch reichsweit -vorhanden.
    Wenn ich einem meiner Chronisten (Hans-Günther UNGER) glauben kann, dann waren
    bestimmte Landsmannschaften sogar recht zahlreich vertreten. So war es z.B. bei den
    Sachsen u.a. darin begründet, dass es dort zwar keine alpine, aber doch bergsteigerische
    Tradition gab. (Das galt nach seiner Aussage für die 1. / 5. Gebirgsdivision.)


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,
    Gebirgsjägereinheiten sind wohl zu einem guten Teil aus im Grossraum Alpen wohnenden Personen aufgestellt worden? Aber die Anzahl von aus anderen Regionen kommenden dürfte nicht gerade klein gewesen sein. Sehe ich mir die Persilscheine meines Vaters an, dann waren dabei zwei von ehemaligen Untergebenen, einer aus Gelsenkirhen, einer aus Österreich. Mein Vater hatte sich freiwillig für das Afrikakorps gemeldet und trotz tropentauglichkeit wurde er zu den Gebirgsjägern nach Nordskandinavien versetzt. Ein langjähriger Klassenlehrer kam aus der Wetterau und war auch bei den Gebirgsjägern.
    Es wurde oft ziemlich heimatnah einberufen, aber wenn Leute woanders gebraucht wurden, dann landeten Leute auch etwas weiter weg.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rudolf und Rainer,


    natürlich habt ihr mit euren Antworten recht, das auch ein Großteil der Geb. Jg. keine " Bergmenschen" waren, ist ja auch noch heute so. Ich meinte ja nur die Frage sollte so gestellt sein.
    Ich finde es ja auch nicht so zwingend erforderlich das alle geübte Bergsteiger sein müssen, denn vieles kann man sich aneignen und es musste ja nicht jeder in den Felsen "rein".


    schöne Grüße aus Südtirol


    Reinhard

    Suche alles über das SS-Polizei Regiment Brixen und die 31.SS-Freiwilligen-Grenadier-Division

  • Hallo,


    meine Frage war ursprünglich so gemeint:


    Stammten die Gebirgsjäger aus dem Alpinen Raum (Damit gemeint sind Bayern, Tirol,Steiermark, Salzburg, Kärnten usw.).? Ethnien als "völker", nicht als Minderheiten gemeint...


    Südtiroler gab es auch recht viele, vor allem in der 2. und 5. Gebirgsjägerdivision (aus eigenen Recherchen hervorgehend)
    Gruß
    Bärich

  • Tag allerseits,


    zuerst die Definition für Ethnie:


    Eth|nie die; -, ...ien <gr.-nlat.>: (Völkerk.) Menschengruppe mit einheitlicher Kultur


    Demnach geht es nicht um "Völker" im eigentlichen Sinne. Besser wäre es schon gewesen, von der landsmannschaftlichen Gliederung zu sprechen.


    Man benötigte bei den damaligen Gebirgsjägern vor allem auch Leute, die mit Mullis und Haflinger umgehen konnte. Wehrpflichtige
    aus dem Bereich Landwirtschaft und ausgesprochene "Flachländer", die mit den Bergen nicht allzuviel am Hut hatten, wurden
    deshalb auch zu den Gebirgsjägern eingezogen.


    Gruß
    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Guten Abend,


    die Frage von Reinhard (bzw. singemäß auch von Bärich), ob "alle Gebirgsjäger Leute aus alpinen Gegenden" waren, hat Dr. Rudolf ja mit einem klaren Nein beantwortet, was man nach meinem Kenntnisstand uneingeschränkt "unterschreiben" kann.


    Zum einen wurde beispielsweise die SS-DIv. "Nord" "per Order de Mufti" zur (6.) SS-Gebirgsdivision "Nord", die SS-Inf.-Btle. (mot.) (bzw. das, was davon noch in Finnland übrig war) auf Befehl zum Stichtag zu SS-Geb.Jg.Btln., ohne das dieses Personal je eine gebirgsspezifische Ausbildung erhalten hat.


    Andererseits wurde mein Onkel (gebürtig und aufgewachsen in Pommern) 1944 zu dieser Division versetzt. Meines Wissens gibt gab es in Pommern auch noch nicht mal traditionell "Bergsteigerei". Aber viel Landwirtschaft, was die "Theorie" von Bert bestätigen würde, denn mein Onkel kam aus der Landwirtschaft.


    Jetzt könnte man "trefflich" darüber streiten, ob man die (6.) SS-Geb.Div. "Nord" überhaupt eine "echte" Gebirgsdivision war. Ausrüstungstechnisch war sie es.



    Gruß
    Peter

  • Hallo zusammen,


    aus meiner Familie waren mindestens drei Vorfahren bei den Gebirgsdivisionen (1., 2., 3.). In der Selbstwahrnehmung stand zweifellos immer das Landsmannschaftliche (Tiroler, Salzburger, Kärntner usw.) im Vordergrund. Auch in den Büchern nach dem Krieg (z.B. Lanz, Kräutler) werden die Mannschaften als "Tiroler", "Steirer" etc. beschrieben. Was das "Ethnische" betrifft - meinen Männern im 2. WK war dieser Terminus sicher fremd -, so wird sich die große Mehrheit wohl als "Deutsche" gefühlt haben. Es sei denn, dass sie aus Bevölkerungen wie den Kärntner Slowenen kamen, die auch in die Wehrmacht eingezogen wurden. Aus Gesprächen mit alten Soldaten weiß ich, dass man die Anrede "Ostmärker" durch Reichsdeutsche Offiziere negativ empfand. Anderseits war aber auch das Österreichbewusstsein schwach. Nach Umfragen hat sich erst in den 60er Jahren die Mehrheit der ehemaligen "Ostmärker" als "Österreicher" zu fühlen begonnen.


    Soweit zum Thema "Ethnie" und Gebirgsdivisionen. Ja, die Mehrheit kam wohl aus den Alpenländern, mit Einsprengseln aus anderen Reichsgebieten, wie schon erwähnt. Ein Sonderfall war m. W. die 7. GD "Prinz Eugen", die sich aus Volksdeutschen rekrutierte.


    Gruß,


    Echternkamp

  • Hallo,


    mein Großvater diente auch als Gebirgsjäger bei der 7. Gebirgsdivision. Diese Division entstand meines Wissens durch die Umgliederung der 99. leichten Infanteriedivision, die in Bad Kissingen (Unterfranken) aufgestellt wurde.
    Als Mittelfranke hat er bis zu seiner Militärzeit niemals "Berge" gesehen, er war aber, wie auch von Bert erwähnt, ein "Spezialist" aus der Landwirtschaft. Der Umgang mit Pferden war für ihn somit kein Problem.


    Bei Interesse könnte ich einige Bilder posten.


    Gruß


    Rainer

  • Hallo, Rainer,


    Bei Interesse könnte ich einige Bilder posten.


    immer und jederzeit gerne. Angehängt werden können 5 Bilder pro Beitrag.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Guten Morgen,


    die ursprünglich in diesem Thread angehängten Bilder von Rainer zur 7. Gebirgsdivision befinden sich jetzt --> hier.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo,


    den Zusammenhang zwischen Pferden und "Bauernburschen" verstehe ich schon, nicht aber den Vorgenannten und den Gebirgsdivisionen. Zumindest die Infanterie-Divisionen waren durchweg bespannt und jede Division hatte um die 4.000 - 4.500 Pferde im Bestand. Bei der Artillerie war der Pferdebestand ebenfalls hoch. Zudem war Deutschland zu Beginn des 2. WG durchaus noch ein Land mit einem recht hohen Bevölkerungsanteil in der Landwirtschaft. Da gab es genügend und wahrscheinlich mehr "Pferdeflüsterer" als Männer im Soldatenalter mit einer Fahrererlaubnis zum Führen eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor.



    Gruß


    Paul

  • [

    Quote


    Auch in den Büchern nach dem Krieg (z.B. Lanz, Kräutler) werden die Mannschaften als "Tiroler", "Steirer" etc. beschrieben. Was das "Ethnische" betrifft - meinen Männern im 2. WK war dieser Terminus sicher fremd -, so wird sich die große Mehrheit wohl als "Deutsche" gefühlt haben.
    Echternkamp[/quote

    ]


    Also mein Onkel war auch in einer Gebirgsdivision-- hat auch einiges ´von der damals (Ende 41-42) langen und gediegenen Ausbildung ( natürlich auch die sinnlose "Schleiferei") erzählt.
    ABER: Es gab sehr wohl die UNTERSCHEIDUNG "WO KOMME ICH HER" ("Tiroler" "Steirer" Oberdonau"!!!)
    Das war sogar wichtig-- weil die Leute damals auch vorher nirgends hin gekommen sind und der "zusammenhalt" ein anderer war.
    mein Onkel kommt aus einem Dorf mit heute ca 2000 Einwohnern und mit meinem Onkel sind noch 2 in die gleiche Kompanie eingerückt.
    "Deutscher" war man sicher auch - aber das woher man war war mindestens genauso wichtig wenn nicht wichtiger.
    LG Wolfgang

    Edited 2 times, last by bigkroda ().

  • Sehr geehrte Mitglieder des Forums,


    ich habe schon einige herausgefunden durch Recherchen in Bücher und dem Internet. Mein Opa war im Forstdienst aus Bayern und hat sich in Salzburg einschreiben lassen. Kann dann zur 2. Gebirgsjägerdivision. Ich habe dadurch einige Bücher und im Internet geforscht, weil ich auf der Suche bin was eine bestimmte Einheit für aufgaben hatte. Hier stieß ich auf ein Buch von den ehemaligen Befehlshaber M.Kräutler und Karl Springenschmid der 2.GD. es war einmal ein Edelweiss...Hierin heißt es, dass der größte Teil der Einheit aus Tirolern, Voralbern, Bayern und auch Schwaben bestand. Was in einer Passage sehr nett über die verschiedenen Kartenspiele berichtet wir, was die Volksmannschaften gespielt haben. Ich hoffe ich konnte etwas zu diesem Thema beitragen und verzeiht mir, wenn ich vielleicht nicht genau den Punkt getroffen habe. bin noch neu hier. Danke

    Somit verbleibe ich mit freundlichen Grüßen


    Stummse