Vertreibung aus Ostpreußen

  • Hallo zusammen


    Mein Schwiegervater ist selbst Vertriebener.
    Er hat einmal drei Bände dieses Buches geschenkt bekommen.
    Den ersten Band habe ich zur Hälfte gelesen.
    Also für mich war das Buch ganz schön hart, so das ich nicht mehr weiterlesen mochte.
    Es sind dort viele Augenzeugenberichte angegeben.


    Gruss Erich

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    Freiheit ist das Recht anderen zu sagen was sie nicht hören wollen.
    George Orwell

    Edited 2 times, last by erich ().

  • Hallo,


    zunächst will ich zur Beruhigung der Situation hier auf einen Artikel in Spiegel-special von 2006 verweisen: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-45964814.html
    Dieser Artikel weist einerseits auf die historischen Ursachen von Flucht und Vertreibung hin und andererseits stellt er in sachlich gedrängter Form das Fluchtgeschehen dar und benennt Zahlen und Zahlenspiele um die Toten und Geschädigten. Und er stellt ungeschönt dar, wie die Integration der Flüchtlinge mit Hilfe und auf Druck der Westalliierten erfolgreich durchgeführt wurde. Allerdings ist dies auch ein Schwachpunkt des Artikels, weil der Betrachtungshorizont irgendwo in den 1980iger Jahren endet und nur der Fall Westdeutschland dargestellt wird. Ansonsten ein wirklich brillanter Artikel.
    Lief hier nicht vor kurzem ein Thread, der sich mit der Integration der aus dem Krieg Entlassenen in der SBZ/DDR befasste?


    Zum Schluss einige Anmerkungen zu den Streitigkeiten, die sich auf diese Art nicht das erste Mal hier im Forum zeigen und die einfach dadurch entstehen, dass in undisziplinierter Weise beständig zwischen Argumentationsebenen hin und her gesprungen wird. Da ist zunächst einmal die Ebene des Konkreten, in unserem Fall die persönlichen Berichte einzelner Betroffener, die einfach nur berichten ohne zum Schluß ein Fazit zu ziehen. Eine disziplinierte Diskussion sollte nur auf dieser Ebene, der Ebene des Konkreten, stattfinden. Beispielweise zum Wahrheitsgehalt oder meinetwegen auch zum Stil etc. Im Grunde kann man diese Berichte so aber stehen lassen. Den Wahrheitsgehalt wird man nicht mehr prüfen können und jeder hat so seinen Stil. Würde es dabei bleiben, dann wäre alles gut.


    Nutzt jedoch derjenige, welcher den Artikel hier einstellt, diesen dazu, eine Diskussion zu eröffnen, die den Inhalt des Artikels weit übersteigende Zusammenhänge behandelt, dann ist dies zwar legitim, er nutzt ihn sozusagen als Aufhänger. In der weiteren Diskussion jedoch nur und ausschließlich auf den Artikel zu rekurrieren ist jedoch nicht mehr legitim. Und dies geschieht im vorliegenden Fall beständig. Will ich aber ein Geschehen, wie das hiesige Thema es anspricht, vom Konkreten auf eine Abstraktionsebene heben, verallgemeinern, dann muss das Diskussionsrepertoire um weitere konkrete Beispiele erweitert werden. Nur eine Vielzahl konkreter Beispiele erlaubt Verallgemeinerungen und letztendlich Schussfolgerungen. So eine Diskussion und so ein Fazit müssen noch nicht die letzte Ebene sein. Je weiter man sich in Verallgemeinerungen hinein begibt, um so wichtiger wird eine gewisse logische Disziplin und eine gewisse argumentative Redlichkeit. Die kann jedenfalls nicht dadurch hergestellt oder auch diskreditiert werden, wenn immer wieder auf einen einzigen konkreten Einzelfall verwiesen wird.


    Und dann ist es manchmal ziemlich hilfreich anzusagen was man diskutieren will, wenn man so einen Artikel einstellt: etwa das Flüchtlingsproblem zum Kriegsende oder die heutige Gedenkkultur usw.


    Außerdem: ich kann mitreden, denn in meiner Familie versammelt sich alles, was im Dritten Reich so als Betroffene vertreten war, Flüchtlinge, Wehrmachtssoldaten, KZ-Häftlinge, NSDAP-Mietglieder, Nicht-Vertriebene bis hin zu Displaced-Persons, allerdings keine SS-ler. Aber das alles macht mich letztendlich noch nicht zu einem guten oder sogar besseren Diskutanten.


    Beste Grüße


    Paul

    G-W-G'

    Edited once, last by Paul Spohn ().

  • Hallo Paul,


    vielen Dank für deinen Beitrag. Du hast hier einiges klar ,deutlich und zusammenfassend dargestellt.


    Meiner Meinung nach kannst Du nicht nur mitreden, sondern wärst ein besonnener Moderator für dieses komplexe Thema.


    Eigentlich hat doch jeder seine eigene Meinung, Ansichten und sein eigenes Urteilsvermögen und kann selbst artikulieren, da verstehe ich nicht, warum oftmals jemand in Diskussionen für den Anderen antwortet, obwohl er gar nicht angesprochen oder gemeint ist, denn die Gedanken eines Anderen kann man ja nun nicht lesen.


    Damit es nicht falsch verstanden wird,Thomas ist hiermit in Form seiner Funktion im Forum nicht gemeint oder angesprochen .



    Noch einen schönen einen schönen Sonntagabend


    Gruss Wolfgang

  • Hallo Robert


    Vielen Dank für den link mit dem Du das Thema hier gestartet hast.
    Dieses spiegelt ebenfalls die Ereignisse die ich aus meiner Familie (mütterl. Seite) aus Erzählungen kenne.
    Der Russe war im zügigem Anmarsch die deutsche Front war eingeknickt so hatte der Vater meiner Großmutter es am Funk abgehört.


    Man packte in Großfriedrichsdorf am 21.Okt. 1944 die Sachen. Nach dem Mittagsessen schaute man dass man Land gewinnt.
    Meine Urgroßmutter, Großmutter mit den Kindern traten somit die Flucht an. Der Urgroßvater blieb mit einer Tochter zurück. Er wollte das Hab und Gut nicht verlassen.
    Er wurde von den Russen später umgebracht und die Tochter wurde verschleppt.


    Es ging in Richtung Königsberg, Schönfeld übers Frische Haff nach Bodenwinkel usw.
    Die Flucht dauerte 2 Jahre und 7 Monate dann waren sie alle vier ,,Gott sei Dank" in Berlin.
    Der Vater meiner Mutter war am Ural in Kriegsgefangenschaft. Er hatte es aber geschafft oder auch Glück gehabt dass er später in Berlin ebenfalls ankam.
    Man hatte nichts mehr ausser das Leben und das was man am Leib trug.
    Aber es mußte weitergehn und so ging es noch vielen anderen auch.
    Großvater suchte sich Arbeit und es ging von vorne los.
    ,,Den Kopp in den Sand stecken gibt es nicht es hilft ja nüscht" - so war sein Leitspruch.


    So nun komme ich zum Thema Aufnahme im Westen nach dem Krieg. Auch das gehört anscheinend in dieses Thema.


    Man bezeichnete hier zu Lande die Ostdeutschten als Rucksackdeutsche und nach damaligen Auffassungen - ,,Man hatte doch selber nicht viel".
    So ganz bestimmte Kommentare hab ich auch noch als Kind im Ohr. Das war nicht immer so die nette Art. Sowas stößt bei den Betroffenen schon sauer auf, ist ja auch verständlich.
    Die Menschen die sowas nicht erlebt haben können sich das in keiner Weise vorstellen. Was ich aus den Erzählungen meiner Familie mitbekommen habe über die Flucht und auch das was vorher schon war hat mir gereicht.
    Wie es in der SBZ war weiß ich nicht das kann ich nicht beurteilen.


    Aber desto trotz man kann es nicht ändern, so ist die deutsche Geschichte.
    Hätte, wäre usw. das bringt nichts.


    Beste Grüße,
    Thomas

    Edited 2 times, last by korpowo ().

  • [...] @Roman


    1. Gab es eine rechtskräftige Gerichtsverhandlung zu der Degradierung oder ist nur ein Funkspruch des zornigen Führers überliefert ?
    2. Mir sind auch aus der Fachliteratur keine tieferen Rangbezeichnungen (nur noch Generalmajor, Oberst) des General Lasch bekannt, also dürfte der Rang noch seine amtliche Gültigkeit besitzen.
    3. Wenn Du es so genau nimmst, hätte man ja trotz Kriegsende dessen Familienangehörige weiterhin in Sippenhaft belassen müssen, weil vom Führer so gewünscht ?


    Hi Udo,


    ad 1: Mir ist keine Gerichtsverhandlung bekannt bloß der Funkspruch von Hitler. Der dürfte aber gereicht haben, war nicht die Beförderung von Paulus zum GFM auch nur ein Fernspruch des Füherers?
    Mir ist kein Fall bekannt (zumindest im Moment nicht) wo ein Gericht (egal ob Militär - oder Zivilgericht) eine Entscheidung Hitlers aufgehoben hätte. Höchstens der umgekehrte Fall.
    ad 2: Ich kenne die rechtlichen Richtlinien nicht. Nur das Unrechtsurteile/-entscheidungen in den letzten Jahrzehnten wieder aufgehoben wurden. Ob die Degradierung von Lasch eine solche war? Ich kann es nicht sagen.
    Sicher jedoch war Sippenhaftung großes Unrecht für die Betroffenen da sie wohl kaum eine Rolle spielten bei der Verteidigung von Königsberg. Die Familienangehörigen waren ja nichts anderes als politische Häftlinge in diesem Zusammhang. Und daher auch nach dem Ende des 2. WK sofort freizusetzen.
    ad 3: Siehe "ad 2"

    Quote

    ='udorudi','http://www.forum-der-wehrmacht.de/index.php/Thread/42319-Vertreibung-aus-Ostpreußen/?postID=443598#post443598'


    Du verwechselst hier einen Zeitungsartikel mit einem wissenschaftlichen Ausatz. Journalisten besitzen generell keine Pflicht, mit Dutzenden von Fußnoten zu arbeiten.
    Gruß
    Udo


    Habe ich auch nirgends geschrieben, würde ich auch nicht tun.
    Trotzdem hätten Fußnoten oder Quellenhinweise etwas gebracht, nämlich Aussagen des Autors nachvollziehen zu können. Ich spreche ja nicht von jedem Geschehen dass er erwähnt aber zB die Angabe " in einer seriösen Umfrage..". Da hat der Autor sich nur ins Knie geschossen (meiner Meinung nach) , wenn er diese nicht angibt oder wenigstens im Text namentlich nennt.

    Edited 3 times, last by history1 ().

  • Hallo Wolfgang,
    hier noch einige Anmerkungen zu deinen letzten Beiträgen:


    Aber es kristallisiert sich bei diesem Thread eindeutig heraus, das diejenigen die keinen Bezug zu Thema - Flucht und Vertreibung - haben ( in der eigenen Familie ) eine ganz andere Sichtweise der Dinge zu diesem sensiblen Thema haben.


    Nach deinen eigenen Angaben hast Du keinen Bezug zu Flucht und Vertreibung,


    Ich folgere daraus, dass Du der Auffassung bist, dass nur mitreden kann, wer persönlich invoviert ist (und sei es auch nur indirekt als Familienangehöriger ehemaliger Betroffener). Nun, vielleicht ist es aber eher so, dass eine gewisse emotionale Bindung an das Thema im Rahmen einer sachlichen, objektiven Diskussion vielleicht eher hinderlich ist. Ich habe keine familiären oder anders gelagerte Bindungen an die ehemaligen ostdeutschen Länder. Vielleicht verhilft mir dieser Umstand ja gerade dazu, dass ich mich etwas ausgewogener in der Thematik bewege? Zumindest sollte man niemandem die fehlende emotionale Bindung an ein Thema vorwerfen, um damit die Richtigkeit der eigenen Position in der Diskussion untermauern zu wollen.


    Du hörst und liest doch selbst, das heutzutage Tatsachenberichte angezweifelt werden usw. und in ein paar Jahren wird es niemanden mehr geben der über das Schicksal von Flucht und Vertreibung reden kann und bei dem
    man dann nachfragen kann. Da hilft auch keine Webseite mehr.


    Wenn mich meine Auffassungsgabe und meine Augen nicht ganz im Stich lassen, dann hat hier niemand die Richtigkeit der Tatsachenbericht aus Ostpreußen in Frage gestellt. Du hast es offenbar noch immer nicht so recht verstanden: Es geht hier nicht um die Frage, ob die Vertreibungen, die Morde und Vergewaltigungen seinerzeit stattgefunden haben. Diese Verbrechen sind in einer breiten Öffentlichkeit ebenso bekannt und auch anerkannt, wie die Verbrechen der Nazis an dem jüdischen Volk, den Sinti/Roma und anderen Opfern des Nationalsozialismus. Es ging und geht hier im Kern um die Form der Darstellung, bei der hier eine gewisse Überbetonung des deutschen Leidens im Osten halt ein gewisses "Geschmäck`le" hat. Hierzu gehört auch Dein Hinweis, dass es in ein paar Jahren niemanden mehr gibt, der über die damaligen Verbrechen am deutschen Ostvolk berichten kann bzw. den man noch befragen könnte.
    Diese Aussage ist auch für sich genommen nicht falsch hat jedoch im Kontext dieses Threads wieder einen tendenziösen Karakter. Dieses Problem haben nicht nur die Ostpreußen. Dieses Problem haben auch die Juden, die Sinti/Roma und alle anderen Opfergruppen der Nazis. Dieses Problem hatten auch seinerzeit die Sarazenen nach dem Ende der Kreuzzüge ;) . Abgesehen davon, dass hier m.E. kein wirkliches Problem besteht, da die Dinge hinreichend dokumentiert sind, gewinnt man hier wieder den Eindruck, dass hier nur wieder Ostpreußen im alleinigen Focus steht.


    Abschließend noch einige Worte zu Deiner Auffassung zur generellen Verantwortung bezüglich Machtübernahme der Nazis und des 2. Weltkrieges:
    Ja, man kann diese Auffassung vertreten, dass der Versailler-Vertrag (besser: Diktat) Grunstein für die weitere politische Entwicklung in Deutschland gelegt hat. Damit aber den damaligen Siegermächten des 1. Weltkrieges quasi eine Teilschuld für die weitere deutsche und europäische Geschichte anzulasten bzw. die deutsche Schuld zu relativieren, erscheint mir doch eher überzogen. Dieser Vertrag hat es der 1. deutschen Republik wahrlich nicht leicht gemacht. Dennoch war Deutschland politisch autark. Die innenpolitische Entwicklung in Deutschland wurde zwar von außen beeinflusst, wurde jedoch einzig und alleine durch das Verhalten der politisch Handelnden (einschließlich der Wähler) in Deutschland bestimmt. Die Antwort auf den Versailler-Vertrag hätte in letzter Konsequenz nicht zwangsläufig Adolf Hitler heißen müssen. Insofern muss sich das damlige deutsche Volk auf abstrakter Ebene schon eine gewisse Generalschuld gefallen lassen müssen.


    Hallo Udo,
    hier ein Zitat aus einem Deiner Beiträge hier:

    Den Prozentsatz der NSDAP-Angehörigen in Ostpreußen wäre in einem anderem Zusammenhang zu erörtern.


    Wie soll ich das denn verstehen? Schuld/ Persönliche Schuld hat nur die Partei bzw. deren Mitglieder- der Rest der deutschen Bevölkerung ist exkulpiert?


    Dazu möchte ich mal ein Zitat aus der Literatur bringen1:


    "(...) Fast überall fruchteten die Boykottaufrufe gegen jüdische Geschäfte, lediglich in Allenstein war der Kreisleiter unzufrieden mit der Allensteiner Bevölkerung und ihrer Reaktion auf die Boykottaufrufe(...)".


    Ich glaube nicht, dass hier nur Parteimitglieder diesen Boykottaufrufen gefolgt sind. Insofern sind m.E. die Ostpreußen eben nicht nur Opfer.


    ----------------------
    1 Andreas Kossert, Damals in Ostpreußen - Der Untergang einer deutschen Provinz, DVA-Verlag,1. Auflage 2008, Seite 124



    Viele Grüße aus Wegberg

    Ich suche Infos zur 306. ID und zum Feld Ers. Btl. 306!

  • Hallo scharnhorst!


    In Bezug auf deinen Beitrag, bin ich der Meinung das die breite Masse der Leute einfach ihre Ruhe haben wollte ,wenn es nun diese Aufrufe gab ,jüdische Geschäfte zu boykotieren werden ihnen (bis auf wenige),
    auch Folge geleistet worden sein ,weniger vieleicht aus politischen Gründen ,sondern eher um irgendwelchen Ärger zu vermeiden. Jeder möchte sich doch sein Leben so angenehm wie möglich gestalten das war damals sicher auch schon so.


    Gruß Robert

  • Hallo Robert,
    da stimme ich Dir sicher zu. Warum sollte das damals anders gewesen sein also heut. Aber über diese Argumentation kann man natürlich vieles exkulpieren.....



    Viele Grüße aus Wegberg
    Detlef

    Ich suche Infos zur 306. ID und zum Feld Ers. Btl. 306!


  • Hallo,
    ergänzend
    möchte ich noch anfügen das die Repression der Nazis bereits 1933
    grenzenlos erscheint.Wer heute der Meinung ist er sei "damals" auf jeden
    Fall im Widerstand gewesen, der möge seine Aufmerksamkeit auf den
    kleinen Ausschnitt lenken. Aus Herzig/Rademacher,"Die Geschichte der
    Juden in Deutschland", Seite 224.


    Beste Grüße
    Udo

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  • Hallo Zusammen,


    vor genau 70 Jahren durfte/musste meine Großmutter und ihre Kinder ihre Heimat Ostpreußen verlassen - sich also auf die Flucht begeben mit dem Zug von Hohenstein.
    Meine Großeltern und die meisten Kinder haben ihre alte Heimat nie wieder gesehen.
    Vor einigen Jahren besuchte ich diese Gebiete und war traurig, weil meine Mutter zu dem Zeitpunkt schon verstorben war.
    Zum Thema "Flucht und Leid" wurde schon viel geschrieben, am Ende bleibt aber eigentlich nur Trauer und Mitgefühl übrig, denn an den Geschehnissen kann man eben nichts ändern.
    Die Frage ob die Abtretung der Ostgebiete überhaupt "rechtens" war ....ist müßig, aber eigentlich kein Problem für mich, da meine Heimat eben nicht mehr Ostpreußen ist, auch wenn meine Wurzeln zum Teil dort liegen.


    Abgesehen vom menschlichen Leid, finde ich es schade, dass die deutsche Kultur mit der Fluch/Vertreibung in diesen Gebieten weitgehend untergegangen ist.


    Nebenbei bemerkt: Als ich vor ca. 24 Jahren das erste mal in Masuren war (mit einem polnischen Freund) ....fragte mich ein junger Pole, ob Deutschland die Gebiete wieder zurück haben will. Ich war sehr erstaunt ..., weil für mich der Verlust von Ostpreußen längst Geschichte gewesen ist.


    Gruss Andreas

    Heine ist von den meisten anderen Dichtern verschieden, weil er alle Scheinheiligkeit verachtet ... (Elisabeth von Österreich)

  • Hallo Andreas


    Es ist tiefgreifend und nicht zu begreifen.
    Meine Mutter lebt nicht mehr Dieser hätte ich zugetraut dass Sie die Heimat Wiedersehn wollte.
    Dagegen hatte ich meine Tante gefragt, die wollte von den Elend dass bis heute besteht nichts wissen.
    Das Dorf ist an nehrend so kaputt wie es 1945 verlassen wurde. Es ist bis heute nichts getan worden.


    Ich respektiere es und ich denke es ist auch der Stolz der dieses nicht zuläßt , ... schade.


    Grüße Thomas

  • Hallo zusammen,


    Das Dorf ist an nehrend so kaputt wie es 1945 verlassen wurde. Es ist bis heute nichts getan worden.


    ja, ich sah vor einiger Zeit auch Aufnahmen des ehemaligen Hauses, nach einem Besuch in Masuren durch Verwandte.
    Nahezu in 70 Jahren unverändert geblieben. Das liegt dann aber wohl eher daran, dass das deutsche Wirtschaftswunder
    inklusive flächendeckender Baumärkte den östlichen Ländern vergönnt war



    Hallo Udo,
    hier ein Zitat aus einem Deiner Beiträge hier:


    Wie soll ich das denn verstehen? Schuld/ Persönliche Schuld hat nur die Partei bzw. deren Mitglieder- der Rest der deutschen Bevölkerung ist exkulpiert?


    Wir mißverstehen uns hier. Jegliche Frage der Schuld/persönlichen Schuld sollte man in einem anderen Zusammenhang und Ort diskutieren.
    Ein Bericht über Geschehnisse während der Vertreibung, sei er auch etwas "dick" aufgetragen und mit fragwürdiger Wortwahl ("ihren Triumph auskosteten") versehen,
    hat absolut das Recht auf eine einseitige Berichterstattung.


    Bei einer Grabrede wird ja auch davon abgesehen, explizit auf die Sünden und persönliche Schuld eines Frühverstorbenen hinzuweisen (Alkoholsucht, etc.) ...



    Gruß
    Udo

  • Hallo Udo,


    danke für Deine Rückantwort.



    Quote

    Jegliche Frage der Schuld/persönlichen Schuld sollte man in einem anderen Zusammenhang und Ort diskutieren.


    Das sehe ich ebenso. Die Thematik ist ausgesprochen komplex, so komplex, dass sie hier nicht abschließend behandelt werden sollte.



    Viele Grüße aus Wegberg
    Detlef

    Ich suche Infos zur 306. ID und zum Feld Ers. Btl. 306!

  • Hallo ihr alle,


    vielleicht interessiert euch das Thema immer noch. Ich wollte mal ein paar Fakten beisteuern zur Diskussion:
    Also der Lastenausgleich der einige Jahre nach dem Krieg stattfand, den darf man sich nicht sehr gross vorstellen. Ein Teil unserer Familie flüchtete aus Mähren, dort besassen sie ein Haus und grosse Felder (mehrere Hektar), eine Gärtnerei. Später wurde der Lastenausgleich ausgezahlt und durch 7 Personen geteilt, erwachsene Kinder inbegriffen, man wohnte ja damals noch in Generationenfamilien. Ich habe die Teilraten für meine Vorfahren vorliegen: Antrag lief von 1952 -1968, es wurden Teilsummen von 1130 DM gezahlt in 16 Jahren, insgesamte Summe: 7.866,66 DM. Die Familie bestand fast nur noch aus Frauen, die mit kleinen Kindern flüchteten, für die im Krieg gefallenen Ehemänner gab es 1944 z.B. für eine Feldwebelwittwe mit 2 Kindern 77,60 RM. 1948 erhielt meine Oma mit 2 Kindern 141,74 RM. Vom Lastenausgleich konnte sie, als Witwe und Tochter des bei Flucht verstorbenen Vaters, ihr Kinder zur Schule schicken und ordentlich versorgen, genau wie ihre Schwestern und die Mutter.
    Das schicksalhafte war bei den Flüchtlingen, dass sie genau wie alle Familien in Europa ihr Männer verloren und dazu noch ihr zu Hause, ihre Freunde.
    Darüber muss man heute nicht mehr diskutieren, schon gar nicht in Foren streiten, es war eben so. Aber zum Thema: "Die nächste Generation wird es vergessen", muss ich sagen, dass es zumindest bis zu mir als Enkelkind durchgeschlagen ist, bei uns gab es keine Opas, wenig Männer und wir wurden sehr sparsam erzogen. Es gab auch nix zu erben, nur den Humor :-). Uns nächste Generation interessiert nicht das Geld, der verlorene Grundbesitz, uns fehlt ein grosses Stück Familienverwurzelung. Die Orte wo meine Vorfahren herkommen und seit dem 17. Jh. lebten kenne ich nicht, fremde Namen.


    Aber das Wichtigste daraus: Dass die dt. Bevölkerung das so gut geschafft hat in der Not zu teilen und die Masse an Flüchtlingen so gut integriert wurde ist für mich auch als Enkelkind ein Wunder!

    ?( Kardibomel

    Edited once, last by Kardibomel ().

  • Tag allerseits,


    das geschundene, zerbombte Deutschland war in der Lage, Millionen Flüchtlinge aufzunehmen und ab den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts über den Lastenausgleich eine (wenn auch kleine) Entschädigung an die Vertriebenen und die heimischen Bombengeschädigten zu zahlen. Der Lastenausgleich war eine in der Tat mühselige Angelegenheit. Viele Vertriebenen hatten kaum Nachweise auf der Flucht mitnehmen können. Man schuf dann aus dem Kreis der Vertriebenen sog. Heimatauskunftstellen, die ordentlich und sauber arbeiteten und Beweise für die erbrachten Schäden erarbeiteten. Wenn man selbst damals in den 60er-Jahren Sachbearbeiter für die Schadensfeststellung war, dann kann man nur bestätigen, dass die Masse der Vertriebenen weder schummelten noch falsche Beweise erbringen wollten. Diese damalige Ehrlichkeit war schon etwas Besonderes. Und wer 1963 mit aufgelaufenen Zinsen für ein landw. Anwesen in Ostpreußen oder Schlesien ca. 8.000 DM bekam, der konnte damals mit diesem Geld auch etwas anfangen. Die wenigsten kauften sich szt. einen PKW. Und viele der Vertriebenen waren damals dann doch nach Jahren des Wartens überrascht, eine Entschädigung noch zu Lebzeiten zu bekommen!


    Grüße
    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo,
    das ist ja interessant, dass es Heimatauskunftsstellen gab! Wusste ich nicht, bist du ein Zeitzeuge? Endlich mal neue Infos. Ich glaube auch, dass das ordentlich gemacht wurde. Wahrlich, ich kann mir vorstellen wie mühsam diese Zeiten waren.


    Kardi

    ?( Kardibomel

  • [...]
    Aber das Wichtigste daraus: Dass die dt. Bevölkerung das so gut geschafft hat in der Not zu teilen und die Masse an Flüchtlingen so gut integriert wurde ist für mich auch als Enkelkind ein Wunder!


    Guten Abend,
    ehrlich gesagt wundert mich das nicht. In den Zeitungen während des 2. WK.liest man ständig über die Hilfleistungen an deutscher Bevölkerung aus anderen Gebieten, über Geldspenden für jene, über die Aufnahme in der Stadt von Kolonnen und deren Versorgung etc.. Das Zeitungsarchiv der Österr. Nationalbibliothek ist da eine gute Quelle dafür.

  • Tag allerseits,


    diese Heimatauskunftstellen sammelten für die jeweilige Orte alles Erdenkliche: Fotos, Amtsblätter von damals, Rechnungen von Firmen usw. - und aus diesen Teilaspekten versuchte man dann zu realisieren, welche Schadenshöhen an Grundvermögen, landw. Vermögen usw. bestanden hatte. Die Schadenshöhe wurde dann meist mangels Einheitswerte in besonderen Berechnungsmodi ermittelt. Es gab natürlich mitunter auch Betrügereien, aber die waren ganz selten. Der "lustigste Fall" der damaligen Zeit (1964) war ein deutscher Volkszugehöriger aus Lettland, der ein Fernsehgerät u.a. als Schaden anmeldete, das er 1944 in Riga "zurücklassen" musste.


    Die "Einheimischen" vermuteten damals, dass sich die Flüchtlinge mit dem LAG eine "goldene Nasen" verdienen könnten. Es gab also in dieser Zeit auch die üblichen Neider.


    Jedenfalls wäre es ein Fehler, die damalige Situation mit der heutigen Problematik der Migranten zu vergleichen. Es ist schon ein Unterschied, ob man DEUTSCHE entschädigt oder MIgranten aus allen Herren Ländern.


    Gruß
    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo Bert,


    keine Frage der Unterschied zu heute. Gibt es diese Unterlagen die gesammelt wurden noch im Archiv des Lastenausgleichamtes? Das wäre mal eine feine Ausstellung für die Öffentlichkeit.


    LG
    Kardi

    ?( Kardibomel

  • Tag Kardi,


    die von den Vertriebenen vorgelegten Unterlagen (z.B. Fotos, Einheitswertbescheid für den landw. Betrieb, Bilanzen vom Gewerbebetrieb) waren Grundlage der Entscheidung (Feststellungsbescheid) der jeweiligen Ausgleichsämter. Naturgemäß wurden diese Nachweise in den angelegten (namentlichen) Sachakten abgelegt.


    Das Material der Heimatauskunftstellen blieb bei dieser Organisation. Wo und wie die Unterlagen nun verwahrt sind, das entzieht sich leider meiner Kenntnis.


    Grüße
    Bert