Dokumentensatz zur Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft

  • Hallo Zusammen,
    anbei einige Dokumente zur Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft.
    Ob alle deutschen Kriegsgefangenen so viele Dokumente mit sich führend mussten entzieht sich leider meiner Kenntnis.
    Bei meinen Gesprächen mit ortsansässigen Kriegsteilnehmer sprachen diese immer nur von einem Entlassungsschein.


    Mit freundlichen Grüssen Achim

  • Hallo Joachim,


    wie man unschwer im 1. Dokument (img699) erkennt hat es keinenBezug zu seiner amerikanischen Kriegsgefangenschaft sondern zu einem Aufenthalt in einem Lager der dt. Behörden für ehemalige Kriegsgefangene.
    Auch in Dokument 2 (Personalkarte) sieht man keinen Bezug zu der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft oder einen Hinweis das diese ständig mit sich geführt werden müßte.

  • Hallo Roman,

    vielen Dank für Deine Antwort.
    Ich denke schon das dies Papiere einen Bezug zur amerikanischen Kriegsgefangenschaft zu lassen.
    Der Soldat wurde ja aus dem Kriegsgefangenenlager Marburg entlassen, also in der amerikanischen Besatzungszone. Auf dem Area controll form P.4 (Dokument 2) sind ja auch Stempel zu sehen.
    Er wollte dann zurück in sein Heimatdorf, das zu dieser Zeit in der sowjetischen Besatzungszone lag.
    Seine Erfassung im Übergangslager Eisenach ist ebenfalls dort vermerkt.
    Ich kann mir nur schwer vorstellen, das er ohne die zwei amerikanischen Papier problemlos die damalige Grenze überschreiten durfte.
    Der Ausweis für ehemalige Kriegsgefangene wurde zweifelsfrei in seiner Heimatgemeinde ausgestellt. Ob er aber diesen Ausweise ohne die amerikanischen Entlassungspapiere erhalten hätte wage ich zu bezweifeln.
    Ich denke schon das es zu dieser Zeit für ehemalige Soldaten von großem Vorteil war, solche Entlassungspapier mit sich zu führen.

    Mit freundlichen Grüßen Achim

  • Hallo,


    Hallo Joachim,


    wie man unschwer im 1. Dokument (img699) erkennt hat es keinenBezug zu seiner amerikanischen Kriegsgefangenschaft sondern zu einem Aufenthalt in einem Lager der dt. Behörden für ehemalige Kriegsgefangene.
    Auch in Dokument 2 (Personalkarte) sieht man keinen Bezug zu der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft oder einen Hinweis das diese ständig mit sich geführt werden müßte.


    Die Bilder 2 -4 / 2 Seiten sind eindeutig als Entlassungsschein gekennzeichnet, und waren beim Übertritt in die sowj. Besatzungszone notwendig und als solcher vorzuweisen. Ansonsten hätten die Russen erneut ein zeitaufwändiges
    Überprüfungsverfahren zwecks Auffindung von Kriegsverbrechern gestartet - verbunden mit langen Lageraufenthalt.
    Gleichzeitig war dieses Dokument Voraussetzung für den Erhalt des "Ausweises für ehemalige Kriegsgefangene" Bild 1, welcher in der Heimatgemeinde die Lebensmittelansprüche regelte.
    Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es weitere Abwicklungsverfahren gab.


    Ich hatte an anderer Stelle bereits einmal geschrieben, wie mein Vater aus jugoslawischer Gefangenschaft ( 3 Tage) zu den Briten nach Italien ( 1 Jahr) , von da nach Passau zu den Amerikanern (3 Monate) flüchtete, um ähnliche Papiere zu bekommen. Mit diesen amerikan.Entlassungsschein kam er in der Nähe von Hof zu den Russen (1 Woche) . In den acht Tagen wurde die Echtheit der amerikanischen Papiere überprüft. Erst dann durfte er nach Hause. und bekam den Ausweis für ehem. Kriegsgefangene.


    MfG Ludwig

    Never let go!

  • Hallo zusammen.


    Laut Unterlagen der WASt gab es gerade mal ein einziges Blatt zur Entlassung meines Vaters aus amerikanischer Gefangenschaft (siehe Anlage). Ich frage mich immer noch, ob es allgemein so üblich war, kaum informative Angaben, kein Stempel, nichts... Abgesehen mal davon - wie ich an anderer Stelle hier schon fragte - würde ich immer noch sehr gerne wissen, warum er das Glück hatte, schon nach ca. 13 Monaten wieder frei zu kommen.


    Wer weiss, was "rush priority" in diesem Zusammenhang heissen könnte?


    Grüße elcaro

  • Hallo Roman,
    vielen Dank für Deine Antwort.
    Ich denke schon das dies Papiere einen Bezug zur amerikanischen Kriegsgefangenschaft zu lassen.


    Hi Achim,
    es scheint wir reden aneinander vorbei? Meine Aussage im ersten Post war "

    Quote

    im 1. Dokument (img699) erkennt hat es keinen Bezug zu seiner amerikanischen Kriegsgefangenschaft sondern zu einem Aufenthalt in einem Lager der dt. Behörden für ehemalige Kriegsgefangene.

    .
    Was ich damit meinte ist das es keinen unmittelbaren Zusammenhang gibt. Klar sieht man auf dem Dokument das er aus einem US- Kriegsgefangenlager entlassen wurde aber das spielt nur eine Nebenrolle da ja nicht einmal das Datum der Entlassung aus Marburg erwähnt wird. Wir wissen jedoch vom Entlassungsschein (Rückseite 1) dass er am 16. Januar 1946 entlassen wurde.
    Nach einer Woche überschreitet er bei Eisenach die amerikanische/sowjetische Zone und kommt damit in den sowjetischen Besatzungsteil von Deutschland. Dabei wird er, vermutlich im Übergangslager Eisenach, das 1. Mal entlaust. Erst nach weiteren 7d ( wo war er bis zu diesem Zeitpunkt?) ) wird er am 30. Januar im "Lager für ehemalige Kriegsgefangene" in Geringswalde aufgenommen und am gleichen Tag, zum 2. Male, entlaust.
    Nach 14 d folgt die letzte Entlausung am 13.2.46 und am selben Tag auch die Entlassung aus dem Lager.
    Da auf dem Zettel auch nur Angaben über die vollzogenen Entlausungen erwähnt werden gehe ich davon aus dass der Aufenthalt im Lager ausschließlich dazu diente evtl. vorhandene Parasiten zu vernichten bzw. sicherzustellen dass die durch diese verbreiteten Krankheiten nicht auftreten. Diese Theorie wird ja auch durch den Stempel "Gesundheitswesen der Stadt Geringswalde" gestützt.


    [...] Ich kann mir nur schwer vorstellen, das er ohne die zwei amerikanischen Papier problemlos die damalige Grenze überschreiten durfte.


    Ich gehe davon aus dass der Entlassungsschein genügte, aus der Personalkarte (deren Vorder -und Rückseite du übrigens falsch beschriftet hast) geht nur hervor das er in Geringswalde wohnhaft war/ist und einige infos zu seiner ehemaligen Einheit. Nur die englische Abkürzung DEFE weist auf eine Kriegsgefangenschaft hin, aber ob die Sowjets das erkannt haben (Stichwort "problemlos die [...] Grenze überschreiten)???
    (Off topic: Hier bei uns gab es Legitimationen in allen vier Sprachen der Besatzer, und trotzdem Schwierigkeiten beim Überschreiten der Demarkationslinien.)
    Leider geben uns die Stempel nicht mehr viel Info außer das Richard van Houten 2nd Lieutenant der US Infanterie war. Mir ist es leider nicht gelungen das CMP zu entschlüsseln noch den Stempel darunter zu entziffern (Vorderseite 2). Bin jetzt erst auf den Datumsstempel gestoßen "?3 Jan. 1946".
    Mit Hilfe des Rundstempels auf Rückseite 1 wissen wir aber dass die Abkürzung "DEFE #15" Disarmed Enemy Forces Enclosure Nummer 15 bedeutet. Und das "Official" für Sachbearbeiter/Amtsperson steht und kennen somit auch die Funktion von R. van Houten, siehe auch den Stempel unter seiner Unterschrift "Discharge Official" = Entlassungsbeamter.


    Der Ausweis für ehemalige Kriegsgefangene wurde zweifelsfrei in seiner Heimatgemeinde ausgestellt. Ob er aber diesen Ausweise ohne die amerikanischen Entlassungspapiere erhalten hätte wage ich zu bezweifeln. [...]


    Wie bereits oben erwähnt dient der Ausweis, IMHO, ausschließlich dem Nachweis der vorgeschriebenen Entlausung und für nichts anderes. Du gehst sicher nicht mit deinem Impfpass als Ausweis wählen, oder?

    Edited 2 times, last by history1 ().

  • [...] Abgesehen mal davon - wie ich an anderer Stelle hier schon fragte - würde ich immer noch sehr gerne wissen, warum er das Glück hatte, schon nach ca. 13 Monaten wieder frei zu kommen.
    Wer weiss, was "rush priority" in diesem Zusammenhang heissen könnte?
    Grüße elcaro


    Hi elcaro,


    "rush priority" heißt nichts anderes als "eilig- vorrängig bearbeiten". Den Begriff "Priority" kennst du sicher auch vom Postamt wenn du einen Brief aufgibst. Warum die Amis es aber so eilig hatten deinen Vater aus der Gefangenschaft zu entlassen entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht familiäre Angelegenheiten, vielleicht hatte er einen bedeutenden Fürsprecher, vielleicht wurde sein Beruf im Ort wichtig gebraucht,...


    Warum er das Glück hatte schon nach 13 Monaten entlassen zu werden?
    Vermutlich weil er nicht von den Sowjets gefangengenommen wurde, die Kriegsgefangene jahrelang unter anderem für die Wiederherstellung ihres zerstörten Landes benutzten. Bei weit schlechterer Gesundheitsversorgung und Betreuung als dies in den USA üblich war.


    [...]
    Die Bilder 2 -4 / 2 Seiten sind eindeutig als Entlassungsschein gekennzeichnet, und waren beim Übertritt in die sowj. Besatzungszone notwendig und als solcher vorzuweisen. Ansonsten hätten die Russen erneut ein zeitaufwändiges
    Überprüfungsverfahren zwecks Auffindung von Kriegsverbrechern gestartet -
    [...]
    MfG Ludwig


    Hallo Ludwig,
    welche Fotos meinst du mit "Die Bilder 2 -4 / 2 Seiten"?
    Alleine das Dokument 1 ist als "Entlassungsschein" betitelt unterteilt in die Abschnitte Personalbeschreibung, Ärztlicher Befund und Entlassungsvermerk.
    Auch wird ein solches Dokument eine neuerliche Untersuchung der Sowjets im Verdachtsfall nicht verhindern können. Es wurden ja auch manche Kriegsverbrecher die bereits ihre allierte Strafe bei den Briten oder Amerikanern bereits verbüßt haben, abermals vor Gericht gestellt und für Taten im Nachkriegs - Hoheitsbereich der Sowjets nochmals verurteilt.

    Edited once, last by history1 ().

  • Hallo zusammen,


    der Mann kam übrigens aus dem CCPWE #23 Bolbec in der Haute-Normandie, wie sich aus dem Stempel links unten auf der Rückseite des Conrol Form D.2 ergibt ("LEFT CCPWE 23").


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo zusammen,


    das Dokument (Vorderseite1 und Rückseite1 ) erhielt auch mein Opa, als er am 31.05.46 aus amerikanischer Gefangenschaft (auch Stempel von LEFT CCPWE 23) entlassen wurde und dabei den Wunsch äußerte, in die russische Zone überzusiedeln (seine Familie lebte in dieser Zone).
    Auch auf seinem Dokument ist ein Stempel vom Übergangslager Eisenach v. 01.06.46. Natürlich erhielt er auf russischer Seite ein weiteres Dokument in deutsch/russischer Schrift. Eine Bescheinigung über die erfolgte Registrierung und Sanitätsbehandlung im Annahme-Übergangspunkt für Kriegsgefangene der ehemaligen deutschen Armee, in Erfurt. Dabei mußte er eine 14tägige Quarantäne in Brandenburg "absolvieren" und konnte dann mit einem Passierschein des Kriegskommandanten der Stadt Brandenburg (v. 17.06.46) ausgerüstet, weiter nach Hause fahren/laufen. Auf dem Passierschein ist noch vermerkt, das der entlassene Kriegsgefangene sich bei der Ankunft im Wohnort innerhalb von 3 Tagen beim Bürgermeister und der Militär-Kommandantur registrieren lassen muß.


    Grüße Roy

    Suche alles zur 129.ID, insb. GrenReg.427 ab 1944 an der Ostfront, sowie zur 199.ID, insb. zum Fest.Btl. 650 1943-44 in Norwegen, sowie zur 353.ID, insb. GrenRgt. 943 Juli-Aug. 1944 in Frankreich.

  • Hallo zusammen!


    Meine Frage zum Thema: Wofür wurden Entlassungsscheine (in diesem Falle aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft) gebraucht? Was war mit jenen Wehrmachtssoldaten, die sich nach Kriegsende der KG entziehen oder beispielsweise fliehen konnten und deshalb auch keine Entlassungspapiere hatten? Erst kürzlich habe ich von einem Fall erfahren, wo sich ein Soldat vor den Amerikanern verstecken und über 200 km nach Hause durchschlagen konnte.


    Gruß Cristiane

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Guten Abend,


    diese mußten sich ja dann in der zuständigen nächsten Kommandantur melden,sonst gab's ja keine Papiere und Marken für Lebensmittel.
    Also irgendwo/irgendwie wurden diese schon registriert,etliche wurden halt dann später gefangengenommen.
    Die,die schon in Gefangenschaft waren,brauchten ja Papiere/Beweise,daß sie schon in Gefangenschaft waren,manchmal nutzten aber auch diese Papiere nichts und es ging,z.B. von amerikanischer Gefangenschaft in die französische Gefangenschaft.
    Servus Eumex

    Edited once, last by Eumex ().

  • Hallo zusammen, hallo Eumex!
    Wie mir von der Tochter des Soldaten erzählt wurde, entkam ihr Vater auf die genannte Weise der Kriegsgefangenschaft. Was danach mit ihm geschah? Da müsste ich bei Gelegenheit noch mal nachfragen. Danke schon mal für die Antwort!
    Gruß Cristiane

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • N'Abend zusammen,


    die Abkürzung C.M.P. auf der Vorderseite des Area Control Form P.4 (neben dem Stempel von Lt. Van Houten) steht wohl für Corps of Military Police - die mir ansonsten noch geläufige Auflösung des Akronyms in Civilian Medical Personnel passt hier eher nicht).


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)