Sonderführer

  • Hallo
    Ich will mich nach längerer Zeit mal wieder melden.
    Habe vor kurzem ein Buch gelesen über die 6. Armee im Kessel. Dort war immer wieder die Rede von einem "Sonderführer".
    Meine Frage, was hatten sie zu tun, welchen Dienstgrad hatten sie und gehöhrten sie zur SS oder Wehrmacht?
    Außerdem würde ich gern wissen, was ist ein Ia; Ib oder Ic. Soweit ich weiß, abeitetn sie beim Stab.
    Waren sie Ordonanzoffiziere oder etwas anderes? Entschuldigt diese Fragen, aber dies ist nicht gerade mein Gebiet.


    Viele Grüße Conny

    Suche alles über die 7.Komp. des Panz. Gren. Reg.II der LAH

  • Hallo,


    in welchem Zusammenhang taucht der Sonderführer denn auf? Ein paar Hintergrundinfos wären
    ganz nützlich.


    Bezüglich der Offiziere in einem Divisionsstab siehe auch folgende Seite im Lexikon "Gliederung
    eines Divisions-Stabes einer Infanterie-Division der Wehrmacht":


    http://www.lexikon-der-wehrmac…usatz/Heer/Gliederung.htm



    In (Klammern – kursiv –) soweit möglich, die vergleichbaren Bezeichnungen der heutigen Stabsabteilungen bei der Bundeswehr (nach HDv 100/200 – Führungssystem, bzw. AnwAusb 100: Das Divisionskommando)


    Der Divisionsstab gliederte sich im Einsatz:


    1. Divisionskommandeur
    2. Führungsabteilung mit unterstellter Kartenstelle und Kradmeldezug.
    3. Adjudantur
    4. Quartiermeisterabteilung


    1. Divisionskommandeur (Generalleutnant, später oft Generalmajor)
    Verantwortlich für Führung und Zustand der Divisionen in allen Belangen.
    Einen stellvertretenden Divisionskommandeur gab es nach der Gliederung nicht, bei Abwesenheit wurde der DivKdr durch den 1. Generalstabsoffizier ( I a) vertreten.


    2. Führungsabteilung
    - I a – Erster Generalstabsoffizier der Division. (G 3 / Chef des Stabes). Verantwortlich für Einsatz und Führung der Division. Leiter der Stabsarbeit im Divisionsstab.
    Einen speziellen Chef des Stabes gab es bei der Division der Wehrmacht nicht.
    - O 1 – Erster Ordonannzoffizier (S 3 Organisation). Führung von Karten, Kriegstagsbuch und anderen Führungsunterlagen.
    - I c – Dritter Generalstabsoffizier der Division (G 2). Verantwortlich für Feindlage und Abwehrdienst.
    - O 3 – Dritter Ordonnanzoffizier (S 2). Unterstützung des I c.
    - Dolmetscher – unterstellt dem I c.
    - Divisionskartenstelle unter Führung eines Offiziers mit Druckereizug
    - Kradmeldezug (Teile davon je nach Lage abgestellt zu Quartiermeisterabteilung oder Führungsstaffel.
    Bei der Führungsabteilung befanden sich als Berater des Dvisionskommandeurs (Spezial-Stabs-offiziere) häufig:
    - Divisions-Artillerieführer = Kommandeur des Artillerieregiments
    - Divisions-Pionierführer = Kommandeur des Pionierbataillons
    - Divisions-Nachrichtenführer = Kommandeur der Nachrichten-abteilung
    - Die Führer anderer für den Einsatz unterstellter Truppen (Fla, Panzer) oder deren Verbindungsoffiziere konnten als Berater herangezogen werden.


    3. Adjudantur
    - II a – Divisionsadjutant (G 1 / Personalstabsoffizier). Verantwortlich für Personalersatz und Personalangelegenheiten der Offiziere der Division.
    - II b – (S1 – Personal / Personalplanung) Verantwortlich für Personalwesen der Unteroffiziere und Mannschaften, sowie für den Geschäftszimmerbetrieb des Divisionsstabes.
    - III – Divisionskriegsgericht (Rechtsberater / Wehrgericht). Das Kriegsgericht war neben den Straf- und Disziplinarverfahren auch für die Bearbeitung von Rechtshilfeersuchen der Heimatgerichte zuständig (z.B. Ehescheidungen, Erbschaftssachen usw.)
    - Registratur. Verantwortlich für Empfang und Verteilung von Befehlen und anderen Schriftstücken und für die Verwaltung der Geheimsachen.
    - Kommandant des Stabsquartiers (Kommandant Gefechtsstand - Kompaniechef Divisions- Stabskompanie). Verantwortlich für Erkundung, Einrichtung und Sicherung des Gefechtsstandes.


    4. Quartiermeisterabteilung
    - I b – Zweiter Generalstabsoffizier der Division "Quartiermeister". (G 4) Verantwortlich für die gesamte Vesorgung der Division. Dazu gehörten auch der Abschub von Verwundeten, Gefangenen, Schadmaterial, die Verkehrsführung und der Luftschutz im rückwärtigen Divisionsgebiet.
    - O 2 – 2. Ordonnanzoffizier. (S 4 –Offizier / Nachschuboffizier). Gehilfe des I b, vor allem verantwortlich für die Organisation der rückwärtigen Dienste.
    - I b / WuG – Waffen- und Geräte- Offizier/Feuerwerker (Instandsetzungsoffizier Waffen / Munition). Zuständig für Ergänzung, Nachschub und Materialerhaltung von Waffen, Munition und Gerät (außer Pionier-, Nachrichten- und Sanitätsmateial, hier waren die betreffenden Kommandeure bzw. der IV b zuständig)
    - I b / Kfz – Divisionsingenieur (Divisionsingenieur). Verantwortlich für Ersatz und Materialerhaltung von Kraftfahrzeugen, Nachschub von Ersatzteilen und Betriebsstoff.
    - IV a – Divisionsintendant. (Nachschub-Stabsoffizier). Verantwortlich für Versorgung mit Verpflegung, Futter, Bekleidung, Ausrüstung, Unterkunftsmaterial. Gewinnen von Versorgungsgütern aus dem Land.
    - IV b – Divisionsarzt (Divisionsarzt und Divisionsapotheker). Zuständig für den Einsatz der Sanitätsdienste, die Versorgung und den Transport verwundeter und kranker Soldaten, hygienische und seuchenhygienische Maßnahmen für die Truppe und ggf. die Zivilbevölkerung, Nachschub und Materialerhaltung von Sanitätsmaterial.
    - IV c – Divisionsveterinär (kein direktes Äquivalent bei Bundeswehr, Veterinäre sind dort nur im Bereich der Lebensmittelüberwachung / Tierkörperbeschau zu finden). Verantwortlich den Pferdebestand der Division, Tierseuchenabwehr, die Überwachung des Betriebs des Schlächtereizuges und für die Lebensmittelkontrolle.
    - IV d – Katholischer und evangelischer Kriegspfarrer (Militärseelsorge). Einsatz während des Gefechts meist auf den Hauptverbandsplätzen der beiden Sanitätskompanien.
    - IV z – Stabszahlmeister (Leiter Truppenverwaltung) mit Feldkasse und Rechnungsstelle.


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited once, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo Conny,


    ich zitiere mal aus dem Buch: "Die Deutsche Wehrmacht Dienstgrade und Waffenfarben der Luftwaffe 1939-1945", Motorbuch Verlag, Sigurd Henner/ Wolfgang Böhler, S.72, ISBN 978-3-613-03649-9.


    [...] Sonderführer waren Soldaten, die als Offiziere und Unteroffiziere auf Grund ihrer zivilen Fachkenntnisse bei der Wehrmacht Verwendung fanden, um den Bedarf an Spezialisten zu decken. Der Einsatz war auf bestimmte Einheiten für eine begrenzte Übergangszeit vorgesehen. Sie wurden verwendet bei Baueinheiten, Sanitätsdiensten, Flugsicherungsstellen, Telegrafenbautrupps und Funkstellen der Wetterbezirkszentralen, sowie als Dolmetscher.
    Die Leute hatten keine oder nur geringe militärische Ausbildung, sodass sie nicht die Dienstgrade von Offizieren oder Unteroffizieren erhalten konnten. Im Sinne der Wehrgesetze waren die Sonderführer Soldaten.
    [...]


    Die hier genannten Einheiten beziehen sich wohl nur auf Einheiten, welche bei der Luftwaffe Verwendung fanden. Es gibt bestimmt noch weitere in den anderen Waffengattungen.


    Im Anhang eine Aufstellung der Abkürzungen aus den NARA-Unterlagen. Evtl. ergänzt sich dabei einiges mit den Ausführungen aus dem LdW.



    gruß Roy

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    Suche alles zur 129.ID, insb. GrenReg.427 ab 1944 an der Ostfront, sowie zur 199.ID, insb. zum Fest.Btl. 650 1943-44 in Norwegen, sowie zur 353.ID, insb. GrenRgt. 943 Juli-Aug. 1944 in Frankreich.

    Edited 2 times, last by Roy ().

  • Hallo
    Danke für die schnelle Antwort. In dem Buch handelt es sich größtenteils um einen Stab. Der Sonderführer wird meißt erwähnt, wenn es um Einsatzbesprechungen handelt.
    Auf Einsatzbefehle hat er meiner Meinung nach keinen Einfluss. Ich kann mich auch irren. Er hat aber einen sehr festen Standpunkt zum Führer und vertraut auf dessen Rettung aus dem Kessel.
    Deshalb nehme ich auch an, dass er zur SS gehört. Ein Dienstgrad wird nicht erwähnt. Die Bezeichnung lautet immer Sonderführer.
    Gab es denn SS Offiziere im Stab der Wehrmacht?
    P.S. Das Buch heißt" Die veratene Armee"
    Leider hab ich es nicht mehr.


    Grüße Conny

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  • Hallo Conny,


    könnte es der NSFO gewesen sein (NationalSozialistische FührungsOffizier) ?



    gruß Roy

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    Edited once, last by Roy ().

  • Hallo Roy


    Dies wäre eine Möglichkeit. Es ist immer nur die Rede vom Sonderführer. Aber es gab ja immer irgendwelche Wortspielereien bei den Soldaten.
    Da ist es möglich aus einem NSFO einen Sonderführer zu machen. Was hatte dieser denn für Aufgaben.
    Im Buch lief er in das Schussfeld der russischen Soldaten, da er nicht in Gefangenschaft wollte. Seine Angst vor der Gefangenschaft war größer als
    die vor dem Tod.


    Gruß Conny

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  • Guten Abend,


    Roy,
    ein NSFO zum Zeitpunkt Stalingrad? ?(


    Die verratene Armee ist ein Roman, da sollte man es nicht immer so genau nehmen.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Huba
    Du meinst also, dass es keinen Sonderführer gab.
    Es gibt aber Sachen in diesem Buch die sehr autentisch sind. Sicher ist es in Romanform geschrieben.
    Aber es gibt Sachen, die entsprechen der Realität. Aber es geht nicht um das Buch.
    Gab es in zu diesem Zeitpunkt keine NSFO in Stalingrad,oder generell keine in Stalingrad. Was war die Aufgabe eines NSFO?


    Gruß Conny

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  • Guten Abend Conny,


    natürlich gab es Sonderführer, siehe die Antworten weiter oben.


    Nur hat ein Sonderführer nichts mit einem NSFO zu tun, und nein, zum Zeitpunkt "Stalingrad", 1942/43 gab es diese Funktion noch nicht.


    Bitte bei Google "NSFO" eingeben, dort findet sich sicher die eine oder andere Erklärung.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Conny,


    im Jargon werden oft z.B. die Zahlmeister und/oder Beamten als Sondeführer bezeichnet, und wenn man den Dienstrang eines solchen nicht mehr weis, schreibt man einfach Sonderführer. ;)


    Beamten und Zahlmeister passen übrigens sehr gut zu einem Stab.

    Grüße Matthias

  • Hallo Thomas,


    der zeitliche Rahmen passt zwar nicht. Aber wie du auch schon geschrieben hast - es ist nur ein Roman ...



    Grüße
    Roy

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  • im Jargon werden oft z.B. die Zahlmeister und/oder Beamten als Sondeführer bezeichnet, und wenn man den Dienstrang eines solchen nicht mehr weis, schreibt man einfach Sonderführer.


    Hallo zusammen,


    "Sonderführer" ist/war ein feststehender Begriff (wie bereits oben angesprochen). Ich weiß
    wirklich nicht, warum hier versucht wird, die unterschiedlichsten Dinge hineinzuinterpretieren.
    Auch wenn es im FdW verpönt ist, vielleicht ist die Wiki-Seite in diesem Falle ja hilfreich:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderf%C3%BChrer


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Miteinander


    Danke für die Hinweise. Ich bin jetzt viel schlauer und weiß jetzt was ein Sonderführer ist.


    Gruß Conny

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