Einflug von Geneseneinheiten in den Kessel von Stalingrad

  • Hallo,


    im KTB der Heeresgruppe Don ist ein Befehl von Hitler, das die Geneseneinheiten der eingeschlossenen Verbände in den Kessel eingeflogen werden sollen. Ist es dazu gekommen?


    Gruss


    Andreas

  • Hallo Andreas,


    ob es dort dazu gekommen ist, kann ich leider im Augenblick auch nicht feststellen.


    Im Falle Wilna sind jedoch derartige "Genesenen-Einheiten" und Urlaubsrückkehrer (Grenadierbrigade 761 (vergl. Fpn 07216 E)) in den sich abzeichnenden Kessel hineinbefohlen worden - entgegen jeder militärischen Vernunft ... . Denkbar also wäre es!


    (vgl. Kesselausbruch Wilna ( Vilnius ) 1944)


    Das fehlgeschlagene "Experiment Stalingrad" bez. der Möglichkeit einer Luftversorgung größerer eingeschlossener Truppenverbände hätte bei Wilna als Warnung dienen können.


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Moin Andreas und Joseph,


    im Kessel von Demjansk hat dies - wenigstens kann ich das für die 290. I. D. sagen (s. Divisionsgeschichte bzw. persönlicher Werdegang meines Opas) - so stattgefunden. Letztlich wie bekannt mit "erfolgreichem" Ausgang.


    Herzliche Grüsse,


    Justus

  • Hallo Andreas,


    nur wenige Personen wurden eingeflogen, die unbedingt zu ihrer Einheit wollten. Nahrung, Sprit und Munition waren wichtiger.


    Gruß Sven

  • Hallo Sven,


    nur wenige Personen wurden eingeflogen, die unbedingt zu ihrer Einheit wollten


    gibt es dafür irgendwelche Literaturstellen? Bez. "wollten": Das war sicher so nicht gemeint. Jeder - auch der kleinste nichtböhmische Gefreite - wusste doch, was es bedeutete, im strengen Winter in diesen "Kessel" eingeflogen zu werden ... .


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo!


    Quote


    im KTB der Heeresgruppe Don ist ein Befehl von Hitler, das die Geneseneinheiten der eingeschlossenen Verbände in den Kessel eingeflogen werden sollen. Ist es dazu gekommen?


    Von wann ist der Befehl Hitlers?
    Schon im Dezember 1942 wurden zurückkehrende Urlauber von "Stalingrad-Einheiten" in Stalino beim Stab Sicherungs-Division 403 gesammelt - also nicht nach Stalingrad eingeflogen. (Quelle NARA T 311 R 270), da schon im Dezember durch Hitler angedacht und befohlen (?) worden war, die Einheiten in Stalingrad wieder neu aufzustellen.


    Ebenso gab es aber auch die genannten aber eher ganz seltenen Fälle des freiwilligen Einfliegens. Es waren dies aber in der Mehrzahl Offiziere, die wohl zu ihrem "alten Haufen" wollten (auch mußten). Der damalige Zusammenhalt in einer "zusammengeschweissten" bzw eingeschworenen Kamardschaft ist dabei nicht zu unterschätzen...


    Gruß Herbert

    Edited once, last by Herbert ().

  • Hallo Joseph,


    Jeder - auch der kleinste nichtböhmische Gefreite - wusste doch, was es bedeutete, im strengen Winter in diesen "Kessel" eingeflogen zu werden ... .


    der normale Gefreite, egal welcher landsmännischen Herkunft, hat in erster Linie seinem Abstellungsbefehl
    Folge geleistet. Wer vom normalen Fußvolk hätte denn vor Mitte / Ende Dezember überhaupt ahnen können, wie katastrophal
    sich die Lage an der ganzen Südfront entwickeln würde. Nicht einmal die scharfsinnigsten Zeitgenossen in der
    Heimat konnten sich auf die verwässerten Wehrmachtsberichte einen Reim machen.
    Zehntausende flogen zuvor ja auch ohne Murren in den Demjansker Kessel ein. Unbequeme Situationen kannte man ja
    vom vorherigen Winter. Für Launen und böse Vorahnungen riskierte 1942 noch niemand seinen Kopf.


    Die Transportkapazitäten dürften ausschlaggebend gewesen sein, dass nicht allzuviele Urlauber, Neurekruten und Genesende
    in den Kessel gelangten. Spezialisten und Ersatzteilbeschaffer wurden aber garantiert noch bis zur letzten Flugmöglichkeit
    eingeflogen.


    Gruß
    Udo

  • Hallo Joseph,


    Udo hat recht, denn welcher Landser hatte von der "großen Lage" Ahnung. Kuriere und Ersatzteilbeschaffer wurden auf Befehl der Divisionen eingeflogen.
    Auf die Schnelle konnte ich eine Literaturstelle finden: "Erinnerung eines alten Ostpreußen" von Alexander Fürst von Doha-Schlobitten. Er war Ic im Stab Genkdo XIV. PzKorps.


    Gruß Sven


    P.S. Hut ab, für deine Aufarbeitung zum Thema Wilna.

  • Hallo zusammen,


    Udo hat schon recht, wenn er darauf hinweist, dass in erster Linie Befehle zu befolgen waren - man war sicher lange genug beim "Barras" gewesen, um "das Denken um die Ratschlüsse des GröFaZ" abgewöhnt zu bekommen.


    Aber ganz so dämlich (bzw. herrlich!) war der einfache Landser dann doch nicht.


    Der Zeitzeuge M. Korth berichtet, wie seine Einheit in den sich gerade bildenden Kessel durch den Flaschenhals der Straße Landwarow-Wilna zu marschieren hatte:


    " ... Weil der Mittelabschnitt der Ostfront zusammengebrochen und unsere Einheit noch kampfstark war, wurden wir hier abgezogen und nach Wilna verlegt, um wenigstens diese Stadt zu halten. Weit vor der Stadt wurden wir abgeladen. Dort kamen uns schon die ganzen Flüchtlinge aus der Stadt entgegen, viele Frauen und Kinder mit Handwagen, die die Straßen verstopften. Auch zahlreiche Verwundete waren dabei, da es viele Lazarette in Wilna gab. Jeder sah zu, dass er aus der Stadt wegkam. Einer schrie uns noch zu "Mensch, haut doch ab!", aber wir mussten geschlossen hineinmarschieren. ..."

    Und ähnliche Gedanken werden so manchen der in die "Stadt Stalins" Einzufliegenden durch den Kopf gegangen sein ... .



    Aber letztlich bringt diese Diskussion hier keine Fortschritte bez. der Ausgangsfragestellung - zu welcher ich leider nichts beitragen kann.


    Gruß,


    Joseph


    P. S.: Vielen Dank für die "Blumen", Sven. Die Doku wächst - momentan 360 Seiten ... . Vielleicht schaffe ich es bis zum Juli ... .

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo an die Runde,
    mein Vater gehörte der 29. Infanterie Division an. Er war Wiedergenesner im November 1942. Er sagte mir, dass seine Truppe bereits auf dem Weg in den Kessel war, als der Befehl kam, umzukehren. Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wo sie dann gekämpft haben oder wo er eingesetzt war. Am 19. Januar durfte er wegen Erfrierungen in Lazarett Gigant und dann über Krakau nach Hause.
    Beste Grüße Mike

  • Zum Thema freiwillig in den Kessel geflogen, hab ich hier eine interessante Geschichte von jemandem der das getan hat.


    Link entfernt.../Justus

  • Hallo zusammen.


    @Justus, Stalingrad ein einzigesDesaster !
    Damals vom Verantwortlichen im stich gelassen und zum 75
    Jahrestag keine Reaktion von der Bundesregierung, hatten was besseres
    zu tun. Ich bin mal gespannt, ob zum 80 Jahrestag mehr passiert oder
    ob mal genug Gelder freigegeben werden können. Die den Volksbund
    Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Verein zur Bergung
    Gefallener in Osteuropa e.V. erheblich entlasten, um sich auf die
    Arbeit zu Konzentrieren.


    https://de.sputniknews.com/pan…grad-einweihung-andenken/


    @Fritz72, noch zu Herrn Dr. Wigand Wüster 6 Armee-71 I.D.-A.R.171 *11.08.1920 †29.01.2017.


    Wie ich Stalingrad entkam und wieder hineingelangte !


    http://www.zeit.de/kultur/2018…ulation-zweiter-weltkrieg


    Karte mit Flugstrecken bis Festung Stalingrad,


    https://www.google.de/search?q…0.9#imgrc=UboE4V_h6RTirM:


    Buch von Dr. Wüster,


    https://www.amazon.de/Artiller…pant-Battle/dp/0975107658


    Viele Grüße, Mich@el

    Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht und schmücke auch unsere Urne mit dem Eichenkranz !
    Quelle : Theodor Körner 1791 bis 1813 (Lützower Jäger und Dichter) und http://www.denkmalprojekt.org

  • Moin Michael,


    nicht nur Stalingrad war ein „einziges Desaster“. Mir fallen da spontan einige andere ein, übrigens auch und gerade diejenigen, die von Deutschen verursacht wurden. Unter diesem Aspekt wird gegenwärtige Gedenkkultur verstanden. So wird - auch und gerade vom Deutschen Bundestag - am Volkstrauertag alljährlich allen Opfern von Krieg, Gewalt und Vertreibung gedacht. Es bleibt abzuwarten, ob Stalingrad in diesem Jahr explizit erwähnt wird.


    Zum eigentlichen Thema: Mein Opa wurde lt. WAST erkrankt aus dem Kessel von Demjansk geflogen und nach Genesung mit JU-Transport wieder eingeflogen. Ich halte das für relativ plausibel. Auch für militärisch nachvollziehbar und daher durchaus auch für andere Kesselschlachten und andere Personen übertragbar.


    lg Justus

  • Hallo oefi-Andreas,


    meinst Du die Aktennotiz „Über Auffangen von Urlaubern seit Ende November 1942“ vom 14.01.1943.


    2.) wurden insgesamt etwa 17 000 erfasst, von denen bis zum 8.1. etwa 13 000 zunächst an 3. rum.
    Armee, später an Armee-Abt. Hollidt usw. zum Kampfeinsatz abgegeben wurden.
    Von den restlichen 4 000 Urlaubern sind etwa 2 000 als Kämpfer im Raum Schachty zum Einfliegen in den Kessel bereitgestellt
    und die übrigen 2 000 (keine Kämpfer) den Resttruppenteilen der 6. Armee unter Generalmajor Philipp angegliedert worden.
    Mit einen weiteren Anfall von Urlaubern ist nicht mehr zu rechnen.


    Gruß Mich@el

    Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht und schmücke auch unsere Urne mit dem Eichenkranz !
    Quelle : Theodor Körner 1791 bis 1813 (Lützower Jäger und Dichter) und http://www.denkmalprojekt.org

  • Hallo,


    anbei nun der Schriftverkehr der Heeresgruppe Don zum Einflug von Genesenden-Marsch-Kompanien. Anlass war wohl die Bitte der 6. Armee vom 13.01.1943.


    Aus unserem Projekt "Marschbataillone/Marschkompanien" geht zum Teil hervor, dass der Einflug nicht erfolgte:

    III/76/4: Marschbataillone/Marschkompanien - Sammlung

    XVII/100.Jg./7: Marschbataillone/Marschkompanien - Sammlung

    XI/295/9: Marschbataillone/Marschkompanien - Sammlung


    Quelle: NARA T311 R271


    Gruß

    Jörg

  • Hallo,

    zwar am Thema vorbei aber der link aus Beitrag 11 führt auf eine Sexseite.


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Hallo, uwys,


    auf Grund Deines Hinweises habe ich das mal überprüft, aber weit entfernt von Schmuddelkram; ich lande da bei t-online und dem entsprechenden Interview.


    Ich habe den Link aber vorsichtshalber neu gesetzt; probier' jetzt bitte nochmal.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)