Seilbahn: Technik und Ausrüstung

  • Hallo,


    hier soll alles über die Technik und Ausrüstung für den Bau und dem Betrieb von Seilbahnen eingestellt werden.


    Allgemeines:


    Seilbahnen


    Bei Seilbahnen werden die Wagen allgemein durch ein Seil (Zugseil) gezogen, das von feststehender Winde (Seilantrieb) bewegt wird. Die Wagen laufen hierbei entweder auf Schienen am Erdboden (Standseilbahn oder Schrägaufzug) oder hängen am hochgespannten Seilen (Seilschwebebahn).


    Es werden unterschieden:


    Standseilbahnen, auch Schrägaufzüge - auch Seilförderbahnen - genannt, ein- oder zweiseilig, im allgemeinen Steigungen nicht größer als 25 von Hundert.


    Eintrümmige Behelfsaufzüge
    Auf einem zwischen zwei festen Punkten gespanntes Drahtseil (Tragseil) wird ein Hängebahnwagen mit Zugseil durch Handwinde oder maschinellen Antrieb hochgezogen. Abwärtsbewegung durch Eigenantrieb. 10 bis 15 Tonnen tägliche Leistung. Für kurze Strecken mit starker Steigung.


    Doppeltrümmige Behelfsaufzüge
    Auf zwei Drahtseilen (Tragseilen) zwischen zwei festen Punkten gespannt, werden zwei in ein endloses Zugseil eingeschaltete Hängebahnwagen gleichzeitig - auf jedem Seil ein Wagen aufwärts und abwärts - bewegt. Zugseil mit Maschine angetrieben. Leistung etwa 30 Tonnen täglich. Für kurze Strecken mit starker Steigung.


    Einseilbahnen, Feldseilbahn
    Ein endloses Seil, gleichzeitig Trag- und Zugseil (Förderseil), das an den Unterstützungsstellen auf Tragrollen gelagert ist, nimmt bei seiner Bewegung die an ihm festgeklemmten Hängebahnwagen mit.


    Zweiseilbahnen
    Zwei Seile - ein Tragseil (Laufseil) und ein Zugseil. Zwischen 2 Stationen sind 2 Draht-(Trag-)- seile auf Unterstützungen - Entfernung 40 bis 200 m - gelegt, in der einen Station verankert, in der anderen gespannt. Fortbewegung der Hängebahnwagen mit endlosem Zugseil, das in den Stationen über Antriebs- und Spannscheibe maschinell angetrieben wird. Spannscheibe meist durch Spanngewichte gespannt.


    Bild 1 Einseilbahn, Feldbahn

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    Grüße Matthias

  • Feldseilbahnen


    Die Feldseilbahnen bestehen aus Einzelstrecken und werden als Einheiten bezeichnet.
    Eine Einheit enthält die notwendigen Geräte und Baustoffe ausschließlich Antriebsmotor für eine Baulänge von etwa 2,5 km und die für mittlere Leistungen von 10 bis 15 t/Std. erforderliche Wagenzahl.
    Durch Aneinanderreihung verschiedener Einheiten können beliebig lange Gesamtstrecken gebildet werden. 1940 betrug die Höchstleistung 15 t/Std.


    Bekannt sind 3 Bauarten:


    Bauart Bleichert (Adolf Bleichert & Co., Leipzig-Gohlis)
    Bauart Heckel (Gesellschaft für Förderanlagen, Ernst Heckel, Saarbrücken-St. Johann)
    Bauart Pohlig (Julius Polig, A.G. Cöln/Rhein)


    Die Bauarten sind Grundsätzlich gleich und unterscheiden sich nur durch Aufbau der Einzelteile, insbesondere der Seilantriebe und der Festhaltevorrichtungen der Wagen am Förderseil (Greifer).
    In einer Seilbahn kann nur ein und dieselbe Bauart Verwendung finden, sonst ist eine Umladung erforderlich.


    Bestandteile einer Einheit:


    a) Antriebsstation
    b) Spann- oder Endstation
    c) Konstruktionsteilen für die Stützen mit den dazugehörigen Verankerungsseilen und Befestigungsmitteln und den Tragrollen für das Förderseil
    d) 5100 m Förderseil
    e) Seilbahnwagen
    Etwa durch die Linienführung bedingte Winkel- oder Niederhaltestation und durch besonders lange oder besonders hohe Stützen oder vermehrte Anwendung von Doppelstützen entstehenden Mehrbedarf an den unter c) aufgeführten Bauteilen für die freie Strecke ist besonders anzufordern, ebenso Kraftmaschinen einschließlich Ausrüstung für den Antrieb.
    Über sämtliche mit einer Einheit zur Anlieferung gelangenden Teile und deren Zahl geben die den Sendungen beiliegenden Mengenlisten genauen Aufschluss.


    Bild 2 Bauart Pohlig
    Bild 3 Bauart Bleichert


    Edit. Bildnummerierung geändert.26.11.2013(MK)

  • Hallo,


    Antriebstation (siehe auch Bilder vorhergehenden Post)


    Die Antriebstation besteht aus:


    1. Antriebsmaschine, in der Regel 40 bis 50 PS-Benzolmotor, auch Antrieb durch Elektromotor ode Dampfmaschine.
    2. Seilantrieb bestehend aus Antriebsscheibe, der noch eine Gegenscheibe vorgelagert sein kann, Zahnradvorgelege, Riemenscheibe, Bremse und Unterbau.
    Der Unterbau wird in Erde verankert (Bauart Bleichert) oder in betonierten oder gemauerten Grundpfeilern befestigt (Bauart Heckel und Pohlig)
    3. Kuppelstellen - >Schienenzunge, Auslaufrolle und Führungsschienen für Wagen.
    Die auslaufenden Wagen werden an das Förderseil angekuppelt, die einlaufenden vom Förderseil abgekuppelt.
    4. Seilrollen zur Führung des Förderseils
    5. Stationsgerüst


    Spann- oder Endstation


    Die Spann- oder Endstation besteht aus:


    1. Spannscheibe mit Spannschlitten
    2. Handwinde mit Spannungsmesser
    Seilspannung bei unbelasteten Seil 1500 kg, bei vollbelasteten Seil 2500 kg höchstzulässige Spannung in Ausnahmefällen 3500 kg.
    3. Kuppelstellen wie bei der Antriebsstation
    4. Seilrollen wie bei der Antriebsstation
    5. Stationsgerüst wie bei der Antriebsstation


    Bild 4 Endstelle mit Spannung


    Edit. Bildnummerierung geändert.26.11.2013(MK)

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    Grüße Matthias

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  • Hallo,


    Stützen
    Konstruktionsteile für die Stützen (Bild 5)
    - Stützen mit Steigeisen sind im allgemeinen einzelne Holzmasten von mindestens 15 cm Zapfstärke, Höhe möglich nicht über 25,0 m. Für größere Höhen - Masten mit Blattstoß oder auch stumpf mit Umlegungen von Holzlaschen stoßen.
    - Schmiedeeiserne Stützköpfe
    - Tragrollen, Rollengehänge - je nach Rollendruck, einfach je eine Doppelrolle, doppelt je zwei Doppelrollen auf jeder Stützenseite.
    - Verankerungs- oder Spannseile (Bild 6) gegen Umfallen und Knicken mit Seilklemmen, Keuschen und Spannschlössern mit mindestens 4 Spannseilen sichern. Stützen von mehr als 10 m Höhe weitere am unteren Ende des Stützzapfes, außerdem besondere Seile in Höhe eines Stoßes.


    Als Anker dienen Pfähle, eingegrabene Hölzer, Bäume, Felsen und Wurzeln (Bild 7)



    Förderseil
    Das Förderseil hat einen Durchmesser von 18 bis 19 mm, das Gewicht beträgt 1,2 kg/m.
    Es besteht aus 6 Litzen von je 12 Drähten und einer Hanfseele.
    Das Seil ist in Längen von 1020 m auf Trommeln aufgewickelt.

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    • Stütze 2.jpg

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    • Stütze 1.jpg

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    Grüße Matthias

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  • Hallo,


    Seilbahnwagen


    Der Seilbahnwagen besteht aus:
    - Oberteil mit Greifer und Laufrollen verschiedener Bauart
    - Unterteil mit Haken- und Plattformgehänge


    Verwendung ist abhängig von Art- und Ausmaß der zu befördernden Güter.
    Mittels der Laufrollen wird Last in den Stationen auf der festen, dicht über den Förderseil endenden Hängebahnschienen übertragen und auf diesen Schienen mit Hand fortbewegt.
    Bei Übergang der Last von Hängebahnschiene auf Förderseil klemmt sich der Greifer unter Wirkung der Last selbsttätig am Förderseil fest. Der Wagen wird angekuppelt und vom fahrenden Seil mitgenommen.
    Beim Auflaufen der Laufrollen auf die Hängebahnschienen in der Ankunftsstation wird Greifer entlastet, damit wird der Wagen abgekuppelt.


    Winkelstation:
    Ablenkung des Seils in waagerechter Richtung. Förderseil läuft über waagerechtgelagerte Rollen geführt durch, Wagen werden beim Eingang in die Station ab-, beim Ausgang wieder angekoppelt.


    Niederhaltestation:
    Ablenkung des Seils in senkrechter Richtung zur Vermeidung zu hoher Stützen, Anpassen an das Gelände. Förderseil läuft über senkrechtgelagerten Rollen, Wagen wird ab- und wieder angekoppelt.


    Werden Winkel- bzw. Niederhaltestationen benötigt müssen diese besonders angefordert werden.


    Weiterhin gehört zu einer Einheit:
    Aufbauwerkzeug, Seilspleißwerkzeug und Betriebswerkzeug.
    Desweitern gehört eine Fernsprechanlage zur Verbindung der Stationen untereinander und zur Erteilung der erforderlichen Betriebssignale dazu.


    Bild 8: Verschiedene Formen der Greifer

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    Grüße Matthias