Photographieren waehrend des Krieges

  • Hallo an Alle,
    ich habe eine Frage bezueglich des Photografierens im Allgemeinen waehrend der Kriegszeit.


    Ich koennte mir vorstellen, dass nicht jeder Soldat, der eine Kamera dabei hatte (falls er ueberhaupt eine hatte), einfach waehrend des Einsatzes oder auch sonst so, Bilder machen konnte / durfte.


    Gab es Photografen, die die Einheiten begleiteten und Bilder von den Soldaten und der Umgebung und dem alltaeglichen Leben machten? Wurden diese dann irgendwann entwickelt (geprueft?) und ausgestellt, sodass die Soldaten Bilder bzw. Abzuege bestellen konnten?


    Gruss Harald

  • Hallo Harald,


    der Fachbegriff ist "Kriegsberichterstatter". Deren Aufgabe war jedoch primär propagandistischer Natur,
    dass die Soldaten ab und zu auch Fotos bestellen konnten, war eher ein Nebeneffekt.
    Darüber hinaus war jeder Einheitsführer gut beraten, wenn er einen Soldaten mit Kamera hatte,
    der dann auch bei offiziellen Anlässen Fotos (z.B. bei Übergaben, Grabfotos für Angehörige, Ehrungen/Auszeichnungen
    machen konnte.
    Auf den höheren Kommandoebenen (Div. aufwärts) gab es sicherlich - wie heute - Dienstposten
    für Fotografen.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Harald,


    auch ich stelle mir diese Frage, da es scheinbar unendlich viele Wege bzw.
    Entstehungsmöglichkeiten zu den Bildern gibt.


    In erster Linie wäre da natürlich der freundliche Kamerad zu nennen, der
    von seinen Fotografien weitere Abzüge erstellt.


    Dann wären die offiziellen Kriegsberichterstatter der Propagandatruppenzu nennen,
    die jede Einheit begleiteten. Hier stellt sich die Frage, wann und wie die Soldaten
    an diese Aufnahmen gelangten. Erst wenn diese in die Serienproduktion
    bzw. Postkartendruck gelangten und dann in der Kaserne bzw. einem Front/Etappen-Kiosk(?)
    angeboten wurden ?
    Oder hatte in der Heimat jeder gut sortierte Zeitschriften- oder Fotohändler
    ebenfalls eine große Anzahl von freigegebenen Bildern bzw. Fotopostkarten in seiner Verkaufsauslage.?


    Jede größere Einheit dürfte auch eigenes Personal dazu auserkoren haben,
    den Einsatzweg mit Fotos zu dokumentieren. Daraus wurden dann offizielle, divisionseigene
    Sammelfotokarten gedruckt, die in den Fotoalben landeten.



    gruss
    Udo Rudi

  • Quote

    Original von udorudi
    . . . die offiziellen Kriegsberichterstatter der Propagandatruppenzu nennen,
    die jede Einheit begleiteten . . .


    Hallo Udo Rudi,


    so viele Kriegsberichterstatter gab es sicherlich nicht ! Sie begleiteten immer nur gezielt - für einen Auftrag - eine bestimmte Einheit, v.a. um Propagandamaterial zu einem bestimmten Thema zu
    liefern.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf,


    du hast Recht, laut wikipedia werden "nur" 458 Berichterstatter gelistet,
    die Fotoaufnahmen getätigt haben.
    http://commons.wikimedia.org/w…graphs+by+Klintzsch%2C+PK


    Das erklärt dann aber immer noch nicht, wie der normale Soldat an deren Aufnahmen
    gelangte. Laut Literatur hatten diese alle Fotografien direkt ins Reich abzuliefern.


    Wie gelangten diese Fotos dann in ihren unterschiedlichen Formen in ein Album ?



    gruss
    Udo Rudi

  • Quote

    Original von udorudi
    . . . Das erklärt dann aber immer noch nicht, wie der normale Soldat an deren Aufnahmen
    gelangte . . .


    Hallo Udo Rudi,


    woher weißt Du denn, dass das Fotos von Kriegsberichterstattern waren ?
    Ich habe mehrere Alben von meinem Vater, da ist nicht eines dabei; und ich habe - im Zuge der
    Bearbeitung eines neuen Buches - Hunderte von einem Veteranen, die sind alle selbst aufgenommen !


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Quote

    Original von udorudi
    laut wikipedia werden "nur" 458 Berichterstatter gelistet, die Fotoaufnahmen getätigt haben.


    Moin zusammen,


    laut Wiki "Ende 1942 waren die Propagandatruppen auf 15.000 Personen, also etwa Divisionssträrke angewachsen. Die WPr umfasste nun 21 Armee-PK, acht Luftwaffen-PK, drei Marine-Propagandaabteilungen, eine unabhängige Marine-PK, acht Propagandabteilungen in den besetzten Gebieten, ein SS-Propaganda-Bataillon und die Propaganda-Einsatz-Abteilung – eine Sondereinheit für die psychologische Kriegsführung.[5] Insgesamt produzierten die Kriegsberichter etwa 80.000 Wortbeiträge und über 2 Mio. Einzelfotos."
    Quelle


    Ich glaube, das rückt das Bild etwas gerader...

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor,


    von "Deinen" 15.000 Personen waren aber nur die wenigsten Fotografen !
    Lt. KStN 825 hatte eine Propadanda-Kompanie(mot.) bei einer Gesamtstärke von 158 Mann gerade
    mal 4 (vier) "Bildberichter"
    !


    "Ich glaube, das rückt das Bild etwas gerader... "


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf,


    mir begegnen in Alben immer wieder Aufnahmen in Sonderformaten,
    die eindeutigvon von den normalen Fotografien abweichen.


    Beispiel 1: Gedruckete PK-Aufnahmen mit rückseitigem Text.
    Beispiel 2: Abzug PK-Foto
    Beispiel 3: Fotoproduktion auf Hartkarton
    Beispiel 4: Hartkartonfoto als Postkartenmotiv


    Gab es dann beim Zeitschriftenhändler oder der Kaserne in der Heimat
    einen Fotoständer, wo sich jeder Soldat mit Aufnahmen eindecken konnte?


    Viktor
    Ja, die Gesamttruppe war bedeutend größer, aber wie viele davon waren genau
    mit Fotoapparat und Kamera ausgestattet. Da sind sicherlich das Büropersonal,
    Aquarellmaler und Druckpersonal mitgezählt.



    gruss
    Udo Rudi

  • Quote

    Original von udorudi
    . . . Ja, die Gesamttruppe war bedeutend größer, aber wie viele davon waren genau
    mit Fotoapparat und Kamera ausgestattet. Da sind sicherlich das Büropersonal,
    Aquarellmaler und Druckpersonal mitgezählt . . .


    Hallo Udo Rudi,


    "Aquarellmaler und Druckpersonal" war dabei der geringste Teil; schau Dir mal das Beispiel der "Propagandakompanie (mot.)" an:
    http://www.wwiidaybyday.com/ --> KStN --> Nachrichtenttruppe --> Propagandakompanie !


    Neben (milit.) Führung und Tross Film, Rundfunk, Lautsprecher, Filmvorführer, Dolmetscher usw. usw. !


    Mit Deinen Beispielen hast Du recht ! Ich habe sowas noch nie in privaten Alben gesehen, vielleicht haben die alle selbst fotografiert !?!
    Ich kann mir aber vorstellen, dass diese Fotos/Ansichtskarten mit der Marketenderware verkauft wurden.
    Gerade, wenn ein Kriegsberichterstatter eine Zeitlang einen Truppenteil begleitet hat, wurde sicherlich
    ein Teil seiner "Ausbeute" dem Spieß (in Kommission) zum Verkauf übersandt.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Quote

    Original von dr.rudolf


    "Ich glaube, das rückt das Bild etwas gerader... "


    Hallo Rudolf,


    Deine sarkastisch-liebevolle "Belehrung" habe ich dankend zur Kenntnis genommen. Es ist ja völlig klar, dass die PKs nicht nur aus Fotografen bestanden haben! Pro PK mit ca. 150 Mann gab es in der Regel 4 bis 7 Fotografen. Zu Beginn 1942 lag die Zahl der PK im Osten bei 23 PKs mit ca. 15000 Mann Stärke. Wie hoch war eigentlich die Überlebensrate der Bildberichter an der vordersten Linie? Die Zahl von 478 erscheint mir daher als viel zu klein dafür! Das ist wahrscheinlich die Zahl der bekannten Nachlässe der Bildberichter.


    Die Frage lautete: ob es an der Front tatsächlich Hobbyfotografen während des Krieges gab? Schwer vorstellbar, dass jemand zum Marschgepäck bereit war zusätzlich noch die Kamera mitzuschleppen. Irgendjemand musste die Filme entwickeln und Abzüge anfertigen, dafür war auch Macherlohn fällig. Ausschliessen würde ich dies allerdnigs nicht. Verrückte und Besessene gibt es immer!

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor,


    ich kenne einige Veteranen, welche an oder kurz hinter der Front fleißig "geknippst" haben. Alle dienten in motorisierten Einheiten und mussten sich dort weniger Gedanken um das Gepäck machen.
    Ich besitze aber auch einige Privatfotos, welche ganz offensichtlich von Infanteristen an forderster Linie gemacht wurden - und dies sind ganz sicher keine PK-Fotos.
    Die vollen Filme wurden nach Bericht der Veteranen meist nach Hause geschickt und dort entwickelt.


    Grüße,
    Christian

  • Hallo,


    anliegend ein Foto der Voigtländer Compur meines Vaters, mit der er als einfacher Infanterist (IR 490) 1941 nach Rußland zog und dort auch einige Fotos schoss.
    Nach seiner ersten Verwundung im Herbst 1941 verblieb die Kamera beim Tross seiner Einheit, wo er sie dann nach seiner Genesung im Frühjahr 1942 wieder fand.
    Die Filmrollen schickte er zu seinen Eltern zum Entwickeln.


    Einsatz- und Frontfotos gibt es nicht, wie auch?


    Insgesamt war er kein eifriger Fotograf.


    Gruß


    Paul

  • Hallo Viktor,


    Quote

    Original von Viktor7
    Die Frage lautete: ob es an der Front tatsächlich Hobbyfotografen während des Krieges gab? Schwer vorstellbar, dass jemand zum Marschgepäck bereit war zusätzlich noch die Kamera mitzuschleppen. Irgendjemand musste die Filme entwickeln und Abzüge anfertigen, dafür war auch Macherlohn fällig. Ausschliessen würde ich dies allerdnigs nicht. Verrückte und Besessene gibt es immer!


    Da dürftest du dich gewaltig täuschen, wie sonst sollten Abermillionen Fotos entstanden sein.
    Setzt Du hier ggfls. russische Maßstäbe bzw. Verfügbarkeiten an? Ich vermute im Minimalfall
    zumindest in jeder Kompanie eine Person mit Apparat, das wären dann schon 160.000 private Fotografen
    an der Ostfront. Wenn Leihbücher mitgeschleppt wurden, warum dann nicht ein gleichschwerer Apparat.
    Und nicht jeder Hobbyfotograf war ein Marschierer bzw. armer Grabenkämpfer.
    Ich kenne kaum geschriebene Kriegserinnerungen, denen nicht zwei Dutzend eigene Aufnahmen beiliegen,
    zumindest Aufnahmen des Zuges oder der Kompapie.
    Und der "Macherlohn", da sehe ich eher einen Ausgleich mit Paketkuchen oder Wurst. Sonst
    dürfte jeder auch die paar Pfennige irgendwie zusammen bekommen haben.



    Quote

    Original von Viktor7
    Wie hoch war eigentlich die Überlebensrate der Bildberichter an der vordersten Linie?


    Das stand auch in einem Wiki-Artikel und ist nachprüfbar. Gleiche Verluste wie bei der kämpfenden Truppe - 30%



    @Rudolf
    Ja, mit der Marketenderware wäre eine Möglichkeit bezüglich der PK-Bilder und Fremdformaten / Postkarten.
    Evtl. hatten auch die Fotostudios im Reich immer eine Riesenauswahl an Sonderfotos im Ständer, vom Nordkap bis Afrika?
    Genaues könnte hier nur ein Veteran mitteilen.



    gruss
    Udo Rudi

  • Quote

    Original von udorudi
    Setzt Du hier ggfls. russische Maßstäbe bzw. Verfügbarkeiten an?...


    Hallo Udo,


    hmmm, russische Maßstäbe? Das würde mir in Traum nicht einfallen, denn da traffen doch die Welten aufeinander! Man amüsiert sich sogar heute noch darüber, wie enttäuscht die späteren Ossis waren, als sie statt den übermenschlich monströsen Riesenrussen auf den nicht minder monströsen Wunderwaffengefährten, denn auf den Pferdegespannen trabenden Bauern in ausgebleichten Uniformen zuwinken mussten! Von wegen fotografieren! Sie pflegten zu kämpfen statt posieren!


    Komischerweise habe ich von meinem Vater aus dem Krieg auch private Aufnahmen... Haben die Kamera bestimmt einem Landser weggeraubt! Was soll ich sagen, irgendwie muss man sich doch in der Mangelwirtschaft helfen können!

    Gruß Viktor

  • Hallo zusammen,


    also neben den "Kriegsberichterstattern Bild" gab es auch andere Soldaten die ziemlich professionell den Weg ihrer Einheiten in Bildern festgehalten haben.
    Bei einer Haushaltsauflösung habe ich vor einigen Jahren einmal vor einem Berg (ca. 1.000 Photos) Bildern in teilw.professioneller Qualität gestanden. Der Soldat hat die Filme an seine Familie zur Entwicklung geschickt - das konnte man in den Feldpostenbriefen gut nachvollziehen. Dann wurden natürlich jede Menge Kopien für seine Kameraden bestellt. Manchesmal wurden da 50 Bilder bestellt ... Und da wurde auch sehr genau Buch geführt - und geschimpft wenn Mutti/Vati mal zu wenig Kopien geschickt haben ...


    Mit harzl. Gruß
    Denys

    Suche Infos zum 744.PiBat. (41/42) der 25. PzDiv. (87. PzPiBat) (43/44) und 21. PzDiv (45), 62. ID bzw. 57.ID 41/42 (164 IR) sowie zur 168. (43) und 376. ID (44)

    Edited once, last by Denys ().

  • Quote

    Original von Denys
    Der Soldat hat die Filme an seine Familie zur Entwicklung geschickt - das konnte man in den Feldpostenbriefen gut nachvollziehen. Dann wurden natürlich jede Menge Kopien für seine Kameraden bestellt. Manchesmal wurden da 50 Bilder bestellt ... Und da wurde auch sehr genau Buch geführt - und geschimpft wenn Mutti/Vati mal zu wenig Kopien geschickt haben ...


    Hallo Denys,


    ich kann mir schon vorstellen, wie das alles ablief, jedoch frag ich mich, gab es nicht sowas, wie Militärzensur? Wenn ja, wie soll man die nicht entwickelten Flime kontrollieren? Gesetzt denn Fall einer wird gefangen genommen, und steht man da auf den Bildern in der Brusttasche vor eigenem Panzer o.Ä. mit den taktischen Zeichen etc. ... Kann ich mir nicht vorstellen...

    Gruß Viktor

  • Hallo Viktor -


    meines Wissens gab es keine Militärzensur bzgl. des Fotografierens der Soldaten. Dies galt insbesondere für die ersten Jahre des Krieges (Polen- und Frankreichfeldzug). Bei "Barbarossa" war dies jedoch etwas anders - mir sind durchaus Befehle bekannt, welche das private Fotografieren verboten haben (leider kann ich im Augenblick keinen entsprechenden Befehl hier einstellen - bin mir hinsichtlich meiner Aussage jedoch vollkommen sicher). Inhaltlich ging es dabei aber meist um ein Fotografierverbot im Zusammenhang mit Aktionen gegen Partisanen, usw..


    Mit harzl. Gruß
    Denys

    Suche Infos zum 744.PiBat. (41/42) der 25. PzDiv. (87. PzPiBat) (43/44) und 21. PzDiv (45), 62. ID bzw. 57.ID 41/42 (164 IR) sowie zur 168. (43) und 376. ID (44)

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  • Hallo Denys,


    von der Hinrichtung vermeintlicher Partisanen existieren doch aber recht viele Privataufnahmen.
    Was ich nicht belegen kann, aber irgendwo mal aufgeschnappt habe, ist, dass es ein Fotografierverbot für eigene Gefallene gab. In der Tat sind solche Aufnahmen selten zu sehen. Wobei hier natürlich auch andere Gründe ein Rolle spielen können.


    Grüße,
    Christian

  • Hallo Viktor 7,


    Quote

    Sie pflegten zu kämpfen statt posieren!


    Dann wundere ich mich aber über die viele Fotos der RA und der sowj. Zivilisten in russischen Archiven. Da sprechen meine in Deutsche übersetzte Bildbände eine andere Sprache.


    Fotografierverbot:
    Fotografierverbote waren sehr oft auf Tafeln angeschlagen; insbes. im Osten.


    Fotografieren:
    Hauptproblem war die Beschaffung von Foto-/Filmmaterial.


    Ich glaube zu diesem Thema gab es schon einmal Beiträge im FdW.


    Gruß Karl