Bergung u. Entsorgung von Munition aus dem Weltkrieg

  • Hallo Justus,

    ich habe das nicht erfunden. Steht in dem Buch S. Debaeke: Oud Ijzer, De frontstreek bedolven onder levensgevaarlijke oorlogsmunititie, Brugge o.J..

    Es kamen nach WK I hunderte von Menschen durch leichsinnigen Umgang mit Munition in der Westhoek ums Leben.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer,


    Ich glaube, das wurde auch nicht so verstanden. Außerdem hast Du klargemacht, dass das damals (nach 1918) der Normalfall war, und nicht, dass es das heute sein sollte...

    Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war es für Kinder und Jugendliche der Normalfall, mit gefundener Munition und gefundenen Waffen zu experimentieren (glaubt man den vielen entsprechenden Berichten auch hier im Forum), und trotzdem ist es den meisten hier klar, dass das heute nicht mehr der Normalfall ist.


    Man darf eben nicht die heutige 'Aufgeklärtheit' mit der damaligen 'Naivität' und schon gar nicht mit der damaligen Notlage in Korrelation setzen; das wäre ja postmortale Klugmeierei...


    Gruß, Thomas!

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo in die Runde,


    Rainers berichtete Praxis mit dem Abschlagen von Buntmetallringen kann ich anhand zahlreicher Zeugenbefragungen damals als kleine Kinder beteiligter Einheimischer für den Fall der Heeres-Neben-Munitionsanstalt Kupfer bestätigen. Ich habe auch noch mehrere Herren kennengelernt, die aufgrund dieser "Kinderarbeit" nicht mehr alle Finger besaßen...

    "Kinderarbeit" habe ich es hier einmal etwas provokataiv benannt, da es in der damaligen Notzeit ein bedeutender Zuverdienst für die Familien war. Hier kamen die Beute-Jäger sogar aus rund 100 Kilometer Umkreis herangefahren, wie alte Straf-Akten im Haller Stadtarchiv belegen.


    "Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert. Tausend und eine ....." ;-)


    Herzliche Grüße

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo zusammen!


    Na ja, bei Kindern kann man ein gewisses Verständnis für Neugier und Abenteuer haben.

    Die letzten beiden Gefallenen bei uns waren zwei knapp zehnjährige. Kurz nach dem Ende haben sie noch Munition von einem StuG gefunden. Ging nicht gut aus.


    Gruß Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Hallo,

    was auch gemacht wurde, war das Abdrehen der Zünder von den Blindgängern. Das war manchmal ein letztes Drehen.. Aber für den Metallschrott wurde ganz gut bezahlt.

    Eisen 0.10 francs

    Blei 0.20-0.25 francs

    Messing 0.60-0.80 francs

    Kupfer 2..50 francs

    Eine Person konnte bequem 30 bis 40 francs am Tag verdienen, was damals viel Geld war. Quelle: Buch in Beitrag 1322.

    Ich habe selbst vier Zünder, zwei deutsche Messingzünder, ein englischer Messingzünder und ein deutscher Eisenzünder. Der Eisenzünder stammt vom Grundstück meiner Schwiegermutter, die zwei deutschen Messingzünder aus unserem Garten und der englische Messingzünder wurde mir geschenkt( kommt aus dem Raum Ypern). Die drei Messingzünder haben zusammen ein Gewicht von 3.4 Kg.

    Die Eisenzünder waren sehr unbeliebt, da sie nach kurzer Zeit ziemlich verrostet waren.

    Gruss

    Rainer

    P.S.: Alle Zünder sind nicht mehr funktionsfähig, bestätigt im Jahre 2000 durch einen ehemaligen Portepee-Unteroffizier, der u. A. als Soldat eine Ausbildung als Kampfmittelräumer mitgemacht hatte. Das ist für die, die meinen,ich würde irgendetwas Gefährliches bei mir lagern.

    Suum cuique

  • Quote

    Alle Zünder sind nicht mehr funktionsfähig, bestätigt im Jahre 2000 durch einen ehemaligen Portepee-Unteroffizier, der u. A. als Soldat eine Ausbildung als Kampfmittelräumer mitgemacht hatte. Das ist für die, die meinen,ich würde irgendetwas Gefährliches bei mir lagern.

    Hallo Rainer,


    dann hoffe ich doch, dass der besagte Soldat dir auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung über den inerten Zustand ausgestellt hat. ;)

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Hallo,

    dann hoffe ich doch, dass der besagte Soldat dir auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung über den inerten Zustand ausgestellt hat.

    ich wohne nicht in Deutschland und hier kann man die Dinger auf jedem Flohmarkt kaufen, ohne irgendwelchen Papierkram. Nach WK I wurden die Zünder, ob funktionsfähig oder nicht als Altmetall verkauft, denn es gab gutes Geld dafür. Ich möchte heute jemanden sehen, der Zünder von Blindgänger entfernt und auf Flohmarkt verkauft oder sich in ins Regal legt. Es gibt zwar immer noch Idioten, die Blindgänger sammeln, aber gelegentlich fliegt so einer mit seinem Haus oder seiner Scheune in die Luft.

    Gruss

    Rainer

    PS.: Den einen Zünder habe ich in einem Meter Tiefe gefunden, den anderen in 50 cm Tiefe direkt neben dem Haus. Und damit gleich weiter gemeckert werden kann: Ich wohne in einem Gebiet, das nach englischer Angabe 1917 mittelmässig mit Gas beschossen wurde. Finde ich so eine Granate in meinem Garten werde ich die mir selbstverständlich ins Regal stellen. Finde ich auch andere Blindgänger kommen die auch daneben.

    1981 beging der Sohn eines Nachbarns Selbstmord mit einer Uralt Waffe. Es gab im Haus eine Patrone dazu, die der Vater versteckt hatte. Sohn hat Haus radikal durchsucht und gefunden. Der Stabsarzt hat dann das Gehirn von einer Wand gekratzt. Ich habe meine zwei Waffen, die ich besass, direkt danach verkauft, damit in meiner Familie so etwas nicht passiert.

    Suum cuique

    Edited once, last by Rainer ().

  • Hallo alle miteinander
    wieder einmal etwas zu Munitions- und Waffenfunden aus dem Oderbruch. Bei der Gleissanierung der eingleisigen Eisenbahnstrecke zwischen Seelow und Frankfurt/Oder wurden im Bereich des ersten Bauabschnittes, Ludwigslust, durch die mit der Munitionsbergung beauftragte Firma Röhl immer mehr Munition zu Tage gefördert und das obwohl die Trasse bereits als Munitions frei ausgewiesen war.Es kamen viele Wurfgranaten, Gewehrmunition. ganze Gewehre und anderer Kriegsschrott ans Tageslicht. Der Einsatz von der Großmaschinen wurde dadurch unmöglich. Aber es haben 75 Jahre lang Personen- und Güterzüge diese viel befahrende Strecke, zwischen Eberswalde und Frankfurt/Oder, genutzt!!!
    MfG
    Dietrich

  • Hallo,


    Hier ein Bericht über Waffen und Ausrüstung, die wahrscheinlich bei der Auflösung einer Heereseinheit entsorgtwurden:


    https://www.az-online.de/isenh…en-herkunft-13952956.html

    Hatten vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall in der Stadt (kann im Moment den Zeitungsartikel nicht finden).

    Da tauchten auf einem Baugrundstück Kisten mit MG Munition, Gewehrgranten, Stahlhelme, Gasmasken, Gewehrmunition und ähnliches auf.

    Das Baugrundstück liegt ca. 200 Meter vom damaligen (in 1945) Ortsrand entfernt.

    An der Stelle befand sich nach Luftbildauswertung, ein Splitterschutzgraben wie sie entlang der Verbindungsstrassen üblich waren.

    Nach Aussagen eines Zeitzeugen hätten die Amerikaner im dortigen Bereich damals viel liegengebliebenes Matrial "irgendwo vergraben".


    Böse Überraschung für den Grundstückseigentümer und Bauherren.

    Die engültige Freigabe durch den KMRD erfolgte nach einer Woche (Erdaushub musste wieder verteilt werden und wurde abgesucht).

    Dadurch konnte der vereinbarte Termin für das Gießen der Bodenfundamente nicht gehalten werden und die Verzögerung brachte Schwierigkeiten mit sich.


    Grüße

    Claudio

  • Hallo Oliver,


    der Spiegelartikel handelt von einem Unfall in den USA, bei uns haben viele Kinder u.a. ich gleich nach dem Krieg Kampfmittel gefunden.


    Das Thema dieses Threats ist "Bergung und Entsorgung von Munition aus dem Weltkrieg", na ja, der Trödelmarkt ist ja wohl kein Entsorgungort.


    Gruß Wolfgang

  • Moin Wolfgang,


    die uns von Oliver übermittelten Informationen sind wichtig und keineswegs "OT" (= off topic). Es bleibt uns Moderatoren vorbehalten, Mitteilungen in diesem Forum darauf hin zu überprüfen, ob sie am Thema vorbei gehen, und in derartigen Fällen die Mitglieder darauf hinzuweisen. Ich bitte, dies zu respektieren.


    Viele Grüße,

    Justus

  • Hallo,

    ich werde mich in Zukunft nicht in Euer Geschäft hängen. Das wollte ich hier auch nicht.

    endlich eine vernünftige Aussage.

    Und dieses Thema wird nicht nur WK I oder II betroffene ein paar Jahre beschäftigen, es gab noch ein paar Kriege mehr, die auch erhebliche Verluste verursacht haben.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Abend,


    noch eine "Kleinigkeit" aus Berlin-Spandau;

    kam über den Bezirks-Newsletter des Berliner Tagesspiegel

    kurz vor Weihnachten. Zitiere vollständig, denn diese NL

    sind nur kurze Zeit nachzulesen.

    Für diejenigen, die genaueres wissen wollen, ist die Quelle

    (Anfrage im Abgeordnetenhaus von Berlin) angefügt.


    Gruß, Kordula



    Giftfund an der Havel: bis zu 280.000 Euro Schaden. Seit zehn Monaten („6. März 2020“) ist der östliche Uferweg zwischen der Insel Eiswerder und der Spandauer-See-Brücke gesperrt. „Kampfmittelfund“ stand auf einem Flyer am Bauzaun, doch damit waren keine Patronen gemeint. „Leider war es nicht nur ein Kampfmittelfund“, erfuhr jetzt Bettina Domer, SPD, im Abgeordnetenhaus. Bauarbeiter, die die neue Wasserstadt errichten (2500 Wohnungen bis 2025) entdeckten hochgiftiges Arsen an der Promenade, das durch Regen eine Gefahr für das Grundwasser werden könnte („…ist auf die Produktion von chemischen Kampfstoffen am Standort an der Daumstraße zurückzuführen“).

    Dort standen schließlich einst Waffenfabriken. „Die Fundstelle wurde durch geeignete Gefahrenabwehrmaßnahmen (Folien- und Bodenabdeckung als Schutz vor Berührungen und steigenden Temperaturen) fachgerecht gesichert“, schreibt das Bezirksamt um Baustadtrat Frank Bewig, CDU. „Die stark arsenhaltigen Ablagerungen auf dem Ufergrundstück umfassen ca. 30 m² und befinden sich genau unter dem Uferwanderweg auf Höhe der Steganlagen.“ Zwei Prognosen: Die Sanierung soll im Mai 2021 abgeschlossen sein. Kosten: zwischen 170.000 und 280.000 Euro. Anschließend muss der Uferweg neu gebaut werden. Termin: unbekannt. – Quelle: schriftliche Anfrage

  • Guten Tag,


    in Göttingen, Godehardstraße, wurden in der Nacht

    vom 30. zum 31.01. vier Bomben entschärft.


    "Neben mehreren Straßen wurde auch der Göttinger Bahnhof am Samstagmorgen gesperrt und die wichtige Nord-Süd-Verbindung der Deutschen Bahn unterbrochen. Der Fernverkehr wurde umgelenkt. Nach der Aufhebung der Sperrung lief der Schienenverkehr laut einem Sprecher der Deutsche Bahn am frühen Sonntagmorgen wieder normal." Quelle: https://www.rnd.de/panorama/bo…R3UKTAEZYPU2WAGVON4A.html


    Hier noch ein Artikel mit weiteren Angaben + Karte:

    https://www.goettingen.de/lebe…nverdacht-2021-01-12.html.


    Gruß, Kordula

  • ... in Göttingen, Godehardstraße, wurden in der Nacht vom 30. zum 31.01. vier Bomben entschärft ...


    Hallo,


    da hat der KMRD mal wieder sehr beachtliches geleistet, zumal es sich ja laut den Presseberichten mehr oder weniger um einen Zufallsfund handelte und die Göttinger ja im Mai 2010 schon eine Tragödie mit drei Toten bei einer vorzeitigen Detonation während der Vorbereitungsarbeiten für eine Kampfmittelräumung erleben mussten: https://www.hna.de/lokales/goe…rten-tod-zr-13782858.html

    Man mag sich gar nicht vorstellen, wie das ausgesehen hätte, wenn eine der vier Bomben explodiert wäre und die anderen drei dadurch ebenfalls gezündet hätten...


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!