Bergung u. Entsorgung von Munition aus dem Weltkrieg

  • Hallo,
    wenn ich mich recht entsinne muss das in Daaden gewesen sein. Dort gab es Betongruben in die auf Vehikel mit Brandflaschen geworfen wurde. Bei Wettkämpfen in Leopoldsburg(B) standen die Ziele beim Brandflaschenwurf einfach in der Heide. Und der Inhalt nicht verbrannter Brandflaschen versickerter einfach so im Boden, den Belgiern war das ziemlich egal.
    Was heute alles Thema bei der BW ist, ist mir bekannt, aber man kann es treiben aber auch übertreiben. Wenn ich an die Kompassgeschichte Anfang der neunziger jahre denke, Transport nur in mit Blei ausgeschlagenen Kisten, aber dann war das Ding am Mann, ohne Blei.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Abend,


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    Quote

    Und auch das relativ sorglose Sprengen von Fundmunition unmittelbar nach dem Krieg sollte man nicht pauschal "brandmarken", wenn man sich vor Augen führt, dass die Umweltgefährdung durch TNT-Rückstände, Hexogene u.ä. bei regulären Sprengplätzen z.B. der Bundeswehr erst seit vielleicht einem Jahrzehnt zum Thema geworden ist.


    Ich denke nicht das hier jemand etwas "brandmarken" will, sondern
    hier sich nur gepflegt über Kampfmittelbeseitigung unterhalten wird.
    Auch geht es hier ja auch nicht um die Bundeswehr sondern WK Altlasten, von daher verstehe ich dich nicht ganz. Würde mich aber über eine Erklärung freuen.


    Gute Nacht
    braeuti

  • Hallo,
    die BW schlägt sich noch heute auf Truppenübungsplätzen mit diesen Altlasten herum, teilweise war es auch noch in den sechziger Jahren auf Standortübungsplätzen so. Da hat eine Pioniereinheit alles gefundene in eine alten Bunker gepackt und gesprengt. Manchmal war die Wirkung etwas grösser als beabsichtigt und vorberechnet.
    Umweltschutz in WK II und in der BW, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, gab es nicht. Ich habe auch noch Brandflaschen in einem Steinbruch im Saarland selbst vorbereitet und geworfen bei der BW.
    Was Rudolf sagen wollte, ist, dass man erst jetzt anfängt zu erkennen, was das ganze Zeug im Boden verursachen kann.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Quote

    Original von braeuti
    . . . Auch geht es hier ja auch nicht um die Bundeswehr sondern WK Altlasten, von daher verstehe ich dich nicht ganz. Würde mich aber über eine Erklärung freuen.


    Hallo braeuti,


    wo habe ich denn gesagt, dass es um die Bundeswehr geht ?
    Ich habe nur aufzeigen wollen, dass bis vor relativ kurzer Zeit das Bewußtsein, das "in die Luft geblasene Sprengstoffe" eine Umweltgefährdung sein könnten, in Wissenschaft und Gesellschaft kaum ausgeprägt war. Und dafür habe ich als prägnantes Beispiel die Sprengplätze der Bundeswehr angeführt, wo man bewußt, gezielt und kontrolliert sprengte.
    Man war sich nach dem II.Weltkrieg (tw. bis in die heutige Zeit) eben nicht bewußt, dass man mit unkontrollierten Sprengungen den "Teufel mit dem Beelzebub" ausgetrieben hat. (Zumindest ist man bei den Beständen an chemischer Munition sensibler vorgegangen !)


    Rainer: Sicher hast Du recht, dass da manchmal mit Sicherheitsbestimmungen etwas "seltsam" umgegangen wird (extrem streng - lasch). Aber oft fehlt auch die Aufklärung und das Wissen !


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Heute sprengt der Kampfmittelbeseitigungsdienst übrigens nur im Ausnahmefall. Die Regel ist Delaborierung und kontrollierte Verbrennung.

  • Hallo Rudolf,


    Quote

    Heute sprengt der Kampfmittelbeseitigungsdienst übrigens nur im Ausnahmefall. Die Regel ist Delaborierung und kontrollierte Verbrennung.


    Wenn es den geringsten Zweifel daran gibt das die Munition zu transportieren
    ist wird gesprengt. Bei Fliegerbomben eher die Ausnahmen bei Minen u.Ä.
    schon fast die Regel.

    Gruss Dieter

  • Hi, [URL=http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,589179,00.html]hier[/URL] noch einmal der Link von webbs zu Spiegel-Online.
    Da wird beschrieben, weshalb v.a. im Berliner Umland immer häufiger vor Ort gesprengt werden muß.
    Gruß, Kordula

  • Quote

    Original von kkn
    Da wird beschrieben, weshalb v.a. im Berliner Umland immer häufiger vor Ort gesprengt werden muß.


    Hallo Kordula,


    Das ist eine Tendenz, die eigentlich zu erwarten war, denn mit zunehmendem Alter der Munition (Bomben, Minen usw.) lassen sich auf Grund von Korrosion und/oder Verrottung immer schwerer Zünder und Wirkladung gefahrlos voneinander trennen (unabhängig von der beschriebenen Gefährdung durch Langzeitzünder !).


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Quote

    Heute sprengt der Kampfmittelbeseitigungsdienst übrigens nur im Ausnahmefall. Die Regel ist Delaborierung und kontrollierte Verbrennung.


    Guten Morgen,


    hat hierzu jemand eine Statistik, die aufzeigt wieviele Tonnen pro Jahr delaboriert, verbrannt oder gesprengt werden, im Vergleich?


    Schönes Wochenende


    braeuti


    ps: Danke Rudolf, habs verstanden ;)

  • Hallo braeuti,


    es würde mich wundern, wenn es eine (bundesweite) Statistik darüber gibt, denn die Aufgabe ist eindeutig Angelegenheit der Bundesländer. (Aber ich lasse mich gerne belehren !)


    Auch wenn der Schwerpunkt mehr auf der Entsorgung chemischer bzw. chemisch belasteter Munition liegt, hier noch ein Link:
    http://www.geka-munster.de/Seiten/home/home-index.html


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf,


    die "Kampfmittelbeseitigungsdienste" bzw. "Entschärfer" als Aufgabe der Bundesländer ist schon angesprochen worden. Dazu habe ich auch ein Bild eingestellt.


    Gruß Karl

  • Hallo,


    in dem Link von Kordula, findet man bei der Fotostrecke diesen Satz:


    Insgesamt 10.733 Tonnen an Weltkriegsbomben und -munition, so die Auskunft eines Behördensprechers, wurden in den Jahren von 1991 bis 2007 in Deutschland unschädlich gemacht oder geborgen. Kosten der Aufräumaktion: 259 Millionen Euro


    Raffael

  • Hallo zusammen,


    doch nicht nur die Entsorgung von Munitions-Altlasten an Land muß Sorgen machen; ein vielleicht noch größeres Problem könnten Nord- und Ostsee werden, die nach dem Krieg systematisch zur Entsorgung genutzt wurden:
    http://www.aet-umweltplanung.d…tion-unfaelle-nordsee.pdf


    Hier noch ein Verfahren, das sich aber eher für die Entsorgung von KLEINMENGEN an Munition eignet:
    http://www.polizei.bayern.de/l…e/aktuell/index.html/7424


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    Quote

    doch nicht nur die Entsorgung von Munitions-Altlasten an Land muß Sorgen machen; ein vielleicht noch größeres Problem könnten Nord- und Ostsee werden, die nach dem Krieg systematisch zur Entsorgung genutzt wurden


    wenn man sich mal die Seekarten der Nord- u Ostsee anschaut,
    ist es fast schon Glück eine Stelle zum Ankern zu finden. Sperrgebiete,
    Dumping Grounds, etc. noch und nöcher. Auch ich denke das, das Meer
    das größere Gefahrpotenzial hat, da sich dort alles leichter und groß-
    flächiger verteilt als an Land.


    MfG


    braeuti


    ps: Da hat der Pfarrer ja Glück gehabt, wenn da einer seinen Kamfpanzer abgeben will... ;)

    Edited 2 times, last by braeuti ().

  • Hallo,
    nach dem II. Weltkrieg, wie auch nach dem ersten, wurde Munition einfach ins Meer gekippt. Auch vor Dünkirchen gibt es munitionsverseuchte Sperrgebiete. Vor der belgischen Küste liegen unter etwa 150 cm Sand tausende von Tonnen Giftgasmunition. Die wurden nach WK I einfach dort über Bord geworfen.
    Der belgische Minenräumdienst entsorgt pro Jahr im Durchschnitt 300 Tonnen Munition, davon die Masse aus dem Kampfgebiet WK I in Belgien(darunter auch zahlreiche Giftgasgranaten). Man geht davon aus, dass bei den diversen Offensiven im Grossraum Ypern, auch bedingt durch den Boden, etwa ein Drittel aller Granaten nicht explodiert ist.
    Am Strand von La panne hat eine Firma alles bis zu einer Tiefe von zwei Metern geräumt, in der Nähe von Erndtebrück wurde Anfang der neunziger jahre im Wald bis zu einer Tiefe von 50 cm geräumt.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo,


    wenn man sich so das Ende der ehemaligen Truppen- oder Standortübungsplätze ansieht, dann ist es ja auch kein Wunder, warum diese fast komplett zu "Naturschutzgebieten" erklärt worden sind.


    Bloss nicht mehr betreten oder darauf buddeln.


    Ich kenne da ein ehemaliges Treibstoffdepot mitten im Wald. Die einzige später dafür zugelassene Nutzung war eine Kompostierungsanlage.

    Schönen Gruß
    Peter

  • Hallo,


    ich kann auch aus positiven Erfahrungen berichten. Es gibt Truppenübungsplätze die heute - zumindest zum Teil - wahre Naturschutzgebiete, Biosphärengebiete und Freizeitparks sind. Ich habe an solchen Plätzen Tiere gesehen, die man sonst fast nicht zu sehen bekommt.
    Das liegt daran, das eben bestimmte Plätze von der Truppen nicht oder nicht mehr betreten werden durften, so dass diese Gebiete über viele Jahre hinweg naturbelassen wurden.
    Selbstverständlich verursachten enorme Kosten und nicht alles konnte wieder nutzbar gemacht werden. Es gibt natürlich bleibende oder zumindest sehr langfristige Schäden.
    Nachfolgend ein positives Beispiel:
    Ehemaliger Truppenübungsplatz MÜNSINGEN: 6.700 Hektar groß. Am 09.12.2004 fiel der letzte Schuß. Ein Jahr später haben die letzten Soldaten den Platz geräumt. 110 Jahre Geschichte des Übungsplatzes sind zu Ende.
    Bekannt ist dort der ehemalige Ort GRUORN, der ab 1937 -teilweise zwangsweise geräumt/umgesiedelt wurde.


    http://www.bilder-hochladen.net/files/5d44-10-jpg.html [/IMG]


    Empfehlenswert auch das Buch: Schramml, Erich " 100 Jahre Truppenübungsplatz Münsingen 1895 -1995 - eine Dokumentation-"


    Gruß Karl

  • Morgen!


    Nah bei Waldkraiburg/Inn Richtung Mettenheim war gegen Kriegsende noch eine Fabrik zum Bau ME 262 im entstehen. Ist allerdings nie fertig geworden. Oberirdisch nur jede Menge Betonreste und eine Start/Landebahn die man heute natürlich nicht mehr erkennt.
    Wurde nach dem krieg von den Alliierten gesprengt bzw. bombardiert.
    Aufgrund der Tasache das man zum Bau ein Außenlager von Ausschwitz betrieben hat, auch viele der Arbeiter ums Leben gekommen sind ist es heute eine Art Denk/Mahnmal.
    Man findet noch Reste der Zeltgruben und ein paar Fundamente der Aufsehergebäude im Wald.
    Von dieser Bombardiererei liegen noch jede Menge Blindgänger im Wald verstreut, der Wald wird nur sehr aufwändig bewirtschaftet da die alten Bäume voll Splitter stecken.
    Das aber nur am Rande.
    Müßte nun gut 20 Jahre hersein, war selber noch Soldat, erregte eine Schlagzeile damals Aufsehen.
    In Räumen der Bunkerfundamente wäre nach dem Krieg Giftgas gelagert worden, dieses würde man nun beseitigen.
    Da wir neugierig waren, haben wir damals der Sache etwas nachgeschnüffelt, sozusagen eine vor Ort-Besichtigung vorgenommen.
    Tatsächlich waren Teile des Außengeländes der Bunkeranlage stark abgesperrt worden, Zaun, S-Draht, Hunde sowie Wachpersonal - wohl Polizei - über Nacht.
    Man hat damals einen vermauerten Bunkerteil aufgegraben und aufgebrochen und "etwas" entfernt. Wir kamen so nah nicht ran.
    Die Frage die mich schon immer bewegte: Wessen Giftgas war das? Auch der Herstellungsort und sein geplanter Verwendungszweck
    erscheint mir nicht schlüssig.
    Gut, wir haben und hatten chem. Industrie im Nahbereich, diese produziert aber in einer ganz anderen Sparte, wurde im Krieg auch komischerweise nie bombardiert...
    Vielleicht weiß jemand was dazu.


    Grüße Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Hallo,


    Karl, die Leute zeigen bei der gefährlichen Arbeit sogar einen seltsam entspannten Gesichtsausdruck... ?(
    Völlig ungeschützt ging man da ans Werk. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Menschen bei dieser "Bombenstimmung" ihr Leben verloren.
    Vermutlich schweigt man besser über diese Zahlen.


    Gott sei Dank hat sich das Berufsbild deutlich geändert: Entschärfer


    Gruß
    Jane

  • Hallo Jane,


    die Fahrzeugausstattung hat sich auch geändert. Siehe Foto!


    http://www.bilder-hochladen.net/files/5d44-15-jpg.html [/IMG]


    Einen der Entschärfer auf dem Foto kannte ich. Er hat mir Entschärfungen life gezeigt.
    Die Entschärfung militärischer Munition ist sehr gefährlich, aber noch gefährlicher ist die Entschärfung von den in Deinem Beitrag erwähnten USBV (Unbekannte Spreng - und Brandvorrichtungen). Da ist meist nur ein Sprengen/Vernichten/Verbrennen u. a. möglich. Schwierig ist es auch auf Flugplätzen, in Bahnhöfen etc.
    Denn füri USBV gibt es keine militärischen Merkblätter oder Richtlinien.


    Zu Deiner Frage,


    die Entschärfer, die ich kannte und kenne, u. a. bei Flugzeugbergungen aus dem II. WK, leben noch oder sind eines natürlichen Todes oder wegen einer Krankheit gestorben.


    Gruß Karl