Bergung u. Entsorgung von Munition aus dem Weltkrieg

  • Hallo,


    ich danke Euch für die Erklärungen, so habe ich doch schon recht detailliert erfahren, wie die Munitionsentsorgung nach dem Krieg vonstatten ging und geht.
    Sicherlich ein Thema mit dem man nicht zwangsläufig konfrontiert wird, wenn man sich mit der Geschichte des 2. Wk beschäftigt.


    Das das Thema schon mal zur Diskussion stand, war mir nicht bewusst.


    http://forum-der-wehrmacht.de/…hp?postid=77278#post77278


    Jedenfalls stieß es seinerzeit nicht auf mein Interesse, vielleicht brauchte ich obigen Einstiegsbericht der örtlichen Tageszeitung um dafür sensibilisiert zu werden.


    Der Übersicht wegen würde ich begrüßen wenn man diesen Thread einfach an das erste Thema (Link) achter ran hängen würde.


    Danke noch mal und viele Grüße
    Jane

  • Auch wenn ich etwas spät bin, kann ich vielleicht dennoch etwas zum Thema beitragen.
    Ich denke auch, dass die deutsche Munition nach dem Kriege, sofern nicht benötigt, vernichtet werden sollte. Ein einheitliches Verfahren wird es dabei wohl nicht gegeben haben, dass erkennt man schon aus der Vielfalt der Berichte.
    Während meiner Militärzeit in Hamburg hatte ich die Gelegenheit mit dem zuständigen Wallmeister zu sprechen.
    Er teilte mir mit, dass die Engländer nach dem Kriege die alte Munition auf den damals schon bestehenden Übungsplatz brachte und dort in tiefe Trichter kippte. Wenn die Trichter voll waren wurde dieser mit einer Schicht Sprengstoff überzogen, der dann gezündet wurde. Durch die Kettenreaktion ging man davon aus, dass die gesamte Muni dabei zerstört wird - was aber nicht geschah. Ein Teil der Munition wurde lediglich "angesprengt" und liegt dort noch immer detonationsbereit im Boden. Nach und nach wurden in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts diese Sprengtrichter wieder freigelegt und die verbliebene Munition sachgerecht entsorgt. Ob man Alle gefunden hat ist nicht sicher.

    Gruß
    Stefan

    Edited 2 times, last by Herusker ().

  • Hallo Jane,


    am Weißensonntag 1945 befand sich in meinem früheren Heimatort der Sperrverband Wirtz, um die Amis nach Schließung des Ruhrkessels am weiteren Vormarsch in den Kessel zu hindern.


    In meiner Jugendzeit gab es viele Erklärungen der älteren Mitbürger, dass viele Soldaten sich nicht mehr gegen die US-Army wehren wollten (oder konnten) und daher vor der Gefangenennahme alle noch vorhandenen Waffen und Munition in einem sehr morastigen Feuerlöschteich versenkt hätten.


    Vor ca. 20 Jahren gab es einmal Überlegungen, diesen jetzt kaum noch vorhandenen Feuerlöschteich komplett auszubaggern und wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen.


    Bevor diese Überlegungen nach einigen Monaten überhaupt weiter in eine Planung eingebracht werden konnten, wurde dieser Teich plötzlich vollständig trocken gelegt und dauerhaft zugeschüttet.


    Weitere Gedanken über evtl. Altlasten muss sich da ja wohl niemand mehr machen.

    Schönen Gruß
    Peter

  • Hallo,
    na ja, da wurde wohl etwas kostengünstig kurzsichtig gedacht und gehandelt. Falls da nur Gewehrmunition liegt ist das Problem ziemlich gering, aber wenn etwas grösseres da liegt, kann das irgendwann schon einmal ein Problem geben.
    Hier im Forum des LdW gibt es einige berichte zu Bomben- etc explosionen. Wie die Tage in NRW? und in A, wo eine Gärtnerei etwas zu leiden hatte.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • In der heutigen Ausgabe der Miiteldeutschen Zeitung ist ein Bericht über den Fund von 2200 Bomben und deren Entschärfung bzw. Sprengung.


    Hier


    Die besten Grüsse
    Rolf

    Suche alles über M-Flak-Abt. 705

  • Hallo,
    Funde solcher Grössenordnung gibt es immer wieder. In Belgien wurde vor ein paar Jahren etwa 300 Tonnen Munition gefunden. Die Munition stammte aus einem Munitionszug der 1944 teilweise gesprengt worden war. Und da kein Mensch grossartig Zeit zum Räumen hatte, wurde das Zeug einfach vergraben. Und irgendwann hat sich jemand erinnert und es gab das grosse Aufräumen.
    In Frankreich wurde vor 5 oder 6 Jahren ein ganzes Dorf zwangsgeräumt, weil der Kampfmittelräumdienst auf ein ehemaliges Giftgasgranatendepot gestossen war. Die Korrodierung war bereits so weit fortgeschritten, dass maximal 8 Personen gleichzeitig im Ort arbeiten durften. Die Strassen, die die Lkw benutzten, wurden grossräumig abgesperrt wegen der immensen gefahr. Zum Glück gab es keine Zwischenfälle beim Räumen.
    Ich habe selbst schon eine deutsche Gewehrgranate WK I(Blindgänger) im Garten meiner Schwiegermutter beim Umgraben gefunden. Sohn kam einmal freudestrahlend mit einer etwas sehr angerrosteten amerikanischen Splitterhandgranate nach Hause. Das eine Mal war der Kampfmittelräumdienst nach 15 Minuten da, das andere Mal am nächsten Tag.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo zusammen,


    ich möchte mich nochmals äußern,
    sollte man denn die gleichen Themenbereiche nicht zusammenführen, z. B unter" Wo blieben Waffen und Gerät", wie schon angeregt oder alle unter obigem Titel??
    Ist ja nur ein Vorschlag bzw. meine Ansicht.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    ich habe die beiden Themen zusammen getan. Wäre es nicht besser ein extra Thema für Bombenfunde und Entschärfung zu machen?


    Raffael

  • Tach!
    Da gibt es auch andere Methoden der Entschärfung. Der beste Freund meines Vaters hatte einen großen Hof. Nicht in Gerolzhofen, wo er herkam, er heiratete als Zweitgeborener nach Aumenau. Anfang der 70er bemerkte er eines Tages beim Pflügen einen starken Widerstand. Der Widerstand erwies sich als Fünfzentner(?)-Bombe. Um die Arbeit nicht zu unterbrechen nahm er die Bombe mit seinem schwersten Bulldog an die Kette und zog sie raus. Den Zünder entfernte er mit einem gezielten Hieb seiner Spitzhacke. Er diente dann in seiner Werkstatt als Spielzeug für seine 4 Kinder. LIEBE KINDER: BITTE NICHT NACHMACHEN!!!
    Gruß
    Matthias

  • Quote

    Den Zünder entfernte er mit einem gezielten Hieb seiner Spitzhacke. Er diente dann in seiner Werkstatt als Spielzeug für seine 4 Kinder. LIEBE KINDER: BITTE NICHT NACHMACHEN!!!
    Gruß
    Matthias


    Hallo,
    in Nieuwpoort gab es einen Munitionssammler, der den Blindgängergranaten die Zünder mit dem Hammer abschlug. Das ging eine ganze Weile sogar sehr gut, bis zu dem Tag, als er sich mitsamt Haus in die Luft sprengte.
    Jeder der bei der BW war, hat sicher den Marmeladeeimer vor und nach Zündung einer Sprengkapsel darin gesehen. Die Wirkung von dem kleinen Ding ist schon beachtlich.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Raffael,


    da vor allem Du Dich mit denThemen herumschlagen mußt, schließe ich mich Deiner Meinung zur Trennung in Bombenfunde und Entschärfung gerne an.
    Allerdings gebe ich zu bedenken, dass manche Beiträge beides beinhalten, oder?


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    natürlich sind die Themen mit einander verbunden.


    Aber so sehe ich eine Trennung zwischen Großgerät (Panzer, Flugzeuge, Schiffe) und der Entschärfung (Munition, Bomben).


    Raffael

  • Quote

    Original von Tano
    In Diesem Artikel wird aus dem Torpedo eine "Torpedobombe" :D
    Gibts es sowas jetzt wirklich oder hat sich da jemand vertippt?


    http://www.merkur-online.de/re…prengstoff;art8866,964970


    Torpedobombe habe ich noch nie gehört, wahrscheinlich meint da jemand die überschwere "Luftmine", die die Allierten warfen.


    Torpedominen hingegen sind vorallem zur Kriegsbeginn oft eingesetzt worden.
    Dabei wurde eine Mine auf Torpedobasis in feindliche Häfen geschossen, wo sie dort auf Grund gingen und beim Überfahren eines Schiffes detonierten.


    Rheinmetall

    "Die Sehnsucht nach der Heimat wächst mit dem Quadrat der Entfernung."
    (In Memorie of Jürgen Oesten † 05.08.2010)

  • Hallo,
    habe grade den Artikel gefunden, auch wenn es nicht um Munition aus dem IIWK geht sonder um Sachen der NVA/ Volksmarine.


    Klick mich


    MFG
    Jens

    Wer hat Infos zur 75. Infanterie-Division - 2.I.R.202 1939 bis 1942 Bilder, Karten usw

  • Hallo zusammen,


    heute bei Spiegel-Online:
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,589179,00.html


    Erstaunliche, bzw. erschreckende Zahlen!


    Gruß,


    webbs


    Edit/Ergänzung:
    Zitat:
    "Fünf bis 15 Prozent der Bomben, je nachdem welchen Hochrechnungen man glaubt, sind nach dem Abwurf nicht detoniert, was 95.000 bis 285.000 Tonnen an Blindgängern entspricht"


    ... wenn ich die max. Zahl nehme und richtig rechne( ;) ), kommen
    statistisch gesehen auf jeden Quadratmeter der Bundesrepublik
    8kg Blindgänger....

  • Hallo webbs,


    Quote

    ... wenn ich die max. Zahl nehme und richtig rechne( ), kommen
    statistisch gesehen auf jeden Quadratmeter der Bundesrepublik
    8kg Blindgänger....


    und diese 8 kg/qm sind nur Fliegerbomben ohne Truppenübungsplätze,
    Schlachtfelder, Seeminen, etc..


    Pulverfass Deutschland und die Lunte brennt...


    Nachdenkliche Grüße
    braeuti

  • Da war doch der Nullllenteufel mal wieder am Werk :evil:


    175 000 t = 175 000 000 kg (Durchschnittswert, rechnet sich leichter)
    350 000 km x km = 350 000 000 000 m x m (abgerundet...)


    175 : 350 000 = 0, 0005 kg = ein halbes Gramm


    Aber immerhin...
    Gruß Christa

  • Hi,


    gerade heute wurde eine amerikan. 250-kg-Fliegerbombe, gefunden im Potsdamer Forst
    bei planmäßiger Absuche nach Kampfmitteln aus WKII, vor Ort gesprengt: klick.
    Gestern hieß es noch, sie würde am Ort entschärft und und beseitigt: klick.
    Nehme an, daß es sich um die in Spiegel-Online geschilderte Problematik der Langzeitzünder handelt.

  • Hallo zusammen,


    was m.E. noch nicht angesprochen wurde ist die Tatsache, dass für die Beseitigung von Weltkriegsmunition die Kampfmittelbeseitigungsdienste der Bundesländer zuständig sind.


    Und auch das relativ sorglose Sprengen von Fundmunition unmittelbar nach dem Krieg sollte man nicht pauschal "brandmarken", wenn man sich vor Augen führt, dass die Umweltgefährdung durch TNT-Rückstände, Hexogene u.ä. bei regulären Sprengplätzen z.B. der Bundeswehr erst seit vielleicht einem Jahrzehnt zum Thema geworden ist. Vorher waren die Erkenntnisse noch nicht so weit verifiziert, dass man von einer nicht zu vernachlässigenden Grundwassergefährdung hätte ausgehen müssen.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)