Bergung u. Entsorgung von Munition aus dem Weltkrieg

  • Hallo,
    vor ein paar Tagen wurde eine deutsche Seemine im Zugangsweg von Calais(in 15 Meter Wassertiefe, 1200 Meter vom Land) gefunden. Laut "Le Soir" vom 20.03.2007 hat sie eine Länge von drei Metern und einen Durchmesser von 70 cm mit einem Sprengstoffanteil von 700 Kg. Weiss jemand um was für eine Mine es sich handelt?
    Beginn nächster Woche soll sie weiter ins Meer verbracht und dort gesprengt werden.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo,


    Quote

    Da wird man ja nicht auf Paddelboote jagd gemacht haben, oder ?


    Nein, wohl eher auf die Ausflugdampfer. Schätze mal auf Typ VII U-Boot.


    :D


    braeuti

  • Quote

    heute eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gesprengt. Ein Taucher hatte den Torpedo


    Fehlt noch Mine. Da sind pappnasige Rechercheure am Werk...


    Nicht mal ignorieren
    Arnold

  • Hallo, ohne den See und die Größe jetzt zu kennen, man bedenke das einige Seen damals benutzt wurden von z.B. Torpedoversuchsstellen u.ä. zu Versuchszwecken.


    Beste Grüße
    Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

  • Hallo Leute,


    ob Torpedobombe, Torpedo oder Bombe, zum jetzigen Zeitpunkt (17.09.08 / 20:20 Uhr) wäre das Ding doch wohl gesprengt.
    Somit ist auch eine Ermittlung der Herkunft ausgeschlossen und jeder weitere Gedanke überflüssig.


    Herbert

  • Guten Morgen Forum


    Aus der heutigen Tageszeitung entnehme ich, dass 3500 Kubikmeter verseuchte Erde aus einem Wasserschutzgebiet hier im Cuxland ausgekoffert werden müssen. Ein neues, teures Millionenprojekt für das Land Niedersachsen.


    Man hat in 11 Meter Tiefe eines Sprengtrichters viele Granaten und andere sogenannte „Feinteile“ (?) gefunden. Ferner fand man in hiesigen Sprengtrichtern Hexogen, TNT und Blei.


    Dem Artikel entnehme ich, dass die Munition nach dem Krieg tonnenweise in unser Gebiet gekarrt wurde - und auf sogenannte „Sprengstellen“ vernichtet wurde.


    Ich habe mir nie Gedanken über das „bombige Unterfangen“ gemacht, was NACH dem Krieg mit der restlichen Munition in unserem Land geschah... Heute wohl.


    Ist der Begriff "Sprengstellen" landesüblich?
    Hat man diese Stellen extra in wenig besiedelte Gegenden errichtet?
    Wer hat die Verantwortung für die Entsorgung gehabt?
    Was waren das für Leute, die diese fürchterliche Arbeiten erledigten?
    Wurde die Munition bewusst unterirdisch gezündet?
    Wurden diese Stellen über(be)wacht?


    Gruß
    Jane

  • Hallo @


    bei diesem Thema hatte ich wirklich mit Antwort gerechnet...


    Doch noch ist ja nicht alle Tage Abend. ;)


    Liebe Grüße
    Jane

  • Hallo Jane,


    ich kann Dir leider "nur" erzählen, was hier in meiner Heimat nach dem Krieg so ablief, und auch dies "nur" vom Hörensagen, da der Krieg schon 15 Jahre vorbei war, als ich geboren wurde.
    Ich wohne im Saarland, im Grenzgebiet zu Frankreich und gleichzeitig Luxemburg und hier führte sowohl der Vormarsch der deutschen Truppen als auch schwerste Abwehrkämpfe im Herbst 1944 zu riesigen Zerstörungen und immens viel Kriegsgerät blieb hier zurück.
    Alles, was irgendwie "brauchbar" war, wurde von der aus der Evakuierung zurückkehrenden Bevölkerung requiriert und weitergenützt.
    Waffen, Munition, alle möglichen Kaliber, wurden von den Amerikanern, später den Franzosen, eingesammelt und gesprengt. Dies geschah mit Vorliebe in aufgelassenen Steinbrüchen, Kiesgruben und Brachflächen.
    Fast in jedem Dorf gibt es solche Stellen. Dies weiß ich genau, weil wir als Kinder in den 1960er Jahren dort mit Vorliebe gespielt haben. "Muni suchen" hiess das, und wir fanden viel. Vom 2cm Bordkanonenblingänger bis zur 8,8er Granate konnten wir vieles finden. Ich weiss noch, wie ich zusammen mit einem Freund auf dem Fahrradgepäckträger ein verrostetes Eisenteil zur Polizei brachten, das sich dann als Phosphorgranate herausstellte.
    Was besonders die Franzosen gerne taten, da ihnen die Befestigungen ein Dorn im Auge waren, waren die Sprengungen von Westwallbunkern. Allein in meinem Ort gibt es ca 8 Stück davon. Diese wurden mit Sprengmitteln, Waffen und Munition, die teilweise aus zig Kilometern Entfernung her geschafft wurden, bis unter die Decke befüllt und gezündet. Meist ist von den Bunkern nur die Decke abgehoben worden und liegt seitdem als Meter dicke Eisenbetonwand im Wald.
    Vieles andere ist in vorhandene Erdlöcher oder Bombentrichter gekarrt und danach mit Schutt und Müll überdeckt worden.
    Da und dort liegen mit Sicherheit noch viele ökologische Zeitbomben.

    ... in diesem Sinne
    Grüße, Michael

  • Hallo Michael,


    ich danke Dir für Deine Schilderungen...
    So wie Du es beschrieben hast wird es wohl an vielen Orten zugegangen sein.
    Hauptsache das Zeug war nicht mehr sichtbar.


    Die Leute waren alle lang genug in irgend einer Weise mit dem tot- und unheilbringenden Zeug konfrontiert worden.
    Bloß weg damit, aus den Augen aus dem Sinn...
    Vielleicht ist die Art der Entsorgung auch aus damaliger Sicht verständlich!?


    So wird die Munition des 2. Weltkriegs wohl als tickende Zeitbombe auf die Enkelgeneration zukommen.


    Grüße
    Jane

  • Hallo,
    zwischen Abrücken der deutschen Truppen und Eintreffen der Westalliierten wurden die Wehrmachtsanlagen von der Zivilbevölkerung geplündert, so z. B. die Kasernen, einschliesslich Heeresverpflegungsamt, Kasino etc. in Siegen. Die Munition wurde nach dem Krieg in Bäche, Seen oder irgendwelche Bomben- oder Granattrichter entsorgt. Manchmal wurden die Mun-Depots auch gesprengt, Resultat: es gibt heute noch munitionsverseuchte Flächen. Von den Versenkungen in Nord- und Ostsee will ich erst gar nicht reden.
    In den fünfziger Jahren gab es Filme, die für Kinder und Jugendliche bestimmt waren, nicht mit Fundmunition zu spielen. Man konnte damals regelmâssig in den Zeitungen von toten Kindern lesen.
    Bei der BW kam es einmal bei einer Übung meiner Kp auf einem Truppenübungsplatz nachts beim Schanzen zum Munitionsfund. Einer klopfte munter mit seinem Klappspaten auf vergrabener 20 mm Munition. Das Schanzen wurde abgebrochen. :D
    In Belgien wird Munition, die nicht mit üblichen Mittelen delaboriert werden kann in einem bestimmten Gebiet in Flandern(nordostwârts Ypern) gesprengt, da es dort einen sehr schweren Boden gibt.
    Gruss
    Rainer
    P.S.: Konnte nicht eher schreiben, da Besuch da und Stadttour gemacht.

    Suum cuique

  • Die Gefahr der abgeworfenen Blindgänger ist wohl weitaus größer als die Stellen, an denen man Munition auf welche Art auch immer zuammengekarrt hat. Allein der Sprengkraft und der Lage wegen.


    Insofern braucht man sich wohl weniger Sorgen um das Wasserschutzgebiet Cuxland machen, wo immer das auch entfernt der Zivilisation und Caprinus liegen mag, machen sich diese natürlich die entsprechenden Leute dennoch ganz doll, als sich vielleicht viele Bewohner von Großstädten, die wirklich auf tickenden Zeitbomben leben, wohnen und arbeiten.

  • Ich wohne in Münster bei Dieburg in Hessen. Hier wurde eine große Munitionsanlage errichtet, die nach dem Krieg von den Amerikanern weiter militärisch genutzt wurde, unter anderem, um Atomwaffen einzulagern. Nach dem Abrücken der Amerikaner wurde im umliegenden Waldboden, der mehr als ein halbes Jahrhundert Sperrgebiet war, unmengen von deutschen Granaten und Munition jeglichen Kalibers gefunden.


    Nach Hörensagen wollten die Amerikaner die deutsche Munition sprengen und haben alles auf einen großen Haufen geworfen... Naja, die Teile wurden hunderte Meter weit in die Gegend verstreut, der Sprengmittelräumdienst hat es dann wohl irgendwann aufgegeben, das Gebiet säubern zu wollen. Tote und verletzte waren in den 50er Jahren wohl hauptsächlich Kinder. Das Gebiet ist weiter gesperrt und bleibt es wohl auch die nächsten hundert Jahre weiterhin.

  • Hallo,
    im Reichswald gibt es auch noch Gebiete, die heute gesperrt sind, da bei den Kämpfen sich die von beiden Seiten gelegten Minenfelder überlappten oder sogar fast identisch waren. Und wenn da mehrere Lagen Minen vorhanden sind, wird Räumen zu einem Glücksspiel.
    Bei der Lützel bei Siegen haben die Amerikaner 1945 nach der Eroberung ein Mun-Depot gesprengt. In Hilchenbach gab es etlichen Schaden dadurch und nichtexplodierte Munition wurde schön gleichmâssig im Umkreis verteilt. Und einer, Name und Wohnort sind mir bekannt, hat da sich ein 20 mm Geschoss angeeignet, trotz Schilder "Betreten Verboten" etc. und versucht das Ding mit einem Bohrer zu öffnen, Grossmutter sagte noch: " Lass den Scheiss" und ein paar Sekunden nach verlassen des Raums war der Junge tot.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Quote

    Ist der Begriff "Sprengstellen" landesüblich?
    Hat man diese Stellen extra in wenig besiedelte Gegenden errichtet?
    Wer hat die Verantwortung für die Entsorgung gehabt?
    Was waren das für Leute, die diese fürchterliche Arbeiten erledigten?
    Wurde die Munition bewusst unterirdisch gezündet?
    Wurden diese Stellen über(be)wacht?


    Hallo Jane,


    versuche mal zu antworten, sofern durch andere noch nicht getan.


    1. kann ich nicht sagen


    2. wurde bereits von einem Vorredner geschrieben - nach dem Krieg wurde alles auf die örtlichen Mülldeponien gebracht, welche meist ein Stückchen weg waren vom Ort. Dort wurde alles gesammelt und meist die Trümmer der zerstörten Gebäude drüber geschüttet. An anderen Stellen wurde es auch teils gesprengt.


    3. In den meisten Fällen dürften es wohl Kriegsgefangene oder auch Zivilisten gewesen sein, die sich der Aufgabe annehmen durften.


    4. die Munition wird meist auch heute noch unterirdisch gezündet, mit dem Grund das so wohl weniger bis gar keine Splitter umherfliegen.


    5. kann ich nicht sagen



    Und ansonsten kann ich mich den Berichten der anderen anschließen, bei uns gibt es zahlreiche Berichte über Kinder, die sich in die Luftgesprengt haben.
    Teils wurden auch fabrikneue Granaten gefunden, mit welchen man dan fischen gegangen ist - so erzählte es mir ein Kind aus dieser Zeit.



    Gruß
    Tobias

  • Hallo Tobias, hallo Jane


    meistens, wenn irgend möglich wird die Munition überirdisch vernichtet, da es dann keine Verdämmung gibt, die die Wirkung der Explosion vervielfacht.
    Es gibt in jedem Bundesland sogenannte Sprengplätze der staatl. Sprengkommandos, Entschärfer oder wie diese auch immer genannt werden. Auf diesen Plätzen werden die Sprengungen vorgenommen , wenn eine Entschärfung nicht möglich ist. Die Sprengplätze sind mit Erdwällen Ringförmig umgeben und nach oben offen.
    Dann gibt es spezielle Stahltrichter, so dass die Splitter nur nach oben wegfliegen können.
    Kleinere Munition wird in einem Spezialofen verbrannt, denn Sprengstoff kann man "abbrennen", wenn er nicht schlagartig gezündet wird. Ohne hier ins Detail zu gehen, es ist u. a., je nach Sprengstoff eine bestimmte Temperatur zur Initialzündung erforderlich.
    Natürlich wird auch unter der Erde gesprengt, aber nur wenn unumgänglich.
    Dann ist eine Entschärfung durch Sprengung an Ort und Stelle möglich, wenn sich das Fundstück nicht entschärfen und/oder transportiern läßt. Dann wird wie bei einer Gebäudesprengung die Bevölkerung evakuiert und zusätzlich werden Dämmungen, aber nicht Verdämmungen mittels Erde, (Erdwall etc.),Strohballen usw. vorgenommen.
    Die Entschärfung kann u.U. auch mittels eines ferngesteuerten Roboters, einem kleinen Kettenfahrzeug mit diversen Werkzeugen, Zangen etc. erfolgen.


    Nebenbei darf ich darauf hinweisen, dass in diesem Forum die "Munitionsentsorgung" schon mal behandelt wurde. Dort habe ich auch ein Bild eingestellt.


    Gruß Karl


    Edit, den fälschlicherweise eingefügten Begriff Pulver entfernt. Kleine, mit Pulver gefüllte Patronenmunition wird aber auch im Ofen vernichtet bzw. entsorgt.
    Dies richtet sich aber nach der Art der am Sprengplatz vorhandenen technischen Einrichtungen.