Polizei Waffenschule Apeldoorn (Die Niederlände)

  • Hallo,
    ich habe mich gerade angemeldet. Vielleicht kann mir einer von euch behilflich sein um mein Problem zu lösen.


    Ich habe 2012 das Buch 'Spoor naar Woeste Hoeve' (holländisch) geschrieben über die Erschiessung von 117 Männer bei Woeste Hoeve (Apeldoorn) am 8. März 1945. Das war die Vergeltung für den Attentat auf HSSPF Hanns Rauter zwei Tage zu vor.
    Ich möchte gerne mehr wissen über das Peloton dass für die Erschiessungen zuständig gewesen ist.


    Von Unterlagen beim NIOD in Amsterdam geht hervor was Oberst-Leutnant Wilhelm Fricke der Schutzpolizei erklärt hat: In Dezember 1943 wurde er leiter der Polizei Waffenschule III in Den Haag. In Dezember 1944 wurde die Schule übersiedelt nach kamp Olderbroek und kamp Wezep. In 1945 wurde die Schule gelagert in Zwolle, Hattem und Wijhe, das 2. Bataillon wechselte zu Apeldoorn. Es war ein Reservebataillon und sollte sich bereit halten zum Einsatz im Frontgebiet.


    Am 7. März bekam Fricke den Befehl von BdO Helmut Mascus und Ober-Leutnant Lautenschläger 110 Männer des 2. Bataillon der Polizei Waffenschule aus Apeldoorn bereit zu halten. Am 8. März waren am Ende 40 Leute dieses Bataillons bei Woeste Hoeve eingesetzt.


    Mehr ist mir nicht bekannt, in holländischen Archiven sind keine weitere Unterlagen da.
    Ich vermute dass das Bataillon der Waffenschule dem Ordnungspolizei Polizeibataillon 105 unterstellt war, weil diese Einheit im Februar 1945 in der Gegend von Apeldoorn gelagert war (Epe, Wezep, Oldebroek).



    Ich möchte gerne wissen:
    - Wer weiss mehr über das 2. Bataillon der Polizei Waffenschule, das ab Februar 1945 in Apeldoorn gelagert war?
    - War das 2. Bataillon der Polizei Waffenschule eine selbständige Einheit, oder gehörte es zum Polizeibataillon 105?


    Vielen Dank für jede Hilfe.
    Richard

    Edited 6 times, last by rschuur ().

  • Hallo Richard,


    ein herzliches Willkommen hier im Forum :]


    viel ist leider nicht bekannt über die Polizeieinheiten im Jahre 1945 in den Niederlanden, die bisher meisten Angaben stammen aus dem Buch von Antonio J. Munoz, Hitler´s Green Army: The German Order Police and their European Auxiliaries 1933 – 1945


    Der genaue Aufstellungstermin für die Polizei-Brigade „Nordwest“ ist bisher nicht bekannt. Für die Aufstellung standen zur Verfügung:
    SS-Polizei-Regiment 3, Oberst der Schutzpolizei Böhmer


    Polizei-Waffen-Schule III, die anscheinend ab März 1945 nach dem Kommandeur, SS-Obersturmbannführer und Oberstleutnant der Schutzpolizei Wilhelm Fricke als „SS-Polizei-Regiment Fricke“ mit zwei Bataillonen bezeichnet wurde.


    SS-Polizei-Regiment Fricke SS-Obersturmbannführer und Oberstleutnant der Schutzpolizei
    Wilhelm Fricke, aufgestellt aus der Polizei-Waffen-Schule III
    I./Fricke Hauptmann der Schutzpolizei Moritzen, am 19.4.1945 mit 13
    Offizieren und 448 Unterführern und Mannschaften
    II./Fricke Hauptmann der Schutzpolizei Brinkmann, am 19.4.1945 mit 10
    Offizieren und 359 Unterführern und Mannschaften


    Später
    SS-Polizei-Regiment Nordwest 2 SS-Obersturmbannführer und Oberstleutnant der Schutzpolizei
    Wilhelm Fricke, aus SS-Pol.Rgt Fricke (* 24.6.1896)
    I./Nordwest 2 Hauptmann der Schutzpolizei Moritzen
    II./Nordwest 2 Hauptmann der Schutzpolizei Brinkmann


    April 1945
    SS-Polizei-Regiment Nordwest 2
    Kommandeur: SS-Obersturmbannführer und
    Oberstleutnant der Schutzpolizei Wilhelm Fricke
    Adjutant: Leutnant der Schutzpolizei Paustirn
    Ib Oberleutnant der Schutzpolizei Westermann
    O1 Leutnant der Schutzpolizei Zingraf


    I. Bataillon
    Kommandeur Hauptmann der Schutzpolizei Moritzen
    1.Kompanie Hauptmann der Schutzpolizei Hahn
    2.Kompanie Hauptmann der Schutzpolizei Draisz
    3.Kompanie Oberleutnant der Schutzpolizei Kocheisen
    4.Kompanie Oberleutnant der Schutzpolizei Westermann
    Zugführer Oberleutnant der Schutzpolizei Wiegand
    Leutnant der Schutzpolizei Kuhn


    II. Bataillon
    Kommandeur Hauptmann der Schutzpolizei Brinkmann
    5.Kompanie Hauptmann der Schutzpolizei Rädiker
    6.Kompanie Hauptmann der Schutzpolizei Müller.
    7.Kompanie
    8.Kompanie


    (III. Bataillon) Pol.Frw.Btl. Niederlande
    Kommandeur


    1.Kompanie
    2.Kompanie
    3.Kompanie



    es handelt sich also nicht um das ehem. Pol.Btl. 105, sondern eine Neuaufstellung aus der Pol.Waffen-Schule ....


    Mehr kann ich leider zu diesem Thema nicht beisteuern...  :(


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Vielen Dank RolandP für die schnelle Antwort.
    Also kein teil des PB105, wie ich schon vermutet habe.


    Das es zwei Bataillone Frickes gab war mir nicht bekannt. In seiner Aussage steht weiter: 'Nach erhalten des Befehls habe ich den Ordonans, Leutnant Zingraf, mündlich den Auftrag an Kommandanten der Polizei Waffenschule in Apeldoorn Hauptmann Brinkman (der erst vor kurzem die Stelle Hauptmann Wagner übernommen hat) gegeben den nächsten Morgen an ort und stelle 110 manschaften bereit zu stellen'.


    Das ist also der Hauptmann Brinkman des Bataillons II./Fricke.
    War dieser Brinkman deutscher oder niederländer?
    Fricke hat ausgesagt er war am 8. März nicht bei Woeste Hoeve, weil er kein Erlaubnis bekommen hatte um Zwolle zu verlassen.


    Was die Geschichte dieses Bataillons noch interessanter macht ist dass am 8. März ein Mitglied geweigert hat sich an die Erschiessungen zu beteiligen. Aus mehrere Aussagen geht hervor dass es tatsächlich ein Versager gegeben hat, der im Auftrag des BdS Eberhard Schöngarth später auf eine bis jetzt unbekannte Stelle erschossen wurde. Er ist aber nicht - wie oft vermutet - zusammen mit den 117 andere Männer erschossen worden.


    Es gibt im Nationaal Archief in Den Haag noch weitere Unterlagen über Fricke, die ich mich gerne ansehen werde.


    Dank,
    Richard

    Edited 2 times, last by rschuur ().

  • Hallo Richard,


    das mit der "schnellen Antwort" war reiner Zufall ...


    Tut mir leid, mit mehr Details kann ich Dir leider nicht dienen, da scheinst Du mehr vorliegen zu haben, als mir bekannt ist...


    Ich habe mich auch mit dem Vorfall am 8.3.45 bisher auch nicht beschäftigt, da ich nicht wusste, das Ordnungspolizei daran beteiligt war ...  :(



    Wenn Du daher vielleicht mal eine kleine Zusammenfassung schreiben könntest, wie der Ablauf war (Befehl vom wem wann) und wer alles dort in diesem Zusammenhang genannt ist??!! ;)


    Ich freue mich auch immer über Ergänzungen meiner Unterlagen ... :D


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Mache ich.


    Woeste Hoeve (eine Ortschaft bei Apeldoorn)
    6. März 1945: Attentat auf HSSPF Hanns Rauter abends rund 10.30 Uhr von einer Gruppe von 5 Widerstandskämpfer. Offiziel waren sie da um einen LKW der Wehrmacht zu klauen, begegneten aber Rauter auf dem Weg von Didam nach Apeldoorn. Rauter schwer verletzt, überlebte aber.


    7. März: BdS Eberhard Schöngarth entschliesst sich zur strengsten Vergeltung. Er sollte mit Himmler besprochen haben dass 500 Todeskandidaten zu erschiessen sind. Ungeklärt und unwahrscheinlich ist dass Schöngarth tatsächlich an diesem Tag mit Himmler persönlich gesprochen hat.
    Schöngarth bespricht mit Reichskommissar Seyss-Inquart um 5 am Mittags 'nur' 300 Männer zu erschiessen, 150 an ort und stelle, 150 an andere Orten.
    Hans Kolitz der Sipo wird beauftragt den richtigen Zahl der Todeskandidaten zu organisieren. Er ruft an mit Einsatzkommandos in Groningen (Bernhard Haase), Assen (Wilhelm Petri), Zwolle (Erich Deppner), Lochem/Doetinchem, Apeldoorn (Oskar Gerbig), Almelo (Paul Hardegen), Deventer (Walter Müller), Amsterdam (Willy Lages), Rotterdam (Herbert Wölk) und Den Haag (Johannes Munt).


    8. März: Bei Woeste Hoeve werden 117 Männer erschossen, in Amsterdam, Kamp Amersfoort, Fort de Bilt und bei Scheveningen weitere 146.
    Bei Woeste Hoeve werden die Erschiessungen durchgeführt vom 2. Bataillon der Polizei Waffenschule, 40 junge und nicht erfahrene Männer. Die Leitung hat Oskar Gerbig als EK-Führer Abepldoorn.


    Mein Buch 'Spoor naar Woeste Hoeve' erzählt und rekonstruiert die Ergeignisse, aber auch die Geschichte eines der Opfer: der polnische Flieger Czeslaw Oberdak. Er wurde erst 2008 identifiziert als einer der zwei unbekannte Opfer Woeste Hoeves.

    Edited 2 times, last by rschuur ().

  • Hallo Richard und Roland,


    herzlichen Dank für die interessanten Beiträge. Ein Detail hat mich dabei besonders "elektrisiert".


    Es soll mehrere Aussagen gegeben haben, dass ein "Versager" auf Befehl von BdS Schöngarth an unbekannter Stelle erschossen wurde.


    Bisher war es meines Wissens Stand der Polizeiforschung, dass es keinen belegbaren Fall gegeben hat, dass ein Polizist wegen Befehlsverweigerung im Zusammenhang mit der Erschießung anderer selbst zum Tode verurteilt wurde.


    Zwar war dies in den gesamten Gerichtsverfahren die leider auch erfolgreiche Begründung von Angeklagten, jedoch konnte dies bisher nicht bestätigt werden. Dieser Fall wäre also eine kleine Sensation.


    Richard, kannst Du auf Grund Deiner Recherchen etwas mehr zu diesem Punkt mitteilen? Wer hat entsprechende Aussagen gemacht und bei welchem Anlass?


    Herzlichen Gruß
    Dieter

  • Hallo Richard,


    vielen Dank für Deine Zusammenfassung, wie gesagt, genaue Informationen zu diesem Vorgang habe ich leider nicht...


    solltest Du zu Herrn Fricke (und seiner Einheit) noch was herausfinden, wären "wir" ebenfalls sehr interessiert... ;)


    Und natürlich auch zu dem Vorgang, den Dieter angesprochen hat ... :]


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Frankpol,
    Uber den Versager kann ich weiteres mitteilen.


    Ein holländischer SD-beambter, Piet Richard Cieraad, hat als Zeuge in 1949 in ein holländisches Justizverfahren über Woeste Hoeve ausgesagt:
    'Das Peloton wurde im voraus gefragt ob es Bedenken gab zu schiessen. Einer der Männer erklärte nie zu vor Menschen erschossen zu haben und wurde ersetzt. Fricke bekam einen Verweis, weil er den Soldaten nicht wegen Feigheit erschossen hat'.


    Fricke hat 1967 in einem deutschen Justizverfahren ausgesagt dass er davon nichts gewusst hatte, er war überhaupt nicht vor Ort. Er wurde bestimmt davon gewissen haben.


    Hans Kolitz, hat am 15. November 1951 als Zeuge im Prozess gegen SD-Beambte Ferdinand Frankenstein schriftlich erklärt dass man als SD-Beambte keine andere Wahl hatte Befehle zu befolgen, sonst würde man dem Schicksal Woeste Hoeves treffen.
    Kolitz erklärte dass dort 'einen Oberwachtmeister der Ordnungspolizei Apeldoorn sofort verhaftet wurde als er einen Schiessbefehl weigerte zu befolgen, den gleichen Tag verurteilt wurde und am 9. März auf Befehl Schöngarths erschossen wurde'.


    Hans Harders, Kriminalrat der SD in Zwolle und Kolitz unterstellt, bestätigte den Vorfall dse Versagers 1965 in Freiburg als Zeuge in einem Gerichtsverfahren.


    Im Prozess des SD-Beambten Roald Ohmstedt sagte Dr. Bohne des Landesgericht Aachen 1950 dass doch bekannt war was geschehe wenn man sich einen Befehl verweigerte, und nennte Woeste Hoeve als einer der Beispiele.


    Auch Leute der Apeldoorner Widerstandsgruppen wussten von einem Versager, es sollte sogar in der Zeitungen gestanden haben.


    Obwohl ich also keinen Namen des Versagers habe und auch nicht wisse wann und wo er erschossen worden ist, gibt es zu viele Aussagen um diese Geschichte ernst zu nehmen.
    Deswegen interessiere ich mich für das Bataillon der Polizei Waffenschule um Klarheit in dieser Sache bringen zu können.
    Es geht mir keinesweg darum die Mitglieder des Pelotons zu belästigen und verurteilen, denn das bringt nichts mehr. Ich möchte nur die Fakten überprüfen und ergänzen. Ich wisse dass vor ein paar Jahren noch einen Mitglied des Pelotons Woeste Hoeve besucht hat, leider war ich damals nicht da bei.

    Edited once, last by rschuur ().

  • Hallo Richard,


    herzlichen Dank für Deine umfangreichen und interessanten Ausführungen.
    Die Aussage, dass man selbst erschossen worden wäre, wurde bei Gerichtsverhandlungen oft gemacht, ohne dass tatsächlich Fälle belegt waren. Die Justiz hat die Angeklagten dann oft wegen "Befehlsnotstand" freigesprochen.
    Es gab auch regelrechte Absprachen und Verteidigungsstrategien zwischen den Angeklagten bzw. Hilfen von Offizieren.


    Bei dem von Dir geschildereten Ereignis könnte es jedoch tatsächlich anders aussehen, da man sich in verschiedenen Gerichtsverfahrten auf diesen Fall bezieht.
    Vielleicht lässt sich doch noch etwas ermitteln. Der von Dir erwähnte Zeitungsartikel könnte evtl. weiterhelfen.


    Herzlichen Gruß
    Dieter

  • Gruss ! Frage ist nun ob die Einheit am 8-3-1945 technisch die anschrift Polizei-Waffenschule III im Einsatz nutzte. Wie den Kollegen bereits erwaehnen wurde die Einheit anfang Marz 1945 (ende Februar ??) zum SS-Polizei Regiment Fricke ernannt. Dabei sollte das Bataillon, sowie Kompanien davon, im Apeldoorn wachaufgaben gestellt haben zum hollandische und deutsche Justiz- und Polizei Dienststellen sowie Seyss-Inquart und Rauter. Als unterkunft wurde die "Kaserne" Apeldoornsche Bosch genannt, das ehemalige Judische Irrenanstalt. Grund dieses sind keine Akten, sondern aussagen im nachrichten vom widerstandkampfer. Zum welcher hinweis und angabe das Pol.Bat.105 im dieser bezug gestellt wurde ist die frage.

  • Hallo Jonnydocker,


    Es sieht so aus dass die Waffenschule III anfang 1945 aufgeteilt und umbennant wurde. Das es ein Bataillion Fricke gegeben hat war mir bisher unbekannt. Ich hoffe mehr darüber zu erfahren in persönliche Akten von Fricke im Nationaal Archief in Den Haag. Leider sind Akten über die Waffenschule bis 2020 gesperrt, weil es nicht aus zu schliessen ist dass einige Mitglieder noch am leben sind.
    Hast du interessante Quellen die über die Waffenschule aussagen gemacht haben?


    Richard

  • Hallo Forum Freunde,
    Gestern habe ich im Nationaal Archief in Den Haag das Ermittlungsverfahren Wilhem Fricke’s studiert. Nach der Kapitulation wurde Fricke festgenommen und mehrmals vernommen wegen drei Sachen: seine persönliche Beteiligung an der Massenerschiessung bei Woeste Hoeve am 8. März 1945, die Erschiessung fünf Männer am 31. März 1945 in Zwolle und von sechs Männern am 4. April 1945 bei Hattem.
    Erst am 4. Januar 1949 wurde Fricke aus der Haft entlassen, da es keine Gründe und keine Beweise für seine Beteiligung gab.
    Wie Fricke ausgesagt hat, bestätigt er nur die Beteilung der Polizei Waffenschule III an Woeste Hoeve. Am Vorabend der Erschiessungen wurde er telefonisch befohlen am nächsten Morgen ein Führer, 10 Unterführern und 100 Männer zu einer bestimmten Stelle an der Strasse Apeldoorn-Arnheim zu schicken.
    Fricke erklärt weiter: ‘Soweit es mir bekannt is wurde von damaligen Kommandanten des II. Bataillon entwerder Hauptmann Detlevsen chef der 5. Kompagnie oder Hauptmann Redeker chef 7. Kompagnie als Führer des Kommandos (…) befohlen’.
    Fricke persönlich war am 8. März nicht bei Woeste Hoeve, sein Terminkalender nennt ‘Oldebroek’. Die Seite mit den 6. und 7. März fehlt leider im Notizbuch…


    In keiner der Unterlagen sagt Fricke etwas über die Umbenennung von Polizei Waffenschule III 1. Bataillon und 2. Bataillon in 1. Bataillon Fricke und 2. Bataillon Fricke. Nur die Umbennung am 19. April 1945 in Polizei Regiment Nordwest 2.


    Ein anders Detail. Fricke sagt: ‘Es ist mir ferner bekannt geworden dass sich ein Teil der zu Erschiessung befohlenen Männer geweigert haben sollen, diese durchzuführen, mit den Hinweis dass sie erst kurzfristig in der Ausbildung seien un noch nicht mit der Waffe umzugehen verstünden, worauf von SD-Männern geschossen worden sein soll’.
    Neu für mich ist hier dass Fricke spricht von mehrere Männer die nicht schiessen wollten und nicht nur der einizige Versager.
    Und neu: die erschiessung wurde von SD-Männern übernommen. Die Gruppe von sechs/sieben Belgische und Deutsche SD-Leute bei Woeste Hoeve haben Alle erklärt nicht geschossen zu haben…


    Also was ist mir jetzt im klaren: das II. Bataillon der Polizei Waffenschule III war beteiligt an die Massenerschiessung bei Woeste Hoeve. Führer sollte Hauptmann Detlevsen (oder Detlefsen) oder Hauptmann Redeker gewesen sein. Mehrere Mitglieder wollten nicht schiessen, aber unbekannt ist wer tatsächlich geweigert hat.


    Wer am Bataillon bei Woeste Hoeve beteiligt gewesen sind geht aus den Akten leider nicht hervor. Es gab aber eine Liste des 2. Civil Internment Camp von 28. Juni 1946 von Mitglieder der Waffenschule III, die alle festgenommen worden sind. Die meisten gehörten seit 1943/44 bis Ende Krieg der Waffenschule III. Die Liste:
    Albert Bakhoff, Heinrich Dicken, Walter Finger, Paul Freier, Heinrich Freitag, Wilhelm Fricke, Kurt Gonschorek, Heinrich Gross, Werner Hahn, Heinrich Hering, Werner Hille, Hans Hofmann, Paul Jorns, Otto Klein, Edmund Kupczyk, Franz Lehmann, Alfred Löhndorf, Willi Lorey, Oskar Lopenz, Hermann Lütgens, Georg Maning, Karl Meyer, Otto Münchberg, Max Moldenhauer, Karl Pohler, Helmut Rietenbach, Heinrich Rupprecht, Reinhold Remus, Emil Sidowsky, Walter Schönfeld, Albert Stachowsky, Gottfried Weichelt.


    Wer hat mehr Informationen über diese Männer? Waren sie an Woeste Hoeve beteiligt? Was können sie darüber sagen?
    Es geht mir nur darum Information zu bekommen und neue Fakten zu bestätigen, weiteres ist nicht meine Absicht.
    Richard

    Edited 2 times, last by rschuur ().


  • Hallo Richard,


    dann fangen wir einmal an.


    Beim Herrn "Detlevsen" sollte es sich um folgende Person handeln:
    Georg Dethlefsen, geb. 3.3.1912 in Struckum Kreis Husum
    letzter Dienstgrad Hauptmann der Schutzpolizei


    April 1935 - April 1938 SS-VT bei "Germania", zuletzt SS-Untersturmführer, SS-Nr. 225.179
    April 1938 zur PV. Magdeburg als Leutnant d.Sch.
    1.5.1939 zur PV. München als Leutnant d.Sch.
    1.8.1939 Ernennung zum Oberleutnant d.Sch.
    September - Dezember 1939 Pol.Batl. 71 im Protektorat und Polen
    Januar 1940 - Juli 1941 Pol.Ausb.Batl. München bzw. Pol.Batl. 302 München + Norwegen
    Juli - August 1941 Pol.Batl. 256 in Norwegen
    September - Dezember 1941 2.Kolonialpolizei-Lehrgang Oranienburg
    Januar - April 1942 in München Führer mehrerer Lehrgänge / Reserve-Kompanien in München
    April 1942 - Juni 1943Russland-Mitte & "Besatzungstruppe in Frankreich" (II./SS-Pol.Rgt. 4, 5. + 6.Komp.)
    Juni 1943 - Januar 1944 "Bandeneinsatz im Generalgouvernement" mit II./SS-Pol. 4
    1.1.1944 zur PWS III Den Haag (bereits Hauptmann d.Sch.)
    30.3.1945 Abordnung von der PWS III Den Haag zur 35.SS-Pol.-Gren-Div. als Komp.-Chef, Meldung in Markgrafenmühle
    ab 5.5.1945 in amerik. Gefangenschaft


    Die Wiedereinstellung in den Polizeidienst wurde im Jahre 1949 von der Münchner Polizei mit der Begründung, dass es sich um einen SS-Mann handelt, abgelehnt, was letztlich 1961 gerichtlich bestätigt wurde.


    Quelle: Personalakte des D., Stadtarchiv München


    Hinweise zur Beteiligung an Kriegsverbrechen bzw. genauere Einsatzorte ergaben sich aus der PA leider nicht.
    Ich bin gerne für weitere Hinweise dazu zu haben.


    Gruß
    Marcus


    edit: kleinere Ergänzungen

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    "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

    Edited once, last by Lockenheld ().

  • Hallo Marcus


    Quote

    Original von Lockenheld
    ...
    Juli - August 1941 Pol.Batl. 256 in Norwegen
    ...


    War mir neu. 8o  8)
    Ist eventuell bekannt welche Stellung bzw. Aufgaben er dort hatte?


    Viele Grüsse Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

    Edited once, last by Policeman ().

  • Hallo Daniel,



    nein, geht nicht hervor, es ist auch nur die FPN des Bataillons und dann der Name angegeben.
    Da er beim 302er aber bereits Kp.-Chef war bestimmt gleiche Verwendung, in der Beurteilung über den Zeitraum ist auch nur von Kp.-Chef die Rede.


    edit: könnte mit einem Verweis seines Batl.-Kdrs. vom 11.7.1941 zusammenhängen, als er bei einer zuvor angekündigten Besichtigung seiner Kompanie beim Felddienst nicht anwesend war. :D :rolleyes:


    Liebe Grüße
    Marcus

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    Edited once, last by Lockenheld ().

  • Lockenheld,
    Vielen Dank fur die Informationen über Detlefsen. Es stand falsch geschrieben in der Aussage von Fricke.
    Ich versuche weiteres herauszufinden über Detlefsen und seinen Trupps.


    Ich habe auch den Lebenslauf Fricke ab 1939 notiert. Einer von euch daran interessiert?

  • Quote

    Original von rschuur


    Ich versuche weiteres herauszufinden über Detlefsen und seinen Trupps.


    Ich habe auch den Lebenslauf Fricke ab 1939 notiert. Einer von euch daran interessiert?


    Hallo Richard,


    natürlich sind wir immer an allem interessiert um unser marginales Wissen zur Polizei und SS zu erweitern. ;)


    Gruß aus München
    Marcus

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  • Hallo Richard und alle


    Vielleicht überflüssig folgende Informationen:


    Redecker = Hauptmann der Schupo friedrich redecker
    Werner Hahn= Hautpmann der Schupo, was zuvor Zugfüher, später Kpchef an der PWSIII


    Kupczyk,Edmund= Hauptman der Schupo, NAchrichtenoffizier und Kpchef an der PWSIIII


    Rietenbach= Oberleutnant der Schupo, Adjudant der PWSIII


    Lopenz, Hauptmann der Schupo, Ia der PWS III


    Munchberg, Hauptmann der Schupo, Kraftfahroffizier der PWSIII


    beste grüsse


    Nico

    Suche alles zu der 34.SS-Freiwilligen-Grenadier-Division "Landstorm Nederland" und Einheiten des Befehlshaber der Waffen-SS in den Niederlande

  • Hallo,


    als Ergänzung.


    Friedrich Redeker
    23.07.1910 geboren
    verheiratet, 1 Kind
    10.09.1940 befördert zum Obltn. d.SchP.


    Werner Hahn
    SS-Nr. 354 131
    18.11.1915 geboren
    ledig
    01.11.1938 Eintritt in d. NSDAP, Mitgliedsnr. 7039565
    09.11.1941 befördert zum Obltn. d.SchP.


    Edmund Kupczyk (PV Frankfurt a. M.)
    15.02.1942 anlläßlich des Julfestes 1941 zum Obltn. d.SchP. ernannt, laut Personalnachrichten in "Die Deutsche Polizei"
    15.03.1944 Obltn. d.SchP. u. Chef der Polizei-Nachrichten-Kompanie 211


    Rietenbach
    Hptm. d.SchP. und Adjutant im Stab des SS-Polizei-Regiment Nordwest 3


    Oskar Lopenz
    05.10.1896 geboren
    verheiratet, 1 Kind
    09.11.1940 befördert zum Hptm. d.SchP.


    Munchberg, eventuell Münchberg ?(


    Grüsse Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Ergänzung über Wilhelm Fricke:


    1 Sep 39-März 1940: Schutzpolizei, Gruppenkom. West-Wien.
    März 40-Juni 40: Kompagnie Chef Polizei Bataillon Wien.
    Juli 40-Sep 40: Bataillonführer Polizei Ausbildungsbat. Innsbruck.
    Okt 40-Dez 40: Kommandant Polizei Ausbildungsbat. Innsbruck.
    Dez 40-Mai 41: Kommandant Batallion Polizei Schützen Regiment 1, Hohenstadt Märisch-Ostrau und Ede.
    Mai 41-Dez 41: Kommandant 1. Bataillon Polizei Schützen Regiment 3 (SS Pol. Division) Paris, ab 26. Juni Fronteinsatz Litauen, Letland, Russland.
    Dez 41- März 43: Kommandant Ersatz SS Polizei Schützen Regiment 1 Ede.
    März 43-Juli 43: Kommandant II. Polizei Ausbildungs Bataillon Bergzabern-Pfalz.
    Juli 43-Nov 43: Lehrgangsleiter Regiment und Bataillon Kommandeur Lehrgänge bei Polizei Waffenschule I in Dresden-Hellerau.
    Dez 43-Mai 45: Kommandant Polizei Waffenschule III Den Haag, später Epe/Oldebroek, Zwolle und Apeldoorn.

    Edited once, last by rschuur ().