Reserve-Polizei-Bataillon 91

  • Guten Tag!


    Ich eröffne mal einen neuen Thread zum (Reserve-) Polizei-Bataillon 91, damit der Thread zum --> Schutzmannschaftsbataillon 206 inhaltlich nicht zu sehr abdriftet.


    User frankpol hatte zu diesem Bataillon schon einige Angaben im besagten anderen Thread bereitgestellt, die ich hier gerne als erstes zitiere:



    Dann bin ich noch auf diese Webseite über die Ordnungspolizei mit einer Informationsseite über das Bataillon 91 gestossen.



    Viele Grüße
    Armin

  • Hallo Armin,


    was willst Du denn eigentlich wissen... ?(


    Hier ein Auszug aus m e i n e n Unterlagen...insgesamt etwa 32 Seiten...


    Herzliche Grüße Roland


    Pol.Btl 91 FPNr. 33 747 +/ 13 683
    (Kassel, laut Tessin), Heimatstandort Offenbach, 1.Kompanie Kassel (s.a. Klemp, Nicht ermittelt, S. 428), 1939 Polen, Einsatz als Pol.Btl IV/6, Polizeigruppe 6; Stab FPNr. 33747, Kompanien hatten eigene FPNr. Oktober 1939 bis Januar/Februar 1940 Lublin, Juli 1940 Narvik (s.a. Tessin, Kannapin, Fronteinsatz, S. 632) Oktober 1940 Polen, Bialystock (? Klemp, S. 428, s. u. ) Juli 1941 Russland-Mitte (Tessin), neue FPNr. 13683. Ende Mai 1942 Russland-Mitte, Brjansk, Nowosybkow, Juli 1942 Chotimsk, Russland-Mitte, wird I./PolRgt 8 (s.d.)


    00.00.1939
    Aufstellung des Pol.Btl 91 in Offenbach/Main in Hessen.
    (Stefan Klemp, Nicht ermittelt, Klartext-Verlag Essen, Jan.2005, S. 206-214, 428)
    Anscheinend ist nicht ganz klar, wo die Aufstellung des späteren Polizeibataillons 91 erfolgte. Einerseits heißt es, dass das spätere Reserve-Polizeibataillon 91 in Offenbach aufgestellt wurde, dann ist die Rede vom Raum Frankfurt/ Kassel, „die Zusammenstelung der in Russland-Mitte eingesetzten Polizeibataillone (Curilla, Polen, S. 539, Anm. 1, in BAL B 162/5706ff) nennt als Aufstellungsorte
    für die 1.Kompanie Kassel,
    für die 2.Kompanie Frankfurt und
    für die 3.Kompanie Weimar.


    Günther Doebel, am 12.9.1905 in Königsberg, als Journalist bei der „Kasseler Post“, verheiratet mit zwei Söhnen und einer Tochter, wird mit fast 34 Jahren zur Polizei-Reserve eingezogen. Er war Angehöriger der 1.Kompanie und führte ein Tagebuch, aus dem im Folgenden zitiert werden soll. „Sonnabend 26.August 39 Einberufung. Einrücken 4.30 – 5.30 nachts. 83er Kaserne Hohemzollernstraße. 66 Mann Hipo (Hilfspolizei – Reserve). 22 Mann aktive Polizei
    Ausrüstung vormittags bei großer Hitze. Nachmittags Fahrt mit 25 Autos zum Tanken.
    Rundfunknachrichten werden in der Kantine abgehört, die politische Lage besprochen.
    2.30 – 6.00 Uhr Nachtruhe in der Kaserne. Wird es nach Mainz gehen oder weiter?“
    (Peter Doebel, „So etwas wie Weltuntergang, Günther Doebel – Kriegstagebücher 1939 – 1945, herausgegeben und kommentiert von Peter Doebel, C.P. Verlag, Mainz, 2005, S.13, 283, 14)


    Eine weitere, vierte Kompanie älterer Polizeireservisten, die aus Saarbrücken kam, gliederte man kurz nach dem Angriff auf Polen in das Res.Pol.Btl. 91 ein. (Curilla, Polen, S. 539)


    27.08.1939
    KTB Günter Doebel: „Sonntag, 27.August 39 Tannenbergfeier heute abgesagt. Nürnberger Parteitag 2.-12.September abgesagt.
    Vormittags Luchen mit den Kindern in der Kaserne. 15 – 17 Uhr Urlaub. Zu Hause Kaffee getrunken. 21 Uhr Luchen in der Kaserne.
    Heue haben wir erfahren, dass wir zunächst eine Aufgabe (Räumung?) haben werden, dann Verkehrsregelung. Ab heute für Zivilbevölkerung Lebensmittelmarken.“ (S. 15, Luchen war Doebels Frau)


    28.08.1939
    KTB Günter Doebel: „Montag, 28.August 39 8.00 – 9.00 Pistolen-Zerlegen. Anschließend Verkehrsregelungs- und Exerzierübungen auf dem Hof.
    12 Uhr Befehlsausgabe. Nachmittags Gymnastik auf dem Kasernenhof. Luchen mit den Kindern besuchen mich. Mit Gaede und Frau in der Kantine.“ (S. 15) Fritz Gaede war ein Feund und Kollege von der „Kasseler Post“, er wurde zur selben Kompanie der Schutzpolizei-Reserve eingezogen. Gaede überlebte den Krieg nicht (S. 16 oben)


    29.08.1939
    KTB Günter Doebel: „Dienstag, 29.August 39 vormittags Dienst auf dem Kasernenhof. Mittags: Generalmajor Meißner (Frankfurt) spricht zu der Hundertschaft. 14.30 – 17.30 Uhr Urlaub. Luchen und die Kinder begleiten mich in die Kaserne“. (S. 16) August Edler von Meyszner war zu diesem Zeitpunkt Inspekteur der Ordnungspolizei im WK IX Kassel.


    31.08.1939
    KTB Günter Doebel: „Donnerstag, 31.August 39 Vormittags scharfer Dienst mit Gewehr. 15 bis 18 Uhr zu Hause. Luchen 21 Uhr in der Kaserne.
    Dabei 21 Uhr Sondermeldung im Rundfunk: Die Vereinbarungsgrundlage. Aber Polen stellt keinen Unterhändler mehr.
    Nachts rücken wir aus. (Hervorhebung im Original) Rucksäcke packen, im Wagen verstauen. Es ist schwül. Ein Gewitter zieht herauf.“ (S. 16)


    01.09.1939
    KTB Günter Doebel: „Freitag, 1.September 39 1.30 Uhr nachts: Aufbruch in 26 Kraftwagen aus der Kaserne. Über Autobahn nach Gießen. Dann Wetzlar, Weilburg, Limburg.
    Unterwegs Radioübertragung in einem Autoempfänger: Danzig ist zurückgekehrt!
    10 Uhr: Der Reichstag tagt. Wir hören den Führer.
    11.30 Uhr Empfang in der Gendarmerie-Ausbildungskaserne Bad Ems. Hier Essen, warten auf Marschbefehl.
    19 – 21 Uhr Posten. Verdunkelung im ganzen Reich. Nacht auf Strohlager“. (S. 16 unten – S. 17 oben)


    02.09.1939
    KTB Günter Doebel: „Sonnabend, 2.September 39 7 Uhr Rheinüberquerung Koblenz bei Nebel. Aufenthalt in Birkenfeld/Nahe. Flüchtlinge in Lastkraftwagen und zu Fuß passieren die Stadt. Staub und Hitze. (S. 17)


    03.09.1939
    KTB Günter Doebel: „Sonntag, 3.September 39 Schnupfen. Telefonposten alle 5 Stunden. Heute Kriegserklärung Englands und Frankreichs. Hauptmann Faust spricht in Primstal zu uns. Es wird Ernst!
    Strom der Rückwanderer bis in die Nacht hinein, bei Regen und völliger Dunkelheit. Beim Bürgermeister Frau mit acht Kindern. Mann nicht zu finden. Die Bevölkerung ist trotz des Ernstes der Lage vielfach unbeschwert.“ (S. 17) Da als Kompaniechef der Hauptmann d.Sch. Faust, der Chef der 1.kp. Pol.Btl. 91, genant wird, scheint Doebel bei der 1.Kp. gewesen zu sein!


    04.09.1939
    KTB Günter Doebel: „ Montag, 4.September 39 nachts 1 Uhr ungeheurer Andrang der Rückwanderer von allen Seiten. Umgestürzte Wagen, gestürzte Pferde. Verkehrsregelung Militärtransporte. 99jährige Frau. Viele Kranke dabei. Das Vieh ist in den letzten Scheunen untergebracht. Dazu starker Gewitterregen, die Rückwanderer völlig durchnässt. Verpflegung holen wir uns von der NSV- Feldküche.“ (S. 18) Verpflegung für die Polizei durch die Volkswohlfahrt?


    06.09.1939
    KTB Günter Doebel: „ Mittwoch, 6.September 39 Wir erfahren, dass in den letzten Tagen feindliche Flieger über uns gewesen sind. Wir hatten sie gehört, aber sie für deutsche gehalten. Flugblätter wurden abgeworfen.
    Auf der Rückstraße 5 hat es Verkehrsunfälle gegeben. Drei Polizeibeamte tot.
    Dallwig hat heute Geburtstag. 40 Flaschen Bier werden für 8 Mann besorgt. Fröhliche Runde in unserer Stube. Hauptwachtmeister Siebert angeheitert.“ (S. 18)


    08.09.1939
    KTB Günter Doebel: „Freitag, 8.September 39 An der Grenze soll geschossen worden sein. Ein Offizier wird vermisst, ein Mann gefallen. Wir fahren bis Haustadt, Kreis Merzig/Saar, 11 km von der französischen Grenze. Der Ort ist geräumt und vom Militär belegt. Schweine und Ziegen werden auf Lkw verladen und ins Landesinnere gefahren.
    Wir sperren zwei Straßen zur Grenze. In der Nähe des Ortes Westwall-Bunker, Scheunen und Panzersperren. Hochsommerliche Hitze! Fliegen und nochmals Fliegen!
    Auch Flieger sind der Luft zu hören, aber nicht zu sehen. Wir liegen in einer ehemaligen Krankenstube der Westwallarbeiter in richtigen Betten. Auch Rundfunk vorhanden. Maschinengewehrfeuer ist aus Richtung Grenze zu hören“. (S. 18 unten – S. 19 oben)


    09.09.1939
    KTB Günter Doebel: „Sonnabend, 9.September 39 Alle ruhig. Immer noch Sommerwetter. Nichts zu tun. Wir wissen nicht, warm wir Posten stehen müssen.
    Stille in der Landschaft. Von Haustat nur die Kirche im Tal zu sehen. Höhen bewaldet ringsum. Wer wird die Rüben aus dem saftigen Acker holen? Wenige Schritte weiter ein Bunker mit zwei Ausschussöffnungen. Flugzeuge Brummen in allergrößter Höhe. Wir hören Görings Rede im Rundfunk. Hitze und Fliegen. Einsamkeit.
    An der Grenze hat es wieder 4 Tote gegeben. 3 französische Flugzeuge wurden abgeschossen.
    18.30 Uhr kommt Obermeister Draeger: 9 Uhr am nächsten Morgen sollen wir startklar sein. 1. Zug kommt zurück nach Schwarzenbach. Wahrscheinlich dann nach Kassel, und vielleicht Ostfront.“ (S. 19)


    Weitere Angaben fehlen im Tagebuch Doebel, es heißt lediglich in der Kommentierung: „… Und so wenden die offnen, dunkelgrünen Pkw der Schutzpolizisten um 180 Grad, rollen ostwärts. … Die Polizei trägt jetzt Stahlhelme. Die Uniform wird blassgrün. Mitte September erreicht die Fahrzeugkolonne die deutsch-polnische Grenze….“ (S. 20)


    Da leider nur detaillierte Angaben zur 1.Kompanie vorliegen, ist nicht bekannt, wozu die anderen beiden bzw. drei Kompanien in der Zwischenzeit eingesetzt waren.


    Es ist bekannt, dass das Bataillon „… hinter der kämpfenden Truppe am Feldzug gegen Polen“ teilnahm. (Curilla, Polen, S. 539) Dabei gehörte es zunächst anscheinend zur Polizeigruppe 6, noch nicht zum Polizeiregiment IV.
    Dieses Regiment wurde wie die Polizeigruppe 6 nicht direkt ab dem 1.9.1939 eingesetzt, sondern erst später zusammengestellt, aus zum Teil erst ab dem 6.9.1939 alarmierten neuzusammengestellten Einheiten wie den Pol.Btl. 2, 3 und 4, die zunächst Teil der Polizeigruppe 6 waren!


    Zum ersten Mal kam das Pol.Btl 91 in Polen zum Einsatz, also als IV. Bataillon in der Polizeigruppe 6.


    11.09.1939
    Zum Pol.Rgt. IV heißt es: „Der Regimentsstab lag am 11. oder 12.9.1939 in Breslau“. (Curilla, Polen, S. 539) Dorthin kam anscheinend auch das Pol.Btl. 91 – noch als IV/6 bezeichnet, aber erst am 13. oder 14.9.1939, wie für die 1.Kompanie bekannt ist.


    13.09.1939 Mittwoch
    KTB Günter Doebel: „ 13.September 39 Verdunkelung der Fahrzeuge durchgeführt. Flieger begleiten uns auf der Autobahn nach Breslau“ – anscheinend zum Schutz gegen feindliche Tiefflieger (? S. 20)


    15.09.1939 Freitag
    KTB Günter Doebel: „Wir haben, wie in der vergangenen Nacht, nur vier Stunden schlafen können, und zwar in der Schupokaserne Breslau. Zuvor nehme ich mit Glock die 40 betankten Fahrzeuge ab.
    3.30 Uhr Wecken, 4.10 Uhr Kaffeeausgabe. 4.30 Uhr Befehlsausgabe Hauptmann Faust. 8 Mann sichern Lkw mit Karabinern. 4 Mann werden zum Aufklappen bestimmt. Letzte Bank hinten MG-Schützen. In den Omnibussen an den Türen Gewehrschutz.
    Verhalten bei Fliegerangriff: Deckung nehmen. Feuerbefehl von den Zugführern. Signal bei Fliegeralarm: Lang anhaltende Hupensignale. Gasmasken umhängen! Stahlhelm griffbereit.
    8.17 Uhr Grenze überschritten…..“ (S. 20) Am 15.September 1939 erreicht das Bataillon noch Petrikau.


    Der Weg des Bataillons führte von Breslau über Oels, Wartenberg, Ostrowo, Kalisch, Schieratz oder Lodz nach Petrikau und weiter nach Rawa, Sochaczew sowie Radziejowice. (Curilla, Polen, S. 539, Anm. 4 Aussage F.F., s.a. Bl. 128 Aussage H.H. in BAL B 162/4852ff)


    16.September 1939 Samstag
    KTB Günter Doebel: „ Sonnabend, 16.September 39 7.30 Uhr: Hauptmann Faust spricht zur Lage. Aufgabe: wenn Warschau gefallen ist, in der Stadt zu säubern. Dazu Exerzierübungen und Gewehrexerzieren notwenig. Keine leichte Aufgabe. Ganze Kerle erforderlich….
    Major Bögelsack spricht zum Bataillon. Seine Aufstellung ging so schnell, dass zur Ansprache bisher keine Zeit war. Die älteren Kameraden mögen den Jüngeren vorangehen.
    Aufgabe sei schwer. Es komme darauf an, dass Deutschland siegt und der Wille des Führers erfüllt wird. „Unbequemlichkeiten müssen in Kauf genommen werden. Was an mir liegt, soll geschehen, um für das Bataillon zu sorgen“.
    Kirche voller gefangener polnischer Soldaten. Volksdeutsche in polnischer Uniform auf freiem Fuß. Sie sollten nach Warschau, haben aber gehofft, dass die Deutschen kommen.
    Abends werden zur Bewachung der Gefangenen – hauptsächlich Juden – Posten aufgestellt. …“ (S. 21)


    Am 16.9.1939 bewachte das Bataillon gefangene polnische Soldaten, hauptsächlich Juden. (Curilla, Polen, S. 539, Anm. 5 nach Günter Doebel, „So etwas wie Weltuntergang“, S. 21)


    17.09.1939 Sonntag
    KTB Günter Doebel: „ Sonntag, 17.September 39 abends drei Lagerfeuer im Gefangenenlager. Die Gefangenen singen und tanzen.“ (S. 22 oben)


    18.09.1939 Montag
    KTB Günter Doebel: „ Montag, 18.September 39 8.30 Uhr lässt Hauptmann Faust Gefangene antreten, um den Verpflegungszustand festzustellen. Gefangene werden abtransportiert“. Das Polizeibataillon übernimmt die Ortskommandantur, Doebel begleitet 21 polnische Offiziere zum Sammelplatz in der Kirche, dann zur Verladung mit 2 500 anderen Gefangenen. Noch herrscht hinter der Front Improvisation. (S. 22)


    19.09.1939
    KTB Günter Doebel: „ Dienstag 19.September 39 17 Uhr hören wir die Führerrede. Transport von etwa 30 gefangenen polnischen Offizieren in die Kirche zur Übernachtung. 30 Meter weiter war Soldat überfallen und niedergeschlagen worden. Schwere Gehirnerschütterung. 10 Juden als tatverdächtig festgenommen“. (S. 22, s.a. Curilla, Polen, S. 539


    21.09.1939
    KTB Günter Doebel: „ Donnerstag, 21.September 39 Ein Maschinengewehrturm wird gebaut. Heute sind 20 000 Gefangene in unserem Lager. Die Verpflegung ist nicht einfach. 15 Kochkessel sind eingetroffen. Kochstellen werden eingerichtet. Anton und Emil werden die Kessel einbauen und Maurer aus den Gefangenen hinzuziehen“. (S. 22)


    22.09.1939
    KTB Günter Doebel: „ Freitag, 22.September 39 Kompanieküche kommt auf unseren Hof. Beim Strohholen mit 45 Gefangenen höre ich um 17.30 Uhr Kanonendonner“. (S. 23 oben)


    23.09.1939
    Erst am 23.9.1939 erfolgte die Zuteilung des Bataillons IV/6 als IV. Bataillon zum neu aufgestellten Pol.Rgt 4. Kommandeur war zu diesem Zeitpunkt Major d.Sch. Bödelsack (richtig Bögelsack)


    KTB Günter Doebel: „Sonnabend, 23.September 39 Vormittags kehrt Panzerbataillon von Landesschützen in die Heimat zurück. Ein Landesschütze hat beim Gewehrladen polnisches Mädchen erschossen. Abends hören wir: Der Krieg in Polen ist beendet“. (S. 23)


    24.09.1939
    KTB Günter Doebel: „ Sonntag, 24.September 39 Mit polnischer Frau Hobel zum Klosettbau geholt. Mit krankem Gefangenen, der Blut spuckt, ins polnische Lazarett, ebenso mit einem angeschossenen Gefangenen“. (S. 23)


    25.09.1939
    KTB Günter Doebel: „ Montag, 25.September 39 Es wird kalt. Viele Erkältungen und Darmerkrankungen in der Hundertschaft.
    Immer noch fahren Panzerkolonnen durch Rawa heimwärts. Mit dem Bau der Baracken im Gefangenenlager wird begonnen.
    Die Offiziere bekommen 12 – 15 RM täglich, die Wachtmeister 2,40 RM. Die einen wollen „Heim ins Reich“, die anderen “Reich ins Heim“.
    Eine zweite Kuh ist zur Verpflegung der Gefangenen gekauft worden. Abends bringt die Wehrmacht einen polnischen Brandstifter, der eine Tür angesengt hat. Er kommt in den Kartoffelkeller und soll erschossen werden, entweicht aber in der Nacht“. (S. 23)
    Auch hier wird das Bataillon vorerst nicht mehr gebraucht, zieht weiter in Richtung Warschau. Auf dem Weg dorthin erfahren die Schutzpolizisten, Warschau werde sich am 26.September um 13 Uhr ergeben, das Feuer sei eingestellt. (S. 23 unten – S. 24 oben)
    Abends die Meldung von der Kapitulation Warschaus. Der Sieg ist vollkommen. Jetzt beginnt das Säubern. (S. 24)
    ...

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo,


    am 2. Oktober 1940 fand bei Sababurg/Hofgeismar eine Geländeübung der 4. Hundertschaft der Pol.-Res.-Abtl. und des M.G.-Zug 4/91 statt.


    Beste Grüsse
    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

    Edited once, last by Policeman ().

  • Guten Tag,


    ich bin neu in diesem Forum, da ich Informationen über meinen Opa suche. Ich habe von meiner Tante die folgenden Informationen erhalten:


    Friedrich Paul Hans CARL

    geboren am 21.11.1904

    gefallen am 03. oder 06.10.1943 in Minsk


    er gehörte dem Reserve Polizeibataillon 91 an

    Feldpostnummer 58425A


    Das sind derzeit alle Informationen, die mir vorliegen.


    Ich hoffe, soviel wie möglich über meinen Opa zu erfahren. Ich habe auch schon versucht an das Buch "so etwas wie Weltuntergang" zu kommen, jedoch derzeit nicht verfügbar. Viellicht hat hier auf diesem Forum jemand die Möglichkeit mir weiterhelfen zu können.


    Vielen vielen Dank schon mal im voraus.


    Viele Grüße

    Katja

  • Guten Tag ans Forum und an die Anfragende,


    in meinen Unterlagen zum (Reserve-)Polizei-Bataillon wird als Offizier ein Oberleutnant Friedrich CARL genannt.

    Ich gehe mal davon aus, dass es sich um Ihren Großvater handelt.

    Falls noch nicht geschehen, bitte eine Personenanfrage an die Deutsche Dienststelle stellen, die mittlerweile dem Bundesarchiv

    angeschlossen wurde. Hier der Link: https://www.dd-wast.de/de/startseite.html


    Ich gehe davon aus, dass sich unsere Polizeispezialisten noch zu Ihrer Anfrage zu Wort melden werden.


    Zum Polizei-Bataillon 91 (ab Juli 1942: I. Bataillon / Polizei-Regiment ) empfehle ich als allgemeine Informationsquelle: Michaelis, Rolf: Der Einsatz der Ordnungspolizei 1939-1945. Polizei Batillone - SS-Polizei-Regimenter. Berlin 2008.

    Zur Beteiligung des PB 91 am Holocaust/an Kriegsverbrechen lautet meine Empfehlung: Klemp,Stefan: Nicht ermittelt. Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz-Ein Handbuch. Essen 2005.


    Die von Ihnen genannte Feldpostnummer 58425A konnte ich dem PB 91 nicht zuordnen.

    Diese Feldpostnummer war der Schutzmannschafts-Artillerie-Abteilung 56. Der Buchstabe A könnte dem Stab dieser Abteilung zugeordnet gewesen sein.

    Möglicherweise war Ihr Opa als deutscher Polizeioffizie zur dieser Einheit (Einheimische Hilfspolizei in Osteuropa)abgeordnet gewesen.



    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Grüß Gott Katja,


    herzlich willkommen hier im Forum der Wehrmacht !


    Im Anhang die FPN 58425, das A steht für Stab !

    diese galt nur bis März 1944

    Hier etwas zur Schuma Art Abt 56,

    https://www.axishistory.com/bo…hutzmannschaft-bataillone


    Falls dein Opa Offizier war, wie Peter oben vermutet, könnte es beim Bundesarchiv/Militärarchiv in Freiburg Unterlagen über Ihn geben,

    https://www.bundesarchiv.de/DE…und-kontakt-freiburg.html


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Vielen herzlichen Dank für die beiden Antworten, die mir auf jeden Fall schon mal Hoffnung machen.....ich werde heute noch eine Anfrage an das Bundesarchiv senden und mich morgen morgen bei der Staatsbibliothek melden.


    Herzliche Grüße

    Katja (aus Hamburg)


    Ich freue mich schon mehr zu hören und zu erfahren - über jede Info bin ich sehr dankbar!

  • Hallo Eumex,


    vielen lieben Dank - meine Tante sagte mir gerade eben, daß mein Opa wohl nachdem er gefallen war, rückwirkend zum Major ernannt wurde. Sie sucht gerade auch alle ihr vorliegenden Informationen nich zusammen. Sollte ich noch mehr an Info's bekommen, dann stelle ich die Daten hier nich ergänzend ein.


    Herzliche Grüße in schöne Bayern....

    Katja

  • Hallo Katja,


    im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde liegen Unterlagen zu Deinem Großvater.


    Archivsignatur: R 9361-II/494538

    Carl, Friedrich
    Bestandsbezeichnung: Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der NSDAP / Parteikorrespondenz
    Geburtsdatum: 21.11.1906
    Unterlagenart: Sachakte
    Alte Signatur: VBS 1 / 1050060501


    hier der Volksbund Eintrag wenn er das ist.


    https://www.volksbund.de/graeb…55e658b6b851b84d44abbfe72

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Hallo Dirk,


    herzlichen Dank für Deine Mühe.....ich bin wirklich über alle Informationen so dankbar. Ich werde mich auf jeden Fall mit diesen Angaben an das Bundesarchiv wenden.


    Beste Grüße aus Hamburg

    Katja


    P.S. Mein Vater (79) und meine Tante (77), die schon immer etwas über Ihren Vater erfahren wollten werden sehr dankbar sein. Für mich war dieses Thema auch schon immer interessant, da nun mein Sohn (14) immer mehr anfängt Fragen über unsere Familie im Bezug auf den 2. Weltkrieg zu stellen, ist es für mich umso wichtiger, dieses Teil unserer Vergangenheit zu wissen!

  • Hallo Katja,


    da dein Großvater scheinbar in der 1. Kompanie tätig war, könnte ich möglicherweise weiterhelfen.


    Hast du von deinem Großvater Friedrich CARL ein Foto vorliegen, zwecks Gesichtsabgleich?
    Denn ich besitze ein Fotoalbum aus dem Bereich der 1./Res.-Pol.-Batl. 91.


    Hier noch weitere biografische Eckdaten zu deinem Großvater.


    CARL, Friedrich (PV Erfurt)

    21.11.1906 geboren

    verheiratet, 3 Kinder, kein SS- und NSDAP-Mitglied (Stand 01.12.1941)

    01.09.1939 im Range eines Oberleutnant d.SchP. eingestellt bei der Polizeiverwaltung Erfurt

    01.04.1942 laut Personalnachrichten in der Propagandazeitschrift "Die Deutsche Polizei" zum Hauptmann d.SchP. ernannt


    Beste Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo Katja,


    Dein Großvater wohnte laut dem Adressbuch Erfurt:


    (wahrscheinlich)

    Jahr des Wohnortes: 1939-1940
    Adresse: Junkersand 7
    Wohnort: Erfurt, Deutschland
    Beruf: Oberleutnant


    (sehr wahrscheinlich)

    Jahr des Wohnortes: 1941-1942

    Adresse: Schmidtstedter, Straße 30a III
    Wohnort: Erfurt
    Beruf: Oberleutnant der Schutzpoldzei

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Hallo Dirk,


    das klingt ja toll.....würde passen, mein Vater wurde 1940 in Erfurt geboren.


    Lieben Dank für diese Information, ich habe auch eine Anfrage beim Bundesarchiv und dem Militärchiv gestellt. Ich bin schon sehr gespannt, was ich alles erfahren werde.


    Vielen lieben Dank

    Katja

  • Hallo Daniel,


    lieben Dank für die tollen Neuigkeiten, ich habe ein Foto von meinem Großvater, in jungen Jahren (lt. Aussage meiner Tante).

    Ich bin immer wieder begeistert, wo diese ganzen Informationen von Euch herkommen.

    Friedrich Carl.jpg

    Lieben Dank,

    Katja

  • Grüß Gott Katja,


    das Bild zeigt deinen Großvater als Oberleutnant.

    Aoßerdem zu erkennen, die Adjutantenschnur,sowie als Bandschnalle über der Brusttasche

    links und in der Mitte jeweils Dienstauszeichnungen, ev jew, für 4 Jahre

    rechts ,die Medaille zur Erinnerung an den 01.Oktober 1938/Sudetenlandmedaille und der Prager Burg


    http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Orden/Adjut.Schnr..htm


    https://www.ehrenzeichen-orden…eer-und-kriegsmarine.html


    https://www.ehrenzeichen-orden…tenland-medaille-1938.htm


    https://www.ehrenzeichen-orden…sudetenland-medaille.html


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo Eumex,


    vielen lieben Dank - ich bin über Euer Wissen begeistert und über die Hilfe wirklich sehr dankbar.


    Liebe Grüße aus dem Norden in das schöne Bayern,

    Katja

  • Hallo Katja,


    die folgenden zwei Aufnahmen zeigen die Verabschiedung des Res.Pol.Batl. 91 (z.b.V.) in Kassel am 17.10.1941.

    Ich bin mir aber nicht 100% sicher, ob die beiden Fotos deinen Großvater, Friedrich Carl, zeigen. Wie ist deine Meinung?


    1.JPG 2.JPG


    Auf den Fotos sind des weiteren der KdSch Kassel, Oberstleutnant d.Sch. Wilhelm von THADEN und Bataillons-Kommandeur, Hauptmann d.Sch. Peter FAUST.

    Liebe Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.