Kommando Hedderich und Operation Niwi

  • Hallo,


    Zwei wichtige Luftlandeunternehmen, welche im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind.


    Die 34. Infanterie-Division bildete im Westfeldzug das Luftlandekommando Hedderich. Oberleutnant Hedderich befehligt 125 Freiwillige. Das Kommando untersteht dem AOK 16 direkt. Abgesetzt wird im Raum Longwy.


    Die erste Abteilung vor 5:00Uhr in 25 bereitgehaltene "Fieseler Störche". Die Maschinen setzen die Männer an den Monate vorher bestimmten Straßenkreuzungen ab. Das Kommando hatte den Auftrag, diese Kreuzungen zu sperren, eventuell auftauchenden Feind abzuwehren und die Straßen für die im Landmarsch anrollenden Vorausabteilungen freizuhalten.


    Die erste Gruppe landet bei Bochmit 50 Meter neben der Straße, auf der sich gerade eine Wagenkolonne nach Süden bewegt. Die Soldaten springen aus den Flugzeugen und jagen auf den Pkw zu. Der Fahrer desselben, es ist Erbgroßherzog Jean, kann gerade noch wenden und auf einem Nebenweg entkommen. Nur fünf Minuten haben gefehlt, dann wäre der luxemburgische Thronfolger in Gefangenschaft geraten.


    Oberleutnant Hedderich geht mit seiner Gruppe am Fuße des Zolverknapps nieder. Die Männer sägen Bäume um und legen diese quer über die Straße. Herankommende und protestierende Gendarmen werden freundlich und bestimmt abgewiesen. Die dritte Gruppe unter Leutnant Oswald setzt mitten im Sumpf bei Foetz auf. Die Maschinen gehen dabei zu Bruch. Der Leutnant bleibt mit seinen 9 Soldaten allein. Er lässt die Straßen sperren fährt mit einem requirierten Pkw nach Esch und stellt dort französische Panzerkräfte fest. Es ist die erste Begegnung deutscher Soldaten mit Alliierten Panzertruppen. Glücklicherweise hatte Oswald gerade Verstärkung erhalten! Hauptmann Brede ist mit seiner 1./MG-Btl 3 heran und bezieht gleich Stellung in Lallingen, einem Ortsteil von Esch. Es ist jetzt 8:00Uhr.


    Die Spitzengruppe des 3. Pz.-Spähwagenregiments der 13. franz. mot. Brigade unter Leutnant Rouzee fährt von Süden her in Esch ein. Ca. Zehn Minuten später zerreißt eine von Oswalds Soldaten gelegte Mine den ersten feindlichen Panzer.


    Nun knallen die MG- und Karabinerschüsse von allen Seiten. Die Franzosen stutzen, ziehen sich zurück und warten auf Verstärkung. Bald sind ihre Schützen da! Es kommt zu Straßenkämpfen. Ein Zug Schützen vom 2. Dragoner-Regiment unter Leutnant Weber stößt auf die Sperre von Bredes Kradschützen. Ein anderer Zug, von Leutnant Thirion geführt, gerät am Ausgang nach Schifflingen in deutsches Feuer. Ein Zug deutsche Panzerjäger prescht über die Brücke von Depbech, protzt ab und nimmt die anrollenden franz. Panzer unter Feuer. Die Franzosen versuchen die unterlegenen deutschen Kräfte zu umzingeln, doch immer wieder holen sie sich eine Abfuhr. Das Gefecht dauert noch den ganzen Tag.


    Als es Abend wird, haben 90 deutsche Soldaten die gesamte 13. mot. Brigade der Franzosen aufgehalten. Die Franzosen ziehen sich in der Nacht zurück.


    Die beiden letzten Gruppen des Kommandos landen südlich Bettemburg und bei Friesingen. Die erste Gruppe wird von dem Kommandanten des Gendarmeriebezirks Esch, Oberleutnant Steffen, zur Rückkehr aufgefordert, worauf die Soldaten allerdings gar nicht eingingen, sondern befehlsgemäß ihre Sperren bauten. Sie harrten dann aus, bis ein Zug des MG-Bataillon 3 eintraf.


    Der fünften Gruppe unter Leutnant Lauer ist das Soldatenglück nicht hold. Es gelingt zwar das Zollhaus von Friesingen zu besetzen. Bald darauf aber sind die ersten franz. Kradschützen und Panzer da. Die Gruppe, auf sich allein gestellt, kämpft bis zur letzten Patrone. Leutnant Lauer und drei seiner Männer sind gefallen, die restlichen in Gefangenschaft geraten.


    1. Gruppe = ???
    2. Gruppe = Oberleutnant Hedderich
    3. Gruppe = Leutnant Oswald
    4. Gruppe = ???
    5. Gruppe = Leutnant Lauer


    Ein Zweites Luftlandekommando unter dem Namen "Operation Niwi" spielt sich am 10.Mai an der belgisch-luxemburgischen Grenze ab.


    Der Name Niwi leitet sich von den beiden belgischen Orten Nives und Witry ab, bei denen gelandet werden soll.


    Halder notierte am 26.2.1940 in sein Tagebuch:


    "350-400 Mann, in zwei Gruppen aufgeteilt, liegen in Crailsheim. Sie werden am Tage A-1 nach Bitburg geflogen. Ihr Auftrag lautet, den Weg für das XIX. AK. westlich Martelingen zu bahnen."


    Das III. Bataillon des Infanterie-Regiments "Großdeutschland" wird zu diesem Unternehmen befohlen. Sein Kommandeur, Oberstleutnant Garski, erhält folgenden Befehl:


    "Nachrichten und Meldeverbindungen auf den Straßen Neufchateau - Bastogne und Neufchateau - Martelingen unterbinden. Anmarsch von Reserven aus Neufchateau verhindern. Durch rückwärtigen Druck auf die Bunkerlinie die Wegnahme der Bunker erleichtern."


    Das Bataillon ist am Vorabend zum Flugplatz Bitburg – Deckendorf geflogen. Am Morgen des entscheidenden Tages starten 5:00Uhr früh 98 „Fieseler Störche“, um die Männer zu ihren Einsatzorten hinter der belgischen Grenze zu bringen.


    Es wurden zwei Gruppen gebildet:


    Gruppe Witry = Oberstleutnant Garsky
    Gruppe Nives = Hauptmann Krüger


    Jede der Gruppen besteht aus einer Kompanie Infanterie, einer schweren MG-Gruppe und einer Gruppe Pioniere.


    Die Gruppe Witry landet wie vorgesehen auf dem Wiesengelände zwischen Witry und Traimont. Oberstleutnant Garsky versucht seine Gruppen und Züge zu sammeln. Da die "Störche" ziemlich weit voneinander niedergegangen sind, vergeht kostbare Zeit, welche dem Gegner in die Hände fällt.


    Die Landung der zweiten Gruppe steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Der Pilot des Führungsflugzeuges verliert die Orientierung und setzt seinen "Storch" anstatt bei Nives auf ein Feld 14 km südlich davon auf. Die übrigen Flugzeuge folgen und setzten in einem weiten Umkreis von rund 3 km auf. Als der Hauptmann Krüger diesen Irrtum erkennt, bemüht er sich, seine Kompanie zusammenzufassen. Damit kann der erste Auftrag, der sofortige Durchstoß nach Bodange, nicht durchgeführt werden.


    Hauptmann Krüger rückt mit seiner Kompanie nach Westen. Er besetzt das kleine Dorf Leglise und gewinnt hier die Straße nach Norden in Richtung Traimont. Die 7. und 10. Kompanie der belgischen Ardennenjäger-Division greifen unverständlicherweise nicht an, obwohl sie genau deren Bewegungen beobachten können. Damit ist es Krüger möglich schon gegen 9:00Uhr Traimont zu erreichen, das soeben von den Soldaten Garskis gegen harten Wiederstand einiger beherzter Belgier genommen wurde.


    Der Bataillonskommandeur gibt den Befehl zum Stoß nach Osten. Es gilt, in den Rücken der Bunkerfront von Bodange zu gelangen. Die Belgier sind jetzt aufmerksam geworden und wenden sich mit schnell herbeigerufenen Verbänden gegen das III./IR GD. Sie verteidigen Witry ziemlich hartnäckig und räumen erst gegen 14:00Uhr den Ort.


    Die Belgier geraten jetzt allerdings in eine Zange, da von Osten her die Vorausabteilung der 1. Panzer-Division erscheint. So vergehen nochmals vier Stunden, bis sich die Männer des III./IR GD, welche an diesem Tage lediglich 9 Tote, 7 Verwundete und 3 Vermisste zu beklagen haben, mit den Soldaten der 1. PD ostwärts Fauvillers vereinigen. Oberstleutnant Garski bringt 6 gefangene Offiziere und 76 Ardennenjäger mit. Er hat mit seinem Bataillon den Auftrag erfüllt.


    Ergänzungen jeglicher Art sind sehr willkommen!



    Gruß
    Tobias


    Quelle:


    - Werner Haupt, "Sieg ohne Lorbeer - Der Westfeldzug 1940"


    PS:


    Weitere Infos unter folgendem Link


    http://forum.panzer-archiv.de/…=4360&highlight=hedderich

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited once, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo Tobias Giebel,
    ich habe bei den Fotos meines Vaters eines gefunden, das auf der Rückseite beschriftet ist mit "Hedderich Oberlt". Es wurde vermutlich im Sommer 1940 in Nordfrankreich aufgenommen. Das Bild müßte folglich auch besagten Oberleutnant Hedderich zeigen, da mein Vater auch beim IR 80 war.
    Der Name Hedderich hat mir bis jetzt nichts gesagt, da ich von diesem Luftlandeunternehmen noch nie etwas gehört hatte. Oberleutnant Hedderich war demzufolge aber bestimmt so etwas wie ein Star des Regiments im Jahr 1940, weshalb wohl auch mein Vater ein Foto von ihm hatte. Jetzt kann ich das Foto natürlich besser einordnen.
    [Blocked Image: http://img146.imageshack.us/img146/7180/hedderich2ex8.th.jpg]
    [Blocked Image: http://img88.imageshack.us/img88/3678/hedderich1yc1.th.jpg]
    Gruß Feldkoch
    -----------------------
    Link fürs Foto erneuert am 28.10.07

    Edited once, last by Feldkoch ().

  • Hallo,


    ich habe bis jetzt noch kein Foto von Olt. Hedderich gesehen, kann deshalb also keine 100%ige Bestätigung geben.


    Das ist das erste Foto, danke dafür! :)


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

  • Hallo,


    "Zwei geheime, bis heute kaum benannte Luftlande-Operationen eröffnen den deutschen Angriff im Westen: das Unternehmen "Niwi" in den belgischen Ardennen und das unternehmen "Hedderich" in Luxemburg. Es sind die sowohl sonderbarsten und in ihrer Art einzigen Aktionen des Kriegs. Die skurrilen Verbindungsflugzeuge Fi 156 Storch, mit einem Piloten und zwei Soldaten an Bord, dienen dabei als Truppen-Transportmaschinen. Das Unternehmen "Niwi" soll den entscheidenden Vorstoß des Panzerkorps v. Kleist zur Maas bei Sedan einleiten. Das 3. Bataillon (oberstl. Garski) der Elitedivision "Großdeutschland" und eine Pioniergruppe, insgesamt 400 Freiwillige, werden in zwei Einheiten aufgeteilt: in die Gruppe Garski, Abteilung Süd (56 Störche) und die Gruppe Hauptmann Krueger, Abteilung Nord (42 Störche). Ihre Aufgabe: östlich von Sedan, im Raum Neufchateau-Martelange, zwischen den belgischen und französischen Truppen Verwirrung zu stiften und die wichtigsten Straßen bis zum Eintreffen der Panzerspitzen zu blockieren. Um 4.20 Uhr starten von Bitburg und von Dockendorf aus die beiden Gruppen mit 196 Soldaten, der ersten Welle. Ihr Ziel: die belgischen Städtchen Nives und Witry.
    Pünktlich um 5:35 Uhr fliegt Garski über die luxemburgische Grenze. Wolf Durian von der Division "Großdeutschland" ist dabei: "Über Perl an der belgischen Grenze hatte man Feuer erwartet, aber es fiel kein Schuss. Wir flogen über die belgischen Linien hinweg, erreichten den Wald und waren nun in Sicherheit. Eine halbe Stunde lang dauerte der Flug, dann landeten wir genau zwischen Witry und dem kleinen Fleckchen Traimont auf einer Wiese neben der Landstraße. Der Oberstleutnant und sein Adjutant sprangen als erste aus ihrem Flugzeug, die Maschinenpistole in der Faust. Die anderen Störche setzten ebenfalls zur Landung an ... Im Laufschritt kamen vier Mann, die südlich der Straße gelandet waren. Sie schleppten zwei Maschinengewehre. 'Sofort Straße sperren!' befahl der Oberstleutnant ...
    Wir befanden uns bereits 60 Km Luftlinie in Feindesland. Verstärkung war vor 8 Uhr nicht zu erwarten ... " Zwei Stunden später stehen die in zwei Wellen gelandeten Soldaten der Gruppe Garski und Krueger im harten Kampf mit den Vorhuten des 1.e Regiment Ardenais und des 5.e R.A.M., bisam nächsten Morgen die Spitzen der 1. Panzerdivision auftauchten.


    Das Ziel der zweiten Operation des Unternehmens "Hedderich": die 125 ausgesuchten Soldaten unter Oberstleutnant Hedderich (34. Inf.-Div.) sollen sämtliche Straßenkreuzungen im Raum Esch-sur-Alzette (Luxemburg) sperren, um so das Vordringen der französischen Truppen aus der waffenstarrenden Maginot-Linie in Richtung Hauptstadt Luxemburg zu verhindern und somit die Südflanke des durch die Ardennen vorstoßenden deutschen Panzerkeils abzuschirmen. 25 Fi 156 Storch stehen für das Unternehmen "Hedderich" auf dem Flugplatz Trier-Eupen.
    Um 5 Uhr meldet das Armeeoberkommando Ia an die Heeresgruppe A: "Erste Welle Fieseler Störche planmäßig an ihren Zielen gelandet." Feldwebel Tappert: "Es war noch dunkel, als ich mich in die vollgestopfte Storch-Kabine zwang. Ich hockte auf einem kleinen Notsitz zwischen MG-Munitionsgürteln, Bündeln von Handgranaten und anderem Zeug. Hinter mir die Schottwand, vor mir steckte der Obergefreite Dreikandt und ganz vorn der Flugzeugführer Leutnant König. Der Motor wurde angelassen und wir rollten langsam zum Start. Weit an der Horizontlinie imOsten hob sich ein schmaler heller Streifen - der neue Tag begann: Freitag der 10. Mai 1940. Die Maschine machte ein paar Sprünge, wir waren in der Luft und flogen dicht über den Wäldern in westliche Richtung. Auf dem noch dunklen Himmel zeichneten sich schwach die vorderen Maschinen ab, die schnurstracks vor uns schwebten ... In der Kabine wurde es heller ... Durch die goldenen Sonnenstrahlen zog der Nebel aus den Tälern und legte sich um die Hügel - es kündigte sich ein schöner Tag an.
    Wir waren über Luxemburg. Jeden Augenblick erwarteten wir Feuer von unten - aber es geschah nichts. 'Meine Herren wir landen', rief auf einmal unser Flugzeugführer. Er drosselte den Motor und ging sanft runter; ein paar hundert Meter vor uns landeten schon die anderen Maschinen. Wir setzten sanft wie mit einem Fahrstuhl auf und noch während der Propeller lief, warfen wir unsere Klamotten eilig durch die aufgeklappte Tür auf die morastige Wiese ...
    Mit dröhnemden Motor rollte die Fieseler zum Start an uns vorbei, die Räder fast bis an die Achsen im Morast. Plötzlich sahen wir erschrocken wie die Maschine auf die Nase kippte, der Propeller krachte, sie sich um ihre eigenenAchse drehte und auf den Rücken legte.
    König krabbelte auf allen vieren aus der Fieseler, fluchend wie ein Fiaker. Wir stellten ihn auf die Beine und berieten, was zu tun wäre. 'Na, als erstes muss ich nach Dienstvorschrift den Storch vernichten, damit er dem Feind nicht in die Hände fällt', murmelte König und fummelte an der Maschine herum. Da gurgelte es schon und Benzingeruch verbreitete sich.
    'Jetzt aber los', rief er uns zu und warf ein brennendes Stück Papier zwischen Flügel und Kabine, aus der die dünnen, langen, Storchbeine in die Luft ragten ..."
    Wie befürchtet tauchen, nachdem die Hedderich-Gruppe gelandet ist, französische Truppen auf: Das 6. algerische Spahi-Regiment (Col. Jouffrault) ist mit seinem exotischen Reitern zur Stelle. Der Kampf mit ihnen dauert an, bis die Einheiten der 16. Armee erschienen. Die verbrannten Reste der Fieseler-Storch-Maschinen makieren sie Schauplätze der ersten und einzigen Masseneinsätze von Fi 156. 22 Maschinen gehen bei diesem Unternehmen verloren: die meisten beim Start oder durch Bruchlandung auf morastigen Wiesen, dann von den Piloten in Brand gesteckt."


    Gruß
    Tobias


    gefunden bei: Janusz Piekalkiewicz, "Luftkrieg 1939-1945"

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

  • Hallo,


    als weitere Quelle zum Thema "Hedderich" habe ich folgendes Buch anzubieten


    Kriegsschauplatz Luxemburg, August 1914, Mai 1940
    von E. T. Melchers


    Der Autor beschreibt sehr ausführlich den deutschen Einmarsch in Luxemburg aus luxemburgischer Sicht.
    Auch recht ausführlich wird das Thema "Hedderich" behandelt.
    Laut den Quellenangaben des Autors hat dieser auch mit Hedderich persönlich gesprochen.


    Das Buch scheint im Antiquariat selten und teuer. Ich habe es gerade per Fernleihe vorliegen.


    Grüße
    Sören

  • Morjen,
    GD startete mit etwa 40 Fi 156 vom Flugplatz Trier-Euren aus (habe Tagebuch eines der beteiligten Nahaufklärer-Flugzeugführer).
    Kleiner Fehler: Perl ist eine deusche Grenzgemeinde im Dreieck Deutschland-Frankreich-Luxemburg und nicht in Belgien. Die erste Gruppe ist bei Differdange-Schifflingen/Luxemburg gelandet und stoppte den Arbeiterbus von Differdange nach Frankreich (Eisenhüttenindustsrie) und versperrte durch Umwerfen des Buses eine Straßenunterführung.
    Melchers ist mit einiger Vorsicht zu genießen. Er wirft oft einiges durcheinander. Er selbst war bei der Gendarmerie oder bei der Freiwilligenkompanie. Auf luxemburger Seite gab es vier Verwundete, zumeist durch Unfälle.


    Kampfhandlungen konnten nicht ganz verhindert werden, es gab einen Vorstoß französischer Dragoner (Aufklärungspanzer) nach Luxembourg mit Verlusten auf beiden Seiten. Zudem griff die RAF die Vormarschstrßen der Wehrmacht in Luxemburg an (Battle "Fairey" Bomber).
    Gruß
    h.

  • Hallo,
    nur eine kleine Ergänzung. " Perl" ist eine Gemeinde im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Liegt an der Mosel gegenüber Schengen.
    In Berichten über den Westfeldzug 1940, Offensive über Luxemburg, taucht hin und wieder diese Ortsbezeichnung auf . Hier kann es sich aber nur um den Ort "Perlé" handeln.
    "Perlé" liegt in Luxemburg, unmittelbar an der Grenze zu Belgien und direkt neben Martelange. Also an der Panzerstrasse 2 über die z.B. auch die 1.Pz-Division am 10. Mai 1940 vorrückte (Wallendorf-Diekirch-Martelange)..
    Perl scheidet schon deswegen aus da die Moselbrücke nach Schengen bereits im September 1939, im Zuge der "Saar-Offensive" gesprengt wurde.
    An der Mosel gab es 3 weitere Brücken, Grevenmacher, Wormeldange und Remich. Über die beiden Letzteren sind, auch die Vorausabteilungen A und B des "Kommandos Hedderich" einmarschiert.
    Mit besten Grüßen
    Entique

  • Hallo Tobias,


    Eine etwas kritische Anmerkung zu dem Unternehmen "Niwi" :
    Im Grunde hatte dieses Unternehmen den deutschen Truppen mehr geschadet als genutzt, denn die belgischen Ardennenjäger hatten bei Ausbruch der Feindseligkeiten nur den Auftrag vorbereitete Zerstörungen an der belgisch-luxemburgischen Grenze auszuführen und sich dann an die Maas zurückzuziehen.
    Die 5. Kompanie des II. Bataillons des 1. Ardennenjägerregiments unter dem Kommando von Capitaine-Command Bricart, die bei Bodange die deutschen Angriffspitzen für Stunden aufhalten konnte, hatte den von der Division gegebenen Rückzugsbefehl, der von dem Bataillonskommandeur Major Agon an die Kompanie in Bodange weitergeleitet wurde, nicht erhalten, da die beiden belgischen Kradmelder, die diesen Befehl übermitteln sollten, von den deutschen Soldaten des Unternehmens "Niwi" gefangengenommen wurden. Ausserdem hatte der Kommandeur des Luftlandeunternehmens "Niwi" Oberstleutnant Garski angeordnet die belgischen Fernsprechleitungen zu unterbrechen.
    Gruss


    Wolfgang

  • Hallo Ich suche Information (und möglich Bilder) über den Fieseler Storch Operation Niwy in die Belgische Ardennen in May 1940. Vielen Dank.

  • Servus,


    hier ist der Fieseler Storch VA+UN mit der taktischen Nummer 16 zu sehen. LINK LINK


    Aus dem AXIS HISTORY FORUM ist dieser Beitrag.


    In dem polnischen Heft Wydawnictwo Militaria 68 Fieseler Fi-156 Storch cz 1 auf den Seiten 14 & 15 findet sich auch noch etwas zum Thema Niwi / Niwy. LINK LINK (in polinscher Sprache leider)


    Weiterhin etwas im Forum 12'o Clock High.


    Hier könnte auch noch etwas drin stehen über die Operation. LINK


    Französische Seite über die Chasseurs Ardennais und die Verteidigung von Bodange.


    Schau auch mal im Buch The Blitzkrieg Legend von Karl-Heinz Frieser. Dort sind auch Karten enthalten.

    Gruss, Holger

    Edited 3 times, last by Sunninger ().

  • Hallo zusammen,


    zum Abrunden des Themas hier noch die Übersetzung der Verlaufes der Aktions einer französische Web-Site




                        Kommando Hedderich und Operation NiWi

    (NiWi = Nives / Witry)



    10. Mai 1940 04:20 Uhr Start der Fieseler Fi 156 „Storch“ bei Dockendorf und Bitburg

    10. Mai 1940 04:35 Uhr Die erste Welle überquert in geringer Höhe die Luxemburgische Grenze

    bei Wallendorf


    10. Mai 1940 04:35 Uhr Deutsche Einheiten überquert die Sauerbrücke bei Wallendorf und

    erobern den luxemburgischen Grenzposten und entfernen die Grenz-Befestigungen. Die Soldaten

    stoßen schnell weiter vor um das gesetzte Ziel zu erreichen


    10. Mai 1940 04:50 Uhr An der Grenze zwischen Luxemburg und Belgien fliegt die Gruppe Nord

    niedrigen Höhen bis Martelange. Die Nord-Gruppe muss nach Abwehrfeuer ausweichenden und die

    Süd-Gruppe verliert beim Durchflug eine Wolke den Zusammenhang. Der große Teil der Südgruppe

    schließet sich der Aufweichenden Nord-Gruppe an


    10. Mai 1940 05.00 Uhr Die ersten fünf Flugzeuge der Südgruppe landen wie geplant in Witry (Arrondissement Neufchâteau)

    und bilden sofort eine Straßensperre und sicherten die Straße nach Neufchâteau


    10. Mai 1940 05:00 Uhr Die beiden mittlerweile gemischten Gruppen (Nord/Süd) landen im

    Raum Léglise (Arrondissement Neufchâteau) ca.9 – 15 km vom Ziel entfernt. Beide Gruppen

    nahmen Verbindung auf sammelten sich und bewegten mit beschlagnahmten Fahrzeugen in Richtung des

    eigentlichem Ziel Witry


    10. Mai 1940 05.15 Uhr Ein Teil der 10. Kp. Regiment de Chasseurs Ardennais verlässt den Ort

    Sibret Richtung Leglise über Neufchâteau


    10. Mai 1940 05:40 Uhr Die französische „5e division légère de cavalerie“ (5. Leichte Kavallerie-Division)

    wird in Alarmbereitschaft versetzt und bereitete sich auf den Einmarsch in Belgien vor.


    10. Mai 1940 07:00 Uhr Eine zweite Welle der dt. Kommando-Einheiten wie landet geplant in Witry


    10. Mai 1940 07:05 Uhr Eine weitere Welle landet in Nives wie geplant, unmittelbar an der Straße,

    die Bastogne mit Neufchâteau verbindet, und richtet sich zur Verteidigung ein.


    10. Mai 1940 07:30 Uhr Die Spitzen der deutschen 1. Panzerdivision erreicht den Ort Marte der von

    der 4. Kp./II. Btl. 1. Regiment von Chasseurs Ardennais gehalten wird. Bei einem Handstreich geführt

    von Oberstleutnant Hermann BALCK (Kdt. Schützenregiments 1) auf den Ort verlieren vier belgische

    Soldaten ihr Leben

    10. Mai 1940 08:30 Uhr Eine dritte Welle bringt Verstärkungen nach Nives


    10. Mai 1940, 08:30 Uhr Die ersten Aufklärungseinheiten der französische „5e division légère de cavalerie“

    erreichen Neufchâteau


    10. Mai 1940 09:00 Uhr Eine dritte Welle bringt Verstärkung nach Witry, einschließlich einer Mörsergruppe


    10. Mai 1940 09:30 Uhr Belgische Einheiten führen am Ausgang von Witry einen Aufklärungsvorstoß durch

    der von einem leichten belg. Pz.Jg. T13 (T13 Vickers-Carden-Loyd) unterstützt wird.

    Der Vorstoß wir von dt. Einheiten zurückgeschlagen


    10. Mai 1940 11:00 Uhr Männer der französische „5e division légère de cavalerie“ gelingt es, von den

    einsetzenden Versorgungsflügen, eine JU 52 und einen Fi 156 abzuschießen


    10 Mai 1940, 11:30 Uhr 1. Die Panzer-Division erreicht Wisenbach kurz vor Bodange das von den

    „5e division légère de cavalerie“ besetzt ist. Die französischen Einheiten hatten den Befehl zum Räumung nicht mehr erhalten da die Nachrichtenverbindungen im Zuge der Operation „NiWi“

    unterbrochen worden waren.


    10. Mai 1940 11:30 Uhr Die dt. Mörsergruppe eröffnet zur Angriffsvorbereitung das Feuer auf Witry


    10. Mai 1940, 12:00 Uhr dt. Einheiten der 1. Welle aus Léglise treffen in Witry ein


    10. Mai 1940 12:30 Uhr Die deutschen Einheiten erobern Witry sichern den Ort und zerstören,

    nach letzten Kämpfen, den belg. Geschützwagen T13


    10. Mai 1940 14:00 Uhr Die 2. Panzerdivision steht vor Strainchamps. Der Ort wir durch Einheiten der 1. Regiment von Chasseurs Ardennais gehalten


    10. Mai 1940 16:00 Uhr deutsche Artillerie eröffnet das Feuer auf Bodange der Druck auf die franz.

    Einheiten wächst.


    10. Mai 1940 16:00 Uhr Die Einheiten des 1. Regimentes von Chasseurs Ardennais die sich zwischen Fauvilliers, Bodange und Witry befinden erhalten den Befehl sich zurückzuziehen


    10. Mai 1940 16:30 Uhr Die ersten Einheiten 1. Panzerdivision erreichen Fauvilliers. Diese Einheiten

    nehmen Verbindung mit den am Morgen gelandeten Einheiten zwischen Bodange und Witry auf.


    10. Mai 1940 18:00 Uhr Einheiten des 1. Regiment von Chasseurs Ardennais räumen Strainchamps Der Ort wir von der 2. Panzerdivision eingenommen


    10. Mai 1940 19:00 Uhr Nach sechs Stunden Wiederstand kapitulieren die Einheiten des 1. Regiment von Chasseurs Ardennais in Bodange. Bei den Kämpfen fällt der Kp. Chef. BRICART und neun belg.

    Soldaten


    10. Mai 1940 19:00 Uhr Die franz. 5ème Division Légère de Cavalerie (DLC) führt eine Angriff auf die

    dt. Positionen rund um Nives durch muss sich auf Grund des starken dt. Wiederstand wieder auf

    ihre Ausgangspositionen zurückziehen.


    Beteiligte Einheiten


    Deutsches Reich


    10. Kp. Infanterie-Regiment Großdeutschland (Gruppe Süd Landung in Witry)

    11. Kp. Infanterie-Regiment Großdeutschland (Gruppe Nord Landung in Nives)


    1. Panzer-Division

    2. Panzer-Division


    Königreich Belgien


    1er Régiment de Chasseurs Ardennais


    Französische Republik


    5ème Division Légère de Cavalerie (DLC)


    Quelle:  https://3945km.com/2017/02/08/operation-niwi-10-mai-1940/

    Übersetzung f.d.FDW 2018 AD

    Gruss Dieter

  • Hallo zusammen,

    in Bd.1 der "Geschichte des PzKorps GD" von Helmuth Spaeter befindet sich der Bericht des NIWI- Kommandoführers u Kdr III./(Schtz.)/InfanterieRegiment (mot)"Grossdeutschland" ,Oberstleutnant Garski sowie sonstiger beteiligten Soldaten (Seite 83,90-91, 101-104). Eine detaillierte Karte befindet sich auf Seite 108.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo,

    hier noch ein Foto von Werner Hedderich, aufgenommen entweder im Herbst 1940 oder im Frühjahr 1941 in Ruisseauville bei Fruges in Nordfrankreich, wo die 1./IR 80 zu dieser Zeit stationiert war.


    1940-41Hedderich.jpg


    Dieses Bild habe ich im Jahr 2007 schon mal verlinkt, aber diese Links funktionieren altershalber nicht mehr. Ich selbst frage mich auch, wo nur die Zeit hingegangen ist. Ein kleiner Trost ist, dass die Forumssoftware nach über 10 Jahren immer noch sagt, ich sei neu hier. Man fühlt sich dann gleich wieder ein bißchen jünger

    Viele Grüße

    Feldkoch