Flakscheinwerferstellung

  • Liebe Gemeinde,


    in Schönwalde (Barnim) gibt es auf einem Feld Reste einer Flakscheinwerferstellung (so nehme ich jedenfalls an). Habe zwei winterliche Bilder der Stellung angefügt.
    Kann mir jemand Genaueres über eine solche Stellung sagen?


    Danke
    Karsten

  • Hallo Karsten,


    Schöner Fund! Was veranlasst dich, von einer Fakscheinwerferstellung und nicht von einer Flak-Stellung zu sprechen? Gibt es dazu Hinweise? Über Scheinwerferstellungen kann ich leider nicht viel beitragen, aber wenn Du Dich mit Flak-Stellungen beschäftigst, bekommst Du auch eher einen Begriff der Gesamt-Organisation der Fliegerabwehr. Einschlägige Themen hatten wir dazu hier:
    www.forum-der-wehrmacht.de/thread.php?threadid=15237
    www.forum-der-wehrmacht.de/thr…readid=34976&hilight=Flak
    www.forum-der-wehrmacht.de/thr…readid=34420&hilight=Flak
    Außerdem sehenswert sind www.gyges.dk und www.deutschesatlantikwallarchiv.de/aw/glieder/lwflabttr.htm.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo Karsten,


    eine einzelne Flak-(Scheinwerfer-)Stellung irgendwo einsam auf einem Feld macht luftverteidigungs-
    taktisch m.E. wenig Sinn.
    Derartige Luftverteidigungsanlagen waren immer zum Schutz bestimmter Objekte (z.B. Fliegerhorste)
    oder Anlagen (z.B. größere Industrieanlagen) oder im Verbund eines Luftabwehrgürtels
    (z.B. einer Großstadt) eingerichtet.
    Es wäre also sinnvoller, zuerst einmal zu recherchieren, ob es in diesem regionalen Bereich
    überhaupt Luftverteidigungsanlagen gab.


    Andernfalls läufst Du u.U. Gefahr, Reste einer LPG als Flak-Scheinwerferstellung zu interpretieren.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,
    was das für ein Relikt ist, weis ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, daß es sich um Reste von etwas aus der Luftabwehr handelt ist nicht ganz von der Hand zu weisen.
    Leider weis ich nicht, welchen Radius eine Flakstellung schützen sollte/konnte und auch nicht, in welchem Abstand zur Flak die Scheinwerfer standen.


    Anbei ein paar Daten, die Karstens Vermutung untermauern könnten:


    In der Nähe waren z.B.
    - kriegswichtige Zulieferindustrie in Basdorf, Zühlsdorf & Wandlitz
    - Munitionsproduktion zwischen Wandlitz & Bernau
    - in Mühlenbeck produzierte Collonil und es gab ausgelagerte Produktion von Heinkel
    - Berlin liegt "um die Ecke"
    - Oranienburg mit seiner Industrie war auch nicht so weit weg.


    In Luftlinie der o.g. Position war etwa 2,5km südlich Flak stationiert (Schönerlinde, nahe Hobrechtsfelder Weg)
    Quelle1,
    Quelle2


    1945 soll zusätzlich Eisenbahnflak im Bereich gewesen sein (Quelle)


    Auch in Mühlenbeck soll Flak gestanden haben - dafür hab ich aber bisher lediglich Zeitzeugenaussagen und keine weiteren Belege.


    Gruß,
    1241

  • Quote

    ... eine einzelne Flak-(Scheinwerfer-)Stellung irgendwo einsam auf einem Feld macht luftverteidigungstaktisch m.E. wenig Sinn.
    Derartige Luftverteidigungsanlagen waren immer zum Schutz bestimmter Objekte (z.B. Fliegerhorste)
    oder Anlagen (z.B. größere Industrieanlagen) oder im Verbund eines Luftabwehrgürtels
    (z.B. einer Großstadt) eingerichtet. ... (KINZINGER)


    Moin Rudolf


    Einzelstellungen fernab von schützenswerten Objekten machen sehr wohl Sinn und waren, wenn sie denn Teil eines Luftabwehrgürtels waren, häufiger anzutreffen.


    Als Beispiel kann ich den Großraum Hannover nennen. Im Umfeld von ca- 30- 40 km befanden sich mehrer einzelne Scheinwerferstellungen (teils am Ortsrand, teils an Feldwegen auf freier Flur), die anfliefende Verbände schon weit vor der Stadt erfassen sollten.


    Theoretisch würde die Lage also nicht gegen eine Scheinwerferstellung sprechen.


    Gruß
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    was habe ich denn geschrieben ?


    Quote

    ...oder im Verbund eines Luftabwehrgürtels (z.B. einer Großstadt) ...


    Jetzt ist nur die Frage, wo der Luftabwehrgürtel ist !?! Ich bin nicht darüber informiert, ob
    BARNIM derart geschützt wurde.
    Meine Anregung zielte darauf, zuerst einmal zu recherchieren, ob unter diesen Aspekten
    (schützenswerte Objekte, Teil eines Luftabwehrgürtels) überhaupt die Wahrscheinlichkeit
    besteht, dass hier Fla-Stellungen waren.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Hier unser Bereich STADE war Teil des Luftabwehrgürtels HAMBURG (30 - 50 km entfernt) und mir ist bekannt, wo diese Stellungen lagen. Aber eben als Teil eines Luftabwehrgürtels
    und nicht ohne Zusammenhang !

  • Hallo Rudolf,


    Klar sehe ich ein, dass eine Aussage wie "Einzelstellungen fernab von schützenswerten Objekten machen sehr wohl Sinn [...], wenn sie denn Teil eines Luftabwehrgürtels" waren, widersprüchlich ist, aber 1241s Hinweise auf Industrie und Flak-Stellungen in 2,5 km Entfernung sind ja nicht uninteressant und könnten durchaus für dort aufgestellte Flak und Scheinwerfer sprechen.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo Thomas,


    es war eine Antwort an Andreas ("Hallo Andreas"), sonst hätte ich geschrieben "Hallo 1241" !
    Der Beitrag von 1241 geht genau in die Richtung, die ich angeregt habe, von daher erübrigte
    es sich von meiner Seite, darauf einzugehen, denn damit hat er Aussagen zu dem mir fehlenden
    "Gesamt-Zusammenhang" gemacht ! Und damit ist dann auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit
    gegeben, dass es sich um Reste einer Fla-Stellung handeln könnte.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,
    ich bin zwar ein Neuling in diesem Forum, aber:
    was mit der Geschichte der Flak habe ich mit seit über 50 Jahren befasst, und das die Flak im Großraum Köln-Bonn-Aachen anbetrifft, so habe ich das quasi auch beruflich gemacht.
    Bin also doch nicht ganz unbeleckt.


    Scheinwerfer standen bei großen Luftverteidigungszonen, wie sind von den Flakdivisionen geführt worden, zum einen noch vor den Geschützstellungen, im Fall Köln waren das ca. 14-20 km, zum zweiten gab es Scheinwerfer in Nähe der Mitte das Schutzobjektes, meist in Parks oder Gartenanlagen aufgestellt.


    Anders als Flakgeschütze einer schweren Batterie, die eng um die Befehlsstelle beieinander lagen, waren die schweren Scheinwerfer weit von einander entfernt aufgestellt, nicht selten betrug die Entfernung 1 km. Eine Scheinwerferstellung bestand üblicherweise aus dem SW, der von einem Splitterschutzwall umgeben war, einem Generator und einer Unterkunftsbaracke, war es ein Leitscheinwerfer, stand daneben, ebenfalls hinter einem Schutzwall ein Funkmess- oder ein Horchgerät.


    Die Überreste aus der Gegend von Barnim, die auf den Fotos zu sehen sind, passen nicht so recht zu einer SW-Stellung. Ich erkenne die Reste einen Ziegelbaues und einen runden Betonsockel (Durchmesser?) mit einem wohl ehemals drehbaren "Dingsbum" in der Mitte.


    Meiner Ansicht nach könnten es die Überreste eines Funkpeilers sein, denn in nicht zu gro0ßer Entfernung lag doch der Fliegerhorst Finow, oder?


    Ich empfehle mal zu versuchen, die Luftbilder des für diesen Bereich zuständigen Kampfmittelräumdienstes (oder wieder der jetzt heißt) einzusehen und einen der dortigen Auswerter zu fragen, für was er die Anlage hält.


    Mit besten Grüßen und Erfolgswünschen
    Gebhard Aders

  • Hallo,


    in der ganzen Gegend von Bernau gab es auch mehrere Anlagen/Einheiten der NVA und Sowjet-Armee aus dem Bereich der Luftverteidigung. Zum Beispiel in Ladeburg die 41. Fla-Raketenbrigade „Hermann Duncker“.
    Eventuell gehört es dazu.


    Ansonsten gab es noch nördlich von Ladeburg das Lager „Koralle“, die ehemalige zentrale Marine-Funkleitstelle für U-Boote des Führungszentrum des Oberkommandos der Kriegsmarine.

    Grüße von imation

  • Kollegen,
    löst Euch mal von der Vorstellung, dass die (schwere) Flak generell einzelne Industrieanlagen oder Fliegerhorste schützte.


    Dazu wäre die LW weder personell noch ausstattungsmäßig in der Lage gewesen.


    Zu einem Schutzobjekt gehörten immer mehrere potentielle Ziele: Verkehrsanlagen, Industrieanlagen, Fliegerhorste, Wohngebiete. Sie wurden rundum von der schweren Flak geschützt (nach Westen stärker als im Osten).


    Je nach Größe des Objekts war dazu bis zu 4 Flakgruppen (= Regimenter) nötig - z. B. in Köln - mit je 3-4 Untergruppen (= Abteilungen, Bataillone) mit je 3 schweren Batterien. In diesem Schutzbereich lagen 2 Fliegerhorste, 1 Flughafen, U-Boot-Motorenbauer wie KHD, ein halbes Dutzend großer Verschiebebahnhöfe, das Treibstoffwerk in Wesseling, die Braunkohlenkrafte in der Ville u.a.m.
    Objekte wie Leuna, Kassel, Hannover kamen mit einer Flakgruppe aus (wenigstens anfangs),
    noch kleinere wie Bielefeld mit einer Untergruppe.


    Sonderfälle waren die großen Munas - zu deren Schutz wurden jede Menge schwerer Batterien abgestellt - die praktisch nie zum Schuss kamen, wie bis kurz vor Kriegsende die Munas für die Alliierten keine Ziele waren.


    Fliegerhorste hatten nur leichte/mittlere Alarmflakbatterien, wenn's mal in deren schwere Batterien gab, gehörten die zum Gürtel eines größeren Schutzobjekts.


    Scheinwerfer ohne Flak in der Nähe gab es jede Menge: Beispiele:
    - Wolkenhöhemessscheinwerfer an Flugplätzen,
    - 60 cm-Werfer zur Anstrahlung von Hindernissen in der Nähe von Flugplätzen (Baumwipfel von Wäldern, hochliegende Eisenbahndämme u.a.
    - die senkrecht leuchtenden Scheinwerfer der Scheinwerferstraßen zwischen bestimmten Fliegerhorsten als Orientierungshilfen für die 1-mot-Nachtjagd.


    Beste Grüße
    Euer
    Gebhard Aders

  • Hallo Karsten,
    bist du in der Lage von den Resten dieser Stellung ein paar Maße beizubringen. Auf den Bildern sieht es ja so aus, als wenn um ein Gebäude Mastfundamente bestehen. Ich habe da einen Verdacht, will aber auch keine falsche Spur legen
    Gruß Uwe

  • hallo zusammen
    ich glaube das es tatsächlich eine flakscheinwerferstellung war. ich vermute das sich diese reste auf dem ehemaligen Flugfeld schönwalde befindet.
    desweiteren standen in velten Luftlinie ca 5km 2 Flakgeschütze und ein weiteres in Hennigsdorf .

  • Hallo walwenk,
    du bist auf dem Holzwege. 1.) ist der Ort Schönwalde nicht identisch mit der von dir gedachten Lokalität (Flugplatz Schönwalde), sondern befindet sich an der B 109 zwischen Schönerlinde und Basdorf.
    2.) sind die Fundamente der o.g. Stellung so aufwendig hergestellt, das dort etwas technich hochkompliziertes gestanden haben muß.
    Gruß Uwe

  • Hallo Karsten,
    entstanden Deine zwei Fotos bei 52°40'37.2"N 13°27'23.6"E ? Eine genaue Lokalisation wäre hilfreich.
    Vielleicht findest Du eine Antwort in:
    Bukowski, Radarkrieg und Nachtluftverteidigung.
    Gruß aflubing.

  • Hallo,
    bei Bukowski ist dieses Bauwerk nicht erwähnt. Eumex es handelt sich nicht um das von dir genannte Schönwalde.
    Gruß Uwe

  • Hallo 1241 - einen Vornamen fände ich besser - mal etwas zur Flak um Mühlenbeck.
    Zwischen Mühlenbeck und Schönwalde wurde ein Flakzug der 1. Flakdivision Berlin eingesetzt. Eine der Wichtigsten Schutzobjekte war das BRAMO- Objekt - Raketentreibstoff - siehe Zühlsdorf. In dem Buch von Karl Loose " Meine drei Berufe ..... " von 2013 ISBN 978-3-86386-585-6 beschreibt er seine Ausbildung als Flakhelfer im Januar 1944 in Mühlenbeck und im Nachbarort Großstückenfeld findest Du u.a. auch die Gräber von Flaksoldaten . Ferner gab es in nördlicher Richtung eine schwere Flakbatterie und in südlicher Richtung eine leichte Flakbatterie..
    Ja und Rudolf - bitte denke auch mal an das Flugzeugwerk von Heinkel - Oranienburg. Da findet man fast wöchentlich immer noch Blindgänger.
    Zum Bild : Flak-Scheinwerferstellung Schönwalde - gibt es da eine etwas genauere Lagebestimmung ?( Warum - wenn dieses Bild nach 1990 entstanden ist und bei dem Bernauer Damm liegt könnte es sich auch um die Reste eines Funkpeilers des MfS handeln . Die HA III des MfS hatte dort eine Funkpeilstation


    Gruß - Achim - Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944